Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 D-2589/2010

17 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,244 parole·~11 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 22. März 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2589/2010/wif Urteil   v om   1 7 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, Afghanistan, _______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 22. März 2010 / N _______.

D­2589/2010 Sachverhalt: A.  A.a  Der  Beschwerdeführer,  ein  afghanischer  Staatsangehöriger  und  ethnischer Hazara mit letztem Wohnsitz in B._______ (Provinz Herat),  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  am  12. Dezember  2009  in  Richtung  Iran  und  reiste  am  8.  Februar  2010  von  dort  sowie  der  Türkei  und  Italien  herkommend  illegal  in  die  Schweiz  ein.  Am  10.  Februar  2010  stellte  er  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  C._______  ein  Asylgesuch  und  wurde  dort  am  16. Februar 2010 summarisch befragt. Am 19. Februar 2010 hörte ihn  das  BFM  gestützt  auf  Art.  29  Abs.  1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  ausführlich  zu  seinen  Asylgründen  an  und  wies  ihn  gleichentags  für  die  Dauer  des  Verfahrens  dem  Kanton  D._______ zu. A.b  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  brachte  der  Beschwerdeführer  im Wesentlichen  vor,  er  habe  in  der Region Herat  als  Schafhirte  gearbeitet.  Anfang  Dezember  2009  habe  er  während  seiner Arbeit ein Versteck der Taliban entdeckt. Er sei dabei von den  Taliban gesehen und daraufhin bedroht worden. Trotzdem habe er den  afghanischen  Behörden  sowie  den  NATO­Soldaten  umgehend  von  diesem  Versteck  erzählt,  da  er  sich  an  den  Taliban  habe  rächen  wollen;  denn  diese  hätten  im  Jahr  2005  seinen  Vater  entführt  und  umgebracht. Zwei Tage später hätten die Behörden zusammen mit der  NATO  das  Taliban­Versteck  bombardiert.  Dabei  seien  mehrere  Taliban,  darunter  ein  Kommandant,  getötet  worden.  Daraufhin  hätten  die Taliban ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Er habe die Behörden am  10. Dezember  2009  um  Schutz  ersucht,  doch  sie  hätten  ihm  nicht  helfen können. Da sein Leben  in Afghanistan  in Gefahr gewesen sei,  habe er sich entschlossen, ins Ausland zu flüchten und in der Schweiz  um Asyl nachzusuchen. Um seine Flucht zu  finanzieren, habe er sein  Haus, sein Grundstück sowie seine Tiere verkauft. Bei einer Rückkehr  ins Heimatland müsse er befürchten,  von den Taliban umgebracht  zu  werden. A.c  Der  Beschwerdeführer  reichte  im  Verlauf  des  vorinstanzlichen  Verfahrens seine Tazkirah (Original) zu den Akten. B.  Mit  Verfügung  vom 22. März  2010  –  gleichentags  eröffnet  –  stellte  das  BFM  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  unglaubhaft, 

D­2589/2010 weshalb die Flüchtlingseigenschaft  zu verneinen sei. Demzufolge  lehnte  das BFM das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz  und ordnete den Vollzug an. C.  Mit  Beschwerde  vom  15.  April  2010  (Poststempel)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  beantragte  der  Beschwerdeführer,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  es  sei  Asyl  zu  gewähren  und  von einer Wegweisung abzusehen, eventuell sei zumindest die vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Der  Beschwerde  lagen  ein  Schreiben  der  afghanischen  Behörden  (Kopie),  ein  Positionspapier  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  betreffend  Asylsuchende  aus  Afghanistan  vom  26.  Februar  2009  sowie  eine Unterstützungsbestätigung vom 7. April 2010 bei. D.  Der  Instruktionsrichter  verzichtete  mit  Verfügung  vom  20.  April  2010  antragsgemäss  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  teilte  dem Beschwerdeführer gleichzeitig mit, über das Gesuch um Gewährung  der unentgeltlichen Rechtspflege werde  im Endentscheid befunden. Der  Beschwerdeführer wurde ausserdem aufgefordert,  innert Frist das  in der  Beschwerde  in  Aussicht  gestellte  Original­Beweismittel  inklusive  Übersetzung und Zustellumschlag nachzureichen. E.  Mit  Eingabe  vom  6.  Mai  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  ein  undatiertes  Schreiben  des  Bürgermeisters  I.  S.  im  Original  (inkl.  Übersetzung und Zustellumschlag) zu den Akten. F.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  17.  Mai  2010  vollumfänglich  an  seiner  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der Beschwerde. G.  Der  Beschwerdeführer  replizierte  darauf mit  Eingabe  vom  1.  Juni  2010  und hielt dabei sinngemäss an seinen Anträgen fest.

D­2589/2010 H.  Mit  Eingabe  vom  9.  August  2011  bat  der  Beschwerdeführer  um  einen  baldigen Abschluss seines Beschwerdeverfahrens. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  Beschwerden gegen Verfügungen  im Sinne von Art. 5 VwVG, welche  von  einer  Vorinstanz  im  Sinne  von  Art.  33  VGG  erlassen  wurden,  sofern  keine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  vorliegt.  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des  BFM, welche in Anwendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG, dem VGG und dem  BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht  (Art. 108  Abs. 1 AsylG, Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der Beschwerde  legitimiert  (Art.  105 AsylG  i.V.m. Art. 48  Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­2589/2010 3.  3.1. Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  ihrer  politischen  Anschauungen  wegen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken;  den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden (Art. 7 AsylG). 4.  4.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Entscheids  im  Wesentlichen  aus,  die  vom  Beschwerdeführer  geschilderten  Fluchtgründe  seien  nicht  nachvollziehbar,  unsubstanziiert  und  widersprüchlich.  So  habe  sich  der  Beschwerdeführer  beispielsweise  in  Bezug  auf  den  Ort,  an  dem  die  Leiche seines Vaters gefunden worden sei, widersprochen. Es sei  im  Übrigen  auch  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  er  nicht  schon  damals  eine Anzeige bei den Behörden gemacht habe, da die Leiche offenbar  an derselben Stelle gefunden worden sei, wo sich auch das Versteck  der Taliban befunden habe. Der Beschwerdeführer habe sodann  trotz  mehrmaligen  Nachfragens  nicht  detailliert  angeben  können,  wo  und  wie  er  das  Versteck  der  Taliban  gefunden  habe.  Auch  sei  nicht  nachvollziehbar,  wie  und  wem  er  das  Entdecken  des  Verstecks  gemeldet  habe.  Der  Beschwerdeführer  habe  zudem  nicht  schlüssig  darlegen können, wie die Taliban erfahren hätten, dass er sie verraten  habe. Die Aussage, wonach die Taliban  ihn dabei beobachtet und  ihn  anschliessend bedroht hätten, sei als nachgeschoben zu erachten, da  er  dies  anlässlich  der  ersten  Befragung  nicht  geltend  gemacht  habe. 

D­2589/2010 Die Angaben  über  das  angeblich  auf  ihn  ausgesetzte Kopfgeld  seien  ebenfalls  widersprüchlich  ausgefallen.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  insgesamt als unglaubhaft  zu erachten. Die  Unglaubhaftigkeit  werde  zudem  durch  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  gegenüber  der  Kantonspolizei  E._______  untermauert.  Demzufolge  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  verneinen  und das Asylgesuch abzulehnen. Den Wegweisungsvollzug erachtete  die Vorinstanz als zulässig, zumutbar und möglich. 4.2. In der Beschwerde wird gerügt, das BFM habe bei der Prüfung der  Glaubhaftigkeit  einen  falschen  Massstab  angewendet.  Es  bestehe  nämlich  eine  überwiegende  Wahrscheinlichkeit,  dass  der  Beschwerdeführer die Wahrheit gesagt habe. Die Asylvorbringen seien  daher  von  der  Beschwerdeinstanz  einer  erneuten  Überprüfung  zu  unterziehen.  Die  nachgereichte  Kopie  einer  Bestätigung  der  afghanischen  Regierung  und  Sicherheitskräfte  belegten  die  geschilderten  Probleme  in  Afghanistan.  Das  Original  dieses  Dokuments  werde  in  einigen  Wochen  eintreffen  und  umgehend  nachgereicht.  Der  Beschwerdeführer  bringt  vor,  er  werde  in  Afghanistan  in  asylrelevanter  Weise  verfolgt.  Das  Asyl  sei  ihm  zu  Unrecht  verweigert  worden.  Die  Ausführungen  der  Vorinstanz  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  seien  ebenfalls  unzutreffend:  In  Afghanistan  herrsche  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt. Daher sei zumindest die vorläufige Aufnahme zu verfügen. 4.3.  In seiner Vernehmlassung erklärt das BFM, das neu eingereichte  Beweismittel  sei  nicht  geeignet,  zu  einer  Änderung  des  vom  BFM  vertretenen Standpunktes zu führen. Einerseits enthalte das Dokument  keine  konkreten  Angaben,  andererseits  könnten  derartige  Schreiben  leicht  gefälscht  werden,  weshalb  der  Beweiswert  gering  sei.  Ausserdem  sei  festzustellen,  dass  die  im  Schreiben  enthaltenen  Aussagen  betreffend  Festnahme  und  Tod  des  Vaters  nicht  ganz  mit  den  diesbezüglichen  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  übereinstimmten. 4.4.  Der  Beschwerdeführer  entgegnet  in  der  Replik,  die  von  ihm  gemachten  Aussagen  seien  richtig,  er  werde  in  Afghanistan  verfolgt.  Allfällige Ungereimtheiten  zwischen  seinen Aussagen  und  dem  Inhalt  des  eingereichten  Bestätigungsschreibens  müsse  wohl  auf  Übersetzungsfehler zurückgeführt werden. Es mache  ihn  ratlos, wenn  von  ihm  zunächst  wiederholt  verlangt  werde,  er  solle  Beweismittel 

D­2589/2010 einreichen,  diesen  dann  jedoch  unter  Hinweis  auf  die  leichte  Fälschbarkeit  der  Beweiswert  abgesprochen  werde.  Der  Beschwerdeführer  hält  fest,  das  von  ihm  eingereichte  Schreiben  sei  echt und geeignet, seine Asylvorbringen zu belegen. 5.  Nachfolgend  ist  zu  prüfen,  ob  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. 5.1.  Wie  das  BFM  zu  Recht  erwog,  sind  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  unsubstanziiert,  realitätsfremd  und  teilweise  auch  widersprüchlich  ausgefallen.  So  konnte  er  beispielsweise  nicht  in  nachvollziehbarer  und  anschaulicher Weise  beschreiben, wo  und wie  er das Versteck der Taliban gefunden hat und wie dieses aussah (vgl.  A11  S. 10).  Ausserdem  bestehen  Unstimmigkeiten  bezüglich  seiner  Beschreibung  des  Fundortes:  Nachdem  er  zunächst  sinngemäss  erklärte  hatte,  das  Taliban­Versteck  befinde  sich  in  einer Steinwüste,  räumte  er  auf  die  Frage,  weshalb  er  denn  seine  Schafe  in  einer  Steinwüste  habe  weiden  lassen,  ein,  er  sei  selber  nicht  bei  den  Steinen gewesen, sondern habe sich etwas weiter entfernt aufgehalten  (vgl. A11 S. 11). Ausserdem fällt auf, dass der Beschwerdeführer erst  in  der Direktanhörung  –  und  sogar  erst  auf  die  entsprechende Frage  hin  –  geltend  machte,  die  Taliban  hätten  ihn  bei  ihrem  Versteck  entdeckt  und  daraufhin  bedroht  (vgl.  A11  S.  10).  Dies  erstaunt  doch  sehr,  da  davon  auszugehen  ist,  die  Konfrontation  mit  den  Taliban,  namentlich deren Drohungen, hätten den Beschwerdeführer nachhaltig  genug  beeindruckt,  um  von  diesem  Erlebnis  ungefragt  und  insbesondere  bereits  in  der  Erstbefragung  zu  erzählen.  Der  Beschwerdeführer  brachte  ferner  vor,  er  habe  das  Taliban­Versteck  umgehend den Behörden gemeldet. Seine diesbezüglichen Aussagen  sind  indessen  äusserst  unsubstanziiert  und  wenig  kohärent  ausgefallen: Zunächst gab er zu Protokoll, er habe die NATO­Soldaten  und die Regierung informiert. Wenig später erklärte er, er habe es den  Soldaten der afghanischen Regierung gemeldet, es seien jedoch auch  NATO­Soldaten  anwesend  gewesen  (vgl.  A1  S.  7).  In  der  Direktanhörung gab er wiederum zunächst an, er habe die NATO und  die  Regierung  informiert  (A11  S.  8),  während  er  später  aussagte,  er  habe zwei Regierungssoldaten vom Versteck der Taliban erzählt (A11  S.  12).  Den  Akten  ist  weiter  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  in  der  Lage  war  anzugeben,  wo  sich  in  geografischer  Hinsicht  sein  Wohnort  im  Vergleich  zur  Stadt  Herat 

D­2589/2010 befindet  (vgl.  A11  S.  5).  Angesichts  dessen  ist  allerdings  sein  Vorbringen, wonach er den Soldaten auf der Landkarte gezeigt habe,  wo  sich  das  Versteck  der  Taliban  befand,  als  realitätsfremd  zu  erachten  (vgl.  A11 S  12). Der Beschwerdeführer  gab  im Weiteren  zu  Protokoll, die Taliban hätten gewusst, dass er sie verraten habe, und  hätten  nach  der  Bombardierung  ihres Verstecks  ein  Kopfgeld  auf  ihn  ausgesetzt. Aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers  (vgl. A11  S. 11) ist jedoch nicht nachvollziehbar, wie die Taliban die Identität des  Beschwerdeführers  hätten  ausfindig  machen  können,  zumal  sie  ihn,  als er angeblich ihr Versteck fand, ohne Weiteres laufen liessen. Es ist  überdies nicht plausibel, dass die Taliban ein Kopfgeld aussetzten, da  sie  den  Beschwerdeführer  mit  Sicherheit  ohne  fremde  Hilfe  hätten  ausfindig  machen  können.  An  dieser  Stelle  ist  im  Übrigen  darauf  hinzuweisen, dass sich der Beschwerdeführer bezüglich der Höhe des  Kopfgeldes widersprach,  indem er zunächst von 50'000 Kaldar sprach  (vgl.  A1  S. 7),  während  er  in  der  Direktanhörung  die  Summe  von  40'000  Kaldar  erwähnte  (vgl.  A11  S.  8).  Erst  auf  Vorhalt  des  Widerspruchs  korrigierte  er  den  Betrag  wiederum  auf  50'000  Kaldar  (vgl.  A11  S.  10).  Den  Angaben  des  Beschwerdeführers  ist  zu  entnehmen, er habe am 10. Dezember 2009 die Behörden um Schutz  ersucht  (vgl.  A1  S.  7).  Diese  hätten  ihm  jedoch  nicht  helfen  können.  Daraufhin  sei  er  am  12. Dezember  2009  ausgereist  (vgl.  A11 S.  13).  Gleichzeitig  brachte  der  Beschwerdeführer  vor,  er  habe  eine  Woche  benötigt, um sein Haus, seine Herde und sein Land zu verkaufen (vgl.  A1 S. 13). Das heisst, er hätte bereits ungefähr am 5. September 2009  damit  beginnen  müssen,  sein  Hab  und  Gut  zu  veräussern.  Dies  ist  indessen  aufgrund  der  Aktenlage  nicht  plausibel,  da  er  zu  diesem  Zeitpunkt  seinen  Zeitangaben  zufolge  noch  nicht  einmal  von  dem  angeblich  auf  ihn  ausgesetzten  Kopfgeld  wusste  (vgl.  dazu  seine  Ausführungen in A1 S. 7). Es ist schliesslich auch nicht plausibel, dass  der Beschwerdeführer seine Familie schutzlos am Herkunftsort zurück  liess.  Entgegen  der  anderslautenden,  wenig  plausiblen  Behauptung  des  Beschwerdeführers  (vgl.  A11  s.  13)  ist  es  nämlich  durchaus  wahrscheinlich,  dass  sich  die  Taliban  an  seinen  Familienmitgliedern  rächen  würden,  wenn  der  vom  Beschwerdeführer  dargelegte  Sachverhalt  der  Wahrheit  entsprechen  würde.  Der  Einwand  des  Beschwerdeführers,  er  habe  seine Familie  zuhause  gelassen, weil  er  selber schon Mühe genug gehabt habe, nach Europa zu gelangen (vgl.  A11  S.  7)  überzeugt  nicht,  zumal  er  vor  Antritt  der  Reise  noch  nicht  wissen  konnte,  wie  einfach  oder  beschwerlich  die  Reise  werden  würde.  Mit  Blick  auf  die  gemachten  Ausführungen  sind  die 

D­2589/2010 Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  insgesamt  als  unglaubhaft  zu  qualifizieren.  Dieser  Befund  wird  im  Übrigen  bestätigt  durch  die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  der  Kantonspolizei  Zürich  gegenüber  vorbrachte,  die  Taliban  hätten  ihn  umbringen  wollen,  weil  er wegen der Tötung seines Vaters eine Anzeige gemacht habe  (vgl.  A2 S.  26);  dies widerspricht  offensichtlich  seinen Ausführungen  beim  BFM. 5.2.  Das  auf  Beschwerdeebene  eingereichte  Bestätigungsschreiben  trägt nicht dazu bei, die dargelegten Zweifel an der Glaubhaftigkeit der  Asylvorbringen zu beseitigen, zumal der Inhalt dieses Schreibens nicht  mit  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  übereinstimmt:  In  besagtem  Bestätigungsschreiben  steht,  der  Vater  des  Beschwerdeführers  sei  von  den  Taliban  inhaftiert  und  in  der  Folge  misshandelt  und  gefoltert  worden;  davon  hat  der  Beschwerdeführer  nichts  gesagt.  Andererseits  wird  ein  zentrales  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  nämlich  das  angeblich  auf  ihn  ausgesetzte  Kopfgeld,  im Schreiben  des Bürgermeisters  überhaupt  nicht  erwähnt.  In  formeller  Hinsicht  fällt  zudem  auf,  dass  das  Schreiben  von  einem  Bürgermeister  der  Provinz  Herat  ausgestellt  wurde,  während  in  der  Überschrift  des  Schreibens  die  Provinz  Daii  Kundi  genannt  wird.  Insgesamt  entsteht  der  Eindruck,  es  handle  sich  bei  diesem  Bestätigungsschreiben um ein reines Gefälligkeitsschreiben. 5.3.  Gestützt  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  ist  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte  Verfolgung  im  Heimatland  insgesamt  als  unglaubhaft  zu  erachten.  Der  Beschwerdeführer  konnte  demnach  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen.  Die  Vorinstanz  hat  daher  zu Recht  das  Asylgesuch  abgelehnt  und die Flüchtlingseigenschaft verneint. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2.  Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  hat  er  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44  Abs.  1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21).

D­2589/2010 7.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). In  Bezug  auf  die  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormals  im  Bereich  des  Asylrechts  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148 7.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  möglich,  wenn  die  Ausländerin  oder  der  Ausländer  weder  in  den  Herkunfts­  oder  in  den  Heimatstaat  noch  in  einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83  Abs.  2  AuG).  Er  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs.  3  AuG).  Der  Vollzug  kann  für  Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie  im Heimat­  oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt oder medizinischer Notlage konkret gefährdet sind  (Art. 83 Abs. 4 AuG). 7.2.  Die  vorstehend  genannten  drei  Bedingungen  für  einen  (vorläufigen)  Verzicht  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung –  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und Unmöglichkeit  –  sind  alternativer  Natur:  ist  eine  dieser  Voraussetzungen  erfüllt,  so  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  erachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  BVGE  2009/51  E.  5.4  S.  748,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.).

D­2589/2010 8.  Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  ob  der  Wegweisungsvollzug  nach  Afghanistan für den Beschwerdeführer zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AuG) ist. 8.1. Betreffend  die  allgemeine  Lage  in  Afghanistan  ist  auf  das  kürzlich  ergangene, zur Publikation vorgesehene Länderurteil BVGE E­7625/2008  vom 16. Juni 2011 zu verweisen. Nach eingehender Lageanalyse stellte  das Bundesverwaltungsgericht darin fest, dass die Sicherheitslage sowie  die  humanitären  Bedingungen  in  weiten  Teilen  Afghanistans  –  ausser  allenfalls in den Grossstädten Kabul, Herat oder Mazar­i­Sharif – äusserst  schlecht  seien.  Es  kam  deshalb  zum  Schluss,  dass  die  Situation  in  Afghanistan  praktisch  flächendeckend  als  existenzbedrohend  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  zu  qualifizieren  sei.  Von  dieser  allgemeinen  Feststellung sei die Situation  in der Hauptstadt Kabul zu unterscheiden.  Angesichts  dessen,  dass  sich  dort  die  Sicherheitslage  im  Verlauf  des  vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die humanitäre  Situation  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  etwas  weniger  dramatisch  sei,  könne  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Kabul  unter  Umständen als  zumutbar  qualifiziert werden. Solche Umstände  könnten  grundsätzlich  namentlich  dann  gegeben  sein,  wenn  es  sich  beim  Rückkehrer  um  einen  jungen,  gesunden  Mann  handle.  Angesichts  der  konstanten  Verschlechterung  der  Lage  über  die  vergangenen  Jahre  hinweg und der auch in Kabul schwierigen Situation verstehe es sich aber  von  selbst,  dass  die  bereits  von  der  vormaligen  Beschwerdeinstanz  in  EMARK  2003  Nr.  10  formulierten  strengen  Bedingungen  in  jedem  Einzelfall  sorgfältig  geprüft  werden  und  erfüllt  sein  müssten,  um  die  Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  nach  Kabul  bejahen  zu  können.  Unabdingbar  sei  in  erster  Linie  ein  soziales  Netz,  das  sich  im  Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrers als  tragfähig erweise; denn ohne Unterstützung durch Familie oder Bekannte  würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul unweigerlich in  eine  existenzielle  beziehungsweise  lebensbedrohende  Situation  führen.  Für einen Rückkehrer aus Europa bestehe nach der Ankunft in Kabul ein  erhöhtes Risiko, entführt oder überfallen zu werden, da vermutet werde,  er trage Devisen auf sich. Verfüge er über keine genügenden finanziellen  Mittel,  hätte  er  ohne  soziale  Vernetzung  kaum  Aussicht  auf  eine  zumutbare  –  das  heisst  winterfeste  und  mit  minimaler  sanitärer  Einrichtung ausgestattete  – Unterkunft. Auch  für  die Arbeitssuche  seien  persönliche  Beziehungen  unerlässlich,  da  eine  Einstellung  (sogar  von  unqualifizierten  Arbeitskräften)  regelmässig  nur  aufgrund  persönlicher  Empfehlungen erfolge. Eine auch nur einigermassen gesunde Ernährung 

D­2589/2010 wäre  ohne  die  Hilfe  von  nahestehenden  Personen  ebenfalls  kaum  möglich,  der  Zugang  zu  sauberem  Trinkwasser  schwierig;  Unterstützungsmassnahmen  der  Regierung  oder  internationaler  Organisationen könnten  laut zuverlässigen Quellen daran nichts ändern.  Ohne  eine  soziale  Vernetzung  würde  daher  auch  ein  junger  und  grundsätzlich gesunder Mann unweigerlich innert absehbarer Zeit in eine  existenzbedrohende Situation  geraten.  Im Übrigen  betone  auch  der  (für  Afghanistan  zuständige)  Schweizer  Botschafter  in  Islamabad  die  vorrangige  Bedeutung  eines  tragfähigen  sozialen  Netzes  für  einen  Rückkehrer  zur  Vermeidung  unüberbrückbarer  Schwierigkeiten  (vgl.  E.  9.3 ff.). 8.2. Der  Beschwerdeführer  stammt  den  Akten  zufolge  aus  der  Provinz  Herat, allerdings nicht (wie vom BFM fälschlicherweise festgestellt wurde)  aus der Grossstadt Herat, sondern aus dem Ort F._______ (vgl. A1 S. 2).  Gemäss  seinen  Angaben  befindet  sich  dieser  Ort  an  der  Strasse  nach  Islam  Qala,  welches  ungefähr  110  km  westlich  von  Herat  liegt.  Demzufolge dürfte es sich beim Herkunftsort des Beschwerdeführers um  die  15  km  westlich  von  Herat  gelegene  Hazara­Siedlung  B._______  handeln. Nach dem Gesagten stammt der Beschwerdeführer somit nicht  aus einer Grossstadt, sondern aus einer kleinen Siedlung  in der Provinz  Herat.  Mit  Blick  auf  die  vorstehenden  Ausführungen  ist  ein  Wegweisungsvollzug dorthin von vornherein als generell  unzumutbar zu  qualifizieren.  Damit  bleibt  zu  prüfen,  ob  es  dem  Beschwerdeführer  zumutbar  wäre,  sich  im  Sinne  einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  in  einer  Grossstadt  seines  Heimatlandes  (Kabul  oder  allenfalls  auch  Herat  oder  Mazar­i­Sharif)  niederzulassen.  Anknüpfungspunkte bestehen in dieser Hinsicht lediglich in Bezug auf die  Stadt  Herat,  da  gemäss  Aussagen  des  Beschwerdeführers  eine  verheiratete Schwester dort lebt (vgl. A1 S. 5). Aus der blossen Tatsache,  dass der Beschwerdeführer  in Herat über eine nahe Verwandte verfügt,  kann indessen nicht geschlossen werden, dass er bei einer Ausschaffung  nach  Herat  dort  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  vorfinden  würde.  Insbesondere  erscheint  es  aufgrund  der  Aktenlage  keineswegs  gewährleistet,  dass  die  Schwester  den  Beschwerdeführer  über  einen  längeren  Zeitraum  hinweg  beherbergen  und  unterstützen  könnte.  Gleichzeitig  ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit Blick  auf  seine  dürftige  Schulbildung  und  bisherigen  Erwerbstätigkeiten  als  Gelegenheitsarbeiter  und  Schafhirte  sowie  unter  Berücksichtigung  der  schwierigen  Arbeitsmarktlage  in  Herat  wohl  Mühe  haben  dürfte,  innert  angemessener Frist eine Anstellung zu finden, mit welcher er sich seinen 

D­2589/2010 Lebensunterhalt  selbständig  verdienen  könnte.  Konkrete  Hinweise  darauf,  dass  die  in  Shahrak  lebenden  Verwandten  des  Beschwerdeführers diesen bei einer Ausschaffung nach Herat zumindest  finanziell  unterstützen könnten,  sind nicht aktenkundig. Damit  ist  bereits  die  individuelle  Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  in  die  Stadt  Herat  zu  verneinen.  Die  Frage  nach  der  generellen  Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  in  diese  Grossstadt  kann  damit  offengelassen  werden.  8.3.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Afghanistan  im  heutigen  Zeitpunkt  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  eine  konkrete  Gefährdung  zur  Folge  hätte  und  deshalb  als  unzumutbar  im Sinne  von  Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren ist.  9.  Nach dem Gesagten  ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit damit der  Vollzug der Wegweisung angefochten wurde; soweit weitergehend ist sie  abzuweisen. Folglich sind die Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen  Verfügung  aufzuheben,  und  das  BFM  ist  anzuweisen,  den  Beschwerdeführer  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig aufzunehmen. 10.  10.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens (hälftiges Obsiegen) wären die  um  die  Hälfte  reduzierten  Verfahrenskosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art.  2  und  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]). Nachdem aber aufgrund der Aktenlage weiterhin von der  prozessualen  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen  ist  und  die Beschwerde  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet werden  konnte,  ist  in  Gutheissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege von einer Kostenauflage abzusehen (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Mangels anderweitiger Hinweise  ist  nicht davon auszugehen, dass dem  hälftig  obsiegenden,  aber  nicht  vertretenen Beschwerdeführer  durch die  Beschwerdeführung  verhältnismässig  hohe  Kosten  entstanden  sind.  Demnach  ist  ihm  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (vgl.  Art.  64  Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 4 VGKE).

D­2589/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  die  Aufhebung  des  angeordneten Wegweisungsvollzugs und die Gewährung der vorläufigen  Aufnahme beantragt werden. Im Übrigen wird sie abgewiesen.  2.  Die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  vom  22. März 2010 werden aufgehoben, und das BFM wird angewiesen, den  Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen. 3.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 4.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

D-2589/2010 — Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 D-2589/2010 — Swissrulings