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Bundesverwaltungsgericht 21.12.2011 D-2564/2011

21 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,118 parole·~11 min·4

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. März 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2564/2011/sed Urteil   v om   2 1 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Gérard Scherrer;    Gerichtsschreiberin Nina Hadorn. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka,   vertreten durch Evelyn Stokar, Freiplatzaktion Basel,  Beratungsstelle für Menschen aus Sri Lanka, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. März 2011 / N (…).

D­2564/2011 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  verliess  Sri  Lanka  eigenen Angaben  zufolge  am  19. Juni 2010  illegal auf dem Luftweg und gelangte über C._______ am  27. Juni  2010  in  einem  Auto  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  D._______  um  Asyl  nachsuchte. Am 2. Juli 2010 wurde er dort summarisch befragt und am 8.  Juli 2010 vom BFM direkt zu seinen Asylgründen angehört. Anlässlich  der  Befragungen  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen geltend,  er  sei  srilankischer Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie  und  stamme  aus  dem  Distrikt  Jaffna.  Er  habe  seit  2001  in  Colombo gelebt und nach dem Tod seiner Mutter 2005 mit seinem Bruder  und seinem Vater  in Colombo zusammengewohnt.  Im Jahre 2006 habe  er  sein  Informatikstudium  begonnen,  wo  er  E._______  kennen  gelernt  habe.  E._______  sei  ihm  ein  guter  Freund  geworden  und  so  habe  er  auch  nicht  gezögert,  als  dieser  ihn  eines  Tages  nach  seiner  Kontonummer  gefragt  habe.  In  der  Folge  seien  jeweils  grössere  Geldbeträge  aus  Jaffna  und  dem  Ausland  auf  sein  Konto  überwiesen  worden, die er jeweils abgehoben und E._______ übergeben habe. Er sei  davon  ausgegangen,  E._______  empfange  das  Geld  von  Verwandten  und benötige es für die Unterstützung seiner Familie, während ihm nicht  bewusst gewesen sei, dass E._______ Verbindungen zu den Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  gehabt  habe.  Zudem  habe  er  ihm  manchmal auch direkt Geld gegeben. Am (…) 2009 habe er E._______  anlässlich  dessen  Geburtstags  aufsuchen  wollen,  man  habe  ihm  aber  mitgeteilt,  dass  dieser  seit  Tagen  verschwunden  sei.  Zehn  Tage  später  sei ein unbekannter Mann mit einer offiziellen Spendensammel­Erlaubnis  im  Geschäft  seines  Vaters  aufgetaucht  und  habe  um  eine  Spende  für  Waisenkinder  im  Vanni­Gebiet  gebeten,  woraufhin  sie  diesem  Geld  gegeben hätten. Im Nachhinein sei ihm klar geworden, dass diese Person  nur habe  testen wollen,  ob sie die LTTE  finanziell  unterstützen würden.  Am (…) 2009 sei er zu Hause von Soldaten aufgesucht und nach einer  Hausdurchsuchung  wegen  Verdachts  auf  Verbindungen  zu  den  LTTE  gewaltsam  an  einen  ihm  unbekannten  Ort  gebracht  worden,  wo  er  während  drei  Tagen  unter  Schlägen  zu  den  Geld­Transaktionen  auf  seinem  Bankkonto  befragt  worden  sei,  da  dieses  Geld  gemäss  den  Soldaten von LTTE­Unterstützern gestammt habe. Am zweiten Tag sei er  E._______  gegenübergestellt  worden,  der  jedoch  ausgesagt  habe,  er  (der Beschwerdeführer) sei die Person, die  ihm das Geld zur Verfügung 

D­2564/2011 gestellt  habe.  Tags  darauf  sei  er  freigelassen  worden,  nachdem  sein  Vater den Soldaten Geld bezahlt habe. Daraufhin habe er sein Studium  abgebrochen und seinen Wohnort verlassen, da gemäss Auskunft seiner  damaligen  Vermieterin  dort  immer  wieder  Personen  der  Armee,  des  Criminal  Investigation  Departements  (CID)  und  der  Polizei  nach  ihm  gesucht hätten. Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Identitätskarte,  eine Geburtsurkunde  (in Kopie),  einen Führerschein,  die  Todesurkunde seiner Mutter und die Heiratsurkunde seiner Eltern (beides  in Kopie) sowie ein Bankbüchlein und zwei Bankkarten zu den Akten. B.  Mit Verfügung  vom 31. März 2011 – eröffnet  am 4. April  2011 –  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  ordnete  seine  Wegweisung aus der Schweiz an und erachtete den Vollzug als zulässig,  zumutbar und möglich. Zur  Begründung  wurde  dargelegt,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  genügten,  da  aufgrund  der  nicht  nachvollziehbaren  und  widersprüchlichen  Darstellung  der  Fluchtgründe  der  Eindruck  erweckt  würde,  es  handle  sich  bei  den  Vorbringen  um  eine  konstruierte  Verfolgungsgeschichte, die der Beschwerdeführer nicht tatsächlich erlebt  habe.  An  dieser  Einschätzung  vermöchten  auch  die  eingereichten  Beweismittel  nichts  zu  ändern,  da  sich  diese  lediglich  auf  Umstände  beziehen  würden,  die  von  der  Vorinstanz  nicht  in  Zweifel  gezogen  würden. C.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  4.  Mai  2011  erhob  der  Beschwerdeführer  gegen  diese  Verfügung  des  BFM  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Gewährung  von  Asyl  sowie  eventualiter  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  zufolge  Unzulässigkeit und allenfalls Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.  In  verfahrensrechtlichter  Hinsicht  ersuchte  er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 

D­2564/2011 Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses. In  seiner  Beschwerde  bezog  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  Stellung zu den einzelnen von der Vorinstanz vorgebrachten Argumenten  und  führte  im  Wesentlichen  aus,  er  habe  anlässlich  der  beiden  Befragungen  jeweils  ausserordentlich  ausführliche,  detailreiche  und  widerspruchsfreie  Antworten  gegeben,  weshalb   bei  einer  Gesamtbeurteilung die für die Richtigkeit der Asylvorbringen sprechenden  Elemente gegenüber den Unglaubhaftigkeitsindizien überwiegen würden.  Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  er  unter  anderem  einen  Schriftenwechsel mit seiner Bank sowie eine Wohnsitzbestätigung seines  Vaters ein. D.  Mit Zwischenverfügung des zuständigen Instruktionsrichters vom 18. Mai  2011 teilte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer mit, er  könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, hiess das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  wurde  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

D­2564/2011 durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf  die Beschwerde ist einzutreten. 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  2.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die  Flüchtlingseigenschaft,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.  3.1.  Das  BFM  erachtete  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  in  zahlreichen Punkten als unglaubhaft. Indessen vermögen einzelne dieser  Unglaubhaftigkeitselemente nicht zu überzeugen. So  qualifizierte  das  Bundesamt  beispielsweise  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  bezüglich  der Geld­Transfers  als  unglaubhaft,  da  er  weder  Angaben  dazu  wann,  über  welchen  Zeitraum  hinweg,  noch  aus  welchen  Ländern  er  das Geld  empfangen  habe,  habe machen  können.  Ferner habe er dem BFM bisher nicht belegen können, wann, woher und 

D­2564/2011 von  welchen  Adressaten  die  angeblichen  Transfers  getätigt  worden  seien,  obwohl  es  sich  um  ein  persönliches  Bankkonto  handle  und  der  Beschwerdeführer folglich Belege hätte vorweisen können müssen. Weiter befand das BFM, die Haftentlassung gegen Geldzahlung sei nach  allgemeiner Erfahrung nicht mit der Logik des Handelns von Behörden im  Umgang  mit  Inhaftierten  vereinbar,  denn  wäre  der  Beschwerdeführer  gesucht gewesen, wäre er nicht einfach gegen Geldzahlung freigelassen  worden.  Zudem  hätte  sich  die  betroffene  Person  der  Behörde  dadurch  selber strafbar machen müssen. Diese Ausführungen der Vorinstanz vermögen nicht  zu überzeugen und  können  zudem  durch  die  in  der  Beschwerde  vorgebrachten  Argumente  entkräftet werden. So  wurde  in  der  Beschwerde  bezüglich  der  Geld­Transfers  entgegnet,  dass  es  entgegen  den  Kenntnissen  der  Vorinstanz  in  Sri  Lanka  nicht  üblich sei,  regelmässige Kontoauszüge zu erhalten, sondern dass diese  nur  auf  Verlangen  und  bei  persönlichem  Erscheinen  ausgehändigt  würden. Der Beschwerdeführer habe sich im Vertrauen zu seinem Freund  E._______  sehr  leichtsinnig  und  naiv  verhalten,  indem  er  niemals  Kontoauszüge  verlangt  habe,  was  aber  nicht  per  se  als  unglaubwürdig  gewertet  werden  dürfe.  Er  habe  sich  mittlerweile  um  Beschaffung  der  Kontoauszüge bemüht, diese  jedoch nicht erhalten, da er auf der nur  in  Sri  Lanka  vertretenen  Bank  nicht  persönlich  erscheinen  könne.  Zur  Stützung dieses Vorbringens reichte der Beschwerdeführer ein Schreiben  an seine Bank und deren Antwortschreiben ein. Tatsächlich  geht  aus  diesem  Antwortschreiben  hervor,  dass  ein  Kontoauszug nur persönlich bei der Bank abgeholt werden kann. Zudem  ist  festzustellen,  dass  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführer  weder  gefragt  hat,  wann,  noch  aus  welchen  Ländern  er  diese  Zahlungen  erhalten habe. Einen Zeitraum hat er hingegen entgegen der Ansicht der  Vorinstanz angegeben (vgl. A 7/12 S. 3 und 6).  Ferner wies der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde in Bezug auf die  Freilassung  gegen  Geldzahlung  unter  Verweis  auf  mehrere  Quellen  darauf  hin,  dass  Korruption  in  Sri  Lanka  durchaus  existiere,  da  solche  Vereinbarungen  für  das  schlechtbezahlte  Sicherheitspersonal  eine  lukrative Einkommensquelle  darstellen würden und  im vorliegenden Fall  eine ansehnliche Summe – ca. Fr. (…) – bezahlt worden sei.

D­2564/2011 Ein  solches  Verhalten  der  srilankischen  Behörden  kann  jedenfalls  nicht  per  se  ausgeschlossen  werden.  Die  diesbezügliche  detailreiche  Schilderung des Beschwerdeführers anlässlich der Befragung vom 8. Juli  2010 (vgl. A 7/12 S. 4) stützt die in der Beschwerde vertretene Ansicht. Somit  ist  entgegen  der  Auffassung  der  Vorinstanz  zumindest  nicht  auszuschliessen,  dass  der Beschwerdeführer  die  von  ihm geschilderten  Begebenheiten,  wonach  sein  Freund  E._______  Geld  von  LTTE­ Unterstützern  über  sein  Konto  empfangen  habe,  woraufhin  der  Beschwerdeführer während drei Tagen in Haft genommen und dazu unter  Schlägen befragt worden sei,  tatsächlich erlebt hat. Unabhängig von der  Frage  der  Glaubhaftigkeit  stellt  sich  jedoch  die  Frage  nach  der  Asylrelevanz der Vorbringen. 3.2.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt  worden  sind  beziehungsweise  zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl. BVGE  2008/4  E.  5.2  S.  37,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr.  18  E.  7  und  8  S.  190  ff.,  EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193). Vorliegend  fehlt  es  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  an  der  erforderlichen  Intensität.  Zwar  bedeutet  die  dreitätige  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers  einen  Eingriff  in  dessen  Recht  auf  persönliche  Freiheit  und  seine  physische  wie  psychische  Integrität,  genügt  allein  jedoch den Anforderungen an die ernsthaften Nachteile im Sinne von Art.  3  AsylG  nicht  (vgl.  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 44 f.). Eine vergangene Verfolgung gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG ist sodann nur  asylrelevant, wenn begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung besteht.  Vorliegend  ist  indessen nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer  habe  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  ernsthafte  Nachteile  durch  Verfolgungsmassnahmen  der  srilankischen  Sicherheitskräfte  zu  befürchten,  zumal  er  insgesamt  kein  besonderes  Profil  aufweist,  das  ihn  aktuell  aus  objektiver  Sicher  als  gefährdet 

D­2564/2011 erscheinen liesse. Zwar gehören Personen, die einer Verbindung zu den  LTTE  verdächtigt  werden,  gemäss  aktueller  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  auch  heute  potentiell  noch  zu  einer  Risikogruppe  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts E­6220/2006  vom 27. Oktober  2011 E.  8.1).  Indes  sind  den Akten  keinerlei  Beziehungen  des Beschwerdeführers  zu  den  LTTE  zu  entnehmen  (vgl.  A7/12 S.  9)  und  die  Entlassung  aus  der  dreitägigen  Haft  am  (…)  2009  ohne  Auflagen  lässt  darauf  schliessen,  dass seitens der srilankischen Behörden nichts mehr gegen  ihn vorliegt.  Sein Vorbringen, wonach er nach seiner Freilassung von verschiedenen  Gruppierungen  an  seinem  Wohnort  in  Colombo  gesucht  worden  sei,  wurde  von  der Vorinstanz  zu Recht  als  unglaubhaft  erachtet. Das BFM  führte  aus,  der  Beschwerdeführer  sei  nicht  in  der  Lage  gewesen,  Angaben dazu zu machen, wann und wie oft Personen der Armee, des  CID und der Polizei  an  seinem  früheren Wohnort  in Colombo nach  ihm  gesucht hätten. Dies wirke  insbesondere vor dem Hintergrund, dass der  Beschwerdeführer  in  seiner  früheren  Vermieterin  über  eine  Informantin  vor  Ort  verfügt  habe,  unglaubhaft.  Es  sei  nicht  logisch,  dass  der  Beschwerdeführer  in Anbetracht  der Umstände sich nicht genauer nach  seiner  persönlichen  Bedrohungssituation  erkundigt  habe.  Ein  solches  Desinteresse  entspreche  nicht  dem  Verhalten  tatsächlich  Verfolgter.  Tatsächlich  hat  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführer  –  wie  in  der  Beschwerde vorgebracht – nicht gefragt, wann er aufgesucht wurde. Die  sonstigen  Ausführungen  erweisen  sich  jedoch  als  zutreffend.  Hinzu  kommt,  dass  die  diesbezüglichen  Angaben  des  Beschwerdeführers –  verglichen mit seinen Aussagen zu anderen Vorbringen – unsubstanziiert  wirken.  Das  fehlende  Risikoprofil  und  die  Tatsache,  dass  die  erneute  Suche  nach  dem Beschwerdeführer  als  unglaubhaft  zu  qualifizieren  ist,  lassen  eine  zukünftige  Verfolgung  durch  die  srilankischen  Sicherheitskräfte als überwiegend unwahrscheinlich erscheinen. Somit erweisen sich die Vorbringen des Beschwerdeführers unabhängig  von  der  Frage  der  Glaubhaftigkeit  mangels  Intensität  und  begründeter  Furcht vor zukünftiger Verfolgung als nicht asylrelevant. 3.3.  Der  Beschwerdeführer  erfüllt  somit  die  Voraussetzungen  zur  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb  die  Vorinstanz  das Asylbegehren im Ergebnis zu Recht abgelehnt hat. 4. 

D­2564/2011 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol­ chen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art.  44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2008/34 E. 9.2). 5.  5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus­ ländern  (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl. WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148). 5.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­ Refoulements  im vorliegenden Verfahren keine Anwendung  finden. Eine  Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem  Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

D­2564/2011 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Sri  Lanka  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art.  3  der Konvention  vom 4. November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) oder Art. 1  des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (Europäische Gerichtshof  für Menschenrechte  [EGMR])  sowie  jener des  UN­Anti­Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer  eine konkrete  Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihm  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Sri  Lanka  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 5.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 5.3.1.  Das  BFM  führte  in  seiner  Verfügung  zur  Zumutbarkeit  der  Wegweisung im Wesentlichen aus, es sei nach eingehender Überprüfung  der  Entwicklung  der  Lage  in  Sri  Lanka  zum  Schluss  gekommen,  dass  sich  die  allgemeine Sicherheitslage  seit  dem Ende des Bürgerkriegs  im  Mai  2009  deutlich  entspannt  habe.  Auch  hätten  sich  die  Lebensbedingungen soweit verbessert, dass eine Rückkehr auch  in den  Norden  und  Osten  Sri  Lankas  –  mit  Ausnahme  des  Vanni­Gebietes –  grundsätzlich  wieder  zumutbar  sei.  Trotz  regionaler  Unterscheide  herrsche  insbesondere  auf  der  Halbinsel  von  Jaffna  –  woher  der  Beschwerdeführer  ursprünglich  stamme  –  weitgehend  ein  normales  Alltagsleben. Da somit weder die allgemeine Lage im Jaffna­Distrikt noch  persönliche Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen würden, 

D­2564/2011 sei  die  Rückkehr  in  seinen  Herkunftsort  F._______  zumutbar.  Zudem  verfüge  der  Beschwerdeführer  über  eine  solide  Schulbildung,  Berufserfahrung sowie ein intaktes Beziehungsnetz am Herkunftsort. 5.3.2. Der Beschwerdeführer entgegnete dem in seiner Beschwerde, das  BFM  stütze  sich  bei  seiner  Lagebeurteilung  auf  nicht  mehr  aktuelle  Quellen. Entgegen der dort vertretenen Ansicht habe sich die Situation für  die  tamilische  Bevölkerung  und  insbesondere  für  mutmassliche  LTTE­ Sympathisanten  nicht  verbessert.  Die  aktuelle  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  sei  vor  allem  im  Norden  und  Osten  des  Landes  noch  klar  ungenügend,  um  einen Wegweisungsvollzug  zu  ermöglichen.  Da  er  unwissentlich  die  LTTE  finanziell  unterstützt  habe,  gelte  er  als  Terrorverdächtiger  und  falle  unter  die  Notstandgesetzgebung,  was  ihm  jeglichen  Schutz  vor  Folter  und  Haft  versage.  Dass  er  nach  seiner  Freilassung  erneut  aufgesucht  worden  sei,  zeige  deutlich,  dass  die  Behörden  ihn  immer  noch  suchen  würden.  Als  zusätzlicher  Verdachtsmoment  komme  nun  noch  ein  längerer  Auslandaufenthalt  verbunden mit der Einreichung eines Asylgesuchs hinzu. Dadurch seien  auch Bekannte oft nicht mehr bereit, ihre eigene Sicherheit aufs Spiel zu  setzen,  um  solche  Personen  bei  sich  aufzunehmen.  Im  Lichte  der  allgemeinen  Situation  gehöre  er  als  Tamile  und  mutmasslicher  LTTE­ Sympathisant zu einer der am stärksten gefährdeten Personengruppen. 5.3.3. Im Zusammenhang mit diesen Einwänden ist vorweg festzuhalten,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  dass  er  begründete  Furcht  vor  asylrechtlich  relevanten Nachteilen  hegen muss  beziehungsweise,  dass  ihm  im Falle der Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohe  (vgl.  E.  3.2  und.  5.2).  In  Bezug  auf  die  allgemeine  Lage  in  Sri  Lanka  kann  auf  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  vorgenommene  Einschätzung  der  Situation  in  einem  vor  Kurzem  ergangenen,  zur  Publikation  vorgesehenen Grundsatzurteil  verwiesen  werden  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­6229/2006  vom  27.  Oktober  2011),  welche  im  Wesentlichen  mit  der  Praxis  der  Vorinstanz  übereinstimmt.  Demzufolge  ist  seit  dem  Ende  des  bewaffneten  Konflikts  zwischen  der  srilankischen  Armee  und  den  LTTE  im  Mai  2009  von  einer  erheblich  verbesserten  Menschenrechts­  und  Sicherheitslage  auszugehen,  wobei  sich  die  Situation  nicht  in  allen  Landesteilen  gleich  präsentiert.  Da  sich  die  Lage  in  der  Ostprovinz  weitgehend  stabilisiert  und  normalisiert  hat,  wird  der  Wegweisungsvollzug  in  das  gesamte  Gebiet  der  Provinz  grundsätzlich als zumutbar erachtet (vgl. a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der 

D­2564/2011 Nordprovinz  ist  hingegen  differenziert  einzuschätzen,  da  sich  die  Situation  dort  gebietsweise  sehr  unterschiedlich  gestaltet.  In  den  Gebieten, die bereits seit  längerer Zeit unter Regierungskontrolle stehen  – namentlich  die  Distrikte  Jaffna  und  die  südlichen  Teile  der  Distrikte  Vavuniya und Mannar – herrscht heute weder eine Situation allgemeiner  Gewalt  noch  ist  die  politische  Lage  dermassen  angespannt,  dass  eine  Rückkehr  dorthin  als  generell  unzumutbar  eigestuft  werden  müsste  (vgl. a.a.O.  E.  13.2).  Angesichts  der  nach  wie  vor  fragilen  Lage  drängt  sich  aber  eine  sorgfältige,  zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien  auf,  wobei  nebst  der  allgemeinen  Zumutbarkeit  auch  dem  zeitlichen  Element  gebührend  Rechnung  zu  tragen  ist.  Ein  Wegweisungsvollzug ist demnach für Personen, welche die betreffenden  Gebiete erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen  haben,  grundsätzlich  zumutbar,  sofern  sie  dort  auf  eine  zumindest  gleichwertige Wohnsituation wie  vor  der  Ausreise  zurückgreifen  können  (vgl. a.a.O. E. 13.2.1.1). Liegt der Aufenthalt indessen längere Zeit zurück  oder  geht  aus  den  Verfahrensakten  hervor,  dass  sich  die  Lebensumstände massgeblich verändert haben könnten, sind die aktuell  vorliegenden  Lebens­  und  Wohnverhältnisse  sorgfältig  abzuklären  und  auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs hin zu prüfen (vgl. a.a.O.  E. 13.2.1.2).  In  das  sogenannten  "Vanni­Gebiet"  hingegen,  welches  die  Distrikte  Kilinochchi  und  Mullaitivu  (samt  diesen  beiden  Städten),  die  nördlichen  Teile  der  Distrikte  Mannar  und  Vavuniya  sowie  einen  schmalen  Landstreifen  an  der Ostküste  des  Jaffna­Distrikts  umfasst,  ist  eine  Rückkehr  aufgrund  der  aktuellen  Lage  –  namentlich  aufgrund  der  weitgehend  zerstörten  Infrastruktur  und  der  Verminung  –  weiterhin  als  unzumutbar einzustufen (vgl. a.a.O. E. 13.2.2). In das übrige Staatsgebiet  Sri Lankas ist der Wegweisungsvollzug indessen grundsätzlich zumutbar  (vgl. a.a.O. E. 13.3). Der  Beschwerdeführer  stammt  eigenen  Angaben  zufolge  aus  der  Ortschaft F._______, G._______ (Distrikt Jaffna), zog aber im Jahr 2001  mit  seiner  Familie  nach  Colombo,  wobei  seine  Mutter  im  Jahre  2005  gestorben und sein Vater mittlerweile nach Jaffna zurückgekehrt sei. Bei  dieser  Sachlage  stellt  sich  die  Frage,  ob  dem  Beschwerdeführer  eine  Rückkehr  an  seinen  Herkunftsort  im  Distrikt  Jaffna  aufgrund  einer  individuellen Prüfung  der Verhältnisse  zuzumuten  ist. Die Bejahung  der  Zumutbarkeit  einer  Rückkehr  in  die  Nordprovinz  –  mit  Ausnahme  des  Vanni­Gebiets  –  setzt  insbesondere  die  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes,  die  konkrete  Möglichkeit  der  Sicherung  des  Existenzminimums  sowie  eine  gesicherte  Wohnsituation  voraus  (vgl. 

D­2564/2011 a.a.O. E. 13.2.1.2).  Zumal  der Beschwerdeführer  angab,  sein Vater,  ein  finanziell gut gestellter Geschäftsmann  (vgl. A7/12 S. 8), sei mittlerweile  nach  Jaffna  zurückgekehrt,  ist  davon  auszugehen,  er  verfüge  dort  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz.  Zudem  leben  in  der  Umgebung  auch  mehrere Onkel und Tanten. Da er ausserdem über eine solide Schul­ und  Berufsbildung verfügt, dürfte der Beschwerdeführer in der Lage sein, sich  dort eine Existenz aufzubauen. Jedenfalls aber steht es dem jungen und  – soweit  aus  den  Akten  ersichtlich  –  gesunden  Beschwerdeführer  frei,  sich erneut in Colombo, wo er zuvor seit seinem vierzehnten Lebensjahr  wohnhaft  war  und  insbesondere  während  drei  Jahren  ein  Informatikstudium  absolvierte,  niederzulassen.  Der  Vollzug  der  Wegweisung erweist daher auch als zumutbar. 5.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83  Abs. 1 – 4 AuG). 6.  6.1.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 6.2.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da ihm mit  Zwischenverfügung vom 18. Mai 2011 die unentgeltliche Rechtspflege im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gewährt  wurde  und  sich  die  entsprechenden Voraussetzungen dazu nicht geändert haben, sind keine  Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

D­2564/2011 D­2564/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bendicht Tellenbach Nina Hadorn Versand:

D-2564/2011 — Bundesverwaltungsgericht 21.12.2011 D-2564/2011 — Swissrulings