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Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 D-1404/2010

28 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,540 parole·~8 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. Februar 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­1404/2010 Urteil   v om   2 8 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Maurice Brodard, Richter Pietro Angeli­Busi; Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea,   vertreten durch lic.iur. Susanne Sadri,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 2. Februar 2010 / N (…).

D­1404/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge am 28. November 2007 und  reiste über den Sudan, Libyen und  Italien  am  18. Mai  2008  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  tags  darauf  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um  Asyl  nachsuchte. Mit Verfügung  vom 18. Juni  2008 wurde  er  vom BFM dem  Kanton C._______ zugewiesen. Bei der am 3. Juni 2008 im EVZ durchgeführten Erstbefragung sowie der  Anhörung durch das BFM vom 16. Juni 2008 gab der Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  an,  er  sei –  während  seines  (…)studiums  –  erstmals  im  Jahr  2001  nach  Studentendemonstrationen  verhaftet  und  zweieinhalb  bis  drei  Monate  festgehalten worden. Von  2003 bis  2005 habe er  als  (…)lehrer Schüler  der 9. bis 11. Klasse unterrichtet. Ende (…) 2005 sei er erneut verhaftet  worden,  nachdem  an  einer  Lehrerversammlung  kritische  Fragen  unter  anderem  zur  Entlöhnung  gestellt  worden  seien.  Im  (…)  2007  sei  ihm  schliesslich die Flucht aus der Haft gelungen. B.  Mit  Verfügung  vom  2. Februar  2010  –  eröffnet  am  4. Februar  2010 –  stellte  das  Bundesamt  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  und  werde  als  Flüchtling  anerkannt.  Gleichzeitig  lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab  und wies  ihn aus der Schweiz weg. Der Vollzug der Wegweisung wurde  zufolge  Unzulässigkeit  zu  Gunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme  aufgeschoben.  Die Vorinstanz begründete  ihren Entscheid  im Wesentlichen damit, dass  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  aufgrund  zahlreicher  Unstimmigkeiten  und  Ungereimtheiten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügten. Einerseits stimmten  die  eingereichten  Beweismittel  zum  Studium,  insbesondere  zum  Zeitpunkt  des  Abschlusses  des  Studiums,  nicht  mit  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  überein,  weshalb  die  eingereichten Beweismittel  als  untauglich  und  ohne  Beweiswert  zu  betrachten  seien.  Anderseits  seien  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  angesichts  der  Zeitspanne  zwischen  der  ersten  Verhaftung  und  der  tatsächlich  erfolgten  Ausreise  nicht  nachvollziehbar.  Aufgrund  der  Akten  sei  allerdings  davon 

D­1404/2010 auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  Eritrea  illegal  verlassen  habe  und  im  militärdienstpflichtigen  Alter  sei.  Die  eritreischen  Behörden  unterstellten  solchen  Personen  grundsätzlich  eine  regierungsfeindliche  Haltung und bestraften diese Personen bei  einer Rückkehr  sehr  streng,  wobei  sich  die  Strafmassnahmen  durch  ein  hohes  Mass  an  Brutalität  auszeichneten. Der Beschwerdeführer habe damit begründete Furcht, bei  einer Rückkehr  nach Eritrea  ernsthaften Nachteilen  im Sinne  von Art. 3  AsylG  ausgesetzt  zu  werden,  weshalb  er  die  Flüchtlingseigenschaft  erfülle.  Asyl  könne  ihm  jedoch  nicht  gewährt  werden,  da  dem  Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft aufgrund seines Verhaltens  nach seiner Ausreise aus dem Heimatland, mithin der illegalen Ausreise,  zuerkannt  werde.  Zufolge  Ablehnung  des  Asylgesuches  sei  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  anzuordnen.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweise  sich  jedoch  aufgrund  der  anerkannten  Flüchtlingseigenschaft  als  unzulässig,  weshalb  der  Beschwerdeführer  vorläufig aufzunehmen sei.  C.  Mit  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  8. März  2010  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  beantragen,  es  seien die Dispositiv­Ziffern 3 ­ 4 des Entscheides des Bundesamtes vom  2. Februar  2010  aufzuheben  und  dem Beschwerdeführer  sei  politisches  Asyl  zu gewähren.  In  formeller Hinsicht  ersuchte er um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege. Als Beilagen zur Beschwerdeschrift reichte  der  Beschwerdeführer  verschiedene  Beweismittel  ein,  insbesondere  solche zu seiner Ausbildung an der Universität. Auf  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren  sowie  die  eingereichten  Beweismittel  wird  –  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich  –  in  den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D.  Der  Instruktionsrichter  wies  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  mit  Zwischenverfügung  vom  19. März  2010  ab  und  forderte  den  Beschwerdeführer  auf,  bis  zum  6. April  2010  einen  Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.–­ zu leisten. Der Kostenvorschuss ging am 1. April 2010 bei der Gerichtskasse ein.

D­1404/2010 E.  Mit Verfügung vom 14. April 2010 wurde die Vorinstanz zur Einreichung  einer  Vernehmlassung  eingeladen  und  dabei  darauf  hingewiesen,  dass  das  Protokoll  der  Anhörung  des  Beschwerdeführers  unvollständig  erscheine.  Das  Bundesamt  beantragte  mit  seiner  Stellungnahme  vom  21. April  2010  die  Abweisung  der  Beschwerde  und  reichte  gleichzeitig  das  vollständige  Anhörungsprotokoll  ein.  Dem Beschwerdeführer  wurde  in  der  Folge  mit  Verfügung  vom  28. April  2010  Gelegenheit  zur  Äusserung eingeräumt, wovon er jedoch keinen Gebrauch machte.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Ein solcher Ausnahmefall liegt nicht vor. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten.

D­1404/2010 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann,  wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen  Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person  persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall  ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel  abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung bedeutet  ferner –  im Gegensatz zum strikten Beweis  – ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die 

D­1404/2010 für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (Art. 7 Abs. 2  und  3 AsylG;  vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 4.  4.1.  Die  Vorinstanz  hält  dem  Beschwerdeführer  zunächst  vor,  seine  Angaben  zur  Ausbildung  stimmten  nicht  mit  den  eingereichten  Beweismitteln  überein.  So  habe  er  behauptet,  das  (…)­Studium  an  der  Universität  D._______  im  (…)  2003  absolviert  zu  haben,  während  das  provisorische  Diplom,  datierend  vom  (…)  2005,  bestätige,  dass  er  das  Studium  erst  im  Jahre  2004  abgeschlossen  habe.  Auch  aus  dem  eingereichten Auszug einer Website (mit Foto) gehe hervor, dass er sein  Studium  2004  beendet  habe.  Zudem  falle  auf,  dass  es  sich  beim  provisorischen Diplom um ein "BA Degree" (Bachelor of Arts) handle, er  hätte  jedoch  ein  Bachelor  of  Science  (BSc)  erhalten  sollen.  Weiter  sei  beim "Transcript" der Noten der 8. bis 11. Schulklassen ersichtlich, dass  die  Jahreszahlen  von  Hand  manipuliert  worden  seien.  Der  "Transcript"  der  Universität  D._______  sei  unvollständig.  Darüber  hinaus  werde  in  dem  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Internetbericht  eines  Studenten  über  die  Verhaftungswelle  von  2001  beschrieben,  dass  ein  gewisser  Major­General  E._______  vor  den  Verhafteten  eine  Rede  gehalten habe, worin er den Studenten vorgeworfen habe, sie seien "HIV­ Träger"  der  Oppositionellen,  die  das  Land  verraten  hätten.  Laut  den  Aussagen des Beschwerdeführers habe der besagte Major­General diese  Worte  jedoch  anlässlich  einer  Rede  im  (…)  2005  gesagt.  Der  Beschwerdeführer  habe  damit  versucht,  seine  Vorbringen  mit  untauglichen  Dokumenten  zu  belegen.  Erfahrungsgemäss  würden  tatsächlich Verfolgte nicht zu derartigen Machenschaften greifen, weshalb  vermutet  werden  müsse,  dass  er  etwas  zu  verschweigen  versuche.  Zudem  habe  er  keine  Originaldokumente  eingereicht  und  –  trotz  Versprechens – kein Dokument, welches seine Lehrertätigkeit belege. Diesen Erwägungen wird  auf  Beschwerdeebene  entgegengehalten,  aus  den  Schreiben  der  Universität  D._______  gehe  hervor,  dass  er  das  provisorische  Abschlussdiplom  erst  erhalten  haben,  nachdem  er  von  2003 bis 2004 als Lehrer gearbeitet habe. Aus diesem Grund sei er erst  im  Verzeichnis  der  Absolventen  vom  (…)  2004  aufgelistet.  Aus  den 

D­1404/2010 eingereichten  Unterlagen  ergebe  sich  im  Weiteren,  dass  an  der  Universität  D._______  die  Fachrichtung  (…)  als  geisteswissenschaftliches  Fach  angesehen  werde  und  nicht  als  naturwissenschaftliches. Die Schulnoten von 1994 bis 1998 seien  in der  Tat von Hand ausgefüllt worden, aber auf keinen Fall manipuliert. Zudem  bewiesen  die  eingereichten  Dokumente,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  seinem  Schulabschluss  von  1998  bis  2003  an  der  Universität  D._______ studiert habe. Dem  Beschwerdeführer  ist  darin  zuzustimmen,  dass  die  Zweifel  des  Bundesamtes  hinsichtlich  seines  Studiums  beziehungsweise  seines  Studienabschlusses  nicht  zu  überzeugen  vermögen.  Angesichts  der  im  Beschwerdeverfahren  eingereichten  Originaldokumente  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  Studienrichtung "(…) (Education)" tatsächlich über das Diplom eines B.A.  (Bachelor of Arts) verfügt. Nicht ganz klar erscheint sodann, inwiefern die  handschriftlich  ausgefüllte  Abschrift  der  Schulnoten  als  manipuliert  betrachtet werden müsste, alleine eine handschriftliche Korrektur genügt  nicht,  zumal  auch  nicht  ersichtlich  ist,  welchen  Vorteil  der  Beschwerdeführer  aus  manipulierten  Jahreszahlen  ziehen  könnte.  Schliesslich mag der zeitliche Ablauf  zwischen Abschluss des Studiums  und  Ausstellung  eines  provisorischen  Diploms  aus  westeuropäischer  Sicht eigenartig erscheinen, ernsthafte Zweifel an der Glaubhaftigkeit der  Angaben  des Beschwerdeführers  oder  den  von  ihm  zwischenzeitlich  im  Original  eingereichten  (schulischen)  Beweismitteln  vermag  dies  jedoch  nicht  zu  begründen.  Der  vom  BFM  erhobene  Vorwurf,  der  Beschwerdeführer habe sich irgendwelcher Machenschaften bedient und  es müsse  vermutet werden,  er  versuche  etwas  zu  verschweigen,  hält –  jedenfalls  im  Hinblick  auf  seine  Ausbildung  –  einer  Überprüfung  nicht  stand.  Insofern  erweisen  sich  die Einwände  des Beschwerdeführers  als  begründet. 4.2.  In  einem  zweiten Punkt  hält  die Vorinstanz  dem Beschwerdeführer  vor,  seine  Vorbringen  entbehrten  der  inneren  Logik  und  seien  deshalb  unglaubhaft. Der Beschwerdeführer habe die Auseinandersetzung mit der  Militärregierung im Jahr 2001 während seiner Studienzeit als Hauptgrund  für  seine  Festnahme  im  (…)  2005  angegeben.  Er  sei  deswegen  verdächtigt  worden,  regierungsfeindliches  Gedankengut  an  die  Schüler  weitergegeben zu haben. Dieses Vorbringen wirke jedoch konstruiert. Auf  Vorhalt, dass er  (…) 2005 gar kein Student mehr gewesen sei, habe er  ausgeführt,  die  damaligen  Studenten  seien  politisch  sehr  verdächtig 

D­1404/2010 gewesen und dementsprechend seien ihre Aktivitäten kontrolliert worden.  Zudem  habe  der  Beschwerdeführer  zu  Protokoll  gegeben,  er  habe  als  Lehrer in ständiger Angst gelebt. Er habe sich täglich unter psychischem  Druck gefühlt. Seit seiner ersten Verhaftung im Jahr 2001 habe nichts an  seiner  Situation  geändert.  Diese  Ausführungen  seien  nicht  nachvollziehbar. Hätten die eritreischen Behörden den Beschwerdeführer  tatsächlich  seit  2001 als  politischen Oppositionellen  betrachtet,  so hätte  er mit Bestimmtheit  nicht an einer Sekundarschule unterrichten können.  Ebenfalls wäre  es  ihm kaum möglich  gewesen,  einen eritreischen Pass  zu  erhalten.  Das  behauptete  Verfolgungsmotiv  könne  nicht  geglaubt  werden, dies umso mehr, als er nicht zu erklären vermocht habe, weshalb  er  ­ angesichts des psychischen Drucks – Eritrea nicht  früher verlassen  habe. Sein Pass sei bereits am (…) 2003 ausgestellt worden. In  der Beschwerde wird  ausgeführt,  der Beschwerdeführer  habe  keinen  Beweis  für seine Haft von 2005 bis zu seiner Flucht  im  (…) 2007, auch  nicht für seine Inhaftierung vom August bis November 2001. Es sei aber  leicht  nachvollziehbar,  dass  jemand  in  Eritrea  von  seiner  ersten  Inhaftierung an bei den Behörden aktenkundig und als regierungsfeindlich  verdächtigt  und abgestempelt werde.  In  solchen Fällen betrachteten die  eritreischen  Behörden  jede  weitere  oppositionelle  Tätigkeit  und  Äusserung als eine Wiederholung unbotmässigen Verhaltens und gingen  deshalb viel strenger gegen die betreffende Person vor. Deshalb habe es  auch  keine  Probleme  gegeben,  solange  der  Beschwerdeführer  brav  seinen Dienst an der Schule geleistet und die Schulbehörden sich nicht  über  ihn beschwert  hätten. Als  er  aber die Besoldung  kritisiert  und  sich  über die Entlassung (gemeint wohl: die verweigerte Entlassung) aus dem  Dienst  beschwert  habe,  sei  er  sofort  verhaftet  und  ohne  Gerichtsverfahren oder Anklageschrift  jahrelang festgehalten worden. So  sei  das  Vorbringen,  er  sei  verdächtigt  worden,  den  Schülern  regierungsfeindliches  Gedankengut  weitergegeben  zu  haben,  wohl  nachvollziehbar. Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  nach  Prüfung  der  Akten  in  Übereinstimmung  mit  dem  Bundesamt  zum  Schluss,  dass  die  eigentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Gründen  für die  Ausreise aus dem Heimatstaat nicht zu überzeugen vermögen. Es kann  deshalb zunächst auf die diesbezüglich zutreffenden Ausführungen in der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Insgesamt fällt sodann auf,  dass  sich  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  ­  vor  dem Hintergrund  seiner  akademischen  Ausbildung  und  der  Darstellung  von  selbst 

D­1404/2010 Erlebtem – weitgehend auf die Schilderung dessen beschränkt, was auch  in dem von  ihm eingereichten Internetartikel nachzulesen  ist. So decken  sich  seine Angaben zu  seiner Haftzeit  im Jahr 2005  (vgl. Akten BFM A  7/13  S.  7)  auffällig  mit  dem  Inhalt  des  Artikels,  welcher  allerdings  die  Studentenverhaftungen im Jahr 2001 schildert (vgl. Akten BFM A 6). Vor  diesem  Hintergrund  kommt  dem  von  der  Vorinstanz  aufgeführten  Argument,  der Beschwerdeführer  habe die  im  Internetbericht  enthaltene  Äusserung eines Major­Generals  zu den Studenten aus dem Jahr 2001  auf  seine Verhaftung  im  Jahr  2005  bezogen,  besondere Bedeutung  zu.  Zudem  fällt  auf,  dass  sich  kaum  konkrete  Beschreibungen  eigener  Erlebnisse  in  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  finden  lassen.  So  bleibt  auch  die  Schilderung  der  Versammlung,  an  welcher  sich  der  Beschwerdeführer – nebst anderen Personen – kritisch zum Lohn sowie  zu  der  nicht  vollzogenen  Entlassung  aus  dem   Militärdienst   geäussert   haben   will   (vgl.  Akten   BFM   A  7/13   S. 7  f.),  nur  undifferenziert.  Schliesslich  ist  dem  BFM  auch  darin  zuzustimmen,  dass  nicht  nachvollziehbar  erscheint,  weshalb  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat angesichts seiner angeblichen Verhaftung im Jahr 2001 nicht  bereits  früher  verlassen  hat. Dies  insbesondere  unter  Berücksichtigung,  dass  ihm  im (…) 2003 ein Pass ausgestellt wurde, er  im Jahr 2003 das  Studium beendete, im (…) 2004 in der "List of Graduates" aufgeführt und  ihm  im  (…)  2004  eine  Bestätigung  ausgestellt  wurde,  wonach  er  im  akademischen  Jahr  2003/2004  den  einjährigen  "University  National  Service"  absolviert  habe.  Wenn  der  Beschwerdeführer  angibt,  er  habe  Eritrea  nicht  früher  verlassen, weil  er  seine Eltern  nicht  habe  in Gefahr  bringen  wollen  (vgl.  Akten  BFM  A  7/13  S. 11),  so  ist  dem  entgegenzuhalten, dass die behauptete Flucht aus der Haft die Eltern des  Beschwerdeführers  wohl  eher  gefährdet  hätte,  als  die  "Flucht"  eines  Studenten  beziehungsweise  Lehrers.  Auch  die  Angabe,  er  habe  nur  einen Passierschein bis F._______ erhalten und es sei  ihm nicht erlaubt  gewesen,  sich  ohne  Passierschein  ausserhalb  der  Ortschaften  D._______ und F._______  zu bewegen  (vgl. Akten BFM A 7/13 S. 10),  vermag  angesichts  der  vom  Beschwerdeführer  als  überaus  belastend  geschilderten Situation als Begründung für die Verhinderung der Ausreise  nicht zu überzeugen. 4.3. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer weder  seine Verhaftung im Jahr 2001, noch diejenige im Jahr 2005 glaubhaft zu  machen vermochte. Es bestehen somit auch keine Hinweise dafür, dass  er  –  wie  in  der  Beschwerde  dargelegt  –  als  Deserteur  aus  dem  Militärgefängnis zu betrachten wäre, weshalb sich weitere Ausführungen 

D­1404/2010 dazu  erübrigen.  Das  BFM  hat  demnach  im  Ergebnis  zu  Recht  das  Vorliegen von Vorfluchtgründen verneint. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 6.  Der  Beschwerdeführer  wurde  vom  BFM  zufolge  Vorliegens  subjektiver  Nachfluchtgründe  zwar  als  Flüchtling  anerkannt,  gestützt  auf  Art. 54  AsylG wurde sein Asylgesuch jedoch abgelehnt. Er wurde deshalb wegen  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzuges  vorläufig  aufgenommen,  weshalb  sich  Erörterungen  zu  den  Voraussetzungen  für  die  Anordnung  eines Wegweisungsvollzuges erübrigen. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am  1. April  2010  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1404/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

D-1404/2010 — Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 D-1404/2010 — Swissrulings