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Bundesverwaltungsgericht 24.10.2011 D-4367/2009

24 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,202 parole·~11 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. Juni 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4367/2009/wif Urteil   v om   2 4 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Walter Lang; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien 1. A._______, geboren (…),  alias B._______, geboren (…),  alias C._______, geboren (…),  alias D._______, geboren (…),  dessen Ehefrau 2. E._______, geboren (…),  alias F._______, geboren (…),  alias G._______, geboren (…),  alias H._______, geboren (…),  und deren Kinder 3. I._______, geboren (…), 4. J._______, geboren (…),  5. K._______, geboren (…), Afghanistan,  alle vertreten durch lic. iur. Isabelle A. Müller,  c/o Caritas Schweiz, (…) Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 4. Juni 2009 / N (…).

D­4367/2009 Sachverhalt: A.  Am 6. Februar 2009 reisten die Beschwerdeführenden in die Schweiz ein,  wo  sie  am  gleichen  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  L._______  um  Asyl  nachsuchten.  Dazu  wurden  die  Beschwerdeführenden 1 und 2 vom BFM am 20. Februar 2009  im EVZ  L._______ befragt (Kurzbefragung) und am 27. Mai 2009 am selben Ort  angehört (Anhörung). B.  Im  Wesentlichen  machte  der  Beschwerdeführende  1  anlässlich  der  Kurzbefragung  sowie  der  Anhörung  geltend,  er  sei  ein  ethnischer  Paschtune  aus  der  Provinz M._______  und  habe  in  N._______  gelebt,  wo  er  als  Taxifahrer  gearbeitet  habe.  Am  24.  Januar  2008  habe  er  die  Beschwerdeführende  2,  eine  Witwe  tadschikischer  Ethnie,  als  zweite  Frau genommen. Als er zwei Monate später mit seinem Taxi unterwegs  gewesen sei, seien vier Männer in sein Taxi eingestiegen und hätten ihn  mit einer Schusswaffe gezwungen, nach O._______ zu  fahren. Um sich  zu retten, sei er mit seinem Taxi in den Strassengraben gefahren. Als das  Taxi im Graben zum Stillstand gekommen sei, sei er von dem hinter ihm  sitzenden Mann  stranguliert  worden  und  der  neben  ihm  sitzende Mann  habe  ihm mit  der Waffe  die  Nase  gebrochen.  Da  die  Polizei  nicht  weit  entfernt  gewesen  sei,  seien  die  vier  Männer  geflohen.  Nachdem  ihm  einige Leute geholfen hätten, sein Auto aus dem Graben zu ziehen, sei er  nach  Hause  gefahren.  Fünf  Tage  nach  diesem  Ereignis  habe  er  sich  Familienfotos seiner zweiten Ehefrau angeschaut, auf denen er eine der  Personen  wiedererkannt  habe,  die  an  der  Entführung  fünf  Tage  zuvor  beteiligt gewesen sei. Seine zweite Frau habe ihm daraufhin gesagt, dass  es  sich bei  dieser Person um  ihren Ex­Schwager P._______ handle.  In  der  Folge  habe  er  nicht  mehr  in  N._______  als  Taxifahrer  gearbeitet,  sondern er sei die Strecke (…) gefahren. Eines Tages sei Q._______, der  Sohn  seiner  zweiten  Frau, mit  blutender  Nase  und  verbranntem Bauch  nach  Hause  gekommen,  ohne  ihm  jedoch  zu  sagen,  woher  er  diese  Verletzungen habe. Kurz darauf habe  ihm seine zweite Frau gesagt, sie  erhalte  störende  Anrufe.  Als  er  versucht  habe  herauszufinden,  von  welcher  Nummer  diese  Anrufe  gekommen  seien,  habe  er  auf  ihrem  Handy  eine  SMS­Nachricht  entdeckt,  worin  ihr  gedroht  worden  sei,  ihn  das  nächste Mal  zu  töten.  Um  sich  zu  schützen,  sei  die  ganze  Familie  anschliessend  in  sein  Heimatdorf  in  der  Provinz  M._______  gezogen.  Nach wenigen Tagen  hätten  dort  die  Taliban  an  ihre  Türe  geklopft  und 

D­4367/2009 verlangt,  dass  entweder  er  oder  R._______,  der  älteste  Sohn  seiner  zweiten  Frau,  mit  ihnen  gegen  die  Amerikaner  kämpfen  müsse.  Deswegen sei die ganze Familie wieder zurück nach N._______ gereist.  Nachdem  sie  sich  dort  drei  Tage  lang  aufgehalten  hätten,  hätten  sie  Afghanistan am 2. Oktober 2008 mit der Hilfe eines Schleppers verlassen  und seien via den Iran, Griechenland und Italien in die Schweiz gereist. C.  Anlässlich  der  Kurzbefragung  und  der  Anhörung  machte  die  Beschwerdeführende  2  im Wesentlichen  geltend,  sie  sei  eine  ethnische  Tadschikin aus der Provinz S.________ und habe  in N._______ gelebt.  Nach dem Tod  ihres ersten Ehemannes sei sie von dessen männlichen  Verwandten  bedrängt  worden,  sie  zu  heiraten.  Nachdem  sie  den  Beschwerdeführenden 1, ein ethnischer Paschtune, geheiratet habe, sei  sie von ihren Ex­Schwagern bedroht worden. Zirka zwei Monate nach der  Heirat  hätten  diese  ausserdem  ihren  zweiten  Ehemann  zusammengeschlagen. Eines Abends sei zudem ihr Sohn Q._______ mit  verbranntem  Bauch  und  blutender  Nase  nach  Hause  gekommen,  ohne  ihr jedoch zu sagen, was passiert sei. Aus Angst vor ihren Ex­Schwagern  sei sie mit ihren Kindern aus erster Ehe – ausser ihrem Sohn Q._______,  der Afghanistan bereits verlassen habe,– und ihrem zweiten Ehemann in  dessen  Heimatdorf  in  der  Provinz  M._______  gezogen.  Wenige  Tage  später  seien  dort  jedoch  die  Taliban  bei  ihnen  erschienen  und  hätten  ihren ältesten Sohn R._______ mitnehmen wollen, weswegen sie sofort  nach  N._______  zurückgekehrt  seien.  Nachdem  sie  einen  Schlepper  organisiert  hätten,  hätten  sie  am  23.  September  2008  Afghanistan  verlassen.  Die  Beschwerdeführende  2  reichte  anlässlich  der  Anhörung  einen  fremdsprachigen Brief  zu den Akten, der  in der Folge vom BFM  in eine  Amtssprache übersetzt wurde.  D.  Im Verfahren vor der Vorinstanz reichten die Beschwerdeführenden 1 und  2 eine Vielzahl von Dokumenten ein.  E.  Mit Verfügung vom 4. Juni 2009 – eröffnet am folgenden Tag – stellte das  BFM  fest, die Asylvorbringen der Beschwerdeführenden 1 und 2 hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  stand. 

D­4367/2009 Demzufolge  verneinte  es  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden,  lehnte  die  Asylgesuche  ab  und  verfügte  die  Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug.  Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  ausgeführt,  die  Beschwerdeführenden 1 und 2 hätten sich im Verlaufe des Verfahrens zu  wesentlichen  Punkten  unterschiedlich  geäussert.  So  habe  der  Beschwerdeführende  1  anlässlich  der  Kurzbefragung  ausgesagt,  zuerst  die Nachrichten auf dem Mobiltelefon der Ehefrau entdeckt zu haben und  erst danach sich dazu entschlossen zu haben, nicht mehr  innerhalb der  Stadt  N._______  als  Taxifahrer  zu  arbeiten,  sondern  die  Route  (…)  zu  fahren. Demgegenüber habe er bei der Anhörung zu Protokoll gegeben,  sofort, nachdem er vom Verwandten seiner Frau geschlagen worden sei,  nicht mehr  in  der Stadt N._______ Taxi  gefahren  zu  sein. Zudem habe  der  Beschwerdeführende  1  anlässlich  der  Kurzbefragung  vorgebracht,  der  Sohn  seiner  zweiten  Frau  sei  mit  einer  Verbrennung  und  einer  blutenden Nase  nach Hause  gekommen, während  er  bei  der  Anhörung  die  blutende  Nase  nicht  mehr  erwähnt  habe.  Ein  weiterer Widerspruch  des Beschwerdeführenden 1 stelle die Aussage dar, wonach die Taliban  sein  Haus  am  vierten  Abend  oder  aber  am  fünften  Abend  seines  Aufenthalts in M._______ aufgesucht hätten. Die Beschwerdeführende 2  habe  sich  darin  widersprochen,  dass  sie  anlässlich  der  Kurzbefragung  ausgesagt  habe,  der Schwager  ihres  ersten Ehemannes habe  sie  nach  ihrer zweiten Heirat via SMS­Nachrichten belästigt und bedroht, während  sie dies  in der Anhörung verneint habe. Ausserdem habe sie anlässlich  der  Kurzbefragung  ausgesagt,  ein  anderer  Schwager  sei  zu  ihr  gekommen,  um  sie  zu  beleidigen,  was  sie  in  der  Anhörung  bestritten  habe. Überdies habe sich die Beschwerdeführende 2 in Bezug auf die an  ihrer  Trauung  anwesenden  Personen  in  Widersprüche  verwickelt.  Zum  einen  habe  sie  ausgesagt,  ausser  dem  Geistlichen  seien  ihre  neue  Schwiegermutter und der Ehemann ihrer Schwester anwesend gewesen,  während sie bei der Anhörung angegeben habe, nur die Schwiegermutter  sei zugegen gewesen.  Ausserdem  widersprächen  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  1  und 2 in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung oder der Logik  des Handelns. Sie hätten am 24. Februar 2008 geheiratet. Gemäss ihren  Aussagen sei eben diese Ehe der Grund für ihre Ausreise gewesen. Etwa  zwei Monate nach der Trauung sei der Beschwerdeführende 1 von einem  männlichen Verwandten des ersten Ehemannes seiner Frau geschlagen  worden. Nach  diesem Vorfall  habe  sich  kein  asylrelevantes Geschehen 

D­4367/2009 mehr in N._______ zugetragen. Es sei daher nicht verständlich, weshalb  die gemischt ethnische Familie im Herbst 2008 in die Provinz M._______  umgezogen  sei.  Es  entspreche  zudem  nicht  dem  Verhalten  von  Personen, die in der Schweiz um Schutz nachsuchen wollten, sich vorher  über  drei  Monate  lang  in  Griechenland  aufzuhalten.  Die  Beschwerdeführenden  hätten  weder  die  Vorkommnisse  noch  ihre  Befürchtungen  bei  den  zuständigen  afghanischen  Behörden  angezeigt.  Die  Erklärung  des  Beschwerdeführenden  1,  er  habe  keine  Anzeige  erstatten  können,  weil  er  das  Autokennzeichen  seiner  Angreifer  nicht  habe  lesen können, entspreche nicht der Realität,  denn  fünf Tage nach  dem  Angriff  habe  er,  nach  eigenen  Angaben,  seinen  Widersacher  auf  einem  Foto  erkannt.  Zu  diesem  Zeitpunkt  hätte  er  Anzeige  erstatten  können  und  angeben  können,  wer  sein  Angreifer  gewesen  sei.  Hinsichtlich  der  Wegweisung  hielt  das  BFM  fest,  dass  deren  Vollzug  zulässig, zumutbar und möglich sei.  F.  Die Beschwerdeführenden reichten am 6. Juli 2009 gegen die Verfügung  vom  4.  Juni  2009  bei  der  Vorinstanz  eine  Beschwerde  ein,  die  zuständigkeitshalber  an  das  Bundesverwaltungsgericht  überwiesen  wurde. Auf  die Begründung  der Beschwerde wird,  soweit wesentlich,  in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Mit  der  Beschwerde  wurden  mehrere  fremdsprachige  Dokumente  in  Kopie eingereicht.  G.  Die  Beschwerdeführenden  reichten  mit  Eingabe  vom  7.  Juli  2009  (Poststempel)  beim  Bundesverwaltungsgericht  eine  Beschwerdeergänzung  ein.  Darin  beantragten  sie,  der  Entscheid  des  BFM vom 4. Juni 2009 sei aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihnen  sei  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzulässig und unzumutbar  sei. Als Folge davon sei  ihnen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchten  die  Beschwerdeführenden  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Erlass  des  Kostenvorschusses. Auf die Begründung der Beschwerdeergänzung wird,  soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

D­4367/2009 Mit  der  Beschwerdeergänzung  wurden  ein  Anerkennungsschreiben  der  Caritas  Germany,  ein  Zertifikat  der  Caritas  Germany,  eine  Taskara  (Identitätskarte), ein Führerausweis, mehrere fremdsprachige Dokumente  in  Kopie  (bereits  mit  der  Beschwerde  eingereicht)  sowie  eine  Fürsorgebestätigung vom 7. Juli 2009 (in Kopie) zu den Akten gereicht. H.  Mit Schreiben vom 9. Juli 2009 wandte sich Familie T._______ bezüglich  der  Beschwerdeführenden  an  die  Vorinstanz,  welche  die  Eingabe  zuständigkeitshalber ans Bundesverwaltungsgericht weiterleitete. I.  In  ihrem  Schreiben  vom  16.  Juli  2009  ans  Bundesverwaltungsgericht  machten  die  Beschwerdeführenden  –  handelnd  durch  ihre  neu  mandatierte  Rechtsvertreterin  –  ergänzende  Ausführungen  zu  ihrer  Beschwerde.  Diesem  Schreiben  lag  ein  Bericht  über  die  Situation  von  Frauen (in Afghanistan) bei. J.  Mit Verfügung vom 17. Juli 2009  teilte der zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  den  Beschwerdeführenden  mit,  sie  könnten  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Gleichzeitig  verfügte  er,  dass  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Endentscheid  befunden  und  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet werde.  K.  Mit  Verfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  14.  Januar  2010  wurde  dem BFM  die Möglichkeit  gewährt,  bis  zum  29.  Januar  2010  zu  den  Eingaben  der  Beschwerdeführenden  im  Beschwerdeverfahren  eine  Stellungnahme einzureichen.  L.  Namentlich aufgrund der allgemeinen Sicherheitslage in Afghanistan zog  das BFM im Rahmen der Vernehmlassung mit Verfügung vom 15. Januar  2010  seinen Entscheid  vom  4.  Juni  2009  teilweise  in Wiedererwägung,  hob  die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  auf  und  nahm  die  Beschwerdeführenden vorläufig auf. M.  Aufgrund  der  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  ersuchte  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  die 

D­4367/2009 Beschwerdeführenden mit  Verfügung  vom  22.  Januar  2010,  bis  zum  5.  Februar  2010 mitzuteilen,  ob  sie  an  der  Beschwerde  vom  6.  Juli  2009,  soweit  sie  nicht  gegenstandslos  geworden  sei,  festhielten  oder  diese  allenfalls zurückziehen wollten.  Die Beschwerdeführenden liessen sich dazu nicht vernehmen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Die  Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die Beschwerdeführenden führten  im Schreiben vom 7. Juli und 16. Juli 

D­4367/2009 2009  aus,  der  "minderjährige"  Sohn  der  Beschwerdeführenden  2,  Q._______ (N (…)), befinde sich ebenfalls  in der Schweiz. Gegen einen  ihn  betreffenden  ablehnenden  Entscheid  sei  zur  Zeit  auch  eine  Beschwerde  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  hängig.  Da  im  Asylverfahren  dem  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  Rechnung  zu  tragen  sei,  seien  die  beiden  Beschwerdeverfahren  zu  koordinieren.  Diesbezüglich  ist  festzustellen,  dass  über  die  Beschwerde  betreffend  Q._______  (N (…))  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 7503/2008  vom  2.  August  2011  bereits  entschieden  wurde,  weswegen  sich  vorliegend  die  Frage  einer  allfälligen  Koordination  der  beiden  Beschwerdeverfahren nicht mehr stellt.  4.  4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG).  4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.3.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie  genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen  sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen 

D­4367/2009 unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die  nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet  ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art.  7  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S.  190 f.). 5.  5.1. Vorab ist  festzustellen, dass die Beschwerdeführenden 1 und 2 den  Wortlaut sämtlicher Protokolle mit ihrer Unterschrift genehmigt haben und  sich  deshalb  ihre  Aussagen  grundsätzlich  entgegenhalten  lassen  müssen.  Die  Behauptung  in  der  Beschwerde  respektive  in  der  Beschwerdeergänzung,  wonach  es  bei  den  Befragungen  zu  Verständigungsschwierigkeiten  gekommen  sei,  da  jeweils  Iranerinnen  übersetzt  hätten,  deren  Farsi  die  Beschwerdeführenden  1  und  2  zwar  verstünden,  es  jedoch  gewisse  typische  afghanische  Ausdrücke  gebe,  welche  Iraner  nicht  verstehen  würden,  findet  in  den  Protokollen  keine  Stütze.  In  diesen  sind  keinerlei  Hinweise  vorhanden,  welche  auf  Verständigungsprobleme  zwischen  den  Beschwerdeführenden  1  und  2  sowie  den  übersetzenden Personen  hindeuten. Überdies  lässt  sich  den  Befragungsprotokollen entnehmen, dass die Beschwerdeführenden 1 und  2  die  Sprache  Farsi  sehr  gut  beherrschen  und  sie  die  übersetzenden  Personen gut verstanden haben (Akten BFM A 1/13, S. 2, 10; A 2/12, S.  2,  10; A  23/13, S.  2; A  24/12, S. 2 f.). Die  sinngemässe Behauptung  in  der  Beschwerde  respektive  der  Beschwerdeergänzung  bezüglich  fehlerhafter  Einträge  in  den  Befragungsprotokollen  findet  somit  in  den  Akten  keine  Stütze  und  ist  daher  lediglich  als  Schutzbehauptung  der  Beschwerdeführenden  1  und  2  zu  werten,  um  ihre  widersprüchlichen  Aussagen zu rechtfertigen.  5.2.  Im  Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  den  Aussagen  einer  asylsuchenden  Person  in  der  Empfangsstelle  beziehungsweise  im  Empfangszentrum  zu  den  Asylgründen  angesichts  des  summarischen  Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein  beschränkter Beweiswert  zukommt  (vgl. EMARK 2005 Nr.  7 E.  6.2.1 S.  66  und  dort  zitierte,  weiterhin  gültige  Praxis).  Widersprüche  dürfen  nur 

D­4367/2009 dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum  in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  von  den  späteren  Aussagen  in  der  Anhörung  beim  Kanton  oder  beim  BFM  diametral  abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  in  der  Befragung im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden. 5.3. Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist – in Übereinstimmung  mit der Vorinstanz – festzustellen, dass sich die Beschwerdeführenden 1  und  2  im  Laufe  des  Asylverfahrens  zu  ihren  Asylvorbringen  in  wesentlichen  Punkten  widersprüchlich  geäussert  haben.  So  sagte  der  Beschwerdeführende 1 anlässlich der Kurzbefragung aus, an den Tagen  nach  der  Entführung  durch  die  vier  Männer  habe  er  wieder  gearbeitet  (Akten BFM A 2/12, S. 7), während er bei der Anhörung geltend machte,  nach  dem  Ereignis  mit  den  vier  Männern  sei  er  fünf  Tage  zu  Hause  geblieben,  da  es  ihm  nicht  gut  gegangen  sei  und  er  sich  habe  erholen  wollen (Akten BFM A 24/12, S. 6). Zudem gab er anlässlich der Anhörung  zuerst zu Protokoll, als er mit dem Auto in den Strassengraben gefahren  sei und die vier Männer geflohen seien, habe sich die Polizei ganz in der  Nähe aufgehalten. Dennoch habe er  keine Anzeige  erstattet,  da  er  das  Kennzeichen  des  Autos,  mit  dem  die  Entführer  geflohen  seien,  nicht  gesehen habe (Akten BFM A 24/12, S. 6). Demgegenüber führte er wenig  später  in  der  Anhörung  aus,  er  habe  gegen  die  Entführer  Anzeige  erstatten wollen, was  ihm  jedoch nicht möglich gewesen sei,  da er weit  hätte fahren müssen, um zur Polizei zu gelangen (Akten BFM A 24/12, S.  9).  Abgesehen  davon,  dass  diese  Erklärung  das  Gericht  nicht  zu  überzeugen  vermag,  ist  mit  der  Vorinstanz  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführende 1 einen der Angreifer auf dem Foto erkannt haben  will  und  dementsprechend  hätte  Anzeige  erstatten  können.  Überdies  schilderte der Beschwerdeführende 1 den  Inhalt der SMS­Nachricht, die  er  auf  dem Handy  seiner  Frau  gelesen  haben will,  in widersprüchlicher  Weise. So sagte er anlässlich der Kurzbefragung aus, die SMS­Nachricht  habe begonnen mit:  "Como sta  tuo marito?"  (Akten BFM A 2/12, S.  7),  wohingegen er bei der Anhörung geltend machte, der Anfang der SMS­ Nachricht  habe  gelautet:  "Como  sta  il  vostro  paziente?"  (Akten  BFM  A  24/12, S. 6). Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführende 1  den Anfangssatz der betreffenden SMS­Nachricht übereinstimmend hätte  wiedergeben  können,  hätten  sich  die  Ereignisse  tatsächlich  wie  behauptet  zugetragen.  Die  Beschwerdeführende  2  sagte  anlässlich  der  Kurzbefragung aus, P._______, einer  ihrer Ex­Schwager, habe sie nach  der Hochzeit mit ihrem zweiten Ehemann immer nur per Telefon bedroht 

D­4367/2009 (Akten BFM A 1/13, S. 8), während sie bei der Anhörung vorbrachte, ihre  Ex­Schwager  hätten  sie nach der Hochzeit mit  ihrem zweiten Ehemann  nie  angerufen  (Akten  BFM  A  23/13,  S.  7).  Zudem  machte  die  Beschwerdeführende 2 anlässlich der Kurzbefragung geltend, sie sei von  allen  ihren  Ex­Schwagern  bedroht  worden  (Akten  BFM  A  1/13,  S.  8),  wohingegen  sie  bei  der  Anhörung  zu  Protokoll  gab,  U._______,  einer  ihrer  Ex­Schwager,  habe  sie  nicht  bedroht  (Akten  BFM  A  23/13,  S.  8).  Überdies sagte sie anlässlich der Anhörung aus, ihre Ex­Schwager hätten  ihr durch dritte Personen  ihre Missbilligung über  ihre Hochzeit mit  ihrem  zweiten Ehemann ausrichten lassen (Akten BFM A 23/13, S. 4), was sie  bei  der  Kurzbefragung  noch  mit  keinem  Wort  erwähnte,  obwohl  sie  damals  ausreichend  Gelegenheit  dazu  hatte.  Es  ist  insgesamt  festzustellen,  dass  sich  die  Beschwerdeführenden  1  und  2  in  widersprüchlicher und unklarer Weise zur behaupteten Bedrohung durch  die Ex­Schwager der Beschwerdeführenden 2 geäussert haben.  Widersprüchlich äusserten sich die Beschwerdeführenden 1 und 2 auch  hinsichtlich  des  geltend  gemachten  Ereignisses  mit  den  Taliban  in  der  Provinz M._______. Während der Beschwerdeführende 1 vorbrachte, die  Taliban hätten ihm gesagt, dass entweder er oder R._______, der älteste  Sohn  seiner  zweiten  Frau,  sich  bei  ihnen melden müsse,  um mit  ihnen  gegen  die  Amerikaner  zu  kämpfen  (Akten  BFM  A  2/12,  S.  8;  A  24/12,  S. 7),  gab  die Beschwerdeführende  2  lediglich  zu Protokoll,  die  Taliban  hätten  ihren Sohn R._______ mitnehmen wollen  (Akten BFM A 1/13, S.  9; A 23/13, S. 5). Nicht plausibel  ist  zudem die Aussage der Beschwerdeführenden 1 und  2,  wonach  sie  erst  im  September  2008  in  die  Provinz  M._______  gezogen  seien,  zumal  sie  angeblich  bereits  am  24.  Januar  2008  geheiratet  haben,  seither  bedroht  worden  sein  wollen  und  der  Beschwerdeführende 1 schon zirka zwei Monate nach der Hochzeit, das  heisst  Ende  März/Anfang  April  2008,  von  einem  Ex­Schwager  der  Beschwerdeführenden 2 entführt und misshandelt worden sein soll. Es ist  anzunehmen, dass die Beschwerdeführenden N._______ schon viel eher  verlassen  hätten,  wären  sie  tatsächlich  – wie  behauptet  –  von  den  Ex­ Schwagern der Beschwerdeführenden 2 bedroht worden.  In  ihrem  Schreiben  vom  16.  Juli  2009  beantragen  die  Beschwerdeführenden, es sei V._______, die ehemalige Vorgesetzte der  Beschwerdeführenden  2  bei  Caritas  Germany,  als  Auskunftsperson  anzuhören.  Da  V._______  gemäss  den  eigenen  Aussagen  der 

D­4367/2009 Beschwerdeführenden  über  die  Probleme  der  Beschwerdeführenden  2  keine "genaue" Kenntnis hat, kann darauf verzichtet werden, V._______  als  Auskunftsperson  zu  befragen  (antizipierte  Beweiswürdigung;  FRITZ  GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 274; BGE  130  II  425  E.  2.1,  BVGE  2008/24  E.  7.2  S.  357),  weshalb  der  diesbezügliche Beweisantrag abzuweisen ist. Gestützt  auf  das  vorstehend  Ausgeführte  –  insbesondere  aufgrund  der  offensichtlichen  Widersprüche  in  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden 1 und 2 –  ist zu schliessen, dass es sich bei der  von  ihnen  geltend  gemachten  Verfolgung  durch  die  Ex­Schwager  der  Beschwerdeführenden  2  sowie  die  Taliban  lediglich  um  ein  Konstrukt  handelt.  An  dieser  Einschätzung  vermag  auch  das  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  in  ihrem  Schreiben  vom  16.  Juli  2009  nichts  zu  ändern,  wonach  es  in  Afghanistan  üblich  sei,  dass  eine  hinterbliebene  Ehefrau  an  einen  Schwager  weiterverheiratet  werde,  zumal  alleine  daraus nicht abgeleitet werden kann, dass die Beschwerdeführenden  in  Afghanistan verfolgt werden. Sofern die Beschwerdeführende 2  in der Beschwerdeergänzung geltend  macht,  sie  könne  ihr  Land  in  Afghanistan  nicht  nutzen,  weil  zwei  Kommandanten, die dieses Gebiet kontrollierten,  ihr Land beanspruchen  würden, ist festzustellen, dass dieses Vorbringen als nachgeschoben und  damit  unglaubhaft  zu  beurteilen  ist,  zumal  sie Derartiges  anlässlich  der  Befragungen mit keinem Wort erwähnte. Gleich verhält es sich mit  ihrer  Behauptung  in  der  Beschwerdeergänzung,  wonach  sie  als Mitarbeiterin  eines Hilfswerks weiteren Gefahren ausgesetzt sei, da sie sich als Frau  übermässig eingesetzt habe.  5.4.  Zusammenfassend  ist  somit  festzustellen,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu machen,  dass  sie  in  der  Heimat  ernsthafte  Nachteile  gemäss  Art.  3  AsylG  erlitten  haben  oder  solche  bei  der  Ausreise  zu  befürchten  hatte  oder  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Afghanistan  befürchten  müssten.  Nach  dem  Gesagten  erübrigt  es  sich,  auf  die  Ausführungen  und  Einwände  in  den Eingaben  der Beschwerdeführenden  beziehungsweise  die eingereichten Beweismittel weiter einzugehen, weil sie nicht zu einer  von der Vorinstanz veränderten Betrachtungsweise führen. Das BFM hat  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  demnach  zu  Recht  abgelehnt. 

D­4367/2009 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/51 E. 5.1). 7.  7.1.    Mit  Verfügung  vom  15  Januar  2010  wurden  die  Beschwerdeführenden  von  der  Vorinstanz  wiedererwägungsweise  vorläufig  aufgenommen,  so  dass  die  Anordnungen  des  Bundesamtes  betreffend den Vollzug der Wegweisung (Ziffern 4 und 5 des Dispositivs  der angefochtenen Verfügung) gegenstandslos geworden sind. Die  Beschwerde  ist  somit  zufolge  Wegfalls  des  Streitgegenstandes  insofern  gegenstandslos  geworden,  als  darin  die  Aufhebung  der  Verfügung vom 4. Juni 2009 im Umfange des Vollzugs der Wegweisung  beantragt  wurde.  Es  erübrigt  sich  daher,  auf  die  Vorbringen  in  den  Eingaben  der  Beschwerdeführenden  hinsichtlich  des  Wegweisungsvollzuges einzugehen. 7.2.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  hinsichtlich  der Nichterfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft,  der  Ablehnung  der  Asylgesuche  sowie  der  Anordnung  der  Wegweisung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Verfügung  der  Vorinstanz  vom  4.  Juni  2009  ist  demzufolge  in  Bezug  auf  die  Nichterfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft,  der Abweisung  des Asyls  und  der  Anordnung  der  Wegweisung  zu  bestätigen  und  die  Beschwerde  abzuweisen. Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung ist sie jedoch als  gegenstandslos geworden abzuschreiben. 8.  8.1. Nach dem Gesagten sind die Beschwerdeführenden  im Hauptpunkt  als unterlegene Partei anzusehen.

D­4367/2009 8.2.  Die  Beschwerdeführenden  beantragen  die  unentgeltliche  Rechtspflege  nach  Art.  65  Abs.  1  VwVG.  Gemäss  dieser  Bestimmung  befreit  die  Beschwerdeinstanz  nach  Einreichung  der  Beschwerde  eine  Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der  Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern  ihr Begehren nicht aussichtslos  erscheint.  8.3. Aus  der  Datenbank  des  "Zentralen  Migrationsinformationssystems"  des  BFM  (ZEMIS,  vgl.  ZEMIS­Verordnung  vom  12.  April  2006  [SR 142.513])  ist  ersichtlich,  dass  der  Beschwerdeführende  1  seit  Juni  2011  erwerbstätig  ist,  weshalb  die  Beschwerdeführenden  nicht  als  bedürftig  zu  erachten  sind.  Mangels  Erfüllen  der  kumulativen  Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG (bedürftig/nicht aussichtslos)  ist  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  abzuweisen. 8.4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten praxisgemäss  zur  Hälfte,  ausmachend  Fr.  300.–,  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  1­3  des Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2]). 9.  9.1.  Bei  Gegenstandslosigkeit  des  Verfahrens  ist  der  beschwerdeführenden Partei eine Entschädigung für die ihr erwachsenen  notwendigen Kosten  zuzusprechen,  sofern  sie  die Gegenstandslosigkeit  nicht durch ihr eigenes Verhalten bewirkt hat (Art. 15 i.V.m. Art. 5 VGKE).  Diese  Voraussetzungen  sind  vorliegend  gegeben,  da  die  Gegenstandslosigkeit  im  Eventualbegehren  durch  die  wiedererwägungsweise Gewährung der vorläufigen Aufnahme durch das  BFM  herbeigeführt  wurde.  Den  vertretenen  Beschwerdeführenden  ist  folglich  eine  wegen  des  nur  teilweisen  Obsiegens  reduzierte  Parteientschädigung  zu  Lasten  der  Vorinstanz  zuzusprechen  (Art.  64  Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 2 VGKE). 9.2.  Nachdem  die  Rechtsvertreterin  keine  Kostennote  zu  den  Akten  gereicht  hat,  ist  auf  die  Einforderung  einer  solchen  zu  Gunsten  einer  Festsetzung aufgrund der Akten zu verzichten (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE),  zumal  sich  diese  mit  hinreichender  Zuverlässigkeit  abschätzen  lässt.  Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungssfaktoren (Art. 9­ 11  und  13  VGKE)  sowie  des  bloss  teilweise  Obsiegens  ist  die 

D­4367/2009 praxisgemäss um die Hälfte zu reduzierende Parteientschädigung auf Fr.  500.–  (inklusive  Auslagen  und  allfälliger  Mehrwertsteuer)  festzusetzen.  Das  BFM  ist  entsprechend  anzuweisen,  den  Beschwerdeführenden  diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten.  (Dispositiv nächste Seite)

D­4367/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden abgeschrieben wird. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen.  3.  Die Verfahrenskosten  von Fr.  300.­­ werden  den Beschwerdeführenden  auferlegt. Der Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden  Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine  Parteientschädigung von Fr. 500.­­ auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

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