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Bundesverwaltungsgericht 12.12.2011 D-1/2010

12 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,956 parole·~20 min·3

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Flüchtlingseigenschaft und Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. Dezember 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­1/2010 Urteil   v om   1 2 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Pietro Angeli­Busi; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Äthiopien,   vertreten durch Klausfranz Rüst­Hehli,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt für  Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Vollzug der Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 2. Dezember 2009 / N (…).

D­1/2010 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer  ersuchte  erstmals  am 2. September  1997  in  der  Schweiz  um Asyl. Dieses Gesuch wurde  durch  das BFF mit  Verfügung  vom  25.  November  1997  abgelehnt,  verbunden mit  der  Anordnung  der  Wegweisung  und  des  Wegweisungsvollzugs.  Eine  gegen  diese  Verfügung  erhobene  Beschwerde  wies  die  damals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK) mit  Urteil  vom  17.  August  1998 ab. Für den  Inhalt dieses Verfahrens wird auf die entsprechenden  Akten verwiesen. Auch  nach  der  Ablehnung  seines  ersten  Asylgesuchs  verweilte  der  Beschwerdeführer weiterhin in der Schweiz. B.  Mittels  schriftlicher  Eingabe  an  das  BFM  vom  28.  September  2006  ersuchte  der  Beschwerdeführer  erneut  um  Asyl.  Auf  dieses  zweite  Asylgesuch  trat das BFM mit Verfügung vom 16. Oktober 2006 gestützt  auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR  142.31) nicht ein, wobei wiederum die Wegweisung aus der Schweiz und  der  Vollzug  angeordnet  wurden.  Diese  Verfügung  focht  der  Beschwerdeführer mit  Eingabe  vom  24. Oktober  2006  bei  der  ARK  an.  Mit  Urteil  vom  1.  November  2006  wies  die  ARK  indessen  auch  diese  Beschwerde ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die  im  Rahmen  des  zweiten  Asylgesuchs  geltend  gemachten  Vorbringen,  einerseits werde der Beschwerdeführer aufgrund seiner Abstammung von  einem  eritreischen  Vater  nicht  mehr  als  äthiopischer  Staatsbürger  anerkannt,  andererseits  werde  er  in  Äthiopien  als  prominenter  Musiker  aufgrund  seiner  Teilnahme  an  oppositionellen  Veranstaltungen  verfolgt,  seien unzureichend substantiiert, womit keine Hinweise auf Verfolgung im  Sinne des Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG vorlägen. Für den weiteren Inhalt  dieses Verfahrens wird auf die entsprechenden Akten verwiesen. C.  Mit Eingabe vom 19. Dezember 2006 beantragte der Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  die  Revision  des  Urteils  der  ARK  vom  1. November  2006.  Mit  Urteil  vom  27.  Juli  2007  wies  das  nunmehr  zuständige Bundesverwaltungsgericht  dieses Revisionsgesuch ab. Auch  für  den  Inhalt  dieses  Verfahrens  wird  auf  die  entsprechenden  Akten  verwiesen.

D­1/2010 D.  Mit Schreiben vom 6. Mai 2008 an das BFM stellte der Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  ein  drittes  Asylgesuch  in  der  Schweiz.  Dabei  ersuchte  er  um  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  eventualiter  um  Feststellung  der  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs,  unter  Anordnung  der  daraus  resultierenden  gesetzlichen  Folgen.  Zur  Begründung  seines  Gesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  anlässlich  der  persönlichen  Vorsprache  auf  der  äthiopischen  Botschaft  in  Genf  keine  Reisepapiere für den Vollzug der Ausreiseverpflichtung erhältlich machen  können.  In  der  Folge  seien  auch  die  Bemühungen  gescheitert,  in  Äthiopien  selbst  Identitätspapiere  zu  erhalten.  Er  müsse  nun  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  mit  asylrechtlich  relevanten  Verfolgungsmassnahmen  rechnen,  insbesondere  mit  einem  unfairen  Strafprozess vor befangenen Richtern sowie illegitimer Inhaftierung unter  erniedrigenden und unzulässigen Haftbedingungen. Der  Eingabe  lag  ein  an  das  Ausländeramt  des  Kantons  B._______  gerichtetes  Gesuch  vom  18.  Januar  2008  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  (in  Kopie)  sowie  ein  Schreiben  von  C._______  vom  26.  März  2008  (E­Mail­Ausdruck) bei. E.  Zur Präzisierung seines dritten Asylgesuchs  liess der Beschwerdeführer  dem BFM  durch  seinen Rechtsvertreter  per  Telefax  ein  Schreiben  vom  11. Mai 2008 zukommen. Darin führte er im Wesentlichen aus, als früher  sehr  prominenter  Musiker,  heute  erstrangiger  Musiker  der  exilierten  Äthiopier­Gemeinde  und  demnach  hervorstechendes  Mitglied  der  Exilopposition weise er ein derartiges Profil auf, weshalb er zweifellos als  Regimeverächter  und  ­feind  von  der  äthiopischen  Vertretung  in  der  Schweiz  ebenso  "pflichtgemäss"  wie  völkerrechtswidrig  registriert  sei.  Dies werde nun bestätigt  durch das Schreiben  von C._______  vom 26.  März  2008.  Dass  er  nach  äthiopischer  Amtsauffassung  nicht  (mehr)  äthiopischer Bürger  sei,  stehe der Anerkennung als Flüchtling wegen  in  Äthiopien  drohender  Verfolgung  nicht  entgegen,  da  ein  Wegweisungsvollzug  nach  Eritrea  ebenso  unzulässig,  unzumutbar  und  unmöglich  sei,  zumal  er  nach  Auffassung  des  BFM  nicht  eritreischer  Staatsbürger sei.

D­1/2010 F.  Mit  Schreiben  vom  4.  Januar  2009  (inklusive  Beilage)  sowie  27.  März  2009 wandte sich der Beschwerdeführer an das BFM. Am 19. Mai 2009  beantwortete das BFM letzteres Schreiben.  G.  Am  30.  September  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  vom  BFM  zu  seinen  Asylgründen  angehört.  Anlässlich  dieser  Anhörung  machte  er  zusätzlich  zu  den  bereits  vorgebrachten  Asylgründen  im  Wesentlichen  geltend, er habe keinen Platz gefunden, da ihn Eritrea, Äthiopien und die  Schweiz  nicht  akzeptieren  wollten.  Seine  Eltern  und  seine Geschwister  seien  bereits  im  Jahre  2000  aufgrund  des  Konflikts  aus  Äthiopien  ausgewiesen  worden,  da  sie  aus  Eritrea  stammten.  Deswegen  stellten  ihm  die  äthiopischen  Behörden  keine  Papiere  aus.  Die  eritreischen  Behörden  würden  ihm  keine  Identitätskarte  ausstellen,  da  es  ihm  nicht  möglich  sei,  bestätigen  zu  lassen,  dass  seine  Eltern  Eritreer  seien.  Zudem  werde  er  von  den  äthiopischen  Behörden  verfolgt,  da  er  als  Künstler  an  oppositionellen  Parteiveranstaltungen  teilnehme.  Seine  Sprache  sei  die Musik,  damit  beeinflusse  er  die  Leute.  Für  die  übrigen  Aussagen wird auf das Anhörungsprotokoll verwiesen.  Anlässlich  der  Anhörung  reichte  der  Beschwerdeführer  die  folgenden  Dokumente  in Kopie ein: Einen Zeitungsartikel, mehrere Ankündigungen  beziehungsweise  Beschreibungen  von  kulturellen  Anlässen,  ein  Bestätigungsschreiben  vom 26. September  2009,  ein Schreiben  an  das  Ausländeramt  des  Kantons  B._______  vom  21.  Dezember  2007  sowie  ein  an  das  Ausländeramt  des  Kantons  B._______  gerichtetes  Gesuch  vom 18.  Januar  2008 um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung  (bereits  vorher eingereicht).  H.  Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  2.  Dezember  2009  –  eröffnet  am  folgenden  Tag  –  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die  Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Gleichzeitig verfügte  die  Vorinstanz,  dass  die  Verfahrenskosten  im  Betrag  von  Fr.  600.–  zu  Lasten des Beschwerdeführers gingen.  Das  BFM  begründete  seinen  ablehnenden  Entscheid  im  Wesentlichen  damit,  dass  der  Beschwerdeführer  erstmals  anlässlich  des  dritten  Asylgesuchs  geltend  gemacht  habe,  dass  seine  Eltern  im  Jahre  2000 

D­1/2010 aufgrund  der  eritreischen  Abstammung  aus  Äthiopien  ausgewiesen  worden seien. Es sei nicht nachvollziehbar, warum er dies nicht bereits im  zweiten  Asylgesuch  vorgebracht  habe.  Im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  habe  er  erklärt,  er  habe  in  den  Jahren  1997  und  1998  Anhörungen  gehabt  und  nachher  nicht  mehr,  weshalb  er  dieses  Vorbringen nicht habe geltend machen können. Diese Erklärung vermöge  nicht  zu  überzeugen,  da  der  Beschwerdeführer  anlässlich  des  zweiten  Asylgesuchs,  welches  er  am  28.  September  2006  eingereicht  habe,  Gelegenheit  gehabt  hätte,  dies  in  der  schriftlichen  Eingabe  geltend  zu  machen. Überdies  sei  auffallend,  dass  der Beschwerdeführer  anlässlich  des  ersten  Asylgesuchs  bei  der  Befragung  zur  Person  eindeutig  zu  Protokoll  gegeben  habe,  äthiopischer  Staatsangehöriger  zu  sein  und  auch  mit  keinem  Wort  erwähnt  habe,  dass  seine  Eltern  eritreischer  Abstammung  sein  sollen.  Seine  Vorbringen  bezüglich  der  eritreischen  Staatsbürgerschaft  könnten  somit  nicht  geglaubt  werden.  Es  müsse  vielmehr  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  die  eritreische  Abstammung  geltend  gemacht  habe,  um  seinen  Asylvorbringen  nachträglich mehr Gewicht zu verleihen. Sein Vorbringen, er habe bei der  eritreischen  Botschaft  vorgesprochen,  jedoch  keine  eritreische  Ausweispapiere  erhalten,  vermöge  diese  Einschätzung  nicht  umzustossen.  Es  gebe  keinen  schriftlichen  Beleg,  dass  der  Beschwerdeführer  tatsächlich  bei  der  eritreischen  Botschaft  vorgesprochen  habe.  Zudem  beweise  eine  blosse  Vorsprache  bei  der  eritreischen  Botschaft  die  geltend  gemachte  eritreische  Staatsbürgerschaft  in  keiner  Weise.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers bezüglich der eritreischen Staatsbürgerschaft hielten  somit  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht stand, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse.  Soweit  der Beschwerdeführer  geltend mache,  er  sei  in  der Schweiz  als  Musiker  exilpolitisch  aktiv  und  ein  hervorstechendes  Mitglied  der  Exilopposition  Äthiopiens,  sei  einleitend  zu  bemerken,  dass  er  im  Rahmen  seines  ersten  Asylverfahrens  keine  politisch  motivierte  Verfolgung  durch  die  äthiopischen  Behörden  habe  glaubhaft  machen  können.  Es  bestehe  somit  kein  Anlass  zur  Annahme,  dass  er  vor  dem  Verlassen seines Heimatlandes als regimefeindliche Person ins Blickfeld  der  äthiopischen  Behörden  geraten  oder  dort  in  irgendeiner  Form  als  Regimegegner oder politischer Aktivist registriert worden sei. Demzufolge  sei  auch  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  nach  seiner  Ankunft  in  der  Schweiz unter spezieller Beobachtung seitens der äthiopischen Behörden  gestanden  habe.  Zudem  könnten  den  Akten  keine  Hinweise  darauf 

D­1/2010 entnommen werden, dass die äthiopischen Behörden von den kulturellen  Aktivitäten des Beschwerdeführers überhaupt Kenntnis  genommen oder  gar  gestützt  darauf  irgendwelche  Massnahmen  zum  Nachteil  seiner  Person  eingeleitet  hätten.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich  zwar,  wie  viele seiner Landsleute, erwiesenermassen exilpolitisch betätigt. Die von  ihm  eingereichten  Beweisunterlagen  –  wie  auch  zahlreiche  weitere,  ähnlich dokumentierte Eingaben  in anderen Verfahren – zeigten  jedoch,  dass  alleine  in  der  Schweiz  innert  weniger  Monate  viele  exilpolitische  Anlässe  stattfänden.  Zusammenfassend  sei  festzustellen,  dass  die  vorgebrachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  nicht  standhielten,  weshalb  der  Beschwerdeführer  nicht  als  Flüchtling  anerkannt  werden  könne.  Überdies  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  zu  bezeichnen.  Für  die  weitere  Begründung  wird  auf  die  vorinstanzliche Verfügung verwiesen.  I.  Mit  Beschwerde  vom  3.  Januar  2010  (vorab  per  Fax)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  in materieller Hinsicht beantragen, es seien die Ziffern 1  und 4 bis 6 der Verfügung vom 2. Dezember 2009 aufzuheben und es sei  die  Undurchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen,  das  heisst  die  Unzulässigkeit  (zufolge  Flüchtlingseigenschaft),  die  Unzumutbarkeit  und/oder  die  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs;  eventualiter sei die Streitsache zur Ergänzung des Sachverhalts und zur  Neuentscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Erlass  des  Kostenvorschusses. Auf  die Begründung der Beschwerde wird  –  soweit  entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  Der  Beschwerde  lagen  Auszüge  von  mehreren  Berichten  über  Eritrea  sowie ein Auszug aus Wikipedia zur Sprache Tigrinya bei. J.  Mit  Verfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  22.  Januar  2010  wurde  dem  Beschwerdeführer  mitgeteilt,  dass  er  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne.  Ferner  verfügte  er,  dass  über  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen 

D­1/2010 Rechtspflege  im  Endentscheid  befunden  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet  werde.  Gleichzeitig  lud  er  die  Vorinstanz  zur Einreichung einer Stellungnahme bis zum 10. Februar 2010 ein. K.  In ihrer Vernehmlassung vom 26. Januar 2010 beantragte die Vorinstanz  die  Abweisung  der  Beschwerde,  die  dem  Beschwerdeführer  am  folgenden Tag zur Kenntnisnahme zugestellt wurde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung,  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 

D­1/2010 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die Ablehnung des Asylgesuches blieb vorliegend unangefochten und ist  mit  Ablauf  der  Beschwerdefrist  in  Rechtskraft  erwachsen.  Da  die  Wegweisung  als  solche  nur  aufgehoben  werden  kann,  wenn  eine  Aufenthaltsbewilligung  vorliegt  oder  ein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr.  21,  BVGE  2008/34 E.  9.2),  diese Voraussetzungen  jedoch  nicht  erfüllt  sind,  ist  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  somit  einzig  zu  prüfen,  ob  der  Beschwerdeführer  aufgrund  subjektiver  und objektiver Nachfluchtgründe  die Flüchtlingseigenschaft erfüllt und ob das Bundesamt den Vollzug der  Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat.  4.  4.1. In der Beschwerde wird – mit Verweis auf das Unterschriftenblatt der  Hilfswerkvertretung  –  in  formeller  Hinsicht  gerügt,  die  Vorinstanz  habe  den  Untersuchungsgrundsatz  verletzt  respektive  den  Sachverhalt  unvollständig  abgeklärt,  da  sie  den  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  vom  30.  September  2009  nur  oberflächlich  und  summarisch  über  seine  politischen  Aktivitäten  befragt  und  ihn  bei  den  zentralen  Punkten  seiner  Asylbegründung  immer  wieder  unterbrochen  habe.  Zudem  habe  es  die  Vorinstanz  unterlassen,  den  Beschwerdeführer  und/oder Frau D._______ zur Vorsprache auf dem eritreischen Konsulat  zu  befragen  oder  sonstige  Abklärungen  zu  treffen.  So  habe  sie  es  versäumt,  E._______  und  C._______  als  Zeugen  anzuhören.  Im  Weiteren wird in der Beschwerde (sinngemäss) geltend gemacht, es liege  eine  Verletzung  der  Begründungspflicht  und  des  Anspruchs  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  vor,  da  es  die  Vorinstanz  unterlassen  habe,  die  eingereichten  Beweismittel,  insbesondere  das  Schreiben  von  C._______  vom  26.  März  2008,  in  der  angefochtenen  Verfügung zu erwähnen  respektive zu berücksichtigen. Schliesslich wird  in der Rechtsmittelschrift gerügt, die Anhörung vom 30. September 2009  sei  durch  offensichtliche,  blockierende  Kommunikationsstörungen  zwischen dem Beschwerdeführer  und der  zuständigen Sachbearbeiterin  geprägt gewesen. Ausserdem habe die Sachbearbeiterin nur über ganz  ungenügende Dossierkenntnisse verfügt. 

D­1/2010 4.2.  Diese  verfahrensrechtlichen  Rügen  sind  vorab  zu  prüfen,  da  sie  allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung  zu  bewirken  (vgl.  EMARK  2004  Nr.  38  und  1994  Nr.  1;  FRITZ  GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 233, mit weiteren  Hinweisen,  S.  287  und  297;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hinweisen). 4.3.  4.3.1. Soweit  in  der  Beschwerde  gerügt  wird,  die  Vorinstanz  habe  den  Sachverhalt  unvollständig  abgeklärt,  da  sie  den  Beschwerdeführer  anlässlich der Anhörung vom 30. September 2009 nur oberflächlich und  summarisch  über  seine  politischen  Aktivitäten  befragt  und  ihn  bei  den  zentralen  Punkten  seiner  Asylbegründung  immer  wieder  unterbrochen  habe,  ist  Folgendes  festzuhalten:  Aus  dem  Anhörungsprotokoll  vom  30. September 2009 ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer anlässlich  der  Anhörung  zu  seinen  Asylgründen,  insbesondere  zu  seinen  exilpolitischen  Aktivitäten,  befragt  wurde.  Diese  Befragung  ist  als  genügend  zu  qualifizieren,  zumal  der  Beschwerdeführer  ausreichend  Gelegenheit  hatte,  seine  exilpolitischen  Tätigkeiten  darzulegen  (vgl.  Akten  BFM  C  15/9,  F30  ff.),  und  seine  Aussagen  es  dem  BFM  ermöglichten,  den Umfang  dieser  Tätigkeiten  zu würdigen.  Im Weiteren  ist  festzustellen,  dass  aus  dem Anhörungsprotokoll  vom 30.  September  2009 nicht ersichtlich ist, dass der Beschwerdeführer von der zuständigen  Sachbearbeiterin  immer  wieder  unterbrochen  worden  wäre,  so  dass  er  keine  Gelegenheit  gehabt  hätte,  sich  ausreichend  zu  seinen  Gründen  bezüglich  seines  dritten  Asylgesuches  zu  äussern.  Zudem  wurde  dem  Beschwerdeführer  am Ende  der  Anhörung  die Gelegenheit  eingeräumt,  Ergänzungen  zu  seinem  Asylgesuch  vorzutragen,  weshalb  davon  auszugehen  ist,  er  habe während  der Anhörung  genügend Gelegenheit  gehabt,  sich  zu  seinen  Asylvorbringen  zu  äussern.  Darauf  deutet  auch  hin, dass er am Ende der Anhörung zu Protokoll gab, dass er alles habe  sagen können, was  ihm für sein drittes Asylgesuch wichtig erscheine (C  15/9  S.  7).  An  der  Einschätzung  des  Gerichts,  wonach  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  vom  30. September  2009  ausreichend  und  korrekt  befragt  worden  ist,  ändert  auch  der  Umstand  nichts,  dass  die  an  der  Anhörung  des  Beschwerdeführers  anwesende  Hilfswerkvertretung  auf  dem  Unterschriftenblatt  festhielt,  der  Beschwerdeführer sei anlässlich der Anhörung vom 30. September 2009  nur  oberflächlich  und  summarisch  über  seine  politischen  Aktivitäten  befragt  und  bei  den  zentralen  Punkten  seiner  Asylbegründung  immer 

D­1/2010 wieder  unterbrochen  worden,  zumal  die  an  der  Anhörung  anwesende  Hilfswerkvertretung zwar  ihre Eindrücke schildern  kann,  sie  jedoch über  keine Parteirechte  verfügt, weshalb  eine  solche Meinungsäusserung  für  das  BFM  beziehungsweise  das  Bundesverwaltungsgericht  auch  nicht  bindend  ist  (vgl.  dazu  MARIO  GATTIKER,  Das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren, 3. Aufl. Bern 1999, S. 28 f.; EMARK 1996 Nr. 13  E.  4c  und  d  S.  111  f.).  Aus  den  vorstehend  genannten Gründen  ist  zu  schliessen, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung vom 30.  September 2009 ausreichend und in korrekter Weise befragt wurde.  4.3.2. Hinsichtlich der Rüge, wonach es die Vorinstanz unterlassen habe,  den  Beschwerdeführer  und/oder  Frau  D._______  zur  Vorsprache  auf  dem  eritreischen  Konsulat  zu  befragen  oder  sonstige  Abklärungen  zu  treffen,  so  insbesondere  E._______  und  C._______  als  Zeugen  anzuhören,  wodurch  sie  den  Untersuchungsgrundsatz  verletzt  habe,  ist  Folgendes  festzustellen:  Im  Asylverfahren  –  wie  im  übrigen  Verwaltungsverfahren – gilt der Untersuchungsgrundsatz, das heisst, die  Asylbehörde hat den rechtserheblichen Sachverhalt vor  ihrem Entscheid  von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m.  Art. 12 VwVG, Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Dabei muss sie die für das  Verfahren  erforderlichen  Sachverhaltsunterlagen  beschaffen  und  die  rechtlich  relevanten  Umstände  abklären  und  darüber  ordnungsgemäss  Beweis  führen.  Es  ist  jedoch  daran  zu  erinnern,  dass  Sachverhaltselemente,  die  für  den  Ausgang  des  Verfahrens  nicht  wesentlich sind, nicht erhoben zu werden brauchen. Kommt die Behörde  zum Schluss, dass (weitere) Beweiserhebungen unnötig sind, oder dass  ein konkretes Beweismittel nicht tauglich ist, um ihr sichere Kenntnis von  den rechtswesentlichen Geschehensabläufen zu verschaffen, kann sie in  Vorwegnahme des Beweisergebnisses  von  der Beweisführung  absehen  (antizipierte  Beweiswürdigung;  vgl.  dazu  CHRISTOPH  AUER,  in:  Auer/Müller/  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich  2008,  Rzn.  2  und  17  zu  Art.  12  VwVG,  BVGE  2008/24  E.  7.2  S.  357).  Bezüglich  der  beantragten  Befragung  des  Beschwerdeführers  beziehungsweise  von  Frau  D._______  hinsichtlich  der  geltend  gemachten  Vorsprache  auf  dem  eritreischen  Konsulat  ist  festzustellen,  dass  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführer  diesbezüglich  anlässlich  der  Anhörung  vom  30.  September 2009 ausreichend befragt hat (vgl. C 15/9, F28 f.). Betreffend  die beantragte Befragung von Frau D._______ die den Beschwerdeführer  auf die eritreische Botschaft begleitet haben soll,  ist darauf hinzuweisen,  dass diese Befragung schon deshalb nicht geeignet wäre, die behauptete 

D­1/2010 eritreische  Staatsangehörigkeit  des  Beschwerdeführers  glaubhaft  zu  machen,  da  eine  blosse  Vorsprache  bei  der  eritreischen  Botschaft  die  geltend  gemachte  eritreische  Staatsangehörigkeit  des  Beschwerdeführers in keiner Weise zu belegen vermöchte. Bezüglich der  beantragten  Befragung  von  E._______  (Präsident  des  äthiopischen  Kulturvereins) und C._______ (Privatperson) als Zeugen ist festzuhalten,  dass  diese  Zeugenbefragung  nicht  tauglich  wäre  zu  belegen,  dass  die  äthiopischen  Behörden  dem  Beschwerdeführer  keine  Identitätspapiere  ausstellen wollen, da aus dem Schreiben vom 21. Dezember 2007 an das  Ausländeramt  des  Kantons  B._______  betreffend  Anfrage  um  Ausstellung  von  Reisedokumenten  hervorgeht,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der Vorsprache  unwahre Angaben  geltend  machte.  Im  Übrigen  könnten  die  beantragten  Zeugen  allenfalls  nur  dasjenige wiedergeben,  was  sie  von Dritten  gehört  beziehungsweise  in  Erfahrung gebracht haben. Aufgrund des Gesagten durfte die Vorinstanz  in  antizipierter  Beweiswürdigung  darauf  verzichten,  Frau  D._______,  E._______ und C._______ als Zeugen anzuhören. Der Vorinstanz kann  auch  sonst  nicht  vorgehalten  werden,  sie  habe  notwendige  Sachverhaltsabklärungen  nicht  vorgenommen,  weshalb  –  entgegen  der  Behauptung  in  der  Rechtsmittelschrift  –  auch  keine  Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes vorliegt.  4.3.3.  Hinsichtlich  der  Behauptung,  es  liege  eine  Verletzung  der  Begründungspflicht  beziehungsweise  des  Anspruchs  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  vor,  da  es  die  Vorinstanz  versäumt  habe,  die  eingereichten  Beweismittel,  insbesondere  das  Schreiben  von  C._______  vom  26. März  2008,  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  erwähnen  respektive  zu  berücksichtigen,  ist  festzuhalten,  dass der Grundsatz des rechtlichen Gehörs verlangt, dass die verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des Betroffenen  tatsächlich  hört,  sorgfältig  und  ernsthaft  prüft  und  in  der  Entscheidfindung  berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Entscheidbegründung  niederschlagen  muss  (vgl.  Art. 35 Abs. 1 VwVG; EMARK 2004 Nr. 38 E. 6.3 S. 264). Ferner soll die  Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid  gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite  des  Entscheides  ein  Bild  machen  können,  wobei  sich  die  verfügende  Behörde  allerdings  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung,  jedem  rechtlichen  Einwand  und  jedem  eingereichten  Beweismittel  auseinandersetzen  muss,  sondern  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  kann.  Die 

D­1/2010 Begründungsdichte  richtet  sich dabei nach dem Verfügungsgegenstand,  den  Verfahrensumständen  und  den  Interessen  des  Betroffenen,  wobei  bei  schwerwiegenden  Eingriffen  in  die  rechtlich  geschützten  Interessen  des Betroffenen – und um solche geht es bei der Frage der Gewährung  des  Asyls  –  eine  sorgfältige  Begründung  verlangt  wird  (vgl.  BVGE  2008/47 E. 3.2 S. 674 f.; EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1 S. 256). Im vorliegenden Fall führt die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung  im  Rahmen  der  Sachverhaltszusammenfassung  die  wesentlichen  Vorbringen des Beschwerdeführers auf. Es bestehen keine Hinweise auf  ein  allfälliges  Übersehen  von  Sachverhaltselementen  oder  auf  eine  selektive Prüfung derselben durch das BFM. In seinen Erwägungen setzt  sich das Bundesamt sodann mit den Vorbringen des Beschwerdeführers  auseinander  und  kommt  zum  Schluss,  dass  diese  weder  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftmachung  von  Art.  7  AsylG  noch  denjenigen  an  die  Asylrelevanz  gemäss  Art.  3  AsylG  zu  genügen  vermöchten.  Insgesamt  ist  die  Begründung  des  BFM  als  ausreichend  dicht  zu  bezeichnen.  Sie  erlaubt  es,  die  Beweggründe,  welche  zur  Abweisung  des  Asylgesuches  geführt  haben,  in  einer  Weise  nachzuvollziehen,  die  eine  sachgerechte  Anfechtung  der  Verfügung  möglich  macht.  Da  die  eingereichten  Beweismittel,  insbesondere  das  Schreiben  von  C._______  vom  26.  März  2008  nicht  geeignet  sind,  die  eritreische  Staatsangehörigkeit  des  Beschwerdeführers  respektive  die  Unmöglichkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Äthiopien  zu  belegen,  war  die  Vorinstanz  auch  nicht  verpflichtet,  sich  in  der  angefochtenen  Verfügung  explizit  dazu  zu  äussern.  Vor  diesem Hintergrund ist die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs –  in seinen Teilaspekten der sorgfältigen Prüfung der Vorbringen sowie der  Begründung der Verfügung – unbegründet. 4.3.4.  Zur  Rüge,  die  Anhörung  vom  30.  September  2009  sei  durch  offensichtliche,  blockierende  Kommunikationsstörungen  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  der  zuständigen  Sachbearbeiterin  geprägt  gewesen,  ist  festzuhalten,  dass  aus  dem  Anhörungsprotokoll  vom  30.  September  2009  keine  derartigen  Kommunikationsstörungen  ersichtlich  sind. Die Anhörung hatte lediglich die Gründe für das dritte Asylgesuch zu  ermitteln.  Dies  hat  die  Sachbearbeiterin  dem  Beschwerdeführer  wiederholt zur Kenntnis gebracht. Zudem ist nicht zu beanstanden, dass  die  zuständige  Sachbearbeiterin  den  Beschwerdeführer  auf  offensichtliche  Widersprüche  in  seinen  Aussagen  hingewiesen  hat.  Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass  auch  von  Seiten  der  bei  der 

D­1/2010 Anhörung  anwesenden  Hilfswerksvertretung  keine  Kommunikationsstörungen  vorgebracht  wurden.  Hinsichtlich  der  Behauptung  in der Beschwerde,   wonach   die   für   die   Anhörung   vom   30.  September  2009  zuständige  Sachbearbeiterin  nur  über  ganz  ungenügende  Dossierkenntnisse  verfügt  habe,  ist  festzuhalten,  dass  auch diese Rüge  im Anhörungsprotokoll  keine Stütze  findet. Von Seiten  der  bei  der  Anhörung  anwesenden  Hilfswerksvertretung  wird  dies  ebenfalls  nicht  geltend  gemacht,  weswegen  es  sich  erübrigt,  weiter  darauf einzugehen. 4.4. Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die Verfügung des  BFM  vom  2.  Dezember  2009  aus  formellen  Gründen  aufzuheben,  weshalb das Eventualbegehren des Beschwerdeführers,  die Streitsache  sei  zur  Ergänzung  des  Sachverhalts  und  zur  Neuentscheidung  an  die  Vorinstanz zurückzuweisen, abzuweisen ist.  5.  5.1.  Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  ob  das  BFM  in  casu  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint hat.  5.2.  Zur  Begründung  seines  dritten  Asylgesuchs  macht  der  Beschwerdeführer  zum  einen  geltend,  er  stamme  aus  einer  äthiopisch­ eritreisch  stämmigen  Familie.  Im  Jahre  2000  sei  seine  Familie  wegen  ihrer  eritreischen  Abstammung  aus  Äthiopien  ausgewiesen  worden.  Aufgrund  seiner  eritreischen  Herkunft  stellten  ihm  die  äthiopischen  Behörden keine Identitätspapiere aus. Falls er wegen seiner eritreischen  Herkunft  als  eritreischer  Staatsbürger  betrachtet  werde,  sei  zu  berücksichtigen, dass er bei einer Rückkehr nach Eritrea wegen des nicht  absolvierten  Militärdienstes  bestraft  und  zum  Militärdienst  gezwungen  würde, weswegen er als Flüchtling anzuerkennen sei.  5.3.  Übereinstimmend  mit  der  Vorinstanz  ist  festzustellen,  dass  dem  Beschwerdeführer  nicht  geglaubt  werden  kann,  dass  er  eritreischer  Herkunft  beziehungsweise  eritreischer  Staatsbürger  ist.  So  gab  er  während seines ersten Asylverfahrens bei der Befragung zur Person vom  12.  September  1997  vorbehaltlos  zu  Protokoll,  er  sei  äthiopischer  Staatsbürger.  Mit  keinem Wort  erwähnte  er  damals,  seine  Eltern  seien  eritreischer Abstammung (A 1/6 S. 1 ff.). Zudem will er im Jahre 1997 mit  seinem  eigenen  echten  äthiopischen  Pass  in  die  Schweiz  gereist  sein,  was ebenfalls darauf hindeutet, dass er äthiopischer und nicht eritreischer  Staatsangehöriger  ist.  Gegen  die  Glaubhaftigkeit  der  behaupteten 

D­1/2010 eritreischen  Abstammung  des  Beschwerdeführers  spricht  überdies  die  Tatsache,  dass  er  erst  im  Laufe  seines  dritten  Asylverfahrens  geltend  machte,  seine  Familie  sei  im  Jahre  2000  aufgrund  ihrer  eritreischen  Abstammung  aus  Äthiopien  ausgewiesen  worden.  Es  ist  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  der  Beschwerdeführer  dies  nicht  bereits  anlässlich seines zweiten Asylgesuchs vorbrachte, zumal er damals ohne  Weiteres Gelegenheit gehabt hätte, dies in der schriftlichen Eingabe vom  28.  September  2006  vorzutragen.  Im  Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  bisher  keine  stichhaltigen  Belege  für  seine  behauptete  eritreische  Abstammung  respektive  eritreische  Staatsbürgerschaft  zu  den  Akten  gereicht  hat.  Der  Umstand,  dass  die  Muttersprache des Beschwerdeführers Tigrinya ist, vermag die eritreische  Abstammung des Beschwerdeführers – entgegen der Behauptung in der  Beschwerde – in keiner Weise zu belegen, zumal diese Sprache sowohl  in Äthiopien als auch in Eritrea gesprochen wird. An der Unglaubhaftigkeit  der  vom  Beschwerdeführer  behaupteten  eritreischen  Abstammung  respektive eritreischen Staatsangehörigkeit  vermögen auch die weiteren  Ausführungen  in der Beschwerde vom 3. Januar 2010 nichts zu ändern,  weshalb  es  sich  erübrigt,  weiter  darauf  einzugehen.  Aufgrund  der  Aussagen des Beschwerdeführers besteht Gewissheit darüber, dass er in  Äthiopien  registriert  war,  ist  er  doch  gemäss  eigenen  Aussagen  dort  aufgewachsen,  hat  dort  die  Schule  besucht,  Militärdienst  geleistet  und  gearbeitet, bevor er im Jahre 1997 das Land verliess und via Deutschland  und  Frankreich  in  die  Schweiz  gelangte  (A  4/12  S.  3).  Dass  dem  Beschwerdeführer die äthiopische Staatsangehörigkeit aberkannt wurde,  ist  nicht  belegt.  Nach  dem  Gesagten  ist  zu  schliessen,  dass  er  äthiopischer  Staatangehöriger  ist.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  aus  den  vorstehend  genannten Gründen  folglich  auch  nicht  davon  aus,  dass der Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr nach Äthiopien riskiert,  nach Eritrea abgeschoben zu werden. Deshalb erübrigt  es  sich,  auf die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Verfolgungsvorbringen  hinsichtlich Eritrea einzugehen.  5.4.  5.4.1.  Zur  Begründung  seines  dritten  Asylgesuchs  macht  der  Beschwerdeführer zum anderen geltend, er habe sich in der Schweiz als  Musiker  exilpolitisch  betätig  und  sei  ein  hervorstechendes  Mitglied  der  Exilopposition.  Aufgrund  seines  Profils  sei  er  bei  den  äthiopischen  Behörden  als  Regimeverächter  und  ­feind  registriert.  Im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  müsse  er  mit  asylrechtlich  relevanten  Verfolgungsmassnahmen rechnen.

D­1/2010 5.4.2.  Wer  sich  darauf  beruft,  dass  durch  sein  Verhalten  nach  der  Ausreise aus dem Heimat­ oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist,  macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (Art.  54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art.  54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie  missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Das  vom  Gesetzgeber  vorgesehene  Konzept,  wonach  das  Vorliegen  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst,  verbietet  das  Addieren  solcher  Gründe  mit  Nachfluchtgründen,  welche  vor  der Ausreise aus dem Heimat­  oder Herkunftsstaat  entstanden  sind  und die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und  zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl.  BVGE  2009/28  E.  7.1  S.  352  und  BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 mit weiteren Hinweisen). 5.4.3. Zunächst  ist  festzuhalten, dass von der Vorinstanz nicht bestritten  wird, dass sich der Beschwerdeführer in der Schweiz exilpolitisch betätigt  hat.  Exilpolitische  Aktivitäten  können  jedoch  nur  dann  im  Sinne  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  zur  Flüchtlingseigenschaft  führen,  wenn  zumindest glaubhaft gemacht wird, dass  im Falle einer Rückkehr  infolge  der  Exilaktivität  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  mit  politischer  Verfolgung zu  rechnen wäre. Nachfolgend  ist daher zu prüfen, ob diese  Voraussetzung im Fall des Beschwerdeführers erfüllt ist. 5.4.4. Gemäss Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts  (vgl. etwa  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­8151/2010  vom  25.  August  2011  und  D­5036/2009  vom  11.  Oktober  2010)  ist  zwar  davon  auszugehen,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsbehörden  die  Aktivitäten  der  Exilgemeinschaften  im  Rahmen  ihrer  (beschränkten)  Möglichkeiten  überwachen  und  mittels  elektronischer  Datenbanken  registrieren.  Unter  diesen  Umständen  ist  es  wahrscheinlich,  dass  im  Ausland  agierende  Personen,  welche  erkennbar  in  im  Ausland  tätigen  oppositionellen  Organisationen  aktiv  waren  oder  auch  nur  mit  ihnen  sympathisierten,  individuell  identifiziert  werden  könnten  und  im  Falle  einer  Zwangsrückschaffung  dem  äthiopischen  Sicherheitsdienst  bereits  am  Flughafen  bekannt  würden.  Demnach  dürfte  davon  auszugehen  sein,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsorgane  eine  zwangsweise  aus  dem  Ausland  zurückgeführte  Person,  die  Anhänger  oder  Mitglied  einer  regimekritischen  Organisation  war  oder  noch  ist,  nach  wie  vor  als  zu  verfolgenden Gegner der Regierung ansehen würden, solange von dieser 

D­1/2010 Person vor  ihrer Ausreise aus dem jeweiligen Gastland kein eindeutiges  Bekenntnis zur verfassungsmässigen Ordnung Äthiopiens und eine klare  Abkehr  von  den  bisherigen  Aktivitäten  dieser  regimekritischen  Organisationen  vorliegt.  Angesichts  der  beschränkten  Ressourcen  des  äthiopischen  Nachrichtendienstes  stellt  sich  die  Frage  nach  der  Wahrscheinlichkeit  und  dem  Ausmass  einer  allfälligen  Überwachung  in  der Schweiz, welche indessen in casu offenbleiben kann. Von Bedeutung  ist  vorliegend  dagegen  die  tatsächliche  Erkennbarkeit  der  behaupteten  exilpolitischen Tätigkeit, die Individualisierbarkeit des Beschwerdeführers  und dessen konkrete exilpolitische Tätigkeit (vgl. im Sinne von Beispielen  die  vorgenannten  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts).  Die  äthiopischen  Behörden  haben  nur  dann  ein  Interesse  an  der  Identifizierung  einer  Person,  wenn  deren  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung für das politische System wahrgenommen werden. 5.4.5.  Diesbezüglich  ist  vorab  festzustellen,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  im  Rahmen  seines  ersten  Asylverfahrens  nicht  gelungen  ist,  eine  politisch  motivierte  asylrelevante  Verfolgung  im  Heimatland glaubhaft zu machen, weshalb auch nicht davon auszugehen  ist, dass er vor seiner Ausreise aus Äthiopien  im Visier der heimatlichen  Behörden  stand  oder  gar  als  Regimegegner  oder  politischer  Aktivist  registriert war. 5.4.6.  Aus  den  Akten  geht  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz als Musiker an zahlreichen (äthiopischen) Kulturveranstaltungen,  an  Hilfsaktionen  zugunsten  Afrika  beziehungsweise  zugunsten  äthiopischer Jugendlicher sowie an mehreren Demonstrationen gegen die  äthiopische  Regierung  teilgenommen  hat.  Im  Weiteren  will  der  Beschwerdeführer  als  Künstler  an  oppositionellen Parteiveranstaltungen  partizipiert  haben. Bei  dieser Sachlage  ist  ein  exponierter  exilpolitischer  Einsatz des Beschwerdeführers, der  ihn  ins Zentrum des Interesses des  äthiopischen  Nachrichtendienstes  rücken  könnte,  klarerweise  zu  verneinen.  In  diesem  Zusammenhang  ist  festzuhalten,  dass  bei  behaupteten  subjektiven  Nachfluchtgründen  in  der  Regel  ein  strikter  Beweis möglich und deshalb auch erforderlich  ist  (vgl. WALTER STÖCKLI,  Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel  2009,  Rz.  11.148).  Die  äthiopischen  Behörden  haben  nur  dann  ein  Interesse an der Identifizierung einer Person, wenn deren Aktivitäten als  konkrete Bedrohung  für  das  politische System wahrgenommen werden.  Für die Annahme, der Beschwerdeführer habe sich in dieser besonderen  Art  und  Weise  betätigt,  bestehen  keine  Anhaltspunkte.  Er  gehört  mit 

D­1/2010 Sicherheit  nicht  zur  Zielgruppe  des  "harten  Kerns"  von  aktiven  oppositionellen  Äthiopiern  im  Ausland,  für  die  sich  die  äthiopischen  Behörden  interessieren.  Vorliegend  ist  zudem  –  entgegen  der  Behauptung  des  Beschwerdeführers  –  darauf  zu  schliessen,  dass  sich  seine bisherigen exilpolitischen Aktivitäten  lediglich  in wenig exponierten  Tätigkeiten  erschöpft  haben.  Da  der  Beschwerdeführer  keine  Kaderposition  in  einer  im  Ausland  tätigen  oppositionellen  Organisation  innehat,  dürften  die  äthiopischen  Behörden  auch  aus  diesem  Grund  in  ihm  nicht  einen  ernsthaften  und  in  seinem  Wirkungsgrad  gefährlichen  Regimegegner sehen. Vor diesem Hintergrund  lässt die Beteiligung des  Beschwerdeführers an exilpolitischen Aktivitäten von vornherein nicht das  Gefährdungspotential ersehen, welches er daraus zu ziehen versucht. Im  Gegensatz zur Behauptung in der Rechtsmittelschrift vom 3. Januar 2010  ist  demnach  nicht  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  eine  asylrechtlich  relevante  Gefährdung zu befürchten hat. Ebenso wenig vermag der Umstand, dass  er  vor  seiner  Ausreise  aus  Äthiopien  ein  landesweit  bekannter  Folkloremusiker  war,  ihn  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System in Äthiopien erscheinen zu lassen, zumal er das Land bereits im  Jahr  1997  verlassen  hat.  Es  dürfte  den  äthiopischen  Behörden  im  Übrigen  aufgefallen  sein,  dass  die  exilpolitische  Betätigung  vieler  äthiopischer  Asylsuchender  nach  der  Ablehnung  ihrer  Asylgesuche  regelmässig stark zunimmt respektive intensiver wird oder überhaupt erst  ab  diesem  Zeitpunkt  einsetzt,  was  das  geltend  gemachte  politische  Engagement als zweifelhaft erscheinen lässt. Im vorliegenden Fall fehlen  jegliche  Hinweise  darauf,  dass  gegen  den  Beschwerdeführer  aufgrund  der vorgebrachten Aktivitäten in Äthiopien ein Strafverfahren oder andere  behördliche  Massnahmen  eingeleitet  worden  sind,  wobei  in  diesem  Zusammenhang  unter  Hinweis  auf  die  in  Art.  8  AsylG  verankerte  Mitwirkungspflicht  festzuhalten  ist,  dass  es  nicht  Sache  der  schweizerischen Asylbehörden sein kann, jede auch nur ansatzweise und  abstrakt  mögliche  Gefährdungssituation  im  Heimatland  des  Beschwerdeführers abklären zu müssen.  5.4.7.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  geltend  gemachten  subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht  zu  begründen.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  weder  die  weiteren  Ausführungen  in  den  Eingaben  noch  die  eingereichten  Beweismittel  etwas  zu  ändern,  weshalb  darauf  verzichtet  werden  kann,  auf  diese  weitergehend  einzugehen.  Unter 

D­1/2010 Berücksichtigung  der  gesamten Umstände  folgt,  dass  keine  subjektiven  Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG vorliegen. 5.5.  Nach  dem  Gesagten  hat  die  Vorinstanz  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint. 6.  Wie  vorstehend  in  E.  3  ausgeführt,  ist  vorliegend  die  Anordnung  der  Wegweisung  nicht  zu  überprüfen,  sondern  lediglich,  ob  das Bundesamt  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich erachtet hat.  7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl. STÖCKLI a.a.O. Rz. 11.148). 7.2.  7.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

D­1/2010 Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  flüchtlingsrechtlich  erhebliche Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im vorliegenden Verfahren keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Äthiopien  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Aufgrund  der  Akten  sowie  der  vorstehenden  Erwägungen  betreffend die Frage der Flüchtlingseigenschaft  ist  indessen nicht davon  auszugehen,  dass  ihm  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  eine  derartige Gefahr droht. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation  in  Äthiopien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 7.3.  7.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 

D­1/2010 Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818). 7.3.2.  In  konstanter  Praxis wird  von  einer  grundsätzlichen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nach  Äthiopien  ausgegangen  (vgl.  bereits  EMARK  1998  Nr.  22  sowie  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­7175/2010  vom  21.  November  2011  E.  7.2.1.,  E­7233/2009  vom  31. Oktober 2011 E. 6.4.1.).  7.3.3. Aufgrund  der  persönlichen  Situation  des  Beschwerdeführers  sind  ebenfalls  keine  Gründe  ersichtlich,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  sprechen.  Es  ist  nicht  in  Abrede  zu  stellen,  dass  der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Äthiopien aufgrund seiner  mehrjährigen  Landesabwesenheit  mit  gewissen  Schwierigkeiten  konfrontiert werden könnte. Indes hat er bis zu seiner Ausreise im Jahre  1997, mithin achtundzwanig Jahre,  in seinem Heimatland gelebt. Zudem  verfügt  der  –  soweit  den  Akten  zu  entnehmen  ist  –  gesunde  Beschwerdeführer  über  eine  gute  Schulbildung  und  jahrelange  Berufserfahrung als Musiker, weshalb anzunehmen  ist, er könne sich  in  seiner  Heimat  wieder  wirtschaftlich  integrieren.  Überdies  ist  seine  Aussage,  wonach  seine  Familie  im  Jahre  2000  aus  Äthiopien  ausgeschafft  worden  sei,  als  nachgeschoben  und  damit  unglaubhaft  zu  beurteilen,  da  er  dies  erst  im Rahmen  des  dritten  Asylgesuchs  geltend  machte,  obwohl  er  bereits  anlässlich  seines  zweiten  Asylgesuchs,  welches  er  am  28.  September  2006  einreichte,  ohne  Weiteres  Gelegenheit  dazu  gehabt  hätte,  dies  mitzuteilen.  Deswegen  ist  anzunehmen, dass seine Mutter sowie eine Geschwister nach wie vor in  Äthiopien  leben,  weshalb  davon  auszugehen  ist,  dass  er  in  seinem  Heimatland über ein soziales Beziehungsnetz verfügt, welches  ihm eine  Reintegration erleichtern dürfte. Die Rückkehrhilfe der Schweiz wird  ihm  im  Bedarfsfall  den Wiedereinstieg  in  seine  Heimat  ebenfalls  erleichtern  (Art.  74  der  Asylverordnung  2  vom  11.  August  1999  [AsylV  2,  SR 142.312]).  Blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, genügen  nicht, um eine Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen  (vgl. BVGE 2008/34 E.11.2.2; EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215). Nach  dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung somit auch als zumutbar  zu bezeichnen.

D­1/2010 7.4.  7.4.1.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ist  nicht  möglich,  wenn  die  Ausländerin  oder  der  Ausländer  weder  in  den  Heimat­  oder  in  den  Herkunftsstaat  noch  in  einen  Drittstaat  ausreisen  oder  dorthin  gebracht  werden  kann  (Art.  83  Abs.  2  AuG).  Gemäss  der  nach  wie  vor  gültigen  Rechtsprechung  der  vormaligen  ARK  setzt  die  Feststellung  der  technischen  und  praktischen  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  voraus, dass sowohl seitens der betroffenen Person als auch seitens der  zuständigen  kantonalen  und  Bundesbehörden  alle  Anstrengungen  hinsichtlich  einer  freiwilligen  Ausreise  respektive  der  zwangsweisen  Rückführung  unternommen worden  sind.  Nur  wenn  zur  Zeit  des  Urteils  klar erkennbar ist, dass der Vollzug sich bereits während mehr als einem  Jahr nicht hat bewerkstelligen lassen und auch weiterhin aus technischen  oder  rechtlichen  Gründen  auf  unabsehbare  Zeit  nicht  möglich  ist,  stellt  das  Bundesverwaltungsgericht  dies  fest  und  weist  die  Vorinstanz  an,  anstelle  des  Vollzugs  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  Die  Möglichkeit  einer  freiwilligen  Heimreise  steht  der  Feststellung,  ein  Wegweisungsvollzug  erweise  sich  als  unmöglich,  von  vornherein  entgegen.  Massgeblich  für  die  Beurteilung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts bezüglich des Vollzugs der Wegweisung ist die Situation im  Zeitpunkt  des  Urteils  (vgl.  zum  Ganzen  EMARK  2006  Nr.  15  E.  3.3,  EMARK  1997  Nr.  27,  E.  4b  sowie  u.a.  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts D­2006/2011 vom 29. Juli 2011 E. 8.4). 7.4.2.  Wie  vorstehend  in  E.  5.3  ausgeführt,  ist  das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  eritreischer  Abstammung  respektive  eritreischer  Staatsangehöriger  sei,  als  nicht  glaubhaft  zu  erachten.  Vielmehr  ist  davon  auszugehen,  dass  er  nach  wie  vor  die  äthiopische  Staatsangehörigkeit  besitzt.  Es  ist  demnach  zu prüfen,  ob aufgrund der  aktuellen  Aktenlage  klar  erkennbar  ist,  dass  aus  technischen  oder  rechtlichen  Gründen  in  objektiver  Hinsicht  auf  unabsehbare  Zeit  Hindernisse  entgegenstehen,  die  einen  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Äthiopien als unmöglich erscheinen lassen.  7.4.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  der  Auffassung,  dass  der  Beschwerdeführer  bisher  nicht  glaubhaft  gemacht  hat,  er  habe  selbständig  alle  Schritte  unternommen,  um  in  den  Besitz  von  heimatlichen Dokumenten zu gelangen. Er macht zwar geltend, er habe  zweimal  die  äthiopische  Botschaft  in  Genf  aufgesucht,  wo  man  ihm  jedoch gesagt habe, man könne ihm keine Papiere ausstellen, da er nicht  Äthiopier,  sondern  Eritreer  sei.  Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass  der 

D­1/2010 Beschwerdeführer  diesbezüglich  keine  beweiskräftige  Belege  zu  den  Akten gereicht hat. Aus dem Schreiben vom 21. Dezember 2007 an das  Ausländeramt  des  Kantons  B._______  betreffend  Anfrage  um  Ausstellung  von  Reisedokumenten  geht  im  Übrigen  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Vorsprache  bei  der  äthiopischen  Botschaft  unwahre  Angaben  bezüglich  des  Aufenthaltes  seiner  Familie  geltend  machte  (vgl.  vorstehend  E.  7.3.3.).  Zweifelhaft  ist  die  Aussage  des Beschwerdeführers, wonach er nicht  in den Besitz von heimatlichen  Dokumenten gelangen könne, auch deshalb, da nach Erkenntnissen des  Bundesverwaltungsgerichts  abgewiesene  äthiopische  Asylsuchende  seitens  der  zuständigen  Vertretung  ein  Laisser­passer  erhalten.  Vorliegend erscheint es daher als überwiegend wahrscheinlich,  dass es  dem  Beschwerdeführer  durchaus  möglich  wäre,  freiwillig  in  seinen  Heimatstaat  Äthiopien  zurückzukehren.  Demnach  liegt  im  vorliegenden  Fall  ungeachtet  der  geltend  gemachten  Papierlosigkeit  des  Beschwerdeführers  keine  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  im  Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG vor. 8.  Nach  dem  Gesagten  hat  die  Vorinstanz  den  Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Somit  fällt  eine  Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art. 83 Abs. 1 ­ 4  AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens wären  die  Kosten  desselben  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  und  auf  insgesamt  Fr.  600.–  festzusetzen  (Art.  63 Abs. 1 und 5 VwVG und Art.  1­3 des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Nachdem  die  Beschwerde  im  Zeitpunkt  der  Beschwerdeeinreichung  nicht  als  aussichtslos bezeichnet werden konnte und der Beschwerdeführer nach  wie  vor  keiner  bezahlten  Tätigkeit  nachgeht  (so  dass  von  seiner  Bedürftigkeit ausgegangen werden kann), sind in Gutheissung des in der  Beschwerde  vom  3.  Januar  2010  gestellten  Gesuches  um  Gewährung 

D­1/2010 der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  keine  Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.  2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  gutgeheissen.  3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-1/2010 — Bundesverwaltungsgericht 12.12.2011 D-1/2010 — Swissrulings