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Bundesverwaltungsgericht 22.12.2011 D-3961/2009

22 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,160 parole·~11 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Mai 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3961/2009 Urteil   v om   2 2 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, vertreten durch Guido Ehrler, Advokat,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 29. Mai 2009 / N (…).

D­3961/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  seinen  Heimatstaat  am  1. Januar  2008  und  hielt  sich  in  der  Folge  zunächst  in  Äthiopien  und  anschliessend  im  Sudan  auf,  bevor  er  über  Libyen  nach  Italien  (Sizilien)  reiste. Am 12. Dezember 2008 gelangte er  illegal  in die  Schweiz, wo er am 16. Dezember 2008 um Asyl nachsuchte. Der  Abgleich  der  Fingerabdrücke  des  Beschwerdeführers  mit  der  EURODAC­Datenbank ergab, dass er am  (…) 2008 auf B._______ von  den italienischen Behörden daktyloskopisch erfasst worden war. Am  6. Januar  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______  zu  seinen  Personalien  sowie –  summarisch  –  den  Asylgründen  befragt.  Gleichzeitig  wurde  ihm  das  rechtliche Gehör  zur mutmasslichen  Zuständigkeit  Italiens  für  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  gewährt.  Der  Beschwerdeführer  gab  dazu  an, er wolle nicht nach  Italien,  sondern sein Asylgesuch  in der Schweiz  stellen.  In  Italien  seien  ihm  die  Fingerabdrücke  ohne  seine Einwilligung  abgenommen worden beziehungsweise er habe dies machen müssen. B.  Mit Verfügung vom 29. Mai 2009 – eröffnet am 12. Juni 2009 –  trat das  BFM  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31) nicht ein und ordnete die Wegweisung nach Italien sowie den  Vollzug  an.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Aushändigung  der  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  an  den  Beschwerdeführer  und  stellte  fest,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. Zur  Begründung  führte  das  Bundesamt  an,  die  daktyloskopischen  Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer am (…) 2008 in  "D._______"  daktyloskopiert  worden  sei.  Gemäss  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG werde auf ein Asylgesuch nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in  einen  Drittstaat  ausreisen  könnten,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  zuständig  sei.  Gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten 

D­3961/2009 Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA],  SR 0.142.392.68)  und  das  Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island  und  dem  Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung  des  Schengen­Besitzstands  und  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  (Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004,  SR 0.362.32)  sei  Italien  für  die Durchführung des Asyl­ und Wegweisungsverfahrens zuständig, und  die  italienischen  Behörden  hätten  dem  Gesuch  um  Aufnahme  des  Beschwerdeführers am 22. April 2009 zugestimmt. Der Beschwerdeführer  habe  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  erklärt,  er  wolle  nicht  nach  Italien. Da er in Italien – so das BFM weiter – Schutz vor Rückführung im  Sinne  von  Art. 5  Abs. 1  AsylG  fände,  sei  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich des Heimat­ und Herkunftsstaats nicht  zu prüfen. Schliesslich  beständen  keine  Hinweise  darauf,  dass  im  Falle  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers nach  Italien Art. 3 der Konvention vom 4. November  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR  0.101)  verletzt  würde.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Italien  sei  zulässig, zumutbar und möglich. C.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  19. Juni  2009  (Telefax­Übermittlung  und  Poststempel)  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht  erheben, mit welcher  er  in  materieller  Hinsicht  beantragte,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  die  Behandlung  des  Asylgesuchs  fortzusetzen.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  mittels  superprovisorischer  oder  provisorischer  Verfügung,  um  Anweisung  der  kantonalen  Behörde,  die  Vollzugsbemühungen  seien  sofort  einzustellen  sowie  (eventualiter) um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  diverse  Beweismittel  ein,  unter  anderem  Berichte  von  Amnesty  International,  Human Rights Watch und des UNHCR zur Situation von Flüchtlingen  in  Libyen sowie zu einem Abkommen zwischen  Italien und Libyen. Auf die  Begründung  der  Rechtsbegehren  sowie  die  eingereichten  Beweismittel 

D­3961/2009 wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen. D.  Mit  Verfügung  vom  25. Juni  2009  setzte  der  Instruktionsrichter  den  Vollzug der Wegweisung – bis zu anderslautender Verfügung – aus. E.  In  der  Folge  wurde  das  BFM  mit  Verfügung  vom  7. Juli  2009  zur  Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. F.  Nachdem  das  Amt  für Migration  E._______ mit  Schreiben  vom  24. Juli  2009  mitgeteilt  hatte,  der  Beschwerdeführer  sei  seit  dem  3. Juli  2009  verschwunden,  räumte  der  Instruktionsrichter  dem  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers mit  Zwischenverfügung  vom 30. Juli  2009  eine  Frist  bis  10. August  2009  ein,  um den Aufenthaltsort  des Beschwerdeführers  bekannt  zu  geben  und  eine  aktuelle,  vom  Beschwerdeführer  unterzeichnete Erklärung einzureichen, aus welcher ein  fortbestehendes  Rechtsschutzinteresse hervorgeht. G.  Die  Vorinstanz  beantragte mit  ihrer  Vernehmlassung  vom  30. Juli  2009  die Abweisung der Beschwerde. H.  Mit  Eingabe  vom  10. August  2009  teilte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mit,  der  Beschwerdeführer  habe  weiterhin  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Weiterführung  des  Asylverfahrens.  Gleichzeitig  reichte  er  eine  vom  Beschwerdeführer  unterzeichnete  "Mitteilung  zu  Handen  des  Bundesverwaltungsgerichts"  ein,  worin  ausgeführt  wird,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  aus  Angst  vor  einer  Ausschaffung bei Freunden in der Schweiz aufgehalten, werde jedoch in  das zuständige Asylheim zurückkehren. I.  Die  vorinstanzliche  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  zur  Kenntnis gebracht. Mit  Eingabe  vom  22. November  2011  teilte  der  Rechtsvertreter  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit,  die  kantonalen  Behörden  gingen  davon 

D­3961/2009 aus,  dass  Italien  nicht  mehr  bereit  sei,  den  Beschwerdeführer  zurückzunehmen und er deshalb  in der Schweiz  vorläufig aufzunehmen  sei. Er bitte deshalb um umgehenden Entscheid. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Eine solche Ausnahmekonstellation liegt nicht vor, weshalb  das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Im  Falle  von  Beschwerden  gegen Nichteintretensentscheide, mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32  ­  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  des 

D­3961/2009 Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob  das  BFM  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist.  Die  Beschwerdeinstanz enthält  sich einer  selbständigen materiellen Prüfung  und  weist  die  Sache  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurück  (vgl.  dazu  BVGE  2007/8  E.  2.1  mit  weiterem  Hinweis).  Da  die  Vorinstanz  die Frage der Wegweisung und des Vollzugs materiell  prüft,  kommt dem Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich grundsätzlich  volle  Kognition  zu,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheides  stellen  (vgl.  BVGE  2010/45 E. 8.2.3 und 10.2). 4.  Zunächst  ist  auf  die  in  der  Beschwerdeschrift  erhobenen  formellen  Einwände einzugehen. 4.1.  Der  Beschwerdeführer  macht  geltend,  das  Bundesamt  habe  sich  nicht  zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts  der Schweiz  gemäss Art. 3  Abs. 2  der  Verordnung  (EG)  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrags  zuständig  ist,  den  ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mitgliedstaat gestellt hat  (Dublin­II­Verordnung  [Dublin­II­VO]),  geäussert  und  damit  seine  Begründungspflicht verletzt. 4.2.  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  wird  durch  Art.  29­33  VwVG  konkretisiert.  Demnach  umfasst  dieser  Anspruch  als  Teilaspekte  einen  Anspruch  der  Parteien  auf  vorgängige  Anhörung  durch  die  Behörde  (Art. 30  und  30a  VwVG),  auf  Anhörung  in  Bezug  auf  erhebliche  Vorbringen  einer  Gegenpartei  (Art.  31  VwVG),  auf  Prüfung  eigener  erheblicher  Vorbringen  durch  die  Behörde  (Art. 32  VwVG)  sowie  auf  Abnahme  der  angebotenen  und  tauglichen  Beweise  durch  die  Behörde  (Art. 33 VwVG). Antworten auf die Frage, welche spezifischen Teilgehalte  der Anspruch des rechtlichen Gehörs im Einzelnen umfasse, können sich  darüber  hinaus  auch  unmittelbar  aus  dem  übergeordneten  Verfassungsrecht in Gestalt des Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101)  ergeben.

D­3961/2009 Der  mit  Grundrechtsqualität  ausgestattete  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  im  Sinne  von  Art. 29  Abs. 2  BV  umfasst  unbestrittenermassen  eine  Anzahl  verschiedener  verfassungsrechtlicher  Verfahrensgarantien  (vgl.  aus  der  Literatur  MICHELE  ALBERTINI,  Der  verfassungsmässige  Anspruch auf  rechtliches Gehör  im Verwaltungsverfahren des modernen  Staates,  Bern  2000,  S. 202 ff.;  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl.,  Zürich/Basel/Genf/St. Gallen  2006,  S. 360 ff.;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,  2. Aufl., Zürich 1998, S. 46, 107 ff.; MARKUS SCHEFER, Grundrechte in der  Schweiz, Bern 2005, S. 285 ff.). Zunächst – und für die Prozessparteien  regelmässig  im  Vordergrund  stehend  –  gehört  dazu  das  Recht  auf  vorgängige  Äusserung  und  Anhörung,  welches  den  Betroffenen  einen  Einfluss  auf  die  Ermittlung  des  wesentlichen  Sachverhaltes  sichert.  Unerlässliches  Gegenstück  der  Mitwirkungsrechte  der  Parteien  bildet  ausserdem als weiterer Teilgehalt des rechtlichen Gehörs die Pflicht der  Behörden,  die  Vorbringen  der  Betroffenen  sorgfältig  und  ernsthaft  zu  prüfen  und  in  der  Entscheidfindung  zu  berücksichtigen;  daraus  folgt  schliesslich  auch  die  in  Art. 35  Abs. 1  VwVG  gesetzlich  niedergelegte  grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen (BGE  123 I 31 E. 2c; vgl. REINHOLD HOTZ, St. Galler Kommentar zu Art. 29 BV,  Rz. 34  ff.;  KÖLZ/HÄNER,  a.a.O.,  S. 119;  SCHEFER,  a.a.O.,  S. 300 ff.).  Die  Begründung eines Entscheids soll der betroffenen Person die Tatsachen  und  Rechtsnormen  zur  Kenntnis  bringen,  die  für  die  entscheidende  Behörde  massgeblich  waren.  Damit  soll  der  Adressat  des  Entscheids  ausserdem  in  die  Lage  versetzt  werden,  den  Entscheid  sachgerecht  anzufechten  (vgl.  FELIX  UHLMANN/ALEXANDRA  SCHWANK,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  VwVG,  Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 35, N 10, 17). 4.3. Es trifft zu, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung nicht  begründete, weshalb ihrer Ansicht nach das Selbsteintrittsrecht nicht zum  Tragen komme. Aus den vorinstanzlichen Akten ergaben sich allerdings  für  das  BFM  auch  keine  konkreten,  sich  auf  den  Fall  des  Beschwerdeführers  beziehende  Hinweise,  welche  die  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  nahegelegt  hätten.  Entsprechend  konnte  die  Vorinstanz  auf  entsprechende  Ausführungen  verzichten,  ohne  die  Begründungspflicht  zu  verletzen.  Im  Weiteren  impliziert  der  Nichteintretensentscheid  durch  das  Bundesamt,  dass  kein  Anlass  für  einen Selbsteintritt der Schweiz bestand, womit der Begründungspflicht – 

D­3961/2009 auch  in  Berücksichtigung  der  nachstehend  behandelten  Rügen –  vorliegend Genüge getan ist. Entgegen  der  auf  Beschwerdeebene  vertretenen Auffassung  ergibt  sich  nach  Ansicht  des  Bundesverwaltungsgerichts  aus  dem  Hinweis  auf  die  deutsche  und  österreichische  Rechtspraxis,  welche  aus  Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  unter  bestimmten  Voraussetzungen  eine  Pflicht  zum  Selbsteintritt  ableitet  beziehungsweise  daraus  eine  ins  innerstaatliche  Recht  transformierte, unmittelbar anwendbare Norm erkennt, noch keine  Pflicht  für  die  schweizerische  Rechtspraxis,  sich  der  rechtlichen  Umsetzung beziehungsweise Qualifikation der erwähnten Norm durch die  Nachbarstaaten  anzugleichen.  Gemäss  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichtes  wird  Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  gegenteils  als  nicht  direkt  anwendbar  erachtet  (vgl.  BVGE  2010/45 E. 5).  Ferner –  selbst wenn eine solche Pflicht für die schweizerischen Behörden erkannt  werden  müsste,  könnten  daraus  keine  Rückschlüsse  für  die  Begründungsdichte  eines  Entscheids  in  Bezug  auf  die  Ausübung  oder  Nichtausübung eines solchen Selbsteintritts gezogen werden. 4.4.  Eine  weitere  Verletzung  seines  Anspruches  auf  rechtliches  Gehör  sieht  der  Beschwerdeführer  darin,  dass  er  sich  nach  Vorliegen  der  Zustimmung Italiens zu seiner Rückübernahme nicht mehr habe äussern  können. Dem  Beschwerdeführer  wurde  –  wie  er  selber  anerkennt  –  anlässlich  seiner  Befragung  vom  6. Januar  2009  die  Möglichkeit  eingeräumt,  allfällige  gegen  eine  Zuständigkeit  Italiens  sprechende  Gründe  vorzutragen. Damit wurde er über eine mögliche Zuständigkeit Italiens in  Kenntnis gesetzt und es wurde  ihm dazu das  rechtliche Gehör gewährt.  Durch die Zustimmung der  italienischen Behörden  zur Überstellung des  Beschwerdeführers ergab sich für  ihn keine neue Sachlage, weshalb  für  die  Vorinstanz  auch  kein  Anlass  bestand,  ihm  eine  weitere  Äusserungsmöglichkeit  einzuräumen.  Dem  Gehörsanspruch  in  Hinblick  die  Zuständigkeit  Italiens  wurde  durch  die  vorgängige  Äusserungsmöglichkeit  des  Beschwerdeführers  genügend  Rechnung  getragen. 5.   5.1.  Auf  Asylgesuche  wird  in  der  Regel  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die 

D­3961/2009 Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG). 5.2. Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer am (...) 2008  in  B._______  von  den  italienischen  Behörden  daktyloskopisch  erfasst  worden ist. Nach eigenen Angaben hielt er sich in der Folge bis zu seiner  Einreise  in die Schweiz  immer  in  Italien auf. Die  italienischen Behörden  stimmten sodann in Beantwortung der Anfrage des BFM vom 17. Februar  2009  am  22. April  2009  der  Aufnahme  des Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art. 16  Abs. 1  Bst. e  Dublin­II­VO  zu.  Damit  ist  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG ohne Weiteres gegeben. Soweit  auf  Beschwerdeebene  geltend  gemacht  wird,  in  Italien  drohe  Flüchtlingen die direkte Abschiebung nach Libyen,  ist  festzuhalten, dass  das Abkommen zwischen Libyen und Italien vom 10. Juni 2009 – sofern  es  zur  Zeit  aufgrund  der  Ereignisse  in  Libyen  überhaupt  noch  angewendet  wird  –  nicht  Personen  betrifft,  welche  sich  bereits  im  europäischen  Raum  befinden,  weshalb  der  Beschwerdeführer  diesbezüglich nichts zu befürchten hat  (vgl.  zum Abkommen ausführlich  Human  Rights  Watch:  Pushed  Back,  Pushed  Around;  Italy's  Forced  Return  of  Boat  Migrants  and  Asylum  Seekers,  Libya's  Mistreatment  of  Migrants and Asylum Seekers; 21. September 2009). Weiter  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  Italien unter  anderem Signatarstaat  der EMRK, des Abkommens vom 28.  Juli  1951 über die Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  und  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder erniedrigende Behandlung oder Strafe  (FoK, SR 0.105)  ist. Zudem  kann auch auf die spezifischen völkerrechtlichen Verpflichtungen Italiens  bezüglich  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  verwiesen  werden,  namentlich  die  EU­Richtlinie  2003/9/EG  vom  27. Januar  2003  zur  Festlegung von Mindestnormen  für die Aufnahme von Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten,  zu  deren  Durchsetzung  die  EU­Länder  auch  entsprechende  Rechtsmittel  vorzusehen  haben  (vgl.  Art.  21  der  sogenannten  Aufnahmerichtlinie).  Es  bestehen  vorliegend  keine  glaubhaften  Hinweise  darauf,  Italien  würde  sich  im  Falle  des  Beschwerdeführers  nicht  an  die  aus  diesen  Übereinkommen  resultierenden Verpflichtungen,  insbesondere das Rückschiebungsverbot  oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten. Gemäss Kenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  nehmen  sich  zudem  neben  staatlichen 

D­3961/2009 Behörden  auch  private  Hilfsorganisationen  Dublin­Rückkehrender  an.  Zwar  können Asylsuchende  in  Italien bei  der Unterkunft,  der Arbeit  und  dem  Zugang  zu  medizinischer  Infrastruktur  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein.  Entscheidend  ist  jedoch,  dass  Italien  –  wie  eben  dargelegt –  Signatarstaat  der  FK,  der  EMRK  und  der  FoK  ist  und  keine  konkreten  Hinweise dafür  bestehen,  das Land werde  sich nicht  an die aus diesen  Übereinkommen  resultierenden  Verpflichtungen  halten.  Ausserdem  stünde dem Beschwerdeführer die Möglichkeit offen, sich mit Hilfe einer  Rechtsberatungsstelle  einer  italienischen  Hilfsorganisation  in  Italien  gegen  eine  allfällige  Nichteinhaltung  der  gemäss  Aufnahmerichtlinie  geltenden  Mindeststandards  zur  Wehr  zu  setzen.  Unter  diesen  Umständen  sind  daher  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich,  der Beschwerdeführer würde im Falle einer Rückkehr nach Italien in eine  existenzbedrohende Notlage geraten, zumal es sich bei ihm gemäss den  Akten  nicht  um  eine  verletzliche  Person,  sondern  vielmehr  um  einen  jungen, gesunden Mann handelt. Schliesslich  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  gemäss  Zustimmungserklärung  der  italienischen  Behörden  nach  der  Überstellung  in Palermo wird melden müssen. Die Behauptungen  in der  Beschwerdeschrift,  wonach  im  damaligen  Zeitpunkt  Asylsuchende  von  Lampedusa  nicht  mehr  auf  das  italienische  Festland  verbracht  worden  seien,  erweist  sich  damit  als  irrelevant.  Ebenso  erübrigen  sich  Ausführungen  zu  der  auf  Beschwerdeebene  dargelegten  Situation  von  Flüchtlingen in Libyen. Angesichts  der  gesamten  Umstände  sind  keine  Gründe  ersichtlich,  die  eine  Veranlassung  zu  einem  Selbsteintritt  unter  dem  Aspekt  von  Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  geboten  hätten.  Das  BFM  ist  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers nicht eingetreten. 6.   6.1.  Das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  hat  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Vorliegend  ist  keine  Ausnahme  von  diesem  Grundsatz  ersichtlich  (vgl.  BVGE 2009/50 E. 9). In Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ist die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheids  (vgl.  BVGE  2010/45  E.  10.2).  Auf  die  Frage  einer  drohenden  Verletzung  des  Non­Refoulement­Gebots  muss  daher 

D­3961/2009 an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden; es kann auf das oben  unter E. 5.2. Gesagte verwiesen werden. 6.2.  Weiter  stellt  sich  die  Frage  nach  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht  unter  dem  Aspekt  von  Art.  83  Abs.  1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20),  sondern  ebenfalls  vor  der  Prüfung  des  Nichteintretens  im  Rahmen des Selbsteintrittsrechts (vgl. Art. 29a der Asylverordnung 1 vom  11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV  1,  SR  142.311])  oder  gegebenenfalls – sofern sich Familienmitglieder in verschiedenen Dublin­ Staaten  befinden  und  allenfalls  zusammengeführt  werden  sollten  –  bei  der  Ausübung  der  sogenannten  Humanitären  Klausel  (Art. 15  Dublin­II­ VO). Im vorliegenden Fall steht dies nicht zur Diskussion. Beizufügen ist,  dass  die  Anordnung  von Ersatzmassnahmen  (die  vorläufige  Aufnahme)  respektive  die  Feststellung  von  diesen  zugrundeliegenden  Vollzugshindernissen  der  Wegweisung  in  den  Heimatstaat  auch  nicht  Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sein kann. 6.3.  Nach  dem  Gesagten  ist  die  Überstellung  des  Beschwerdeführers  nach Italien zu bestätigen. 7.  Der  Vollständigkeit  halber  ist  im  Hinblick  auf  die  Überstellungsfrist  festzuhalten,  dass  gemäss  Art. 20  Abs. 1  Bst. d  Dublin­II­VO  die  Überstellung  grundsätzlich  spätestens  innerhalb  einer  Frist  von  sechs  Monaten  nach  der  Annahme  des  Antrags  auf  Wiederaufnahme  zu  erfolgen hat. Eine Ausnahme ist jedoch für den Fall vorgesehen, dass der  Rechtsbehelf  (vorliegend: Beschwerde vom 19. Juni 2009), über den zu  entscheiden  ist,  aufschiebende Wirkung hat. Ein Rechtsbehelf  hat  dann  aufschiebende  Wirkung,  wenn  gemäss  den  nationalen  Vorschriften  die  Durchführung  des  Überstellungsverfahrens  ausgesetzt  wird  (vgl.  Urteil  des  Europäischen  Gerichtshofes  [EuGH]  vom  29. Januar  2009  i.S.  Migrationsverket  [Schweden]  /  Petrosian,  C­19/08).  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  im  vorliegenden  Fall  den  Vollzug  der  Wegweisung und damit die Überstellung in den zuständigen Mitgliedstaat  mit Verfügung vom 25. Juni 2009 im Sinne von Art. 56 VwVG ausgesetzt,  was  gemäss  Dublin­II­VO  zu  einer  Unterbrechung  der  regulären  Vollzugsfrist  führt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­ 2452/2010  vom  2. September  2010  E. 4.4;  zur  Erteilung  der 

D­3961/2009 aufschiebenden Wirkung:  BVGE  2010/27  E.  7.2.1).  Die  sechsmonatige  Überstellungsfrist beginnt damit ab Urteilsdatum neu zu laufen. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  Mit  dem  vorliegenden  Entscheid  (und  angesichts  der  vom  Instruktionsrichter  verfügten  vorsorglichen  Aussetzung  des  Vollzugs  der  Wegweisung)  werden  die  Anträge  auf  Wiederherstellung  der  aufschiebenden Wirkung der Beschwerde mittels superprovisorischer und  provisorischer  Verfügung  und  Verzicht  auf  Vollzugshandlungen  gegenstandslos. Ausführungen zur Thematik der grundsätzlich gesetzlich  nicht  vorgesehenen  aufschiebenden  Wirkung  von  Beschwerden  in  Verfahren gemäss Dublin (Art. 107a AsylG) und der Vereinbarkeit dieser  gesetzlichen Regelung mit Art. 13 EMRK erübrigen sich somit. 10.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Nachdem  die  Beschwerde  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet  werden  musste  und  von  der  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen  ist,  ist  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  gutzuheissen  (vgl.  Art. 65  Abs. 1  VwVG),  und  es  sind  demnach  keine  Verfahrenskosten zu erheben.  Der Beschwerdeführer beantragte überdies, es sei ihm ein unentgeltlicher  Rechtsbeistand  zu  bewilligen.  Für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  gemäss  Art. 65  Abs. 2  VwVG  ist  ausschlaggebend,  ob  die  Partei  zur  Wahrung  ihrer  Rechte  notwendigerweise  der  professionellen  juristischen  Hilfe  eines  Anwaltes  bedarf (vgl. dazu BGE 122 I 49 E. 2c S. 51 ff.; BGE 120 Ia 43 E. 2a S. 44  ff.). Die bedürftige Partei hat Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung,  wenn  ihre  Interessen  in  schwerwiegender Weise  betroffen  sind  und der  Fall  in  tatsächlicher  und  rechtlicher  Hinsicht  Schwierigkeiten  bietet,  die  den  Beizug  eines  Rechtsvertreters  erforderlich  machen.  Droht  das  in  Frage  stehende  Verfahren  besonders  stark  in  die  Rechtsposition  der  betroffenen Person einzugreifen,  ist die Bestellung eines unentgeltlichen 

D­3961/2009 Rechtsvertreters  grundsätzlich  geboten,  sonst  nur  dann,  wenn  zur  relativen  Schwere  des  Falles  besondere  tatsächliche  oder  rechtliche  Schwierigkeiten hinzukommen, denen der Gesuchsteller auf  sich alleine  gestellt  nicht  gewachsen  wäre  (BGE  130  I  180  E. 2.2  S. 182).  In  Verfahren  wie  dem  vorliegenden,  welche  vom  Untersuchungsgrundsatz  beherrscht  sind,  sind  strenge  Massstäbe  an  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  anzusetzen  (vgl.  EMARK  2000  Nr. 6 sowie BGE 122  I 8 E. 2c S. 10).  Im Asylverfahren sind besondere  Rechtskenntnisse  zur  wirksamen  Beschwerdeführung  im  Regelfall  nicht  unbedingt  erforderlich,  weshalb  praxisgemäss  nur  in  Verfahren  ein  amtlicher Anwalt oder eine amtliche Anwältin eingesetzt wird, bei denen  in  rechtlicher  oder  tatsächlicher  Hinsicht  erhöhte  Schwierigkeiten  bestehen.  Für  das  vorliegende Verfahren  ist  zu  beachten,  dass  es  sich  um  ein  Zuständigkeitsverfahren  handelt,  welchem  nicht  dieselbe  Tragweite  zukommt  wie  bei  einem  materiellen  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren. Es wird nicht über die Flüchtlingseigenschaft und  die Asylgewährung eines Gesuchstellers entschieden, sondern einzig der  zuständige  Staat  für  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  bestimmt.  Hinzu  kommt,  dass  das  vorliegende  Verfahren  weder  in  tatsächlicher  noch  in  rechtlicher  Hinsicht  besonders  komplex  erscheint.  Dies  insbesondere vor dem Hintergrund, dass die grundsätzliche Zuständigkeit  Italiens unbestritten blieb, die italienischen Behörden der Übernahme des  Beschwerdeführers explizit zustimmten und deshalb keine Anhaltspunkte  dafür  bestanden,  dass  dem  Beschwerdeführer  der  Zugang  zu  einem  Asylverfahren in Italien verwehrt würde und ihm eine Rückschaffung nach  Libyen drohte. Hinzu kommt, dass auch die persönlichen Umstände des  Beschwerdeführers die Notwendigkeit einer anwaltlichen Verbeiständung  nicht  notwendig  erscheinen  lassen.  So  handelt  es  sich  um  einen  gesunden,  jungen Mann, welcher nach eigenen Angaben  im Heimatland  eine  gute  Ausbildung  genoss  (12  Schuljahre,  2  Jahre  Studium,  anschliessende  (…)tätigkeit  [vgl.  A1/11  S. 2]).  Es  kann  ohne  weiteres  davon  ausgegangen  werden,  der  Beschwerdeführer  vermöchte  die  ihm  zustehenden Rechte  gegenüber  den  italienischen  Behörden  –  allenfalls  mit  Hilfe  der  in  Italien  vorhandenen  Beratungsstellen  –  geltend  zu  machen.  Schliesslich  bleibt  darauf  hinzuweisen,  dass  zahlreiche  im  Asylbereich  tätige  Hilfswerke  und  Beratungsstellen  mannigfaltig  weitergehende  Leistungen  –  unter  anderem  auch  die  weitgehend  kostenlose  (bzw.  zumindest  nicht  von  Vorschussleistung  an  die  Mandatäre abhängige) Verbeiständung durch sachkundige Personen und  Übersetzungsdienste  –  anbieten  (vgl.  EMARK  2001  Nr. 11  E.  6.b.bb.  S. 87).  Insgesamt  ist die Notwendigkeit  der anwaltlicher Verbeiständung 

D­3961/2009 im  vorliegenden  Fall  zu  verneinen,  weshalb  das  Gesuch  um  unentgeltliche Rechtsverbeiständung  im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG  abzuweisen ist. (Dispositiv nächste Seite)

D­3961/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  wird  gutgeheissen.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten erhoben. 3.  Das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art. 65 Abs. 2 VwVG wird abgewiesen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

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