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Bundesverwaltungsgericht 10.02.2012 D-1343/2010

10 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,774 parole·~9 min·2

Riassunto

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfüung des BFM vom 1. Februar 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­1343/2010 Urteil   v om   1 0 .   Februar   2012 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka,  c/o schweizerische Vertretung in Colombo, Sri Lanka,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 1. Februar 2010 / N (…).

D­1343/2010 Sachverhalt: A.  Die Beschwerdeführerin, eine sri­lankische Staatsangehörige  tamilischer  Ethnie,  ersuchte  die  schweizerische  Vertretung  in  Colombo  mit  englischsprachiger  Eingabe  vom  27.  April  2009  (Eingang:  5. Mai  2009)  um Gewährung von Asyl respektive Migration in die Schweiz.  B.  Mit Schreiben vom 7. Mai 2009 ersuchte die schweizerische Botschaft in  Colombo  die  Beschwerdeführerin  zur  Vervollständigung  des  rechtserheblichen Sachverhalts unter Einreichung allfälliger Beweismittel  und  Identitätspapiere  um  Beantwortung  konkreter  Fragen  in  Bezug  auf  Ereignisse,  die  sie  zur  Ausreise  veranlassen  würden,  auf  individuelle  Betroffenheit,  allfällig  getroffene  Schutzmassnahmen  sowie  einen  allfälligen  alternativen  Aufenthaltsort  in  Sri  Lanka.  Gleichzeitig  wurde  darauf  hingewiesen,  bei  ungenutzter  Frist  würde  das  Asylbegehren  als  gegenstandslos betrachtet. C.  Mit Begleitschreiben vom 2. September 2009 überwies die Vertretung  in  Colombo  dem  BFM  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  vom  27. April 2009. Im Schreiben teilte die Botschaft der Vorinstanz mit, dass  die  Beschwerdeführerin  auf  das  Schreiben  vom  7.  Mai  2009  nicht  geantwortet habe, weshalb anzunehmen sei, dass sie an der Fortführung  des  Asylverfahrens  kein  Interesse  mehr  habe,  weshalb  dieses  abzuschreiben sei.  D.  Am  29.  September  2009  ging  das  Antwortschreiben  der  Beschwerdeführerin  vom  25.  September  2009  bei  der  Vertretung  in  Colombo ein.  E.  Mit  Verfügung  vom  30.  September  2009  schrieb  das  BFM  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  vom  27.  April  2009  mit  der  Begründung des Wegfalls des anfänglich bestandenen Interesses an der  Weiterführung des Verfahrens als gegenstandslos geworden ab. F. 

D­1343/2010 F.a Aufgrund des eingegangenen Antwortschreibens vom 25. September  2009 wurde  die Beschwerdeführerin  auf  der  Vertretung  in Colombo  zur  Sache angehört.  F.b Zur Begründung  ihres Asylgesuchs machte  die Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Anhörung  vom  3.  November  2009  sowie  in  den  vorangegangenen  schriftlichen  Eingaben  im  Wesentlichen  geltend,  sie  stamme aus dem Distrikt B._______.  Im  Jahre 1990  sei  sie  zusammen  mit  ihrer  Familie  ins  (…)­Gebiet  und  1993  in  den  Distrikt  C._______  gezogen, wo sie seither gewohnt habe. Am 7. April 2007 sei ihr Ehemann  anlässlich  eines  "Round­Ups"  festgenommen  worden,  da  man  ihn  verdächtigt habe, Verbindungen zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam  (LTTE) zu unterhalten. Nach ungefähr drei Monaten sei er wieder aus der  Haft  entlassen  worden.  Als  ihr  Mann  am  5.  Oktober  2007  mit  einem  Freund  unterwegs  gewesen  sei,  seien  beide Männer  von  Unbekannten  erschossen  worden.  Die  Polizei  habe  Ermittlungen  eingeleitet,  habe  jedoch  die  Täterschaft  nicht  ausfindig  machen  können.  Am  12.  September  2008  sei  sie  von  Personen,  die  sich  als  Angehörige  einer  Spezialeinheit ausgegeben hätten, von zu Hause mitgenommen worden,  da  diese  zu  Unrecht  geglaubt  hätten,  sie  habe  ihrem  Mann  geholfen,  Waffen  der  LTTE  zu  verstecken.  Man  habe  sie  misshandelt  und  schliesslich  zur  Terrorist  Investigation  Division  (TID)  in  Colombo  gebracht. Anschliessend sei  sie  in zwei Gefängnissen  inhaftiert worden,  bevor sie am 24. April 2009 gestützt auf einen Gerichtsbeschluss wieder  freigelassen  worden  sei.  Daraufhin  sei  sie  zu  ihren  Kindern  und  ihren  Eltern  in  den Distrikt  C._______  zurückgekehrt.  Ab  dem  28.  April  2009  hätten mehrmals Unbekannte gedroht, sie zu erschiessen, weswegen sie  zusammen mit  ihrer  Familie  zu  ihrem Geburtsort  im  Distrikt  B._______  zurückgekehrt  sei. Dort  habe  sie  keine Probleme gehabt,  jedoch hätten  sich vor kurzem zwei Männer bei einem Nachbarn nach ihr erkundigt. Da  sie  Angst  habe  und  sich  für  ihre  Kinder  eine  sichere  Zukunft  wünsche,  ersuche  sie  um  Asyl  in  der  Schweiz.  Für  die  weiteren  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin wird auf das Protokoll der Anhörung verwiesen.  F.c Mit dem Asylgesuch, dem Antwortschreiben vom 25. September 2009  sowie  anlässlich  der  Anhörung  reichte  die  Beschwerdeführerin  unter  anderem die  folgenden Dokumente ein: Eine "Detention Attestation" des  ICRC  vom  11.  Mai  2009  (in  Kopie),  eine  "Detention  Order"  vom  13.  September 2008 (in Kopie), auszugsweise Kopien von drei Pässen, eine  National  Identity  Card  (in  Kopie)  sowie  ein  Bestätigungsschreiben  des  D._______ Gefängnisses vom 27. April 2009 (in Kopie).

D­1343/2010 G.  Mit Bericht vom 4. November 2009 übermittelte die Botschaft in Colombo  die Akten dem BFM.  H.  Mit Eingabe vom 30. November 2009 reichte die Beschwerdeführerin bei  der Vertretung in Colombo unter anderem die folgenden Beweismittel ein:  Mehrere  "Detention Order"  (in  Kopie),  die  englische Übersetzung  eines  sri­lankischen Polizeiberichts vom 31. Oktober 2007 (in Kopie) sowie eine  DVD.  Mit  Begleitschreiben  vom  8.  Dezember  2009  übermittelte  die  schweizerische  Vertretung  die  Eingabe  vom  30.  November  2009  dem  BFM. I.  Mit Schreiben vom 8. Dezember 2009 reichte die Beschwerdeführerin bei  der Botschaft  in Colombo unter anderem die englischen Übersetzungen  von  mehreren  sri­lankischen  Polizeiberichten  zu  den  Akten.  Mit  Begleitschreiben vom 14. Dezember 2009 übermittelte die Vertretung die  Eingabe vom 8. Dezember 2009 der Vorinstanz.  J.  Mit Verfügung vom 1. Februar 2010 –  in Colombo am 10. Februar 2010  an  die  Beschwerdeführerin  versandt  –  verweigerte  das  BFM  der  Beschwerdeführerin  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  deren  Asylgesuch ab.  Zur Begründung  führte es  im Wesentlichen aus, gemäss den Aussagen  der  Beschwerdeführerin  sei  sie  am  12.  September  2008  von  Unbekannten  mitgenommen  und  in  der  Folge  beim  TID  und  in  zwei  Gefängnissen  inhaftiert  worden,  bevor  sie  am  24.  April  2009  ohne  Auflagen  wieder  aus  der  Haft  entlassen  worden  sei.  Es  sei  nachvollziehbar,  dass  die  Beschwerdeführerin  angesichts  dieser  einschneidenden Ereignisse und des tragischen Todes ihres Ehemannes  in  der  Schweiz  um  Schutz  vor  Verfolgung  nachsuche.  Frühere  Verfolgungsmassnahmen  seien  jedoch  in  der  Regel  nicht  einreiserelevant.  Die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  diene  nämlich  nicht  dem  Ausgleich  vergangenen  Unrechts,  sondern  solle  demjenigen  gewährt  werden,  der  aktuell  Schutz  des  Zufluchtslandes  bedürfe.  Der  geltend  gemachten  Inhaftierung  komme  daher  keine  einreiserelevante Bedeutung zu. 

D­1343/2010 Soweit  die  Beschwerdeführerin  geltend  mache,  sie  sei  nach  ihrer  Entlassung aus der Haft von Unbekannten bedroht worden, weshalb sie  im  Mai  2009  zusammen  mit  ihrer  Familie  in  den  Distrikt  B._______  zurückgekehrt  sei,  wo  sich  einmal  zwei  Unbekannte  bei  den  Nachbarn  nach ihr erkundigt hätten, sei Folgendes festzuhalten: Nachdem im Jahre  2002  zwischen  der  sri­lankischen  Regierung  und  den  LTTE  ein  Waffenstillstand  geschlossen  worden  sei,  sei  es  im  Sommer  2006  zu  einem  Wiederaufflammen  des  innerstaatlichen  bewaffneten  Konflikts  zwischen der sri­lankischen Armee und den LTTE gekommen. In diesem  Zusammenhang seien zahlreiche Personen tamilischer Ethnie unter dem  Verdacht  von Verbindungen zu den LTTE  festgenommen worden. Auch  die  Übergriffe  gegenüber  der  Beschwerdeführerin  und  ihrem  Ehemann  seien  Folgen  dieses  Konfliktes  gewesen.  Der  Krieg  zwischen  der  sri­ lankischen Regierung und den LTTE sei im Mai 2009 mit der Niederlage  der LTTE zu Ende gegangen, womit sich das gesamte Land erstmals seit  1983 wieder  unter Regierungskontrolle  befinde. Dadurch  sei  die Anzahl  von  Gewaltereignissen  wie  Entführungen  und  "Killings"  erheblich  zurückgegangen. Diese Einschätzung werde dadurch bestätigt, dass die  geltend  gemachten  Bedrohungen  aufgehört  hätten,  seit  die  Beschwerdeführerin nach B._______ zurückgekehrt sei. Zudem  sei  festzustellen,  dass  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  bestünden,  zumal  die  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Befragung  auf  der  Botschaft  betreffend  angebliche  Drohungen im April und Mai 2009 seitens unbekannter Männer in Zivil als  ausgesprochen  vage  eingestuft  werden  müssten.  Überdies  habe  die  Beschwerdeführerin  diesbezüglich widersprüchliche  Aussagen  gemacht:  Während sie beim Interview vorgebracht habe, die Männer seien am 10.  Mai dreimal gekommen, ausserdem am 28. April und am 2. Mai, habe sie  in ihrem Schreiben an die schweizerische Vertretung vom 25. September  2009 ausgeführt, die Unbekannten seien in C._______ zweimal zu ihnen  gekommen, worauf sie weggezogen seien. Diese beiden Aussagen seien  unvereinbar.  Weiter  gehe  aus  den  Akten  hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin Ende Oktober 2009 mit öffentlichen Verkehrsmitteln  ohne Probleme von B._______ nach Colombo gefahren sei. Dies wäre ihr  angesichts  der  zahlreichen  Kontrollen  auf  dieser  Strecke  erwartungsgemäss  nicht möglich  gewesen,  wenn  seitens  der  Behörden  respektive  der  mit  ihnen  zusammenarbeitenden  Gruppierungen  ein  Verfolgungsinteresse an ihrer Person bestanden hätte. 

D­1343/2010 Zusammenfassend  sei  demnach  festzuhalten,  dass  die  Angst  der  Beschwerdeführerin  vor  weiteren  Verfolgungsmassnahmen  seitens  der  Behörden  bei  einer  objektiven  Betrachtungsweise  nicht  begründet  erscheine. Es  lägen keine Hinweise vor, wonach sie  in Sri Lanka heute  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  von  einreiserelevanter  Verfolgung  betroffen  werden  könnte.  An  dieser  Einschätzung  vermöchten  auch  die  von  ihr  eingereichten  Dokumente  nichts zu ändern, stützten sie doch lediglich diejenigen Vorbringen, deren  Glaubhaftigkeit  vorliegend  nicht  in  Frage  gestellt  sei.  Für  die  weitere  Begründung wird auf die Verfügung der Vorinstanz verwiesen.  K.  K.a Mit Eingabe vom 17. Februar 2010  in englischer Sprache  (Eingang  Botschaft: 22. Februar 2010) erhob die Beschwerdeführerin Beschwerde  und beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung des BFM vom  1. Februar 2010 und die Gewährung von Asyl sowie die Bewilligung zur  Einreise.  Zur  Begründung  ihrer  Beschwerde  führte  die  Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, am 8. Januar 2010 hätten zwei  unbekannte Personen sich nach ihrer Wohnadresse erkundigt. Deswegen  habe  sie  aus  Sicherheitsgründen  zwei  bis  drei  Nächte  nicht  zu  Hause  geschlafen.  Am  15.  Januar  2010  seien  in  der  Nacht  drei  unbekannte  Personen in ihr Haus eingebrochen und hätten versucht, sie zu töten. Ihr  sei es jedoch möglich gewesen, sich zu wehren und Alarm zu schlagen,  worauf  die  drei  Männer  das Weite  gesucht  hätten.  Gestützt  auf  diesen  Vorfall  sei  sie  zusammen  mit  ihren  Kindern  zu  einer  Verwandten  gezogen. Später sei  ihr Sohn auf dem Schulweg von zwei Unbekannten  nach  ihr  gefragt worden.  Zudem hätten  diese  beiden Männer mit  ihrem  Sohn über den Vorfall vom 15. Januar 2010 gesprochen, weshalb sie nun  fürchte, dass diese unbekannten Personen ihre Kinder entführen würden,  um sich an ihr zu rächen.  K.b Mit Begleitschreiben der Botschaft vom 23. Februar 2010 wurde die  Beschwerde dem Bundesverwaltungsgericht überwiesen.  L.  In einer weiteren Eingabe vom 6. März 2010, welche von der Vertretung  mit Begleitschreiben vom 19. März 2010 dem Bundesverwaltungsgericht  übermittelt  wurde,  wiederholte  die  Beschwerdeführerin  im Wesentlichen  ihre früheren Vorbringen. Mit der Eingabe wurde ein ärztlicher Kurzbericht  vom 3. März 2010 (in Kopie) zu den Akten gereicht. 

D­1343/2010 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021). Das BFM gehört  zu den Behörden nach Art. 33 VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG  liegt nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine  solche  Ausnahme  liegt  nicht  vor,  das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet demnach endgültig. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  nicht  in  einer  Amtssprache  des  Bundes  abgefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  entsprechenden  Beschwerdeverbesserung  im Sinne  von Art.  52 VwVG kann  jedoch aus  prozessökonomischen  Gründen  verzichtet  werden,  da  –  mit  Ausnahme  der angefochtenen Verfügung – die Zwischenverfügungen und Eingaben  des vorinstanzlichen Verfahrens  in englischer Sprache gehalten und die  Rechtsmitteleingabe  verständlich  ist,  so  dass  ohne  weiteres  darüber  befunden  werden  kann.  Der  vorliegende  Entscheid  ergeht  indessen  in  deutscher Sprache (Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt,  hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung und  ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert. Auf  die frist­ und – mit Ausnahme des genannten, jedoch als nicht wesentlich  erachteten  Mangels  –  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art. 108  Abs.  1  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).

D­1343/2010 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der  Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen  (Spruchkörper;  vgl. Art.  21 Abs.  1 VGG). Gestützt  auf Art.  111a Abs.  1  AsylG kann das Bundesverwaltungsgericht auch in solchen Fällen auf die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten. 4.  4.1.  Ein  Asylgesuch  kann  gemäss  Art.  19  AsylG  im  Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an  das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). 4.2. Die schweizerische Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in  der  Regel  eine  Befragung  durch  (Art.  10  Abs.  1  der  Asylverordnung 1  vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1, SR 142.311]).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art.  10  Abs.  2  AsylV1).  Die  schweizerische  Vertretung  überweist  dem  Bundesamt  das  Befragungsprotokoll  oder  das  schriftliche  Asylgesuchs  sowie  weitere  zweckdienliche  Unterlagen  und  einen  ergänzenden  Bericht,  der  ihre  Beurteilung des Asylgesuchs enthält (Art. 10 Abs. 3 AsylV1). 5.  Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die  asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden  kann  (vgl.  Art.  3,  Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss  Art. 20  Abs.  2  AsylG  bewilligt  das  BFM  Asylsuchenden  die  Einreise  zur Abklärung  des Sachverhaltes, wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein  anderes  Land  auszureisen.  Bei  diesem  Entscheid  sind  die  Voraussetzungen  zur  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  zu  umschreiben,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im  Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, 

D­1343/2010 die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  die  weiterhin  massgebende  Praxis  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  [EMARK]  1997  Nr.  15,  insbesondere  S. 131  ff.,  welcher  angesichts  bloss  redaktioneller  Änderungen  bei  der  letzten  Totalrevision  des  Asylgesetzes  nach  wie  vor  Gültigkeit  hat).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen Personen  (vgl.  a.a.O. E. 2c S.  130),  mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung  im Sinne von Art. 3  AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort  für  die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann. 6.  6.1. Im Folgenden ist zu prüfen, ob das BFM zu Recht eine unmittelbare  Gefahr  im  Sinne  von  Art.  20  AsylG  verneinte  und  die  Einreise  der  Beschwerdeführerin in die Schweiz verweigerte.  6.2.  Vorab  ist  auf  die  ausführliche  Lageanalyse  des  Bundesverwaltungsgerichts  im  kürzlich  ergangenen,  zur  Publikation  vorgesehenen Urteil      BVGE E­6220/2006  vom 27. Oktober  2011  zur  Situation  in  Sri  Lanka  hinzuweisen.  Darin  stellte  das  Gericht  im  Wesentlichen  fest, dass sich die Lage  in Sri Lanka seit Beendigung des  militärischen Konflikts zwischen der sri­lankischen Armee und den LTTE  im Mai  2009  erheblich  verbessert  hat.  Militärisch  würden  die  LTTE  als  vernichtet gelten und auch die Sicherheitslage habe sich in bedeutsamer  Weise  stabilisiert.  Gleichzeitig  habe  sich  die  Menschenrechtslage  vor  allem  hinsichtlich  der  Meinungsäusserungs­  und  Pressefreiheit  weiter  verschlechtert. Politisch Oppositionelle würden seitens der Regierung als  Staatsfeinde  betrachtet  und  müssten  mit  entsprechenden  Verfolgungsmassnahmen  rechnen.  Angesichts  der  allgemein  verbesserten  Lage  definierte  das  Gericht  Personenkreise,  welche  einer  erhöhten  Verfolgungsgefahr  unterliegen.  Darunter  würden  Personen  fallen,  welche  auch  nach  Beendigung  des  Krieges  verdächtigt  würden,  mit  den  LTTE  in  Verbindung  zu  stehen  beziehungsweise  gestanden  zu  haben.  Auch  unabhängige  Journalisten  beziehungsweise  regierungskritische  Medienschaffende  verfügten  über  ein  erhöhtes  Risikoprofil.  Im  Weiteren  sei  bei  Opfern  und  Zeugen  von  Menschenrechtsverletzungen  und  Personen,  die  entsprechende  http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15

D­1343/2010 Übergriffe behördlich angezeigt hätten, mit erhöhter Verfolgungsgefahr zu  rechnen.  Wegen  drohender  Erpressung,  Kidnapping  und  anderen  Verfolgungshandlungen  bildeten  überdies  Personen,  welche  über  beträchtliche  finanzielle Mittel  verfügten,  eine weitere Risikogruppe  (vgl.  a.a.O. E. 8). 6.3.  6.3.1. Die Beschwerdeführerin machte in ihrem Asylgesuch vom 27. April  2009,  ihren übrigen Eingaben sowie  in der Befragung vom 3. November  2009  im Wesentlichen geltend, sie sei am 12. September 2008 von den  sri­lankischen  Behörden  wegen  des  Verdachts,  Waffen  der  LTTE  zu  verstecken,  verhaftet,  misshandelt  und  während  sieben  Monaten  inhaftiert worden,  bevor man sie ohne Auflagen wieder entlassen habe.  Im  April/Mai  2009  sei  sie  zudem  von  Unbekannten  mehrmals  bedroht  worden, weshalb sie in den Distrikt B._______ gezogen sei, wo im Januar  2010  unbekannte  Männer  nachts  in  ihr  Haus  eingedrungen  seien  und  versucht hätten, sie zu  töten, nachdem sie sich einige Tage zuvor nach  ihr erkundigt hätten. 6.3.2.  Einleitend  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  das  schweizerische  Asylrecht  nicht  dem  Ausgleich  erlittenen  Unrechts  dient.  Insofern  vermögen  die  Haft  und  die  in  diesem  Zusammenhang  erlittenen  psychischen  und  physischen  Beeinträchtigungen,  von  denen  die  Beschwerdeführerin  betroffen  gewesen  sein  soll,  heute  eine  Asylgewährung beziehungsweise eine Einreisebewilligung in die Schweiz  nicht  zu  begründen.  Im  aktuellen  Zeitraum  können  diese  Ereignisse  mithin  nicht mehr  als  kausal  für  die  beantragte  Einreise  in  die  Schweiz  und  die  Asylgewährung  angesehen  werden,  zumal  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität der Verfolgungsfurcht wesentlich ist. Im Weiteren ist vorliegend  mit  der  Vorinstanz  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  keine  ernsthaften Nachteile  durch Verfolgungsmassnahmen  der  sri­lankischen  Sicherheitskräfte  zu  befürchten  hat.  Insgesamt  weist  die  Beschwerdeführerin  trotz  der  geltend  gemachten  Inhaftierung  in  den  Jahren  2008/2009  kein  besonderes Risikoprofil  auf,  das  sie  aktuell  aus  objektiver  Sicht  als  gefährdet  erscheinen  liesse.  Die  Inhaftierung  durch  die  sri­lankischen  Sicherheitskräfte  ist  –  vor  allem  mit  Blick  auf  die  damalige  Bürgerkriegssituation  –  vor  dem Hintergrund  der  Bekämpfung  der LTTE zu sehen. Seit dem Ende des Bürgerkriegs hat sich die Lage in  Sri  Lanka  allerdings  erheblich  verbessert.  Zwar  gehören  Personen,  die 

D­1343/2010 einer  Verbindung  zu  den  LTTE  verdächtigt  werden,  gemäss Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  auch  heute  potentiell  noch  zu  einer  Risikogruppe  (vgl. BVGE E­6220/2006  vom 27. Oktober  2011 E.  8.1 S.  25).  Indes  sind  den  Akten  kein  Bezug  der  Beschwerdeführerin  zu  den  LTTE  zu  entnehmen.  Da  die  Beschwerdeführerin  zudem  am  24.  April  2009 von einem Gericht ohne Auflagen  freigesprochen wurde,  ist davon  auszugehen,  dass  seitens  der  sri­lankischen  Sicherheitskräfte  nichts  gegen  sie  vorliegt.  Sie  verfügt  folglich  über  kein  besonderes  Profil,  welches eine Gefährdung  im Sinne von Art.  3 AsylG als wahrscheinlich  erscheinen lässt.  Soweit die Beschwerdeführerin behauptet, nach ihrer Haftentlassung am  24. April 2009 hätten Unbekannte mehrmals gedroht, sie zu erschiessen,  ist  übereinstimmend  mit  der  Vorinstanz  festzustellen,  dass  dieses  Vorbringen  nicht  geglaubt  werden  kann,  zumal  sich  die  Beschwerdeführerin diesbezüglich widersprüchlich äusserte. So führte sie  in  ihrem Schreiben vom 25. September 2009  (sinngemäss) aus,  sie  sei  nach  ihrer  Entlassung  aus  der  Haft  im  Distrikt  C._______  zweimal  von  Unbekannten  bedroht  worden;  anschliessend  sei  sie  in  den  Distrikt  B._______  gezogen.  Demgegenüber  machte  sie  anlässlich  der  Befragung geltend, zwei unbekannte Männer hätten sie am 10. Mai 2009  dreimal  sowie  am  28.  April  2009  und  am  2.  Mai  2009  im  Distrikt  C._______  bedroht  (vgl.  S.  8).  Zudem  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Schilderung  der  Beschwerdeführerin  bezüglich  dieser  angeblichen  Drohungen  unsubstanziiert  ausgefallen  ist;  so  fehlen  ihr  der  Detailreichtum  und  die  erforderlichen  Realkennzeichen.  Hinsichtlich  der  Behauptung  der  Beschwerdeführerin,  wonach  am  15.  Januar  2010  drei  unbekannte Männer in ihr Haus eingedrungen seien und versucht hätten,  sie  zu  töten,  ist  festzustellen,  dass die  diesbezügliche Schilderung  sehr  unrealistisch ausgefallen ist. Insbesondere ist es unglaubhaft, dass es der  Beschwerdeführerin  gelungen  sein  soll,  sich  gegen  drei  Männer  erfolgreich zu wehren. Aufgrund des soeben Gesagten ist zu schliessen,  dass  es  sich  bei  der  Behauptung  der  Beschwerdeführerin,  wonach  sie  nach der Entlassung aus der Haft am 24. April 2009 von Unbekannten mit  dem  Tod  bedroht  worden  sei  beziehungsweise  Unbekannte  im  Januar  2010 versucht hätten, sie zu  töten, nachdem sie sich nach  ihr erkundigt  hätten,  lediglich  um  ein  Konstrukt  handelt,  um  ihrem  Asylgesuch  mehr  Nachdruck  zu  verleihen.  An  dieser  Einschätzung  vermag  auch  der  eingereichte  ärztliche  Kurzbericht  vom  3.  März  2010,  wonach  die  Beschwerdeführerin  unter  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  leide, nichts zu ändern, zumal auch die diagnostizierte posttraumatische 

D­1343/2010 Belastungsstörung  die  behauptete  Verfolgung  durch  Unbekannte  nicht  glaubhaft  zu machen  vermag.  Schliesslich  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  auch  diese  gesundheitlichen Beschwerden  der  Beschwerdeführerin  und  insoweit  humanitäre  Überlegungen  gemäss  ständiger  Praxis  keinen  Grund für eine Einreisebewilligung darstellen.  7.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  schutzbedürftig im Sinne von Art. 3 AsylG ist. Aufgrund der vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  den  Eingaben  und  die  eingereichten  Beweismittel  einzugehen,  da  sie  am  Ergebnis  nichts  zu  ändern  vermögen. Das BFM hat  demnach  zu Recht  die Einreise in die Schweiz nicht bewilligt und das Asylgesuch abgelehnt.  8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  von  Fr.  600.  grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5  VwVG). Aus verwaltungsökonomischen Gründen und in Anwendung von  Art.  63  Abs.  1  in  fine  VwVG  und  Art.  6  Bst.  b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  ist  auf  die  Erhebung  von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­1343/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.  2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige schweizerische Vertretung.  Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

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