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Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 D-1540/2011

13 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,570 parole·~13 min·2

Riassunto

Vollzug der Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. Februar 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1540/2011 Urteil   v om   1 3 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, Kosovo, vertreten durch Christian Hoffs, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende St. Gallen/Appenzell, _______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. Februar 2011 / N _______.

D­1540/2011 Sachverhalt: A.  A.a.  Der  Beschwerdeführer,  ein  Staatsangehöriger  von  Kosovo  und  ethnischer  Ashkali/"Ägypter"  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______  (Gemeinde Istog), verliess sein Heimatland eigenen Angaben zufolge am  22.  Juli  2008  und  reiste  am  23.  Juli  2008  von  ihm  unbekannten  Transitländern  herkommend  illegal  in  die  Schweiz  ein.  Gleichentags  stellte  er  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  C._______  ein  Asylgesuch,  wurde  dort  am  4.  August  2008  summarisch  befragt  und  in  der  Folge  für  die  Dauer  des  Verfahrens  dem  Kanton  D._______  zugewiesen.  Am  29.  September  2008  hörte  das  BFM  den  Beschwerdeführer  gestützt  auf  Art.  29  Abs.  4  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ausführlich zu seinen Asylgründen an. A.b. Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer  im Wesentlichen vor, er habe zwischen dem Jahr 1990 bis im März 2008  zusammen mit seiner Familie mit einer Duldung in Deutschland gelebt. Im  Jahr 2003 sei er  in Deutschland zu zwei Jahren und neun Monaten Haft  verurteilt worden. Davon  habe  er  23 Monate  verbüsst,  der Rest  sei  auf  Bewährung  (3  Jahre  Bewährungsfrist)  ausgesetzt  worden.  Nach  der  Haftentlassung  habe  er  sich  noch  ungefähr  zweieinhalb  Jahre  in  Deutschland  aufgehalten,  danach  sei  er  nach  Kosovo  abgeschoben  worden.  Dort  habe  er  bei  seinem  Grossvater  mütterlicherseits  in  B._______  gelebt.  Da  er  sich  mit  dem Grossvater  wegen  Kleinigkeiten  zerstritten  habe,  sei  er  nach  einiger  Zeit  ins  Haus  seiner  Eltern  nach  E._______  gezogen.  In  der  Folge  seien  eines  Nachts  zwei  maskierte  Personen  ins  Haus  eingedrungen,  hätten  ihn  geohrfeigt  und  ihm  nahegelegt,  Kosovo  zu  verlassen.  Einige  Zeit  später  seien  sie  erneut  gekommen, diesmal zu dritt, und hätten  ihn mit Waffen bedroht und  ihm  gesagt,  wenn  er  Kosovo  nicht  verlasse,  werde  er  sterben  wie  sein  Grossvater  väterlicherseits.  Dieser  sei  angeblich  an  den  Folgen  eines  Unfalls  verstorben.  Nach  den  Drohungen  dieser  Personen  habe  er  erkannt, dass es sich beim Tod seines Grossvaters wohl nicht um einen  Unfall  gehandelt  habe.  Zudem  habe  er  erfahren,  dass  in  der  Nachbarschaft  vier  Personen  umgebracht  worden  seien,  weil  sie  angeblich mit den Serben zusammengearbeitet hätten. Daraufhin habe er  einen Schlepper kontaktiert und sei schliesslich am 22. Juli 2008 aus dem  Heimatland ausgereist.

D­1540/2011 A.c.  Der  Beschwerdeführer  reichte  im  Verlauf  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  eine  Todesbescheinigung  (Kopie),  ein  Arztattest  (Kopie)  betreffend  seinen  Grossvater  I.  S.  sowie  einen  in  spanischer  Sprache  verfassten Polizeibericht  der KFOR  (Kopie;  inkl.  deutsche Übersetzung)  zu den Akten. Am 22. April 2009 wurden durch das Amt  für Bürgerrecht  und  Zivilstand  des  Kantons  F._______  ausserdem  ein  Geburtsschein,  eine  Zivilstandsbescheinigung  sowie  eine  Wohnsitzbescheinigung  sichergestellt. B.  Am  15.  Mai  2009  heiratete  der  Beschwerdeführer  die  kosovarische  Staatsangehörige G._______ (Ledigname H._______; vgl. D­1370/2009;  gleiche N­Nummer). In der Folge wurde dem Beschwerdeführer auf sein  Gesuch hin der Kantonswechsel in den Kanton F._______ bewilligt.  C.  Am  _______  brachte  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  die  gemeinsame Tochter I._______ zur Welt. D.  Mit  Schreiben  vom  20.  Dezember  2010  ersuchte  das  BFM  die  Schweizerische Botschaft in Prishtina um die Vornahme von Abklärungen  am Herkunftsort des Beschwerdeführers. Die Botschaft antwortete darauf  mit  Bericht  vom  13.  Januar  2011.  Das  BFM  brachte  dem  Beschwerdeführer  den  wesentlichen  Inhalt  der  Botschaftsanfrage  und  ­ antwort mit Verfügung vom 14. Januar 2011 zur Kenntnis und setzte ihm  eine  Frist  zur  Einreichung  einer  allfälligen  Stellungnahme.  Der  Beschwerdeführer  liess  sich  dazu  mit  Eingabe  vom  21.  Januar  2011  vernehmen. E.  Mit  Verfügung  vom  4.  Februar  2011  –  eröffnet  am  8.  Februar  2011 –  stellte  das  BFM  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  unglaubhaft,  weshalb  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  verneinen  sei.  Demzufolge  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  ab,  verfügte  die  Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. F.  Mit  Eingabe  vom  3.  Februar  2011,  welche  sich  offensichtlich  mit  dem  BFM­Entscheid vom 4. Februar 2011 kreuzte, liess der Beschwerdeführer  weitere  Beweismittel  in  Kopie  einreichen  (ein  Bestätigungsschreiben 

D­1540/2011 seiner  Eltern  vom  24.  Januar  2011  sowie  ein  Polizeibericht  vom  25.  Januar 2011 in Kopie).  G.  Mit  Beschwerde  vom  9.  März  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  beantragen,  die  vorinstanzliche  Verfügung  vom  4.  Februar  2011  sei  bezüglich  der  Dispositivziffern  4  und  5  aufzuheben und die Sache sei zur ordentlichen Begründung an das BFM  zurückzuweisen.  Eventuell  sei  die  Unzulässigkeit  und/oder  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  Subeventuell  sei  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  mit  demjenigen  der  Ehefrau  des  Beschwerdeführers (D­1370/2009) zu vereinigen und gegebenenfalls die  jeweiligen  vorinstanzlichen  Verfügungen  bezüglich  des  Wegweisungsvollzugs aufzuheben und die Sachen zur Neubeurteilung an  das  BFM  zurückzuweisen.  Zudem  wurde  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Der  Beschwerde  lagen  folgende  Beweismittel  bei:  eine  Vollmacht  vom  21. Januar  2011, mehrere Unterlagen  zu den Einkommensverhältnissen  der  in  Deutschland  lebenden  Eltern  des  Beschwerdeführers  (Kopien),  eine  Unterstützungsbestätigung  vom  25.  Februar  2011  sowie  eine  Honorarrechnung vom 9. März 2011. H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  14.  März  2011  verzichtete  der  Instruktionsrichter  antragsgemäss  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  teilte  dem  Beschwerdeführer  gleichzeitig  mit,  über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  (Art.  65 Abs.  1 VwVG) werde  im Endentscheid  befunden. Ausserdem wurde  verfügt,  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  sowie  dasjenige  der  Ehefrau (D­1370/2009) würden koordiniert behandelt und gegebenenfalls  zu einem späteren Zeitpunkt vereinigt.  I.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  22.  März  2011  vollumfänglich  an  seiner  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der Beschwerde.

D­1540/2011 J.  Am  _______  kam  das  zweite  gemeinsame  Kind  (J._______)  des  Beschwerdeführers und seiner Ehefrau zur Welt.  K.  Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers  replizierte mit Eingabe vom  8. April 2011, wobei er an den Beschwerdebegehren festhielt. Der Replik  lag das Original der Polizeibestätigung vom 25. Januar 2011 bei. L.  Mit Zwischenverfügung vom 13. April 2011 wurde der Beschwerdeführer  aufgefordert,  innert  Frist  das  eingereichte  fremdsprachige  Beweismittel  (Polizeibestätigung)  in  eine  Amtssprache  übersetzen  zu  lassen  und  ausserdem  ein  ärztliches  Zeugnis  betreffend  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  seines  neugeborenen  Sohnes  einzureichen.  Diese Unterlagen wurden in der Folge mit Eingaben vom 28. und 29. April  sowie 6. und 25. Mai 2011 zu den Akten gereicht.  M.  In  seiner  zweiten  Vernehmlassung  vom  27.  Mai  2011  beantragte  das  BFM  erneut  die  Abweisung  der  Beschwerde.  In  der  entsprechenden  Stellungnahme  vom  16.  Juni  2011  hielt  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  seinerseits  vollumfänglich  an  den  Beschwerdevorbringen fest.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG,  welche  von  einer  Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  vorliegt.  Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung  von Beschwerden gegen Entscheide des BFM, welche in Anwendung des  AsylG  ergangen  sind,  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht  (Art. 105 AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, SR 173.110]).

D­1540/2011 1.2. Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG, dem VGG und dem  BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht  (Art. 108  Abs. 1 AsylG, Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Aus  Praktikabilitätsgründen  wird  darauf  verzichtet,  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  mit  demjenigen  der  Ehefrau  und  Kinder  des  Beschwerdeführers  (vgl. D­1370/2009)  formell zu vereinigen. Die beiden  Verfahren  werden  indessen  koordiniert  behandelt.  An  dieser  Stelle  ist  darauf hinzuweisen, dass auf die  im vorliegenden Beschwerdeverfahren  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  des  Sohnes  des  Beschwerdeführers  im  Beschwerdeverfahren  seiner  Ehefrau  eingegangen wird.  4.  Die Beschwerde vom 9. März 2011 richtet sich  lediglich gegen den vom  BFM  verfügten  Wegweisungsvollzug.  Somit  ist  die  vorinstanzliche  Verfügung vom 4. Februar 2011, soweit sie die Frage des Asyls und der  Flüchtlingseigenschaft betrifft (Ziffern 1 und 2 des Verfügungsdispositivs),  in  Rechtskraft  erwachsen,  und  auch  die  Wegweisung  an  sich  (Dispositivziffer 3) ist grundsätzlich nicht mehr zu überprüfen. Im Rahmen  des  vorliegenden Beschwerdeverfahrens  bleibt  demnach  nur  zu  prüfen,  ob  die Wegweisung  zu  vollziehen  oder  ob  an  ihrer Stelle  die  vorläufige  Aufnahme anzuordnen ist.  5. 

D­1540/2011 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). In  Bezug  auf  die  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormals  im  Bereich  des  Asylrechts  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.  6.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Frage  der  Durchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  aus,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  gemäss  Art.  5  Abs.  1  AsylG  nicht  angewendet  werden  könne.  Aus  den  Akten  ergäben  sich  überdies  auch  keine  Anhaltspunkte dafür, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr  ins  Heimatland  mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Strafe  oder  Behandlung  drohe.  Im  Weiteren  sprächen  weder  die  im  Heimatstaat  herrschende  politische  Situation  noch  andere  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  nach Kosovo. Die  Sicherheitslage habe sich  in den vergangenen Jahren verbessert und  sei  vielerorts  stabil.  Mit  Ausnahme  einiger  Dörfer/Gemeinden  könne  ausgeschlossen werden, dass albanischsprachige Roma, Ashkali  und  "Ägypter"  allein  aufgrund  ihrer  Ethnie  gefährdet  seien.  Die  Bewegungsfreiheit sei grundsätzlich gewährleistet, ebenso der Zugang  zu  medizinischen  und  sozialen  Strukturen.  Für  den  aus  B._______/Istog  stammenden  Beschwerdeführer,  welcher  der  Minderheit  der  "Ägypter"  angehöre,  sei  eine Rückkehr  daher  generell  zumutbar.  Die  Zumutbarkeit  sei  auch  in  individueller  Hinsicht  zu  bejahen.  Dem  Botschaftsbericht  vom  13.  Januar  2011  sei  zu  entnehmen,  dass  die Grosseltern  und  der Onkel mütterlicherseits mit  seiner Familie nach wie vor in B._______ lebten. Das Zusammenleben 

D­1540/2011 mit  der  albanischen Mehrheit  im  Dorf  sei  relativ  gut.  Das  Elternhaus  des Beschwerdeführers stehe in E._______. Dabei handle es sich um  ein ca. 150m2 grosses Haus, dessen Wiederaufbau praktisch beendet  sei.  Es  stehe  leer,  sei  jedoch  in  bewohnbarem  Zustand.  Der  Beschwerdeführer  sei  jung  und  gesund.  Nebst  dem  familiären  Beziehungsnetz  in  Kosovo  verfüge  er  über  mehrere  Familienangehörige  in Deutschland und der Schweiz,  von welchen er  eine gewisse finanzielle Hilfe erwarten könne. Dem Beschwerdeführer  sollte  es  insgesamt  möglich  sein,  sich  in  Kosovo  eine  ausreichende  Lebensgrundlage  zu  erwirtschaften.  Der  Beschwerdeführer  sei  verheiratet  und  Vater  einer  Tochter.  Das  Asylgesuch  seiner  Ehefrau  sei  abgelehnt  und  die  Wegweisung  sowie  der  Vollzug  angeordnet  worden.  Gegen  diesen  Entscheid  sei  am  4.  März  2009  Beschwerde  erhoben worden, welche nach wie vor beim Bundesverwaltungsgericht  hängig  sei.  Die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  verheiratet  sei  und  ein  Kind  habe,  spreche  jedoch  nicht  gegen  den  Vollzug  der  Wegweisung.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  schliesslich  technisch  möglich und praktisch durchführbar.  6.2. In der Beschwerdeeingabe vom 9. März 2011 wird gerügt, das BFM  verletzte  mit  der  angefochtenen  Verfügung  das  Recht  des  Beschwerdeführers auf Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG), indem  es  ihm  zumute,  sich  von  seiner  schwangeren  Frau  und  der  Tochter  zu  trennen  und  alleine  nach  Kosovo  zurückzukehren.  Gemäss  dem  Grundsatzentscheid  in  den  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (EMARK)  1995  Nr.  24  gebiete  der  Grundsatz  der  Familieneinheit,  dass  Familienmitglieder,  namentlich  Eltern und ihre minderjährigen Kinder, nicht voneinander getrennt werden  sollen, sondern  faktisch zusammen  leben können, und dass der Familie  nach  Möglichkeit  ein  einheitlicher  Rechtsstatus  eingeräumt  werde.  Im  genannten Entscheid werde  festgestellt, dass der Grundsatz der Einheit  der Familie, wie er im Asylgesetz verwendet werde, nicht – wie bei Art. 8  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  –  an  ein  gefestigtes  Aufenthaltsrecht  eines  Familienangehörigen  anknüpfe  und  insoweit weiter gehe als die entsprechende bundesgerichtliche Praxis zu  Art.  8 EMRK  (Verweis auf das Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts E­ 5822/2008 vom 17. Februar 2011). Die Begründung der Zumutbarkeit des  Wegweisungsvollzugs  in  der  angefochtenen  Verfügung  widerspreche  dieser Rechtsprechung. Es sei nicht zu erkennen, dass sich das BFM mit  Sinn  und  Zweck  von  Art.  44  Abs.  1  Satz  2  AsylG  auseinandergesetzt 

D­1540/2011 habe.  Es  sei  zudem  fraglich,  ob  das  BFM  den  zu  beurteilenden  Sachverhalt korrekt erfasst habe, da es teils von "Gesuchsteller" spreche,  teils  von  "Gesuchstellern". Dies  lasse darauf  schliessen,  dass das BFM  vorgefertigte  Bausteine  kombiniert  habe  anstatt  eine  Einzelfallbegründung vorzunehmen. Obwohl das Ehepaar _______ unter  derselben  N­Nummer  geführt  werde,  sei  es  zu  zwei  nicht  aufeinander  abgestimmten Verfügungen gekommen. Das BFM habe demnach seine  Begründungspflicht  und  damit  den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  verletzt,  weshalb  der  Entscheid  zu  kassieren  sei.  Im  Weiteren  sei  festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung nach Kosovo vorliegend  nicht zumutbar sei. Das Elternhaus des Beschwerdeführers in E._______  befinde sich nicht  in bewohnbarem Zustand, da  immer wieder sämtliche  Fenster von Dieben entfernt würden (vgl. die mit Eingabe vom 3. Februar  2011  beim  BFM  eingereichten  Unterlagen).  Eine  Rückkehr  zu  den  Verwandten  in  B._______  sei  ausgeschlossen,  da  im  dortigen  Haus  bereits  sieben  Personen  auf  engstem  Raum  wohnten.  Eine  finanzielle  Unterstützung des Beschwerdeführers und seiner Familie (insgesamt vier  Personen) durch seine Eltern könne nicht erwartet werden, da die Eltern  in  Deutschland  nur  ein  geringes  Einkommen  erwirtschafteten.  Die  allgemeine Lage  in Kosovo  für Angehörige der Minderheiten der Roma,  Ashkali  und  "Ägypter"  sei  schwierig.  In  diesem  Zusammenhang  sei  auf  die Ausführungen im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­7129/2007  vom  29.  Januar  2010  verwiesen.  Diesen  sei  zu  entnehmen,  dass  die  Arbeitslosenquote  bei  diesen  Bevölkerungsgruppen  mit  98%  weit  über  dem  Durchschnitt  liege.  Zudem  seien  diese  Ethnien  nach  wie  vor  Diskriminierungen  ausgesetzt.  Angesichts  der  enorm  hohen  Arbeitslosigkeit  sei  es  unwahrscheinlich,  dass  der Beschwerdeführer  im  Heimatland  eine  Arbeitsstelle  finden  würde,  die  es  ihm  ermöglichen  würde,  die  Existenz  seiner  Familie  zu  sichern.  Zu  bedenken  sei  auch,  dass  sowohl  der  Beschwerdeführer  als  auch  seine  Ehefrau  vorwiegend  im deutschsprachigen Kulturkreis sozialisiert worden seien. 6.3. Das BFM äusserte sich in seiner Vernehmlassung namentlich zu den  Beweismitteln,  welche  am  4.  Februar  2011  beim  BFM  eingegangen  waren  (Schreiben  der  Eltern  des  Beschwerdeführers  sowie  eine  Bestätigung  der  Polizei)  und  führte  diesbezüglich  aus,  die  Bestätigung  liege nur in Kopie vor, weshalb ihre Beweiskraft vermindert sei. Der Brief  der  Eltern  sei  ein  Gefälligkeitsschreiben,  welchem  kein  Beweiswert  zukomme.

D­1540/2011 6.4. In der Replik liess der Beschwerdeführer mitteilen, am 25. März 2011  habe  seine  Ehefrau  das  (zweite)  gemeinsame  Kind  zur Welt  gebracht.  Dieses müsse  in den kommenden Wochen am Rücken operiert werden.  Im Übrigen sei  es  ihm gelungen, das Original  der Polizeibestätigung  zu  beschaffen.  Damit  sei  der  Einwand  des  BFM  betreffend  verminderte  Beweistauglichkeit der Kopie hinfällig geworden. 6.5.  In  der  zweiten  Vernehmlassung  vom  27. Mai  2011  bekräftigte  das  BFM  seine  Auffassung,  wonach  die  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Kosovo  insgesamt  als  zumutbar  zu  erachten  sei.  Der  Umstand,  dass  er  und  seine  Ehefrau  inzwischen  ein  zweites  Kind  bekommen  hätten,  ändere  daran  nichts.  Dem  eingereichten  Arztbericht  zufolge  benötige  das  neugeborene  Kind  eine  Operation,  welche  in  den  ersten  Monaten  nach  der  Geburt  erfolgen  könne  und  in  der  Regel  unproblematisch sei. Es lägen keine Hinweise vor, wonach das Kind nach  der Operation weitere  ärztliche Behandlungen  benötigen werde, welche  in Kosovo nicht gewährleistet wären. Der Wegweisungsvollzug sei daher  auch unter diesem medizinischen Aspekt als zumutbar zu erachten. Das  nun  eingereichte  Originaldokument  enthalte  keine  Hinweise  auf  das  Vorliegen  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses.  Vorab  sei  festzustellen, dass an der Echtheit dieses Dokuments Zweifel bestünden,  da es Kopierspuren aufweise und das Wappen im Briefkopf hineinkopiert  wirke.  Im  Weiteren  gehe  aus  diesem  Dokument  nur  hervor,  dass  die  Familie  des  Beschwerdeführers  ein  Opfer  von  kriminellen  Vorgängen  geworden sei. Dies könne grundsätzlich jeden treffen; ausserdem hätten  sich  die  Behörden  des  Heimatlandes  ordnungsgemäss  um  den  Vorfall  gekümmert. 7.  Vorab  ist  auf  die  in  der  Beschwerde  vorgebrachte  formellen  Rügen  einzugehen,  wonach  das  BFM  den  relevanten  Sachverhalt  inkorrekt  festgestellt  habe,  indem  es  teils  von  "Gesuchsteller"  und  teils  von  "Gesuchstellern"  spreche,  und  demnach  auch  seine Begründungspflicht  (und  damit  den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör)  verletzt  habe,  da  offensichtlich keine Einzelfallbegründung erfolgt sei und zudem betreffend  den  Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  zwei  nicht  aufeinander  abgestimmte Verfügungen erlassen worden seien. Dazu ist Folgendes zu  bemerken:  Die  Behörde  hat  im  Verwaltungsverfahren  den  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  festzustellen  (Art.  12  VwVG).  Die  Sachverhaltsfeststellung  ist  unvollständig,  wenn  nicht  alle  für  den  Entscheid  rechtswesentlichen  Sachumstände  berücksichtigt  wurden. 

D­1540/2011 Unrichtig  ist  sie,  wenn  der  Verfügung  ein  falscher  und  aktenwidriger  Sachverhalt  zugrunde  gelegt  wird.  Eine  unrichtige  oder  unvollständige  Sachverhaltsfeststellung  im  Sinne  von  Art.  49  Bst.  b  VwVG  respektive  Art.  106  Abs.  1  Bst.  b  AsylG  liegt  indessen  nur  dann  vor,  wenn  der  fragliche  Sachumstand  als  rechtserheblich  qualifiziert  werden  kann. Die  Behörde hat ausserdem die Pflicht, ihre Verfügungen zu begründen (vgl.  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft vom 18. April 1999  [BV, SR 101] und Art. 35 Abs. 1  VwVG). die verfügende Behörde hat dabei die Überlegungen zu nennen,  von denen sie sich  leiten  liess und auf die sich  ihr Entscheid stützt. Die  Begründungspflicht  ist  ein  Element  rationaler  und  transparenter  Entscheidfindung  und  dient  nicht  zuletzt  auch  der  Selbstkontrolle  der  Behörden.  Dementsprechend  bildet  eine  hinreichende  Begründung  die  Grundlage  für  eine  sachgerechte  Anfechtung  der  Verfügung  durch  die  Betroffenen  und  stellt  gleichzeitig  eine  unabdingbare  Voraussetzung  für  die  Beurteilung  ihrer Rechtmässigkeit  durch  die  Beschwerdeinstanz  dar  (vgl.  dazu  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz. 325 und  354  f.).  Im  vorliegenden  Fall  trifft  es  zu,  dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  mehrmals  fälschlicherweise  von  "Gesuchstellern"  im Plural  spricht  (vgl. Ziff.  I.2  erster Absatz,  II.2  letzter  Absatz  sowie  im Dispositiv).  Allerdings  erscheint  es  offensichtlich,  dass  es  sich  dabei  um  blosse  redaktionelle  Fehler  handelt,  nicht  um  eine  eigentliche falsche Sachverhaltsfeststellung. Im Weiteren ist mit Blick auf  die  Entscheidbegründung  festzustellen,  dass  diese  sehr  wohl  einzelfallbezogen  ausgefallen  ist  und  sich  das BFM mit  den Vorbringen  respektive  der  aktenkundigen  Situation  des  Beschwerdeführers  auseinandergesetzt  hat.  Auch  wenn  die  Begründung  im  Wegweisungsvollzugspunkt betreffend die Frage der Einheit  der Familie  knapp  ausgefallen  ist,  so  kann  darin  dennoch  keine  Verletzung  der  Begründungspflicht  erblickt  werden,  zumal  aus  dem  Inhalt  der  Beschwerdeschrift  zu  schliessen  ist,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  gestützt  auf  die Erwägungen  in  der  angefochtenen Verfügung durchaus  möglich  war,  diese  sachgerecht  anzufechten.  Im  Übrigen  war  es  dem  BFM  gar  nicht  möglich,  die  vorliegend  angefochtene  Verfügung  mit  derjenigen  betreffend  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  zu  koordinieren,  da  bezüglich  der  Ehefrau  kein Verfahren  beim BFM mehr  hängig  war.  Nach  dem  Gesagten  besteht  keine  Veranlassung,  die  vorinstanzliche  Verfügung  zu  kassieren,  weshalb  die  entsprechenden  Anträge (vgl. Rechtsbegehren Ziff. 2 und 5) abzuweisen sind. 

D­1540/2011 8.  Sodann ist zu prüfen, ob das BFM den Wegweisungsvollzug zu Recht als  durchführbar erachtet hat. 8.1.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs.  3  AuG).  So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund  nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art.  5  Abs.  1  AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR  0.142.30]).  Gemäss  Art.  25  Abs.  3  BV,  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis  zu  Art.  3  EMRK  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf  hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt,  welche  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  rechtskräftig  verneint  wurde,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach  Kosovo  ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Kosovo  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  europäischen Gerichtshofes  für Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06,  §§124­127, mit weiteren Hinweisen). Aufgrund der Akten  ist  indessen  nicht  davon  auszugehen,  dass  ihm  eine  derartige  Gefahr  droht.  Die 

D­1540/2011 allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Kosovo  lässt  den  Wegweisungsvollzug  im  heutigen  Zeitpunkt  ebenfalls  nicht  als  unzulässig erscheinen. 8.2.  In  der  Beschwerde  wird  geltend  gemacht,  die  angefochtene  Verfügung  verletzte  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  (Art.  44  Abs. 1  in  fine AsylG), weil dem Beschwerdeführer die Rückkehr nach  Kosovo  zugemutet  werde,  obwohl  nach  wie  vor  ein  Beschwerdeverfahren  seiner  Ehefrau  (und  der  gemeinsamen  Kinder)  beim  Bundesverwaltungsgericht  hängig  sei  (vgl.  D­1370/2009).  Dazu  ist  Folgendes  zu  bemerken:  Gemäss  der  Rechtsprechung  zu  Art.  44  Abs.  1  in  fine AsylG  kommt  der  dort  erwähnte Grundsatz  der Einheit  der  Familie  nur  im  Verhältnis  zu  Familienangehörigen,  welche  über  den Status der vorläufigen Aufnahme verfügen, zum Tragen. In diesem  Zusammenhang  kommt  Art.  44  Abs.  1  AsylG  eine  Tragweite  zu,  die  über die aus Art. 8 EMRK abgeleiteten Rechtsansprüche auf Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  hinausgeht,  indem  die  vorläufige  Aufnahme  des  einen  Familienmitglieds  in  der  Regel  auch  zur  vorläufigen  Aufnahme  der  anderen  Familienangehörigen  führt  (vgl.  dazu  EMARK  1995 Nr.  24  S.  229  ff.,  mit  weiteren  Hinweisen;  dieser  Entscheid bezieht sich allerdings noch auf Art. 17 Abs. 1 AsylG in der  Fassung  gemäss  Ziff.  I  des  Bundesbeschlusses  vom  22.  Juni  1990  über  das  Asylverfahren  [AS  1990  938],  welcher  indessen  inhaltlich  Art. 44  Abs.  1  AsylG  entspricht).  Für  den  vorliegenden  Fall  ist  festzustellen,  dass  weder  die  Ehefrau  noch  die  Kinder  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommen  sind;  sie  verfügen lediglich über ein temporäres Anwesenheitsrecht gestützt auf  Art.  42  AsylG,  das  heisst  sie  dürfen  sich  bis  zum  rechtskräftigen  Abschluss  ihrer  Asylverfahren  in  der  Schweiz  aufhalten.  Demnach  kann der Beschwerdeführer aus Art. 44 Abs. 1 AsylG nichts zu seinen  Gunsten  ableiten.  Das  Vorgehen  des  BFM  (Verfügung  des  Wegweisungsvollzugs  bezüglich  des  Beschwerdeführers,  obwohl  das  Asylverfahren  betreffend  seine  Ehefrau  noch  nicht  rechtskräftig  abgeschlossen war)  ist bei dieser Sachlage nicht zu beanstanden.  Im  Übrigen wird die Beschwerde der Ehefrau des Beschwerdeführers (vgl.  das  Verfahren  D­1370/2009)  mit  datumsgleichem  Urteil  ebenfalls  abgewiesen und der vom BFM angeordnete Wegweisungsvollzug nach  Kosovo bestätigt, womit der Grundsatz der Einheit der Familie faktisch  dennoch gewahrt ist.

D­1540/2011 8.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.  Wird  eine  konkrete Gefährdung  festgestellt,  ist  ­  unter  Vorbehalt  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  ­  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft zum Bundesgesetzt über die Ausländerinnen und Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 8.3.1.  In  Kosovo  herrscht  im  heutigen  Zeitpunkt  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  aufgrund  derer  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr unweigerlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt würde.  Blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  weite  Teile  der  ansässigen  Bevölkerung  betroffen  sind,  genügen  nicht,  um  eine Gefährdung  im Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl.  BVGE 2010/41 E. 8.3.6 S. 591, EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215). 8.3.2.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  von  albanischsprachigen  Roma,  Ashkali und "Ägyptern" nach Kosovo ist in der Regel zumutbar, sofern auf  Grund  einer  Einzelfallabklärung  feststeht,  dass  bestimmte  Reintegrationskriterien – wie berufliche Ausbildung, Gesundheitszustand,  Alter, ausreichende wirtschaftliche Lebensgrundlage und Beziehungsnetz  in Kosovo – erfüllt sind (vgl. BVGE 2007/10 E. 5.3). 8.3.3.  Die  von  der  Vorinstanz  veranlasste  Einzelfallabklärung  (Botschaftsbericht  vom 13.  Januar  2011)  hat  im Wesentlichen  ergeben,  dass die Grosseltern sowie ein Onkel mit Familie in B._______ in einem  Haus  leben.  Im Jahr 2008 habe der Beschwerdeführer vier Monate  lang  dort  gewohnt.  Der  Einschätzung  dieser  Verwandten  zufolge  habe  der  Beschwerdeführer  dort  keine  Sicherheitsprobleme  gehabt.  Das  Elternhaus  des  Beschwerdeführers  in  E._______  sei  nach  dem  Krieg  wieder  aufgebaut  worden  und  stehe  leer,  sei  jedoch  in  bewohnbarem  Zustand. Die Bauarbeiten seien so gut wie abgeschlossen. Daraus ist zu  schliessen,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Kosovo  über  ein  familiäres  Beziehungsnetz verfügt, welches ihn zumindest in der Anfangsphase bei  der  Reintegration  unterstützen  könnte.  Zudem  könnte  er  –  allenfalls  zusammen  mit  seiner  Ehefrau  und  den  beiden  Kindern,  deren  Beschwerde mit  datumsgleichem  Urteil  ebenfalls  abgewiesen  wird  (vgl.  D­1370/2009)  –  in  seinem  neu  aufgebauten  Elternhaus  Wohnsitz  nehmen.  Selbst  wenn  es  tatsächlich  zutreffen  sollte,  dass  Diebe  wiederholt die Türen und Fenster dieses Hauses entwendet haben  (vgl. 

D­1540/2011 die  eingereichten  Beweismittel),  so  spricht  dies  nicht  gegen  die  Zumutbarkeit  einer  Wohnsitznahme  in  diesem  Haus,  zumal  Türen  und  Fenster ersetzt werden können. Es handelt sich beim Beschwerdeführer  um  einen  jungen  Mann  ohne  aktenkundige  gesundheitliche  Probleme,  welcher  über  einen  deutschen  Hauptschulabschluss  sowie  über  Arbeitserfahrung auf dem Bau sowie im Aussendienst verfügt. Er ist den  Akten zufolge albanischer Muttersprache, mit guten Deutschkenntnissen.  Angesichts  dieser  Ausgangslage  dürfte  es  dem  Beschwerdeführer  bei  entsprechenden  Bemühungen  trotz  der  insbesondere  für  ethnische  Minderheiten  schwierigen  Arbeitsmarktsituation  in  Kosovo möglich  sein,  im  Heimatland  eine  neue  Existenzgrundlage  für  sich  und  allenfalls  für  seine Ehefrau und Kinder aufzubauen. Bei Bedarf könnte er zudem seine  in  Deutschland  wohnhaften  Eltern  um  finanzielle  Unterstützung  bitten,  welche  ihm  den  Akten  zufolge  trotz  bescheidenem  Einkommen  bereits  bei  seinem  letzten  Aufenthalt  in  Kosovo  im  Jahr  2008  Geld  geschickt  hatten (vgl. A14 S. 7 und 15). Dem Beschwerdeführer  ist es schliesslich  unbenommen, zur Überbrückung von Anfangsschwierigkeiten beim BFM  einen  Antrag  auf  Rückkehrhilfe  zu  stellen  (vgl.  Art.  62  ff.  der  Asylverordnung 2 über Finanzierungsfragen vom 11. August 1999 [AsylV  2, SR 142.312]).  8.3.4.  Nach  dem  Gesagten  bestehen  insgesamt  keine  konkreten  und  glaubhaften  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Ausschaffung nach Kosovo  in eine existenzielle Notlage geraten würde,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  dorthin  als  zumutbar  zu  bezeichnen ist. 8.4.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ist  schliesslich  auch  als  möglich  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  2  AuG  zu  bezeichnen,  zumal  es  dem  Beschwerdeführer obliegt, bei der Beschaffung der für die Einreise nach  Kosovo  erforderlichen  Reisedokumente  mitzuwirken  (Art.  8  Abs.  4  AsylG). 8.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass der von der Vorinstanz verfügte  Wegweisungsvollzug  in  Übereinstimmung  mit  den  zu  beachtenden  Bestimmungen  steht  und  zu  bestätigen  ist.  Eine  Anordnung  der  vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

D­1540/2011 vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  dessen  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Nachdem  aber  aufgrund  der  Aktenlage  von  seiner  prozessualen  Bedürftigkeit  auszugehen  ist  und  die  Beschwerde  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet  werden  konnte,  ist  in  Gutheissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege von einer Kostenauflage abzusehen (Art. 65  Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­1540/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

D-1540/2011 — Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 D-1540/2011 — Swissrulings