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Bundesverwaltungsgericht 16.12.2011 D-2056/2009

16 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,341 parole·~17 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. Februar 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­2056/2009 Urteil   v om   1 6 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren X._______, Türkei, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. Februar 2009 / N_______.

D­2056/2009 Sachverhalt: A.   A.a. Am 8. Januar 2001 reiste der Beschwerdeführer ein erstes Mal in die  Schweiz ein und stellte am 9. April 2001 in der Empfangsstelle Basel ein  Asylgesuch. Mit Verfügung vom 12. September 2001 lehnte das damalige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF)  das  Asylbegehren  gestützt  auf  Art.  3  und 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) ab. Die  dagegen erhobene Beschwerde vom 15. Oktober 2001 wurde mit Urteil  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  vom  22.  Februar  2005  abgewiesen.  Das  BFM  räumte  dem  Beschwerdeführer mit Schreiben  vom 24. Februar  2005 eine neue Frist  bis  21. April  2005  zum  Verlassen  der  Schweiz  ein.  Mit  Schreiben  des  Migrationsdienstes des Kantons B._______ vom 1. Juni 2005 wurde der  Beschwerdeführer als "verschwunden seit 30. April 2005" gemeldet. A.b.  Am  (...)  wurde  der  Beschwerdeführer  von  der  Stadtpolizei  B._______  wegen  illegalen  Aufenthalts  und  falscher  Namensangabe  verzeigt  und  deswegen  gleichentags  mit  Strafmandat  des  (...)  zu  einer  Strafe von (Nennung Strafe), verurteilt. Das BFM erliess daraufhin am 22.  Dezember  2005  gegen  den  Beschwerdeführer  eine  3­jährige  Einreisesperre. Dieser wurde in die Türkei ausgeschafft. Mit Eingabe vom  9.  Februar  2006  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  damaligen  Rechtsvertreter  –  infolge  Heirat  am  (...)  in  (...)  (Türkei) mit  einer  in  der  Schweiz  niedergelassenen  türkischen  Staatsangehörigen  –  um  Aufhebung  der  Einreisesperre  ersuchen.  Mit  Entscheid  vom  24.  März  2006  hob  das  BFM  die  gegen  den  Beschwerdeführer  verhängte  Einreisesperre wiedererwägungsweise mit sofortiger Wirkung auf. A.c. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 5. November 2008 wurde  angezeigt,  der Beschwerdeführer  suche  erneut  um Asyl  in  der Schweiz  nach  und  werde  sich  am  folgenden  Tag  im  C._______  einfinden.  Am  6. November  2008  reichte  der  Beschwerdeführer  im  C._______  ein  zweites Asylgesuch ein. Anlässlich der Kurzbefragung im C._______ vom  20. November 2008  führte er dabei  im Wesentlichen an, sich nach dem  Verlassen der Schweiz zunächst nach D._______ begeben zu haben und  danach wieder in sein Heimatdorf in der Provinz E._______ zurückgereist  zu sein, wo er sich bis  im August 2008 aufgehalten habe. Bis zu seiner  Ausreise am 31. Oktober 2008 habe er wieder in D._______ gelebt. Nach  seiner  Rückkehr  in  die  Türkei  sei  er  wegen  des  noch  nicht  geleisteten  Militärdienstes  im  (...)  (Dauer  der  Haft)  lang  festgehalten  worden.  Man 

D­2056/2009 habe ihn danach freigelassen, damit er den Militärdienst leisten könne. Er  habe  diesen  jedoch  nicht  angetreten,  was  in  der  Folge  keine  weiteren  Konsequenzen  für  ihn  gehabt  habe.  Er  werde  jedoch  wegen  der  Nichtleistung des Militärdienstes gesucht. Ferner sei er als Sympathisant  aktiv  beim  F._______  tätig  gewesen  und  habe  unter  anderem  an  Veranstaltungen derselben teilgenommen. Am Newroz­Fest  im (...) habe  er geholfen, in den Zelten Essen und Trinken zu verkaufen, worauf er am  (...)  verhaftet  und  auf  dem  Polizeiposten  in  E._______  festgehalten  worden sei. Dort sei er gefoltert und beschimpft worden, wobei man ihm  vorgeworfen  habe,  die  F._______  unterstützt  und  am  Newroz  teilgenommen zu haben. Nachdem er einen Anwalt eingeschaltet gehabt  habe,  sei  er  nach  (...)  Tagen  wieder  freigekommen.  Es  sei  kein  Strafverfahren  eingeleitet  worden.  Da  ihr  Wortführer  der  F._______  verhaftet  worden  sei  und  sich  noch  immer  in  Haft  befinde,  habe  er  befürchtet, dass  ihm eines Tages das Gleiche geschehen könnte. Da er  den Druck nicht mehr ausgehalten habe, sei er schliesslich ausgereist. Im  Übrigen  habe  er  sich  im  Jahre  (...),  wann  genau  wisse  er  nicht,  in  E._______ von seiner in der Schweiz lebenden Ehefrau scheiden lassen.  Er  habe  keinen  Kontakt  mehr  zu  ihr  und  wisse  auch  nicht,  ob  sie  überhaupt noch in der Schweiz sei. A.d. Am 4. Dezember 2008 wurde der Beschwerdeführer vom BFM direkt  angehört.  In  Ergänzung  zu  seinen  bisherigen  Äusserungen  brachte  er  vor,  nachdem  er  bei  seiner  Rückkehr  von  den  Militärbehörden  festgehalten  worden  sei,  seien  diese  immer  wieder  bei  ihm  zu  Hause  erschienen  und  hätten  ihn  gesucht.  Er  habe  sich  deswegen  gar  nicht  mehr zu Hause aufgehalten und sei mit einer gefälschten Identitätskarte  ständig  unterwegs  gewesen.  Bei  der  Newroz­Feier  im  Jahre  (...)  seien  Polizisten  und  Angehörige  des  Militärs  erschienen,  worauf  es  zu  Zwischenfällen  gekommen  sei.  Er  habe  jedoch  die  Flucht  ergreifen  können,  wobei  er  nicht  nach  Hause,  sondern  zu  seiner  in  E._______  lebenden  Schwester  gegangen  sei.  Dennoch  sei  er  dort  am  folgenden  Tag  von  den Behörden  verhaftet worden. Dies  vermutlich  deshalb, weil  ihn jemand bei den Behörden denunziert habe oder er beschattet worden  sei. Weiter habe er für die F._______ Geld und Lebensmittel gesammelt  und auch selber Geld gespendet. Das gesammelte Geld hätten sie  von  der  Jugendgruppe  einem  Kameraden  mit  dem  Decknamen  G._______  gegeben.  Er  sei  während  seiner  (...)  Haft  täglich  gefoltert,  geschlagen,  getreten  und  auf  die  schlimmste  Art  beschimpft  worden,  so  dass  man  daran  psychisch  kaputt  gehe.  Auch  habe man  ihn mit  unter  Hochdruck  stehendem Wasser bespritzt. Man habe ihm jeweils die Augen verbunden 

D­2056/2009 und  die  Arme  gefesselt.  Aufgrund  dieser  Folter  sei  er  krank  geworden  und  er  sei  es  noch  heute.  Er  habe  (Nennung  Krankheitssymptome).  Deswegen  sei  er  in  der  Türkei  während  (...)  im  Spital  in  Behandlung  gewesen.  Ausserdem  leide  er  an  (Nennung  Leiden).  Er  sei  damals mit  der Auflage  freigelassen worden, sich nicht mehr  für die F._______ und  den  Jugendverband  zu  engagieren.  Bei  einer  Rückkehr  in  die  Türkei  müsse er erneute Verhaftung und Folter befürchten, was er  jedoch nicht  noch  einmal  erleben wolle.  Im  (...)  oder  (...)  des  Jahres  (...)  habe  er  in  E._______  an  einem  bestimmten  Ort  an  einer  von  G._______  einberufenen Versammlung  teilgenommen, wo sie die Tagesaktualitäten  diskutiert  hätten.  Die  Sicherheitskräfte  hätten  in  der  Folge  eine  Razzia  durchgeführt,  alle  Teilnehmer  –  darunter  auch  ihn  –  befragt  und  sie  danach  gehen  lassen,  ausser  G._______,  der  gleich  mitgenommen  worden  sei.  Dieser  sei  noch  immer  in  Haft  und  die  Behörden  würden  G._______  vorwerfen,  die  Jugendlichen  gegen  die  Polizei  und  den  türkischen  Staat  rekrutiert  und  illegal  beziehungsweise  gewaltsam Geld  eingetrieben  zu  haben.  Auf  die  weiteren  Ausführungen  wird,  soweit  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. A.e.  Mit  Entscheid  des  BFM  vom  16.  Dezember  2008  wurde  der  Beschwerdeführer  für  den  Aufenthalt  während  des  Asylverfahrens  dem  Kanton H._______ zugewiesen. B.  Mit Verfügung vom 18. Februar 2009 – eröffnet  am 26. Februar 2009 –  lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete  dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, die Vorbringen  des Beschwerdeführers vermöchten weder den Anforderungen von Art. 3  AsylG an die Flüchtlingseigenschaft noch denjenigen von Art. 7 AsylG an  die  Glaubhaftigkeit  zu  genügen.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  die  Türkei  erscheine  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich. C.  Mit Eingabe vom 30. März 2009 beantragte der Beschwerdeführer beim  Bundesverwaltungsgericht,  es  sei  der  angefochtene  Entscheid  der  Vorinstanz  aufzuheben  und  die  Sache  sei  zur  Feststellung  des  vollständigen  und  richtigen  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen,  eventuell  sei  der  angefochtene  Entscheid  der  Vorinstanz  aufzuheben  und  es  sei  seine 

D­2056/2009 Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  sowie  in  der  Schweiz  Asyl  zu  gewähren,  eventuell  sei  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen.  Er  ersuchte  in  prozessualer  Hinsicht  um  Abklärung  des  vollständigen  und  richtigen  rechtserheblichen  Sachverhalts  durch  das  Bundesverwaltungsgericht,  falls  die  angefochtene  Verfügung  nicht  aufgehoben  und  die  Sache  nicht  an  die  Vorinstanz  zurückgewiesen  würde  respektive  es  sei  zumindest  eine  angemessene  Frist  zur  Einreichung ärztlicher Berichte sowie zur Einreichung von Beweismitteln  aus  seiner  Heimat  anzusetzen.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D.  Mit Zwischenverfügung des  Instruktionsrichters vom 3. April 2009 wurde  dem Beschwerdeführer mitgeteilt,  dass er den Ausgang des Verfahrens  in der Schweiz abwarten könne. Er wurde aufgefordert,  innert 30 Tagen  ab Erhalt  der Zwischenverfügung die  zu beschaffenden Beweismittel  im  Zusammenhang  mit  seinen  Asylvorbringen  im  Original  und  in  eine  Amtssprache  übersetzt  einzureichen.  Dem  Beschwerdeführer  wurde  Gelegenheit gewährt,  innert 30 Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung  seine gesundheitlichen Schwierigkeiten zu belegen sowie eine Erklärung  über  die  Entbindung  von  der  ärztlichen  Schweigepflicht  gegenüber  den  Asylbehörden einzureichen, wobei bei  jeweils ungenutzter Frist aufgrund  der  Akten  entschieden  werde.  Sodann  wurde  der  Beschwerdeführer  aufgefordert, bis zum 20. April 2009 einen Kostenvorschuss  in der Höhe  von  Fr.  600.–  einzuzahlen,  unter  Androhung  des  Nichteintretens  im  Unterlassungsfall. Der Kostenvorschuss wurde am 20. April 2009 geleistet. E.  Mit  Eingabe  vom  2.  Juni  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  –  nach  einmalig  gewährter  Fristerstreckung  –  (Nennung  Beweismittel)  zu  den  Akten.  Gleichzeitig  ersuchte  er  das  Bundesverwaltungsgericht,  seinen  behandelnden  Arzt  zwecks  Beantwortung  bestimmter  Fragen  direkt  anzuschreiben. F.  Mit  Eingabe  vom  23.  August  2010  teilte  der  Beschwerdeführer  mit,  er  befinde sich aufgrund seiner (...) Probleme nach wie vor in ständiger (...)  Behandlung und habe sich an seinen (Nennung Arzt), gewandt, um einen  diesbezüglichen  Bericht  abzufassen.  Gemäss  den  ihm  zugegangenen 

D­2056/2009 Informationen  seien  die  von  ihm  in  der  Rechtsmitteleingabe  erwähnten  Personen  – mit  Ausnahme  von G._______  –  freigelassen worden.  Das  gegen diese Personen eingeleitete Gerichtsverfahren,  von dem auch er  betroffen  wäre,  sei  indessen  noch  hängig.  Er  werde  versuchen,  Unterlagen aus diesem Gerichtsverfahren und zur aktuellen Situation der  betroffenen  Personen  zu  erhalten.  Gleichzeitig  ersuchte  der  Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang um Ansetzung einer neuen  angemessenen  Frist  zur  Einreichung  eines  Arztberichtes  und  weiterer  Beweismittel. G.  Mit Verfügung vom 1. September 2010 wurde das Gesuch um Ansetzung  einer  Frist  zur Einreichung  von Beweismitteln  unter Verweis  auf Art.  32  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) abgewiesen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1  BGG  liegt  in  casu  nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  demnach endgültig. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 

D­2056/2009 (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der  Regel  in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen  (vgl. Art. 21  Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen  auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1  AsylG). 2.   2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 3.  3.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  des  ablehnenden  Asylentscheides im Wesentlichen aus, die geltend gemachte Festnahme  im  (...)  sei  zu  bezweifeln,  zumal  sie  wenig  plausibel  erscheine,  da  der  Beschwerdeführer jahrelang im Umfeld der F._______ aktiv gewesen sei  und in gleicher Weise an den (Nennung Veranstaltungen) der F._______  teilgenommen  habe.  Zudem  habe  er  zu  dieser  Festnahme  keine 

D­2056/2009 Beweismittel  eingereicht.  Aufgrund  seiner  Tätigkeiten  könne  eine  tatsächliche  Festnahme  nicht  gänzlich  ausgeschlossen  werden,  auch  wenn  die  heutige  F._______  eine  legale  Partei  sei.  Dass  der  Beschwerdeführer  die  von  ihm  geltend  gemachten  Tätigkeiten  für  die  F._______  ausgeführt  habe  und  die  Behörden  deswegen  an  ihm  interessiert gewesen seien, genüge aber nicht, um begründete Furcht vor  einer  zukünftigen  asylrelevanten  Verfolgung  anzunehmen.  Aus  seinen  Aussagen  gehe  hervor,  dass  er  als  Sympathisant  nicht  in  exponierter  Stellung  für  die  F._______  tätig  gewesen  sei.  Eine  strafrechtliche  Verfolgung allein wegen seiner Nähe zur F._______ sei auszuschliessen.  Er  sei  nach  der  angeführten  Festnahme  mehrere  Monate  an  seinem  Wohnort  verblieben  und  nicht  mehr  behelligt  worden.  Auch  bei  seinem  anschliessenden  Aufenthalt  in  D._______  sei  er  von  den  Behörden  unbehelligt  geblieben.  Es  sei  somit  davon  auszugehen,  dass  bei  den  Behörden  nichts  gegen  ihn  vorliege  und  ihr  Interesse  an  ihm erloschen  sei.  Aus  diesen Gründen  bestehe  keine  beachtliche Wahrscheinlichkeit,  dass  sich  seine  Befürchtungen,  von  den  türkischen  Behörden  wegen  seiner  politischen  Tätigkeiten  längere  Zeit  festgenommen  zu  werden,  verwirklichen würden. Diese Schlussfolgerung gelte nach wie vor, obwohl  zurzeit seitens der türkischen Staatsanwaltschaft ein gerichtliches Verbot  dieser  Partei  angestrengt  werde.  Deshalb  könnten  die  vom  Beschwerdeführer  geäusserten  Befürchtungen  nicht  als  asylrelevant  qualifiziert werden. Weiter mache der Beschwerdeführer geltend, er wolle keinen Militärdienst  leisten  und  werde  deshalb  gesucht.  Er  sei  gegen  den  Krieg  und  als  ethnischer  Kurde  befürchte  er,  während  des  Militärdienstes  im  Kampf  gegen  die  verbotene  Kurdische  Arbeiterpartei  (PKK)  eingesetzt  zu  werden.  Die  Dienstpflicht  allein  sei  jedoch  nicht  asylrelevant,  wenn  die  Streitkräfte zur Bekämpfung eines innerstaatlichen Notstandes eingesetzt  würden.  Die  Wehrpflicht  diene  nämlich  dazu,  den  Staat  gegen  Bedrohungen zu schützen, wobei das Militär zur Abwehr sowohl äusserer  wie  innerer  Angriffe  eingesetzt  werden  dürfe.  Eines  Stationierung  des  Beschwerdeführers im Osten der Türkei zur Bekämpfung der PKK würde  im  Rahmen  einer  Verschiebung  seiner  Truppeneinheit  in  das  Operationsgebiet  geschehen.  Ein  Zusammenhang  zwischen  Stationierungsort  und  Ethnie  des  Beschwerdeführers  lasse  sich  nicht  herstellen,  zumal  die  Einteilung  in  eine  Truppeneinheit  nach  dem  Zufallsprinzip vorgenommen werde. Ein Einsatz im Kampf gegen die PKK  wie  auch  ein  militärstrafrechtliches  Vorgehen  wegen  Dienstversäumnis  stelle somit keine asylbeachtliche Massnahme dar.

D­2056/2009 3.2.  Demgegenüber  bringt  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  vor,  er  habe  in den Anhörungen wiederholt  auf  die  während  der  Haft  erlittene  Folter  und  die  daraus  resultierenden  gesundheitlichen  Schäden  in  physischer  und  psychischer  Hinsicht  hingewiesen,  wobei  er  bereits  in  der  Türkei  deswegen  in  Behandlung  gewesen sei. Auch habe er die Notwendigkeit einer ärztlichen Betreuung  betont. Er habe somit klar dargelegt, dass im Rahmen seiner Verfolgung  asylrelevante  Vorbringen  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  vorlägen,  er  entsprechende  (...)  Folterspuren  aufweise  und  dringend  einer  Behandlung  bedürfe.  Anstatt  diese  Vorbringen  als  unglaubhaft  zu  taxieren,  hätte  das  BFM  vielmehr  die  Pflicht  gehabt,  seinen  Gesundheitszustand  abklären  respektive  einen  ausführlichen  ärztlichen  Bericht zum allfälligen Bestehen physischer und psychischer Folterspuren  erstellen  zu  lassen.  Weiter  würde  sich  aus  dem  Bestehen  einer  entsprechenden  Schädigung  bei  gegebener  Behandlungsnotwendigkeit  die  Frage  nach  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  aus  medizinischen Gründen stellen. Weder habe die Vorinstanz irgendwelche  Abklärungen  angeordnet  beziehungsweise  ihm  eine  angemessene  Frist  zur  Einreichung  eines  entsprechenden  ärztlichen  Berichtes  angesetzt  noch gehe sie auf die von ihm vorgebrachten schweren gesundheitlichen  Probleme  ein.  Dadurch  sei  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  bezüglich  seiner  Gesundheitssituation  und  bezüglich  des  Vorliegens  von  Folterspuren  unvollständig  abgeklärt  worden.  Im  Übrigen  zeige  die  Überweisung  an  einen  Spezialarzt  der  (...)  hier  in  der  Schweiz,  dass  seine gesundheitlichen Probleme ernsthafter Natur seien. Auch in einem  anderen  wesentlichen  Punkt  sei  der  vollständige  und  richtige  rechtserhebliche  Sachverhalt  durch  die  Vorinstanz  nicht  abgeklärt  worden. Durch den Umstand, dass er den Namen des Anwalts genannt  habe,  welcher  ihm  bei  seiner  Freilassung  nach  der  (...)  Inhaftierung  behilflich  gewesen  sei,  wäre  es  nahegelegen,  dass  er  vom  BFM  aufgefordert würde,  entsprechende Beweismittel  (Bestätigungsschreiben  dieses  Anwalts)  beizubringen  sowie  die  wahre  Identität  von G._______  und  allenfalls  dessen  Inhaftierungsort  und  den  Verbleib  der  weiteren  F._______­Aktivisten  in  Erfahrung  zu  bringen,  oder  dass  im  Rahmen  einer Botschaftsabklärung sein Anwalt kontaktiert würde. 3.3. Vorweg ist die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung zu  prüfen,  da  ein  allenfalls  ungenügend  abgeklärter  Sachverhalt  eine  materielle Beurteilung verunmöglichen würde.

D­2056/2009 Der  Untersuchungsgrundsatz  gehört  zu  den  allgemeinen  Grundsätzen  des Asylverfahrens  (vgl. Art.  12 VwVG  i. V. m. Art.  6 AsylG). Demnach  hat  die  Behörde  von  Amtes  wegen  für  die  richtige  und  vollständige  Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie muss die  für  das  Verfahren  notwendigen  Sachverhaltsunterlagen  beschaffen  und  die  rechtlich  relevanten  Umstände  abklären  sowie  ordnungsgemäss  darüber  Beweis  führen  (beispielsweise  durch  die  Einholung  eines  Gutachtens).  Dieser  Grundsatz  gilt  indessen  nicht  uneingeschränkt,  er  findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art.  13 VwVG und Art. 8 Abs. 1 AsylG). Vorliegend ist die Vorinstanz aufgrund  der  Parteiauskünfte  (vgl.  Art.  12  Bst.  b  VwVG)  offensichtlich  davon  ausgegangen,  dass  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  als  erstellt  gelten  könne und keine weiteren Beweismassnahmen zu ergreifen seien. So gilt  ein  Sachverhalt  erst  dann  als  unvollständig  festgestellt,  wenn  in  der  Begründung  des  Entscheides  ein  rechtswesentlicher  Sachumstand  übergangen beziehungsweise.  überhaupt  nicht  beachtet wird  (vgl. FRITZ  GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 286). Das  BFM äusserte sich im angefochtenen Entscheid zunächst hinsichtlich der  Glaubhaftigkeit  der  Festnahme  im  (...)  und  den  mit  dieser  einhergehenden Folgen  für  den Beschwerdeführer,  und  erachtete  diese  zunächst  als  wenig  plausibel.  Implizit  gab  die  Vorinstanz  dadurch  zu  erkennen, dass die vom Beschwerdeführer angeführten gesundheitlichen  Beeinträchtigungen  anderen  Ursprungs  sind,  als  von  ihm  angegeben  wurde.  Insbesondere aber überprüfte die Vorinstanz die Vorbringen des  Beschwerdeführers – entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen  Ansicht  –  auch  auf  ihre  Asylrelevanz,  indem  das  Bundesamt  selbst  im  Fall  einer  tatsächlichen Festnahme  (und  implizit  der damit  verbundenen  Folter)  davon  ausging,  es  bestehe  keine  Wahrscheinlichkeit  von  flüchtlingsrechtlich  beachtlichen  Nachteilen  für  den  Beschwerdeführer,  respektive ausschloss, seine Befürchtung, von den  türkischen Behörden  wegen  seiner  politischen  Tätigkeiten  längere  Zeit  festgenommen  zu  werden,  könnte  sich  verwirklichen.  Von  einer  Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes  im  Rahmen  einer  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  kann  demnach  nicht  ausgegangen  werden,  zumal  die  Vorinstanz  nach  Würdigung der Parteivorbringen respektive der aktuellen Situation  in der  Türkei  zu einem anderen Schluss als der Beschwerdeführer gekommen  ist, was noch keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes darstellt. Hinsichtlich  der  gleichen  Rüge  im  Zusammenhang  mit  der  physischen  und  psychischen  Verfassung  des  Beschwerdeführers  und  der 

D­2056/2009 Unterlassung des BFM, ihn zur Einreichung von Beweismitteln betreffend  seine  Festnahme  mittels  seines  türkischen  Anwalts  aufzufordern  und  Informationen  zur  tatsächlichen  Identität  von  G._______,  zu  dessen  Inhaftierungsort sowie zum Verbleib der weiteren inhaftierten F._______­ Aktivisten beizubringen, oder selbst entsprechende Abklärungen über die  Botschaft  zu  tätigen,  ist  zunächst  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  hinsichtlich  seines physischen Gesundheitszustandes  im C._______ gefragt wurde, ob er krank sei, worauf er antwortete, dass  er (Darlegungen zu Krankheit). Man habe ihm gesagt, dass man ihn zum  Arzt schicken werde (Röntgen), worauf er jetzt warte (vgl. B1/12, S. 3 und  6).  Zudem  sei  ihm  schwindlig  (B1/12,  S. 9).  Bei  der  Bundesanhörung  führte  er  diesbezüglich  an,  die  aufgrund  der  Folter  erlittene  Krankheit  dauere immer noch an. Er leide unter (Nennung Krankheiten). Man habe  ihn  bislang  hier  in  der  Schweiz  noch  nicht  zum  Arzt  oder  ins  Spital  geschickt  (vgl.  B16/15,  S.  8).  Aufgrund  dieser  Aussagen  durfte  die  Vorinstanz  davon  ausgehen,  der  Beschwerdeführer  werde  demnächst  eine ärztliche Konsultation  in Anspruch nehmen und angesichts der  ihm  obliegenden  und  in  Art.  8  Abs.  1  Bst.  d  AsylG  statuierten  Mitwirkungspflicht  allfällige  ärztliche  Unterlagen  dem  BFM  nach  deren  Erhalt  einreichen.  Der  Umstand,  dass  er  dies  nicht  getan  hat,  kann  jedenfalls nicht der Vorinstanz als Unterlassung und damit einhergehend  als  ungenügende  Sachverhaltsermittlung  angelastet  werden.  Weiter  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  während  der  Befragung  im  C._______  noch  keinerlei  Beeinträchtigungen  seines  psychischen  Gesundheitszustandes  anführte  –  ausser  dem  Hinweis  "Ich  wurde  beschimpft  und  dadurch  wollen  sie  uns  psychisch  kaputt machen";  vgl.  B1/12, S. 7 – und auch am Schluss der Befragung die Frage, ob es noch  andere Gründe gebe, die er bisher noch nicht erwähnt habe und welche  gegen eine allfällige Rückkehr  in seinen Heimatstaat  sprechen könnten,  mit "Ich habe alles gesagt und habe keine weiteren Gründe" beantwortete  (vgl. B1/12, S. 8). Erst anlässlich der Bundesanhörung vom 4. Dezember  2008 führte er an, er leide an (Nennung Krankheit) (vgl. B16/15, S. 8). In  diesem  Zusammenhang  führte  er  im  weiteren  Verlauf  der  Anhörung  erläuternd  aus,  er  könne  seine  Festnahme  nicht  noch  detaillierter  schildern,  da  er  Angst  habe. Wenn  er  daran  denke,  habe  er  dann  das  Gefühl, all die schlechten Vorkommnisse nochmals zu erleben, und fühle  sich entsprechend schlecht(er) (vgl. B16/15, S. 10 unten und S. 12 oben).  Entgegen der  in der Rechtsmitteleingabe geäusserten Ansicht  führte der  Beschwerdeführer  weder  im  C._______  noch  bei  der  Bundesanhörung  eine  dringende  (weiterbestehende)  Behandlungsbedürftigkeit  in  medizinischer Hinsicht  an und von einer  solchen musste die Vorinstanz 

D­2056/2009 angesichts obiger Aussagen denn auch nicht ausgehen. Eine Pflicht des  BFM,  den  Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  näher  abklären  zu lassen, kann daraus nicht hergeleitet werden. Dies auch deshalb, weil  der  Beschwerdeführer  beim  BFM  anführte,  in  der  Türkei  noch  regelmässig  seine Medikamente  genommen  zu  haben,  was  jedoch  seit  seinem Aufenthalt in der Schweiz nicht mehr der Fall sei (vgl. B16/15, S.  8). Dass der Beschwerdeführer  im weiteren Verlauf des vorinstanzlichen  Verfahrens,  obwohl  er  diverse  Eingaben  zuhanden  des  BFM  gemacht  hatte  (z.B. Nachreichung der  türkischen  Identitätskarte), keine ärztlichen  Zeugnisse  oder  Berichte  zu  den  Akten  reichte,  kann  letztlich  auch  in  diesem  Fall  nicht  der  Vorinstanz  als  eine  ungenügende  Sachverhaltsabklärung  angelastet  werden,  sondern  muss  sich  der  Beschwerdeführer selber zu seinem Nachteil anrechnen lassen. Gemäss  Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG hat ein Asylgesuchsteller allfällige Beweismittel  vollständig zu bezeichnen und sie unverzüglich einzureichen oder, soweit  dies  zumutbar  erscheint,  sich  darum  zu  bemühen,  sie  innerhalb  einer  angemessenen  Frist  zu  beschaffen.  Vorliegend  wäre  es  dem  Beschwerdeführer,  der  bereits  seit  Einreichung  seines  Asylgesuches  durch  einen  im  Asylverfahren  nicht  unerfahrenen  Anwalt  vertreten  war,  zumutbar  gewesen,  einen  ärztlichen  Bericht  zu  seinem  physischen  und  psychischen Gesundheitszustand schon im Verlaufe des vorinstanzlichen  Verfahrens einzureichen, zumal zwischen der Bundesanhörung und dem  Erlass  des  angefochtenen Entscheides  zweieinhalb Monate  verstrichen.  Zur  Rüge,  das  BFM  habe  es  unterlassen,  ihn  zur  Einreichung  von  Beweismitteln  betreffend  seine  Festnahme  mittels  seines  türkischen  Anwalts  aufzufordern  und  von  ihm  Informationen  zur  tatsächlichen  Identität von G._______, zu dessen Inhaftierungsort sowie zum Verbleib  der  weiteren  inhaftierten  F._______­Aktivisten  zu  verlangen  oder  selbst  entsprechende  Abklärungen  über  die  Botschaft  zu  tätigen,  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  zu  Beginn  der  direkten  Anhörung beim BFM die Einreichung weiterer Beweismittel, die seine (...)  Festnahme  im  Jahre  (...)  –  gemäss  seinen  Aussagen  befinde  sich  ein  diesbezügliches  Dokument  bei  seinem  türkischen  Anwalt  –  sowie  die  behördliche Suche nach seiner Person als Militärdienstpflichtiger belegen  würden,  in  Aussicht  stellte  (vgl.  B16/15,  S.  3).  Dass  der  Beschwerdeführer im weiteren Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens in  diesem  Zusammenhang  keinerlei  Unterlagen  nachreichte,  muss  er  sich  wiederum  selber  zu  seinen  Ungunsten  anrechnen  lassen.  So  ist  die  Vorinstanz  auch  im  Rahmen  des  eingeschränkten  Untersuchungsgrundsatzes nicht verpflichtet, Sachverhaltselemente noch  weiter  zu  vertiefen,  wenn  die  bis  dahin  getätigten  Erhebungen 

D­2056/2009 offensichtlich der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes nicht  weiter  dienlich  sind  respektive  sein  können  (vgl.  Art.  8  Abs.  1  Bst.  c  AsylG).  Vorliegend  ist  insbesondere  erkennbar,  dass  der  Beschwerdeführer  ohne  Angabe  eines  Grundes  eigene  Bemühungen  zum  Erhalt  der  fraglichen  Dokumente  bei  seinem  Anwalt  unterliess,  obwohl ihm dies ohne grossen Aufwand möglich und zumutbar gewesen  wäre.  Abschliessend  sei  am  Rande  vermerkt,  dass  auch  der  bei  der  Bundesanhörung  anwesende  Hilfswerkvertreter  keine  weiteren  Abklärungen anregte.  3.4.  Die  Rügen  der  unvollständigen  Sachverhaltsfeststellung  erweisen  sich  daher  als  unbegründet  und  den  Anträgen  auf  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  sowie  –  implizit  –  auf  Durchführung  einer  Botschaftsabklärung ist daher nicht stattzugeben. 3.5. Nach Würdigung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht in  materieller Hinsicht zum Schluss, dass der  rechtserhebliche Sachverhalt  genügend  erstellt  ist,  die Erwägungen  der Vorinstanz  zu  den  fehlenden  Voraussetzungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  respektive  zu  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG zutreffen und die Ausführungen in der Beschwerdeschrift sowie die  diesbezüglich  eingereichten  Beweismittel  nicht  geeignet  sind,  sie  in  einem  anderen  Licht  erscheinen  zu  lassen.  So  hat  die  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid  die  Gründe,  weshalb  aufgrund  der  Aktenlage  die Vorbringen hinsichtlich der Festnahme im (...) sowohl unglaubhaft als  auch  asylirrelevant  seien  und  mit  Blick  auf  die  Militärdienstpflicht  des  Beschwerdeführers im Ergebnis keine begründete Furcht vor ernsthaften  Nachteilen angenommen werden könne,  in schlüssiger und einlässlicher  Weise  aufgezeigt.  Zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  und  aufgrund  des Umstandes, dass sich der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene  zu  den  vorinstanzlichen  Erwägungen  und  Schlussfolgerungen  in  materieller  Hinsicht  nicht  äussert,  wird  auf  die  entsprechenden  Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen. Obige  Einschätzung wird  im Übrigen  durch  folgende weitere  Umstände  erhärtet: So sind an der Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Festnahme im  Anschluss  an  den  (...)  auch  deshalb  Zweifel  anzubringen,  weil  der  Beschwerdeführer  nicht  plausibel  zu  erklären  vermochte,  wieso  die  Sicherheitskräfte  von  seinem  Aufenthalt  bei  seiner  in  E._______  lebenden Schwester gewusst haben sollen. Sein Einwand, die Behörden  hätten ihn ja bereits gesucht, weshalb er wohl denunziert oder beschattet 

D­2056/2009 worden sei, vermag nicht zu überzeugen, zumal er sich eigenen Angaben  zufolge  ab  dem  Jahre  (...)  gar  nicht mehr  zu  Hause  aufgehalten  habe,  sondern mit einer gefälschten Identitätskarte ständig unterwegs gewesen  sei (vgl. act. B16/15, S. 4; B1/12, S. 1 ff.). Dass er erst im Anschluss an  die  (...)  denunziert  worden  sein  könnte,  obwohl  ihn  die  Militärbehörde  schon  über  (...)  Jahre  gesucht  haben  soll,  ist  als  überwiegend  unwahrscheinlich  zu erachten. Wäre er beschattet worden, erscheint es  angesichts  der  ausstehenden  Militärdienstleistung  unlogisch  und  daher  realitätsfremd, bis zu einer (weiteren) Verfehlung des Beschwerdeführers  zuzuwarten,  um  ihn  erst  dann  den  Behörden  auszuliefern.  Ausserdem  wäre  er  im  (...)  kaum  wieder  freigekommen,  wenn  er  tatsächlich  von  Angehörigen  der  Polizei  und  des  Militärs  festgenommen  worden  wäre  (vgl. act. B16/15, S. 6), zumal zu diesem Zeitpunkt schon festgestanden  sein  soll,  dass  er  sich  trotz  Aufforderung  der  Militärbehörden  weiterhin  seiner  Dienstpflicht  entzogen  habe.  Weiter  ist  hinsichtlich  der  vom  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  vom  4.  Dezember  2008  in  Aussicht gestellten Beweismittel  festzuhalten, dass er  in seiner Eingabe  vom  23.  August  2010  nochmals  Unterlagen  zum  eingeleiteten  Gerichtsverfahren, das auch ihn betreffe,  in Aussicht stellte. Jedoch sind  bis dato, d.h. rund eineinhalb Jahre nach dieser Ankündigung noch immer  keine  solchen  Beweismittel  eingereicht  worden,  obwohl  der  Beschwerdeführer  in  der  Türkei  durch  einen Rechtsanwalt  vertreten  sei  und  ihm  die  Einreichung  solcher  Unterlagen  möglich  und  zumutbar  gewesen  wäre.  Dieser  Umstand  lässt  erhebliche  Zweifel  an  der  tatsächlichen  Existenz  eines  ihn  betreffenden  Gerichtsverfahrens  aufkommen. 3.6.  Bei  dieser  Sachlage  und  in  Würdigung  der  gesamten  Umstände,  Akten,  Vorbringen  und  Beweismittel  des  Beschwerdeführers  ist  zusammenfassend festzustellen, dass dieser die Voraussetzungen für die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt.  Die  Vorinstanz  hat  daher das Asylgesuch zu Recht abgelehnt, weshalb es sich erübrigt, auf  die  weiteren  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  näher  einzugehen  oder Beweisanordnungen zu treffen, da sie an obiger Einschätzung nichts  zu ändern vermögen. 4.  4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

D­2056/2009 4.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs.  1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  BVGE  2008/34  E.  9.2  S. 510,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 5.  5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 5.2.  5.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 

D­2056/2009 Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5  AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. 5.2.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen;  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124  bis  127,  mit  weiteren  Hinweisen). Dieser Einschätzung steht auch die gesundheitliche Situation  des  Beschwerdeführers  nicht  entgegen.  Zwar  kann  gemäss  der  Praxis  des  EGMR  der  Vollzug  der  Wegweisung  eines  abgewiesenen  Asylsuchenden  mit  gesundheitlichen  Problemen  im  Einzelfall  einen  Verstoss  gegen  Art.  3  EMRK  darstellen;  hierfür  sind  jedoch  ganz  aussergewöhnliche Umstände vorausgesetzt (vgl. EMARK 2005 Nr. 23 E.  5.1.  S.  211  f.,  mit  einer  Zusammenfassung  der  Rechtsprechung  des  EGMR).  Vorliegend  sind  solche  ganz  aussergewöhnlichen  Umstände  auszuschliessen  (vgl.  BVGE  2009/2  E.  9.1.3).  Alleine  aus  der  allgemeinen Menschenrechtssituation in der Türkei  lässt sich kein reales  Risiko  von  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  herleiten.  Selbst  das  Vorliegen  einer  allgemein  schlechten  Menschenrechtslage  genügt  nämlich  noch  nicht  für  die  Annahme  einer  drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 E. 6a  S. 122, mit zahlreichen Hinweisen). Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.3.  5.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunfts¬staat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 

D­2056/2009 allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818). 5.3.2. Der Begriff der "konkreten Gefährdung" gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG  ist  eng  auszulegen  und  bezieht  sich  vorab  auf  einen  schwerwiegenden  Eingriff  in  die  körperliche  Integrität  des Ausländers. Art.  83 Abs.  4 AuG  findet  insbesondere Anwendung auf Personen,  die  nach  ihrer Rückkehr  einer  konkreten  Gefahr  ausgesetzt  wären,  weil  sie  aus  objektiver  Sicht  wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit  unwiederbringlich  in  völlige  Armut  gestossen  würden,  dem  Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Verschlechterung  ihres  Gesundheitszustandes,  der  Invalidität  oder  gar  dem  Tod  ausgeliefert  wären  (vgl.  die  Rechtsprechung  der  ARK  in  EMARK  2006  Nr.  10  E.  5.1,  mit  weiteren  Hinweisen). 5.3.3.  Vorliegend  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  für  den  Beschwerdeführer  als  zumutbar  zu  erachten,  weil  keine Hinweise  dafür  erkennbar sind, er wäre bei einer Rückkehr in die Türkei einer konkreten  Gefährdung  im  genannten  Sinne  ausgesetzt.  Das  Bundesverwaltungsgericht  erachtet  den  Wegweisungsvollzug  in  die  Türkei gestützt auf die allgemeine Lage als generell zumutbar. Überdies  lässt  sich  eine  andere  Einschätzung mit  Bezug  auf  die Herkunftsregion  des  Beschwerdeführers  nicht  zureichend  abstützen.  Die  im  Heimatland  erworbenen  Berufserfahrungen  in  verschiedenen  Branchen  und  die  eigenen Angaben zufolge "perfekten" Kenntnisse der türkischen Sprache  (vgl.  act.  B1/12,  S.  2  ff.)  werden  dem  Beschwerdeführer  beim  Wiederaufbau einer Existenz in seinem Heimatland zugutekommen. Dort  verfügt er überdies – vorab in den Regionen E._______ und I._______ –  über zahlreiche Familienangehörige und weitere Verwandte. Hinsichtlich  der geltend gemachten Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes des  Beschwerdeführers  ist  Folgendes  zu  erwägen:  Gründe  ausschliesslich  medizinischer  Natur  lassen  den  Wegweisungsvollzug  im  Allgemeinen  nicht  als  unzumutbar  erscheinen,  es  sei  denn,  die  erforderliche  Behandlung  sei  wesentlich  und  im  Heimatland  nicht  erhältlich  (vgl.  EMARK  2003  Nr.  24  E.  5b  S.  157  f.).  Entsprechen  ferner  die  Behandlungsmöglichkeiten  im  Herkunftsland  nicht  dem  medizinischen  Standard  in  der  Schweiz,  so  bewirkt  dies  allein  noch  nicht  die  Unzumutbarkeit des Vollzugs. Von einer solchen Unzumutbarkeit  ist erst 

D­2056/2009 dann  auszugehen,  wenn  die  ungenügende  Möglichkeit  der  Weiterbehandlung  eine  drastische  und  lebensbedrohende  Verschlechterung  des  Gesundheitszustandes  nach  sich  zieht  (vgl.  EMARK 2004 Nr. 7 E. 5d S. 50 ff., EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b S. 157 f.).  Vorliegend  sind  unter  diesen  Rahmenbedingungen  den  Akten  keine  stichhaltigen  Anhaltspunkte  für  das  Vorliegen  einer  medizinischen  Notlage im Heimatstaat im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu entnehmen.  Den eingereichten medizinischen Unterlagen (Nennung Unterlagen) lässt  sich  diesbezüglich  lediglich  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  zwischen  (...)  und  (...)  in  der  hausärztlichen  Sprechstunde  war  und  in  Anbetracht  der  Beschwerden  und  auf  eigenen  Wunsch  zur  psychiatrischen  Untersuchung  überwiesen  wurde.  Der  in  der  Folge  aufgesuchte  Psychiater  sah  sich  laut  dem  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  adressierten  Schreiben  aufgrund  seiner  Fähigkeiten  und  Möglichkeiten  ausserstande,  die  ihm  gestellten  Fragen  –  der  entsprechende,  vermutlich  vom  Rechtsvertreter  unterbreitete  Fragenkatalog wurde weder vom Psychiater noch vom Rechtsvertreter zu  den  Beschwerdeakten  gereicht  –  mit  Blick  auf  die  Erstellung  eines  psychiatrischen Berichts zu beantworten. Da der Beschwerdeführer  trotz  seiner  ihm  im  Verfahren  obliegenden  Mitwirkungspflicht  auch  nach  Einräumung  der  Gelegenheit  zur  Beschaffung  von  Beweismitteln  keine  aussagekräftigen  ärztlichen  Unterlagen  einreichte  (mit  Verfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  1.  September  2010  wurde  er  überdies  auf die gesetzliche Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 VwVG hingewiesen),  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Beeinträchtigungen  ein  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  entgegenstehendes  Ausmass  erreicht  haben.  Zudem  verfügt  der  Heimatstaat  des  Beschwerdeführers  nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  über  ein  ausreichendes  medizinisches  Versorgungsnetz,  das  selbst  schwere  psychische  Beeinträchtigungen  adäquat  zu  behandeln  vermag.  Es  ist  bei  dieser  Sachlage  jedenfalls  nicht  von  der  generellen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges auszugehen. Ferner kann der Beschwerdeführer  in der Türkei bei der Reintegration auf die Hilfe seiner dort verbliebenen  zahlreichen Familienangehörigen  sowie  auf  die Unterstützung  seiner  im  Ausland  lebenden  weiteren  Familienangehörigen  ([...])  –  zumindest  in  finanzieller Hinsicht – rechnen. Zudem steht es ihm offen, bei Bedarf um  Gewährung  medizinischer  Rückkehrhilfe  gemäss  Art.  93  Abs.  1  Bst.  d  AsylG zu ersuchen.

D­2056/2009 Dass  ein  unausweichlich  bevorstehender  Wegweisungsvollzug  bei  den  damit  konfrontierten  ausländischen  Personen  zu  einer  nicht  unerheblichen  psychischen  Belastung  führt,  ist  nachvollziehbar.  Dieser  Belastung  kommt  aber  im  asyl­  und  ausländerrechtlichen  Kontext  grundsätzlich  keine  Bedeutung  zu,  weil  eine  geltend  gemachte  Gefährdung  konkrete  Formen  aufweisen muss,  um  zur  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  nach  Art.  83  Abs.  4  AuG  führen  zu  können.  Andererseits  kann  im  Einzelfall  eine  reaktiv  auf  einen  bevorstehenden  Wegweisungsvollzug  auftretende  und  ernsthaft  gesundheitsgefährdende  psychische  Störung  lebensbedrohlichen  Ausmasses  für  die  Frage  der  Zumutbarkeit  relevant  sein.  Vorliegend  könnte  für  die  Zeit  vor  und  während der Rückreise  in den Heimatsstaat einer allfälligen zeitweiligen  Verschlechterung  des  psychischen  Zustandes  des  Beschwerdeführers  medikamentös  und  mit  einer  angepassten  persönlichen  Betreuung  begegnet werden. Insgesamt kann somit von den vorgebrachten,  jedoch  nicht  genauer  belegten  gesundheitlichen  Beschwerden  des  Beschwerdeführers  insgesamt  nicht  auf  eine  konkrete  Gefährdung  in  Form  einer  medizinischen  Notlage  nach  dem  Verständnis  von  Art.  83  Abs. 4 AuG geschlossen werden. 5.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.5.  Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83 Abs.  1­4  AuG). 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG;  Art.  1  –  3  des 

D­2056/2009 Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem  am  20. April  2009  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­2056/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand:

D-2056/2009 — Bundesverwaltungsgericht 16.12.2011 D-2056/2009 — Swissrulings