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Bundesverwaltungsgericht 19.08.2011 D-426/2008

19 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,356 parole·~12 min·1

Riassunto

Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl) | Aufhebung der vorläufigen Aufnahme; Verfügung des BFM vom 9. Januar 2008

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­426/2008 Urteil   v om   1 9 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Martin Zoller,    Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren X._______, Irak, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Aufhebung der vorläufigen Aufnahme; Verfügung des BFM  vom 9. Januar 2008 / N_______.

D­426/2008 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  irakischer  Staatsangehöriger  kurdischer  Volkszugehörigkeit  und  sunnitischen  Glaubens  mit  letztem Wohnsitz  in  B._______  (Provinz  C._______)  im  Nordirak,  reichte  am  10.  Februar  2003 in der Schweiz ein Asylgesuch ein. Zu seinen Fluchtgründen  führte er dabei  im Wesentlichen an, er gehöre  zum Stamm der D._______. Sein Vater  sei  (...)  bei  der E._______ und  sei  früher  in  Auseinandersetzungen  mit  kurdischen  Anhängern  des  zentralirakischen Regimes verwickelt gewesen. So habe er im Auftrag der  E._______  in  den  80er  Jahren  einen  Angehörigen  der  F._______  namens G._______, der die zentralirakischen Behörden unterstützt habe,  verhaftet.  Dabei  sei G._______  verletzt  und  für mehrere  Jahre  von  der  E._______  inhaftiert  worden.  Im  Jahr  (...)  sei  G._______  im  Rahmen  eines Gefangenenaustausches  freigelassen worden.  In der Folge hätten  sich G._______ und dessen Familie nach H._______ zurückgezogen. Da  sich  zudem  die  beiden  Familien  seit  mehreren  Jahrzehnten  wegen  Ländereien  im Streit befunden hätten, drohe  ihm nun erhebliche Gefahr  seitens  der  Familie  von  G._______  Am  Y._______  hätten  ihn  zwei  Unbekannte  aus  dem  Geschäft  in  B._______  zu  entführen  versucht.  Wegen  seiner  Gegenwehr  und  seinen  Geschäftsnachbarn  hätten  die  Angreifer  unverrichteter  Dinge  die  Flucht  ergreifen  müssen.  Am  Z._______ sei auf sein Haus geschossen worden. Am W._______ hätten  zwei Personen versucht, ihn auf dem Heimweg zu erschiessen. Da er die  Angreifer  jedoch rechtzeitig erkannt habe, habe er  fliehen können. Nach  diesen  Vorfällen  habe  sich  seine  Familie  entschlossen,  ihn  ausser  Landes zu bringen. Nach der Ausreise habe seine Familie insgesamt drei  anonyme Drohschreiben erhalten. B.  Mit  Verfügung  vom  12.  Januar  2005  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  wies  sein  Asylgesuch  ab  und  ordnete  seine Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den Vollzug an. Die Vorinstanz führte zur Begründung an, die Vorbringen  des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  nicht stand, und bejahte die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs. C.  Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 4. Februar 2005 

D­426/2008 Beschwerde  bei  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK).  Er  beantragte  unter  anderem  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft,  die  Gewährung  von  Asyl  und  die vorläufige Aufnahme. D.  Mit  Verfügung  vom  18.  Januar  2006  hob  das  Bundesamt  im  Rahmen  eines Schriftenwechsels die Verfügung vom 12. Januar 2005 hinsichtlich  der  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  auf.  Da  es  den  Vollzug  der  Wegweisung  in  den  Irak  als  unzumutbar  erachtete,  verfügte  es  die  vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers. E.  Mit Zwischenverfügung vom 20. Januar 2006 gab die Beschwerdeinstanz  dem Beschwerdeführer die Gelegenheit, sich darüber zu äussern, ob er  angesichts  der  teilweisen  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  seine Beschwerde zurückziehen oder an dieser festhalten wolle. Der  Beschwerdeführer  liess  die  ihm  eingeräumte  Frist  ungenutzt  verstreichen. F.  Mit  Urteil  der  ARK  vom  10. August  2006  wurde  die  Beschwerde  betreffend  den  Wegweisungsvollzug  als  gegenstandslos  geworden  abgeschrieben.  Hinsichtlich  der  Asylgewährung,  der  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der  angeordneten  Wegweisung  wurde  die  Beschwerde, soweit darauf eingetreten wurde, abgewiesen. G.  Im  Jahre  (...)  verheiratete  sich  der  Beschwerdeführer mit  der  syrischen  Staatsangehörigen I._______ in einer religiösen Zeremonie. Er liess sich  dabei vertreten. I._______ suchte am V._______in der Schweiz um Asyl  nach (N_______). H.  Mit  Schreiben  des  BFM  vom  8.  November  2007  wurde  dem  Beschwerdeführer  mitgeteilt,  dass  das  Bundesamt  die  Aufhebung  der  angeordneten  vorläufigen  Aufnahme  erwäge.  Nach  einer  umfassenden  Analyse  der  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  werde  der  Wegweisungsvollzug  grundsätzlich  als  zumutbar  erachtet.  Gemäss  seinen Angaben bei Einreichung des Asylgesuchs sei er im Iran geboren  worden und im Jahre (...) zusammen mit seiner Familie nach B._______ 

D­426/2008 in der Provinz C._______ zurückgekehrt, wo er bis zu seiner Ausreise im  Quartier J._______ gewohnt habe. Da seine Eltern und die Geschwister  auch  dort  lebten,  verfüge  er  zudem  über  ein  gutes  familiäres  Beziehungsnetz.  Das  BFM  forderte  den  Beschwerdeführer  auf,  diesbezüglich bis zum 24. November 2007 schriftlich Stellung zu nehmen  und  allfällige  Gründe,  die  gegen  eine  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  und  den  Vollzug  der  Wegweisung  sprechen  würden,  darzulegen. Mit Eingabe vom 20. November 2007 reichte der Beschwerdeführer seine  Stellungnahme  ein,  worin  er  im  Falle  einer  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme um Akteneinsicht noch vor Entscheideröffnung ersuchte. I.  Mit Verfügung vom 9. Januar 2008 hob das BFM die mit Verfügung vom  12. Januar  2005  angeordnete  vorläufige  Aufnahme  gestützt  auf  Art.  84  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) auf und ordnete an, der  Beschwerdeführer habe die Schweiz bis am 10. März 2008 zu verlassen.  Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Wesentlichen  aus,  dass  der  Beschwerdeführer,  wie  rechtskräftig  festgestellt  worden  sei,  die  Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Einem Wegweisungsvollzug stünden  daher  weder  das  Refoulement­Verbot  noch  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  entgegen.  Die  in  der  Stellungnahme  vom  20. November 2007 erwähnten Drohungen seien bereits im Asylentscheid  vom 12. Januar 2005 berücksichtigt und auch von der damaligen ARK als  nicht  asylrelevant  erachtet  worden.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  daher  nicht  als  unzulässig  im  Sinne  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  zu  erachten.  Zudem  lasse  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  der  Provinz  C._______  den  Vollzug  der Wegweisung  grundsätzlich  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Überdies  sei  im  ehemals  autonomen  Nordirak  die  Schutzfähigkeit  der  staatlichen  Machtträger  heute  grundsätzlich  zu  bejahen.  Vorliegend  ergebe  sich  aus  dem  Persönlichkeitsprofil  des  Beschwerdeführers  insgesamt  kein  über  die  schwierige  Alltagslage  der  kurdischen  Mehrheitsbevölkerung  im  Nordirak  hinausgehendes  individuelles  Gefährdungsindiz.  Ausserdem  sei  der  Wegweisungsvollzug  in  Berücksichtigung sämtlicher Umstände und angesichts der persönlichen  Situation des Beschwerdeführers zumutbar.

D­426/2008 Das  BFM  hielt  zudem  fest,  es  bestehe  nach  Abschluss  der  amtlichen  Untersuchung  grundsätzlich  kein  Anspruch  auf  Durchführung  eines  Schriftenwechsels.  Mit  dem  Eingang  der  Stellungnahme  vom  10. November  2007  sei  die  amtliche  Untersuchung  abgeschlossen  worden.  Das  BFM  verzichte  daher  auf  die  Erteilung  einer  vollständigen  Akteneinsicht  vor  Entscheideröffnung,  wie  es  der  Beschwerdeführer  beantragt  habe.  Verspätete  Parteivorbringen  könnten  hingegen  im  Rahmen von Art.  32 Abs. 2 VwVG berücksichtigt werden;  in  casu seien  keine weiteren Vorbringen eingegangen. J.  Mit Eingabe vom 22. Januar 2008 beantragte der Beschwerdeführer die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Feststellung  der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  sowie  die  Bestätigung  der  vorläufigen  Aufnahme.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Auf  die  Begründung  wird,  soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. K.  Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  vom  28.  Januar  2008  wurde  dem  Beschwerdeführer  mitgeteilt,  er  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wurde  mangels  Nachweises  der  Bedürftigkeit  abgewiesen  und  der  Beschwerdeführer  gleichzeitig  aufgefordert,  bis  zum  12. Februar  2008  einen  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.­ zu leisten. Der Beschwerdeführer bezahlte den von ihm verlangten Kostenvorschuss  am 1. Februar 2008 ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet unter anderem endgültig  über Beschwerden  gegen Verfügungen  des BFM  in Sachen Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  von  Ausländerinnen  und  Ausländern  in  der  Schweiz  (Art.  84  Abs.  2  und  3  AuG  i.V.m.  Art.  31  und  33  des  Verwal­ tungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32].;  Art. 83 

D­426/2008 Bst. c  Ziff. 3  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). 1.3. Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert und die  Beschwerdeeinreichung  erfolgte  sowohl  frist­  als  auch  formgerecht,  weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 112  AuG und Art. 48 Abs. 1, Art. 50 sowie Art. 52 VwVG). 1.4. Mit  Zwischenverfügung  vom 5. November  2008 wurde  dem Antrag  auf  Koordination  des  Beschwerdeverfahrens  der  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  (Geschäftsnummer  [...])  mit  demjenigen  des  Beschwerdeführers  entsprochen.  Das  vorliegende  Urteil  ergeht  daher  zeitgleich  mit  demjenigen  der  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1999 Nr. 1).  1.5. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der  Regel  in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen  (vgl. Art. 21  Abs.  1  VGG).  Gestützt  auf  Art.  57  Abs.  1  VwVG  (e  contrario)  wurde  vorliegend auf einen Schriftenwechsel verzichtet. 2.  2.1. Die  Voraussetzungen  für  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  werden  seit  dem  1.  Januar  2008  in  Art.  84  Abs.  2  AuG  umschrieben.  Davor  wurde  die  vorläufige  Aufnahme  durch  das  des  Bundesgesetzes  vom  26. März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG, BS 1 121) geregelt, welches zeitgleich mit dem Inkrafttreten des  AuG  aufgehoben wurde  (vgl.  Art.  125 AuG  i.V.m.  Ziff.  I  Anhang  2  zum  AuG). Gemäss Art. 126a Abs. 4 AuG gilt – unter Vorbehalt der Absätze 5­ 7  –  für  Personen,  die  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  der  am  16.  Dezember  2005  beschlossenen  Änderung  des  AsylG  sowie  des  AuG  vorläufig  aufgenommen  waren,  das  neue  Recht.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  vom  BFM  mit  Verfügung  vom  18.  Januar  2006  vorläufig  aufgenommen  wurde,  ist  aufgrund  der  genannten  übergangsrechtlichen Regelung  das  Vorliegen  der  Voraussetzungen  für  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  nach  neuem  Recht  –  mithin  nach Art. 84 Abs. 2 AuG – zu prüfen.

D­426/2008 2.2. Das BFM hebt die vorläufige Aufnahme auf und ordnet den Vollzug  der Weg­  oder  Ausweisung  an,  wenn  die  Voraussetzungen  nicht  mehr  gegeben  sind  (Art.  84  Abs.  2  AuG).  Die  Voraussetzungen  für  die  vorläufige  Aufnahme  sind  nicht  mehr  gegeben,  wenn  der  Vollzug  der  rechtskräftig  angeordneten  Wegweisung  zulässig  (Art.  83  Abs.  3  AuG)  und  es  der  ausländischen  Person  möglich  (Art.  83  Abs.  2  AuG)  und  zumutbar  (Art. 83 Abs. 4 AuG)  ist,  sich  rechtmässig  in  ihren Heimat­,  in  den Herkunftsstaat oder in einen Drittstaat zu begeben. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob das BFM  die vorläufige Aufnahme zu Recht aufhob. Dabei  ist  anzumerken,  dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  der  gleiche  Beweisstandard  gilt,  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 3.  3.1. Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs.  1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden. 3.2.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen 

D­426/2008 schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5  AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers in den Herkunftsstaat ist demnach unter dem Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Weder  aus  den Aussagen  des Beschwerdeführers  noch  aus  den Akten  ergeben  sich  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Irak  dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK  verbotenen Strafe  oder Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall der Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer]  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008  Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 bis 127, mit weiteren Hinweisen). Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig erscheinen. Sodann  lässt  nach  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  auch  die  allgemeine Sicherheits­ und Menschenrechtslage  in den drei kurdischen  Provinzen  Dohuk,  Erbil  und  Sulaymaniya  (vgl.  hierzu  die  nachfolgende  Erwägung 4.4) den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen. 3.3. Soweit der Beschwerdeführer darauf hinweist, dass er  im (...) seine  sich mittlerweile ebenfalls in der Schweiz als Asylbewerberin aufhaltende  Ehefrau  in C._______ geheiratet habe, wobei er bei der Heirat vertreten  worden  sei,  und  damit  sinngemäss  Art.  8  EMRK  anruft,  ist  Folgendes  festzuhalten:  Gemäss  Art.  8  EMRK  hat  jede  Person  das  Recht  auf  Achtung  ihres  Familienlebens.  Unter  gewissen  Umständen  lässt  sich  daraus  ein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Anwesenheitsbewillligung  ableiten,  da  es  Art.  8  EMRK  verletzen  kann,  wenn  einem  Ausländer,  dessen Familienangehörige hier weilen, die Anwesenheit  in der Schweiz  untersagt und damit das Familienleben vereitelt wird (vgl. BGE 126 II 335  E.  2.1  S.  339).  Ein  Familienmitglied  muss  dabei  über  ein  gefestigtes  Anwesenheitsrecht  (schweizerische  Staatsangehörigkeit,  Niederlassungs­ oder Aufenthaltsbewilligung, auf deren Verlängerung ein 

D­426/2008 Anspruch besteht)  verfügen. Die  vorläufige Aufnahme eines Flüchtlings,  dem das Asyl unter Wegweisung aus der Schweiz verweigert wurde und  dessen Rechtsstellung sich deshalb ausschliesslich nach der FK richtet,  hat  zum  Vornherein  nur  provisorischen  Charakter.  Sie  begründet  als  solche kein gefestigtes Anwesenheitsrecht im Sinne der Rechtsprechung  zu Art. 8 EMRK (vgl. BGE 126 II 335 E. 2.bb S. 341). Nichts anderes hat  auch  bei  vorläufig  aufgenommenen  Ausländern  –  wie  vorliegend  –  zu  gelten,  welche  ohne  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  eine  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  respektive  ein  solches  provisorisches Aufenthaltsrecht in der Schweiz erhalten haben, zumal die  Rechtsnatur  der  verfügten  vorläufigen  Aufnahme  in  den  beiden  erwähnten Konstellationen stets die Gleiche bleibt. Vorliegend  verfügen weder  der  Beschwerdeführer  –  selbst  als  vorläufig  Aufgenommener  –  noch  seine  Ehefrau  über  ein  gefestigtes  Anwesenheitsrecht  im  oben  erwähnten  Sinne.  Die  Beschwerde  gegen  das  abgelehnte  Asylgesuch  der  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  wird  überdies  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  gleichen  Datums  abgewiesen. 3.4.  Zudem  steht  es  vorliegend  der  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  offen,  sich  für  die  Aufnahme  respektive  Fortsetzung  der  ehelichen  Gemeinschaft  gegebenenfalls  in  die  Heimat  des  Beschwerdeführers  zu  begeben, zumal sie bereits vor ihrer Reise in die Schweiz in der Provinz  C._______  gelebt  habe  (vgl.  Beschwerdeschrift  Ziffer  2.8).  Nach  dem  Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­ als  auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 4.  4.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von Art.  83 Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (BVGE 2010/41 E. 8.3.6 S. 591). 4.2.  In  der  angefochtenen  Verfügung  hielt  das  BFM  fest,  aufgrund  der  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  herrsche  in  den  drei  von  der  kurdischen  Regionalregierung  kontrollierten  nordirakischen  Provinzen  Dohuk,  Erbil  und  Suleimanyia  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  daher  grundsätzlich  zumutbar.  Vom 

D­426/2008 bewaffneten  Konflikt,  welcher  im  Irak  in  den  letzten  Jahren  viele  Menschenleben  gefordert  habe,  seien  die  vorgenannten  Provinzen  weitgehend  ausgenommen,  auch  wenn  in  letzter  Zeit  einzelne  gewaltsame Zwischenfälle zu verzeichnen gewesen seien. Die Tatsache,  dass  zwischen  Juli  2003  und  Ende  2007  rund  500  Personen  mit  Rückkehrhilfe  in  den  Irak  zurückgekehrt  seien  (davon  84%  in  den  Nordirak), unterstreiche die Feststellungen zur Situation in dieser Region.  Die  Einschätzung  des  BFM,  dass  der  Wegweisungsvollzug  in  die  drei  genannten  Provinzen  grundsätzlich  zumutbar  sei,  werde  von  anderen  europäischen  Staaten  geteilt,  was  ebenfalls  die  Richtigkeit  dieser  Einschätzung  unterstreiche.  Sodann  stelle  sich  auch  das  UNHCR  nicht  grundsätzlich  gegen  Wegweisungen  in  die  genannten  Provinzen.  Es  empfehle einen "differentiated approach" und weise darauf hin, dass auf  die  Rückführung  von  "vulnerable  groups"  (namentlich  allein  erziehende  Frauen und Kranke) verzichtet werden solle. Diesem Anliegen trage das  BFM  mit  der  aktuellen  Wegweisungspraxis  und  der  Einzelfallprüfung  allfälliger individueller Wegweisungshindernisse Rechnung. Zudem  lägen  im vorliegenden Fall  auch  keine  individuellen Gründe vor,  welche gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung sprechen  würden. Auch wenn die Türkei  im Grenzgebiet des Nordiraks militärisch  interveniere,  bedeute  dies  keine  individuelle  Gefährdung  des  Beschwerdeführers.  Die  Türkei  bezwecke  mit  dem  Truppenaufmarsch  eine Bekämpfung der Aktivitäten der PKK, nicht eine  Intervention gegen  die  nordirakischen  Kurden.  Es  ergäben  sich  deshalb  auch  aus  der  türkischen  Militärpräsenz  an  der  Grenze  zum  Nordirak  keine  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs.  Der  Beschwerdeführer  lege  denn  auch  nicht  dar,  dass  ihn  die  Rückkehr  in  sein  Heimatland  einer  ihn  spezifisch  betreffenden,  konkreten  Gefährdungssituation aussetzen würde. Er sei im Alter von (...) Jahren in  die Schweiz eingereist. Er sei im Iran geboren worden und habe dort bis  im  Jahre  (...)  gelebt.  Ab  diesem Datum  bis  zu  seiner  Ausreise  habe  er  sich in B._______ in der Provinz C._______ aufgehalten, wo heute noch  seine  nahen  Verwandten  leben  würden.  Damit  könne  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  mit  Sprache,  Kultur,  Lebens­  und  Arbeitsweise  in  dieser  Region  bestens  vertraut  sei.  Gemäss  eigenen  Angaben  habe  er  über  ein  Jahr  bis  im  (...)  bei  seinem  Onkel  als  (...)  gearbeitet.  Der  junge  und  aktenkundig  gesunde  Ausländer  sei  alleinstehend  und  habe  damit  nach  seiner  Rückkehr  in  erster  Linie  für  seinen  eigenen  Unterhalt  zu  sorgen.  Im  Übrigen  habe  er  durch  seine  Migration  in  die  Schweiz  eine  gewisse  Flexibilität  unter  Beweis  gestellt. 

D­426/2008 Es  sei  deshalb  nicht  ersichtlich,  weshalb  ihm  der  Aufbau  einer  neuen  Existenz  bei  entsprechendem  Bemühen  in  seinem  Heimatland  nicht  gelingen  sollte.  Trotz  der  schwierigen  Verhältnisse  in  der  Herkunftsprovinz  des  Beschwerdeführers  gehe  das  BFM  insgesamt  davon  aus,  dass  er  mit  Hilfe  von  Verwandten,  Hilfsorganisationen  und  seinem  Beziehungsnetz  vor  Ort  bei  einer  Rückkehr  nicht  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  würde.  Ferner  sei  in  diesem  Zusammenhang  auch  auf  das  Rückkehrhilfeprogramm  "Irak"  zu  verweisen,  welches  ihm  die  Reintegration  im  Heimatland  zusätzlich  erleichtern dürfte. 4.3.  In  seiner  Rechtsmitteleingabe  wendet  der  Beschwerdeführer  dagegen  im  Wesentlichen  ein,  auch  wenn  sich  die  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage in den drei von der Vorinstanz genannten Provinzen  Suleimaniya, Dohuk und Erbil  leicht verbessert habe, herrsche nach wie  vor  eine  Lage  allgemeiner  Gewalt  im  gesamten  Irak,  so  auch  in  den  erwähnten Provinzen. Namhafte Organisationen wie das Amt des Hohen  Flüchtlingskommissars  der  Vereinten  Nationen  (UNHCR)  und  Menschenrechtsorganisationen  würden  die  Praxis  des  BFM  verurteilen  und sprächen sich für den Schutz von Asylsuchenden aus dem Nordirak  aus.  Ausserdem  seien  die  weiteren  Entwicklungen  in  den  nächsten  Monaten  nicht  vorhersehbar,  hingen  diese  doch  von  einer  Vielzahl  von  Faktoren  ab.  Die  Lage  könne  sich  innerhalb  kurzer  Zeit  dramatisch  verschlechtern.  Zudem  macht  er  geltend,  dass  seine  eigenen  Familienangehörigen selber  finanziell  nicht unabhängig,  sondern auf die  Unterstützung  von  Freunden  angewiesen  seien.  Seit  den  türkischen  Interventionen  habe  sich  die  Situation  seiner  Familie  nochmals  verschlechtert und diese könne aufgrund der Angriffe nicht an einem Ort  bleiben,  sondern  müsse  sich  immer  von  Neuem  eine  sichere  Bleibe  suchen. Unter diesen Umständen sei eine Wegweisung nach C._______  nach wie vor nicht zumutbar. Die Gefahr, dass er Opfer eines Anschlags  werde, sei gross. Zudem könne von einer unabhängigen wirtschaftlichen  Existenz  seinerseits  nicht  gesprochen  werden.  Auch  aus  familiären  Gründen  sei  eine  Rückkehr  in  den  Nordirak  nicht  zumutbar,  da  seine  Ehefrau  I._______,  die  in  Syrien  politisch  verfolgt  worden  und  in  den  Nordirak  geflüchtet  sei,  in  C._______  nicht  alleine  habe  leben  können,  weshalb  sie  in  der  Schweiz  um  Asyl  nachgesucht  habe.  Der  Beschwerdeführer  unterstreicht  seine  Vorbringen  mit  Zitaten  aus  verschiedenen Berichten aus dem Jahr 2007 über die Lage im Irak.

D­426/2008 4.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  sich  in  BVGE 2008/4  und  BVGE 2008/5  ausführlich  mit  der  Sicherheitslage  im  Nordirak  auseinandergesetzt.  Im  zweitgenannten  Urteil  befasste  es  sich  insbesondere mit der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  in  die  drei  kurdischen  Provinzen  des  Nordiraks.  Es  kam  zum  Schluss,  dass in den kurdischen Nordprovinzen keine Situation allgemeiner Gewalt  herrsche und die dortige politische Situation nicht dermassen angespannt  sei, als dass eine Rückführung dorthin als generell unzumutbar betrachtet  werden müsste (vgl. BVGE 2008/5 E. 7.5.8 S. 72 f.). Die Anordnung des  Wegweisungsvollzugs setze  jedoch voraus, dass die betreffende Person  ursprünglich  aus  der  Region  stammt  oder  eine  längere  Zeit  dort  gelebt  hat  und  über  ein  soziales  Netz  (Familie,  Verwandtschaft  oder  Bekanntenkreis)  oder  über  Beziehungen  zu  den  herrschenden  Parteien  verfügt.  Andernfalls  dürfte  eine  soziale  und wirtschaftliche  Integration  in  die kurdische Gesellschaft nicht gelingen, da der Erhalt einer Arbeitsstelle  oder  von Wohnraum  weitgehend  von  gesellschaftlichen  und  politischen  Beziehungen  abhängt.  Zusammenfassend  sei  die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  für  alleinstehende,  gesunde  und  junge  kurdische  Männer, die ursprünglich aus der Region stammen und dort nach wie vor  über  ein  soziales  Netz  oder  Parteibeziehungen  verfügen,  in  der  Regel  zumutbar. Für alleinstehende Frauen und für Familien mit Kindern, sowie  für  Kranke  und  Betagte  sei  bei  der  Feststellung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs grosse Zurückhaltung angebracht. Die  Sicherheitslage  in  den  drei  kurdischen  Provinzen  hat  sich  seit  Publikation  des  erwähnten  Urteils  nicht  verschlechtert,  im  Gegenteil.  In  der  überwiegenden  Mehrheit  der  Berichte  von  Regierungs­  und  Nichtregierungsorganisationen  sowie  des  UN­Sicherheitsrats  wird  eine  insgesamt stabile Situation beschrieben (vgl. statt vieler: AMT DES HOHEN  FLÜCHTLINGSKOMMISSARS DER VEREINTEN NATIONEN  [UNHCR], Note on  the  Continued  Applicability  of  the  April  2009  UNHCR  Eligibility  Guidelines  for  Assessing  the  International  Protection  Needs  of  Iraqi  Asylum­Seekers, Juli 2010, S. 2 ff.). Gegen  die  in  der  Rechtsmitteleingabe  des  Beschwerdeführers  dargestellte  unsichere  Lage  im Nordirak  spricht  das  Verhalten  seiner  Ehefrau, die – wie sich aus deren Akten ergibt – sich von (...) bis (...)  in  C._______  aufgehalten  habe.  Es  ist  nicht  davon  auszugehen,  sie  hätte  über  (...)  dort  gelebt,  falls  sie  konkret  gefährdet  gewesen wäre.  Wie der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde darlegt, suchte sie in  der  Schweiz  um  Asyl  nach,  weil  sie  in  C._______  nicht  alleine  habe 

D­426/2008 leben wollen. Von einer unsicheren, von Gewalt geprägten Lage ist  in  diesem Zusammenhang keine Rede. 4.5. Wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid vom 9. Januar 2008  bereits  in zutreffender Weise aus den Akten entnommen hat, wurde der  Beschwerdeführer  im  Iran  geboren  und  lebte  dort  bis  im  Jahre  (...).  Anschliessend  übersiedelte  er  mit  seiner  Familie  zusammen  in  den  Nordirak  und  lebte  bis  zu  seiner  Ausreise  in  B._______  in  der  Provinz  C._______,  wo  sich  eigenen  Angaben  zufolge  heute  noch  seine  Kernfamilie  aufhalte.  Ferner  arbeitete  er  über  ein  Jahr  bis  im  (...)  bei  seinem Onkel  als  (...). Es  kann daher  von einem bestehenden  sozialen  Beziehungsnetz  ausgegangen  werden,  das  den  Beschwerdeführer  bei  der  Reintegration  in  seinem  Heimatland  Unterstützung  geben  kann.  Soweit der Beschwerdeführer anführt,  seine Familie könne  ihn  finanziell  nicht unterstützen und müsse selber täglich ums Überleben kämpfen,  ist  entgegenzuhalten, dass angesichts der vorbestehenden Kontakte  in der  Provinz  C._______,  des  familiären  Rückhalts  und  seiner  Berufserfahrungen  davon  ausgegangen werden  kann,  dass  er  sich  aus  eigenen  Kräften  eine  (erneute)  selbstständige  Existenzgrundlage  wird  erarbeiten  können,  ohne  die  damit  allenfalls  verbundenen  Schwierigkeiten  verkennen  zu  wollen.  In  diesem  Zusammenhang  ist  anzuführen,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  kantonalen  Anhörung anführte, seiner Familie gehe es wirtschaftlich gut, sie würden  normal  leben  (vgl.  A8/20,  S.  6),  was  jedenfalls  der  Entgegnung  in  der  Beschwerdeschrift  widerspricht,  wonach  seine  Familie  schon  vor  der  türkischen  Intervention  stets  auf  die  Hilfe  von  Freunden  angewiesen  gewesen  sei  und  ums  Überleben  gekämpft  habe  (vgl.  Rechtsmitteleingabe  Ziffer  2.7).  Zudem  führte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  ergänzenden  Bundesanhörung  auf  die  Frage,  wie  sein  Vater  den  Lebensunterhalt  der  Familie  bestreite  aus,  sein  Vater  werde  von  dessen  Partei  unterstützt  und  manchmal  unterstütze  auch  er  (der  Beschwerdeführer) seinen Vater (vgl. A11/13, S. 3). Es entsteht aufgrund  dieser  früheren  Aussagen  des  Beschwerdeführers  der  Eindruck,  er  versuche  auf  Beschwerdeebene  die  finanzielle  Situation  seiner  Familie  dramatischer darzustellen, als sie  in Wirklichkeit  ist. An dieser Stelle sei  überdies  festgehalten,  dass die Vorinstanz  im angefochtenen Entscheid  davon  ausging,  dem  Beschwerdeführer  gelinge  der  (Wieder­)  Aufbau  einer  neuen  Existenz  grundsätzlich  aus  eigenen  Kräften,  wobei  Hilfeleistungen von  lokal  tätigen Hilfsorganisationen und Verwandten die  Wiedereingliederung  in  zusätzlicher  Weise  unterstützen  könnten.  Es  bestehen keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass es ihm nicht möglich 

D­426/2008 und zumutbar sein sollte, für den Lebensaufwand seiner Ehefrau und des  gemeinsamen  Kindes,  deren  Beschwerde  mit  Urteil  heutigen  Datums  ebenfalls abgewiesen wird, aufzukommen.  Demnach  sind  keine  individuellen Gründe  ersichtlich, welche  gegen  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  sprechen  könnten.  Die  Rückkehrhilfe  der  Schweiz  wird  ihm  den  Einstieg  in  seiner  Heimat  ebenfalls erleichtern können. Aus diesen Gründen kann der Vollzug der  Wegweisung auch als zumutbar bezeichnet werden. 4.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG, vgl. auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.). 5.  Nach  vorstehenden  Erwägungen  hat  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erklärt,  weshalb die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme zu bestätigen ist. Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 6.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG),  auf  insgesamt  Fr. 600.­ festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem  am  1. Februar  2008  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­426/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand:

D-426/2008 — Bundesverwaltungsgericht 19.08.2011 D-426/2008 — Swissrulings