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Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 D-6611/2011

6 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,719 parole·~9 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. November 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6611/2011 Urteil   v om   6 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, mit Zustimmung von Richter Walter Lang;   Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am … ,  B._______, geboren am … ,  und ihr Kind C._______, geboren am … , Äthiopien (angeblich Eritrea),  vertreten durch Susanne Stotz,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 9. November 2011 / N … .

D­6611/2011 Sachverhalt: A.  A._______  (der  Beschwerdeführer)  und  B._______  (die  Beschwerdeführerin),  welche  zu  diesem  Zeitpunkt  schwanger  war,  ersuchten am 8. Oktober 2008  in der Schweiz um Asyl, worauf sie vom  BFM  am  20.  Oktober  2008  summarisch  befragt  und  am  18.  Dezember  2008 einlässlich zu ihren Gesuchsgründen angehört wurden.  Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  als  Tochter  einer  äthiopischen  Mutter  und  eines  eritreischen  Vaters  in  Addis  Abeba  geboren  und  aufgewachsen  zu  sein.  Ihre Mutter  habe  sie  allerdings nie  gekannt. Sie  selber sei eritreischer Staatsangehörigkeit, auch wenn sie nie  in diesem  Land  gelebt  habe.  Im  Jahre  1999  sei  ihr  Vater  nach  Eritrea  deportiert  worden  und  sie  selbst  habe  mit  ihrer  Pflegemutter  Äthiopien  verlassen  und  fortan  im  Sudan  gelebt.  Dort  habe  sie  erfahren,  dass  ihr  Vater  gestorben sei. Weder über die Deportation noch über die Herkunft  ihres  Vaters  könne  sie  weitere  Aussagen  machen,  da  dieser  nur  selten  zuhause gewesen sei. Tigrinisch verstehe sie zwar, könne es aber nicht  sprechen, da ihre Muttersprache Amharisch sei.  Der Beschwerdeführer brachte vor, ebenfalls als Sohn eines eritreischen  Vaters  und  einer  äthiopischen  Mutter  in  Addis  Abeba  geboren  und  aufgewachsen  zu  sein.  Er  selber  sei  eritreischer  Staatsangehörigkeit.  Seine Mutter sei in einem Autounfall tödlich verunglückt und kurz darauf,  im März 1999, sei sein Vater deportiert worden. Da sie ein eigenes Haus  gehabt  hätten,  seien  sie  bei  den  äthiopischen  Behörden  registriert  gewesen.  Mit  Ausnahme  seines  Schülerausweises  habe  er  aber  nie  Papiere gehabt. Das Haus der Familie sei nach der Ausreise des Vaters  von  einer  befreundeten  Äthiopierin  verwaltet  worden  und  er  habe  weiterhin  auf  dem Grundstück  seiner  Familie  unbehelligt  leben  können.  Er  habe als Mechaniker  gearbeitet.  Im Mai  2003  sei  er  jedoch  von den  äthiopischen  Behörden  verhaftet  worden.  Zur  Verhaftung  sei  es  gekommen, weil er seit 2002 drei  jungen Eritreern bei sich Unterschlupf  gewährt  habe  und  man  ihnen  vorgeworfen  habe,  Spitzel  beziehungsweise Oppositionelle zu sein. Über zwei Jahre sei er inhaftiert  geblieben,  ohne  dass  er  befragt  worden  wäre  oder  man  ein  Verfahren  gegen  ihn  eröffnet  hätte.  Im  Juni  2005  sei  ihm  die  Flucht  aus  dem  Gefängnis gelungen, woraufhin er in den Sudan gelangt sei. Von seinem  Vater  habe er  seit  der Deportation nie mehr etwas gehört  respektive er  habe  erst  kürzlich  erfahren,  dass  sein  Vater  in  S._______  lebe  und  in 

D­6611/2011 T._______  arbeite.  Dessen  Familie  lebe  in  U._______.  Seine  Verwandtschaft  mütterlicherseits  lebe  im  äthiopischen  V._______.  In  Eritrea  sei  er  nie  gewesen,  seine  Muttersprache  sei  aber  Tigrinisch.  Allerdings  spreche  er  besser  Amharisch,  da  er  in  dieser  Sprache  zur  Schule gegangen sei.  Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  im  Laufe  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  insbesondere  eine  angebliche  Geburtsurkunde des Vaters aus S._______, ausgestellt am 21. Oktober  2008,  eine  angebliche  Arbeitgeberbestätigung  vom  23.1.70  [3.  Oktober  1977], schriftliche Erklärungen des Vaters sowie eine Kopie eines am 1.  Juli 2010 ausgestellten eritreischen Ausweises des Vaters zu den Akten.  B.  Aus  den  Akten  geht  hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  …  zwei  Mädchen gebar, welche beide nur kurz nach ihrer Geburt verstarben.  Ein  Jahr  später  –  am  …  –  gebar  die  Beschwerdeführerin  ihren  Sohn  C._______.  C.  Nachdem  die  Beschwerdeführenden  ihre  Wohnadressen  in  Äthiopien  schriftlich  konkretisiert  hatten,  liess  das  BFM  Abklärungen  vor  Ort  vornehmen. Gemäss dem Bericht vom 28. Dezember 2010 seien sie an  den  von  ihnen  benannten  Adressen  weder  registriert  noch  bekannt,  weshalb  weder  die  geltend  gemachte  Ausweisung  der  Väter  noch  die  geltend gemachte Haft  des Beschwerdeführers  bestätigt werden  könne.  Den Beschwerdeführenden wurde diesbezüglich am 7. September 2011  das  rechtliche  Gehör  gewährt.  Gleichzeitig  wurde  auf  bestimmte  Ungereimtheiten sowie auf die geltenden Bürgerrechtsbestimmungen von  Eritrea und Äthiopien hingewiesen.  Die  Beschwerdeführenden  nahmen  mit  Eingabe  vom  17.  September  2011  Stellung  und  hielten  an  ihren  Gesuchsvorbringen  fest.  Dabei  machten  sie  geltend,  die  Nichtregistrierung  der  Beschwerdeführerin  sei  verständlich,  da  sie  Addis  Abeba  bereits  als  Kind  verlassen  habe.  Da  auch der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Deportation seines Vaters  noch  minderjährig  gewesen  sei,  sei  auch  er  nicht  registriert  gewesen.  Zudem  dürfte  die  von  ihm  erwähnte  Frau  nach  seiner  Verhaftung  das  Haus  seiner  Familie  als  ihren  Besitz  verkauft  haben,  womit  auch  die  Registrierung seines Vaters weggefallen sein dürfte. Gleichzeitig machten 

D­6611/2011 die  Beschwerdeführenden  geltend,  es  sei  sehr  unwahrscheinlich,  dass  sie die äthiopische Staatsangehörigkeit  erhalten würden, auch wenn sie  beide  ein  äthiopisches  Elternteil  hätten,  zumal  sie  noch  nie  äthiopische  Papiere besessen hätten. Weiter brachten sie vor, der Kontakt zum Vater  des  Beschwerdeführers  habe  erst  nach  der  BFM­Befragung  über  einen  Cousin  in S._______ hergestellt werden  können, worauf  der Vater  dem  Beschwerdeführer die nachgereichten Beweismittel zugestellt habe. D.  Mit Verfügung vom 9. November 2011 (eröffnet am 11. November 2011)  lehnte  das  BFM  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  ab  und  ordnete  deren  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  an.  Dabei  erklärte  das  Bundesamt  die  geltend  gemachte  Staatsangehörigkeit  von  Eritrea  unter  Verweis  auf  erhebliche  Mängel  in  den  Angaben  und  Ausführungen  der  Beschwerdeführenden  sowie  unter  Hinweis  auf  die  eritreische  und  äthiopische  Bürgerrechtsgesetzgebungen  als  nicht  glaubhaft  gemacht.  Als  ebenfalls  unglaubhaft  erklärte  es  die  Vorbringen  über  die  angeblich  vom  Beschwerdeführer  erlittene  Verhaftung,  weil  er  drei  Eritreer  beherbergt  habe.  Im  Resultat  hielt  das  Bundesamt  fest,  es  sei  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  von  der  äthiopischen  Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführenden  auszugehen,  was  indes  nicht  abschliessend  geklärt  werden müsse.  Den Wegweisungsvollzug  nach Äthiopien  –  den  mutmasslichen  Herkunftsstaat  –  erklärte  es  im  Anschluss  daran  als  zulässig, zumutbar und möglich.  E.  Gegen  diesen  Entscheid  reichten  die  Beschwerdeführenden  am  7.  Dezember  2011  –  handelnd  durch  ihre Rechtsvertreterin  – Beschwerde  ein.  In  ihrer Eingabe beantragten  sie  die Aufhebung der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Gewährung  von  Asyl,  respektive  zumindest  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  [1],  bei  gleichzeitiger  Anerkennung der geltend gemachten Staatsangehörigkeit von Eritrea [2],  eventualiter  die  Anordnung  einer  vorläufigen  Aufnahme  in  der  Schweiz  wegen  Unzulässigkeit  oder  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges  [3],  und  sie  ersuchten  namentlich  um  Befreiung  von  der  Kostenvorschusspflicht  und  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  [5].  Dabei  erklärten  sie  ihre  Schilderungen  über  ihre  familiäre Herkunft,  die geltend gemachte eritreische Staatsangehörigkeit  und  die  vom  Beschwerdeführer  erstandene  Haft  als  insgesamt  glaubwürdig.  Gleichzeitig  führten  sie  an,  aufgrund  ihrer  gemischten 

D­6611/2011 Herkunft  hätten  sie  wohl  Anspruch  auf  die  äthiopische  Staatsangehörigkeit,  der  Erhalt  einer  solchen  sei  in  der  Praxis  aber  schwierig. Zum Antrag auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft führten  sie  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  in  Äthiopien  bereits  Verfolgung  erlitten  und  er  habe  dort  erneut  Haft  zu  gewärtigen,  da  er  nach  seiner  Flucht  aus  dem Gefängnis  mutmasslich  polizeilich  gesucht  werde.  Den  Wegweisungsvollzug  erklärten  sie  als  unzumutbar,  da  sie  weder  nach  Äthiopien  zurückkehren  noch  nach  Eritrea  gehen  könnten.  Ohnehin  hätten  sie  in  Äthiopien  kein  soziales  Netz.  Schliesslich  habe  ihr  Kind  kürzlich bei einem Unfall schwere Verbrühungen erlitten, weshalb es auf  regelmässige ärztliche Behandlung angewiesen sei. Mit der Beschwerde  reichten  sie  als  Beweismittel  einen  angeblichen  eritreischen  Flüchtlingsausweis  des  Vater  des  Beschwerdeführers  von  1999  sowie  einen ärztlichen Kurzbericht betreffend ihr Kind vom 29. November 2011  ein. F.  Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  15.  Dezember  2011  wurde  das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  zufolge  Aussichtslosigkeit  der  Begehren  abgewiesen  und  die  Beschwerdeführenden gleichzeitig zur Zahlung eines Kostenvorschusses  von  Fr. 600.–  aufgefordert,  unter  Androhung  des  Nichteintretens  im  Unterlassungsfall  (vgl.  Art.  65  Abs.  1  und  Art.  63  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]).  G.  Der  einverlangte  Kostenvorschuss  wurde  am  28.  Dezember  2011  fristgerecht zu Gunsten des Bundesverwaltungsgerichts eingezahlt.  H.  Mit Eingabe vom 30. Dezember 2011 reichten die Beschwerdeführenden  eine Übersetzung des  vorerwähnten Flüchtlingsausweises  nach und  sie  stellten  das  Nachreichen  des  Schulabschlusszeugnisses  des  Beschwerdeführers  aus  Addis  Abeba  in  Aussicht,  in  welchem  seine  eritreische Nationalität vermerkt sei.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

D­6611/2011 1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  unter  anderem  zuständig  für  die  Behandlung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM;  dabei  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl.  dazu  Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i.V.m.  Art.  31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]  sowie  Art.  83  Bst. d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.3. Das Verfahren  richtet  sich  nach  dem VwVG,  soweit  das  VGG  und  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG).  1.4.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  Eingabe  der  legitimierten  Beschwerdeführenden  ist einzutreten  (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52  Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG). 2.  Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt –  als  offensichtlich  unbegründet,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  zu  entscheiden  ist  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Gleichzeitig  ist  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels  zu  verzichten  und  der  Entscheid  im  Folgenden  nur  summarisch  zu  begründen (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).  3.  In  der  Eingabe  vom  30.  Dezember  2011  stellen  die  Beschwerdeführenden das Nachreichen eines weiteren Beweismittels  in  Aussicht  (ein  Schulzeugnis  des  Beschwerdeführers  aus  Addis  Abeba),  welches  als  Beleg  für  die  geltend  gemachte  eritreische  Staatsangehörigkeit  dienen  soll.  Auf  das  Einholen  dieses  Beweismittels  kann  jedoch  verzichtet  werden,  da  der  entscheidrelevante  Sachverhalt  bereits  aufgrund  der  vorliegenden  Aktenlage  als  hinreichend  erstellt  zu  erkennen und dem angebotenen Schulzeugnis vor dem Hintergrund der  nachfolgenden  Erwägungen  –  im  Sinne  einer  antizipierten 

D­6611/2011 Beweiswürdigung  –  keine  ausschlaggebende  Bedeutung  zukommen  dürfte (vgl. dazu Art. 33 Abs. 1 VwVG).  4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den  frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 5.  5.1. Das BFM verweist  in seinem Entscheid –  im Rahmen ausführlicher  und  insgesamt  überzeugender  Erwägungen,  auf  welche  anstelle  einer  Wiederholung  zu  verweisen  ist  –  auf  eine  ganze  Reihe  massgeblicher  Mängel  in  den  Gesuchsvorbringen  der  Beschwerdeführenden,  insbesondere auf eine über weite Strecken mangelhafte Substanziierung  der  Angaben  und  Ausführungen  zu  ihrer  Herkunft,  ihrem  familiären  Hintergrund  und  namentlich  der  behaupteten  eritreischen  Staatsangehörigkeit. Vor diesem Hintergrund – sowie unter Verweis auf  die  einschlägigen  Bestimmungen  der  eritreischen  und  äthiopischen  Bürgerrechtsgesetzgebung  –  gelangt  das  Bundesamt  zum  Schluss,  bei  den Beschwerdeführenden handle es sich nach aller Wahrscheinlichkeit  um  Staatsangehörige  von  Äthiopien.  Diesem  Schluss  ist  aufgrund  der  Akten zu folgen.  5.2.  Im Falle der Beschwerdeführerin  ist  festzustellen, dass sie  in keiner  Weise in der Lage war, den von ihr behaupteten eritreischen Hintergrund 

D­6611/2011 (väterlicherseits) zu substanziieren. Nachdem sie kein Tigrinisch, sondern  nur  Amharisch  spricht,  sie  keinerlei  Papiere  vorgelegt  hat,  sie  nie  in  Eritrea  war  und  praktisch  nichts  über  ihre  familiären  Verbindungen  berichten  konnte,  was  mit  dem  BFM  als  nicht  nachvollziehbar  zu  bezeichnen  ist,  ist  geltend  gemachte  Staatsangehörigkeit  von  Eritrea  auch nicht ansatzweise glaubhaft gemacht.  5.3.  Im  Falle  des  Beschwerdeführers  bestehen  durchaus  Hinweise  auf  einen  tigrinischen  Hintergrund,  was  jedoch  eine  äthiopische  Staatsangehörigkeit  nicht  ausschliesst.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  – anders  als  unter  Umständen  sein  Vater  –  nie  für  die  eritreische  Staatsangehörigkeit optiert hat  (was damals den Verlust der äthiopische  Staatsangehörigkeit  zur  Folge  hatte),  zudem  seine  Familie  mütterlicherseits  aus V._______  stammt  (also  aus  der  der  äthiopischen  Provinz  Tigray)  und  er  schliesslich  während  der  Vertreibungswelle  am  Ende  der  1990er­Jahre  in  Addis  Abeba  geblieben  ist  (wo  er  als  Mechaniker ein selbständiges Auskommen hatte), darf mit hinreichender  Sicherheit  davon  ausgegangen werden,  er werde  von  den  heimatlichen  Behörden  als  äthiopischer  Staatsangehöriger  anerkannt.  Alleine  der  Umstand,  dass  er  aufgrund  seiner  Abstammung  von  seinem  Vater  gegebenenfalls auch die eritreische Staatsangehörigkeit erlangen könnte,  ist  dabei  unerheblich.  In  diesem  Sinne  kommt  auch  den  aus  Eritrea  nachgereichten Beweismitteln (Bestätigungen und Ausweise des Vaters)  keine entscheidrelevante Bedeutung zu, zumal im eritreisch­äthiopischen  Kontext  unterschiedliche  Staatsangehörigkeiten  innerhalb  ein  und  derselben Familie durchaus vorkommen können.  5.4.  Schliesslich  besteht  auch  kein  Anlass  zur  Annahme,  der  Beschwerdeführer  oder  die  Beschwerdeführerin  hätten  in  ihrer  äthiopischen  Heimat  rechtserhebliche  Nachteile  erlitten  oder  ihnen  würden  dort  solche  drohen.  Zwar  hat  der  Beschwerdeführer  geltend  gemacht, er sei in Äthiopien mehr als zwei Jahre im Gefängnis gewesen,  seine diesbezüglichen Vorbringen sind jedoch als durchwegs unglaubhaft  zu  erkennen,  mithin  seine  insgesamt  oberflächlichen  Schilderungen  weder  auf  eine  Verhaftung  wegen  angeblicher  Beherbergung  von  Eritreern noch einen Aufenthalt von über zwei Jahren  im Gefängnis von  W._______ schliessen lassen.  5.5.  Zusammenfassend  erscheint  als  erstellt,  dass  die  Beschwerdeführenden  aus Äthiopien  stammen,  über  die  entsprechende  Staatsangehörigkeit  verfügen  und  damit  in  ihre  äthiopische  Heimat 

D­6611/2011 zurückkehren  können,  wo  sie  persönlich  keine  rechtserheblichen  Nachteile erlitten haben.  5.6.  Nach  dem  Gesagten  ist  die  Ablehnung  des  Asylgesuches  zu  bestätigen, wie  auch die  eventualiter  beantragte Feststellung  zumindest  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  der  eritreischen  Staatsangehörigkeit  ausser Betracht fällt.  6.  6.1. Nachdem die Ablehnung  des Asylgesuchs  zu Recht  erfolgt  ist  und  die  Beschwerdeführenden  weder  über  eine  ausländerrechtlichen  Aufenthaltstitel  verfügen  noch  einen  solchen  beanspruchen  können,  erweist  sich  die  Anordnung  der  Wegweisung  als  rechtmässig  (Art.  44  Abs. 1 AsylG; vgl. auch BVGE 2009/50 E.9 S. 733 m.w.H.).  6.2. Vor diesem Hintergrund verbleibt  im Folgenden zu prüfen, ob auch  der vom BFM angeordnete Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, da  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen über  die  vorläufige Aufnahme von Ausländern  zu  regeln  hat,  wenn  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  erweist  (vgl.  dazu  Art. 44  Abs. 2  AsylG  i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.3. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). Nachdem es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  der  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für  den  Fall  einer  Rückführung  nach  Äthiopien  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  oder  Art. 1  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  spricht  nicht  gegen  den  Wegweisungsvollzug. 

D­6611/2011 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach sowohl im Sinne der  asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig. 6.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Die  allgemeine  Lage  in  Äthiopien  –  nach  vorstehenden  Erwägungen  der  Herkunfts­  und  Heimatstaat  der  Beschwerdeführenden  –  ist  zum  heutigen  Zeitpunkt  jedoch  weder  von  Krieg,  noch  von  Bürgerkrieg  oder  von  allgemeiner  Gewalt  gekennzeichnet,  so  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dorthin  grundsätzlich  als  zumutbar  erscheint.  Es  bestehen  auch  keine  anderen  Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen  liessen,  bei  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien wären  die  Beschwerdeführenden  einer  konkreten Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 83  Abs.  4  AuG  ausgesetzt.  Es  darf  vielmehr  davon  ausgegangen  werden,  sie  könnten  sich  in  ihrer  Heimat  wiederum  eine  Existenzgrundlage  aufbauen,  zumal  der  Beschwerdeführer  über  langjährige  Arbeitserfahrung  als  Mechaniker  verfügt  und  aufgrund  der  Akten davon auszugehen  ist,  die Beschwerdeführenden würden  in  ihrer  Heimat weiterhin  über  verschiedene Verwandte  und andere  persönliche  Anknüpfungspunkte  verfügen.  Zwar  machen  die  Beschwerdeführenden  unter Vorlage eines Berichts des … [kantonalen Spitals] geltend, ihr Kind  sei auf eine regelmässige ärztliche Kontrolle angewiesen, da es sich bei  einem Unfall schwere Verbrennungen zugezogen habe. Alleine von daher  lässt  sich  jedoch  kein  Vollzugshindernis  ableiten,  da  kein  Anlass  zur  Annahme  einer  dauerhaften  Behandlungsbedürftigkeit  des  Kindes  besteht,  sondern  lediglich  von  einem  zeitlich  befristeten  Nachbetreuungsbedarf  von  Brandwunden  zweiten  Grades  auszugehen  ist  (durch  regelmässige  Wundbehandlung  bis  zur  Ausheilung).  Diesem  Aspekt kann vom Bundesamt – auf Gesuch hin – mit einer Erstreckung  der angesetzten Ausreisefrist hinreichend Rechnung getragen werden.  6.5.  Schliesslich  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  erachten (Art. 83 Abs. 2 AuG), da es den Beschwerdeführenden obliegt,  an  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (Art. 8  Abs. 4  AsylG). 6.6. Nach dem Gesagten ist sowohl die Anordnung der Wegweisung aus  der  Schweiz  als  auch  deren  Vollzug  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und möglich 

D­6611/2011 erklärt,  womit  die  beantragte  Anordnung  einer  vorläufigen  Aufnahme  in  der Schweiz ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist im Resultat als offensichtlich unbegründet abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  den  Beschwerdeführenden  Kosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG  sowie  Art. 1  ­  3  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR  173.320.2]).  Die Kosten  sind auf Fr. 600.– festzusetzen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss  in gleicher Höhe zu verrechnen. 

D­6611/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Die  Kosten  werden mit  dem  geleistete  Vorschuss  in  gleicher  Höhe verrechnet.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand:

D-6611/2011 — Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 D-6611/2011 — Swissrulings