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Bundesverwaltungsgericht 31.08.2011 D-1648/2010

31 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,191 parole·~6 min·2

Riassunto

Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft | Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und Widerruf des Asyls; Verfügung des BFM vom 12. Februar 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1648/2010 Urteil   v om   3 1 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Martin Zoller,    Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren am _______, Afghanistan,   vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, _______ Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und Widerruf des Asyls;  Verfügung des BFM vom 12. Februar 2010 / _______.

D­1648/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  Vater  der  Beschwerdeführerin  am  30.  November  2007  in  der  Schweiz als Flüchtling anerkannt und ihm Asyl gewährt wurde, dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Folge  ein  Asylgesuch  aus  dem  Ausland  stellen  liess  und  um  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  ersuchte,  dass das BFM der Beschwerdeführerin am 6. Juni 2008 die Einreise zur  Durchführung des Verfahrens bewilligte,  dass sie am 27. August 2008 in die Schweiz gelangte und am 8. Oktober  2008 vom BFM summarisch befragt wurde,  dass das BFM am 9. Oktober 2008 eine Anhörung durchführte,  dass die Beschwerdeführerin darlegte, aus _______ zu stammen und als  Kind mit ihren Angehörigen nach Pakistan ausgewandert zu sein,  dass sie persönlich weder  in Afghanistan noch in Pakistan irgendwelche  Probleme gehabt habe,  dass  das  BFM  mit  Entscheid  vom  17.  Oktober  2008  feststellte,  die  Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs.  1 und 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht,  dass das BFM der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG  Asyl gewährte und sie als Flüchtling anerkannte, dass  das  BFM  der  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom  13.  Januar  2010 mitteilte, es beabsichtige, ihr gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG  i.V.m. Art. 1 C Ziff. 1 des internationalen Abkommens vom 28. Juli 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  die  Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen und das Asyl zu widerrufen, dass  es  zur  Begründung  anführte,  gemäss  Aktenlage  habe  sie  Ende  Dezember  2008  im  afghanischen  Generalkonsulat  in  _______  die  Ehe  geschlossen, was aus der entsprechenden Heiratskurkunde hervorgehe,  dass sie sich damit freiwillig wieder unter den Schutz des Landes, dessen  Staatsangehörigkeit sie besitze, gestellt habe,

D­1648/2010 dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Stellungnahme  ihrer  Rechtsvertretung  vom  22.  Januar  2010  den  geschilderten  Sachverhalt  nicht bestritt,  dass  aber  gemäss  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (EMARK)  1996  Nr.  7  und  der  Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts die Anwendung von Art.  1  C  Ziff.  1  FK  nur  unter  drei  kumulativen  Voraussetzungen  in  Betracht  komme,  dass die Kontaktaufnahme mit dem Heimatstaat freiwillig erfolgen müsse,  und zwar in der Absicht, von diesem Staat Schutz zu beanspruchen,  dass der gewünschte Schutz auch tatsächlich gewährt werden müsse,  dass gemäss Praxis nicht jede Kontaktaufnahme mit dem Heimatstaat als  Absicht zur Unterschutzstellung gewertet werden könne,  dass  vorliegend  die  Kontaktaufnahme  mit  den  heimatlichen  Behörden  zwar freiwillig erfolgt sei, wobei aber eine Eheschliessung in der Schweiz  mit  erhöhtem  bürokratischem  Aufwand  sowie  zeitlicher  Verzögerung  verbunden gewesen wäre,  dass  sie  nicht  ins  Heimatland  zurückgekehrt  sei  und  sich  lediglich  bei  einer  konsularischen  Vertretung  im  Hoheitsgebiet  des  afghanischen  Staates aufgehalten habe,  dass  sie  nach  Afghanistan  hätte  einreisen  können,  falls  die  Kontaktaufnahme  tatsächlich  in  der Absicht, Schutz  zu erlangen,  erfolgt  wäre,  dass die Eheschliessung nur wenige Stunden gedauert habe,  dass  die  Kontaktaufnahme  aus  einem  überwiegenden  und  schützenswerten Privatinteresse – der beabsichtigten Heirat – erfolgt sei,   dass sie ein höchstpersönliches Interesse wahrgenommen habe und eine  Kontaktaufnahme  mit  konsularischen  Vertretungen  im  Ausland  von  der  Praxis  in  vergleichbaren  Konstellationen  als  vereinbar  mit  dem  Flüchtlingsstatus angesehen worden sei, 

D­1648/2010 dass  nach  dem  Gesagten  die  Absicht  zur  Unterschutzstellung  gefehlt  habe,  dass die afghanischen Behörden im Konsulat zwar bereit gewesen seien,  die gewünschte administrative Leistung zu erbringen,  dass  dieser  Verwaltungsakt  indes  nicht  als  Schutzgewährung  zu  qualifizieren  sei  und  es  nach  dem  Gesagten  ohnehin  an  der  Absicht,  solchen Schutz zu erlangen, gefehlt hätte,  dass  ihr  im  Übrigen  lediglich  gestützt  auf  Art.  51  Abs.  1  AsylG  Asyl  gewährt worden sei,  dass  sie  im  Rahmen  des  Familienasyls  nur  über  eine  abgeleitete  Flüchtlingseigenschaft verfüge,  dass  ihr  diese  nicht  entzogen  werden  könne,  solange  ihr  Vater  als  Flüchtling gelte,  dass  die  Vorinstanz  das  der  Beschwerdeführerin  gewährte  Asyl  mit  Verfügung vom 12. Februar 2010 in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 Bst. b  AsylG i.V.m. Art. 1 C Ziff. 1 FK widerrief und ihr die Flüchtlingseigenschaft  aberkannte, dass das BFM dazu festhielt, die Beschwerdeführerin habe sich freiwillig  wieder in den Machtbereich ihres Heimatstaates begeben,  dass  sie  eine  Heiratsurkunde  erhalten  habe,  womit  auch  die  weiteren  Voraussetzungen  für den Widerruf  (die Absicht, Schutz zu erlangen und  die tatsächliche Gewährung des Schutzes) erfüllt seien,  dass  im  Übrigen  der  Eindruck  entstehe,  das  Heiratsverfahren  sei  insbesondere  deshalb  in  der  heimatlichen  Vertretung  durchgeführt  worden,  weil  so  die  im  schweizerischen  Zivilstandswesen  statuierten  strengen Formvorschriften betreffend Urkunden hätten umgangen werden  können,  dass  es  nicht  angehe,  wenn  eine  Person,  welche  die  Vorteile  des  Flüchtlingsstatus  im Aufenthaltsland  in Anspruch nehme,  nach Belieben  die  allenfalls  in  einem  Punkt  für  sie  günstigere  Rechtsordnung  des  Heimatlandes wählen könne, 

D­1648/2010 dass  auch  die  Ausführungen  des  Rechtsvertreters  betreffend  Familienasyl nicht überzeugten,  dass die Beschwerdeführerin diese Verfügung mit Eingabe vom 16. März  2010  (Datum  der  Postaufgabe)  durch  ihre  Rechtsvertretung  beim  Bundesverwaltungsgericht anfechten liess, dass  sie  die  Aufhebung  des  vorinstanzlichen  Entscheids,  das  Absehen  von  der  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  vom  Asylwiderruf  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR  172.021])  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht beantragte,  dass  sie  erneut  geltend  machte,  bei  ihr  sei  lediglich  eine  abgeleitete  Flüchtlingseigenschaft im Sinne des Familienasyls festgestellt worden,  dass der Zweck des Familienasyls darin bestehe, den Rechtsstatus der  Kernfamilie einheitlich zu regeln,  dass  vor  diesem  Hintergrund  eine  der  einzubeziehenden  Person  drohende Verfolgung nicht erforderlich sei,  dass  gemäss  EMARK  1998  Nr.  19  ein  Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  sogar  dann  zu  erfolgen  habe, wenn die  fehlende  Verfolgung bekannt sei,  dass bei der Beschwerdeführerin mit abgeleiteter Flüchtlingseigenschaft,  für  welche  eine  allfällige  Verfolgung  betreffend  Anerkennung  als  Flüchtling nicht ausschlaggebend gewesen sei, Art. 1 C Ziff. 1 FK mithin  gar  nicht  zur  Anwendung  gelange,  da  das  Schutzbedürfnis  nicht  habe  bestehen  müssen  und  eine  allfällige  spätere  Unterschutzstellung  demzufolge als irrelevant erscheine,  dass  Art.  1  C  Ziff.  1  FK  nur  bei  Personen  zur  Anwendung  gelange,  welche gemäss Art. 1 A FK die Flüchtlingseigenschaft originär erfüllten,  dass  für  eine analoge Anwendung bei  derivativer Flüchtlingseigenschaft  eine gesetzliche Grundlage fehle,  dass eine solche Anwendung weder statthaft noch gerechtfertigt sei, 

D­1648/2010 dass im Übrigen selbst unter der Annahme, Art. 1 C Ziff. 1 FK komme zur  Anwendung, die entsprechenden Voraussetzungen nicht erfüllt wären,  dass die Beschwerdeführerin nach Pakistan gereist sei, um ihren Bruder  im Spital zu besuchen,  dass  sich  ihr  Verlobter  zu  diesem  Zeitpunkt  ebenfalls  in  Pakistan  aufgehalten  und  sie  sich  entschlossen  habe,  bei  dieser Gelegenheit  zu  heiraten,  dass die Heirat  in der Schweiz zwar  theoretisch auch möglich, aber mit  Verzögerungen  verbunden  gewesen wäre,  was  dem  gemäss Art.  8  der  Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  geschützten  Familienleben  widersprochen hätte,  dass im Übrigen gemäss EMARK 1993 Nr. 22 eine Namensänderung im  Heimatland als verständlich und nachvollziehbar qualifiziert worden sei,  dass  die  Beschwerdeführerin  im  Falle  einer  Heirat  in  der  Schweiz  ohnehin  wegen  der  Beschaffung  erforderlicher  Papiere  mit  den  heimatlichen Behörden hätte in Kontakt treten müssen,  dass  sie  im  Übrigen  im  Rahmen  des  Familienasyls  sogar  von  der  Vorinstanz  aufgefordert  worden  sei,  verschiedene  Unterlagen  beim  afghanischen Generalkonsulat in Pakistan zu beschaffen,  dass  ihr  persönliches  Erscheinen  auf  dem Generalkonsulat  vor  diesem  Hintergrund  als  mit  dem  Flüchtlingsstatus  vereinbar  erscheint,  da  sie  darauf vertrauen konnte, wegen der Kontaktaufnahme  ihren Status nicht  zu verlieren,  dass die Freiwilligkeit der Kontaktaufnahme demnach zu verneinen sei, dass  sie  nicht  in  der  Absicht,  Schutz  der  afghanischen  Behörden  zu  erlangen, gehandelt habe, und die afghanischen Behörden in Anbetracht  der  Asylvorbringen  ihres  Vaters  weder  als  schutzwillig  noch  als  schutzfähig erschienen,  dass  die  Vorinstanz  darüber  hinaus  keine  Prüfung  der  Verhältnismässigkeit vorgenommen habe,

D­1648/2010 dass die vormalige Beschwerdeinstanz die Verhältnismässigkeit sogar in  einem  Fall  verneint  habe,  wo  die  betreffende  Person  aufgrund  ihrer  Niederlassungsbewilligung in der Schweiz hätte verbleiben können,  dass  die  Beschwerdeführerin  lediglich  über  eine  Aufenthaltsbewilligung  verfüge,  deren  Verlust  sie  bei  einem  Asylwiderruf  mutmasslich  zu  gewärtigen hätte,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom           19.  März  2010  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtete  und  die  Beschwerdeführerin  aufforderte,  eine  Bestätigung  für  ihre  Bedürftigkeit nachzureichen,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  25.  März  2010  eine  entsprechende  Bestätigung nachreichte,  dass das BFM mit Vernehmlassung vom 1. April 2010 die Abweisung der  Beschwerde beantragte, dass es ausführte, der Hinweis der Beschwerdeführerin auf EMARK 1998  Nr.  19  sei  insofern  nicht  relevant,  als  die  Textpassagen  nicht  einen  Asylwiderruf, sondern die Ablehnung eines Gesuchs um Einbezug in die  Flüchtlingseigenschaft zum Gegenstand hätten,  dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Replik  vom  21.  April  2010  an  ihren  bisherigen Vorbringen festhielt,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG).

D­1648/2010 dass  die  Beschwerdeführerin  legitimiert  und  auf  die  form­  und   fristgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 105  und  Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG), dass mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass das BFM bei Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft gemäss  Art. 1 A FK erfüllen, unter anderem aus Gründen nach Art. 1 C Ziffn. 1 ­ 6  FK das Asyl widerruft und die Flüchtlingseigenschaft aberkennt (vgl. Art.  63 Abs. 1 Bst. b AsylG), dass im vorliegenden Fall das BFM zur Begründung der Aberkennung der  Flüchtlingseigenschaft  die  Bestimmung  von  Art.  1  C  Ziff.  1  FK  herangezogen hat, dass  die  Behauptung  der  Beschwerdeführerin,  wegen  ihrer  bloss  derivativen Flüchtlingseigenschaft werde ihr Status nicht von Art. 1 A FK  erfasst, nicht überzeugt,  dass  sich  das  schweizerische  Asylgesetz  grundsätzlich  auf  den  Flüchtlingsbegriff der FK stützt,  dass  die  gesetzliche Sonderregelung  von Art.  51 Abs.  1 AsylG, welche  bei  der  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Praxis  gewisse  Erleichterungen  im  Vergleich  zu  Art.  3  AsylG  vorsieht,  daran  nichts  ändert,  dass  sich  vielmehr  der  Unterschied  in  der  Entstehung  der  Flüchtlingseigenschaft einzig bezüglich Weiterübertragung auswirkt, nicht  hingegen in der Rechtsstellung (vgl. EMARK 2003 Nr. 11), dass  auch  im  Sinne  der  Rechtsgleichheit  der  Rechtsstatus  ein  einheitlicher sein muss, andernfalls die in die Flüchtlingseigenschaft eines  Familienmitgliedes einbezogenen Flüchtlinge gegenüber den Flüchtlingen  gemäss Art. 3 AsylG deutlich besser gestellt wären, dass  sich  ein  Flüchtling  demnach  nicht  auf  die  Vorteile  des  Flüchtlingsstatus  im  Aufenthaltsstaat  berufen  und  gleichzeitig  nach 

D­1648/2010 Belieben die allenfalls  in einem Punkt  für  ihn günstigere Rechtsordnung  des Heimatstaates wählen kann (vgl. EMARK 1993 Nr. 22), dass  demnach  entgegen  den  anderslautenden  Beschwerdevorbringen  praxisgemäss  auch  bei  Personen  mit  derivativer  Flüchtlingseigenschaft  die Anwendung von Art. 1 C Ziff. 1 FK zur Anwendung gelangen kann, dass  der  Hinweis  auf  EMARK  1998  Nr.  19  (Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  sogar  dann,  wenn  die  fehlende  Verfolgung  bekannt  ist),  daran  nichts  ändert,  da  die  im  genannten  Urteil  aufgeworfenen  Fragen  im  Zusammenhang  mit  der  Ablehnung  eines  Gesuchs  um Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  standen  und  damit  Kontakte mit den Heimatbehörden vor Anerkennung des Flüchtlingsstatus  betrafen,  dass die Anwendung von Art.  1 C Ziff.  1 FK an kumulativ  zu erfüllende  Voraussetzungen gebunden ist (vgl. dazu BVGE 2010/17 mit Verweis auf  EMARK 1996 Nr. 12 E. 7), dass der Flüchtling  freiwillig  in Kontakt mit  seinem Heimatstaat getreten  und er mit  der Absicht  gehandelt  haben muss,  von seinem Heimatstaat  Schutz  in Anspruch  zu  nehmen,  und  er  diesen Schutz  auch  tatsächlich  erhalten hat, dass  bei  der  Beschwerdeführerin  ein  solcher  Kontakt  durch  ihr  Vorsprechen auf dem afghanischen Generalskonsulat in _______ erfolgte  und sie dies nicht bestreitet,  dass  sie  in  ihrer  Stellungnahme  vom  22.  Januar  2010  einräumte,  die  Kontaktaufnahme  mit  den  heimatlichen  Behörden  sei  grundsätzlich  freiwillig erfolgt,  dass  sie  demgegenüber  in  der  Beschwerde  diese  Freiwilligkeit  verneint  und unter anderem geltend macht,  im Falle einer Heirat  in der Schweiz  hätte sie ohnehin wegen der Beschaffung erforderlicher Papiere mit den  heimatlichen Behörden in Kontakt treten müssen,  dass Letzteres zwar als zutreffend erscheint, ihr persönliches Erscheinen  beim afghanischen Generalkonulat und damit ein physisches Begeben in  den  Machtbereich  des  Verfolgerstaates  aber  ein  anderes  Gewicht  aufweist  und  insoweit  nicht  mit  weiteren  von  ihr  zitierten,  gemäss 

D­1648/2010 Rechtsprechung mit dem Flüchtlingsstatus vereinbaren Verhaltensweisen  gleichgesetzt werden kann,  dass sie auch nicht geltend macht, durch die schweizerischen Behörden  zum  Aufenthalt  im  afghanischen  Generalkonsulat  ermuntert  worden  zu  sein,  und  daran  auch  die  damalige  Aufforderung  zur  Beschaffung  von  Reisepapieren vor Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft nichts ändert, dass die Heirat auch in der Schweiz hätte erfolgen können, dass  so  jedenfalls  nicht  der  Eindruck  entsteht,  die  Beschwerdeführerin  habe  insbesondere  aus  einer  moralischen  Verpflichtung  gegenüber  Familienangehörigen  in  Wahrung  eines  berechtigten  Anspruchs  auf  Familienleben  und  im  Ergebnis  nicht  freiwillig  im  hier  relevanten  Sinn  beim Generalkonsulat persönlich vorgesprochen (vgl. dazu EMARK 1996  Nr. 12 E. 9 S. 105 f.; 1996 Nr. 11 E. 6 S. 89 f.; 1996 Nr. 7 E. 11 S. 63 ff.), dass die Freiwilligkeit des Kontaktes mithin zu bejahen ist,  dass  für  die  Erfüllung  des  Kriteriums  der  beabsichtigten  Unterschutzstellung in der Regel die Inkaufnahme von Schutzgewährung  durch  den  Heimatstaat  genügt  und  bei  der  Beurteilung,  ob  dieses  Kriterium gegeben ist, die Motivation für den Kontakt mit den heimatlichen  Behörden zu berücksichtigen ist,  dass  die  Beschwerdeführerin  einräumte,  sich  zwecks  Heirat  (und  zwar  offensichtlich  gemäss  den  Rechtsnormen  ihres  Heimatstaates)  in  den  Machtbereich der afghanischen Behörden begeben zu haben,  dass  aufgrund  der  Aktenlage  bei  der  Beschwerdeführerin  kein  rechtlich  relevanter  Zwang  zur  erwähnten  Reise  ersichtlich  ist  und  sie  mit  dem  damit  verbundenen  Verhalten  entgegen  den  wenig  stichhaltigen  Beschwerdevorbringen  klar  zum  Ausdruck  brachte,  sich  ohne  Zwang  unter  den  Schutz  des  Landes,  dessen  Staatsangehörigkeit  sie  besitzt,  gestellt zu haben, dass damit von der beabsichtigten Unterschutzstellung auszugehen ist,  dass schliesslich als drittes Kriterium der Beschwerdeführerin durch den  Heimatstaat  effektiv  Schutz  gewährt  worden  sein  muss,  wobei  dieses  Kriterium  dann  erfüllt  ist,  wenn  aufgrund  von  objektiven Anhaltspunkten  eine Gefährdung der betreffenden Person ausgeschlossen werden kann,

D­1648/2010 dass  solche  Anhaltspunkte  vorliegend  in  den  entsprechenden  Handlungen  des  Heimatstaates  (amtlicher  Akt  der  Trauung  und  Ausstellung  entsprechender  Urkunden)  gesehen  werden  können  (vgl.  EMARK  1996  Nr.  12  E.  8c  S.  104)  beziehungsweise  eine  bestehende  Gefährdungssituation  aufgrund  der  Akten  ohnehin  ausgeschlossen  werden kann,  dass vor diesem Hintergrund die in Art. 1 C Ziff. 1 FK respektive Art. 63  Abs. 1 Bst. b AsylG statuierten Voraussetzungen für die Aberkennung der  Flüchtlingseigenschaft  als  erfüllt  gelten  und  die  entsprechende  Rechtsfolge  auch  als  verhältnismässig  zu  erachten  ist,  zumal  die  inzwischen volljährige und verheiratete Beschwerdeführerin nicht mehr an  den Rechtsstatus ihres Vaters gebunden ist,  dass  das  BFM  demnach  zu  Recht  der  Beschwerdeführerin  die  Flüchtlingseigenschaft aberkannte und das Asyl widerrief, dass  entsprechend  davon  abgesehen  werden  kann,  auf  weitere  Beschwerdevorbringen detaillierter einzugehen, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  wären  (Art. 63  Abs. 1  VwVG;  Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]), dass sich die Beschwerde nicht als aussichtslos darstellte,  dass das Gesuch  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG  in Anbetracht der  nachgereichten  Bestätigung  für  die  Bedürftigkeit  entsprechend  gutzuheissen ist, weshalb keine Kostenauflage erfolgt. (Dispositiv nächste Seite)

D­1648/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Das Gesuch  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1 VwVG wird  gutgeheissen. Es  werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand:

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