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Bundesverwaltungsgericht 09.08.2011 D-1279/2011

9 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,166 parole·~11 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Januar 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1279/2011 Urteil   v om   9 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren X._______, Kosovo, vertreten durch M. Milovanovic, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Januar  2011 / N_______.

D­1279/2011 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein  Volkszugehöriger der Gorani mit letztem Wohnsitz in B._______, Kosovo,  seine  Heimat  zusammen  mit  seinen  Familienangehörigen  am  11.  Dezember 2010 auf  dem Landweg. Über  ihm unbekannte Länder  seien  sie  am  13. Dezember  2010  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  in  die  Schweiz  gelangt,  wo  er  und  seine  Familie  gleichentags  im  C._______  Asylgesuche  einreichten  und  anschliessend  ins  D._______  transferiert  wurden. Nach der Kurzbefragung im D._______ am 27. Dezember 2010  und der ebenfalls dort durchgeführten direkten Anhörung vom 6. Januar  2011  wurde  er  mit  Verfügung  vom  21.  Januar  2011  für  den  Aufenthalt  während des Asylverfahrens dem Kanton E._______ zugewiesen. Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  führte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen aus,  seine Familie habe ständig Probleme gehabt. So sei  es  öfters  vorgekommen,  dass  albanische  Gäste  ihres  Imbissgeschäfts  das Essen nicht hätten bezahlen wollen. Wenn er die Rechnung gebracht  habe, sei  ihm diese von den Gästen  in den Mund gestossen und er als  Sohn  eines  Spions  beschimpft  worden.  Auch  seien  Fenster  ihres  Geschäfts  eingeschlagen worden. Albaner  seien betrunken  im Geschäft  erschienen  und  hätten  sie  provoziert  und  beschimpft.  Eines  Tages  (...)  habe  ihn  sein  Onkel  aus  dem  Geschäft  seines  Vaters  angerufen  und  gesagt,  er  solle  schnell  vorbeikommen,  da  sein  Bruder  F._______  Probleme  habe.  Unbekannte  hätten  diesen  entführen  wollen,  was  sein  Onkel  jedoch  verhindert  habe.  Auf  dem Weg  zum  Laden  habe  er  eine  Gruppe  von  Leuten  angetroffen,  in  deren  Mitte  sein  Bruder  F._______  gestanden und von einem Mann mit einer Pistole bedroht worden sei. Die  Leute  hätten  mit  F._______  gestritten  und  über  eine  junge  Frau  gesprochen.  Er  habe  den  Mann  angegriffen  und  es  sei  ihm  gelungen,  dass die Waffe im Handgemenge zu Boden gefallen sei. Daraufhin hätten  er  und  sein  Bruder  die  Flucht  ergriffen.  In  der  Folge  sei  er  aus  Angst  abends  nicht mehr  in  den  Ausgang  gegangen  und  habe  das  Haus  nur  noch in Begleitung von weiteren Familienangehörigen verlassen. Er habe  den  Mann  mit  der  Pistole  flüchtig  gekannt.  Jener  zähle  zur  Familie  G._______,  die  Familienangehörige  in  hohen  Positionen  der  Regierung  und  des  Militär  besitze.  Ferner  sei  er  in  der  Schule  von  albanischen  Mitschülern  misshandelt  worden,  indem  er  gestossen  und  geschlagen  worden sei. Die Vorfälle seien zwar dem Schuldirektor gemeldet worden  und  dieser  habe  eine  Beilegung  der  Streitigkeiten  in  Aussicht  gestellt, 

D­1279/2011 geschehen sei aber letztlich nichts. Weiter habe er zusammen mit seinem  Vater  im  Jahre  (...)  während  (...)  den  serbischen  Bauarbeitern,  die  das  Kloster  in  B._______  renoviert  hätten,  das  Essen  gebracht.  Nach  nur  einem Monat sei sein Vater deswegen bedroht und als Kollaborateur der  Serben  respektive  er  als  Sohn  eines  serbischen  Spions  beschimpft  worden.  Auf  die  weiteren  Ausführungen wird,  soweit  wesentlich,  in  den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen. B.  Mit Verfügung vom 24. Januar 2011 – gleichentags eröffnet – lehnte das  BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete gleichzeitig  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihre  Verfügung im Wesentlichen damit, dass die Vorbringen des Beschwerde­ führers weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss  Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) noch den­ jenigen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG genügten. Ferner sei  der Vollzug der Wegweisung als  zulässig,  zumutbar und möglich  zu er­ achten. C.  Mit  Eingabe  vom  22.  Februar  2011  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, beantragte, es sei die Verfügung  der  Vorinstanz  aufzuheben  und  sein  Asylgesuch  sei  gutzuheissen,  und  ersuchte  in  formeller  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D.  Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 4. März 2011 wurde  dem Beschwerdeführer mitgeteilt,  dass er den Ausgang des Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne.  Die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wurde  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen  und  gleichzeitig auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet.

D­1279/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG  liegt  in  casu  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  demnach endgültig. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung. Er  ist  daher  zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art.  108 AsylG sowie Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1  und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der  Regel  in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen  (vgl. Art. 21  Abs. 1 VGG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf  die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2.  2.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 

D­1279/2011 werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 3.  3.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Asylentscheides im Wesentlichen fest, hinsichtlich der geltend gemachten  Vorkommnisse  sei  anzuführen,  dass  es  in  Kosovo  in  den  vergangenen  Jahren  vereinzelt  zu  schwerwiegenden  Übergriffen  auf  Angehörige  der  ethnischen  Minderheiten,  namentlich  der  Goraner,  gekommen  sei.  Es  könne jedoch nicht von allgemeinen Vertreibungen ausgegangen werden.  Nach der Unabhängigkeitserklärung vom 17. Februar 2008 sei in Kosovo  auch nach dem Statuswechsel eine  internationale zivile und militärische  Präsenz  vorgesehen.  In  Kosovo  bestünden  mit  der  UNO­Verwal­ tung (UNMIK)  und der EU zwei  internationale Missionen. Die am 9. De­ zember  2008  offiziell  gestartete  Rechtsstaatlichkeitsmission  EULEX  sei  formal  den  Vereinten  Nationen  unterstellt  und  werde  unter  deren  Oberhoheit  und  innerhalb  eines  statusneutralen  Rahmens  geführt.  Die  internationalen  Sicherheitskräfte  sowie  die  Kosovo  Police  (KP)  würden  die  Sicherheit  garantieren  und  seien  weitgehend  in  der  Lage,  die  ethnischen  Minderheiten  in  Kosovo  zu  schützen.  Bei  Übergriffen  intervenierten die Sicherheitskräfte regelmässig, und bei Straftaten gegen  Angehörige  von  Minderheiten  würden  Ermittlungen  aufgenommen.  Zentrale  Polizeifunktionen  würden  weiterhin  von  internationalen  Polizeikräften  wahrgenommen  und  die  neue  kosovarische  Verfassung  gestehe den Minderheiten umfassende Rechte zu. Der Beschwerdeführer  beziehungsweise  seine  Eltern  hätten  es  in  casu  unterlassen,  die  Behörden  um  Schutz  zu  ersuchen.  Die  Erklärungsversuche  des  Beschwerdeführers,  wonach  sie  aus  Angst  vor  weiteren  Repressionen  beziehungsweise noch grösseren Problemen untätig geblieben seien und  er nicht sicher sei, ob die Polizei überhaupt etwas gegen die Aggressoren  unternommen  hätte,  seien  als  Schutzbehauptungen  zu  werten.  Zudem 

D­1279/2011 änderten  diese  nichts  an  der  Tatsache,  dass  es  vorliegend  keine  Hinweise auf eine Verweigerung staatlichen Schutzes gebe. Ausserdem  seien  Angehörige  der  Goraner  proportional  in  sämtlichen  wichtigen  Behörden vertreten, mitunter auch in den Polizeibehörden. Folglich könne  den  kosovarischen  Behörden  auch  nicht  mangelnder  Schutzwille  und  fehlende  Schutzfähigkeit  vorgeworfen  werden.  Vielmehr  hätten  der  Beschwerdeführer und seine Familienangehörigen, indem sie sich wegen  der  erwähnten  Ereignisse  nie  an  die  Behörden  gewandt  hätten,  diesen  die  Möglichkeit  genommen,  ihrer  Schutzpflicht  nachzukommen.  Da  demnach  vom  Vorhandensein  eines  adäquaten  Schutzes  durch  den  Heimatstaat  auszugehen  sei,  seien  die  geltend  gemachten  Übergriffe  vorliegend nicht asylrelevant. Diese würden, auch bei Wahrunterstellung,  nicht  eine  Intensität  erreichen,  welche  dem  Beschwerdeführer  ein  menschenwürdiges  Leben  in  Kosovo  verunmöglichten  oder  in  unzumutbarer Weise erschwerten. Weiter  seien  die  Reiseangaben  des  Beschwerdeführers  oberflächlich  ausgefallen.  So  habe  er  ausgeführt,  er  habe  während  der  gesamten  Reise  keine  Ausweisdokumente  benutzt,  sei  unterwegs  nie  kontrolliert  worden  und  habe  auch  keine  Kenntnisse  der  von  ihm  und  seinen  Familienangehörigen  durchquerten  Länder,  zumal  sie  in  einem  fensterlosen  Minibus  gereist  seien.  Diese  Schilderungen  würden  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen  und  müssten  als  unglaubhaft  eingestuft werden. Aufgrund dieser Erwägungen sei davon auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  sein  Herkunftsland  auf  eine  andere  als  die  von ihm geschilderte Weise verlassen habe und er die Umstände seiner  Aus­ und Herreise zu verschleiern versuche. Die unglaubhaften Angaben  zum Reiseweg würden  erste  Zweifel  an  der Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Verfolgung  aufkommen  lassen.  Verstärkt  würden  diese  Zweifel  dadurch,  dass  er  unplausible  und  unsubstanziierte  Angaben  zu  seinen Ausreisegründen  gemacht  habe.  Verschiedene  seiner  Aussagen  seien  unlogisch,  so  das  Vorbringen,  dass  der  Onkel  seinen  Bruder  F._______ abends alleine nach Hause geschickt habe, ohne zu warten,  bis der Beschwerdeführer im Geschäft eingetroffen sei, und die Aussage,  dass  er  weiterhin  im  Geschäft  gearbeitet  habe,  obwohl  er  von  Angehörigen  der  Familie  G._______  gesucht  worden  sein  soll.  Sein  Einwand,  er  sei  weniger  häufig  als  vorher  ins  Geschäft  gegangen  und  dort  nie  alleine  gewesen,  vermöge  nicht  zu  überzeugen.  Es  sei  nicht  einleuchtend,  weshalb  der  Beschwerdeführer  Essen  in  ein  serbisches  Kloster gebracht habe, obwohl man  ihn zuvor schon Sohn eines Spions  genannte  habe.  Insgesamt  würden  sich  seine  Aussagen  bezüglich  des 

D­1279/2011 vorgebrachten  Kerngeschehens  (Zechprellerei,  Ereignisse  mit  seinem  Bruder  F._______  und  dem  serbischen  Kloster)  als  sehr  allgemein  erweisen und seien  jeweils auch auf Nachfrage hin nicht substanziierter  geworden.  Die  äusserst  vagen  Vorbringen  vermöchten  in  keiner Weise  den Eindruck zu erwecken, dass er die geschilderten Vorfälle tatsächlich  erlebt  habe.  Die  Ausführungen  würden  jeden  Detailreichtum  vermissen  lassen  und  enthielten  keine  Realkennzeichen,  welche  typisch  seien  für  Schilderungen  von  wahren  Begebenheiten.  Es  liege  demnach  der  Schluss  nahe,  dass  der  Beschwerdeführer  die  geschilderten  Ereignisse  nicht selber erlebt habe, sondern vielmehr ein Konstrukt nacherzähle. 3.2.  Demgegenüber  wendete  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  –  soweit  nicht  die  bereits  geschilderten  Übergriffe  erneut  aufgelistet  werden  –  im  Wesentlichen  ein,  die  Begründung  im  angefochtenen Entscheid  des BFM werde  bei  Asylsuchenden,  die  nicht  aus  Kosovo  stammende  Albaner  seien,  ständig  wiederholt.  Die  Vorinstanz betone stets den Schutzwillen des Kosovo­Staates gegenüber  den  dort  lebenden  Minderheiten.  Von  einem  solchen  Schutzwillen  sei  jedoch  keine  Spur  zu  erkennen.  Der  Staat  werde  von  Drogen­,  Organ­  und Menschenhändlern geführt, was auch der Europarat anerkannt habe.  Auch deswegen sei eine Rückkehr nach Kosovo unzumutbar. Er habe in  genügender  Weise  bewiesen,  dass  die  Dauer  und  die  Intensität  der  Übergriffe  auf  ihn  und  seine  Familie  gross  gewesen  seien.  Ein  menschenwürdiges  Leben  in  Kosovo  und  B._______  sei  daher  nicht  möglich und auch nicht zumutbar. Die Argumente der Vorinstanz müssten  als  lebensfremd  eingestuft  werden,  zumal  triftige  Gründe  im  Spiel  sein  müssten,  wenn  eine  Familie  ihr  Hab  und  Gut  verkaufe  und  in  einem  anderen Land um Schutz ersuche. 3.3. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum  Schluss,  dass  das  BFM  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  im  Zusammenhang mit  den  angeführten Übergriffen  seitens  privater Dritter  zu  Recht  und mit  zutreffender  Begründung  als  nicht  asylrelevant  und –  zumindest teilweise – als unglaubhaft erachtete. 3.3.1. Nach den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts  sind die  bisher zuständigen Behörden in Kosovo – im Rahmen ihrer Möglichkeiten  – systematisch gegen Bedrohungen und Übergriffe Dritter  vorgegangen.  Insoweit  kann  zum  heutigen  Zeitpunkt,  entgegen  der  in  der  Rechtsmitteleingabe  geäusserten  Ansicht,  vom  Schutzwillen  und  auch 

D­1279/2011 von einer weitgehenden Schutzfähigkeit der in Kosovo tätigen nationalen  Sicherheitsbehörden ausgegangen werden. 3.3.2. Die  Vertreter  der  neuen  Regierung  haben  sich  im  Rahmen  ihrer  Unabhängigkeitserklärung  im  Februar  2008  verpflichtet,  sämtliche  Verträge und Absprachen, die sich aus dem "Umfassenden Vorschlag zur  Regelung  des  Kosovostatus"  des  Sondergesandten  des  UNO­ Generalsekretärs  für den Prozess zur Bestimmung des künftigen Status  von  Kosovo  ergeben,  vollumfänglich  zu  erfüllen.  Was  die  allgemeine  Situation  der Angehörigen  der  goranischen Ethnie  in Kosovo  betrifft,  ist  festzustellen,  dass  sie  als  gut  integrierte Minderheit  selbst während  der  Unruhen  im  März  2004  grösstenteils  verschont  blieben  und  gemäss  Lageberichten  für  sie  die Situation  auch nach den Unruhen weitgehend  stabil geblieben ist. 3.3.3. Das Bundesverwaltungsgericht  geht  davon aus,  dass Angehörige  ethnischer Minderheiten grundsätzlich die Möglichkeit haben, sich an die  Behörden  zu  wenden  und  diese  um  Schutz  vor  Übergriffen  Dritter  zu  ersuchen.  Zudem  bejaht  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seiner  Rechtsprechung  den  generellen  Schutzwillen  und  die  generelle  Schutzfähigkeit der zuständigen Sicherheitskräfte bezüglich strafrechtlich  relevanter  Übergriffe  auf  Angehörige  der  ethnischen  Minderheiten  in  Kosovo  (vgl.  zur  Publikation  vorgesehenes  Urteil  BVGE  D­6827/2010  vom 2. Mai 2011 E. 4.7). 3.3.4.  Das  BFM  führte  zur  Begründung  seines  ablehnenden  Asylentscheides  zu  Recht  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  Art.  3  AsylG  nicht  stand,  da  Übergriffe  durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, nur  dann  asylrelevant  seien,  wenn  der  Staat  seiner  Schutzpflicht  nicht  nachkomme oder nicht  in der Lage sei, Schutz zu gewähren. Straftaten  würden  von  den  Behörden  im  Kosovo  im  Rahmen  ihrer  Möglichkeiten  verfolgt. Bei  den  geltend  gemachten  Bedrohungen  durch  Angehörige  der  albanischen  Ethnie  handelt  es  sich  um  Übergriffe  Dritter.  Solche  Übergriffe  seitens  ethnischer  Albaner  auf  den  Beschwerdeführer  sind  nicht  asylrelevant,  da  ihm  die  Möglichkeit  offenstand,  sich  an  die  heimatlichen  Behörden  zu  wenden  und  diese  um  Schutz  zu  ersuchen.  Auch  ist dem BFM zuzustimmen, wenn es ausführt,  dass die Einwände  des  Beschwerdeführers  zu  den  Gründen,  weshalb  er  oder  seine 

D­1279/2011 Familienangehörigen sich nicht an die Behörden gewendet hätten, nicht  zu  überzeugen  vermöchten.  In  der  Tat  bestehen  vorliegend  keine  Hinweise  dafür,  dass  dem  Beschwerdeführer  –  soweit  überhaupt  in  Anspruch  genommen  –  staatlicher  Schutz  verweigert  worden  wäre.  Aufgrund  der  Aktenlage  ist  nicht  auch  nur  annähernd  hinreichend  dargelegt,  dass  der  kosovarische  Staat  dem  Beschwerdeführer  oder  anderen Familienangehörigen adäquaten Schutz verweigert hätte oder in  Zukunft verweigern würde. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, die von  ihm angeführten Sachverhaltselemente auf ihre Glaubhaftigkeit zu prüfen.  Immerhin  ist  an  dieser  Stelle  darauf  hinzuweisen,  dass  er  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  zu  den  im  angefochtenen  Entscheid  angeführten  Unglaubhaftigkeitselementen keinerlei Entgegnungen vorbrachte. 3.4.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  genügen;  die  entsprechende  Feststellung  des  BFM  ist  zu  bestätigen.  Es  kann  darauf  verzichtet  werden,  auf  die  übrigen  Erwägungen  der  Vorinstanz  und  die  weiteren  Darlegungen  in  der  Beschwerdeschrift  weitergehend  einzugehen.  Die  Vorinstanz  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  und  mit  zutreffender  Begründung abgelehnt. 4.  4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 5.  5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 

D­1279/2011 vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 5.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in  ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28.  Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR  0.142.30]).  Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da der Beschwerdeführer  keine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder  glaubhaft  zu  machen  vermag,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im vorliegenden Verfahren keine  Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Kosovo  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art.  5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  aus  den  Akten  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren Hinweisen). Auch aus der allgemeinen Menschenrechtssituation  in  Kosovo  oder  aus  der  Tatsache,  dass  dort  Angehörige  ethnischer 

D­1279/2011 Minderheiten  in verschiedener Hinsicht Diskriminierungen – so auch von  Seiten  privater  Dritter  –  ausgesetzt  sind,  lässt  sich  noch  kein  reales  Risiko  von  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  herleiten.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 5.4.  5.4.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818). 5.4.2.  Die  Vorinstanz  hielt  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  dass  weder  die  im Heimatstaat  herrschende politische Situation  noch  andere  Gründe gegen die Zumutbarkeit der Rückführung nach Kosovo sprechen  würden.  Die  Sicherheitslage  habe  sich  in  den  vergangenen  Jahren  verbessert  oder  zumindest  stabilisiert  und  die  Wahrscheinlichkeit  einer  konkreten Gefährdung für Bosniaken, Torbes und Gorani alleine aufgrund  der  Ethnie  könne  weitgehend  ausgeschlossen  werden.  Zudem  sei  für  diese  Ethnien  die  Bewegungsfreiheit  grundsätzlich  in  ganz  Kosovo  gegeben.  Auch  der  Zugang  zu  den  medizinischen  und  sozialen  Strukturen  sei  in  aller  Regel  gewährleistet.  Zudem  gebe  es  auch  keine  individuellen  Gründe,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  sprechen  würden.  Der  junge  und  gesunde  Beschwerdeführer besitze eine gute Schulbildung, sei im familieneigenen  Imbissladen  tätig  gewesen  und  verfüge  in  Kosovo  über  ein  familiäres  Beziehungsnetz.  Laut  eigenen  Angaben  seien  seine  Verwandten  in  seiner Heimat allesamt nicht arm. 5.4.3.  In  der  Beschwerdeschrift  führt  der  Beschwerdeführer  zur  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  aus,  dass  er  als  Angehöriger  einer  ethnischen  Minderheit  in  Kosovo  kein  menschenwürdiges  Leben  führen könne. 5.4.4.  In  Kosovo  herrscht  im  jetzigen  Zeitpunkt  nicht  eine  generell  unsichere, von bewaffneten Konflikten oder jederzeit drohenden Unruhen 

D­1279/2011 geprägte Lage, aufgrund derer der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr  unweigerlich  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  würde.  Blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  weite  Teile  der  ansässigen  Bevölkerung  betroffen  sind,  genügen  nicht,  um  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl.  BVGE  2010/41 E. 8.3.6 S. 591, EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215). Der Beschwerdeführer gehört der Minderheit der slawischen Muslime und  innerhalb  dieser  der  Untergruppe  der  Gorani  an.  Was  die  allgemeine  Lage der slawischen Muslime betrifft, so wurde ihnen im Vergleich zu den  Angehörigen  der  Ethnien  der  Roma,  Ashkali  und  „Ägypter“  (vgl.  BVGE  2007/10 mit weiteren Hinweisen) sowie den Kosovo­Serben schon immer  eine  höhere  Toleranz  entgegengebracht.  Im  Zusammenhang  mit  der  Beurteilung der Vollziehbarkeit einer Wegweisung äusserte sich die ARK  bereits  in EMARK 2002 Nr.  22  zur Situation  der  slawischen Muslime  in  Kosovo.  Gemäss  aktueller  Rechtsprechung  ist  ein Wegweisungsvollzug  der  slawischen  Muslime,  so  insbesondere  der  Gorani,  in  sämtliche  Gebiete  von  Kosovo  –  mit  Ausnahme  der  Region  von  Mitrovica  –  als  zumutbar zu erachten (vgl. zur Publikation vorgesehenes Urteil BVGE D­ 6827/2010 vom 2. Mai 2011 E. 8.6). Dem  BFM  ist  darin  zuzustimmen,  dass  die  Wahrscheinlichkeit  einer  konkreten Gefährdung  für  Angehörige  der Gorani  alleine  aufgrund  ihrer  Ethnie  weitgehend  ausgeschlossen  werden  kann.  Zudem  ist  für  diese  Ethnie die Bewegungsfreiheit in Kosovo grundsätzlich gegeben. Auch ihr  Zugang zu den medizinischen und sozialen Strukturen  ist  in aller Regel  gewährleistet  (vgl.  etwa  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­ 7846/2008 vom 15. September 2010 E. 9.6.). Das Gericht verkennt nicht,  dass  die  Reintegration  in  Kosovo  insbesondere  für  Minderheiten  schwierig  sein  kann.  Dieser  Umstand  vermag  jedoch  keine  konkrete  Gefährdung derselben zu begründen.  5.4.5.  In  Bezug  auf  die  individuelle  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  sind  folgende  Aspekte  zu  beachten:  Der  Beschwerdeführer  verfügt  gemäss  eigenen  Angaben  über  einen  Mittelschulabschluss  und  arbeitete  im  familieneigenen  Imbissgeschäft  (vgl. act. A3/10, S. 2). Zudem kann er  in seiner Herkunftsregion auf ein  grosses  Beziehungsnetz  zurückgreifen,  weshalb  er  gute  Voraussetzungen  mitbringt,  die  es  ihm  ermöglichen  sollten,  in  seiner  Heimat  –  auch  in  Berücksichtigung  der  dortigen  angespannten  Arbeitsmarktlage – in absehbarer Zeit für seinen Unterhalt aufzukommen. 

D­1279/2011 So  kann  er  dabei  zweifellos  auch  auf  die Unterstützung  seiner  engsten  Familienangehörigen zählen, da die Eltern und Geschwister mit Urteilen  gleichen Datums die Schweiz ebenfalls zu verlassen haben. 5.4.6.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  nach  dem  Gesagten  insgesamt als zumutbar.  5.5. Schliesslich obliegt  es dem Beschwerdeführer,  sich nötigenfalls  bei  der  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb  der  Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs.  2 AuG, vgl. auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.). 5.6. Zusammenfassend hat das BFM den Wegweisungsvollzug zu Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs.  1­4 AuG). 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 7.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Verfahrenskosten  grundsätzlich  dem  unterliegenden  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63 Abs.  1 VwVG). Dieser  hat  jedoch  um unentgeltliche Prozessführung  nach Art. 65  Abs.  1  VwVG ersucht. Gemäss  dieser  Bestimmung  befreit  die Beschwerdeinstanz eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel  verfügt,  auf Antrag  von  der Bezahlung  der Verfahrenskosten,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint.  In  casu  erschienen  die  Anträge  des  Beschwerdeführers  nicht  als  aussichtslos.  Da  zudem  von  seiner  Bedürftigkeit  auszugehen  ist,  ist  das Gesuch gutzuheissen und  von der  Erhebung von Verfahrenskosten abzusehen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1279/2011 D­1279/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand:

D-1279/2011 — Bundesverwaltungsgericht 09.08.2011 D-1279/2011 — Swissrulings