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Bundesverwaltungsgericht 14.12.2011 D-4950/2011

14 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,536 parole·~8 min·3

Riassunto

Vollzug der Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. August 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4950/2011 Urteil   v om   1 4 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren B._______, alias C._______, geboren B._______, Sri Lanka,  D._______,   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 15. August 2011 / N_______.

D­4950/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer,  ein  sri­lankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie  aus  E._______  mit  Wohnsitz  in  F._______  (Jaffna  District),  eigenen  Angaben  zufolge  am  2.  Februar  2009  legal  auf  dem  Luftweg aus Sri Lanka ausreiste und via G._______ und H._______ am  8. Februar 2009 auf dem Landweg illegal in die Schweiz gelangte, wo er  am  9.  Februar  2009  beim  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  I._______ um Asyl nachsuchte, dass er anlässlich der Kurzbefragung im EVZ I._______ vom 11. Februar  2009 sowie der direkten Anhörung vom 16. Februar 2009 vor dem BFM  zur Begründung des Asylgesuches  im Wesentlichen geltend machte,  er  befürchte,  bei  einer  allfälligen  Rückkehr  in  seine  Heimat  von  der  sri­ lankischen Armee entführt und erschossen zu werden, dass Anhänger der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) im Jahre (…)  eine Fahne an seiner Schule gehisst hätten, Soldaten der sri­lankischen  Armee  hätten  eingreifen müssen  und  er  dabei  geschlagen  und  verletzt  worden sei, dass  er  noch  während  seiner  Ausbildung  am  (…)  von  Unbekannten  in  einem weissen Van auf dem Nachhauseweg bedroht und eingeschüchtert  worden sei, dass Soldaten der sri­lankischen Armee mehrere Male bei ihm zu Hause  nach  ihm gesucht hätten, er sich  indessen bei Freunden  in einem nahe  gelegenen  Dorf versteckt bzw. übernachtet habe, dass sein Bruder am (…) von Unbekannten entführt worden sei und der  Beschwerdeführer  vermute,  dieser  befinde  sich  seinetwegen  in  den  Fängen  der  Entführer,  weshalb  sein  Vater  aus  Angst,  dem  Beschwerdeführer könne das Gleiche widerfahren, dessen Ausreise aus  Sri Lanka veranlasst habe, dass  der  Beschwerdeführer  im  Jahre  (…)  ein  Visum  für  die  Schweiz  beantragt  hatte,  dieses  jedoch  am  (…)  durch  die  Schweizerische  Vertretung in Colombo abgelehnt wurde, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  15.  August  2011  –  eröffnet  am  16. August  2011  –  feststellte,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 

D­4950/2011 Flüchtlingseigenschaft  nicht,  das  Asylgesuch  ablehnte  und  die  Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  für  die  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  auf  die  Akten  und,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  auf  die  nachfolgenden  Erwägungen verwiesen wird, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  8.  September  2011  (Poststempel)  gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde betreffend den Wegweisungsvollzug erhob und beantragte,  er  sei  infolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufzunehmen,  in  prozessualer  Hinsicht  sei  ihm  die  unentgeltliche  Rechtspflege   im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  zu gewähren und es  sei  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  zu  verzichten,  dass  der  Instruktionsrichter mit  Zwischenverfügung  vom  20.  September  2011  dem  Beschwerdeführer  mitteilte,  er  dürfe  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  und  das  Gesuch  um  Gewährung  der unentgeltlichen Prozessführung mangels ausgewiesener Bedürftigkeit  sowie  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses abwies,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  27.  September  2011  (Poststempel)  ein  Gesuch  um  monatliche  Ratenzahlung  des  zu  leistenden  Kostenvorschusses  einschliesslich  einer  aktuellen  Fürsorgebestätigung einreichte,  dass der Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2011  – eröffnet  am  11.  Oktober  2011  –  das  Gesuch  um  Gewährung  der  Ratenzahlung  abwies  und  dem  Beschwerdeführer  eine  dreitätige  Nachfrist zur Einzahlung des Kostenvorschusses setzte,  dass der Kostenvorschuss am 13. Oktober 2011 einbezahlt wurde, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM 

D­4950/2011 entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]  i.V.m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  eine  solche Ausnahme  im Sinne  von Art.  83  Bst.  d  Ziff.1  BGG  in  casu nicht vorliegt und das Bundesverwaltungsgericht demnach endgültig  entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  sich  die  vorliegende  Beschwerde  –  wie  bereits  mit  Zwischenverfügung  vom  20.  September  2011  festgestellt  –  nur  gegen  den von der Vorinstanz verfügten Wegweisungsvollzug richtet, womit die  Verfügung des BFM vom 15. August 2011, soweit sie die Verneinung der  Flüchtlingseigenschaft und die Verweigerung des Asyls betrifft (Ziff. 1 und  Ziff.  2  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung),  in  Rechtskraft  erwachsen  ist  und  auch  die  Anordnung  der  Wegweisung  (Ziff.  3  des  Dispositivs)  grundsätzlich  nicht  mehr  zu  überprüfen  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21), dass damit Gegenstand des vorliegenden Verfahrens lediglich die Frage  bildet, ob die vom BFM angeordnete Wegweisung zu vollziehen  ist oder  ob an Stelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzuordnen ist,

D­4950/2011 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  die  Vorinstanz  zur  Begründung  des  angefochtenen  Entscheides  ausführte, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht asylrelevant  und  hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  stand,  weshalb  nicht  weiter  auf  allfällige  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Vorbringen  eingegangen  werden  müsse, dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  Resultat  der  allgemein  angespannten  Situation  in  Sri  Lanka  seien,  welche  während  des  Bürgerkriegs geherrscht habe, und seine diesbezüglichen Schilderungen  vor diesem Hintergrund betrachtet werden müssten, sich die Situation  in  Sri  Lanka  indes  anders  darstelle,  der Krieg  zwischen  der  sri­lankischen  Regierung  und  den  separatistischen  LTTE  im  Mai  2009  mit  deren  Niederlage  zu  Ende  gegangen  sei,  sich  das  Land  wieder  unter  Regierungskontrolle  befinde  und  es  seither  zu  keinen  terroristischen  Aktivitäten der LTTE gekommen sei, dass  die Sicherheits­  und Menschenrechtslage  zwar  noch  nicht  in  allen  Teilen  des  Landes  zufriedenstellend  ausfalle,  die  Anzahl  von  Gewaltereignissen  wie  namentlich  Entführungen,  Verschleppungen  und  Tötungen jedoch erheblich zurückgegangen sei, dass  die  LTTE  am  Ende  des  Krieges  vernichtend  geschlagen  worden  seien und über keine handlungsfähige Struktur mehr verfügten, weshalb  sie  folglich  auch  für  den  Beschwerdeführer  keine  Bedrohung  mehr  darstellten, dass  auch  der  Einfluss  der  bewaffneten  Gruppen  seit  dem  Ende  des  Bürgerkrieges  stark  abgenommen  habe,  auf  eine  Zusammenarbeit  der  Regierung  mit  bewaffneten  Organisationen  oder  Gruppierungen  keine  Hinweise mehr bestehen würden und Behelligungen der Zivilbevölkerung 

D­4950/2011 von Seiten  krimineller  Einzeltäter  oder  bewaffneter Gruppen  inzwischen  von den zuständigen Behörden geahndet würden, dass die sri­lankischen Behörden auch nach dem Ende der kriegerischen  Auseinandersetzungen  alles  daran  setzten,  ein  Wiedererstarken  der  LTTE zu verhindern, und deshalb nach wie vor gegen ehemalige Kämpfer  und  Führungspersönlichkeiten  der  LTTE  vorgehen  würden,  der  Beschwerdeführer allerdings nie geltend gemacht habe, ein aktives oder  sogar führendes Mitglied der LTTE (gewesen) zu sein, dass  der  Beschwerdeführer  im  Januar  2009  legal  von  Jaffna  nach  Colombo geflogen sei, was darauf schliessen lasse, er könne bereits zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  nicht mehr  ernsthaft  verdächtigt worden  sein,  die  LTTE  zu  unterstützen,  zumal  die  sri­lankischen  Behörden  laut  Erkenntnissen  der  Vorinstanz  gegen  Personen  vorgehen  würden,  die  ernsthaft  im  Verdacht  stünden,  eine  Gefahr  für  die  Sicherheit  des  sri­ lankischen Staates darzustellen, dass  sich  in  seinen  Schilderungen  keine  Hinweise  finden  liessen,  aus  denen geschlossen werden könne, die sri­lankischen Behörden hätten –  rund zwei Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges – angesichts seines  inexistenten politischen Profils ein ernsthaftes Interesse daran gehabt, ihn  zu  verfolgen,  und  er  zum  jetzigen  Zeitpunkt  kaum  von  asylrelevanten  Schwierigkeiten bedroht sein dürfte, dass  das  BFM  die  Entwicklung  der  Lage  in  Sri  Lanka  laufend  und  sorgfältig verfolge und es nach eingehender Prüfung in Berücksichtigung  der  UNHCR­Richtlinien  zur  Feststellung  des  internationalen  Schutzbedarfs  sri­lankischer  Asylsuchender  vom  5.  Juli  2010  zum  Schluss gekommen sei, die allgemeine Sicherheitslage sei seit Mai 2009  deutlich  entspannter  und  die  Lebensbedingungen  hätten  sich  soweit  verbessert,  dass eine Rückkehr auch  in den Norden und den Osten Sri  Lankas grundsätzlich wieder zumutbar sei, dass  die  Bewegungsfreiheit  heute  praktisch  im  ganzen  Lande  gewährleistet und in der Ostprovinz der bewaffnete Konflikt bereits 2007  zu  Ende  gegangen  sei,  sich  die  Lebensumstände  kontinuierlich  verbessert  hätten,  obwohl  die  Lebensbedingungen  gebietsweise  sehr  unterschiedlich  ausfallen  würden,  so  herrsche  namentlich  auf  der  Halbinsel Jaffna oder  in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und  Mannar, das heisst,  in den Gebieten, die bereits seit  längerer Zeit unter 

D­4950/2011 Regierungskontrolle  stehen  würden,  weitgehend  ein  normales  Alltagsleben,  demgegenüber  seien  im  ehemals  von  den  LTTE  kontrollierten Vanni­Gebiet die Lebensbedingungen nach wie vor als sehr  schwierig einzustufen, dass der Beschwerdeführer aus E._______ stamme und in F._______ im  Jaffna District gelebt habe, in Anbetracht der obigen Ausführungen somit  der Vollzug der Wegweisung  in seinen Heimatstaat zumutbar sei, zumal  weder die vor Ort herrschende Sicherheitslage noch  individuelle Gründe  gegen  einen  Wegweisungsvollzug  sprechen  würden  und  der  Beschwerdeführer  den  grössten  Teil  seinen  Lebens  in  Sri  Lanka  verbracht  habe,  dort  eine  solide Schulbildung  genossen  habe  und  über  ein soziales und familiäres Beziehungsnetz verfüge, dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  zur  allgemeinen  Lage  in  Sri  Lanka  einleitend  ausführt,  das  Bundesverwaltungsgericht  habe  in  BVGE  2008/2  eine  umfassende  Beurteilung  der  Situation  in  Sri  Lanka  vorgenommen  und  halte  unter  anderem fest, dass die Rückschaffung abgewiesener Asylsuchender aus  der Nord­  und Ostprovinz Sri  Lankas  angesichts  der  dort  herrschenden  allgemeinen  Lage  unzumutbar  sei,  bei  rückkehrenden  Tamilen,  die  aus  den  genannten  Regionen  stammten,  könne  zudem  nicht  mehr  von  der  generellen  Zumutbarkeit  der  Inanspruchnahme  einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  im  Süden  des  Landes,  namentlich  im Grossraum  Colombo,  ausgegangen  werden  und  es  müssten  besondere  begünstigende  individuelle  Umstände  vorliegen,  um  den  Wegweisungsvollzug als zumutbar erachten zu können, dass  in der Beschwerde zur Untermauerung der Vorbringen auf aktuelle  Berichte  verschiedener  Organisationen  verwiesen  wird,  die  die  Sicherheitslage  sowie  die  Lebensbedingungen  in  der  Nord­  und  Ostprovinz –  trotz partieller Stabilisierung – als  insgesamt schwierig und  unberechenbar einstufen, und die Praxisänderung des BFM gemäss dem  Beschwerdeführer  als  verfrüht  zu  erachten  und  weiterhin  der  bundesverwaltungsgerichtlichen  Rechtsprechung  (BVGE  2008/2)  zu  folgen sei, dass der Beschwerdeführer aus F._______,  Jaffna District,  stamme, wo  seine  Eltern  und  die  Geschwister  wohnen  würden,  er  ausserhalb  der  Nordprovinz keine Verwandten habe und damit kein tragfähiges soziales  und  familiäres Beziehungsnetz  in Colombo oder  im südlichen Sri  Lanka 

D­4950/2011 vorhanden  sei,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  gestützt  auf  die  herrschende  Rechtsprechung  weiterhin  als  unzumutbar  zu  qualifizieren  und dem Beschwerdeführer deshalb die vorläufige Aufnahme zu erteilen  sei, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  –  wie  rechtskräftig  feststeht  –  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 

D­4950/2011 1999 (BV, SR 101), von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind,  die im Heimat­ oder Herkunftsstaat droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  zur  Publikation  vorgesehenem  Urteil  BVGE  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  angesichts  der  veränderten Lage nach dem Ende des sri­lankischen Bürgerkriegs im Mai  2009  kürzlich  eine  neue  Beurteilung  der  Situation  und  der  entsprechenden  Zumutbarkeitskriterien  vorgenommen  hat  und  dabei  im  Wesentlichen zur Einschätzung gelangt  ist  (a.a.O., E. 13.2.1),  dass sich  im  Distrikt  Jaffna  die  Lage  in  den  vergangenen  zwei  Jahren  deutlich  gebessert hat und die Versorgungslage entspannt ist, dass  die  Polizei­  und  Zivilbehörden  ihre  Funktionen  und  Tätigkeiten  wieder  aufgenommen  beziehungsweise  von  den  Militärbehörden  übernommen haben, keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die  politische  Lage  nicht  dermassen  angespannt  ist,  dass  eine  Rückkehr  dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste, dass  angesichts  der  im  humanitären  und  wirtschaftlichen  Bereich  nach  wie  vor  fragilen  Lage  im  Hinblick  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  in  dieses  Gebiet  eine  sorgfältige,  zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien  vorzunehmen  ist,  so  ist  neben  allgemeinen  Faktoren  (wie  sozio­ökonomischen  und  medizinischen  Aspekten,  dem  Kindeswohl  usw.)  auch  dem  zeitlichen  Element  gebührend  Rechnung  zu  tragen  (zum  Folgenden  BVGE  E­6220/2006  E. 13.2.1.1 f.), dass für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet  erst nach Beendigung des Bürgerkrieges  im Mai 2009 verlassen haben,  der  Wegweisungsvollzug  zurück  in  dieses  Gebiet  als  grundsätzlich  zumutbar zu beurteilen ist, wenn davon ausgegangen werden kann, dass  die  betreffende  Person  auf  die  gleiche  oder  gleichwertige  Lebens­  und 

D­4950/2011 Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeitpunkt der Ausreise bestand,  und dem Wegweisungsvollzug auch anderweitig nichts entgegensteht,  dass  –  liegt  der  letzte  Aufenthalt  der  betreffenden  Person  in  der  Nordprovinz  indessen  längere  Zeit  zurück  (vor  Beendigung  des  Bürgerkriegs  im  Mai  2009)  oder  gehen  konkrete  Umstände  aus  den  Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise  massgeblich verändert haben könnten – die aktuell vorliegenden Lebens­  und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären sind, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  sodann  bereits  nach  der  früheren  Rechtsprechung  davon  ausging,  bei  Tamilen,  die  aus  dem  Grossraum  Colombo oder dessen Umgebung stammen und dort über ein tragfähiges  Familien­  und  Beziehungsnetz  verfügen  sowie  mit  einer  konkreten  Unterkunftsmöglichkeit  rechnen  können,  grundsätzlich  von  der  Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in diese Gebiete auszugehen ist  (BVGE 2008/2 E. 7.6 S. 20 f.), dass diese Praxis nunmehr im erwähnten neuen Urteil E­6220/2006 nicht  bloss  bestätigt,  sondern  sogar  erweitert  worden  ist,  indem  nun  für  Personen, die aus den Provinzen North Central, North Western, Central,  Western  (namentlich:  der  Grossraum  Colombo),  Southern,  Sabarugamuwa und die Uva­Provinz stammen und dorthin zurückkehren,  der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar ist (E. 13.3),  dass  weder  das  Bundesverwaltungsgericht  noch  die  Vorinstanz  angesichts  der  allgemeinen Sicherheitslage  in Sri  Lanka  ausschliessen,  dass der Beschwerdeführer und seine Familie aufgrund ihrer tamilischen  Ethnie  im  Rahmen  von  routinemässigen  Überprüfungen  durch  Sicherheitskräfte behelligt worden sind,  dass der Beschwerdeführer aus E._______  (Jaffna District)  stammt und  seinen  letzen Wohnsitz F._______  (Jaffna District) am 2. Februar 2009,  das  heisst,  kurz  vor Ende  des Krieges  verliess, weshalb  seine  Lebens­  und Wohnverhältnisse genau abgeklärt werden müssen, dass  sich  bei  gesamthafter  Betrachtung  die  Rückkehr  des  Beschwerdeführers in die Region Jaffna nach der aktuellen Lageanalyse  – wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung korrekt ausführte –  als zumutbar erweist, zumal er in seiner Heimat aufwuchs, zusammen mit  seinen Eltern und seinen Geschwistern in F._______ ansässig war (A1/S. 

D­4950/2011 3) und keine zusätzlichen gegen die Zumutbarkeit  sprechenden Gründe  vorliegen, dass  der  junge,  alleinstehende  und  (soweit  aktenkundig)  gesunde  Beschwerdeführer  zudem  eine  gute  Schulausbildung  genossen  hat,  bereits über Arbeitserfahrung (…) verfügt, eine Grundlage zur Aufnahme  einer künftigen Tätigkeit und zum Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz  besteht,  auch wenn er  bis  anhin  keiner Erwerbstätigkeit  im eigentlichen  Sinn  nachgegangen  ist,  und  darüber  hinaus  von  einem  tragfähigen  sozialen und familiären Beziehungsnetz ausgegangen werden kann,  dass  sich  aus  den  Akten  ferner  keine  konkreten  Angaben  ergeben,  aufgrund  derer  allenfalls  geschlossen  werden  könnte,  der  Beschwerdeführer  geriete  im  Falle  der  Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher  Natur in eine existenzbedrohende Situation, dass  weder  die  allgemeine  Lage  vor  Ort  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend insgesamt als zumutbar  zu erachten ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 VwVG) 

D­4950/2011 und  mit  dem  am  13.  Oktober  2011  in  gleicher  Höhe  einbezahlten  Kostenvorschuss zu verrechnen sind. (Dispositiv nächste Seite)

D­4950/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3. Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand:

D-4950/2011 — Bundesverwaltungsgericht 14.12.2011 D-4950/2011 — Swissrulings