Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 26.08.2011 C-7136/2010

26 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,436 parole·~7 min·1

Riassunto

Schengen-Visum | Visum zu Besuchszwecken

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­7136/2010 Urteil   v om   2 6 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Bernard Vaudan, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien A._______,  Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Visum zu Besuchszwecken.

C­7136/2010 Sachverhalt: A.  Die  1987  geborene  kenianische  Staatsangehörige  B._______  (im  Folgenden:  Gesuchstellerin)  beantragte  am  20.  Mai  2010  bei  der  Schweizerischen Botschaft in Nairobi ein Schengen­Visum für einen rund  dreimonatigen  Besuchsaufenthalt  bei  A._______  (im  Folgenden:  Gastgeber bzw. Beschwerdeführer)  in C._______ (ZH). Dieser hatte am  17. Mai 2010 eine entsprechende Einladung an die Schweizer Botschaft  gerichtet. B.  Mit  Formularentscheid  vom  20.  Mai  2010  lehnte  es  die  Schweizer  Vertretung ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete  ihre  Haltung  mit  der  ihrer  Auffassung  nach  fehlenden  Garantie  für  eine  Wiederausreise der Gesuchstellerin aus dem Schengen­Raum. C.  Gegen diesen Entscheid erhob der Gastgeber ebenfalls am 20. Mai 2010  Einsprache bei der Vorinstanz. Dabei wendete er ein, die Gesuchstellerin  habe keine Veranlassung, die Schweiz bzw. den Schengen­Raum nach  einem  Besuchsaufenthalt  nicht  fristgerecht  wieder  zu  verlassen.  Sie  studiere  seit  drei  Jahren  an  der  Universität  Eldoret,  werde  im  Herbst  (nach  dem  geplanten  Besuchsaufenthalt  in  der  Schweiz)  ihr  Studium  fortführen  und  im  Frühling  2011  ihren  Abschluss  machen.  Er  und  die  Gesuchstellerin  hätten  alle  erforderlichen  Vorkehrungen  (Flugbuchung,  Abschluss einer Reiseversicherung und Abgabe einer Garantieerklärung)  getroffen,  und  er  garantiere  nach  wie  vor  für  eine  fristgerechte  Wiederausreise seines Gastes. D.  Am  22.  Juli  2010  richtete  das Migrationsamt  des  Kantons  Zürich  einen  Fragekatalog  an  den  Gastgeber,  den  dieser  mit  einer  Eingabe  vom  3.  August 2010 beantwortete.  E.  Mit  Verfügung  vom  13.  September  2010  wies  die  Vorinstanz  die  Einsprache  ab.  Dies  im  Wesentlichen  mit  der  Begründung,  die  anstandslose  und  fristgerechte  Wiedeausreise  nach  einem  Besuchsaufenthalt  könne  nicht  als  gesichert  betrachtet  werden.  Die  Gesuchstellerin  lebe  in  einer  Region,  aus  der  als  Folge  der  dort  insbesondere  in  wirtschaftlicher  Hinsicht  herrschenden  Verhältnisse  ein 

C­7136/2010 anhaltend  starker  Zuwanderungsdruck  festzustellen  sei.  Bei  der  Gesuchstellerin selbst handle es sich um eine  junge und unverheiratete  Studentin.  Ihr  oblägen  weder  familiäre  Verantwortlichkeiten  noch  berufliche  Verpflichtungen,  welche  trotz  der  allgemeinen  Verhältnisse  besondere  Gewähr  für  eine  Wiederausreise  bieten  könnten.  Die  Schweizer  Vertretung  in  Nairobi  habe  die  Ausstellung  eines  Visums  deshalb zu Recht verweigert. F.  Mit  Beschwerde  vom  1.  Oktober  2010  beantragt  der  Gastgeber  beim  Bundesverwaltungsgericht  implizit,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben,  und  das  gewünschte  Besuchsvisum  sei  zu  erteilen.  Zur  Begründung macht  er  im Wesentlichen geltend,  die Vorinstanz gehe zu  Unrecht  davon  aus,  dass  die Wiederausreise  der  Gesuchstellerin  nach  einem Besuchsaufenthalt nicht gesichert sei. Die  im Zusammenhang mit  dem Gesuch von den Behörden verlangten Unterlagen seien alle geliefert  worden,  und er  versichere nochmals,  dass  sein Gast  die Schweiz  nach  dem Besuchsaufenthalt anstandslos wieder verlassen werde. G.  Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 7. Dezember 2010  auf Abweisung der Beschwerde. Dabei qualifizierte sie unter anderem die  im  Zusammenhang  mit  ihrem  Studium  von  der  Gesuchstellerin  im  erstinstanzlichen Verfahren eingereichte Bestätigung als ungenügend. H.  Der Beschwerdeführer verzichtete in der Folge auf die Einreichung einer  Replik. I.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  und  die  zusammen  mit  der  Beschwerde  eingereichten  Unterlagen  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.    Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 

C­7136/2010 20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen­Visums  zu  Besuchszwecken  verweigert  wird.  In  dieser Materie  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (Art.  83  Bst. c  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.    Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem  VwVG (Art. 37 VGG). 1.3.    Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  im  Übrigen  frist­  und  formgerecht  eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.451/2002  vom  28. März  2003 E. 1.2, nicht publiziert in BGE 129 II 215). 3.  Der  angefochtenen  Verfügung  liegt  das  Gesuch  einer  kenianischen  Staatsangehörigen  um  Erteilung  eines  Visums  für  einen  dreimonatigen  Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf  die  EU/EFTA­Personenfreizügigkeitsabkommen  berufen  kann  und  die  beabsichtigte  Aufenthaltsdauer  drei  Monate  nicht  überschreitet,  fällt  die  vorliegende  Streitsache  in  den  persönlichen  und  sachlichen  Anwendungsbereich  der  Schengen­Assoziierungsabkommen,  mit  denen  die  Schweiz  den  Schengen­Besitzstand  und  die  dazugehörigen  gemeinschaftsrechtlichen  Rechtsakte  übernommen  hat.  Das  Ausländergesetz  vom 16. Dezember  2005  (AuG, SR  142.20)  und  seine 

C­7136/2010 Ausführungsverordnung  gelangen  nur  soweit  zur  Anwendung,  als  die  Schengen­Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen  enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4.  Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im  Anwendungsbereich des Schengen­Rechts wie folgt: 4.1.    Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines  Recht  auf  Einreise  noch  gewährt  es  einen  besonderen  Anspruch  auf  Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch  – grundsätzlich  nicht  gehalten,  Ausländerinnen  und  Ausländern  die  Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Verpflichtungen  handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum  Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002,  BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen­Recht  schränkt  die  nationalstaatlichen  Befugnisse  insoweit  ein,  als  es  einheitliche  Voraussetzungen  für  Einreise  und  Visum  aufstellt  und  die  Mitgliedstaaten  verpflichtet,  die Einreise bzw. das Visum zu verweigern,  wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise  bzw. Visum vermittelt auch das Schengen­Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI /  TOBIAS  D.  MEYER,  in:  Martina  Caroni  /  Thomas  Gächter  /  Daniela  Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die  Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2.    Angehörige  von  Drittstaaten  dürfen  über  die  Aussengrenzen  des  Schengen­Raums  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten  je  Sechsmonatszeitraums  einreisen,  wenn  sie  im  Besitz  gültiger  Reisedokumente  sind,  die  zum  Grenzübertritt  berechtigen.  Ferner  benötigen  sie  ein  Visum,  falls  ein  solches  nach  Massgabe  der  Verordnung  (EG)  Nr.  539/2001  des  Rates  vom  15.  März  2001  zur  Aufstellung  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  beim  Überschreiten der Aussengrenzen  im Besitz eines Visums sein müssen,  sowie  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  von  dieser  Visumpflicht  befreit  sind,  erforderlich  ist.  Kein  Visum  benötigen  Drittstaatsangehörige,  die  Inhaber  eines  gültigen  Aufenthaltstitels  sind  oder über ein gültiges Visum  für den  längerfristigen Aufenthalt  verfügen  (vgl.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  AuG,  Art. 2  Abs. 1  der  Verordnung  vom  22. Oktober  2008  über  die  Einreise  und  die  Visumerteilung  [VEV,  SR  142.204]  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  und  b  der  Verordnung  (EG)  Nr.  562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15. März 

C­7136/2010 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen  durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105  vom 13.04.2006, S. 1­32], Art. 4 VEV). 4.3.    Im  Weiteren  müssen  Drittstaatsangehörige  den  Zweck  und  die  Umstände  ihres  beabsichtigten  Aufenthalts  belegen  und  hierfür  über  ausreichende  finanzielle Mittel verfügen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2  Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst.  a–c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 810/2009  des  Europäischen  Parlaments  und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft  [nachfolgend:  Visakodex]).  Namentlich  haben  sie  in  diesem  Zusammenhang  zu  belegen,  dass  sie  den  Schengen­Raum  vor  Ablauf  des  bewilligungsfreien  Aufenthaltes  verlassen,  bzw.  ausreichende  Gewähr  für  eine  fristgerechte Wiederausreise  zu  bieten  (Art.  14  Abs.  1  Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS D. MEYER,  a.a.O.  Art.  5  N. 33).  Weiterhin  dürfen  Drittstaatsangehörige nicht  im Schengener  Informationssystem (SIS) zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine  Gefahr  für  die  öffentliche  Ordnung,  die  innere  Sicherheit,  die  öffentliche  Gesundheit  oder  die  internationalen  Beziehungen  eines  Mitgliedstaats  darstellen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4.   Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1  Bst.  e SGK  ist  auch  dann  anzunehmen, wenn  die  drittstaatsangehörige  Person  nicht  bereit  ist,  das  Hoheitsgebiet  des  Schengen­Raums  fristgerecht  wieder  zu  verlassen  (vgl.  dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS  D.  MEYER,  a.a.O.,  Art.  5  N. 33;  ferner  Urteil  des  deutschen  Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die  Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu  belegen, dass die Gefahr einer  rechtswidrigen Einwanderung oder einer  nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art.  21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie  sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt  vorgesehen  ist,  steht  mit  dieser  Regelung  im  Einklang  (vgl.  BVGE  2009/27  E.  5  mit  Hervorhebung  des  Zusammenhangs  zum  Einreiseerfordernis  des  belegten  Aufenthaltszwecks  nach  Art.  5  Abs.  1  Bst. c SGK). 4.5.    Sind  die  vorerwähnten  Einreisevoraussetzungen  (Visum  ausgenommen) nicht erfüllt, darf ein  für den gesamten Schengen­Raum  geltendes  "einheitliches  Visum"  (Art.  2  Ziff.  3  Visakodex)  nicht  erteilt 

C­7136/2010 werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es  jedoch ein Mitgliedstaat aus  humanitären  Gründen,  aus  Gründen  des  nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler  Verpflichtungen  für  erforderlich,  so  ist  er  berechtigt,  der  drittstaatsangehörigen  Person,  welche  die  ordentlichen  Einreisevoraussetzungen  nicht  erfüllt,  ausnahmsweise  ein  "Visum  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit"  zu  erteilen  (Art.  2  Ziff.  4  Visakodex).  Dieses  Visum  ist  grundsätzlich  nur  für  das  Hoheitsgebiet  des  ausstellenden  Staates  gültig  (Art.  32  i.V.m.  Art.  25  Abs.  1  Bst.  a  Visakodex;  unter  denselben  Voraussetzungen  kann  einer  drittstaatsangehörigen  Person  die  Einreise  an  den  Aussengrenzen  gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5.  5.1.  Die Gesuchstellerin unterliegt als kenianische Staatsangehörige der  Visumspflicht  (Anhang  I  zur  Verordnung  (EG)  Nr. 539/2001  des  Rates  vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach  Art.  5  Abs.  1  SGK  steht  die  Frage  der  gesicherten Wiederausreise  im  Vordergrund,  welche  die  Vorinstanz  aufgrund  der  allgemeinen  Lage  im  Heimatland  sowie  der  persönlichen  Verhältnisse  der  Gesuchstellerin  anzweifelt.  Dazu  lassen  sich  in  der  Regel  keine  gesicherten  Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämtliche  Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2.    Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  Gewähr  für  eine  fristgerechte  Wiederausreise  können  sich  aus  der  allgemeinen  Situation  im  Herkunftsland  der  Besucherin  oder  des  Besuchers  ergeben.  Einreisegesuche  von  Bürgerinnen  und  Bürgern  aus  Staaten  bzw.  Regionen  mit  politisch  oder  wirtschaftlich  vergleichsweise  ungünstigen  Verhältnissen  können  darauf  hindeuten,  dass  die  persönliche  Interessenlage  in  solchen  Fällen  nicht  mit  dem  Ziel  und  Zweck  einer  zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht.  5.3.    Obwohl  Kenia  die  leistungsfähigste  Volkswirtschaft  in  der  ostafrikanischen Region ausweisen kann, leben trotzdem knapp 60% der  Bevölkerung  unterhalb  der  Armutsgrenze.  Ungefähr  25%  der  Bevölkerung müssen mit  weniger  als  1  US­Dollar  pro  Tag  auskommen  (Quelle:  Webseite  des  Deutschen  Auswärtigen  Amtes:  www.auswaertiges­amt.de > Länder, Reise, Sicherheit > Auswahl Kenia >  Wirtschaftspolitik,  Stand:  November  2010,  besucht  im  Juli  2011).  Geschätzte  40%  [Stand  2008]  der  arbeitsfähigen  Bevölkerung  sind  arbeitslos  (Quelle:  Webseite  der  Central  Intelligence  Agency  [CIA]:  http://www.auswaertiges-amt.de

C­7136/2010 www.cia.gov  >  The  World  Factbook  >  Auswahl  Kenya  >  Economy,  besucht  im  Juli  2011).  Entsprechend  hoch  ist  der  Anteil  jener,  die  versuchen, nach Westeuropa – unter anderem auch in die Schweiz – zu  gelangen,  um  sich  unter  günstigeren  Bedingungen  eine  (bessere)  Existenz  aufzubauen.  Diese  Tendenz  zur  Auswanderung  zeigt  sich  erfahrungsgemäss  besonders  stark  bei  jüngeren  und  ungebundenen  Personen,  die  bereits  über  ein  minimales  soziales  Beziehungsnetz  im  Ausland (Verwandte oder Freunde) verfügen.  Im Falle der Schweiz führt  dies  angesichts  der  restriktiven  Zulassungsregelung  nicht  selten  zur  Umgehung ausländerrechtlicher Bestimmungen.  5.4.    Bei  der  Risikoanalyse  sind  allerdings  nicht  nur  die  erwähnten  allgemeinen  Umstände  und  Erfahrungen,  sondern  auch  sämtliche  Gesichtspunkte  des  konkreten  Einzelfalles  zu  berücksichtigen.  Obliegt  einer  gesuchstellenden  Person  im  Heimatland  beispielsweise  eine  besondere  berufliche,  gesellschaftliche  oder  familiäre  Verantwortung,  kann  dieser  Umstand  durchaus  die  Prognose  für  eine  anstandslose  Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer  Heimat  keine  besonderen  Verpflichtungen  haben,  das  Risiko  für  ein  ausländerrechtlich  nicht  regelkonformes  Verhalten  (nach  bewilligter  Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 6.  6.1.    Bei  der  Gesuchstellerin  handelt  es  sich  um  eine  junge,  unverheiratete Frau. Sie  lebt zusammen mit  ihrer Mutter  in Eldoret. Eine  Schwester  der  Gesuchstellerin  wohnt  in  Mombasa.  Ob  in  Kenia  noch  weitere  nahe  Angehörige  leben,  kann  den  Akten  nicht  entnommen  werden.  Die  Gesuchstellerin  dürfte  in  ihrer  Heimat  zwar  familiäre  Bindungen  haben.  Eigentliche  Verpflichtungen  persönlicher  oder  familiärer  Natur,  welche  die  Prognose  einer  fristgerechten  und  anstandslosen  Wiederausreise  nach  einem  Besuchsaufenthalt  begünstigen  könnten,  wurden  aber  weder  geltend  gemacht  noch  sind  solche ersichtlich. 6.2.    Im  Zeitpunkt  des  Visumantrags  ging  die  Gesuchstellerin  keiner  Erwerbstätigkeit  nach.  Sie  studierte  an  der  Moi  Universität  in  Eldoret  "Business  Management".  Ob  sie  ihr  Studium  –  wie  im  Einspracheverfahren  vom  Beschwerdeführer  in  Aussicht  gestellt –  tatsächlich  im  Frühling  dieses  Jahres  mit  Erfolg  abgeschlossen  hat,  ist  nicht  bekannt.  Im  Weiteren  kann  den  Akten  auch  nicht  entnommen  werden,  in  welchen  wirtschaftlichen  Verhältnissen  sie  und  ihre  http://www.cia.gov

C­7136/2010 Angehörigen  leben.  Insgesamt  sind daher  auch  in  den beruflichen bzw.  wirtschaftlichen Verhältnissen  der Gesuchstellerin  keine Besonderheiten  erkennbar, welche die Gefahr eines Verbleibens  in der Schweiz bzw.  im  Schengen­Raum  über  den  deklarierten  Zeitraum  hinaus  als  unwahrscheinlich erscheinen liessen. 6.3.    Vor  dem  allgemeinen  und  persönlichen  Hintergrund  konnte  die  Vorinstanz demnach willkürfrei davon ausgehen, dass keine hinreichende  Gewähr  für  eine  fristgerechte  und  anstandslose  Wiederausreise  der  Gesuchstellerin  nach  einem  Besuchsaufenthalt  besteht.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  die  gegenteiligen  Zusicherungen  des  Beschwerdeführers nichts zu ändern. Als Gastgeber kann er mit rechtlich  verbindlicher  Wirkung  zwar  für  gewisse  finanzielle  Risiken  im  Zusammenhang  mit  dem  Besuchsaufenthalt,  nicht  aber  für  ein  bestimmtes  Tun  oder  Unterlassen  seines  Gastes  einstehen  (vgl.  in  diesem Zusammenhang BVGE 2009/27 E. 9).  6.4.  Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter  Gültigkeit  (vgl.  E.  4.5)  wurden  vom  Beschwerdeführer  nicht  geltend  gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 7.   Aus  vorstehenden Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene Verfügung  im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist  daher abzuweisen. 8.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art.  1, 2 und 3  Bst.  b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv S. 10

C­7136/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  700.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref­Nr. ZEMIS […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann Versand:

C-7136/2010 — Bundesverwaltungsgericht 26.08.2011 C-7136/2010 — Swissrulings