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Bundesverwaltungsgericht 28.07.2011 D-4137/2011

28 luglio 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·661 parole·~3 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Juli 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4137/2011 law/bah/sed Urteil   v om   2 8 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli;   Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 5. Juli 2011 / N (…).

D­4137/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  am  19.  Mai  2011  in  der  Schweiz  um  Asyl  nachsuchte, nachdem er sich zuvor seit dem 19. Mai 2009 in Frankreich  aufgehalten  hatte, wo er  ein Asylgesuch gestellt  habe,  das abgewiesen  worden sei, dass  das BFM am 24. Mai  2011  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  die  Personalien  des  Beschwerdeführers  erhob,  ihn  summarisch zum Reiseweg und zu den Gründen  für das Verlassen des  Heimatlandes  befragte  und  ihm  gleichzeitig  das  rechtliche  Gehör  zur  allfälligen  Zuständigkeit  Frankreichs  für  die  Durchführung  seines  Asyl­  und Wegweisungsverfahrens gewährte, dass  der  Beschwerdeführer  beim  BFM  am  24.  Mai  2011  mehrere  Beweismittel abgab (act. A5/1,), dass  das  BFM  am  15.  Juni  2011  an  Frankreich  ein  Ersuchen  um  Aufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e der  Verordnung  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig ist (Dublin­II­VO) stellte, dass Frankreich diesem Ersuchen am 27. Juni 2011 zustimmte, dass das BFM mit Verfügung vom 5. Juli 2011 – eröffnet am 7. Juli 2011  – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  19.  Mai  2011  nicht  eintrat,  die  Wegweisung  nach  Frankreich  verfügte,  den  Beschwerdeführer  –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im Unterlassungsfall – aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  feststellte,  der  Kanton  B._______ sei verpflichtet, die Wegweisungsverfügung zu vollziehen, und  eine allfällige Beschwerde gegen die vorliegende Verfügung habe keine  aufschiebende  Wirkung,  und  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  undatierter  fremdsprachiger  Eingabe –  die  gemäss  Eingangsstempel  am  15.  Juli  2011  einging  –  an  das  BFM  gelangte,

D­4137/2011 dass das BFM diese Eingabe von Amtes wegen übersetzen und mit den  Verfahrensakten an das Bundesverwaltungsgericht  überweisen  liess, da  es sich um eine Beschwerde handle, dass die Eingabe mit den vorinstanzlichen Akten am 25. Juli 2011 beim  Bundesverwaltungsgericht eintraf (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Auffassung  der  Vorinstanz,  bei  der  undatierten  fremdsprachigen  Eingabe  handle  es  sich  um  eine  Beschwerde, in Anbetracht der beigelegten Übersetzung teilt, dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG  i.V.m. und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  im vorliegenden Beschwerdeverfahren einzig zu prüfen  ist, ob das  BFM  gestützt  auf  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten  ist und  infolgedessen die  Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird 

D­4137/2011 (Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass sich aus den Akten ergibt, dass der Beschwerdeführer in Frankreich  am 29. Mai  2009 daktyloskopisch und entsprechend  in  der EURODAC­ Datenbank erfasst worden ist, dass  das  BFM  bei  dieser  Sachlage  und  der  seitens  Frankreichs  innert  Frist  beantworteten  (Art.  18  Abs.  1  Dublin­II­VO),  gestützt  auf  Art.  10  Abs. 1  i.V.m.  Art.  16  Abs.  1  Bst.  e  Dublin­II­VO  erfolgten  Anfrage  um  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  vom  15.  Juni  2011,  Frankreich  zu  Recht  als  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  zuständig  erachtet  hat, dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Eingabe  geltend macht,  er  könne  wegen seiner politischen Arbeit für die "Liberation Tigers of Tamil Eelam"  (LTTE)  nicht  in  seine  Heimat  zurückkehren  und  Frankreich  habe  sein  Asylgesuch abgelehnt, dass  damit  keine  Gründe  vorliegen,  die  einen  Selbsteintritt  des  BFM  gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO nahegelegt hätten, da Frankreich unter  anderem  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  und  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist und keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  dass  Frankreich  seine  ihm  daraus  erwachsenden Verpflichtungen generell oder in Bezug auf die Person des  Beschwerdeführers nicht einhalte, dass an dieser Auffassung auch die beiden am 20. Juli 2011 an das BFM  gesendeten Bestätigungen des "North East Secretariat on Human Rights 

D­4137/2011 – NESoHR" vom 20. Mai 2011 und von "Lankadissent" vom 3. Juli 2011  nichts zu ändern vermögen, dass  der  sinngemässe  Antrag  des  Beschwerdeführers,  er  sei  zu  einer  Anhörung  zu  seinen Asylgründen  einzuladen,  abzuweisen  ist,  da  es  im  vorliegenden Verfahren einzig  um die Feststellung der Zuständigkeit  für  das Asyl­ und allfällige Folgeverfahren geht, dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht, dass es sich beim Dublin­Verfahren um ein Überstellungsverfahren in den  für die Prüfung des Asylgesuches zuständigen Staat handelt,  dass  deshalb  das  Fehlen  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  gestützt  auf  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  erfolgenden  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  der  zur  Publikation  vorgesehene  BVGE E­5644/2009 vom 31. August 2010 E. 10.2),  dass mithin allfällige völkerrechtliche und humanitäre Vollzugshindernisse  im  Rahmen  der  eventuellen  Anwendung  der  sogenannten  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  i.V.m.  Art.  29a  Abs.  3  AsylV1) zu prüfen sind, und folglich kein Raum für Ersatzmassnahmen im  Sinne von Art. 44 Abs. 2 i.V.m. Art. 83 Abs. 1­4 des Bundesgesetzes vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 142.20) besteht, dass  in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung nach  Frankreich zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 

D­4137/2011 rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG).

D­4137/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand:

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