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Bundesverwaltungsgericht 30.12.2011 D-6867/2011

30 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,511 parole·~8 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Dezember 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6867/2011 Urteil   v om   3 0 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Contessina Theis, mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting­Schalch;   Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am … , Türkei,   vertreten durch Dr. iur. Kamil Tanriöven,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 15. Dezember 2011 / N … .

D­6867/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  am  21. Juli  2011  –  anlässlich  einer  Bahnfahrt … – von der Bahnpolizei verhaftet wurde, da er sich anlässlich  einer Kontrolle nicht ausweisen konnte,  dass er am nächsten Tag von der Kantonspolizei … dem Empfangs­ und  Verfahrenszentrum des BFM … zugeführt wurde, wo er am gleichen Tag  ein Asylgesuch einreichte,  dass  er  vom  BFM  am  4.  August  2011  zu  seiner  Person,  seinem  Reiseweg  und  summarisch  zu  seinen  Gesuchgründen  befragt  und  am  1. September  2011  einlässlich  zu  seinen  Gesuchsgründen  angehört  wurde,  dass  er  dabei  vorbrachte,  er  sei  ein  Staatsangehöriger  der  Türkei  kurdischer  Ethnie  und  er  stamme  ursprünglich  aus  der  Provinz  X._______  [im Osten der Türkei], er sei aber bereits als Kind mit seiner  Familie  nach  Y._______  [im  Westen  der  Türkei]  umgezogen,  wo  bis  heute seine Eltern und fünf seiner acht Geschwister wohnhaft seien und  wo  er  die  letzten  Jahre  als Arbeiter  in  der  Textilindustrie  tätig  gewesen  sei,  dass  er  während  der  Kurzbefragung  und  der  einlässlichen  Anhörung  wiederholt darauf hinwies, er stehe in die Schweiz in Kontakt mit seinem  älteren Bruder, welcher seit vielen Jahren hier lebe,  dass  er  namentlich  vorbrachte,  seine  Familie  sei  1992  von  der  Provinz  X._______  nach Y._______  umgezogen,  da  damals  ihr Heimatdorf  von  der  türkischen  Armee  bombardiert  und  zudem  seine Mutter  vom Militär  gefoltert worden sei, da seiner Familie die Unterstützung von Terroristen  vorgeworfen worden sei,  dass ihm damals als Kind vom Militär mit einer Eisenstange auf den Kopf  geschlagen worden sei, weshalb er bis heute viele Sachen nur  langsam  verstehe,  dass seine Familie nach dem Umzug nach Y._______ ein ruhiges Leben  geführt  habe, er  selbst  jedoch …  [bereits  als  Jugendlicher]  den Kontakt  zur HADEP und später zur DTP gesucht habe, 

D­6867/2011 dass er Mitglied der HADEP und später Sympathisant der DTP geworden  sei  und  deswegen  von  1998  bis  Ende  2001  respektive  in  den  Jahren  1998 und 1999 mindestens fünfzehn oder doch zumindest zehn Mal von  Polizisten  in  Zivil  für  24 Stunden  in Haft  genommen,  befragt  und  dabei  misshandelt worden sei, wobei aber nie etwas Schriftliches  festgehalten  worden sei, dass  er  auch  im  Jahre  2003  nochmals  vier  oder  fünfmal  auf  gleiche  Weise in Polizeihaft gekommen sei,  dass er sich später  für die BDP engagiert habe, glaublich ab dem Jahre  2005  respektive  dem  Datum  der  Gründung  dieser  Partei  [am  2.  Mai  2008],  wobei  er  in  all  den  Jahren  auch weiterhin  von  Polizisten  in  Zivil  zuhause  aufgesucht,  behelligt  und  auch  immer  wieder  mitgenommen  worden  sei,  wobei  auch  in  diesen  Jahren  nie  etwas  schriftliches  festgehalten worden  sei,  sondern man  ihm  immer wieder wegen  seiner  Kontakte gedroht habe,  dass er sich schliesslich ab dem Frühjahr 2011 aktiv am Wahlkampf der  BDP  für  die  Wahlen  vom  Juni  2011  beteiligt  habe,  indem  er  an  Versammlungen teilgenommen und – insgesamt mehrere hundert Male –  auch Wahlplakate ausgehängt und Flugblätter verteilt habe,  dass  er  deswegen  –  anlässlich  erneuter Mitnahmen  durch  Polizisten  in  Zivil glaublich am 10. und 12. Mai 2011 sowie am 15. Juni 2011 – neu mit  dem Tod bedroht worden sei, worauf er sich zur Ausreise aus der Türkei  entschlossen habe,  dass der Beschwerdeführer im Verlauf der einlässlichen Anhörung zudem  geltend machte, er habe in der Zwischenzeit über einen Freund erfahren  habe,  dass  er  nach  seiner  Ausreise  von  der  Polizei  mittels  Haftbefehl  gesucht worden sei (act. A8 F. 5 und F. 118 ff.),  dass  er  auf  die  Frage  nach  seinem  Reiseweg  vorbrachte,  er  sei  am  17. Juli  2011  –  versteckt  in  einem  LKW  und  ohne  Papiere  respektive  vielmehr ausgestattet mit einem gefälschten Reisepass – aus der Türkei  ausgereist, worauf  er nach einer Reise  von viereinhalb Tagen über  ihm  unbekannte  Länder  einen  ihm  unbekannten Ort  in  der  Schweiz  erreicht  habe,  wo  er  an  einem  ihm  unbekannten  Bahnhof  einen  Zug  bestiegen  habe, worauf er in diesem Zug verhaftet worden sei, 

D­6867/2011 dass er bei der Kurzbefragung auf die Frage des BFM nach dem Verbleib  seiner  Reise­  und  Identitätspapiere  vorbrachte,  zwar  habe  er  in  seiner  Heimat einen Reisepass und auch eine Identitätskarte besessen,  jedoch  sei  der  Reisepass  –  welchen  er  sich  erschlichen  habe  –  bei  seinem  Schlepper geblieben und er habe seine Identitätskarte zuhause gelassen,  da  er  sich  gedacht  habe,  er  werde  sich  gegenüber  den  Behörden  mündlich ausweisen (act. A14 Ziff. 13),  dass  er  bei  der  einlässlichen Anhörung  auf  die  Frage  des  anwesenden  Hilfswerkvertreters  vorbrachte,  er  habe  seine  Identitätskarte  anlässlich  seiner  Ausreise  lieber  in  der  Türkei  zurückgelassen,  da  er  bei  einer  allfälligen Verhaftung mit seiner Identitätskarte wieder  in die Türkei hätte  zurückgeschickt werden können (act. A8 F. 22),  dass  er  später  auf  zusätzliche  Frage  des  Hilfswerkvertreters  angab,  er  habe seine Reise in dem LKW im Besitz eines gefälschten Reisepasses  absolviert, welchen er  jedoch am Ende der Reise wieder habe abgeben  müssen (act. A8 F. 129 ff.) dass er schliesslich bei der Kurzbefragung vorbrachte, er werde sich um  die  Beschaffung  seiner  Identitätskarte  bemühen  (act.  A14  Ziff.  14),  wogegen er  im Verlauf der Anhörung geltend machte, sein  in der Türkei  befindlicher Bruder könne ihm die Identitätskarte nicht zusenden, da dies  für  ihn  (den  Beschwerdeführer)  zu  gefährlich  wäre,  könnte  doch  die  Identitätskarte  im  Falle  einer  Zusendung  vom  Staat  abgefangen  und  damit sein Aufenthaltsort bekannt werden (act. A8 F. 17 ff.),  dass das BFM mit Verfügung vom 15. Dezember 2011 –  in Anwendung  von  Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  (AsylG,  SR 142.31)  –  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug anordnete,  dass  das  Bundesamt  dabei  ausführte,  vom  Beschwerdeführer  seien  innert  48  Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuches  keine  Reise­  oder  Identitätspapier  vorgelegt  worden  und  für  die  Nichtabgabe  heimatlicher  Papiere  lägen  keine  entschuldbaren  Gründe  vor,  da  der  Beschwerdeführer willentlich ohne seine Identitätskarte gereist sei und er  es  bis  heute  unterlassen  habe,  etwas  in  Richtung  einer  Papierbeschaffung zu unternehmen, 

D­6867/2011 dass  das  Bundesamt  im  Anschluss  daran  festhielt,  die  weit  in  der  Vergangenheit  liegenden Ereignisse  seien  für  die Ausreise  nicht  kausal  gewesen  und  damit  nicht  asylrelevant,  weshalb  auf  eine  Auseinandersetzung  mit  der  Frage  der  Glaubhaftigkeit  der  diesbezüglichen  Vorbringen  verzichtet  werden  könne,  und  die  für  das  Jahr  2011  geltend  gemachten  Ereignisse  seien  aufgrund  von  Widersprüchen  und  deutlichen  Ungereimtheiten  im  Sachverhaltsvortrag  unglaubhaft,  weshalb  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle,  wobei  aufgrund  der  Akten  auch  keine  zusätzlichen  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses erforderlich seien, dass  das  Bundesamt  schliesslich  den  Wegweisungsvollzug  nach  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erklärte,  wobei  es  an  dieser  Stelle –  anstatt die Türkei – Algerien erwähnte,  dass  der  Beschwerdeführer  am  20.  Dezember  2011  –  handelnd  durch  seinen Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid Beschwerde erhob,  dass  er  in  seiner Eingabe  die Gewährung  von Asyl  beantragte  und  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  ersuchte, wie  auch  um  ein Aussetzen  des  Wegweisungsvollzuges und die Gewährung der aufschiebenden Wirkung  der Beschwerde,  dass er mit der Beschwerde eine  Identitätskarte  im Original nachreichte  und  im  Rahmen  der  Beschwerdebegründung  an  seinen  Gesuchsvorbringen  festhielt,  worauf  –  soweit  erheblich  –  in  den  nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist,  dass  dem  Beschwerdeführer  am  22.  Dezember  2011  der  Eingang  der  Beschwerde bestätigt wurde (vorab per Telefax) ,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  noch  am  gleichen  Tag  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (vgl. dazu Art. 109 Abs. 2 AsylG),  und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 

D­6867/2011 beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]  sowie  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20.  Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) richtet, soweit  das VGG oder das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG sowie  Art. 6 und 105 AsylG), dass mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  legitimiert  ist,  sich  die  Beschwerde  als  formgerecht  erweist  und  die  Eingabe  aufgrund  der  Akten  auch  als  fristgerecht zu erkennen ist (vgl. dazu Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 52 Abs. 1  VwVG und Art. 108 Abs. 2 AsylG), weshalb auf die Beschwerde – unter  Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen – einzutreten ist,  dass die Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide  nach Art. 32 – 35 AsylG, mit denen es das BFM ablehnt, ein Asylgesuch  auf  seine materielle  Begründetheit  hin  zu  überprüfen,  grundsätzlich  auf  die Überprüfung der Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf  das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  dementsprechend  –  sofern  es  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung  enthält,  die  angefochtene  Verfügung  aufhebt und die Sache zur neuen Entscheidung ans BFM zurückweist, dass  demzufolge  die  Frage  nach  einer  allfälligen  Asylgewährung  nicht  Gegenstand  des  Verfahrens  bildet,  weshalb  auf  das  diesbezügliche  Beschwerdebegehren nicht einzutreten ist,  dass beim Nichteintretenstatbestand von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG – auf  welchen  sich  die  angefochtene  Verfügung  stützt  –  immerhin  die  Besonderheit  besteht,  dass  das  BFM  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  das  offenkundige  Nichterfüllen  der  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  und  das  offenkundige  Fehlen  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  zu  beurteilen  hat  (vgl.  dazu 

D­6867/2011 nachfolgend),  weshalb  insoweit  bei  dagegen  erhobenen  Beschwerden  auch die Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand bildet, soweit dies im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  möglich  ist  (vgl.  BVGE  2007/8;  insbes. E. 2.1 und E. 5.6.5 f.), dass  demgegenüber  hinsichtlich  der  Frage  der Wegweisung  und  deren  Vollzuges  die  Beurteilungszuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  nicht  beschränkt  ist,  da  sich  das  BFM  diesbezüglich  auch materiell  zur  Sache zu äussern hatte,  dass sich die vorliegende Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als  offensichtlich unbegründet erweist, weshalb darüber  in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),  dass  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Entscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass  gemäss  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten wird, wenn Asylsuchende den Behörden nicht  innerhalb von  48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise­ oder Identitätspapiere  abgeben, dass  indes  auch  im  Falle  einer  Nichtabgabe  von  Papieren  auf  ein  Asylgesuch  einzutreten  ist,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können, sie seien zur Vorlage von Papieren aus entschuldbaren Gründen  nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), oder wenn aufgrund der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG), oder  wenn  sich  aufgrund  der  Anhörung  die  Notwendigkeit  zusätzlicher  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG),  dass  vorliegend  die  Grundvoraussetzung  für  einen  Nichteintretensentscheid  in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst.  a AsylG  ohne weiteres erfüllt ist, da der Beschwerdeführer beim BFM keine Reise­  oder Identitätspapiere eingereicht hat (vgl. dazu auch BVGE 2007/7),  dass er zwar mit seiner Beschwerde – mithin knapp fünf Monate nach der  ersten  Aufforderung  zur  Papierbeschaffung  –  eine  Identitätskarte  nachgereicht  hat,  alleine  dies  jedoch  nicht  zu  einer  Aufhebung  des  Nichteintretensentscheides  führt  (vgl.  dazu  Entscheidungen  und 

D­6867/2011 Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  1999  Nr. 16 E. 5/c/aa),  dass vor diesem Hintergrund namentlich zu prüfen ist, ob in vorliegender  Sache das nicht fristgerechte Einreichen von rechtsgenüglichen Papieren  aufgrund der Akten als entschuldbar zu erkennen  ist  (im Sinne von Art.  32 Abs. 3 Bst. a AsylG), dass  diese  Frage  indes  gerade  auch  unter  Berücksichtigung  der  jetzt  erfolgten Nachreichung einer Identitätskarte eindeutig zu verneinen ist,  dass  in  diesem  Zusammenhang  vorab  festzuhalten  bleibt,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  Identitätskarte  eigenen  Angaben  zufolge  bewusst  in  der  Heimat  zurückgelassen  hat,  um  einen  allfälligen  Wegweisungsvollzug zu erschweren,  dass er –  trotz enger  familiärer Kontakte sowohl  in der Heimat als auch  der  Schweiz  –  seine  Identitätskarte  während  der  Hängigkeit  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  nicht  nachgereicht  hat,  obwohl  ihm  dazu  mehr als vier Monate Zeit zur Verfügung gestanden hätte,  dass er erst mit seiner Beschwerde eine Identitätskarte nachgereicht hat,  er  dabei  aber  nicht  offen  legt,  wann  und  auf  welchem Weg  ihm  diese  zugegangen  ist,  was  nahelegt,  er  sei  schon  seit  längerer  Zeit  in  deren  Besitz, er habe diese aber dem BFM vorenthalten,  dass zusammenfassend kein Anlass zur Annahme bestehen kann, eine  frühere  Einreichung  von  Papieren  sei  dem  Beschwerdeführer  nicht  möglich gewesen (vgl. dazu BVGE 2010/2 E. 6),  dass  im  Rahmen  der  Beschwerdeeingabe  nichts  anderes  geltend  gemacht  wird,  sondern  sich  der  Beschwerdeführer  faktisch  nur  darüber  beschwert,  die  Vorinstanz  habe  ihren  Blick  viel  zu  sehr  auf  die  Frage  seiner Papierlosigkeit gerichtet,  dass nach vorstehenden Erwägungen davon ausgegangen werden muss,  vom Beschwerdeführer seien bis dahin ihm zustehende Papiere bewusst  unterdrückt worden, was nach dem Willen des Gesetzgebers sanktioniert  werden soll (vgl. dazu BVGE 2010/2 E. 5), 

D­6867/2011 dass  demzufolge  zu  prüfen  verbleibt,  ob  dem  Nichteintretensentscheid  einer  der  Ausschlussgründen  nach  Art.  32  Abs.  3  Bst.  b  und  c  AsylG  entgegen steht, dass in dieser Hinsicht die mit dem BFM darin einig zu gehen ist, dass die  angeblich  weit  in  der  Vergangenheit  liegenden  Ereignissen  (Vorfälle  angeblich 1992 im Heimatdort und Vorfälle angeblich von 1998 bis 1999  oder  bis  2001  in  Y._______)  für  den  Ausreiseentschluss  des  Beschwerdeführers  im  Sommer  2011  offenkundig  nicht  kausal  waren,  womit diesen Ereignissen keine Asylrelevanz mehr zukommen kann,  dass  insofern  auf  eine  Auseinandersetzung  mit  der  Frage  der  Glaubhaftigkeit dieser Gesuchsvorbringen verzichtet werden kann,  dass  in  diesem  Zusammenhang  jedoch  anzumerken  ist,  dass  eine  Asylgewährung  nicht  dem  Ausgleich  vergangener  Unbill  dient,  sondern  Schutz  vor  aktueller  oder  künftiger  Verfolgung  bieten  soll  (vgl.  WALTER  KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/ Frankfurt a.M. 1990, S. 127),  dass jedoch gerade in dieser Hinsicht aufgrund der Akten kein Anlass zur  Annahme bestehen kann, der Beschwerdeführer wäre aufgrund jüngerer  Ereignisse  in  der Heimat  auf  eine Schutzgewährung  durch  die Schweiz  angewiesen,  dass  vielmehr  mit  dem  BFM  darin  einig  zu  gehen  ist,  dass  sich  die  Vorbringen  betreffend  angeblich  über  viele  Jahre  andauernde  Nachstellungen  von  Seiten  der  Polizei,  respektive  angeblich  immer  wieder  neue  Mitnahmen  durch  Zivilpolizisten,  ohne  dass  jemals  ein  Strafverfahren eröffnet worden wäre, als nicht nachvollziehbar erweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  zudem  auch  nicht  ansatzweise  nicht  in  der  Lage war,  seine Schilderungen  betreffend  die Ereignisse  von  angeblich  zirka 2005 bis Sommer 2011 mit Substanz zu füllen, sondern er praktisch  durchwegs  an  der  Oberfläche  geblieben  ist  respektive  sich  in  Gemeinplätzen  verloren  hat  (vgl.  dazu  A8  F.  95  ff.),  was  nicht  auf  ein  tatsächliches  Erleben  der  behaupteten  Ereigniskette  schliessen  lässt,  welche zur Ausreise des Beschwerdeführers geführt haben soll,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Beschwerde  zwar  geltend macht,  wegen vermuteter PKK­Anhängerschaft sei er gerade auch in Y._______  über viele Jahre von der Polizei unter Druck gesetzt worden, 

D­6867/2011 dass  seine  diesbezüglichen  Vorbringen  jedoch  nicht  geeignet  sind,  die  offenkundigen  Mängel  in  den  Sachverhaltsschilderungen  zu  erklären,  geschweige denn diese Mängel aufzuwiegen,  dass das Gleiche für seine Ausführungen über die angeblich in der Türkei  herrschenden Verhältnisse zu gelten hat,  dass zusammenfassend mit dem BFM darin einig zu gehen ist, dass der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  offensichtlich  nicht  erfüllt,  wobei  auch  kein  Bedarf  an  weiteren  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  besteht (im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bstn. b und c AsylG), dass  nach  vorstehenden  Erwägungen  der  Nichteintretensentscheid  des  BFM zu bestätigen ist, dass  die Anordnung der Wegweisung  im Einklang mit  den gesetzlichen  Bestimmungen steht und zu bestätigen ist (vgl. Art. 44 Abs. 1 AsylG), dass  somit  zu  prüfen  bleibt,  ob  es  Gründe  gibt,  die  dem  Vollzug  der  Wegweisung entgegenstehen, da das BFM eine vorläufige Aufnahme von  Ausländern  anzuordnen  hat,  wenn  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  unzulässig, unzumutbar oder unmöglich zu erkennen ist (vgl. Art. 44 Abs.  2  AsylG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  im Falle  des Beschwerdeführers  aufgrund  der  Akten  jedoch  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  in  rechtserheblicher Weise  gegen  den  vom  BFM  angeordneten  Vollzug  der  Wegweisung  sprechen  würden,  mithin  von  der  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzuges auszugehen ist (Art. 83 Abs. 2 ­ 4 AuG),  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Beachtung  der  massgeblichen  völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  zulässig  ist,  da  der  Beschwerdeführer  keine  Hinweise  in  Richtung  einer  aktuellen  Verfolgungssituation  darzulegen  vermochte,  womit  auch  keine  glaubhaften  Anhaltspunkte  für  eine menschenrechtswidrige  Behandlung  im Sinne von Art. 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention vom 4.  November 1950 (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind, dass in der Folge auch von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges  auszugehen  ist,  da  im  Falle  des  Beschwerdeführers  –  ein  junger  und 

D­6867/2011 soweit  ersichtlich  gesunder  Mann,  welcher  in  Y._______  über  ein  umfassendes  Beziehungsnetz  verfügt  –  keine  individuellen  Vollzugshindernisse zu erblicken sind,  dass  letztlich  auch  von  der  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  auszugehen ist (vgl. dazu auch Art. 8 Abs. 4 AsylG),  dass  der  Beschwerdeführer  dem  BFM  zwar  eine  unsorgfältige  Entscheidredaktion  vorhält,  was  als  verständlich  erscheint,  da  in  der  angefochtenen  Verfügung  an  einer  Stelle  von  Algerien  statt  der  Türkei  gesprochen wird,  dass  jedoch auch dieser Umstand  (ein  offensichtlicher Redaktionsfehler  der Vorinstanz) keinen anderen Entscheid rechtfertigen kann, sondern die  Anordnung  einer  vorläufigen  Aufnahme  in  der  Schweiz  aufgrund  der  Akten  ausser  Betracht  fallen  muss,  womit  auch  die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzuges zu bestätigen ist, dass  nach  vorstehenden  Erwägungen  die  angefochtene  Verfügung  zu  bestätigen  und  die  eingereichte  Beschwerde  als  offensichtlich  unbegründet abzuweisen ist, dass  das  Ersuchen  um  ein  Aussetzen  des Wegweisungsvollzuges  und  die  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  von  vornherein gegenstandslos war, da der Beschwerde die aufschiebenden  Wirkung vom BFM gar nie entzogen wurde,  dass  demgegenüber  das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  (im  Sinne  von Art. 65 Abs.  1  VwVG)  im Urteilszeitpunkt  abzuweisen  ist,  da  sich die Beschwerde als von Anfang an aussichtslos erwiesen hat,  dass  demzufolge  die  Kosten  des  Verfahrens  von  Fr.  600.–  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (vgl.  Art. 63  Abs.  1  VwVG  und  Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]),  dass  schliesslich  die  mit  der  Beschwerde  nachgereichte  Identitätskarte  nicht wie beantragt an den Beschwerdeführer zurückzusenden,  sondern  zuhanden des BFM sicherzustellen ist (Art. 10 Abs. 2 AsylG). 

D­6867/2011 (Dispositiv nächste Seite)

D­6867/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird – soweit darauf einzutreten ist – abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten wird abgewiesen.  3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.  4.  Die nachgereichte Identitätskarte wird zuhanden des BFM sichergestellt.  5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Contessina Theis Lorenz Mauerhofer Versand:

D-6867/2011 — Bundesverwaltungsgericht 30.12.2011 D-6867/2011 — Swissrulings