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Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 D-1153/2011

6 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,960 parole·~10 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Januar 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1153/2011 law/bah Urteil   v om   6 .   Februar   2012 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Gérald Bovier,    Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Russland,   vertreten durch lic. iur. Susanne Sadri, LL.M., Asylhilfe Bern, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 17. Januar 2011 / N (…).

D­1153/2011 Sachverhalt: A.  A.a. Der Beschwerdeführer verliess Russland eigenen Angaben gemäss  zusammen mit  seiner Mutter  am  24. September  2010  und  gelangte  am  1. Oktober  2010  in  die  Schweiz,  wo  er  am  folgenden  Tag  um  Asyl  nachsuchte. A.b.  Bei  der  Erstbefragung  vom  13. Oktober  2010  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum Basel sagte er aus, er habe seinen  leiblichen Vater,  der  gemischt­ethnischer  Abstammung  sei  (Tschetschene/Russe)  letztmals  im  Jahr  2007  gesehen.  Danach  sei  er  von  Tschetschenen  bedroht worden. Er sei geschlagen worden und man habe ihm gesagt, er  werde  wegen  seines  Vaters  zur  Verantwortung  gezogen  werden.  Die  Polizei  habe  die  Einleitung  eines  Strafverfahrens  verweigert.  Die  Tschetschenen hätten ihm gesagt, er werde umgebracht. Er sei zweimal  in Kontakt mit diesen Leuten gekommen, einmal im August 2007 und das  zweite  Mal  im  Juni  2009.  Er  wisse  nicht,  warum  er  von  diesen  Leuten  bedroht  worden  sei.  Auslöser  der  Ausreise  sei  gewesen,  dass man  sie  angerufen und bedroht habe. Zwei oder drei Tage vor der Ausreise seien  seine Mutter und er überfallen worden. Sie seien im Eingang des Hauses,  in  dem  sie  gewohnt  hätten,  überfallen  worden;  seine  Mutter  und  sein  Stiefvater  seien  verletzt  worden.  Dieser  sei  mittlerweile  aus  dem  Spital  entlassen worden und lebe wieder zu Hause. Der Beschwerdeführer gab  ein Dokument zu den Akten, gemäss dem er am 2. September 2010 von  der russischen Staatsanwaltschaft zu einer Befragung aufgeboten wurde.  Sein  leiblicher Vater werde beschuldigt, Mitglied bei einer  terroristischen  Organisation gewesen zu sein. A.c.  Am  28. Oktober  2010  wurde  der  Beschwerdeführer  vom  BFM  zu  seinen  Asylgründen  angehört.  Er  machte  im  Wesentlichen  geltend,  seinem Stiefvater, der Anfang Oktober aus dem Spital entlassen worden  sei, gehe es befriedigend. Zu seiner in der Ukraine lebenden Grossmutter  und  deren  Sohn  habe  er  keinen  Kontakt.  2007  habe  er  seinen  Vater  getroffen,  der  ihn  mit  seiner  Verwandtschaft  habe  bekannt  machen  wollen. Sie hätten sich gestritten – er habe seinem Vater gesagt, er führe  sein eigenes Leben und  interessiere sich nicht  für seine Verwandtschaft  in Tschetschenien – und sein Vater sei weggegangen. Zirka einen Monat  später  sei  er  bei  einem  Verkaufsstand  von  Tschetschenen  überfallen  worden.  Sie  hätten  ihn  beschimpft  und  geschlagen.  Sie  hätten  ihm  Fragen über seinen Vater gestellt. Er habe ihnen gesagt, er habe seinen 

D­1153/2011 Vater letztmals vor einem Monat gesehen und wisse nicht, wo dieser sich  befinde.  Als  er  im Mai  2009  einmal  nach Hause  zurückgekehrt  und  ins  Treppenhaus  eingetreten  sei,  sei  ihm  jemand  nachgegangen,  der  die  Türe  geschlossen  und  ihn  geschlagen  habe.  Einer  habe  ihn mit  einem  Messer an der Hand verletzt. Sie hätte seine Eltern und  ihn beschimpft.  Als  ein  Nachbar  mit  seinem  Hund  gekommen  sei,  hätten  sich  die  Angreifer  davongemacht.  Er  sei  in  ein  Spital  gebracht  worden,  wo  die  Wunden  genäht worden  seien.  Er  habe  im Spital  Anzeige  erstattet  und  sei  dort  von  einem  Untersuchungsrichter  besucht  worden,  der  seine  Aussagen  notiert  habe.  Er  vermute,  sein  Vater  habe  jemanden  umgebracht, da die Leute "Blutrache" geschrien hätten. Nach drei Tagen  habe  ihn  seine  Mutter  aus  dem  Spital  geholt  und  zu  einer  Freundin  gebracht.  Etwa  zehn  Tage  später  sei  seine  Mutter  mit  blauem Gesicht  nach  Hause  gekommen.  Im  März  2010  sei  seine  Mutter  zusammengeschlagen  worden;  sie  habe  ihm  aber  nicht  gesagt,  was  geschehen  sei.  Im  Juni  2010  sei  er  von  zwei  Tschetschenen  zusammengeschlagen  worden.  Sie  hätten  ihn  in  einen  Wagen  zerren  wollen. In diesem Moment sei ein Ambulanzwagen zu ihnen gekommen;  die  Angreifer  seien  weggefahren.  Daraufhin  hätten  sie  die  Wohnung  gewechselt. Am 15. September 2010 sei er zusammen mit seiner Mutter  einkaufen gegangen. Auf  dem Rückweg hätten  sie einen Freund seiner  Mutter  getroffen. Seine Mutter  habe  sich mit  diesem unterhalten und er  habe sich auf eine Bank gesetzt. Ein Wagen habe angehalten, ein Mann  sei  herausgesprungen  und  habe  ihn  zum  Wagen  gezerrt.  Ein  zweiter  Mann  sei  herausgesprungen  und  seine  Mutter  habe  zu  schreien  begonnen. Sie habe einen Mann an den Haaren gepackt und der Freund  habe  die  Tür  des  Wagens  weggerissen.  Es  habe  eine  Schlägerei  gegeben  und  die  Tschetschenen  seien  davongefahren.  Am  folgenden  Tag habe er von seiner Mutter erfahren, dass sie mit ihm verreisen wolle.  In Odessa hätten sie sich entschieden, Russland zu verlassen.  B.  Mit Verfügung vom 17. Januar 2011 – eröffnet am folgenden Tag – stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  ihr  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den  Vollzug der Wegweisung an. C.  Mit  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  17. Februar  2011  liess  der  Beschwerdeführer  durch  ihre  Rechtsvertreterin  beim 

D­1153/2011 Bundesverwaltungsgericht  gegen diese Verfügung Beschwerde erheben  und beantragen, der negative Entscheid sei aufzuheben und es sei  ihm  Asyl zu gewähren; es sei die Unzulässigkeit und die Unzumutbarkeit des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  als  Folge  davon  sei  er  vorläufig  aufzunehmen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  liess  er  beantragen, es sei sein Verfahren mit demjenigen seiner Mutter (N …) zu  vereinigen und es sei  ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.  Der  Eingabe  lag  eine  Bestätigung  der  Fürsorgeabhängigkeit  des  Beschwerdeführers vom 24. Januar 2011 bei. D.  Der  Instruktionsrichter  wies  das  Gesuch  um  Vereinigung  der  Beschwerdeverfahren  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Mutter  mit  Verfügung  vom  28. Februar  2011  ab.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  hiess  er  gut.  Gleichzeitig  verzichtete  er  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  stellte  die  Akten  dem  BFM  zur  Vernehmlassung zu. E.  Das  BFM  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  2. März  2011  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  vom Bundesverwaltungsgericht  am  8. März  2011  zur  Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 

D­1153/2011 vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Das  BFM  führte  zur  Begründung  seines  Entscheides  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  bei  den  russischen  Polizeibehörden  Anzeige  erstattet,  was  ihn  vor  weiteren  Übergriffen  nicht  zu  schützen  vermocht 

D­1153/2011 habe. Daraus könne nicht geschlossen werden, der russische Staat käme  seiner  Schutzpflicht  nicht  nach.  Die  von  ihm  geltend  gemachten  Übergriffe  stellten  in  Russland  strafbare  Handlungen  dar,  die  von  den  zuständigen Behörden im Rahmen ihrer Möglichkeiten geahndet würden.  Es  sei  ihm  somit  möglich  und  zumutbar,  sich  wiederholt  und  mit  Nachdruck  an  die  russischen  Behörden  zu  wenden  und  um  Schutz  nachzusuchen.  Untätigkeit  einzelner  Beamter  könne  allenfalls  bei  den  vorgesetzten  Stellen  gerügt  werden.  Bei  fehlender  Asylrelevanz  könne  darauf  verzichtet  werden,  auf  Unglaubhaftigkeitselemente  in  der  Schilderung einzugehen. Es sei anzumerken, dass es befremdlich wirke,  dass der Beschwerdeführer nicht zu sagen vermöge, ob sein Stiefvater,  der sich zum Zeitpunkt seiner Ausreise schwerverletzt im Spital befunden  habe, über die Ausreise informiert worden sei. Es mute seltsam an, dass  er und seine Mutter nie eingehend über die Hintergründe der Übergriffe  gesprochen hätten. 4.2. In der Beschwerde wird vorab ausführlich der Sachverhalt geschildert  und geltend gemacht, der Beschwerdeführer und seine Mutter hätten bei  den russischen Behörden wiederholt Anzeige erstattet. Trotzdem sei kein  Strafverfahren  eingeleitet worden. Seine Mutter  habe  sofort  nach Erhalt  der  negativen  Verfügung  eine  Beschwerde  an  die  Generalstaatsanwaltschaft  gerichtet.  Es  könne  ihnen  somit  nicht  vorgeworfen  werden,  sie  hätten  nicht  alle  zumutbaren  Massnahmen  ergriffen.  Seine  Mutter  sei  seit  1993  mehrmals  von  der  Staatsanwaltschaft  vorgeladen  und  angehört  worden.  Sie  habe mit  den  Behörden  kooperiert  und  von  den  Begegnungen  mit  ihrem  Ex­Mann  erzählt.  Sie  sei  nach  jeder  Anzeige  von  der  Staatsanwaltschaft  vorgeladen  worden.  Der  russische  Staat  habe  aber  keine  Schutzmassnahmen  getroffen.  Die  Übergriffe  durch Drittpersonen  seien  bedrohlicher  geworden  und  der  Staat  habe  nichts  zu  ihrem  Schutz  unternommen.  Sie  hätten  schliesslich  keine  Alternative  zur  Flucht  gesehen. Der  Beschwerdeführer  und  seine  Mutter  seien  von  Blutrache  bedroht  gewesen  und  die  russischen  Behörden  seien  nicht  willens  gewesen,  ihnen  genügenden  Schutz  zu  gewähren.  Der  Ermordete  sei  Polizist  gewesen, was Grund für die mangelnde Schutzbereitschaft gewesen sein  möge.  Die  ihm  zugefügten  Nachteile  und  seine  Befürchtung,  zukünftig  weiterer Verfolgung ausgesetzt zu werden, seien somit asylrelevant. 

D­1153/2011 Es  sei  bekannt,  dass  die  russischen  Behörden  bei  der  Terrorismusbekämpfung  unverhältnismässige  Gewalt  anwendeten.  Es  stelle  sich  die  Frage,  ob  das  BFM wirklich  der  Ansicht  sei,  ein  solches  Vorgehen sei das gute Recht der  russischen Behörden. Hinsichtlich der  Vorladungen,  die  er  erhalten  habe,  sei  zu  präzisieren,  dass  er  einer  behördlichen  Vorladung  vom  Mai  2010  Folge  geleistet  habe.  Einer  Vorladung vom August 2010 habe er keine Folge geleistet; diese habe er  in die Schweiz mitgebracht und zu den Akten gereicht. Schliesslich stelle  sich die Frage, weshalb das BFM ihn in der angefochtenen Verfügung als  Ukrainer  bezeichne.  Er  sei  noch  nie  in  der Ukraine  gewesen  und  habe  Dokumente  eingereicht,  in  denen  seine  russische  Nationalität  bekräftigt  werde. 5.  5.1.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt  worden  sind  beziehungsweise  zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  ausserdem  voraus,  dass  die  betroffene Person  in  ihrem Heimatland keinen adäquaten Schutz  finden  kann  (vgl.  BVGE  2008/12  E. 7.2.6.2  S. 174 f.,  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist  die  Frage  nach  der  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  vorhandenen  Verfolgung  oder  begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der  objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/34  E. 7.1  S. 507 f.,  BVGE  2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel/Bern/Lausanne  2009,  Rz. 11.17 und 11.18). 5.2. Begründete Furcht  vor Verfolgung  liegt  vor, wenn  konkreter Anlass  zur  Annahme  besteht,  eine  Verfolgung  hätte  sich  –  aus  der  Sicht  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  –  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in 

D­1153/2011 absehbarer  Zeit  verwirklicht  beziehungsweise  werde  sich  –  auch  aus  heutiger  Sicht  –  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete  Indizien vorliegen, welche  den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten  Motive  erfolgenden  –  Benachteiligung  als  wahrscheinlich  und  dementsprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar  erscheinen  lassen  (vgl. BVGE 2010/27 E. 2.5 S. 827 f., Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 5.3.  5.3.1.  In  der  Beschwerde  wird  geltend  gemacht,  der  Beschwerdeführer  sei  im Mai 2010 vom Untersuchungsrichter  vorgeladen und über seinen  Vater befragt worden.  5.3.2.  Die  Befragung  des  Beschwerdeführers  durch  die  Untersuchungsbehörden und die  in diesem Zusammenhang ausgestellte  zweite  Vorladung  zur  Befragung  ist  nicht  als  asylrechtlich  relevante  Verfolgung zu erachten. Gemäss seinen Angaben war sein Vater Mitglied  einer Gruppierung, die zur terroristischen Organisation erklärt worden sei.  Dass  er  von  den  Untersuchungsbehörden  in  diesem  Zusammenhang  befragt wurde, erscheint nicht aussergewöhnlich. Der Beschwerdeführer  sagte  denn  auch  bereits  bei  der  Erstbefragung  aus,  er  habe  mit  den  russischen Behörden  keine Probleme  gehabt  (vgl.  act.  A2/11 S. 6).  Die  Anmerkung  in  der  Beschwerde,  es  sei  bekannt,  dass  die  russischen  Behörden unter dem Titel "Terrorismusbekämpfung" unverhältnismässige  und  exzessive  Gewalt  anwendeten,  kann  nicht  in  Zusammenhang  mit  dem vorliegenden Sachverhalt gebracht werden. Seitens der  russischen  Behörden wurde dem Beschwerdeführer weder Gewalt angetan noch mit  solcher gedroht. Bei der ersten Befragung wurde er weder objektiv noch  subjektiv gesehen derart in Angst und Schrecken versetzt, dass ihm eine  begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen zuerkannt werden könnte. 5.3.3. Der Beschwerdeführer brachte als Hauptgrund seiner Ausreise aus  Russland  vor,  er  sei  von  ihm  nicht  bekannten  Personen  bedroht  und  misshandelt  worden.  Man  habe  ihm  gesagt,  er  werde  wegen  seinem  Vater zur Verantwortung gezogen und seine Eltern beschimpft (act. A2/11  S. 5). 

D­1153/2011 Die vom Beschwerdeführer geschilderten Übergriffe und Drohungen sind  aus keinem der in Art. 3 AsylG abschliessend genannten Gründe (Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe,  politische  Anschauungen)  erfolgt.  Die  Personen,  die  ihm  nachstellten,  hatten  es  in  erster  Linie  auf  seinen  Vater  abgesehen,  da  dieser einen ihrer Verwandten umgebracht haben soll. Dem "Gesetz" der  Blutrache folgend, wäre in zweiter Linie er selbst anvisiert worden. Unter  diesen Umständen sind sowohl die von ihm erlittenen Übergriffe als auch  die Furcht, weitere Übergriffe erleiden zu müssen, asylrechtlich irrelevant.  Zudem  kann  entgegen  der  in  der  Beschwerde  vertretenen  Auffassung  nicht davon ausgegangen werden, die  russischen Behörden hätten sich  generell  geweigert,  ihm  Schutz  zu  gewähren.  Die  gestellten  Anzeigen  wurden  seinen  Aussagen  gemäss  teilweise  entgegengenommen,  die  Staatsanwaltschaft  verweigerte  indessen  die  Einleitung  eines  Strafverfahrens. Die Mutter  des Beschwerdeführers machte  geltend,  sie  habe  sich  diesbezüglich  Ende  Juni  2010  an  die  russische  Generalstaatsanwaltschaft  gewandt,  jedoch  bis  zum  Zeitpunkt  ihrer  Ausreise  (24. September  2010)  noch  nichts  von  dieser  gehört.  Aus  diesem  Umstand  kann  nicht  geschlossen  werden,  die  Generalstaatsanwaltschaft hätte sich des Anliegens nicht angenommen. 5.3.4.  Abschliessend  ist  festzuhalten,  dass  Russland  über  einen  gut  ausgebauten  Polizeiapparat  und  über  ein  Rechts­  und  Justizsystem  verfügt  und  in  der  Lage  und  auch  willens  ist,  seinen  Bürgern  den  erforderlichen Schutz vor kriminellem Unrecht zukommen zu lassen. Dem  gut  ausgebildete  und  über  Berufserfahrung  verfügende  Beschwerdeführer,  der  schon  in  der  Vergangenheit  in  guten  Verhältnissen gelebt hat (vgl. auch E. 7.4.2), ist deshalb – sollten sich die  Behörden  an  seinem  letzten  Wohnort  ausser  Stande  zeigen,  ihm  die  erforderliche  Hilfestellung  zukommen  zu  lassen  –  ohne  weiteres  zuzumuten, sich in einem anderen Landesteil niederzulassen und sich bei  allfälligen  Nachstellungen  durch  (tschetschenische)  Privatpersonen  bei  den russischen Behörden am neuen Wohnort um Schutz zu bemühen. Er  verfügt  mithin  in  der  Russischen  Föderation  über  eine  die  Flüchtlingseigenschaft  ausschliessende  innerstaatliche  Schutzalternative  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­4935/2007  vom  21. Dezember  2011  E. 8.6).  5.4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Russland  bis  zu  seiner  Ausreise  keiner  asylrechtlich  relevanten 

D­1153/2011 Verfolgung  ausgesetzt  war.  Ihm  kann  weder  für  den  Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  dem  Heimatland  noch  heute  begründete  Furcht  vor  asylrechtlich  relevanter  Verfolgung  zuerkannt  werden.  Es  erübrigt  sich,  auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde einzugehen, da diese  an  der  rechtlichen  Würdigung  des  Sachverhalts  nichts  zu  ändern  vermögen. Das BFM hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510,  EMARK 2001 Nr. 21). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 

D­1153/2011 (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Russland  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Russland  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihm  unter  Hinweis  auf  die  Erwägungen  zum  Asylpunkt  nicht  gelungen.  Es  kann weder  davon  ausgegangen werden,  dass  ihm  seitens  der  russischen  Behörden  eine  Menschenrechtsverletzung  widerfährt  noch,  dass  ihm  die  russischen  Behörden keinen Schutz vor erneuten Übergriffen seitens Privatpersonen  gewähren  würden.  Es  ist  nochmals  darauf  hinzuweisen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  in  einer  anderen  Gegend  Russlands  niederlassen  kann,  in  der  die  Wahrscheinlichkeit  einer  erneuten  Bedrohung  deutlich 

D­1153/2011 geringer  ist  als  an  seinem  letzten  Wohnort.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation in Russland lässt den Wegweisungsvollzug zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten  ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.1.  In Russland herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb  der  Wegweisungsvollzug  abgewiesener  russischer  Asylsuchender  grundsätzlich zumutbar ist. 7.4.2.  Des  Weiteren  ist  der  Beschwerdeführer  keiner  Kategorie  von  Personen  zuzuordnen,  die  konkret  gefährdet  sein  könnte,  weshalb  die  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  auch  diesbezüglich  zu  bejahen  ist.  Er  lebte  seit  seiner  Kindheit  bis  kurz  vor  seiner  Ausreise  in  B._______, wo er elf Jahre lang die Schule besuchte und den Beruf eines  Hafenarbeiters erlernte. Anschliessend arbeitete er in einer Firma, in der  Fenster  zusammengebaut wurden. Seine Mutter  und  sein Stiefvater,  zu  denen er  eine enge Beziehung pflegt,  lebten  in  guten Verhältnissen. Er  verfügt somit über die Voraussetzungen, sich in seinem Heimatland rasch  reintegrieren zu können. Unter diesen Umständen ist es ihm möglich und  zumutbar,  sich  in  Russland  erneut  eine  eigene  Existenzgrundlage  zu  erarbeiten.  Allein  die  schwierige  Arbeitsmarktsituation  in  Russland,  aufgrund  derer  es  ihm  möglicherweise  erschwert  wird,  eine  neue  Anstellung zu finden, lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzumutbar  erscheinen (vgl. EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215, EMARK 2003 Nr. 24  E. 5e S. 159). 7.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

D­1153/2011 7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Da  ihm  mit  Zwischenverfügung  vom  28. Februar  2011  jedoch  die  unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG  gewährt  wurde,  ist  auf  die  Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­1153/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand:

D-1153/2011 — Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 D-1153/2011 — Swissrulings