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Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 D-4963/2010

28 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,348 parole·~12 min·2

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Juni 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4963/2010/sed Urteil   v om   2 8 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Hans Schürch,  Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______ B._______, geboren am [...], Iran,  vertreten durch lic. iur. Ralph Wiedler Friedmann,  Rechtsanwalt,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Juni 2010 

D­4963/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  stellte  am  3.  Juli  2006  in  der  Schweiz  ein  Asylgesuch.  Dieses  lehnte  das  Bundesamt  für  Migration  (BFM)  mit  Verfügung vom 4. August 2006 ab; zugleich ordnete das Bundesamt die  Wegweisung  des Beschwerdeführers  aus  der Schweiz  und  den Vollzug  an. B.  Die  gegen  diese  Verfügung  am  6.  September  2006  bei  der  damaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  erhobene  Beschwerde  wurde durch das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D­6078/2006 vom  18. September 2008 abgewiesen. C.  Mit  als  „zweites  Asylgesuch“  bezeichneter  Eingabe  seines  damaligen  Rechtsvertreters vom 30. Oktober 2008 beantragte der Beschwerdeführer  beim  BFM  die  Anerkennung  seiner  Flüchtlingseigenschaft  aufgrund  exilpolitischer Aktivitäten und die Anordnung seiner vorläufigen Aufnahme  in der Schweiz. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei seit dem  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. September 2008 weiterhin  als aktives Mitglied der iranischen exilpolitischen Organisation C._______  tätig.  Er  habe  an  verschiedenen  Veranstaltungen  und  Demonstrationen  der  C._______  in  der  Schweiz  teilgenommen,  wobei  entsprechende  Photographien  ­  auf  welchen  er  zu  erkennen  sei  ­  im  Internet  veröffentlicht  worden  seien.  Zudem  habe  er  einen  Artikel  verfasst,  welcher  auf  der  Website  der  C._______  veröffentlicht  worden  sei.  In  diesem Artikel, der sich zur ungleichen Verteilung der Vermögen im Iran  äussere,  habe  er  scharfe  Kritik  an  den  iranischen  Mullahs  und  dem  Regime  geübt.  Innerhalb  der  C._______  erfülle  er  ausserdem  wichtige  Aufgaben,  indem  er  als  Verantwortlicher  für  Neumitglieder,  für  die  Sicherheit  des  C._______­Büros  und  für  die  Vorbereitung  von  Kadersitzungen  zuständig  sei.  Nachdem  er  im  September  2008  zum  Verantwortlichen der C._______ für die Stadt Zürich ernannt worden sei,  zähle  er  zudem  zu  deren  Führungsriege.  Er  sei  somit  in  einer  Art  und  Weise exilpolitisch exponiert, dass Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) gegeben seien.  D.  Am 10. Mai  2010 wurde  der  Beschwerdeführer  durch  das BFM  zu  den  Gründen  seines  zweiten  Asylgesuchs  mündlich  befragt.  Dabei 

D­4963/2010 wiederholte  und  ergänzte  er  im  Wesentlichen  die  bereits  schriftlich  gemachten  Vorbringen  in  Bezug  auf  seine  Aktivitäten  zugunsten  der  C._______. Des Weiteren gab er  zu Protokoll,  er  sei  seit  vier  oder  fünf  Monaten bei der C._______ nicht mehr Mitglied und auch nicht mehr für  die Organisation aktiv. Er habe den Eindruck erlangt, dass die C._______  seine  Meinungsfreiheit  nicht  respektiere  und  nicht  demokratisch  strukturiert  sei,  weshalb  er  ausgetreten  sei.  Seither  sei  er  nicht  mehr  politisch aktiv gewesen, da er noch keine andere  iranische Organisation  gefunden  habe. Mit  der  Eingabe  vom  30. Oktober  2008,  anlässlich  der  Anhörung  vom  10. Mai  2010  und  im  weiteren  Verfahrensverlauf  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  grössere  Zahl  von  Beweismitteln  (Photographien,  Zeitschriften,  Auszüge  aus  dem  Internet,  Bestätigungsschreiben)  ein.  Auf  deren  Inhalt  wird,  soweit  für  den  Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. E.  Mit  Verfügung  vom  8.  Juni  2010  wies  das  BFM  das  Gesuch  des  Beschwerdeführers  vom  30.  Oktober  2008  ab  und  ordnete  dessen  Wegweisung sowie den Vollzug an. Dabei führte es im Wesentlichen aus,  aufgrund  der  geltend  gemachten  Aktivitäten  zugunsten  der  C._______  stelle  sich  der  Eindruck  ein,  dass  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  durchschnittlichen  Mitläufer  handle.  Als  Verantwortlicher  der  C._______ für die Stadt Zürich hätten sich seine Aufgaben auf logistische  Vorbereitungen beschränkt, und er habe keine Funktion erfüllt, die ihn bei  einer Rückkehr in den Iran gefährden würde. Auch dem auf der Website  der  C._______  publizierten  Artikel  sei  keine  fundierte  und  ernst  zu  nehmende  Kritik  am  iranischen  Regime  zu  entnehmen.  Der  Artikel  vermöge nicht den Eindruck zu erwecken, der Autor sei eine Person mit  klar  definierten  oppositionellen  Vorstellungen.  Im  Übrigen  sei  der  Beschwerdeführer aus der C._______ ausgetreten und seither nicht mehr  an politischen Aktivitäten beteiligt.  F.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  22.  Juni  2010  ersuchte  der  Beschwerdeführer das BFM um Einsicht  in die Verfahrensakten. Diesem  Begehren entsprach das Bundesamt mit Schreiben vom 29. Juni 2010. G.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  2.  Juli  2010  (Datum  des  Poststempels:  8.  Juli  2010)  focht  der  Beschwerdeführer  die  Verfügung  vom 8. Juni  2010  beim Bundesverwaltungsgericht  an. Dabei  beantragte 

D­4963/2010 er,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  es  sei  ihm  in  der  Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass er nicht in  den  Iran  zurückkehren  könne,  und  er  sei  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Begründung  der Beschwerde wurde im Wesentlichen ausgeführt, das BFM habe zwei  entscheidrelevante  Sachverhalte  übersehen,  aus  denen  eine  erhöhte  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  resultiere.  Zum  einen  sei  unberücksichtigt  geblieben,  dass  der  Beschwerdeführer  während  fast  zehn  Jahren  als  berufsmässiger  Ringkämpfer  im  Sold  des  iranischen  Regimes  gestanden  sei,  wobei  [...].  Der  Beschwerdeführer  sei  Mitglied  einer  Elitegruppe  von  Ringkämpfern  ­  der  sogenannten  D._______  ­  gewesen, die an nationalen Anlässen symbolisch die Kraft des iranischen  Regimes  symbolisieren würden.  Vor  diesem Hintergrund  gelte  er  heute  aus der Sicht des  iranischen Regimes als Landesverräter. Zum anderen  habe  sich  Folgendes  ereignet:  Der  ehemalige  Verantwortliche  für  die  Website  der  C._______,  eine  Person  mit  dem  Rufnamen  „E._______“,  sei  vor  fünf  Monaten  in  den  Iran  zurückgekehrt.  Die  genannte  Person  habe die Aktivitäten der Mitglieder der C._______ ausspioniert und auch  in  anderen  iranischen  Dissidentengruppen  Einsitz  genommen.  Es  sei  davon auszugehen, dass „E._______“ nach seiner Rückkehr  in den Iran  den  Sicherheitskräften  des  Regimes  auch  über  die  Tätigkeiten  des  Beschwerdeführers  berichtet  habe.  Im  Übrigen  machte  der  Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter geltend, seine Flucht aus  dem Iran sei unter Berücksichtigung seiner damaligen Mitgliedschaft bei  den  D._______  nicht  nur  unter  dem  Aspekt  von  Art. 54  AsylG  zu  würdigen. Sondern damit erfülle er ­ angesichts seines Bekanntheitsgrads  und der damit für das iranische Regime verbundenen Blamage ­ auch die  Voraussetzungen für die Anwendung von Art. 3 AsylG im Hinblick auf die  Gewährung des Asyls. H.  Mit  Zwischenverfügung  vom 20.  Juli  2010 wurde  der Beschwerdeführer  aufgefordert,  innert  sieben  Tagen  ab  Erhalt  der  Verfügung  die  Identität  der als „E._______“ bezeichneten Person offenzulegen und in Bezug auf  deren  Aktivitäten  zugunsten  der  C._______  sowie  hinsichtlich  der  behaupteten  Spionagetätigkeit  allfällige  Beweismittel  einzureichen.  Hinsichtlich  des  Antrags  auf  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, es werde zu  einem  späteren  Zeitpunkt  darüber  befunden.  Ferner  wurde  der 

D­4963/2010 Beschwerdeführer  aufgefordert,  innert  genannter  Frist  eine  Fürsorgebestätigung einzureichen. I.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  28.  Juli  2010  teilte  der  Beschwerdeführer mit,  bei  „E._______“  handle  es  sich  um  eine Person  namens F._______ G._______. Des Weiteren reichte er als Beweismittel  zwei  Zeitschriften  in  (mutmasslich)  persischer  Sprache  ein,  wobei  an  einer  Textstelle  der  Name  des  Genannten  markiert  wurde,  an  anderer  Stelle zwei Photographien. J.  Mit  Zwischenverfügung  vom 30.  Juli  2010 wurde  der Beschwerdeführer  mit Frist bis zum 16. August 2010 aufgefordert, zu erklären,  in welchem  Kontext  der  Name  der  genannten  Person  in  den  eingereichten  Schriftstücken  erscheine  und  um  wen  es  sich  bei  den  markierten  Personen auf den betreffenden Photographien handle. Zudem wurde der  Beschwerdeführer  dazu  aufgefordert,  die  entsprechenden  Textstellen  in  eine Amtssprache des Bundes übersetzen zu lassen. Schliesslich wurde  der Beschwerdeführer  erneut  aufgefordert,  allfällige Beweismittel  für  die  behauptete  Spionagetätigkeit  der  Person  namens  „E._______“  beziehungsweise F._______ G._______ einzureichen. K.  Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 10. August 2010 ersuchte der  Beschwerdeführer um Fristerstreckung bis zum 26. August 2010. Diesem  Antrag wurde mit Schreiben vom 11. August 2010 entsprochen. L.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  25.  August  2010  teilte  der  Beschwerdeführer mit,  die  Spionagetätigkeit  von  F._______ G._______  ergebe  sich  aus  dem Umstand,  dass  es  für  diesen  keinen  vernünftigen  Grund gegeben habe,  in den  Iran zurückzukehren. Der Genannte sei  in  der Schweiz in einem hängigen Asylverfahren gestanden. Dabei habe er  in  vorderster  Reihe  an  verschiedenen  Demonstrationen  der  C._______  teilgenommen, Demonstrationen organisiert und als Redaktor der Zeitung  der  C._______  und  Internetverantwortlicher  eine  wichtige  Stellung  innegehabt. Dieses Engagement stehe in einem erheblichen Kontrast zur  Rückkehr  in  den  Iran  ohne  erkennbaren  Anlass.  Weiter  teilte  der  Beschwerdeführer  mit,  bei  der  auf  den  bezeichneten  Photographien  abgebildeten  Person  handle  es  sich  um  F._______  G._______,  und 

D­4963/2010 dessen  Name  erscheine  in  der  Zeitschrift  der  C._______  unter  den  Redaktionsangaben. M.  Mit  Zwischenverfügung  vom  23.  September  2010  wurde  das  Begehren  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  mangels  Einreichung einer Fürsorgebestätigung abgewiesen. Zugleich wurde der  Beschwerdeführer  unter  Androhung  des  Nichteintretens  auf  die  Beschwerde  aufgefordert,  bis  zum  8.  Oktober  2010  einen  Kostenvorschuss von Fr. 600.­­ zu leisten. N.  Mit  Einzahlung  vom  4.  Oktober  2010  wurde  der  verlangte  Kostenvorschuss geleistet. O.  Mit Vernehmlassung vom 21. Oktober 2010 hielt das BFM vollumfänglich  an  seinen  Erwägungen  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Davon  wurde  dem  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  21. Oktober 2010 Kenntnis gegeben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Über  Beschwerden gegen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das  BFM  erlassen  worden  sind,  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen  die  ein  Auslieferungsersuchen  des  Staates  vorliegt,  vor  welchem  sie  Schutz suchen) endgültig  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 31­33 VGG; Art. 83  Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [BGG, SR  173.110]). 1.2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die  Verlet­zung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und 

D­4963/2010 Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist­ und formgerecht ein­ gereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art.  105  und  108  Abs.  1  AsylG;  Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 3.  3.1.  Indem  der  Beschwerdeführer  sein  zweites  Asylgesuch  damit  begründet  hat  beziehungsweise  im  Rahmen  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens vorbringt, er sei zum einen aufgrund seiner Flucht  aus  dem  Iran,  zum  anderen  wegen  seiner  exilpolitischen  Betätigung  in  der  Schweiz  im  Falle  einer  Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  von  Verfolgung  bedroht,  macht  er  ausschliesslich  subjektive  Nachfluchtgründe geltend.  3.2.  Subjektive  Nachfluchtgründe  sind  dann  anzunehmen,  wenn  eine  asylsuchende  Person  erst  durch  die  Flucht  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder  wegen  ihres  Verhaltens  nach  der  Ausreise  eine  Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  zu  befürchten  hat.  Personen mit  subjektiven  Nachfluchtgründen  erhalten  zwar  kein  Asyl,  werden  jedoch  als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2009/28  E. 7.1 sowie EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a mit weiteren Hinweisen). 3.3.  Angesichts  der  soeben  erwähnten  Kriterien  subjektiver  Nachfluchtgründe  ist  dem  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  seine  Flucht  aus  dem  Iran  sei  unter  Berücksichtigung  seiner  damaligen  Mitgliedschaft bei den D._______ nicht nur unter dem Aspekt von Art. 54  AsylG,  sondern  auch  im  Hinblick  auf  die  Gewährung  des  Asyls  zu  würdigen,  offensichtlich  nicht  zu  folgen.  Vielmehr  ist  festzuhalten,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  behauptete  Konstellation,  wonach  seine  Flucht  aus  dem  Iran  an  sich  einen  Grund  für  seine  Verfolgung  bilde,  gerade einen Anwendungsfall von Art. 54 AsylG darstellt.  3.4.  Der  mit  der  Beschwerde  gestellte  Antrag,  es  sei  dem  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  Asyl  zu  gewähren,  ist  somit  bereits  unter diesem Gesichtspunkt abzuweisen.

D­4963/2010 4.  Es bleibt zu prüfen, ob aufgrund der Vorbringen des Beschwerdeführers  subjektive Nachfluchtgründe gegeben sind. 4.1.  4.1.1.  Dabei  ist  zunächst  auf  die  Behauptung  einzugehen,  bereits  die  Ausreise des Beschwerdeführers aus seinem Heimatstaat bilde Grund für  eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG, da er als ehemaliges Mitglied  einer  Elitegruppe  von  Ringkämpfern  ­  der  sogenannten  D._______  ­  durch das  iranische Regime als Landesverräter betrachtet werde. Es  ist  festzuhalten,  dass  dieses  Vorbringen  erst  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren,  das  sich  auf  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers bezieht, gemacht wurde. Vorbringen, die sich auf den  Zeitraum  vor  dem  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  18. September 2008 beziehen und insofern neue Tatsachen in Bezug auf  einen  bereits  rechtskräftig  beurteilten  Sachverhalt  enthalten,  können  jedoch  (allenfalls)  nur  unter  der  Voraussetzung  des  Vorliegens  von  Revisionsgründen beachtlich sein. Indessen werden solche Gründe durch  den  Beschwerdeführer  nicht  geltend  gemacht,  und  die  Vorbringen,  die  sich  auf  die  Umstände  seiner  Ausreise  aus  dem  Iran  beziehen,  sind  folglich im vorliegenden Verfahren nicht zu berücksichtigen.  4.1.2.  Im  Sinne  einer  Ergänzung  ist  immerhin  zu  bemerken,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  des  ersten,  am  3. Juli  2006  gestellten  Asylgesuchs  anlässlich  der  durchgeführten  Befragungen  zwar  zu  Protokoll gab, er sei Ringkämpfer in der ersten iranischen Liga gewesen.  Indessen  machte  er  in  diesem  Zusammenhang  keineswegs  geltend,  Mitglied  einer  besonderen  Elitegruppe  von  Ringkämpfern  gewesen  zu  sein.  Sondern  er  führte  aus,  er  sei  in  einem  halbprofessionellen Verein  aktiv gewesen, ohne von einer spezifischen Bedeutung dieses Vereins zu  sprechen.  Aufgrund  eines  neuen  Gesetzes,  das  nur  Personen  zur  Teilnahme  in  der  ersten  Liga  zugelassen  habe,  die  den  Militärdienst  absolviert  hätten,  habe  er  in  der  Folge  Probleme  erhalten,  da  er  diese  Voraussetzung  nicht  erfüllt  habe.  Die  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  gemachten  Vorbringen  sind  somit  auch  nicht  mit  den  mündlichen  Aussagen  im  Rahmen  des  ersten  Asylverfahrens  vereinbar.  4.2. Mit  dem  Vorbringen,  der  Beschwerdeführer  habe  aufgrund  seines  Engagements  zugunsten  der  C._______  eine  Verfolgung  durch  das  iranische Regime zu befürchten, hat sich das Bundesverwaltungsgericht 

D­4963/2010 bereits  mit  dem  Urteil  vom  18. September  2008  auseinandergesetzt.  Dabei  kam  es  im Wesentlichen  zu  folgenden  Schlüssen  (a.a.O.,  E. 4.3  ff.).  4.2.1.  Zwar  sei  die  politische  Betätigung  für  staatsfeindliche  Organisationen  im Ausland  im  Iran unter Strafe gestellt, und es seien  in  der  Vergangenheit  auch  Personen  verurteilt  worden,  die  sich  unter  anderem im Internet kritisch zum iranischen Staat geäussert hätten. Auch  sei unbestritten, dass die  iranischen Behörden die politischen Aktivitäten  ihrer  Staatsangehörigen  im  Ausland  überwachen  und  systematisch  erfassen würden. Zugleich  sei  aber  auch davon auszugehen,  dass  sich  die  iranischen  Geheimdienste  auf  die  Erfassung  von  Personen  konzentrieren,  die  über  die  massentypischen  und  niedrigprofilierten  Erscheinungsformen  exilpolitischer  Proteste  hinaus  Funktionen  wahrgenommen  und/oder  Aktivitäten  entwickelt  haben,  welche  die  jeweilige  Person  aus  der  Masse  der  mit  dem  Regime  Unzufriedener  herausheben  und  als  ernsthaften  und  gefährlichen  Regimegegner  erscheinen  lassen.  Somit  sei  die  Mitgliedschaft  in  einer  exilpolitischen  Organisation,  die  Teilnahme  an  regimekritischen  Demonstrationen  und  das hierbei übliche Tragen von Plakaten und Rufen von Parolen nicht für  die  Einschätzung  einer  Verfolgungsgefahr  von  Bedeutung,  sondern  Positionen, Form und Einfluss von Aktionen. 4.2.2. Den  vom Beschwerdeführer  eingereichten Beweismitteln  sei  zu  entnehmen,  dass  er  seit  August  2006  Mitglied  der  C._______  sei.  Weiter  sei  belegt,  dass  er  seither  an  zahlreichen  Kundgebungen  der  genannten  Organisation  teilgenommen  habe.  Im  Presseorgan  der  C._______ und  im Internet seien  immer wieder Bilder erschienen, auf  welchen  er  gut  zu  erkennen  sei.  Zudem  habe  er  sich  in  einem  gewissen  Ausmass  an  Veranstaltungen  exponiert.  Angesichts  eines  entsprechenden Bestätigungsschreibens sei ferner davon auszugehen,  dass  er  für  Neumitglieder  und  die  Sicherheit  im  Büro  der  C._______  zuständig sei. 4.2.3. Jedoch sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer  bereits vor der Ausreise die Aufmerksamkeit der  iranischen Behörden  auf sich gezogen habe. Vielmehr habe er ausgesagt, zum Militärdienst,  den  er  offensichtlich  gerne  geleistet  hätte,  wegen  seiner  gesundheitlichen Beschwerden nicht zugelassen worden zu sein. Auch  habe  er  keinerlei  politische  Interessen  oder  gar  Aktivitäten  geltend  gemacht.  Die  exilpolitische  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers  in  der 

D­4963/2010 Schweiz  hebe  sich  nicht  von  den  üblichen  Aktivitäten  einer  Vielzahl  seiner  hiesigen  Landsleute  ab.  An  dieser  Einschätzung  ändere  auch  nichts,  dass  der  Beschwerdeführer  innerhalb  der  C._______  eine  gewisse Funktion ausübe, handle es sich dabei doch überwiegend um  administrative Aufgaben ohne Bezug zur Öffentlichkeit. Auch sonst sei  der Beschwerdeführer nie namentlich in der Öffentlichkeit aufgetreten.  Es  sei  daher  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  iranischen Behörden  bezüglich  des  Beschwerdeführers  von  einer  Bedrohung  für  das  Regime ausgehen würden.  4.3.  Nachdem  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  dem  Urteil  vom  18. September  2008  bereits  eingehend  auf  das  Engagement  des  Beschwerdeführers  für  die C._______  eingegangen  ist,  vermag  sich  im  vorliegenden  Verfahren  lediglich  die  Frage  zu  stellen,  ob  sich  die  Situation des Beschwerdeführers seither verändert hat.  4.3.1.  In  diesem  Zusammenhang  ist  zunächst  zu  erwähnen,  dass  der  Beschwerdeführer mit  der Eingabe  an  das BFM  vom 30. Oktober  2008  unter anderem geltend machte, er habe einen Artikel verfasst, der auf der  Website  der  C._______  veröffentlicht  worden  sei.  In  Bezug  auf  dieses  Vorbringen ist jedoch festzustellen, dass der betreffende Artikel ­ wie sich  aus der  beim Bundesamt  eingereichten deutschen Übersetzung ergibt  ­  bereits  vom  Oktober  2007  datiert.  Auch  diesbezüglich  (vgl.  ausserdem  zuvor, E. 4.1.1) ist festzuhalten, dass im Rahmen des zweiten Verfahrens  vor  dem BFM wie  auch  im  vorliegenden Beschwerdeverfahren  lediglich  jene  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  Verfahrensgegenstand  sein  konnten  beziehungsweise  können,  die  sich  auf  den  Zeitraum  nach  der  rechtskräftigen  Ablehnung  seines  ersten  Asylgesuchs  mit  Urteil  vom  18. September 2008 richten. Soweit der Beschwerdeführer nunmehr eine  Tatsache  mitsamt  entsprechendem  Beweismittel  vorbringt,  die  sich  auf  den Zeitraum davor beziehen, hätte er diese ausschliesslich im Rahmen  eines  Revisionsgesuchs  in  Bezug  auf  das  genannte  Urteil  geltend  machen  können.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  indessen  kein  formelles  Revisionsgesuch  eingereicht  hat  (und  übrigens  auch  keinerlei  konkrete Revisionsgründe genannt  hat),  ist  auf Vorbringen,  die  sich  auf  den  Zeitraum  vor  dem  Urteil  vom  18. September  2008  beziehen,  nicht  weiter einzugehen. 4.3.2.  Weiter  ist  festzustellen,  dass  sich  aus  der  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers  zugunsten der C._______,  soweit  den Zeitraum seit  dem Urteil vom 18. September 2008 betreffend, nichts ableiten lässt, was 

D­4963/2010 eine  veränderte  Einschätzung  des  damit  verbundenen  Gefährdungspotentials  rechtfertigen  würde.  Die  Teilnahme  an  einer  grösseren  Zahl  von  Demonstrationen,  die  Veröffentlichung  von  entsprechenden  Photographien  im  Internet,  die  damit  verbundene  niederschwellige  Exponiertheit  und  die  Übernahme  einer  gewissen  logistischen  Verantwortung  innerhalb  der  C._______  wurden  allesamt  bereits mit dem Urteil vom 18. September 2008 erwogen. Die seither ­ im  September  2008  ­  dazugekommene Ernennung des Beschwerdeführers  zum Verantwortlichen des Büros in Zürich erscheint nicht als Faktor, der  den Grad seiner öffentlichen Exponiertheit entscheidend zu beeinflussen  vermochte.  Vielmehr  ergibt  sich  aus  den  diesbezüglichen  Aussagen  anlässlich  der  Anhörung  vom  10.  Mai  2010  (entsprechendes  Protokoll,  S. 4),  dass  sich  auch  die  damit  verbundenen  Funktionen  in  rein  organisatorischen Aufgaben  erschöpften  (Aufbewahrung  des Schlüssels  des  Zürcher  Büros  der  C._______;  jeweils  an  Freitagen  Öffnung  des  Büros;  Vorbereitung  des  Büros  anlässlich  der  monatlich  einmal  stattfindenden  Sitzungen;  Versendung  von  SMS  zur  Einberufung  der  Sitzungen;  Mitarbeit  beim  internen  Sicherheitsdienst  bei  Demonstrationen,  indessen  nicht  in  verantwortlicher  Position).  Eine  Zugehörigkeit  zum  Führungszirkel  der  C._______,  wie  im  Beschwerdeverfahren  behauptet,  lässt  sich  aus  diesen  Aufgaben  offensichtlich nicht ableiten.  4.3.3.  Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens hat der Beschwerdeführer  ausserdem  geltend  gemacht,  der  ehemalige  Verantwortliche  für  den  Internetauftritt  der  C._______  namens  „E._______“  beziehungsweise  F._______  G._______  sei  ohne  erkennbaren  Anlass  in  den  Iran  zurückgekehrt,  was  zum  Schluss  führe,  dieser  habe  die  Mitglieder  der  C._______  ausspioniert  und  den  iranischen  Sicherheitskräften  unter  anderem  über  das  exilpolitische  Engagement  des  Beschwerdeführers  Bericht  erstattet.  Diesbezüglich  ist  zunächst  festzustellen,  dass  eine  Person  dieses  Namens  in  der  Schweiz  tatsächlich  ein  Asylverfahren  durchlief  und  Partei  eines  entsprechenden  Beschwerdeverfahrens  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  war.  Das  betreffende  Beschwerdeverfahren wurde durch den Genannten im April 2010 mit der  Begründung  zurückgezogen,  seine Mutter  sei  schwer  erkrankt, weshalb  er freiwillig in den Iran zurückzukehren gedenke. Aus diesen Umständen  lässt  sich  noch  nichts  gegen  den Wahrheitsgehalt  des Vorbringens  des  Beschwerdeführers  ableiten.  Indessen  hat  der  Beschwerdeführer  seinerseits auch keine Argumente oder gar Beweismittel vorgebracht, die  es als überwiegend wahrscheinlich erscheinen  liessen, sein Verdacht  in 

D­4963/2010 Bezug auf die genannte Person treffe zu. Zu bemerken ist dabei, dass die  Rückkehr  in  den  Iran  aus  dem  vom  Genannten  angegebenen  Grund  durchaus  auch  den  (mit  den  Einschätzungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  in  Bezug  auf  die  exilpolitische  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers in Übereinstimmung stehenden) Schluss zulässt, das  fragliche  Engagement  zugunsten  der  C._______  führe  nicht  zu  einer  asylrechtlich  relevanten  Gefährdung.  Indessen  erübrigt  es  sich,  eine  abschliessende Einschätzung zu den Vorbringen des Beschwerdeführers  in  Bezug  auf  „E._______“  beziehungsweise  F._______  G._______  zu  treffen. Festzustellen ist nämlich, dass auch ein iranischer Spion über den  Beschwerdeführer  lediglich  zu  berichten  hätte,  was  durch  diesen  gegenüber den schweizerischen Behörden geltend gemacht wurde. Wie  sich  sowohl  mit  dem  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  18. September  2008  als  auch  im  vorliegenden  Verfahren  erwiesen  hat,  sind  diese  Vorbringen  nicht  geeignet,  eine  Gefährdung  des  Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 i.V.m. Art. 54 AsylG glaubhaft zu  machen.  Insofern  wäre  auch  die  Annahme  einer  allfälligen  Spionagetätigkeit  von  „E._______“  beziehungsweise  F._______  G._______  in  Bezug  auf  den  Beschwerdeführer  nicht  von  entscheidwesentlicher Bedeutung. 4.3.4.  Schliesslich  ist  ergänzend  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  keinerlei  aktenkundige  politische  Aktivitäten  mehr  zu  verzeichnen  hat,  seit  er  seine  Tätigkeit  zugunsten  der  C._______  etwa  anfangs des Jahres 2010 aufgab.  4.4.  Aus  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  keine  ausreichenden  Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der  Beteiligung  an  exilpolitischen  Aktivitäten  einer  spezifischen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  in  seinem Heimatstaat  Iran  ausgesetzt  sein  könnte.  Das  BFM  hat  somit  das  Gesuch  um  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  wegen  subjektiver  Nachfluchtgründe  zu  Recht  abgelehnt. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

D­4963/2010 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. auch EMARK 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 6.2.  6.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner  Form zur Ausreise  in  ein  Land gezwungen werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR  0.142.30]).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen  werden. 6.2.2. Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung  in den  Iran  ist  unter  dem  Aspekt  von  Art.  5  AsylG  rechtmässig,  weil  der  Beschwerdeführer  – wie  zuvor  dargelegt  und überdies  bereits mit Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  18. September  2008  festgestellt –  dort  keinen Nachteilen  im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt wäre. Aus  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  ergeben  sich  ausserdem  auch  keine konkreten und gewichtigen Anhaltspunkte für die Annahme, dass er  im  Falle  einer  Ausschaffung  in  den  Iran  mit  beachtlicher 

D­4963/2010 Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre  (vgl.  EMARK  2001  Nr. 16  S. 122,  2001  Nr. 17  S. 130 f.;  aus  der  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofs  für  Menschenrechte etwa die Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001­I, S. 303, sowie  i.S.  Saadi  vom  28. Februar  2008  [Grosse  Kammer],  Beschwerde  Nr. 37201/06,  Para.  124  ff.,  jeweils mit  weiteren Hinweisen).  Die  in  der  Beschwerdeschrift  bezüglich  der  allgemeinen  politischen  Lage  im  Iran  und  im  Irak  (sic)  gemachten  Vorbringen  vermögen  an  dieser  Einschätzung  der  individuellen  Situation  des  Beschwerdeführers  offensichtlich  nichts  zu  ändern.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ist  somit  sowohl  im  Sinne  der  asylgesetzlichen  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 6.3.  6.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.2. Mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. September  2008  wurde  auch  unter  dem  Gesichtspunkt  der  Zumutbarkeit  ­  unter  Hinweis  auf  die  Ausbildung,  die  Berufserfahrung  und  das  familiäre  Beziehungsnetz des Beschwerdeführers ­ bereits festgestellt, dass keine  Vollzugshindernisse  vorliegen.  Es  liegen  keinerlei  Erkenntnisse  vor,  die  an  dieser  Einschätzung  zum  heutigen  Zeitpunkt  etwas  zu  ändern  vermögen,  zumal  weder  im  vorinstanzlichen  Verfahren  noch  im  vorliegenden Beschwerdeverfahren konkrete Vorbringen in Bezug auf die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  gemacht  wurden.  Der  Vollzug  der Wegweisung ist somit auch als zumutbar zu bezeichnen. 6.4.  Schliesslich  ist  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  mangels aktenkundiger objektiver Hindernisse auch möglich im Sinne von  Art. 83 Abs. 2 AuG ist.  6.5. Die  durch  die  Vorinstanz  verfügte Wegweisung  und  deren  Vollzug  stehen  somit  in  Übereinstimmung  mit  den  zu  beachtenden  Bestimmungen  und  sind  zu  bestätigen.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine 

D­4963/2010 Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1­4  AuG). 7.  Aus  den  angestellten  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  Beschwerde ist folglich abzuweisen. 8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten dem Beschwer­ deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Die Kosten sind auf  Fr. 600.­­  festzusetzen  (Art. 1­3 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]  i.V.m.  Art.  16  Abs.  1  Bst. a VGG). Des Weiteren sind die Verfahrenskosten mit dem in gleicher  Höhe geleisteten Kos­tenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­4963/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Kosten  des  Verfahrens  in  der  Höhe  von  Fr.  600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand:

D-4963/2010 — Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 D-4963/2010 — Swissrulings