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Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 D-1018/2011

8 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,216 parole·~11 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­1018/2011 Urteil   v om   8 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;   Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan,   vertreten durch Martina Schild, Caritas Luzern, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Januar 2011/ N _______.

D­1018/2011 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein  afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer Usbeke aus B._______,  Provinz Sar­e­Pul, Afghanistan am 1. November 2010 und gelangte ohne  Reisedokumente über den  Iran, die Türkei, Griechenland und  Italien am  27. Dezember  2010  illegal  in  die  Schweiz,  wo  er  am  selben  Tag  ein  Asylgesuch  stellte.  Am  7.  Januar  2011  wurde  er  im  Rahmen  einer  Befragung zur Person (BzP) summarisch befragt. Gleichentags fand auch  eine  Nachbefragung  statt.  Am  17.  Januar  2011  wurde  er  durch  das  Bundesamt zu seinen Asylgründen angehört.  B.  B.a. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer  im Wesentlichen geltend, er sei im Dorf B._______ zur Welt gekommen,  wo er aufgewachsen sei und drei Jahre die Schule besucht habe. Seine  Eltern und eine Tante mütterlicherseits seien noch immer dort wohnhaft.  Er  sei  fünfzehn  Jahre  alt,  würde  sein  Geburtsjahr  jedoch  nicht  kennen  und  auch  nicht  wissen,  in  welchem  Jahr  er  gemäss  dem  afghanischen  Kalender  sein  Heimatland  verlassen  habe.  Sein  Vater  habe  ihm  eine  Identitätskarte  ausstellen  lassen,  mit  der  er  zwei  Jahre  älter  gemacht  worden sei. Am 15. Oktober 2010 sei er von Schulkollegen aufgefordert  worden,  gemeinsam  mit  ihnen  seinen  Onkel,  der  seit  zwei  Jahren  im  Gefängnis  von  C._______  einsitze,  zu  besuchen.  Als  er  mit  seinen  Schulkameraden  vor  dem  Gefängnis  auf  den  Beginn  der  Besuchszeit  gewartet  habe,  sei  er  von  Überwachungskameras  gefilmt  worden.  Da  plötzlich  Anhänger  der  Taliban  gekommen  seien  und  zu  kämpfen  begonnen  hätten,  sei  er  später  zu  Hause  gesucht  worden,  weil  ihm  vorgeworfen worden sei, auf der Liste der Taliban zu stehen. Zu diesem  Zeitpunkt  habe  er  sich  nicht mehr  zu  Hause  aufgehalten.  Er  habe  sich  dann bei einer Tante mütterlicherseits in B._______ versteckt.  Aus Angst  vor einer Festnahme oder davor, von den Taliban eingezogen zu werden,  sei  er  aus  Afghanistan  ausgereist.  Sein  Vater  habe  die  Ausreise  organisiert und finanziert. Er habe sein Vieh und sein Land verkauft und  wahrscheinlich ungefähr 15'000 Dollar für die Reise bezahlt.  B.b. Der Beschwerdeführer reichte einen Identitätsausweis zu den Akten,  der gemäss afghanischem Kalender am 01.02.1387 beziehungsweise am  21.  April  2008  nach  christlicher/westlicher  Zeitrechnung  ausgestellt  worden  ist.  Darin  wurde  vermerkt,  dass  der  Inhaber  dieses 

D­1018/2011 Ausweispapiers  im Jahre 1387 beziehungsweise 2008  fünfzehn Jahr alt  gewesen ist. B.c.  Am  4.  Januar  2011  wurde  im  Auftrag  des  BFM  im  Kantonsspital  D._______  eine  Handknochenuntersuchung  vorgenommen.  Gemäss  dem  gleichentags  beim  BFM  eingegangenen  Bericht  weist  das  Handskelett  entsprechend  den  Tabellen  von  Greulich  und  Pyle  ein  Skelettalter von achtzehn Jahren auf.  B.d.  Im  Rahmen  einer  Nachbefragung  bezüglich  seines  Alters,  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  7.  Januar  2011  zu  diesem  Resultat  das  rechtliche Gehör gewährt. In der Folge wurde er als volljährig eingestuft. C.  Mit  Verfügung  des  BFM  vom  17.  Januar  2011,  welche  dem  Beschwerdeführer  gleichentags  eröffnet  wurde,  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus  der Schweiz an. Zur Begründung wurde ausgeführt,  die Vorbringen des  Beschwerdeführers  erfüllten  die  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  nicht. Das BFM führte zur Begründung im Einzelnen aus, das BFM sei aufgrund  der  Untersuchungsmaxime  grundsätzlich  verpflichtet,  den  Sachverhalt  und damit auch die Identität der asylsuchenden Person von Amtes wegen  abzuklären. Bezüglich der behaupteten Minderjährigkeit komme das BFM  dieser  Verpflichtung  nach,  indem  es  bereits  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  die  Glaubhaftigkeit  der  behaupteten  Minderjährigkeit prüfe. Falls aufgrund der Befragung zur Person (BzP) auf  die  Volljährigkeit  der  Person  zu  schliessen  sei,  gehe  das  Amt  ab  dem  Zeitpunkt dieses Ergebnisses davon aus, dass die Asyl suchende Person  bereits  bei  der  Einreichung  des  Asylgesuches  volljährig  gewesen  sei.  Gemäss  der  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 22  sowie  in  EMARK  2001Nr. 23  entwickelten  Praxis  trage  die  Asyl  suchende  Person  die  Beweislast für die geltend gemachte Minderjährigkeit und die Folgen der  Beweislosigkeit,  d.h.  sie  müsse  jene  mindestens  glaubhaft  machen.  Gelinge  der  asylsuchenden  Person  der  Gegenbeweis,  werde  das  Verfahren  gemäss  den  besonderen  Bestimmungen  für  Minderjährige  fortgesetzt, d.h. das BFM treffe Massnahmen gemäss Art. 17 Abs. 3 des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  und  Art.  7  der 

D­1018/2011 Asylverordnung  1  über  Verfahrensfragen  vom  11.  August  1999  ([Asylverordnung]; AsylV1, SR 142.311).  Dem  Beschwerdeführer  sei  es  nicht  gelungen,  die  behauptete  Minderjährigkeit glaubhaft darzulegen. Er sehe älter aus, als die von ihm  geltend gemachten fünfzehn Jahre. Auch seien seine Angaben zu seiner  Schulzeit wiederholt widersprüchlich gewesen. So habe er beispielsweise  angegeben,  mit  fünfzehn  Jahren  die  Schule  begonnen  und  drei  Jahre  lang besucht zu haben. Auch habe er bei der Anhörung vom 17. Januar  2011  zu  Protokoll  gegeben,  er  habe  die  Schule  ein  Jahr  vor  seiner  Ausreise  zum  letzten  Mal  besucht.  Somit  hätte  er  erst  im  Alter  von  neunzehn  Jahren  sein  Heimatland  verlassen.  Auf  diesen  Widerspruch  aufmerksam  gemacht,  habe  er  seine  Aussagen  korrigiert  und  geltend  gemacht,  er  sei  gemäss  seinem  Identitätsausweis  fünfzehn  Jahre  alt  gewesen,  als  er  mit  der  Schule  begonnen  habe.  Er  sei  auf  diesem  Ausweis  zwei  Jahre  älter  gemacht  worden.  Diesbezüglich  seien  jedoch  alle  seine  Aussagen  widersprüchlich  geblieben.  So  habe  er  bei  der  Erstbefragung geltend gemacht, die Behörden hätten ihn zwei Jahre älter  gemacht. Anlässlich des rechtlichen Gehörs vom 7. Januar 2011 habe er  jedoch  geltend  gemacht,  man  habe  ihn  in  der  Schule  zwei  Jahre  älter  gemacht.  Anlässlich  der  Anhörung  vom  17.  Januar  2011  habe  er  zu  Protokoll gegeben, sein Vater habe ihn älter gemacht, damit er die Schule  habe  besuchen  können. Seine  diesbezüglichen Ausführungen  über  den  Sinn  der  höheren  Altersangabe  seien  jedoch  realitätsfremd  und  nicht  nachvollziehbar  geblieben.  Zudem  wäre  er  jetzt  auch  gemäss  seinen  Aussagen  anlässlich  der  Anhörung  vom  17. Januar  2011  mindestens  siebzehn Jahre alt, zumal er auf Nachfrage hin geltend gemacht habe, er  habe als Dreizehn­ oder Vierzehnjähriger mit der Schule angefangen, sei  drei  Jahre zur Schule gegangen und habe etwa ein Jahr, bevor er  sein  Heimatland verlassen habe, das letzte Mal die Schule besucht. Da er selber zu Protokoll gegeben habe, das angegebene Alter auf dem  von  ihm  eingereichten  Identitätsausweis  würde  nicht  seinem  tatsächlichen Alter entsprechen, könne dieser auch nicht zum Nachweis  seines  wahren  Alters  beziehungsweise  seiner  wahren  Identität  herangezogen werden und entfalte diesbezüglich auch keine Beweiskraft.  Somit sei die von ihm behauptete Minderjährigkeit unbewiesen geblieben,  und es sei entsprechend der oben aufgeführten Widersprüche bezüglich  seiner  Biografie,  seines  Aussehens  sowie  des  vom  Kantonspital  D._______  ermittelten  Skelettalters  von  achtzehn  Jahren  und  der  Tatsache, dass er weder sein Geburtsjahr noch das Jahr seiner Ausreise 

D­1018/2011 im  afghanischen  Kalender  habe  benennen  können,  als  unglaubhaft  zu  taxieren.  Daran  könne  auch  seine  Erklärung  anlässlich  der  Nachbefragung nichts ändern, wonach auf seiner Taskara stehen würde,  er sei noch minderjährig beziehungsweise, man habe ihm gesagt, er sei  fünfzehn Jahre alt. Somit  gehe  das  BFM  für  das  weitere  Verfahren  davon  aus,  dass  er  bereits  bei  Einreichung  seines  Asylgesuches  volljährig  gewesen  sei,  weshalb  die  Bundesanhörung  vom  17.  Januar  2011  ohne  Vertrauensperson durchgeführt worden sei. Im Weiteren  gehe  das  BFM  davon  aus,  dass  der  von  ihm  eingereichte  Identitätsausweis  nicht  sein  wahres  Alter  wiedergebe  beziehungsweise  nicht  seine wahren  Identitätsmerkmale  bezüglich  seines Alters  enthalte,  weswegen dieser Identitätsausweis als Dokument mit unwahren Angaben  gemäss Art. 10 Abs. 4 AsylG eingezogen werde. Die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Vorbringen,  Soldaten  oder  Polizisten  hätten  ihn  gesucht,  da  er  während  eines  Angriffes  der  Taliban  vor  dem  Gefängnis  von  C._______  von  den  Überwachungskameras  gefilmt  worden  sei,  seinen  durchwegs  unsubstanziiert, widersprüchlich, nicht nachvollziehbar und realitätsfremd  geblieben.  So  könne  weder  nachvollzogen  werden,  weshalb  seine  Schulkollegen ihm hätten vorschlagen sollen, seinen Onkel im Gefängnis  zu besuchen, zumal er selber bisher seinen Onkel, welcher damals schon  zwei  Jahre  lang  inhaftiert  gewesen  sein  solle,  noch  nie  besucht  habe.  Auch  seien  seine  Aussagen  darüber,  was  er  während  der  von  den  Taliban  provozierten  Unruhen  gemacht  habe,  unrealistisch  und  unsubstanziiert  geblieben.  Seine  Zeitangaben  bezüglich  seines  Aufenthaltes  in  C._______,  seiner  Rückkehr  in  sein  Dorf  und  wie  viel  später  er  gesucht  worden  sei,  seien  völlig  widersprüchlich  gewesen.  Zudem  habe  er  erst  anlässlich  der  Anhörung  vom  17.  Januar  2011  geltend gemacht, dass sein Vater zweimal für jeweils zwei Tage von den  Behörden  mitgenommen  worden  sei,  obwohl  er  anlässlich  der  ersten  Befragung  explizit  gefragt  worden  sei,  ob  er  alle  Gründe  für  sein  Asylgesuch  genannt  habe.  Es werde  an  dieser  Stelle  darauf  verzichtet,  auf  weitere  Ungereimtheiten,  Unsubstanziiertheiten  und  Widersprüche  einzugehen.  Es  könne  jedoch  angemerkt  werden,  dass  auch  nicht  nachvollziehbar sei, weshalb er den 15. Oktober sowie den 1. November  im  europäischen  Kalender  ohne  Probleme  benennen  könne,  jedoch  dieselben Daten  im afghanischen Kalender nicht habe angeben können. 

D­1018/2011 Seine  Begründung,  wonach  er  Analphabet  sei,  könne  diese  Ungereimtheit auch nicht erklären. D.  Mit  Eingabe  vom  11.  Februar  2011  liess  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Zurückweisung  an  das  BFM  zur  Neubeurteilung  beantragen.  Eventuell  sei  die  Unzumutbarkeit  und  die  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  es  sei  dem Beschwerdeführer  in  der  Folge  davon  die  vorläufige Aufnahme  zu gewähren.  In  prozessualer Hinsicht  liess  er  die  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie die Gewährung einer  angemessenen Parteientschädigung beantragen. E.  Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  16. Februar 2011 teilte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit,  er  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Gleichzeitig  wurde  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  unter  Vorbehalt  einer  Veränderung  der  finanziellen  Lage  des  Beschwerdeführers  gutgeheissen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses verzichtet. Über alle weiteren Rechtsbegehren werde  zu einem späteren Zeitpunkt befunden. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 

D­1018/2011 beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Diese liegt in casu nicht vor. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über  offensichtlich  begründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  teilweise  um  eine  solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen  ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Gemäss  Artikel  8  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuches  vom  10. Dezember 1907  (ZGB, SR 210)  trägt  die Asyl  suchende Person die  Beweislast für die von ihr behauptete Minderjährigkeit (vgl. EMARK 2004  Nr.  30  E.  5  S.  208  f.).  In  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  ist  angesichts des Umstandes, dass der Beschwerdeführer älter als die von  ihm geltend gemachten fünfzehn Jahre aussieht, er sich in Widersprüche  bezüglich  der  Angaben  zu  seiner  Schulzeit  verstrickt  hat,  sowie  seiner  Aussage,  er  sei  auf  seiner  Identitätskarte  zwei  Jahre  älter  gemacht 

D­1018/2011 worden, die von ihm geltend gemachte angebliche Minderjährigkeit nicht  geglaubt werden.  Infolgedessen  kann  der  Beschwerdeführer  aus  seiner  geltend  gemachten  Minderjährigkeit  nichts  zu  seinen  Gunsten  ableiten,  hätte es doch an ihm gelegen, die geltend gemachte Minderjährigkeit zu  beweisen,  zumal  er  diesbezüglich  gemäss  konstanter  Schweizer  Asylpraxis die objektive Beweislast  trägt  (vgl. EMARK 2004 Nr. 30). Zur  Vermeidung  unnötiger  Wiederholungen  kann  auf  die  zutreffenden  Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden.  4.2.  Auch  die  auf  Beschwerdeebene  erhobenen  Einwände  können  zu  keiner  anderen  Betrachtungsweise  führen.  Insbesondere  der  Hinweis,  wonach  der  Befund  der  Handskelettaufnahme  vom  4.  Januar  2011  rechtlich nicht  relevant  sei,  vermag die  zutreffenden Erwägungen  in der  angefochtenen  Verfügung  nicht  umzustossen.  Die  ehemalige  Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) hat bereits in EMARK 2004  Nr.  30  festgestellt,  dass  die  Knochenaltersanalysen  hinsichtlich  der  Frage, ob eine Person volljährig sei, keine wissenschaftlich zuverlässige  Aussage  erlaube  (vgl.  a.a.O.  E.6.2 S.  210, mit  Hinweisen).  Es  bedeute  dennoch,  dass  über  das  wahre  Alter  getäuscht  worden  sei  (vgl.  a.a.O.  E.6.2 S. 210).  In casu konnte der Beschwerdeführer darüber hinaus die  Zweifel an seiner angeblichen Minderheit nicht ausräumen, zumal seinen  eigenen  Angaben  zufolge,  auch  die  Altersangabe  auf  seiner  Identitätskarte gefälscht gewesen sei. 5.  5.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den  frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 5.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 

D­1018/2011 Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 6.  6.1. Die Vorbringen  in der Beschwerdeeingabe sind nicht geeignet, eine  Änderung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  zu  bewirken.  Der  Argumentation  der  Vorinstanz  werden  keine  stichhaltigen  und  substanziierten  Gründe  entgegengesetzt.  Eine  diesbezügliche  Auseinandersetzung  unterbleibt   zwar  nicht  gänzlich.  Die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  vermögen  jedoch  die  nachvollziehbaren  Erwägungen  des  BFM  nicht  umzustossen.  Das  BFM  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu Recht  festgestellt,  dass  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  teils  zu  wenig  begründet,  teils  widersprüchlich,  teils  tatsachenwidrig  gewesen  und  teils  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  worden  sind.  Im  Übrigen  besteht  für  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  Überprüfung  der  Akten  keine  Veranlassung,  die Erwägungen  des Bundesamtes  zu  beanstanden. Um  Wiederholungen zu vermeiden, kann daher auf die Ausführungen  in der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden.  6.2. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbringen in  der  Eingabe  des  Beschwerdeführers  sowie  die  eingereichten  Beweismittel  im Einzelnen einzugehen, da diese nicht geeignet sind, zu  einer  anderen  rechtlichen  Würdigung  der  Aktenlage  zu  führen.  Unter  diesen  Umständen  ist  somit  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  einen flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Sachverhalt weder nachgewiesen  noch  glaubhaft  gemacht  hat.  Die  Feststellung  des  BFM,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG  nicht,  ist dementsprechend zu bestätigen. Das BFM hat das Asylgesuch  mit zutreffender Begründung abgelehnt. 7.  7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Die  Wegweisung  wird  nicht  verfügt,  wenn  die  asylsuchende  Person  im  Besitz  einer  gültigen  Aufenthalts­  oder  Niederlassungsbewilligung ist oder Anspruch darauf hat. 

D­1018/2011 Da  der  Beschwerdeführer  weder  im  Besitz  einer  aufenthaltsrechtlichen  Bewilligung  ist noch einen Anspruch darauf hat, wurde die Wegweisung  vom BFM zu Recht verfügt.  7.2.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den  Wegweisungsvollzug  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind alternativer Natur. Sobald eine dieser Bedingungen erfüllt ist, ist der  Vollzug  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  der betroffenen Person in der Schweiz nach den Bestimmungen über die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  dazu  BVGE  2009/51  E.  5.4  mit  weiteren  Hinweisen).  Gegen  eine  allfällige  spätere  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  würde  der  betroffenen  asylsuchenden  Person  wieder  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen  stehen  (vgl.  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  44  Abs.  2  AsylG),  wobei  in  einem  Aufhebungsverfahren  alle  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach  Massgabe der  in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse erneut zu  prüfen wären (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2, EMARK 1997 Nr. 27). Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  für  Ausländerinnen  oder  Ausländer als unzumutbar, wenn sie  im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt  oder  medizinischer  Notlage  allgemein  gefährdet  sind  (Art. 83  Abs.  4  AuG).  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung – aus den nachfolgend  aufgezeigten  Gründen  –  als  unzumutbar  erweist,  kann  von  einer  Erörterung  der  übrigen  Voraussetzungen  eines  rechtmässigen  Wegweisungsvollzugs abgesehen werden. 8.  Das BFM räumte ein, dass die allgemeine Sicherheitslage in Afghanistan  angespannt sei, die aufständischen Kräfte  ihre Tätigkeit verstärkt hätten  und  ihren  Einfluss  in  den  südlichen  und  südöstlichen  Provinzen  sowie 

D­1018/2011 teilweise  im Norden und Westen des Landes hätten ausdehnen können.  Die  internationale  Truppenpräsenz  sei  zahlenmässig  zu  schwach  vertreten, als dass sie flächendeckend wirksam wäre. Ausserdem hätten  sich  in vielen Regionen funktionierende staatliche Strukturen noch kaum  entwickeln  können.  Trotzdem ging  das BFM davon aus,  dass  nicht  von  einer  konkreten  Gefährdung  der  gesamten  Bevölkerung  in  Afghanistan  oder eine Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG  ausgegangen werden könne. Die Vorinstanz  stufte  trotz  vereinzelter Anschläge die  Lage  in  gewissen  Provinzen so auch in Sari Pul weiterhin als vergleichsweise sicher ein. In  dieser  Region  könne  nicht  von  einer  permanent  instabilen  Situation  gesprochen werden.  Zudem  verneinte  es  das  Vorliegen  individueller  Gründe,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  des  Beschwerdeführers  sprächen.  Beim  Beschwerdeführer  handle  es  sich  um  einen  gesunden,  jungen  und  wie  es  oben  ausgeführt  habe,  volljährigen  Mann,  der  über  eine  gewisse  Schulbildung  verfüge.  Zudem  lebten  seine  Eltern  und  weitere Verwandte in seinen Heimatdorf in der Provinz Sari Pul und auch  die  finanzielle Situation seiner Familie  scheine stabil,  habe sie doch die  15'000 Dollar für seine Reise nach Europa aufbringen können.  9.  Die ARK setzte sich in EMARK 2003 Nr. 10 einlässlich mit der damaligen  Lage in Afghanistan, insbesondere in der Hauptstadt Kabul, auseinander  und umschrieb in EMARK 2003 Nr. 30 die Mindestanforderungen für die  Durchführung eines Wegweisungsvollzugs nach Afghanistan.  Infolge der  damals  im  Vergleich  zu  anderen Regionen  etwas  günstigeren  Situation  erachtete  die  ARK  den  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  unter  bestimmten  strengen  Voraussetzungen,  namentlich  einem  tragfähigen  Beziehungsnetz  und  einer  gesicherten  Wohnsituation,  als  zumutbar.  In  EMARK 2006 Nr. 9 ergänzte sie ihre Rechtsprechung aus dem Jahr 2003  und bezeichnete auch den Wegweisungsvollzug  in diejenigen Regionen  Afghanistans,  in  welchen  seit  2004  keine  signifikanten  militärischen  Aktivitäten  stattgefunden  hatten  (namentlich  die  Provinzen  Parwan,  Baghlan,  Takhar,  Badakhshan,  Kunduz,  Balkh,  Sari  Pul,  Herat  und  der  Teil  der  Gegend  von  Samangan,  der  nicht  zum  Hazarajat  gehört),  als  grundsätzlich  zumutbar.  In  den  anderen  östlichen,  südlichen  und  südöstlichen  Provinzen  bestehe  hingegen  weiterhin  eine  allgemeine 

D­1018/2011 Gewaltsituation,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  als  grundsätzlich unzumutbar zu betrachten sei. Seit  der  von  der  ARK  festgelegten  Praxis,  welche  vom  Bundesverwaltungsgericht  weitergeführt  wurde,  hat  sich  die  Sicherheitslage  in  fast  allen  Teilen  Afghanistans  verschlechtert.  In  mehreren  der  vormals  von  der  ARK  für  eine  Rückkehr  noch  als  vergleichsweise  sicher  eingestuften  Provinzen  und  auch  in  der  Hauptstadt Kabul hat die Gefährdung der Zivilbevölkerung, namentlich als  Folge  der  erstarkten  Taliban  und  ihrer  zahlreichen  Angriffe,  zugenommen.  Die  blutigen Gewaltaktionen  reissen  in  Afghanistan  nicht  ab,  und  die Sicherheitslage  bleibt  in  den meisten Gebieten  des  Landes  prekär,  was  ansatzweise  aus  den  regelmässigen  Medienberichten  betreffend  Kampfeinsätze,  Verlustmeldungen  von  Angehörigen  der  Schutztruppen,  zivile  Opfer  und  landesweit  verübte  Anschläge  hervorgeht.  Im  publizierten  Grundsatzurteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  BVGE  2011/7  vom  16.  Juni  2011  sowie  in  den  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteilen  BVGE  D­2312/2009  vom  28.  Oktober  2011  und  BVGE  D­ 7950/2009  vom  30.  Dezember  2011  hat  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  erneut  einlässlich  mit  der  Sicherheitslage  in  Afghanistan  auseinandergesetzt  und  befunden,  dass  aufgrund  der  jüngsten  Verschlechterung  der  Sicherheits­  und  Versorgungslage  auch  der  Wegweisungsvollzug  in  vormals  noch  als  vergleichsweise  sicher  eingestufte Provinzen, darunter Sari Pul, inzwischen nicht mehr zumutbar  ist. Unter  strengen  Voraussetzungen  (BVGE  2011/7  E.  9.9.2  S.  104  mit  Verweis auf EMARK 2003 Nr. 10 E. 10 cc) hat es  lediglich den Vollzug  nach  Kabul  gegebenenfalls  als  zumutbar  erachtet  (und  diese  Frage  bezüglich anderer Grossstädte Afghanistans vorderhand offen gelassen). Im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  BVGE  D­2312/2009  vom  28.  Oktober 2011 gelangte das Bundesverwaltungsgericht zur Ansicht, dass  die  Lage  in  der  Stadt  Herat  mit  derjenigen  in  Kabul  vergleichbar  sei,  weshalb  es  nicht  gerechtfertigt  sei,  von  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt auszugehen (vgl. a.a.O E. 4.3.3.1 S. 10 mit Hinweisen). Seit Juni  2011  seien  in  der  Stadt  selbst  keine  Aktivitäten  durch  bewaffnete  Gruppen von Oppositionellen mehr zu verzeichnen. Am 21. Juli 2011 sei  die gesamte Verantwortung für die Sicherheit in der Stadt wie geplant von 

D­1018/2011 der  Internationalen  Sicherheitsunterstützungstruppe  (ISAF)  auf  die  afghanischen  Sicherheitskräfte  übertragen  worden.  Der  Abschluss  des  Prozesses  der Übergabe der Sicherheitsverantwortung  im ganzen Land  sei bis Ende 2014 vorgesehen (vgl. a.a.O E.4.3.3.1 S. 10 mit Hinweisen). Im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  BVGE  D­7950/2009  vom  30.  Dezember 2011 kam das Bundesverwaltungsgericht  zum Schluss,  dass  sich  aus  den  vom  Gericht  konsultierten  Länder­  und  Themenberichten  nicht ergebe, dass die humanitäre Situation  in Mazar­i­Sharif wesentlich  schlechter sei als diejenige in Kabul. Die Lage in der Stadt Mazar­i­Sharif  erscheine  mit  derjenigen  in  Kabul  zumindest  vergleichbar  und  es  rechtfertige sich nicht, von einer generellen Unzumutbarkeit der Rückkehr  dorthin  aufgrund  der  allgemeinen  Situation  auszugehen  (vgl.  wiederum  BVGE D­7950/2009 vom 30. Dezember 2011 E. 7.3.7 mit Hinweisen). 10.  10.1.  Der  Umstand,  dass  gewisse  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  zentralen Asylangaben  bestehen,  spielt  für  die Beantwortung  der  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nach  Afghanistan  insofern  keine Rolle, als das BFM jedenfalls die Herkunft des Beschwerdeführers  aus  der  Provinz  Sari  Pul  nicht  in  Frage  stellte  und  auch  für  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Veranlassung  besteht,  dies  zu  tun.  Gemäss  der  soeben  dargelegten  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  von  der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs dorthin auszugehen. 10.2. Bei dieser Sachlage stellt sich die Frage, ob dem Beschwerdeführer  allenfalls  eine  Aufenthaltsalternative  in  Kabul  beziehungsweise  in  Herat  oder  in  Mazar­i­Sharif  zur  Verfügung  steht.  Die  Bejahung  einer  zumutbaren  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  in  Kabul  beziehungsweise  in Herat  oder  in Mazar­i­Sharif  setzt  insbesondere die  dortige  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes,  die  konkrete  Möglichkeit der Sicherung des Existenzminimums sowie eine gesicherte  Wohnsituation voraus (vgl. BVGE 2011/7 E.9.92 mit Verweis auf EMARK  2003 Nr. 10 E. 10cc). 10.3.  Der  Beschwerdeführer  wurde  gemäss  seinen  Angaben  im  Dorf  B._______ (Distrikt E._______) in der Provinz Sari Pul geboren, wo er bis  zu  seiner  Ausreise  gelebt  hat  und  seine  Eltern  und  weitere  Verwandte  noch heute leben (vgl. Akten der Vorinstanz A15/22, S. 5 F. 38 f.). Über 

D­1018/2011 den  Verbleib  seiner  Verwandten,  die  ausserhalb  seines  Dorfes  gelebt  haben,  konnte  er  keine Angaben machen. Wegen  der  in  seiner Heimat  herrschenden  Kämpfe,  hätten  sie  nicht  miteinander  kommunizieren  können (vgl. A15/22 S. 5 F. 47).  Das Bundesverwaltungsgericht geht nicht davon aus, dass allenfalls noch  in  Kabul,  in  Herat  oder  in  Mazar­i­Sharif  lebende,  entfernte  Verwandte  des  Beschwerdeführers  für  diesen  ein  "tragfähiges  Beziehungsnetz"  darstellten. Ungeachtet  der bestehenden Unklarheiten,  ob er  tatsächlich  ausserhalb seines Dorfes keine Verwandten hat, beziehungsweise ob er  Verwandte  in  den  genannten Städten  hat,  ist  festzuhalten,  dass  einem,  nur  aus  nicht  zu  den  näheren  Angehörigen  zählenden  Personen  bestehenden  verwandtschaftlichen  Beziehungsnetz  nicht  die  für  eine  wirtschaftliche und soziale Eingliederung in Kabul, Herat oder in Mazar­i­ Sharif  notwendige  Qualität  zukommt.  Aufgrund  der  Akten  ergeben  sich  auch  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  in  den  beiden Städten über ein ausreichendes Beziehungsnetz im weiteren Sinn  verfügen würde. 10.4.  In  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  ist  somit  ein  Wegweisungsvollzug nach Afghanistan als nicht zumutbar zu erachten. 11.  Die  Beschwerde  ist  somit  bezüglich  des  Wegweisungsvollzugs  gutzuheissen  und  die  Dispositivziffern  4  und  5  der  angefochtenen  Verfügung sind aufzuheben. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.  Das BFM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen  (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 AuG).  12.  Mit  Zwischenverfügung  vom  16.  Februar  2011  wurde  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gutgeheissen  und  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet, weshalb vorliegend keine  Verfahrenskosten gesprochen werden. 13.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  im  Punkt  des  Wegweisungsvollzugs –  insofern teilweise – obsiegt hat, ist ihm eine angemessene, um die Hälfte  reduzierte Parteientschädigung  zu entrichten  (vgl. Art.  64 Abs.  1 VwVG  i.V.m. Art. 37 VGG; Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über 

D­1018/2011 die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Unter  Berücksichtigung  der  massgebenden  Berechnungsfaktoren  (Art.  7­13  VGKE)  erscheint  ein  Zeitaufwand  von  7 Stunden  als  angemessen,  weshalb  die  Vertretungskosten  auf  Fr. 1'050.–  (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer)  festzusetzen sind und  die  Parteientschädigung  –  um  die  Hälfte  gekürzt  –  auf  Fr.  525.–  festzulegen ist. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das BFM  zu entrichten.

D­1018/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird,  soweit  sie  den  Wegweisungsvollzug  betrifft,  gutgeheissen,  im Übrigen wird  sie abgewiesen. Die Ziffern 4 und 5 des  Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom  17.  Januar  2011  werden  aufgehoben.  2.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  wegen  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung im Betrag von Fr. 525.– auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Ulrike Raemy Versand:

D-1018/2011 — Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 D-1018/2011 — Swissrulings