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Bundesverwaltungsgericht 29.07.2011 D-3298/2011

29 luglio 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,305 parole·~7 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Revision gegen Urteil des BVGer vom 7. Juni 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3298/2011 Urteil   v om   2 9 .   Juli   2011 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Thomas Wespi; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.______ geboren am (…) Eritrea, vertreten durch lic. iur. Claudia Tamuk, Caritas Schweiz (…) Gesuchsteller, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom  7. Juni 2011 / D________ Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­ Verfahren);  Verfügung des BFM vom 20. Mai 2011 / N________

D­3298/2011 Das Bundesverwaltungsgericht, In Anwendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110), des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), der  Asylverordnung  I  über  Verfahrensfragen  vom  11.  August  1999  (AsylV 1, SR 142.311), des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2), der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention,  EMRK,  SR 0.101), der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig ist (Dublin­II­VO), stellt fest,  dass der Gesuchsteller am 15. März 2011 in der Schweiz ein Asylgesuch  stellte, 

D­3298/2011 dass er anlässlich der Befragung im B.______ vom 21. März 2011 unter  anderem  angab,  aus  Eritrea  zu  stammen,  seinen  Heimatstaat  im  (…)  Desertion aus dem Militär verlassen zu haben und über den Sudan und  Libyen im Juni 2003 nach Italien gereist zu sein,  dass  er  in  Italien  um  Asyl  ersucht  habe  und  ihm  eine  humanitäre  Aufenthaltsbewilligung, gültig bis 2012, erteilt worden sei, mit der er sich  bis zum 15. März 2011 in Italien aufgehalten habe (vgl. BFM­Protokoll A5  S. 7), dass  er  das  im  Zusammenhang  mit  der  Aufenthaltsbewilligung  ausgestellte Identitätsdokument verloren habe (vgl. A5 S. 7),  dass  der  Gesuchsteller  die  Frage,  ob  er  in  anderen  Staaten  um  Asyl  ersucht habe,  verneinte mit der ergänzenden Bemerkung, nur  in  Italien,  wo ihm Asyl gewährt worden sei, und in der Schweiz (vgl. A5 S. 7), dass  er  im Weiteren  angab,  im  Juni  2008  sei  er  in  den Sudan  an  eine  Hochzeit eines Freundes gereist, wo er die äthiopische Staatsangehörige  C.______  (…)  kennengelernt  und  mit  ihr  eine  Liebesbeziehung  gehabt  habe (vgl. A5 S. 4), dass  ihm  C._______  drei  Monate  nach  seiner  Rückkehr  nach  Italien  mitgeteilt  habe,  schwanger  zu  sein,  worauf  der  Kontakt  unfreiwillig  abgebrochen sei, dass  er  schliesslich  durch  einen Bekannten  seines  Freundes  im Sudan  erfahren  habe,  dass  sich  C._______  mit  ihrer  Tochter  in  der  Schweiz  aufhalte, dass  er  ohne  Kenntnis  des  genauen  Aufenthaltsorts  und  weiterer  Informationen zu seiner mutmasslichen Tochter am 15. März 2011 in die  Schweiz gereist sei,  dass das BFM gestützt auf diese Aussagen und den Eurodac­Treffer vom  (…) und (…) dem Gesuchsteller das rechtliche Gehör zu einer allfälligen  Wegweisung nach Italien gewährte, dass  der  Gesuchsteller  angab,  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Italien  bestünden  für  ihn  keine  Hindernisse,  doch  sei  er  in  die  Schweiz  gekommen,  um  mit  C._______und  seiner  mutmasslichen  Tochter  zusammen zu sein, 

D­3298/2011 dass  die  italienischen  Behörden  das  Ersuchen  des  BFM  vom  4.  April  2011 um Wiederaufnahme des Gesuchstellers unbeantwortet liessen, dass das BFM mit Verfügung vom 20. Mai 2011  in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Gesuchstellers vom 15.  März 2011 nicht eintrat und die Wegweisung nach Italien anordnete,  dass  es  dabei  unter  anderem  festhielt,  der  Gesuchsteller  habe  zwar  angegeben,  in  die  Schweiz  gekommen  zu  sein,  um mit  seiner  Tochter  zusammen zu sein, sich indessen seiner Vaterschaft nicht sicher sei und  weder  die  genaue  Identität  der  mutmasslichen  Tochter  noch  ihren  Aufenthaltsort kenne, dass gleichzeitig  festgestellt wurde, einer allfälligen Beschwerde komme  keine aufschiebende Wirkung zu (Art. 107a AsylG), dass  der  Gesuchsteller  mit  Eingabe  vom  27.  Mai  2011  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde  erhob  und  beantragte,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  zwecks  weiterer  Abklärung  des  Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen,  dass  in prozessualer Hinsicht die Erteilung der aufschiebenden Wirkung  sowie  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG beantragt wurden, dass  in  der  Beschwerdeschrift  ausgeführt  wird,  es  stehe  nicht  fest,  welchen  Aufenthaltsstatus  der  Gesuchsteller  in  Italien  habe,  sei  doch  zwar  anlässlich  der  Erstbefragung  vom  (…)  protokolliert  worden,  dem  Gesuchsteller  sei  in  Italien  der  Flüchtlingsstatus  gewährt  worden,  der  Gesuchsteller  indessen  der  Rechtsvertreterin  gegenüber  erklärt  habe,  seine  diesbezüglichen  Erklärungen  seien  nicht  korrekt  wiedergegeben  worden,  habe  er  doch  in  Italien  lediglich  eine  humanitäre  Aufenthaltsbewilligung erhalten,  dass im Weiteren die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, damit  diese – im Zusammenhang mit dem Kindeswohl und dem Grundsatz der  Einheit der Familie – den Umstand entsprechend würdigen könne, dass  die Tochter des Gesuchstellers D.______ und deren Mutter C.______als  anerkannte Flüchtlinge in der Schweiz lebten, dass der Gesuchsteller zwar die Tochter nicht offiziell anerkannt und nicht  mit  ihr  zusammengelebt  habe,  doch  falle  diese  Konstellation  in  den 

D­3298/2011 Schutzbereich  von  Art.  8  EMRK,  weshalb  das  Selbsteintrittsrecht  zwingend auszuüben sei, dass  dem  Gesuchsteller,  sollten  Zweifel  an  seiner  bestehenden  Vaterschaft  bestehen,  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  Gelegenheit zu geben sei, diese mittels einer DNA­Analyse, welche nun  möglich sei, zu belegen, dass  der  damals  zuständige  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom 3. Juni 2011 gestützt auf Art. 56 VwVG den Vollzug der Wegweisung  im Sinne einer vorsorglichen Massnahme vorläufig aussetzte, dass  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  7.  Juni  2011  die  Beschwerde  vom  27. Mai  2011  sowie  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1  und  2 VwVG  abgewiesen und Verfahrenskosten von Fr. 600.­ erhoben wurden, dass  in  diesem Urteil  unter  anderem  festgehalten  wurde,  entgegen  der  Auffassung  in  der  Beschwerde  seien  die  Voraussetzungen  für  eine  zwingende Ausübung des Selbsteintrittsrechts vorliegend nicht gegeben,  da  die  Vaterschaft  des  Gesuchstellers  nicht  feststehe  und  der  Antrag,  eine  DNA­Analyse  machen  zu  lassen,  abzuweisen  sei,  da  der  Gesuchsteller  ausreichend  Gelegenheit  gehabt  habe,  die  Vaterschaft  abzuklären und gegebenfalls sein Kind anzuerkennen, dass in Anbetracht der genannten Sachlage nicht davon auszugehen sei,  das  Kindeswohl  sei  vorliegend  von  der  Präsenz  des  Gesuchstellers  abhängig, dass der Gesuchsteller auch aus Art. 8 EMRK nichts zu seinen Gunsten  ableiten  könne,  fehle  es  doch  unbestrittenermassen  an  einer  gelebten  Beziehung  zur  Mutter  wie  auch  zum  Kind,  weshalb  es  keinen  Anlass  gebe,  gestützt  auf  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  das  Selbsteintrittsrecht  auszuüben, dass am 8. Juni 2011 beim Bundesverwaltungsgericht ein Schreiben der  Rechtsvertreterin  vom  7.  Juni  2011  unter  Beilage  eines  Vaterschaftsgutachtens vom 6. Juni 2011 einging,  dass das Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 9. Juni 2011 der  Rechtsvertreterin die Eingabe vom 7. Juni 2011 mit dem Hinweis auf das  am 8. Juni 2011 verschickte Urteil vom 7. Juni 2011 retournierte, 

D­3298/2011 dass der Gesuchsteller mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 10. Juni  2011  unter  nochmaliger  Einreichung  des  obengenannten  Vaterschaftsgutachtens  vom  6.  Juni  2011  und  eines  Bestätigungsschreibens  des  E._______  vom  10.  Juni  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Revision  des  Urteils  vom  7.  Juni  2011  beantragte, dass  der  zuständige  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom  15. Juni 2011 den Vollzug der Wegweisung provisorisch aussetzte,  dass die Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 6. Juli 2011 geltend machte,  aus der beiliegenden Korrespondenz zwischen dem F._______ und dem  Gesuchsteller  gehe  hervor,  dass  sich  dieser  auch  offiziell  um  die  Anerkennung seiner Tochter D._______ bemühe,  und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen  Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.  105 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass es  im Weiteren  für die Revision von Entscheiden zuständig  ist, die  es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat, dass  gemäss  Art.  45  VGG  für  die  Revision  von  Entscheiden  des  Bundesverwaltungsgerichtes  die  entsprechenden  Art.  121­128  BGG  sinngemäss gelten, dass  auf  Inhalt,  Form  und  Ergänzung  des  Revisionsgesuches  Art.  67  VwVG Anwendung findet (Art. 47 VGG), dass der Gesuchsteller durch das angefochtene Urteil berührt ist und ein  schutzwürdiges  Interesse  an  dessen  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung hat, dass  mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  die  Unabänderlichkeit  und  Massgeblichkeit  eines  rechtskräftigen  Beschwerdeentscheides  angefochten  wird,  damit  in  der  Sache  neu 

D­3298/2011 entschieden  werden  kann  (vgl.  PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI,  Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, S. 269), dass  an  die  Begründung  ausserordentlicher  Rechtsmittel  erhöhte  Anforderungen gestellt werden (Art. 67 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 47 VGG), dass  der  Gesuchsteller,  hinreichend  substantiiert,  den  Revisionsgrund  nachträglich  bekanntgewordener  Tatsachen beziehungsweise  nachträglich  aufgefundener  entscheidender  Beweismittel  im  Sinne  von  Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG (i.V.m. Art. 45 VGG) anruft, dass auf das frist­und formgerecht eingereichte Revisionsgesuch (Art. 47  VGG i.V.m. Art. 67 Abs. 3 VwVG und Art. 52 VwVG) einzutreten ist,  dass gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG das Bundesverwaltungsgericht  seinen Entscheid auf Begehren einer Partei  in Revision zieht, wenn die  ersuchende  Partei  nachträglich  erhebliche  Tatsachen  erfährt  oder  entscheidende Beweismittel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht  beibringen konnte,  dass eingereichte Beweismittel dann beachtlich sind, wenn sie entweder  die  neu  erfahrenen  erheblichen  Tatsachen  belegen  oder  geeignet  sind,  Tatsachen zu belegen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen,  aber  zum  Nachteil  der  gesuchstellenden  Partei  unbewiesen  geblieben  sind, dass das Beweismittel  zudem  für die Tatbestandsermittlung  von Belang  sein muss und daher nicht genügt, wenn es zu einer neuen Würdigung  der bereits bekannten Tatsachen führen soll (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis,  Band  X,  Basel 2008, Rz. 5.48, S. 250), dass  im Revisionsgesuch  geltend  gemacht  wird, mit  dem  eingereichten  Vaterschaftsgutachten  vom 6.  Juni  2011  erweise  sich  die Einschätzung  im Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts  vom 7.  Juni 2011, wonach die  Vaterschaft des Gesuchstellers nicht feststehe, als unzutreffend, dass ein Vaterschaftstest  früher nicht möglich gewesen sei,  da sich der  Gesuchsteller  und  C._______  erst  Mitte  Mai  2011  wieder  gefunden  hätten,

D­3298/2011 dass sich aus dem Bestätigungsschreibens des E._______ vom 10. Juni  2011  ergebe,  dass  der  Gesuchsteller  C.______  und  seine  Tochter  D.______.  regelmässig  an  den  Wochenenden  besuche,  weshalb  sich  auch die weitere Einschätzung im Urteil vom 7. Juni 2011, wonach es an  einer  gelebten  Beziehung  des  Gesuchstellers  mit  C.______  und  deren  Tochter  fehle,  weshalb  der  Gesuchsteller  aus  Art.  8  EMRK  nichts  zu  seinen Gunsten ableiten könne, nicht zutreffe, dass  hierzu  festzuhalten  ist,  dass  das  vor  dem  Beschwerdeurteil  vom  7. Juni  2011  stammende  Vaterschaftsgutachten  vom  6.  Juni  2011  zweifellos  geeignet  ist,  den  Nachweis  der  im  Beschwerdeverfahren  unbewiesen gebliebenen Tatsache der Vaterschaft des Gesuchstellers zu  erbringen, dass  im  Weiteren  zu  prüfen  ist,  ob  die  Tatsache  der  Vaterschaft  revisionsrechtlich erheblich  ist, das heisst,  vermutlich zu einem anderen  Entscheid  geführt  hätte,  wenn  sie  bereits  im  ordentlichen  Verfahren  zweifelsfrei festgestanden hätte,  dass das BFM mit Verfügung vom 20. Mai 2011 gestützt auf Art. 20 Abs.  1 Bst. c Dublin­II­VO Italien für die Prüfung des am 15. März 2011 in der  Schweiz  eingereichten  Asylgesuchs  des  Gesuchstellers  als  zuständig  erachtete, wobei es unter anderem auf die nicht näher substantiierte und  damit nicht feststehende Vaterschaft des Gesuchstellers hinwies, dass  indessen  aufgrund  des  genannten  Vaterschaftsgutachtens  nun  feststeht,  dass  der  Gesuchsteller  mit  seiner  Tochter  D.______  in  der  Schweiz eine Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. i Dublin­II­VO  hat, welcher in der Schweiz das Recht auf Aufenthalt in ihrer Eigenschaft  als Flüchtling gewährt wurde, weshalb die Schweiz nach Art. 7 Dublin­II­ VO,  vom  mutmasslichen  Wunsch  der  Betroffenen  ausgehend,  grundsätzlich für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig gewesen wäre, dass  jedoch  zur  Bestimmung  des  für  das  Asylverfahren  zuständigen  Mitgliedstaates  nach  den  Kriterien  von  Art.  6  ff.  Dublin­II­VO  das  so  genannte  Sachverhaltsversteinerungs­Prinzip  gemäss  Art.  5  Abs.  2  Dublin­II­VO gilt,  dass  nach diesem Prinzip  die Situation  der  asylsuchenden Person  zum  Zeitpunkt  des  erstmaligen  Asylantrages  in  einem  Mitgliedstaat  massgeblich  ist  und  jede  spätere  Änderung  unberücksichtigt  bleibt,  ausser  ein  Mitgliedstaat  würde  der  asylsuchenden  Person  eine 

D­3298/2011 Aufenthaltsbewilligung  erteilen  (vgl.  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung:  Das  Europäische  Asylzuständigkeitssystem, 3. Aufl., Wien und Graz 2010, S. 86),  dass  der  Gesuchsteller  am  24.  Juni  2003  –  und  damit  vor  der  Geburt  seiner  Tochter  vom  (…)  –  in  Italien  erstmals  ein  Asylgesuch  stellte,  weshalb  in  Anwendung  des  genannten  Sachverhaltsversteinerungs­ Prinzip gemäss Art. 5 Abs. 2 Dublin­II­VO  Italien weiterhin zuständig  für  die Behandlung des Asylgesuchs wäre, dass  indessen  in  Abweichung  dieses  Prinzips  Änderungen  insoweit  beachtlich  sind,  als  sie  in  der  Dublin­II­VO  ausdrücklich  geregelt  sind,  wobei  das  Selbsteintrittsrecht  jedes  Mitgliedstaates  nach  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO vorliegend relevant ist,  dass  nämlich  keineswegs  ausgeschlossen  erscheint,  dass  das  BFM,  hätte  die  Vaterschaft  des  Gesuchstellers  zu  seiner  in  der  Schweiz  als  Flüchtling  anerkannten  Tochter  D.________  bereits  zum  Zeitpunkt  der  Einreichung  des  Asylgesuches  in  der  Schweiz  nachweislich  festgestanden,  in  Anwendung  von  Art.  29a  AsylV  1  vom  Selbsteintrittsrecht  Gebrauch  gemacht  hätte,  womit  dem  eingereichten  Beweismittel zum Nachweis der Vaterschaft durchaus revisionsrechtliche  Relevanz zukommt,  dass schliesslich keine unsorgfältige Prozessführung vorliegt, hat sich der  Gesuchsteller  doch,  sobald  nach  Wiedervereinigung  mit  C.______und  D._______ in der Lage, um den Nachweis seiner Vaterschaft bemüht und  im  Rahmen  der  Beschwerde  den  Antrag  gestellt,  ihm  sei  bei  allfälligen  Zweifeln  an  seiner  Vaterschaft  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  Gelegenheit zu geben, eine DNA­Analyse einzureichen, dieser Antrag im  zu revidierenden Urteil jedoch abgewiesen wurde, dass  bei  dieser  Sachlage  der  Revisionsgrund  des  Vorliegens  neuer  erheblicher  Tatsachen  und  Beweismittel  gegeben  ist,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. Juni 2011  aufzuheben und das Beschwerdeverfahren wieder aufzunehmen ist, dass  im  wieder  aufgenommenen  Beschwerdeverfahren  die  Eintretensvoraussetzungen  offensichtlich  erfüllt  sind,  das  Verfahren  spruchreif  ist  und  im  Folgenden  auf  der  aktuellen  Aktengrundlage  und  ohne  Einholung  einer  weiteren  Stellungnahme  des  BFM  (vgl.  Art.  111a 

D­3298/2011 Abs. 1 AsylG) eine Neubeurteilung der Beschwerdeeingabe vom 27. Mai  2011 vorgenommen werden kann, dass  die  Beschwerdeschrift  zutreffend  darauf  hinweist,  dass  der  Aufenthaltsstatus  des  Gesuchstellers  in  Italien  –  dem  insbesondere  bezüglich  einer  möglicherweise  bereits  erfolgten  Asylgewährung  durch  die  italienischen  Behörden  wesentliche  Bedeutung  zukommt  –  nicht  feststeht,  weshalb  diesbezüglich  ein  unvollständig  festgestellter  Sachverhalt  vorliegt  und  das  Verfahren  zwecks  weiterer  Abklärung  des  Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, dass  im  Weiteren  die  Sache  zur  Würdigung  des  sich  aus  dem  nachgereichten  Vaterschaftsgutachten  vom  6.  Juni  2011  ergebenden  Umstandes, dass der Gesuchsteller mit seiner Tochter D._______ in der  Schweiz über eine Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. i Dublin­ II­VO  verfügt,  welcher  in  der  Schweiz  das Recht  auf  Aufenthalt  in  ihrer  Eigenschaft als Flüchtling gewährt wurde, zurückzuweisen ist,  dass  es  sich  daher  erübrigt,  auf  die  weiteren  Vorbringen  in  der  Beschwerde näher einzugehen, da diese von der Vorinstanz im Rahmen  des  vorzunehmenden  gesamthaften  Feststellung  des  Sachverhalts  und  Neubeurteilung zu prüfen sein werden,  dass  bei  diesem  Ausgang  gemäss  Art.  63  Abs.  1  und  Art.  68  Abs.  2  VwVG  weder  für  das  Revisions­  noch  für  das  wiederaufgenommene  Beschwerdeverfahren  Verfahrenskosten  zu  erheben  sind,  weshalb  das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65 Abs. 1 und Abs. 2 VwVG gegenstandslos ist, dass  die mit  Urteil  vom  7.  Juni  2011  auferlegten  Kosten  von  Fr.  600.­,  sollten  diese  bereits  geleistet  worden  sein,  dem  Gesuchsteller  zurückzuerstatten sind,  dass dem Gesuchsteller sodann gestützt auf Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m.  Art. 68 Abs. 2 VwVG sowie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1  VGKE eine Entschädigung für die ihm sowohl  im Revisions­ als auch im  Beschwerdeverfahren  erwachsenen  notwendigen  Kosten  zuzusprechen  sind, dass  gestützt  auf  die  als  angemessen  zu  erachtenden  Angaben  im  Revisionsgesuch  vom  10.  Juni  2011  und  in  Berücksichtigung  der  Tatsache,  dass  der  Rechtsvertreterin  nach  Einreichung  des 

D­3298/2011 Revisionsgesuches  kein  weiterer  Aufwand  erwuchs,  dem Gesuchsteller  im  Revisionsverfahren  vom  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  864.­  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  auszurichten ist, dass gestützt auf die Angaben in der Beschwerde vom 27. Mai 2011 und  des  weiteren  geschätzten  Aufwandes  die  vom  BFM  für  das  wiederaufgenommene  Beschwerdeverfahren  zu  entrichtende  Parteientschädigung von Amtes wegen auf Fr. 1'200.­ (inkl. Auslagen und  Mehrwertsteuer)  festzugesetzen  und  das  BFM  anzuweisen  ist,  dem  Gesuchsteller diesen Betrag als Parteientschädigung zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­3298/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das  Revisionsgesuch  wird  gutgeheissen.  Das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 7.  Juni  2011 wird aufgehoben und das  Beschwerdeverfahren wird wieder aufgenommen. 2.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Verfügung des BFM vom 20. Mai  2011 wird aufgehoben und das Verfahren wird im Sinne der Erwägungen  zum neuen Entscheid an das BFM zurückgewiesen. 3.  Im Revisionsverfahren werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Die mit Urteil vom 7. Juni 2011 auferlegten Kosten von Fr. 600.­ werden  dem  Gesuchsteller,  sollten  diese  bereits  geleistet  worden  sein,  vom  Bundesverwaltungsgericht zurückerstattet. 5.  Dem  Gesuchsteller  wird  für  das  Revisionsverfahren  vom  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  Fr.  864.­  entrichtet. 6.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Gesuchsteller  für  das  wieder  aufgenommene  Beschwerdeverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  1'200.­  zu  entrichten. 7.  Dieses Urteil geht an die Rechtsvertreterin des Gesuchstellers, das BFM  und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

D­3298/2011 Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand:

D-3298/2011 — Bundesverwaltungsgericht 29.07.2011 D-3298/2011 — Swissrulings