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Bundesverwaltungsgericht 11.11.2011 D-4595/2011

11 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,187 parole·~6 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch (erneutes Asylverfahren Schweiz) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. August 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4595/2011 Urteil   v om   1 1 .   No v embe r   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Thomas Wespi,    Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien X._______, geboren am _______, Russland,   vertreten durch Daniel Weber,_______, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. August 2011 / _______.

D­4595/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, I. dass  die  aus  _______  in  Tschetschenien  stammende  Beschwerdeführerin  ihr  Heimatland  am  _______  von  _______  aus  verliess  und  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  sie  am  18. Oktober  2006  ein  Asylgesuch stellte,  dass  sie  zu  dessen  Begründung  im  Wesentlichen  geltend  machte,  sie  und  ihr  Ehemann  hätten  in  der  Kinderklinik  in  _______  als  Ärzte  gearbeitet,  dass  sie  während  des  zweiten  Tschetschenienkrieges  die  Widerstandskämpfer  unterstützt  hätten,  indem  sie  die  Verletzten  behandelt und diese als Zivilisten registriert hätten, dass  sie  verraten  worden  und  im  Januar  2001  Maskierte  bei  ihnen  zu  Hause eingedrungen seien und sie mitgenommen hätten,  dass sie verhört und durch russische Armeeangehörige misshandelt und  mehrfach vergewaltigt worden sei,  dass ihr Ehemann umgebracht worden sei,  dass sie nach einigen Tagen gegen Bestechungsgeld freigekommen sei,  dass sie nach der Freilassung eine Fehlgeburt erlitten habe,  dass  sie  im  Februar  2001  nach  _______  in  der  russischen  Republik  _______ geflohen sei,  dass  sie  dort  in  ständiger  Angst  gelebt  und  häufig  ihren  Wohnort  gewechselt habe,  dass sie am 31. August 2006 im Rahmen einer behördlichen Kontrolle an  ihrem Wohnort in _______ verhaftet und zur Identitätsabklärung auf einen  Polizeiposten gebracht worden sei, dass  man  sie  zu  Belangen  ihrer  Tätigkeiten  in  Tschetschenien  befragt  und  Nachforschungen  bei  den  dortigen  Behörden  in  Aussicht  gestellt  habe,

D­4595/2011 dass sie erneut Vergewaltigungen erlitten habe,  dass sie am 3. September 2006 unter der Auflage, die Stadt _______ bis  zum  Vorliegen  der  Nachforschungsergebnisse  nicht  zu  verlassen,  freigekommen sei,  dass  sie  in  Anbetracht  dieser  Sachlage  aus  Russland  in  den  Westen  weitergeflohen sei,  dass  ihre  Mutter  nach  ihrer  Flucht  zusammengeschlagen  worden  und  verstorben sei,  dass  das  BFM  das  Asylgesuch  mit  Verfügung  vom  8.  Februar  2007  abwies  und  die Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  aus  der  Schweiz  sowie den Wegweisungsvollzug anordnete, dass die Vorinstanz zur Begründung ihres Entscheids ausführte, die von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  Misshandlungen  und  Vergewaltigungen  anlässlich  der  Haft  in  _______  im  Jahr  2001  seien  nicht in Abrede zu stellen,  dass indes die Freilassung gegen Zahlung eines Lösegeldes mutmasslich  nur  möglich  gewesen  sei,  weil  gegen  die  Beschwerdeführerin  aus  der  Sicht der föderalen Kräfte nichts Gravierendes vorgelegen habe,  dass  sie  im  Februar  2001  Tschetschenien  ohne  Schwierigkeiten  habe  verlassen  können  und  fortan  mehrere  Jahre  in  _______  wohnhaft  gewesen sei,  dass  die  für  die  Zeit  des  Aufenthalts  in  _______  geltend  gemachten  Verfolgungshandlungen nicht glaubhaft seien,  dass  deshalb  davon  auszugehen  sei,  sie  könne  sich  auf  dem  Staatsgebiet  der  russischen  Föderation  aufhalten,  ohne  weitere  Verfolgung befürchten zu müssen,  dass  der  Vollzug  nach  Russland  beziehungsweise  _______  zulässig,  zumutbar und möglich sei,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  gegen  diesen  Entscheid  am     12. März 2007 erhobene Beschwerde mit Urteil  vom 2. Dezember 2010  vollumfänglich abwies, 

D­4595/2011 dass  die  Beschwerdeinstanz  erwog,  die  Misshandlungen  und  Vergewaltigungen  der  Beschwerdeführerin  sowie  die  Tötung  ihres  Mannes anlässlich der  Inhaftierung des Ehepaars  in _______  im Januar  2001 seien im asylrechtlichen Sinn nicht mehr von Bedeutung, dass diese zweifellos ungeheuerlichen Vorkommnisse von der Vorinstanz  nicht  als  unglaubhaft  erachtet  worden  seien  und  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Veranlassung  sehe,  die  sich  auf  diese  Ereignisse  beziehenden  Schilderungen  der  Beschwerdeführerin  in  Zweifel zu ziehen,  dass  aber  die  Verfolgungsvorbringen  betreffend  _______  vom  BFM  zu  Recht für unglaubhaft erachtet worden seien, dass  mit  der  Vorinstanz  mithin  davon  auszugehen  sei,  die  Beschwerdeführerin  verfüge  über  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  innerhalb  der  Russischen  Föderation,  von  welcher  sie  denn  auch  während über fünfeinhalb Jahren bereits Gebrauch gemacht habe, dass  ihr  auch  in  Berücksichtigung  der  gesundheitlichen  Situation  zuzumuten sei, diese Schutzalternative weiterhin in Anspruch zu nehmen, dass  die  Beschwerdeführerin  seit  dem  5.  Januar  2011  unbekannten  Aufenthalts war,  II. dass die Beschwerdeführerin am 13. Mai 2011 in der Schweiz ein zweites  Asylgesuch stellte,  dass  sie  dazu am 20. Mai  2011  summarisch  befragt  und am 3. August  2011 angehört wurde,  dass  sie  darlegte,  die  Schweiz  am  6.  Januar  2011  verlassen  zu  haben  und zu ihrer Schwester nach _______ gereist zu sein,  dass  sie  dort  am  2.  Februar  2011  eingetroffen  und  unter  der  Adresse  eines Cousins offiziell angemeldet gewesen sei,  dass  sie  am  _______  ihren  neuen  Reisepass  bei  der  zuständigen  Behörde abgeholt habe, 

D­4595/2011 dass  am Abend  desselben  Tages Angehörige  von Kadirov  an  besagter  Adresse  des  Cousins  während  ihrer  Abwesenheit  vorgesprochen,  das  Haus durchsucht und unter Drohungen nach ihr gefragt hätten,  dass  sie  aufgrund  der  dargelegten  Situation  _______  erneut  aus  Russland geflohen sei,  dass das BFM auf  das  zweite Asylgesuch der Beschwerdeführerin  vom  13. Mai  2011 mit  Verfügung  vom  11.  August  2011  gestützt  auf  Art.  32  Abs.  2 Bst.  e  des Asylgesetzes  vom 26.  Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug anordnete, dass  das  BFM  erwog,  aus  den  Akten  ergäben  sich  keine  Hinweise  darauf, es seien nach dem Abschluss des ersten Verfahrens Ereignisse  eingetreten, die geeignet wären, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen  oder  Relevanz  für  die  Gewährung  vorübergehenden  Schutzes  zu  entfalten,  dass  namentlich  die  angebliche  Rückkehr  ins  Heimatland  nach  dem  ersten  Asylverfahren  aufgrund  unsubstanziierter  Aussagen  nicht  glaubhaft sei,  dass  bereits  deshalb  die  nach  der  angeblichen  Rückkehr  in  Tschetschenien erlittene Verfolgung haltlos sei,  dass  die  neuen  Vorbringen  der  angeblich  ins  Heimatland  zurückgekehrten Beschwerdeführerin überdies mit ihren bereits im ersten  Asylverfahren  vorgetragenen  Asylgründen  eng  zusammenhingen  und  diese für unglaubhaft erachtet worden seien,  dass der Vollzug in den Heimatstaat zulässig, zumutbar und möglich sei,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  Verfügung  mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertretung  vom  19.  August  2011  beim Bundesverwaltungsgericht  anfechten liess,  dass sie die Aufhebung des angefochtenen Entscheids verbunden mit der  Anweisung an das BFM, auf ihr Gesuch einzutreten, und in prozessualer  Hinsicht  die  unentgeltliche  Prozessführung  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht  (Art.  65  Abs.  1  und  2  des 

D­4595/2011 Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR  172.021]) beantragte, dass sie Beweismittel zu den Akten gab (vgl. S. 9 der Beschwerdeschrift)  und die Nachreichung ihres Inlandpasses in Aussicht stellte,  dass sie unter anderem geltend machte,  entgegen den vorinstanzlichen  Erwägungen in ihr Heimatland zurückgekehrt zu sein,  dass sie den Reiseweg hinreichend substanziiert dargelegt habe, dass  ihre  angeblichen  Ungereimtheiten  in  den  Schilderungen  zur  erneuten  Verfolgung  vom  BFM  in  keiner  Weise  konkretisiert  worden  seien,  dass  das  BFM  ihren  bereits  in  Kopie  als  Beweismittel  eingereichten  Inlandpass nicht gewürdigt habe und ihre Aussagen zu Unrecht für nicht  glaubhaft erachte,  dass  sie  gemäss  diesem  Dokument  am  _______  tatsächlich  in  Tschetschenien gewesen sei,  dass die Leute von Kadirov erneut nach  ihr gesucht hätten und sie eine  asylrelevante Verfolgung zu gewärtigen habe,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom           23. August 2011 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtete,  das Gesuch gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG guthiess, das Gesuch im Sinne  von  Art.  65  Abs.  2  VwVG  abwies  und  Frist  zur  Beschaffung  des  in  Aussicht gestellten Beweismittels ansetzte,  dass  die  Beschwerdeführerin  das  besagte  Dokument  und  zwei  weitere  Beweismittel  samt  Belgleitschreiben  ihrer  Rechtsvertretung  sowie  eine  Kostennote am 25. August 2011 zu den Akten gab,  dass  das  BFM  mit  Vernehmlassung  vom  5.  September  2011  die  Abweisung der Beschwerde beantragte,  dass die Vorinstanz darlegte,  der  nun plötzlich aufgetauchte  Inlandpass  vermöge  die  persönliche  Anwesenheit  der  Beschwerdeführerin  bei  dessen Ausstellung nicht hinreichend zu belegen, 

D­4595/2011 dass  gewisse  dortige  Einträge  nicht mit  einem  früheren  Inlandpass  der  Beschwerdeführerin übereinstimmten,  dass  die  Beschwerdeführerin  im  Übrigen  nicht  habe  plausibel  machen  können,  weshalb  sie  freiwillig  nach  Tschetschenien,  wo  sie  angeblich  verfolgt werde, zurückgekehrt sei,  dass  sie  zudem  mit  den  dortigen  Behörden  offenbar  Kontakt  aufgenommen habe,  dass sie auch das angebliche erneute  Interesse der Kadirov­Leute nicht  habe nachvollziehbar schildern können,  dass nichts auf eine relevante Gefährdung hindeute,  dass  die  Vorinstanz  erneut  hervorhob,  bereits  die  angeblichen  Asylgründe  im  ersten  Asylverfahren  seien  für  unglaubhaft  erachtet  worden,  dass  den  eingereichten  Bestätigungsschreiben  nur  ein  geringer  Beweiswert zukomme, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Replik  vom  23.  September  2011  an  ihren bisherigen Vorbringen festhielt,  dass die vorinstanzlichen Erwägungen in keiner Weise stichhaltig und die  unterschiedliche  Schreibweisen  in  den  eingereichten  Dokumenten  nicht  von Relevanz seien, dass  sie  aufgrund  ihrer  Vorgeschichte  als  ehemalige Unterstützerin  der  Rebellen  in  Tschetschenien  und  Zeugin  von  Menschenrechtsverletzungen ins Visier der Kadirov­Leute gelangt sei,  dass  eine  ihrer  Schwestern  mittlerweile  ebenfalls  in  die  Schweiz  geflüchtet sei und um Asyl nachgesucht habe,  dass  die  Schwester  geltend  mache,  im  Zusammenhang mit  der  Suche  der  Kadirov­Leute  nach  der  Beschwerdeführerin  sei  ihr  Mann  angeschossen und schwer verletzt worden,  dass deren Dossier beizuziehen und sie als Zeugin zu befragen sei, 

D­4595/2011 dass der Eingabe weitere Beweismittel und eine aktualisierte Kostennote  beilagen  (vgl. das Verzeichnis des Rechtsvertreters vom 23. September  2011), III. dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der  Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten  ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52  VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdein­stanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  die  Anwendung  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  nach  konstanter  Praxis  eine  summarische  materielle  Prüfung  der  Glaubwürdigkeit  der  gesuchstellenden  Person  voraussetzt,  aus  der  sich  das  offensichtliche  Fehlen  von  Hinweisen  auf  die  Erfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft  beziehungsweise  auf  die  Voraussetzungen  der  Gewährung  des  vorübergehenden Schutzes ergibt (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 14),

D­4595/2011 dass bei der Prüfung des Vorliegens solcher Hinweise die Anforderungen  an das Beweismass tief anzusetzen sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3.)  und  auf  ein  Asylgesuch  eingetreten  werden muss,  wenn  sich  Hinweise  auf eine relevante Verfolgung ergeben, die nicht zum Vornherein haltlos  sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3 S. 17 und in diesem Zusammenhang  BVGE 2008/57 E. 3.2 und 3.3), dass die Aussagen der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit  ihrer  Rückkehr  nach  Tschetschenien  zwar  in  der  Tat  gewisse  Fragen  aufwerfen,  dass  sie  bei  der  Summarbefragung  aber  einen  Inlandpass  in  Kopie  als  Beleg für ihren erneuten Aufenthalt in Tschetschenien zu den Akten gab,  dass dieses Dokument  von der Vorinstanz  im angefochtenen Entscheid  zu Unrecht nicht gewürdigt wurde, zumal offenbar die Passausstellung in  Russland in der Regel die persönliche Anwesenheit bedingt, dass  sich  demnach  ein  Abwägen  der  für  und  der  gegen  die  Glaubhaftigkeit der Rückkehr sprechenden Elemente aufgedrängt hätte, dass  die Einschätzung  des BFM,  die Rückkehr  der Beschwerdeführerin  nach  Tschetschenien  sei  offensichtlich  unglaubhaft,  demnach  mit  einer  Gehörsverletzung behaftet ist,  dass  sodann  die  weitere  Erwägung  des  BFM  nicht  zu  überzeugen  vermag,  die  neuen  Vorbringen  der  angeblich  ins  Heimatland  zurückgekehrten  Beschwerdeführerin  seien  haltlos,  weil  sie  mit  ihren  bereits  im  ersten  Asylverfahren  vorgetragenen  und  für  unglaubhaft  erachteten Asylgründen eng zusammenhängen würden, dass im ersten Asylverfahren vielmehr die Unterstützung der Rebellen in  Tschetschenien  und  die  deswegen  erlittene  Haft  aus  dem  Jahre  2001  verbunden mit  mehrfachen  Vergewaltigungen  und  der  Ermordung  ihres  Ehemannes als glaubhaft beurteilt worden waren,  dass  allein  die  Aktualität  der  Verfolgung  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  in  Frage  gestellt  beziehungsweise  vom  Bestehen  einer  inländischen  Fluchtalternative ausgegangen worden war,  dass  das  BFM  demnach  übersieht,  dass  ein  allfälliges  Interesse  der  früheren Verfolger an der Beschwerdeführerin gerade auch als potentielle 

D­4595/2011 Zeugin  von Menschenrechtsverletzungen nicht  von der Hand zu weisen  wäre,  dass  die  Erwägungen  der  Vorinstanz,  die  zum  Schluss  führten,  die  Vorbringen  seien  offensichtlich  nicht  geeignet  Hinweise  auf  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  diesen  Ausführungen  gemäss  in  keiner Weise zu überzeugen vermögen, dass demnach der angefochtene Nichteintretensentscheid der Vorinstanz  als nicht genügend begründet zu qualifizieren ist, dass  grundsätzlich  eine  Heilung  dieser  Gehörsverletzung  auf  Beschwerdeebene  nicht  zum  Vornherein  ausgeschlossen  wäre,  zumal  sich  vorliegend unabhängig  von einer möglichen Verfolgungssituation  in  Tschetschenien durch die Kadirov­Leute insbesondere die Frage gestellt  hätte, ob die im ersten Asylverfahren als valabel erachtete innerstaatliche  Fluchtalternative trotzdem noch bestehe, dass  sich  hier  jedoch  wiederum  die  Frage  stellt,  ob  bei  solchen  Erwägungen noch von offensichtlich fehlenden Hinweisen auf Verfolgung  im Sinne der Praxis ausgegangen werden kann (vgl. EMARK 2004 Nr. 5), dass mittlerweile ohnehin eine Schwester der Beschwerdeführerin  in die  Schweiz  geflohen  ist  und  gemäss  Replik  geltend  mache,  im  Zusammenhang  mit  der  Suche  der  Kadirov­Leute  nach  der  Beschwerdeführerin  sei  ihr  Mann  angeschossen  und  schwer  verletzt  worden,  dass damit weitere neue Ereignisse geltend gemacht werden, zu denen  die Vorinstanz bisher noch nicht Stellung nehmen konnte, dass  ausserdem  die  Vorbringen  der  Schwester  und  allfällig  dort  eingebrachte Beweismittel für das Asylverfahren der Beschwerdeführerin  wesentlich sein dürften, dass eine Befragung der Schwester offenbar noch nicht stattgefunden hat  und demnach der Sachverhalt aufgrund der heutigen Aktenlage als nicht  genügend erstellt qualifiziert werden muss,  dass  bei  dieser  Sachlage  davon  abgesehen  werden  kann,  auf  weitere  Beschwerdevorbringen,  Anträge  und  die  Beweismittel  detaillierter  einzugehen, 

D­4595/2011 dass  die  Beschwerde  nach  dem  Gesagten  gutzuheissen,  die  angefochtene Verfügung des BFM vom 11. August 2011 aufzuheben und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  im  Sinne  der  Erwägungen  an  die  Vorinstanz zurückzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Kosten  aufzuerlegen  sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), dass obsiegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung für die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  haben  (Art.  7  Abs.  1  des  Reglements vom 11. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), dass der Rechtsvertreter  in seiner Kostennote vom 23. September 2011  Aufwand und Auslagen in der Höhe von Fr. 4'486.20 geltend macht,  dass  der  in  der Kostennote  ausgewiesene  zeitliche Vertretungsaufwand  dem  vorliegenden,  nicht  übermässig  komplexen  oder  umfangreichen  Verfahren nicht als vollumfänglich angemessen respektive notwendig  im  Sinne  von  Art.  64  Abs.  1  VwVG  erscheint,  weshalb  eine  Kürzung  vorzunehmen  und  die  Parteientschädigung  unter  Berücksichtigung  aller  massgeblicher  Faktoren  auf  insgesamt  Fr.  3'200.­­  (inkl.  Auslagen  und  MWST) festzusetzen ist (vgl. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 8 und  14 Abs. 2 VGKE). (Dispositiv nächste Seite)

D­4595/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 2.  Die  Verfügung  des  BFM  vom  11.  August  2011  wird  aufgehoben.  Die  Akten werden zur Neubeurteilung an die Vorinstanz überwiesen. 3.   Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Die Parteientschädigung wird auf Fr. 3'200.­­  festgesetzt. Das BFM wird  angewiesen, diesen Betrag der Beschwerdeführerin zu entrichten.  5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand:

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