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Bundesverwaltungsgericht 20.09.2011 D-3046/2010

20 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,269 parole·~6 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); Verfügung des BFM vom 15. April 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3046/2010 Urteil   v om   2 0 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Markus König,  Richter Thomas Wespi;    Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), Guinea,  (…)  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 15. April 2010 / N (…).

D­3046/2010 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer suchte am 26. Dezember 2009 in der Schweiz um  Asyl nach.  Anlässlich  der  Kurzbefragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  B._______  vom  12. Januar  2010  und  dem  gleichentags  gewährten  rechtlichen  Gehör  zur  möglichen  Zuständigkeit  Maltas  und  zu  einer  allfälligen  Wegweisung  dorthin  brachte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen vor, er sei wegen des fälschlichen Verdachts, seinen Vater  umgebracht  zu haben, am 24. August  2007 verhaftet worden. Dank der  Hilfe  eines  Aufsehers  sei  ihm  am  1. März  2008  die  Flucht  aus  dem  Gefängnis  gelungen  und  er  habe  Guinea  noch  am  gleichen  Tag  verlassen.  Via C._____  und D._______  sei  er  nach E._______  gereist.  Am  8. Mai  2009  habe  er  F._______  verlassen,  um  nach  Malta  zu  gelangen. Dort sei er am 13. Mai 2009 eingetroffen. Er habe in Malta, wo  man  ihn  nicht  einmal  gefragt  habe,  woher  er  komme,  kein  Asylgesuch  eingereicht.  Stattdessen  sei  er  am  25. August  2009  nach  Italien  gereist  und habe dort um Asyl nachgesucht. Im Dezember 2009 habe er jedoch  einen negativen Asylentscheid erhalten. Da ihm die Tasche, in der er den  Asylentscheid  aufbewahrt  habe,  gestohlen  worden  sei,  habe  er  keinen  Anwalt mit der Beschwerdeerhebung beauftragen können. Er wolle weder  nach Italien, wo sein Asylgesuch negativ beurteilt worden sei, noch nach  Malta, wo er ein Jahr lang in einem Lager eingesperrt würde, ohne dass  er zu seinen Asylgründen befragt würde, zurück.  Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten des  rechtserheblichen  Sachverhalts  wird  auf  die  Protokolle  bei  den  Akten  verwiesen (vgl. Akten der Vorinstanz A1 und A8).  B.  Aufgrund  der  Angaben  des  Beschwerdeführers,  sich  erst  in  Malta  und  danach  in  Italien  aufgehalten  zu  haben,  und  dem  Abgleich  der  Fingerabdrücke mit  der Zentraleinheit  Eurodac  (Asylgesuchseinreichung  in Malta am 2. November 2009) stellte das BFM am 26. Januar 2010 ein  Übernahmeersuchen  an  die  maltesischen  Behörden,  welchem  am  5. Februar 2010 zugestimmt wurde.  C.  Mit Verfügung vom 15. April 2010 – eröffnet am 22. April 2010 – trat das  BFM  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom 

D­3046/2010 26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  ein  und  ordnete  dessen Wegweisung  aus  der  Schweiz nach Malta sowie den Wegweisungsvollzug an. Gleichzeitig hielt  es  fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung  zukomme.  Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Wesentlichen  aus,  auf  ein  Asylgesuch werde gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht eingetreten,  wenn der Asylsuchende  in  einen Drittstaat  ausreisen  könne,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig  sei.  Vorliegend  sei  Malta  gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­ Assoziierungsabkommen  [DAA],  SR 0.142.392.68)  und  das  Übereinkommen vom 17. Dezember 2004 zwischen der Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island  und  dem Königreich Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwendung  und  Entwicklung  des  Schengen­ Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren  zur Bestimmung des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder  in Norwegen gestellten Asylantrags (Übereinkommen vom 17. Dezember  2004, SR 0.362.32)  für  die Durchführung  des Asylverfahrens  zuständig.  Malta habe am 5. Februar 2010 der Übernahme des Beschwerdeführers  im  Sinne  von  Art. 4  der  Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO),  zugestimmt;  die  Rückführung  habe –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung  –  bis  spätestens zum 5. August 2010 zu erfolgen. Dem Beschwerdeführer sei  am  12. Januar  2010  das  rechtliche  Gehör  gewährt  worden.  Seine  Einwände, er sei in Malta nicht einmal gefragt worden, woher er komme,  und  er  würde  dort  ein  Jahr  lang  in  einem  Lager  eingesperrt  werden,  würden  dem  Wegweisungsvollzug  nach  Malta  nicht  entgegenstehen.  Malta  sei  ein  Rechtsstaat,  der  die  Menschenrechte  achte  und  dementsprechende  Strukturen  für  das  Asylverfahren  biete.  Auf  das  Asylgesuch  sei  daher  nicht  einzutreten  und  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  sei  anzuordnen.  Da  der  Beschwerdeführer  in  einen  Drittstaat  (Malta)  reisen  könne,  in  dem  er  Schutz  vor Rückschiebung  im Sinne  von Art. 5  Abs. 1 AsylG  fände,  sei 

D­3046/2010 das Non­Refoulement­Gebot bezüglich des Heimat­ oder Herkunftsstaats  nicht zu prüfen. Ferner bestünden für den Fall einer Rückkehr nach Malta  keine  Hinweise  auf  eine  Verletzung  von  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101).  Weder  die  in  Malta  herrschende  allgemeine  Situation  noch  andere  Gründe  sprächen  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  diesen  Staat.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  zudem  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar. Eine entsprechende Zustimmung Maltas liege vor. D.  Mit  Eingabe  vom  29.  April  2010  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde,  worin  um  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  um  Gutheissung  des  Asylgesuchs,  eventualiter um Gewährung der vorläufigen Aufnahme ersucht wurde.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  beantragt,  der  Beschwerde  sei  die  aufschiebende Wirkung zuzuerkennen. Zudem wurde um Gewährung der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) ersucht.  Zur Begründung machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend,  er habe in Malta kein Asylgesuch eingereicht. Er sei von Italien mit dem  Boot nach Malta gefahren, um einen Kollegen zu besuchen. Die Polizei  habe ihn jedoch verhaftet und nach Italien zurückgeschickt. Er habe nicht  gewusst,  dass  er  Italien  während  des  Asylverfahrens  nicht  hätte  verlassen sollen, beziehungsweise dass Malta nicht zu Italien gehöre. Da  in  Italien  die Gefahr  bestanden  habe,  nach  E._______  ausgeschafft  zu  werden,  und  die  Lage  für  Schwarze  in  Italien  angesichts  rassistischer  Übergriffe  nicht  sicher  sei,  sei  er  in  die  Schweiz  gereist.  In  seinem  Heimatland Guinea sei  sein Leben gefährdet.  Indem das BFM  ihn nicht  als Flüchtling anerkannt habe, habe es das Abkommen vom 28. Juli 1951  über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) verletzt. E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  30. April  2010  setzte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Vollzug  der  Wegweisung  provisorisch  aus.  F.  Nach Eingang der vorinstanzlichen Akten hiess der Instruktionsrichter das 

D­3046/2010 Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde mit  Zwischenverfügung vom 4. Mai 2010 gut. Gleichzeitig  verzichtete er auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses, wobei er den Beschwerdeführer  aufforderte, bis zum 14. Mai 2010 eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung  nachzureichen,  ansonsten  die  nachträgliche  Erhebung  eines  Kostenvorschusses vorbehalten werde. Den Entscheid über das Gesuch  um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1  VwVG verwies er auf einen späteren Zeitpunkt.  G.  Mit  Eingabe  vom  7. Mai  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung ein.  H.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  7. Juni  2011  beantragte  das  BFM  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Diese  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  die  eine  Änderung  seines  Standpunkts  rechtfertigen könnten. Malta sei ein Rechtsstaat, der die Menschenrechte  achte  und  danach  handle.  Es  seien  weder  aus  den  Akten  noch  aus  anderen Quellen Hinweise zu entnehmen, wonach dies vorliegend nicht  der  Fall  sein  sollte.  Die  Aussage  des  Beschwerdeführers  in  der  Beschwerde,  er  sei  in  Malta  von  der  Polizei  verhaftet  und  nach  Italien  abgeschoben  worden,  könne  angesichts  des  Ablaufs  des  Dublin­ Verfahrens nicht nachvollzogen werden.  I.  Mit  Zwischenverfügung  vom  15. Juni  2011  stellte  der  Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  eine  Kopie  der  Vernehmlassung  des  BFM  zur  Kenntnisnahme  zu.  Von  der  ihm  eingeräumten  Gelegenheit  zur  Einreichung  einer  Replik  bis  zum  30. Juni  2011  machte  der  Beschwerdeführer keinen Gebrauch.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebeit betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG  liegt nicht. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und 

D­3046/2010 entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  1.2.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist deshalb – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen –  einzutreten  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  3.  Bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen  (Art. 32­35a  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist.  Die  Beschwerdeinstanz enthält sich – sofern sie den Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung,  hebt  die  angefochtene  Verfügung  auf  und  weist  die  Sache  zur  neuen  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurück  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 34  E. 2.1  S. 240  f.).  Auf  den  Antrag  in  der  Beschwerdeschrift um Gewährung des Asyls  ist mithin nicht einzutreten.  Indes  hat  die  Vorinstanz  die  Frage  der Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  geprüft,  weshalb  dem Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheids stellen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645).  4. 

D­3046/2010 4.1.  Auf  Asylgesuche  wird  in  der  Regel  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG).  4.2.  Vorliegend  stehen  der  vorgängige  Aufenthalt  in  Malta  und  die  Zustimmung  der  maltesischen  Behörden  zur  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  aufgrund  der  Aktenlage  fest.  Die  in  der  Schweiz  geltend  gemachten  Asylgründe  werden  daher  in  Malta,  das  staatsvertraglich  für  das  vorliegende  Verfahren  zuständig  ist,  zu  prüfen  sein. Der Einwand des Beschwerdeführers, Malta sei nicht zuständig, da  er dort kein Asylgesuch eingereicht habe, greift nicht. Die Abfrage in der  Eurodac­Datenbank  hat  die  Registrierung  der  Asylgesuchseinreichung  des  Beschwerdeführers  in  Malta  ergeben  (vgl.  A5).  Die  maltesischen  Behörden haben der Rückübernahme des Beschwerdeführers denn auch  am  5. Februar  2010  ausdrücklich  zugestimmt  (vgl.  A16).  Eine  Rückführung des Beschwerdeführers von der Schweiz nach  Italien steht  damit  nicht  zur  Diskussion,  weshalb  sich  Ausführungen  zur  Situation  Asylsuchender  in  Italien und zu der vom Beschwerdeführer geäusserten  Furcht einer Abschiebung nach E._______ erübrigen.  4.3. Auch die übrigen Einwände des Beschwerdeführers  sprechen nicht  gegen eine Rückführung nach Malta. Malta  ist Signatarstaat der FK, der  EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder Strafe (FoK, SR 0.105) und es liegen keine konkreten Anhaltspunkte  dafür  vor,  wonach  Malta  sich  nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot,  halten  würde.  Die  Aufenthaltsbedingungen  für  Asylsuchende  in  Malta  erscheinen  zwar  als  teilweise  verbesserungswürdig, führen aber nicht in genereller Weise zur Bejahung  einer  eigentlichen  Notlage  der  Betroffenen.  Der  Beschwerdeführer  ist  jung und – soweit aktenkundig – gesund, und es besteht kein Grund zur  generellen  Annahme,  nicht  besonders  verletzliche  Personen  wie  der  Beschwerdeführer,  die  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Malta  aufhalten, würden aufgrund der dortigen Aufenthaltsbedingungen  in eine  existenzielle  Notlage  versetzt.  Malta  hat  wie  jeder  Dublin­Staat  die  Verfahrens­  und  Aufnahmerichtlinien  in  Landesrecht  umgesetzt,  und  es  darf  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  dort  grundsätzlich  adäquate  Betreuung  und  ein  rechtsstaatlich  konformes 

D­3046/2010 Asylverfahren findet. Mit allfälligen diesbezüglichen Klagen hat er sich an  die zuständigen Behörden vor Ort zu wenden.  4.4.  Somit  ist,  entgegen  der  Beschwerdevorbringen,  nicht  davon  auszugehen, das BFM hätte Veranlassung zu einem Selbsteintritt  (Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO)  gehabt.  Das  BFM  ist  demnach  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d AsylG nicht eingetreten. 5.  Die  Anordnung  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Malta  entspricht  der  Systematik  des Dublin­Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs  zuständigen Staat  handelt  – und steht  im Einklang mit  der Bestimmung  von  Art. 44  Abs. 1  AsylG,  wobei  in  Verfahren  nach  Art. 34  Abs. 2  Bst.d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs regelmässig bereits Voraussetzung (und nicht erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist,  und  hier  nicht  mehr  zu  prüfen  ist.  Auch  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  stellt  sich  in  einem  Dublin­Verfahren  nicht  unter  dem  Aspekt  der  vorläufigen Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG,  SR  142.20),  sondern  eine  entsprechende  Prüfung  muss,  soweit  notwendig,  bereits  im  Rahmen  der  Entscheidfindung  hinsichtlich  der  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  stattfinden.  Wie  vorstehend  aufgezeigt,  besteht  vorliegend  kein  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO, weshalb der vom  BFM  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  zu  bestätigen  ist.  Schliesslich  ist  auf  Art. 19  Abs. 3  (1. Abschnitt)  Dublin­II­ VO  zu  verweisen,  wonach  in  Verfahren,  wo  auf  Instruktionsebene  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  wiederhergestellt  wird,  die  Anordnung  einer  solchen  Massnahme  die  Rücküberführungsfrist  unterbricht und diese wieder neu zu laufen beginnt, wenn die Massnahme  – in  casu mittels  dem  vorliegenden Urteil  –  aufgehoben wird  (vgl.  auch  BVGE 2010/27 E. 7.2.1 S. 388).  6.  Dem  Beschwerdeführer  ist  es  demnach  nicht  gelungen  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 

D­3046/2010 unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  daher  abzuweisen.  7.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Da  die  Beschwerde  jedoch  im Zeitpunkt  ihrer Einreichung nicht als aussichtslos  betrachtet  werden  konnte  und  die  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  belegt  ist,  sind  in  Gutheissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG keine Kosten  zu erheben.

D­3046/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird.  2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand:

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