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Bundesverwaltungsgericht 06.10.2011 D-6726/2009

6 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,307 parole·~7 min·1

Riassunto

Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid) | Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 27.10.2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6726/2009 Urteil   v om   6 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren X._______, Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Dominique Wetli, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen  Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 27.  Oktober 2009 / N_______.

D­6726/2009 Sachverhalt: A.  A.a.  Der  Beschwerdeführer,  ein  aus  Kabul  stammender  ethnischer  Tadschike mit  letztem Wohnsitz  in Kabul, stellte am 27. November 2001  ein  Asylgesuch  in  der  Schweiz.  Zu  dessen  Begründung  machte  er  im  Wesentlichen  geltend, Behelligungen  seitens  der  Taliban  –  nicht  zuletzt  wegen  seiner  ethnischen  Herkunft  –  sowie  der  in  Afghanistan  herrschende Bürgerkrieg seien die Auslöser für seine Ausreise gewesen.  Insbesondere  sei  sein  Bruder  im  Jahre  (...)  bei  einem  Raketenangriff  getötet worden, worauf er von seinen Eltern wiederholt gedrängt worden  sei, das Land zu verlassen. A.b. Mit Verfügung vom 1. April 2003 lehnte das damalige Bundesamt für  Flüchtlinge (BFF) das Gesuch gestützt auf Art. 3 und 7 des Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ab und ordnete die Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Diese  Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. A.c. Am 23. Oktober 2009 ersuchte der Beschwerdeführer das BFM um  Wiedererwägung  der  Verfügung  vom  1.  April  2003  bezüglich  des  Wegweisungsvollzugs und beantragte unter anderem die Gewährung der  vorläufigen Aufnahme infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.  Zur Begründung  führte er  im Wesentlichen eine massgeblich veränderte  Sachlage  und  das  Vorliegen  neuer  Beweismittel  an.  So  leide  er  seit  längerer  Zeit  an  einer  schweren  (Nennung  Erkrankung)  und  könne  nur  noch  im  Rahmen  eines  sehr  engmaschigen  Betreuungs­  und  Pflegesettings leben. Ohne diese Betreuung müsse davon ausgegangen  werden,  dass  sich  sein  Zustand  innert  kürzester  Zeit  dramatisch  verschlechtern  und  er  nur  kurze  Zeit  überleben  würde.  Bevor  er  im  Durchgangszentrum für betreuungsintensive Asylsuchende untergebracht  gewesen  sei,  sei  es  immer  wieder  zu  massiven  Exzessen  und  Zwischenfällen gekommen, wobei er auch wiederholt mit dem Gesetz  in  Konflikt geraten sei.  Im (...) sei er  (...) von einem Geländer gefallen und  habe sich dabei eine schwere (Nennung Verletzung) zugezogen. Seither  leide  er  auch  an  (...)problemen  und  müsse  täglich  Medikamente  einnehmen. Weiter sei angesichts der heutigen prekären Sicherheitslage  in  seiner  Heimat  auch  die  Stadt  Kabul,  wohin  ein  Vollzug  der  Wegweisung  bisher  unter  bestimmten  strengen  Voraussetzungen  vom  Bundesverwaltungsgericht als zumutbar erachtet worden sei, nicht mehr  sicher. Er sei vor mehr als acht Jahren aus Afghanistan ausgereist. Seine 

D­6726/2009 noch  lebenden  Familienangehörigen  hätten  die  Heimat  ebenfalls  verlassen.  Erst  kürzlich  habe  er  über  Bekannte  erfahren,  dass  seine  Mutter mit  einem  geregelten  Aufenthalt  in  B._______  lebe.  Diese  habe  ihn  in  der  Folge  hier  in  der  Schweiz  besucht,  wobei  er  erfahren  habe,  dass  sein  Vater  vor  (...)  Jahren  in  B._______  verstorben  sei.  In  Kabul  verfüge  er  weder  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  noch  über  eine  gesicherte  Wohnsituation  oder  die  in  seinem  Fall  notwendige  medizinische Betreuung. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er unter  anderem mehrere Arztberichte ein. B.  Mit  Verfügung  vom  27.  Oktober  2009  trat  das  BFM  auf  das Wiederer­ wägungsgesuch nicht ein und stellte fest, dass die Verfügung vom 1. April  2003 rechtskräftig und vollstreckbar sei und einer allfälligen Beschwerde  keine aufschiebende Wirkung zukomme. C.  Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 27. Oktober 2009 gegen  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean­ tragte  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom  27. Oktober  2009,  die  Feststellung  einer  wiedererwägungsrechtlich  massgeblichen  Änderung  der  Sachlage  und  der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs,  die  Anweisung  an  die  Vorinstanz,  ihm  die  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  zu  gewähren,  eventualiter  die  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  zwecks  Eintretens  auf  das  Wiedererwägungsgesuch  und  Erlasses  eines  neuen  Entscheides,  und  ersuchte  in  prozessualer  Hinsicht  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde,  um  Sistierung  des  Wegweisungsvollzugs bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens,  um die Anweisung  an  die  zuständige  Fremdenpolizeibehörde,  im Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  von  jeglichen  Vollzugsmassnahmen  abzusehen,  um  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968  über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D.  Mit  Telefax  des  Instruktionsrichters  vom  27.  Oktober  2009  wurde  der  Vollzug der Wegweisung vorsorglich ausgesetzt.

D­6726/2009 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungs­gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Ausliefe­rungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Per­son  Schutz  sucht  (Art.  105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Eine  solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  liegt  in  casu  nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet demnach endgültig. 1.2. Die Zuständigkeit  des Bundesverwaltungsgerichts  für Beschwerden  gegen  das  Nichteintreten  auf  Wiedererwägungsgesuche  beziehungsweise  die  Ablehnung  von  Wiedererwägungsgesuchen  ergibt  sich  aus  dem  Umstand,  dass  nach  Lehre  und  Praxis  Wiedererwägungsentscheide  grundsätzlich  wie  die  ursprüngliche  Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden  können  (vgl.  BGE  113  Ia  146  f.;  VPB  1985  Nr.  24;  FRITZ  GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege,  2.  Aufl.,  Bern  1983,  S.  220;  URSINA  BEERLI­BONORAND,  Die  ausserordentlichen  Rechtsmittel  in  der  Verwaltungsrechtspflege  des Bundes  und  der Kantone,  Zürich  1985,  S.  174 f.). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf  die Beschwerde ist einzutreten. 1.4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­6726/2009 1.5.  Die  vorliegende  Beschwerde  erweist  sich  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt  –  als  offensichtlich  unbegründet,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst.  e AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2.  2.1. Die  Behörde  hat  auf  ein Wiedererwägungsgesuch  hin  zunächst  zu  prüfen,  ob die Voraussetzungen,  unter  denen  sie  zum Eintreten auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  verpflichtet wäre,  erfüllt  sind. Dabei  genügt es  zwar für die Zulässigkeit des Wiedererwägungsgesuchs, dass Umstände,  die  einen  verfassungsmässigen  Anspruch  auf  Wiedererwägung  begründen  würden,  substanziiert  behauptet  werden.  Sind  dem  Gesuch  nicht  genügend  substanziierte  Wiedererwägungsgründe  zu  entnehmen,  so  ist  die  Verwaltungsbehörde  nicht  gehalten,  auf  das  Gesuch  einzutreten,  ja  es  überhaupt  formell  anhand  zu  nehmen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 7 E. 4a S. 44). 2.2. Nachdem  das  BFM mit  Verfügung  vom  27.  Oktober  2009  auf  das  Wiedererwägungsgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist,  beschränkt  sich  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  einzig  auf  die  Frage, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Gesuch nicht eingetreten ist. 3.   3.1.  Die  Vorinstanz  brachte  zur  Begründung  des  ablehnenden  Wiedererwägungsentscheides  mit  Verweis  auf  EMARK  2000  Nr.  5  im  Wesentlichen  vor,  ein  Begehren  um  Wiedererwägung  wegen  nachträglicher Veränderung der Verhältnisse unterliege  nach Lehre  und  Praxis  keiner  bestimmten  Frist,  weshalb  die  Revisionsfrist  nach  Art.  67  VwVG  daher  auf  diese  Wiedererwägungsgesuche  nicht  analog  anwendbar  sei.  Dies  bedeute  jedoch  nicht,  dass  eine Wiedererwägung  unbeschränkt und zu einem beliebigen Zeitpunkt nach der eingetretenen  Veränderung  der  Verhältnisse  verlangt  werden  könne.  Vielmehr  sei  für  die  Frage  der  zeitlichen  Beschränkung  eines  Wiedererwägungsbegehrens  der  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben  wegleitend,  woraus  sich  eine  zeitliche  Schranke  zwischen  Kenntnisnahme  der  Wiedererwägungsgründe  und  der  Stellung  des  Gesuchs  ergebe.  Vorliegend  sei  festzustellen,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers bezüglich seiner (Nennung Erkrankung) aufgrund der 

D­6726/2009 Akten  seit  Jahren  bekannt  seien.  Der  Unfall,  der  seine  angeführten  (...)probleme  verursacht  habe,  habe  sich  im  Jahre  (...)  ereignet.  Die  Familienmitglieder  (Vater  und  Mutter)  sollen  Afghanistan  vor  Jahren  verlassen  haben.  Einen  Beleg  dafür  habe  der  Beschwerdeführer  nicht  eingereicht.  Unter  Berücksichtigung  des  Grundsatzes  von  Treu  und  Glauben  sowie  des  Umstandes,  dass  sich  aus  dem  Wiedererwägungsgesuch  auch  keine  substanziierten Hinweise  ergäben,  wonach  das  Gesuch  aus  entschuldbaren  Gründen  nicht  früher  hätte  eingereicht  werden  können,  könne mehrere  Jahre,  nachdem  sich  oben  genannte  Ereignisse  zugetragen  hätten,  mit  der  Begründung  des  veränderten Sachverhalts keine Wiedererwägung mehr verlangt werden.  Auf das Gesuch vom 23. Oktober 2009 sei demzufolge nicht einzutreten. 3.2.  Demgegenüber  hielt  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  an  den  bereits  in  seinem Wiedererwägungsgesuch  vorgebrachten  Gründen  im  Wesentlichen  fest  und  führte  an,  er  habe  weder  den  ursprünglichen  Asylentscheid  der  Vorinstanz  angefochten  noch  habe  er  bis  kurz  vor  der  Ausschaffung  je  ein  ausserordentliches  Verfahren  angestrebt.  Es  entspreche  seinem  Verhaltensmuster,  die  Frage  der  Rückkehr  nach  Afghanistan  durch  (Nennung  des  Verhaltens  aufgrund  der  Erkrankung)  zu  umgehen.  Diese  Strategie  verfolge  er  bereits  seit  jungen  Jahren,  um  anstehende  Probleme  zu  lösen.  Zudem  fehle ihm die Einsicht in seine Erkrankung, was dem Erkrankungsbild des  (...)  durchaus  entspreche.  Deshalb  liege  ein  entschuldbarer  Grund,  weshalb die (Nennung Erkrankung) erst jetzt geltend gemacht werde, vor.  Es  würden  mehrere  Wegweisungshindernisse  bestehen,  wobei  seine  (Nennung  Erkrankung)  nicht  zu  spät  und  die  Unzumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  nach  Kabul  zum  heutigen  Zeitpunkt  zu  Recht  geltend gemacht worden seien. 4.   4.1. Der Beschwerdeführer  reichte ein Wiedererwägungsgesuch ein und  begründete  es mit  einer  massgeblich  veränderten  Sachlage  seit  Erlass  der ursprünglichen Verfügung. Daher  ist  zu prüfen, ob ein  im Verhältnis  zur Verfügung vom 1. April  2003 wesentlich  veränderter Sachverhalt  im  Sinne  der  Wiedererwägung  vorliegt.  Wie  die  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid  zu  Recht  festhielt,  unterliegt  ein  Wiedererwägungsgesuch  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  keiner  bestimmten Frist. Das heisst  indes nicht, dass eine Wiedererwägung zu  jedem  beliebigen  Zeitpunkt  nach  der  eingetretenen  Veränderung  der  Verhältnisse  verlangt  werden  kann.  Eine  zeitliche  Schranke  ergibt  sich 

D­6726/2009 nämlich aus dem Grundsatz von Treu und Glauben. In EMARK 2000 Nr.  5  hielt  die  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  als  Vorgängerorganisation  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  dass  die  Einreichung eines Wiedererwägungsgesuches elf Monate nach Kenntnis  des  ein  Wiedererwägungsbegehren  möglicherweise  begründenden  Sachverhalts als dem Grundsatz  von Treu und Glauben zuwiderlaufend  zu erachten sei. Vorliegend sind die angeführten  (Nennung Erkrankung)  des  Beschwerdeführers  seit  vielen  Jahren  bekannt  und  der  damit  in  Zusammenhang  stehende  Unfall,  der  ursächlich  für  die  geltend  gemachten  (...)probleme  ist,  geschah  im  (...).  Sodann  ist  der  Umstand,  dass  seine  Eltern  aus  Afghanistan  geflohen  seien  und  er  selber  somit  über  kein  soziales  Netz  mehr  in  seiner  Heimat  verfüge,  dem  Beschwerdeführer  gemäss  eigenen  Aussagen  seit  März  2008  bekannt.  Zwischen  diesen  Ereignissen  und  der  Einreichung  des  Wiedererwägungsgesuchs am 23. Oktober 2009 liegen mindestens über  eineinhalb  Jahre  bis  mehrere  Jahre.  Daher  ist  das  vorliegende  Wiedererwägungsgesuch im Sinne der vorstehenden Erwägungen als zu  spät  eingereicht  zu  bewerten,  zumal  Gründe,  weshalb  er  mit  der  Einreichung  des  Wiedererwägungsgesuchs  solange  zuwartete,  im  Wiedererwägungsgesuch  selber  nicht  angeführt  werden.  Zwar  bringt  er  diesbezüglich  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  vor,  das  Krankheitsbild  seiner  (Nennung  Erkrankung)  sei  ein  entschuldbarer  Grund  für  die  verspätete  Geltendmachung  dieses  Umstandes,  da  ihm  die  Einsicht  in  diese  Erkrankung  fehle  und  er  sich  diese  daher  selber  gar  nicht  eingestehe. Dieser Einwand vermag  jedoch nicht zu überzeugen, zumal  der  Beschwerdeführer  den  Akten  zufolge  seit  etlichen  Jahren  im  Durchgangszentrum  (...)  deswegen  intensiv  therapiert  und  betreut  wird,  soweit  aktenkundig  seit  Juli  2008  keine  ärztlichen  Kontrollen  mehr  benötigt  und  sein  psychisches  Gleichgewicht  durch  das  engmaschige  Behandlungs­  und  Betreuungsnetz  stabil  gehalten  wird.  Ebenso  wenig  vermag der Hinweis, dass er – ausgehend vom Zeitpunkt der Einreichung  des Wiedererwägungsgesuchs vom 23. Oktober 2009 – erst vor wenigen  Wochen über Dritte erfahren habe, dass seine Mutter noch lebe und sich  in  B._______  befinde,  an  dieser  Einschätzung  etwas  zu  ändern,  zumal  dieser  als  aktenwidrig  zu  erachten  ist.  Den  Akten  zufolge  will  der  Beschwerdeführer  schon  im  Frühling  des  Jahres  2008  vernommen  haben,  dass  sich  seine  Eltern  in  B._______  aufhalten  würden,  und  insbesondere will er eigenen Angaben zufolge seit Mai 2008 Kontakte mit  seiner  Mutter  pflegen.  Der  Beschwerdeführer  konnte  demnach  nicht  plausibel  und  nachvollziehbar  darlegen,  weshalb  er  mit  dem 

D­6726/2009 Geltendmachen der im Wiedererwägungsgesuch enthaltenen Vorbringen  über eineinhalb respektive mehrere Jahre lang zuwartete. 4.2.  Die  Vorinstanz  ist  unter  diesen  Umständen  zu  Recht  auf  das  Wiedererwägungsgesuch vom 23. Oktober 2009 nicht eingetreten. 5.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist abzuweisen. 6.   6.1.  Mit  dem  Entscheid  in  der  Hauptsache  sind  die  Gesuche  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  gegenstandslos  geworden. 6.2. Der  Beschwerdeführer  ersucht  um  die  Gewährung  der  unentgeltli­ chen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Eine Partei, die  nicht  über  die  erforderlichen Mittel  verfügt,  wird  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr Begehren  nicht  aus­ sichtslos erscheint  (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund obiger Erwägungen  ist  die  eingereichte  Beschwerde  in  casu  als  aussichtslos  zu  erachten,  weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  –  auch  bei  ausgewiesener  Bedürftigkeit – abzuweisen ist. 6.3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1200.–  (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 1­3 des Reglements vom 21. Febru­ ar  2008  über  die Kosten  und Entschädigungen  vor  dem Bundesverwal­ tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] dem Beschwerdeführer aufzuerlegen  (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­6726/2009 D­6726/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1200.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand:

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