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Bundesverwaltungsgericht 19.12.2011 D-6680/2011

19 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,355 parole·~7 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 30. November 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6680/2011 Urteil   v om   1 9 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren B._______, und dessen Ehegattin C._______, geboren D._______, und die gemeinsamen Kinder E._______, geboren F._______, G._______, geboren H._______, alle Afghanistan,  I._______,   Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 30. November 2011 / N_______.

D­6680/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführenden,  ein  afghanisches  Ehepaar  und  dessen  minderjährigen  Kinder  mit  letztem Wohnsitz  in  J._______  (K._______),  eigenen Angaben zufolge K._______ Ende Sommer 2010 verliessen und  via  L._______,  Rumänien  und Österreich  von M._______  herkommend  am 6. Oktober 2011 auf dem Landweg  illegal  in die Schweiz gelangten,  wo  sie  gleichentags  beim  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  in  N._______ um Asyl nachsuchten, dass  ein  Abgleich  mit  der  Zentraleinheit  Eurodac  ergab,  dass  die  Beschwerdeführenden am 24. März 2011 in O._______ (Rumänien) und  am 3. August 2011 in P._______ (Österreich) um Asyl ersucht hatten, dass  das  BFM  am  20.  Oktober  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  N._______  anlässlich  der  Kurzbefragung  die  Personalien  der  Beschwerdeführenden  erhob  und  sie  summarisch  zum  Reiseweg  sowie  zu  den  Gründen  für  das  Verlassen  des  Heimatlandes  befragte, wobei der Beschwerdeführer einleitend im Wesentlichen geltend  machte, bereits in jungen Jahren (ca. 1985) mit seinen Eltern infolge des  sowjetisch­afghanischen Krieges in den K._______ geflüchtet zu sein, dass  er  bezüglich  einer  allfälligen  Rückkehr  in  seine  Heimat  ausführte,  nicht  nach  Afghanistan  zurückkehren  zu  können,  zumal  er  seine  Ehegattin ohne das Einverständnis  ihrer Familie geheiratet habe, da sie  bereits  einem  Cousin  versprochen  gewesen  sei,  sie  dem  (…),  er  demgegenüber  dem  (…) Glauben  angehöre,  weshalb  er  befürchte,  von  deren Familienangehörigen umgebracht zu werden,  dass er auf weitere Asylgründe angesprochen ergänzte, er sei aus dem  K._______ ausgereist,  um seine wirtschaftliche Existenz  zu  verbessern,  in  der  Schweiz  (…)  zu  unterrichten  und  seinen  Kindern  ein  Studium  ermöglichen zu können, dass  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Kurzbefragung  vom  20.  Oktober 2010 in N._______ zu ihren Asylmotiven unter anderem geltend  machte,  ihre  Eltern  seien  mit  ihr  während  des  afghanischen  Bürgerkrieges  nach  Q._______  geflüchtet,  wo  sie  bis  zu  ihrem  15.  Lebensjahr  gelebt  habe,  und  sie  darauf  in  R._______  (K._______)  wohnhaft gewesen sei,

D­6680/2011 dass  eine  Rückkehr  nach  Afghanistan  unmöglich  sei,  zumal  sie  einen  Cousin  hätte  heiraten  sollen,  sie  in  der  Folge  die  Flucht  ergriffen  habe  und deshalb Nachteile befürchte, dass  darüber  hinaus  die  Verwandten  ihres  Ehegatten  ihre  religiöse  Eheverbindung missbilligten, da sie dem (…), der Ehegatte dagegen dem  (…)  Glauben  angehöre,  weswegen  auch  ihr  Ehegatte  nicht  in  seine  Heimat zurückkehren könne, dass  die  Beschwerdeführenden  verneinten,  je  in  Rumänien,  Österreich  oder M._______ beziehungsweise in einem Drittstaat um Asyl ersucht zu  haben, dass die Beschwerdeführenden mit Entscheid des BFM vom 21. Oktober  2011  für  den weiteren  Aufenthalt  während  des  Verfahrens  dem Kanton  S._______ zugewiesen wurden, dass  das  BFM  am  2.  November  2011  die  rumänischen  Behörden  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  der  Verordnung  (EG)  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO),  um  Wiederaufnahme  der  Beschwerdeführenden ersuchte,  dass  Rumänien  dem  Ersuchen  des  BFM  mit  Schreiben  vom  16.  November 2011 zustimmte, dass den Beschwerdeführenden anlässlich der summarischen Befragung  im Hinblick auf eine allfällige Zuständigkeit Österreichs und insbesondere  Rumäniens  für die Durchführung des Asyl­ und Wegweisungsverfahrens  das rechtliche Gehör gewährt wurde, dass  der  Beschwerdeführer  in  Bezug  auf  eine  allfällige  Zuständigkeit  Rumäniens eingestand, bereits  in Rumänien um Asyl ersucht zu haben,  das  Land  indes  vor  Ergehen  eines  Asylentscheides  verlassen  habe,  weshalb er nicht über den Verfahrensstand orientiert sei, dass  die  Beschwerdeführerin  diesbezüglich  zunächst  vorbrachte,  eine  Woche  nach Asylgesuchstellung  einen  negativen Entscheid  erhalten  zu  haben und sie gegen diesen keine Beschwerde erhoben hätten, 

D­6680/2011 dass sie  ihre Behauptung zurückzog, nachdem sie mit der Aussage des  Ehegatten,  wonach  sie  das  Land  vor  Ergehen  eines  Asylentscheides  verlassen  hätten,  konfrontiert  worden war,  und  ausführte,  den Ausgang  des Verfahrens nicht zu kennen, dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  zu  einer  Wegweisung  nach  Rumänien  oder  Österreich  geltend  machte,  nicht  nach Rumänien  zurückkehren  zu wollen, weil  eine  seiner  Töchter an (…) gelitten habe und seine Ehegattin unter (…) leide, dass ihnen zwar eine Unterkunft zur Verfügung gestellt worden sei, sie es  in Rumänien jedoch nicht ausgehalten hätten, zumal sie lediglich 25 Euro  monatlich  pro  Person  erhalten  hätten,  dieser  Betrag  jedoch  nicht  zum  Leben ausgereicht habe, dass die Beschwerdeführerin  dazu ergänzend  vorbrachte,  das Leben  in  Rumänien  sei  hart  und  das  zur  Verfügung  gestellte  Geld  sei  nicht  ausreichend, sie an (…) leide und sie dort nicht genügend Hilfe erhalten  würden, dass  die  Beschwerdeführenden  bezüglich  einer  Rückkehr  nach  Österreich ausführten, die zuständige österreichische Behörde habe ihre  Wegweisung  verfügt,  ansonsten  keine  weiteren  Gründe  gegen  eine  Rückkehr geltend gemacht wurden, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  30.  November  2011  –  eröffnet  am  5. Dezember  2011  –  in  Anwendung  von  Art  34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche  nicht  eintrat,  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  nach  Rumänien  sowie  den  Vollzug  bis  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  anordnete und gleichzeitig  festhielt, einer allfälligen Beschwerde komme  keine aufschiebende Wirkung zu, dass es zur Begründung anführte, ein Abgleich der Fingerabdrücke habe  ergeben, dass die Beschwerdeführenden am 24. März 2011 in Rumänien  Asylgesuche gestellt hätten und sie dort daktyloskopisch erfasst worden  seien, dass  gestützt  auf  die  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  Rumänien für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei und am  16.  November  2011  einer  Übernahme  der  Beschwerdeführenden  zugestimmt  habe  (Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der 

D­6680/2011 Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [Dublin­Assoziierungsabkommen,  DAA,  SR  0.142.392.68];  Dublin­II­VO;  Verordnung  [EG]  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates [DVO Dublin]),  dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung – bis spätestens am 16. Mai 2012 zu erfolgen habe, dass  es  den Beschwerdeführenden  zumutbar  sei,  bei  den  rumänischen  Behörden Unterstützung zu beantragen, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  12.  Dezember  2011  gegen  die  Verfügung  der  Vorinstanz  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  in  materieller  Hinsicht  beantragten,  die  angefochtene Verfügung  sei  aufzuheben und das BFM sei  anzuweisen,  sein  Selbsteintrittsrecht  auszuüben  und  sich  für  das  vorliegende  Asylgesuch für zuständig zu erklären, dass  sie  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchten, dass auf die Begründung der Rechtsbegehren, soweit  für den Entscheid  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  13.  Dezember  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen  Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 ­ 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 

D­6680/2011 17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  in  casu nicht vorliegt und das Bundesverwaltungsgericht demnach endgültig  entscheidet, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten  ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 52  Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung  enthält,  die  angefochtene  Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.),  dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art.  111  Bst.  e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

D­6680/2011 dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  gestützt  auf  die  einleitenden  Bestimmungen  sowie  Art.  1  Abs.  1  DAA  i.V.m.  Art. 29a  Abs.  1  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  die  Prüfung  der  staatsvertraglichen  Zuständigkeit  zur  (materiellen)  Behandlung  eines  Asylgesuches nach den Kriterien der Dublin­II­VO zu erfolgen hat, dass  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  im  Weiteren  voraussetzt,  dass  der  staatsvertraglich  zuständige  Staat  einer  Übernahme  der  asylsuchenden  Person zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1), dass sich aufgrund der Akten ergibt, dass die Beschwerdeführenden am  24.  März  2011  in  Rumänien  Asylgesuche  stellten  und  dabei  daktyloskopisch erfasst wurden, dass die rumänischen Behörden mit Schreiben vom 16. November 2011  – und damit  innerhalb der  in Art. 20 Abs. Bst. b Dublin­II­VO vorliegend  vorgesehenen  zweiwöchigen  Frist  –  einer  Wiederaufnahme  der  Beschwerdeführenden zustimmten (vgl. A22­A25),  dass  somit  Rumänien  für  die  Prüfung  der  am  6.  Oktober  2011  in  der  Schweiz eingereichten Asylanträge zuständig ist, dass  die  Beschwerdeführenden  in  ihrer  Eingabe  geltend  machen,  ihre  Heimat  verlassen  zu  haben,  um  in  der  Schweiz  oder  in  T._______  um  Asyl  zu  ersuchen,  sie  auf  der  Reise  an  der  rumänischen  Grenze  kontrolliert  worden  seien  und  folglich  ihre  Reise  nicht  hätten  fortsetzen  können, dass sie den rumänischen Behörden bei der Kontrolle erklärt hätten, nach  Europa gereist zu sein, um Asyl zu beantragen, und sie ihre Reise hätten  fortsetzen  wollen,  sie  aber  dessen  ungeachtet  in  eine  Unterkunft  für  Asylsuchende gebracht worden seien,

D­6680/2011 dass  sie  unter  den  angetroffenen  Zuständen  nicht  länger  hätten  in  Rumänien  bleiben  wollen,  die  Kinder  keinen  Zugang  zu  medizinischen  Einrichtungen  gehabt  hätten  und  ihnen  auch  keine  Rechtsberatung  zur  Verfügung gestanden sei, dass  sie  in  existenzielle  Nöte  geraten  seien,  zumal  das  erhaltene Geld  nicht  einmal  für  das  Nötigste  gereicht  habe  und  besonders  die  Kinder  darunter gelitten hätten und des öfteren krank geworden seien, weshalb  sie den Entschluss gefasst hätten, das Land zu verlassen, dass  in  der  Rechtsmitteleingabe  zur  Untermauerung  der  Vorbringen  Auszüge aus Berichten zur allgemeinen Lage in Rumänien und zur Lage  der Flüchtlinge in Rumänien aufgeführt werden, dass  die  Beschwerdeführenden  weder  im  Rahmen  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  noch  in  ihrer  Rechtsmittelschrift  die  grundsätzliche Zuständigkeit Rumäniens explizit bestreiten,  dass Rumänien sowohl Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951  über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als  auch der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ist, dass Rumänien die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003  (Aufnahmerichtlinie), welche zahlreiche Mindestnormen für die Aufnahme  und Betreuung von Asylsuchenden beinhaltet, ohne Beanstandungen von  Seiten der Europäischen Kommission umgesetzt hat, dass  Rumänien  zudem  im  Vorfeld  der  Aufnahme  in  die  Europäische  Union (EU), wie alle Beitrittskandidaten, hinsichtlich der Einhaltung seiner  völkerrechtlichen Verpflichtungen  (auch  im Asylbereich)  überprüft wurde  und  mit  der  Aufnahme  in  die  EU  den  Acquis  der  EU  im  Bereich  Menschenrechte übernommen hat, dass  die  allgemeine  Kritik  am  rumänischen  Asylverfahren  vor  diesem  Hintergrund nicht zu überzeugen vermag, dass  –  entgegen  der  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  –  keine  Anhaltspunkte  vorliegen,  wonach  sich  Rumänien  generell  oder  im  konkreten  Fall  nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen hält,

D­6680/2011 dass  in  der  Beschwerde  und  in  den  dort  zitierten  Berichten  denn  auch  nicht  nachgewiesen  wird,  Rumänien  verletze  in  systematischer  Weise  und  über  die  Überstellungsfrist  von  sechs  Monaten  hinaus  seine  ihm  obliegenden völkerrechtlichen Mindestverpflichtungen, dass  der  von  den  Beschwerdeführenden  geäusserte  Wunsch,  in  der  Schweiz  zu  bleiben,  kein  Grund  ist,  eine  Rückführung  nach  Rumänien  auszuschliessen, dass überdies keine konkreten Anhaltspunkte bestehen, Rumänien würde  die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht in einem rechtsstaatlich  korrekten  Verfahren  prüfen  und  ihm  obliegende  völkerrechtlichen  Verpflichtungen allenfalls verletzen, dass  eine  Überstellung  nach  Rumänien  diesen  Erwägungen  gemäss  zulässig ist, dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  weder  angesichts  der  Verhältnisse  in  Rumänien  noch  zufolge  der  individuellen  Situation  der  Beschwerdeführenden Anlass zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts  im  Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO besteht, dass die Beschwerdeführenden weder  im Rahmen des  ihnen gewährten  rechtlichen Gehörs  noch  auf  Beschwerdeebene  hinreichend  berechtigte  Vorbehalte  gegen  eine  Rückkehr  nach  Rumänien  geltend  machten,  weshalb keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, dass sie im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Rumänien  in  eine  existenzielle  Notlage  geraten würden, dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im  konkreten Einzelfall keine Gründe ersichtlich sind, die eine Wegweisung  aus  humanitärer  Sicht  im  Sinne  von  Art.  29a  Abs.  3  AsylV 1  als  unangemessen erscheinen, dass es sich angesichts der Sachlage erübrigt, auf die Ausführungen  in  der Beschwerde näher einzugehen, zumal diese nicht geeignet sind, eine  andere Beurteilung herbeizuführen, dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  der  Beschwerdeführenden  nach  Rumänien  weder  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur 

D­6680/2011 Anwendung  gelangt  und  folglich  das BFM  zu Recht  in  Anwendung  von  Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44  Abs.  1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf Erteilung einer solchen besteht, weshalb die verfügte Wegweisung im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  BFM zu Recht angeordnet wurde, dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs.  1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen  und Ausländer [AuG, SR 142.20]; BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645), dass  eine  entsprechende Prüfung  soweit  notwendig  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Nichteintretensentscheides  stattfinden  muss  (vgl.  vorgehende Erwägungen), dass  in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung nach  Rumänien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  der  Antrag  auf  Erlass  des  Kostenvorschusses  angesichts  des  vorliegenden Entscheides in der Hauptsache gegenstandslos ist,  dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  angesichts  der  Aussichtslosigkeit  der  Beschwerde abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG).

D­6680/2011 (Dispositiv nächste Seite)

D­6680/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand:

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