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Bundesverwaltungsgericht 07.12.2011 D-5753/2011

7 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,385 parole·~7 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch (erneutes Asylverfahren Schweiz) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. Oktober 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­5753/2011  law/auj/sed Urteil   v om   7 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Walter Lang,  mit Zustimmung von Richter Yanick Felley;  Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am […], Türkei,   vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,  […],  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 7. Oktober 2011 / N […].

D­5753/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,  dass der Beschwerdeführer am 26. Januar 2009 in der Schweiz erstmals  um Asyl nachsuchte,  dass er dabei  im Wesentlichen geltend machte, seine damalige Ehefrau  habe  ihn mit  einem  anderen Mann  betrogen, weshalb  es  im  Jahr  2005  oder 2006 zur Scheidung gekommen sei,  dass  seine Familie  –  insbesondere  der Vater  –  ihn  unter Druck gesetzt  habe,  die  Exfrau  sowie  den  Nebenbuhler  zu  töten,  um  die  verletzte  Familienehre wiederherzustellen, er dies aber nicht habe tun wollen,  dass der Druck des Vaters  immer grösser geworden und er zudem vom  Nebenbuhler  aus  Furcht  vor  Rache  ebenfalls  bedroht  worden  sei,  weshalb er sich zur Ausreise entschlossen habe,  dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  12. Juni  2009  das  erste  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art. 3  und  Art. 7  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ablehnte, die Wegweisung aus der  Schweiz verfügte und den Vollzug der Wegweisung anordnete,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  D­4690/2009  vom  6. Oktober  2009  die  gegen  diese  Verfügung  erhobene  Beschwerde  als  offensichtlich unbegründet abwies, womit die vorinstanzliche Verfügung in  Rechtskraft erwuchs,  dass  der  Beschwerdeführer  kurz  vor  Ablauf  der  Ausreisefrist  am  3. November 2009 eine Schweizer Bürgerin heiratete, die Ehe jedoch am  18. Januar  2011  geschieden  wurde  und  der  Beschwerdeführer  sich  seither illegal in der Schweiz aufhielt,  dass  er  am  16. September  2011  ein  weiteres  Asylgesuch  einreichte,  nachdem er wegen des Verdachts auf Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung  und  rechtswidrigen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  am  8. August  2011  verhaftet worden war,  dass  der  Beschwerdeführer  am  29. September  2011  dem  Kanton  Z._______ zugewiesen wurde,  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  7. Oktober  2011  –  eröffnet  am  11. Oktober  2011  –  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  AsylG  auf 

D­5753/2011 das  zweite  Asylgesuch  nicht  eintrat,  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  verfügte,  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  die  Schweiz  bis  am  Tag  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  zu  verlassen,  feststellte,  die  zuständige  kantonale  Behörde  sei  verpflichtet,  die  Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  und  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,  dass das Bundesamt zur Begründung des negativen Asylentscheides im  Wesentlichen  ausführte,  es  habe  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  in  der  Verfügung  vom  12.  Juni  2009  eingehend  gewürdigt,  und  dieser Entscheid  sei  am 6. Oktober  2009  in Rechtskraft  erwachsen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  imstande  gewesen  sei,  im  zweiten  Asylverfahren  hinsichtlich  der  behaupteten  Verfolgungssituation  von  neuen Tatsachen oder Erkenntnissen zu berichten,  dass die eingereichten Zeitungsberichte zur Problematik der Ehrenmorde  in  der  kurdischen Gesellschaft  nicht  geeignet  seien,  den Sachverhalt  in  einem anderen Licht erscheinen zu lassen,  dass  sich  aus  den  Akten  keine  Hinweise  auf  seit  dem  rechtskräftigen  Abschluss  des  ersten  Asylverfahrens  am  6. Oktober  2009  eingetretene  Ereignisse  ergäben,  welche  geeignet  wären,  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  zu  begründen  oder  für  die  Gewährung  vorübergehenden Schutzes relevant wären,  dass das BFM den Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und  möglich erachtete,  dass  der  Beschwerdeführer  am  18. Oktober  2011  mittels  seines  Rechtsvertreters gegen die vorinstanzliche Verfügung Beschwerde beim  Bundesverwaltungsgericht  erheben  und  beantragen  liess,  die  angefochtene  Verfügung  sei  vollumfänglich  aufzuheben  und  die  Sache  sei  zur  materiellen  Beurteilung  (Eintreten)  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen,  dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragen  liess,  dem  unterzeichnenden  Rechtsanwalt  seien  die  Akten  des  ersten  Asylverfahrens  gestützt  auf  Art. 8  des  Bundesgesetzes  vom  19. Juni  1992 über den Datenschutz (DSG, SR 235.1) zu eröffnen, und es sei ihm 

D­5753/2011 eine angemessene Frist zum Einreichen von Beweisdokumenten aus der  Türkei beziehungsweise einer Beschwerdeverbesserung anzusetzen,  dass er  in prozessualer Hinsicht  ferner darum ersuchen  liess, es sei die  unentgeltliche  Prozessführung  zu  bewilligen,  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten  und  ihm  in  der  Person  des  Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu stellen,  dass  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  mit  Verfügung vom 26. Oktober 2011 feststellte, der Beschwerdeführer könne  den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, die Gesuche um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Ansetzung  einer  Frist  zum  Einreichen  von  türkischen  Beweismitteln  abwies  und  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr. 600.– einzuzahlen,  das  der  Instruktionsrichter  gleichzeitig  das  BFM  anwies,  dem  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  antragsgemäss  Einsicht  in  die  Akten  des  ersten  Asylverfahrens  zu  gewähren,  und  dem  Beschwerdeführer Gelegenheit gab, innert drei Tagen ab Erhalt der Akten  eine Beschwerdeergänzung einzureichen,  dass  am  7. November  2011  der  verlangte  Kostenvorschuss  geleistet  wurde,  dass der Beschwerdeführer keine Beschwerdeergänzung einreichte,  und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

D­5753/2011 dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),  dass der einverlangte Kostenvorschuss  innert angesetzter Frist geleistet  wurde,  dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG  und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),  dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüfte,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt,  dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 

D­5753/2011 weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  der Schweiz bereits  ein Asylverfahren erfolglos  durchlaufen haben oder  während  des  hängigen  Asylverfahrens  in  den  Heimat­  oder  Herkunftsstaat zurückgekehrt sind, ausser es gebe Hinweise, dass in der  Zwischenzeit  Ereignisse  eingetreten  sind,  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden Schutzes relevant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG), dass der Nichteintretenstatbestand von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG somit  ein  formelles  (früheres  Asylverfahren)  und  ein  materielles  Erfordernis  (fehlende Hinweise) enthält, welche im Einzelfall beide gleichzeitig erfüllt  sein müssen, dass  das  formelle  Erfordernis  eines  in  der  Schweiz  erfolglos  durchlaufenen Asylverfahrens offensichtlich erfüllt ist, nachdem das BFM  das  erste Asylgesuch  des Beschwerdeführers  vom 26. Januar  2009 mit  Verfügung vom 12. Juni 2009 ablehnte, und dieser Entscheid durch das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  6. Juni  2009  in  Rechtskraft  erwachsen  ist  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 20  E. 2.1.  S. 213,  EMARK  1998  Nr. 1 E. 5 S. 5 ff.),  dass  bei  der  Prüfung,  ob  Hinweise  auf  Ereignisse  vorliegen,  welche  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  vom  engen  Verfolgungsbegriff im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen ist, dass  jedoch  gleichzeitig  ein  gegenüber  der  Glaubhaftmachung  reduzierter  Beweismassstab  zur  Anwendung  kommt,  weshalb  auf  ein  Asylgesuch bereits dann eingetreten werden muss, wenn sich Hinweise  auf  eine  relevante  Verfolgung  ergeben,  welche  nicht  von  vornherein  haltlos sind (vgl. BVGE 2009/53 E. 4.2 S. 769 mit weiteren Hinweisen),  dass der Beschwerdeführer zur Begründung des zweiten Asylgesuchs im  Wesentlichen  vorbrachte,  die  Gründe,  weshalb  er  nicht  in  die  Türkei  zurückkehren könne, hätten sich vermehrt, 

D­5753/2011 dass er im Internet gelesen habe, was den Leuten zugestossen sei, und  er sich in den Medien über seine Situation informiert habe,  dass die Blutrache ein ungeschriebenes und problematisches Gesetz der  Kurden  sei,  und  eine  verheiratete  Kurdin,  die  fremdgehe,  mit  dem  Tod  bestraft werde,  dass seine Sippe  ihm – dem Beschwerdeführer – viele Vorwürfe mache  und ihn sehr stark unterdrücke, weil er seine Ehre nicht gerettet habe,  dass er ein gebildeter Mensch sei und niemanden umbringen könne, und  ihm nur die Wahl zwischen dem Suizid und der Ausreise geblieben sei,  dass er zur Untermauerung seiner Vorbringen mehrere Zeitungsberichte  zur Thematik der Ehrenmorde in der Türkei einreichte,  dass das BFM in der angefochtenen Verfügung zutreffend festgestellt hat,  es  habe  die  im  ersten  Verfahren  vorgetragenen  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  in  der  Verfügung  vom  12. Juni  2009  eingehend  gewürdigt,  und  diese  Verfügung  sei  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­4690/2009  vom  6. Oktober  2009  in  Rechtskraft erwachsen,  dass  mit  dem  BFM  festzuhalten  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  im  zweiten Asylverfahren nicht  imstande gewesen ist, neue Tatsachen oder  Erkenntnisse  bezüglich  der  im  ersten  Verfahren  geltend  gemachten  Fluchtgründe vorzubringen,  dass er auf wiederholte entsprechende Fragen des BFM­Sachbearbeiters  an  der  Anhörung  vielmehr  auf  seine Aussagen  im  ersten Asylverfahren  verwies  und  geltend  machte,  er  habe  im  ersten  Verfahren  seine  Asylgründe nicht genügend ausführlich darstellen können und wolle noch  ein  Erlebnis  erzählen,  das  er  während  seiner  Tätigkeit  als  […]  in  der  Türkei gehabt habe (vgl. BFM­act. A24/6 S. 3 f. Antworten auf Fragen 11­ 26),  dass diese bereits im ersten Asylverfahren vorgebrachten Rügen im Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts D­4690/2009 vom 6. Oktober 2009 E. 4.  S. 5 ff. gewürdigt und als unbegründet erachtet wurden,  dass der Vorinstanz auch darin zuzustimmen ist, dass den eingereichten  Zeitungsberichten  zur  Thematik  von  Ehrenmorden  innerhalb  der 

D­5753/2011 kurdischen  Gesellschaft  in  der  Türkei  nicht  geeignet  sind,  nachträglich  eingetretene asylrechtlich relevante Sachverhalte zu belegen, weisen sie  doch keinen persönlichen Bezug zum Beschwerdeführer auf,  dass  auch  die  Ausführungen  in  der  Beschwerde  an  der  fehlenden  asylrechtlichen  Relevanz  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  nichts  zu ändern vermögen,  dass  in  der  Beschwerde  eingeräumt  wird,  die  Argumentation  der  Vorinstanz, wonach auf das zweite Asylgesuch nicht einzutreten sei, weil  die  vorgebrachten  Asylgründe  bereits  in  einem  ersten,  rechtskräftig  abgeschlossenen  Verfahren  geprüft  worden  seien,  sei  nachvollziehbar  (vgl. Bst. B Ziff. 2 S. 4), dass  indessen  geltend  gemacht  wird,  der  Beschwerdeführer  sei  auf  verschiedene Medienberichte über ausgeübte Blutrache unter türkischen  Kurden  gestossen,  und  er  habe  von  seinem  Bruder  erfahren,  dass  die  Familie  diesen  dränge,  an  seiner  Stelle  zur  Wiederherstellung  der  Familienehre eine Gewalttat auszuüben,  dass seine Familie und auch verschiedene öffentliche Stellen von seiner  Situation  und  seiner Bedrohung Kenntnis  hätten,  und  er  entsprechende  Bestätigungen möglichst  rasch  einreichen  und  überdies  belegen werde,  dass  in  seiner Familie  bereits Gewalttaten  unter  dem Begriff  der  "Ehre"  ausgeübt worden seien,  dass er mithin beweisen werde, weshalb er die Drohungen seiner Familie  ernst nehme,  dass  in  der  Beschwerde  sodann  aus  Internetberichten  des  UN­ Antifolterkommitee  und Wikipedia  zitiert  und  geltend  gemacht  wird,  die  Vorbringen des Beschwerdeführers würden den allgemeinen Erfahrungen  und Berichten  zur  Türkei  entsprechen,  es  könne  ihm  nicht  vorgeworfen  werden, dass er die in Aussicht gestellten Dokumente zu spät einreiche,  und es sei deshalb nach Erhalt und Würdigung der Belege die Vorinstanz  anzuweisen,  auf  das  neue  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  einzutreten,  dass  sich  die  in  der  Beschwerde  in  Aussicht  gestellten  –  nicht  näher  bezeichneten  und  bis  heute  nicht  eingereichten  –  Bestätigungen  der  Familie  des  Beschwerdeführers  und  von  öffentlichen  Stellen  sowie  Belege  über  in  seiner  Familie  unter  dem Begriff  der  "Ehre"  ausgeübten 

D­5753/2011 Gewalttaten auf die bereits im ersten Asylverfahren beurteilte Ehrenmord­ Thematik  beziehen  (vgl.  Urteil  D­4690/2009  vom  6. Oktober  2009  E. 6  S. 7  f.)  und  ohne  weiteres  absehbar  ist,  dass  mit  diesen  keine  seit  Abschluss  des  ersten  Asylverfahrens  eingetretenen  Ereignisse  belegt  werden,  die  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen  (sog. antizipierte Beweiswürdigung;  vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 356  f.,  EMARK 2003 Nr. 13 E. 4a S. 84), dass  vielmehr  offenkundig wird,  dass der Beschwerdeführer mit  seinem  zweiten  Asylgesuch  nicht  darauf  abzielt,  nach  Abschluss  des  ersten  Asylverfahrens  eingetretene  Ereignisse  geltend  zu  machen,  die  für  die  Begründung der Flüchtlingseigenschaft relevant sind, sondern eine neue  Würdigung  des  bereits  beurteilten  Sachverhalts  anstrebt,  wofür  im  Rahmen eines zweiten Asylgesuches kein Raum besteht, dass  das  BFM  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  16. September  2011  gestützt  auf  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  AsylG  mithin  zu  Recht nicht eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E. 9  S. 733,  BVGE  2008/34  E. 9.2  S. 510,  EMARK 2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom  Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländerinnen  und  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1  des Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148),

D­5753/2011 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und  keine  Anhaltspunkte  für  eine  dem  Beschwerdeführer  in  der  Türkei  drohende  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999  (BV, SR 101),  von Art. 3  des Übereinkommens vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der  Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind,  dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage  in der Türkei noch  individuelle Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  im  Falle  einer  Rückkehr schliessen lassen,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  angab,  in  seiner  Heimat  keine  finanziellen  Schwierigkeiten  gehabt  zu  haben  (vgl.  A24/6  S. 3  Antwort  auf  Frage  14),  und  in  der  Beschwerde  bezüglich  der  Zumutbarkeit des Vollzugs nichts eingewendet wird, weshalb der Vollzug  der Wegweisung vorliegend zumutbar ist,

D­5753/2011 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dem  Beschwerdeführer  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellen  oder  unangemessen  sein  sollte  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG),  dass  die  Verfahrenskosten  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss zu verrechnen sind.  (Dispositiv nächste Seite) 

D­5753/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde.  Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand:

D-5753/2011 — Bundesverwaltungsgericht 07.12.2011 D-5753/2011 — Swissrulings