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Bundesverwaltungsgericht 24.08.2011 D-4548/2011

24 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,283 parole·~6 min·2

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 10. August 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4548/2011/sed Urteil   v om   2 4 .   Augus t   2011   Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn;   Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei,   vertreten durch Werner Spirig, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­ Verfahren);  Verfügung des BFM vom 10. August 2011 / N (…).

D­4548/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin, eine ethnische Kurdin mit letztem Wohnsitz  in  B._______,  bei  der  schweizerischen  Botschaft  in  Ankara  am  14.  Dezember  2010  ein  Einreise­  und  Asylgesuch  einreichte  und  von  der  Botschaft am 14. Februar 2011 dazu befragt wurde, dass das BFM der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 31. März 2011  die Einreise in die Schweiz nicht bewilligte und das Asylgesuch ablehnte, dass  die  Beschwerdeführerin  gegen  diese  Verfügung  durch  ihren  vormaligen  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  23.  Mai  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben liess, dass die Beschwerdeführerin am 21. Juni 2011 mitteilen liess, sie befinde  sich  in  der  Schweiz  und  werde  sich  beim  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum Basel melden, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D­2948/2011 vom 28. Juni  2011  auf  die  Beschwerde  vom  23.  Mai  2011  nicht  eintrat,  da  die  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  ein  zweites  Asylgesuch  eingereicht  und  somit  bezüglich  der  Beschwerde  im  Auslandverfahren  kein  Rechtsschutzinteresse mehr habe, dass  die  Beschwerdeführerin  bei  der  Kurzbefragung  im Empfangs­  und  Verfahrenszentrum Basel vom 6. Juli 2011 gemäss eigenen Angaben am  18. Juni 2011 in die Schweiz einreiste, dass sie geltend machte, sie habe die Türkei am 17. Juni 2011 verlassen  und  sei  mit  einem  von  der  tschechischen  Botschaft  in  der  Türkei  ausgestellten  Visum  nach  Prag  geflogen,  von  wo  aus  sie  am  selben  Abend mit dem Autobus in die Schweiz gefahren sei, dass das BFM die zuständigen tschechischen Behörden am 29. Juli 2011  gestützt  auf  Art.  9  Abs.  2  Dublin­II­VO  (Verordnung  Nr. 343/2003  des  Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren  zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig ist) um Übernahme der Beschwerdeführerin ersuchte, dass  die  tschechischen  Behörden  der  Übernahme  der  Beschwerdeführerin am 4. August 2011 zustimmten,

D­4548/2011 dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  10.  August  2011  –  eröffnet  am  folgenden  Tag  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  nicht  eintrat,  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  in  die  Tschechische  Republik  verfügte,  die  Beschwerdeführerin  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Rechtsmittelfrist  zu  verlassen,  feststellte,  der  Kanton  C._______  sei  verpflichtet,  die  Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  und  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  die  vorliegende  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  der  Beschwerdeführerin  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis aushändigte, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  die  Zuständigkeit, das Asyl­ und Wegweisungsverfahren durchzuführen, liege  gemäss  dem  Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA], SR 0.142.392.689) bei der Tschechischen Republik, dass  die  Einreichung  eines  Asylgesuchs  auf  einer  Schweizer  Botschaft  ausserhalb  des Dublin­Raumes  nicht  zur  Zuständigkeit  der  Schweiz  für  die Prüfung des Asylgesuchs führe, dass gestützt auf Art. 3 Abs. 1 Dublin­II­VO nur ein Asylgesuch, das ein  Drittstaatsangehöriger  an  der  Grenze  oder  im  Hoheitsgebiet  eines  Mitgliedstaats  stelle,  zu  einer  Zuständigkeit  im  Sinne  der  Dublin­II­VO  führe, dass  der  Beschwerdeführerin  gemäss  ihren  Angaben  von  der  tschechischen Botschaft in der Türkei ein Visum ausgestellt worden sei, dass  die  tschechischen  Behörden  ein  Übernahmegesuch  des  BFM  gutgeheissen  hätten,  womit  die  Zuständigkeit  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens bei der Tschechischen Republik liege, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen des rechtlichen Gehörs geltend  gemacht habe, ihre Brüder befänden sich in der Schweiz, und sie würde  sich in der Tschechischen Republik nicht wohl fühlen,

D­4548/2011 dass  die  Beziehungen  der  Beschwerdeführerin  zu  ihren  drei  in  der  Schweiz  lebenden Brüdern kein Wegweisungshindernis darstelle, da der  vorliegende  Verwandtschaftsgrad  nicht  unter  Art.  2  Bst.  i  Dublin­II­VO  falle und auch der Grundsatz der Einheit der Familie nicht verletzt werde, dass auch kein schützenswertes Abhängigkeitsverhältnis vorliege, da die  Beschwerdeführerin  bereits  zuvor  von  ihren  in  der  Schweiz  lebenden  Brüdern getrennt gelebt habe, dass die Beschwerdeführerin keine Argumente vorbringe, die gegen die  Anwendung  der  Dublin­II­VO  sprächen  und  ihre  Ausführungen  die  Zuständigkeit  der  tschechischen  Behörden  nicht  zu  widerlegen  vermöchten, dass die Überstellung an die tschechische Republik – vorbehältlich einer  allfälligen Unterbrechung oder Verlängerung (Art. 19f Dublin­II­VO) – bis  spätestens am 4. Februar 2012 zu erfolgen habe, dass die Beschwerdeführerin mit Telefax­Eingabe vom 15. August 2011  durch  ihren  vormaligen  Rechtsvertreter  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben liess, dass  sie  diese  Beschwerde  mit  Schreiben  vom  15.  August  2011  zurückziehen liess, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  diese  Beschwerde  mit  Abschreibungsentscheid  D­4484/2011  vom  17.  August  2011  als  gegenstandslos abschrieb, dass  die  Beschwerdeführerin  durch  ihren  heutigen  Rechtsvertreter  am  17. August 2011 Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. August 2011  erheben  und  dabei  beantragen  liess,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  der  Beschwerde  sei  aufschiebende  Wirkung  gemäss  Art. 107a  AsylG  zu  erteilen,  es  sei  ihr  demzufolge  zu  gestatten,  sich  während der Hängigkeit  des Verfahrens  in  der Schweiz  aufzuhalten,  es  sei ihr Asyl zu gewähren und es sei ihr die vollumfängliche unentgeltliche  Rechtspflege zu gewähren, dass  für  den  Inhalt  der  Beschwerde  auf  die  Akten  zu  verweisen  und,  soweit entscheidwesentlich, nachfolgend darauf einzugehen ist,

D­4548/2011 dass  die  Beschwerdeführerin  am  17.  August  2011  zudem  ein  Revisionsgesuch  gegen  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 2948/2011 vom 28. Juni 2011 einreichen liess (Verfahren D­4555/2011), dass  der  Instruktionsrichter  dieses Gesuch mit  Zwischenverfügung  vom  24.  August  2011  als  aussichtslos  beurteilte  und  das  Gesuch  um  Anordnung  vorsorglicher  Massnahmen  im  Sinn  von  Art.  56  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) abwies, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  im vorliegenden Beschwerdeverfahren einzig zu prüfen  ist, ob das  BFM  gestützt  auf  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin zu Recht nicht eingetreten ist und infolgedessen die  Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat, dass somit auf die frist­ und formgerecht eingereichte Beschwerde – mit  Ausnahme  des  Antrags,  es  sei  ihr  Asyl  zu  erteilen  –  einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 37 VGG i.V.m. Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

D­4548/2011 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass die Beschwerdeführerin mit einem von der tschechischen Botschaft  in Ankara ausgestellten Visum in den Schengen­Raum einreiste, dass hinsichtlich des Einwandes der Beschwerdeführerin, die Schweiz sei  für die Prüfung ihres Asylgesuchs zuständig, weil sie bereits ein solches  bei  der  schweizerischen  Botschaft  in  Ankara  eingereicht  habe,  festzuhalten  ist,  dass  gestützt  auf  Art.  3  Ziff.  1  Dublin­II­VO  die  Mitgliedstaaten  diejenigen  Asylanträge  zu  prüfen  haben,  welche  an  der  Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates gestellt worden sind,  dass  somit  das  von  der  Beschwerdeführerin  am  21.  Juni  2011  in  der  Schweiz  gestellte  Asylgesuch  zu  prüfen  ist, weil  das  am 14. Dezember  2010  bei  der  schweizerischen  Botschaft  in  Ankara  eingereichte  Asylgesuch weder – wie von der Dublin­II­VO gefordert – an der Grenze  noch  im  Hoheitsgebiet  der  Schweiz,  sondern  vielmehr  in  der  Türkei  eingereicht worden ist, dass  nämlich  die  Räumlichkeiten  von  ausländischen  Vertretungen  in  einem  Land  gemäss  geltendem  Völkerrecht  zwar  Immunität  geniessen,  indessen  nicht  als  Hoheitsgebiet  des  entsendenden  Landes  gelten,  sondern  trotz  der  Immunität  unter  das  Hoheitsgebiet  des  Gastlandes  fallen  (vgl.  dazu  KNUT  IPSEN,  Völkerrecht,  4.  Auflage,  München  1999,  S. 504  Rn.  69;  STEPHAN  HOBE/OTTO  KIMMINICH,  Einführung  in  das  Völkerrecht, 9. Auflage, Tübingen 2008, S. 315), dass  folglich  die  schweizerische  Botschaft  in  Ankara  zwar  Immunität  geniesst  und  beispielsweise  von  Vertretern  der  Türkei  nur  mit 

D­4548/2011 Zustimmung  des  schweizerischen  Botschafters  betreten  werden  darf,  indessen nicht als Hoheitsgebiet der Schweiz gilt, dass mit Bezug auf diese Regelung nicht angenommen werden kann, es  sei beabsichtigt worden, den Vertretungen im Ausland in der Dublin­II­VO  einen  anderen  Status  zuzuerkennen  und  sie  beispielsweise  als  Hoheitsgebiet des entsendenden Staates zu betrachten, dass  infolgedessen  –  entgegen  der  in  der  Beschwerde  vertretenen  Meinung  –  der  bei  der  schweizerischen  Botschaft  gestellte  Asylantrag  nicht unter die Norm des Art. 5 Ziff. 2 Dublin­II­VO fällt, weil er weder an  der Grenze der Schweiz noch in deren Hoheitsgebiet erfolgt ist, weshalb  bei der Beurteilung, welcher Staat gemäss der Dublin­II­VO zur Prüfung  des  Asylgesuchs  zuständig  ist,  das  in  der  Schweiz  am  21.  Juni  2011  eingereichte Asylgesuch als erstes Asylgesuch im Sinne von Art. 5 Ziff. 2  Dublin­II­VO gilt, dass  im  Übrigen  das  bei  der  schweizerischen  Botschaft  gestellte  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  mit  deren  Einreise  in  die  Schweiz  nicht mehr  als Gesuch  aus  dem Ausland  zu  betrachten  ist,  da  sich  die  Beschwerdeführerin nicht mehr im Ausland befindet, dass das Bundesverwaltungsgericht  auf die entsprechende Beschwerde  denn auch nicht eintrat, dass im Urteil D­2948/2011 vom 28. Juni 2011 zwar erwogen wurde, das  BFM werde  im Rahmen  des  in  der Schweiz  gestellten Asylgesuchs  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  und  der  Asylgewährung  zu prüfen haben, dass  dem  Bundesverwaltungsgericht  im  damaligen  Zeitpunkt  offenbar  nicht  bewusst  war,  dass  die  Beschwerdeführerin  mit  einem  von  der  tschechischen Botschaft in Ankara ausgestellten Visum in den Schengen­ Raum einreiste, dass  das  BFM  vorliegend  indessen  in  Übereinstimmung  mit  der  Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts von der grundsätzlichen  Zuständigkeit der Tschechischen Republik für die Durchführung des Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  ausging  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­1503/2011  vom  15.  März  2011,  D­ 3683/2011 vom 26. Juli 2011),

D­4548/2011 dass folglich die in der Beschwerde vertretene Auffassung, die Vorinstanz  müsse  auf  das  Asylgesuch  eintreten,  nicht  zu  überzeugen  vermag,  sondern vielmehr zu einer Verletzung der in der Dublin­II­VO enthaltenen  Regelungen führen würde, dass nach Art. 9 Ziff. 2 Dublin­II­VO derjenige Staat  für die Prüfung des  Asylantrags zuständig ist, der ein gültiges Visum erteilt hat, weshalb nicht  die Schweiz,  sondern  die Tschechische Republik  zur Durchführung  des  Asylverfahrens zuständig ist, dass die tschechischen Behörden am 4. August 2011 gestützt auf Art. 9  Abs. 2 Dublin­II­VO in Beantwortung einer Anfrage des BFM vom 29. Juli  2011 der Übernahme der Beschwerdeführerin zustimmten, dass  die  Beschwerdeführerin  somit  ohne Weiteres  in  die  Tschechische  Republik  ausreisen  kann  und  der  allfällige  Vollzug  der  Wegweisung  dorthin möglich ist, dass  vorliegend  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  einen  Selbsteintritt  gemäss  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  nahe  legen,  da  die  Tschechische  Republik unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK, SR  0.101)  und  des Übereinkommens  vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist und keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  die  Tschechische  Republik  würde  sich nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen halten, dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  davon  ausgegangen  ist,  die  Anwesenheit  der  drei  Brüder  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  stelle  kein  Hindernis  für  die  Überstellung im Rahmen eines Dublin­Verfahrens dar, dass die 40jährige Beschwerdeführerin volljährig ist und den Akten keine  Hinweise  zu  entnehmen  sind,  es  bestehe  ein  besonderes  Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Brüdern, dass die drei Brüder der Beschwerdeführerin sich seit mindestens neun  Jahren  beziehungsweise  wesentlich  länger  in  der  Schweiz  aufhalten,  weshalb sie seit Langem von diesen getrennt lebte,

D­4548/2011 dass  vorliegend  somit  keine  humanitären  Gründe  zwingend  für  eine  Zuständigkeit  der  Schweiz  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens sprechen, dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu Recht  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  nicht  eingetreten  ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  zurzeit  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S. 733  mit  weiteren  Hinweisen,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet  wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  nach  Hindernissen  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl. BVGE E­5644/2009  vom 31. August  2010  E. 10.2  S.  645)  und  allfällige  völkerrechtliche  und  humanitäre  Vollzugshindernisse  im  Rahmen  der  eventuellen  Anwendung  der  sogenannten Souveränitätsklausel  (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO  i.V.m. Art.  29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August  1999  [AsylV1],  SR 142.311)  zu  prüfen  sind,  weshalb  kein  Raum  für  Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2  i.V.m. Art.  83 Abs. 1­4  AuG) besteht, dass  das  BFM  demnach  den  Vollzug  der  Wegweisung  in  die  Tschechische Republik zu Recht angeordnet hat, dass  es  der  Beschwerdeführerin  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 

D­4548/2011 rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, soweit auf diese einzutreten ist, dass  die  Anträge,  der  Beschwerde  die  sei  aufschiebende  Wirkung  gemäss  Art.  107a  AsylG  zu  erteilen  und  es  sei  ihr  zu  gestatten,  sich  während der Hängigkeit des Asylverfahrens  in der Schweiz aufzuhalten,  mit dem direkten Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos werden, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG angesichts des Aussichtslosigkeit der  Beschwerde  unbesehen  der  geltend  gemachten  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführerin abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4548/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand:  

D­4548/2011 Zustellung erfolgt an: – den  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  (vorab  per  Telefax;  Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein) – das  BFM,  Asyl  und  Rückkehr,  Dublin  Office  1,  mit  den  Akten               N 554 684 (vorab per Telefax; per Kurier; in Kopie) – den Migrationsdienst des Kantons Bern ad ELAR (per Telefax)

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