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Bundesverwaltungsgericht 29.09.2011 C-6902/2008

29 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,382 parole·~7 min·1

Riassunto

Reisedokumente für ausländische Personen (Übriges) | Ausstellung eines Passes für eine ausländische Person

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­6902/2008 Urteil   v om   2 9 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Jean­Daniel Dubey, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien M._______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Ausstellung eines Passes für eine ausländische Person.

C­6902/2008 Sachverhalt: A.  Die  aus  der  Volksgruppe  der  Khmer  stammende  kambodschanische  Staatsangehörige  M._______  (geb.  1969,  nachfolgend:  Beschwerdeführerin)  verliess  ihr  Heimatland  laut  eigenen  Angaben  im  März 1995 in Begleitung ihrer Mutter. In der Annahme, ihr Bruder befinde  sich in der Bundesrepublik Deutschland, reiste sie vorerst in dieses Land  ein.  Nach  Ablauf  des  dreimonatigen  Touristenvisums  gelangte  sie  schliesslich am 21. Juni 1995 unter Umgehung der Grenzkontrolle  in die  Schweiz,  wo  sie  um  Asyl  ersuchte.  Am  31.  Oktober  1996  lehnte  das  damalige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF;  heute:  Bundesamt  für  Migration  [BFM])  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  an.  Gleichzeitig  wurde  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführerin  infolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  angeordnet. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am  5. Mai 2004 erteilte  ihr der Kanton Bern eine Aufenthaltsbewilligung aus  humanitären Gründen, welche seither regelmässig verlängert wurde. B.  Nachdem sich die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit erfolglos um  ein  schweizerisches  Ersatzreisepapier  bemüht  hatte,  ersuchte  sie  am  12. August  2008  erneut  um  Ausstellung  von  Pässen  für  eine  ausländische  Person  für  sich  und  ihre  am  [...]  2005  geborenen  Zwillingstöchter  C._______  und  N._______.  Zur  Begründung  führte  sie  aus, sie und ihre Kinder möchten gerne aus persönlichen und familiären  Gründen  ab  und  zu  besuchshalber  in  die  Bundesrepublik  Deutschland  reisen.  Gemäss  schriftlicher  Bestätigung  der  kambodschanischen  Botschaft  müssten  sie  sich,  um  heimatliche  Reisepapiere  erhalten  zu  können,  persönlich  nach  Kambodscha  begeben.  Aus  finanziellen  Gründen sei ihnen dies nicht möglich.  C.  Mit  Verfügung  vom  25.  September  2008  wies  die  Vorinstanz  diese  Gesuche  ab.  Zur  Begründung wurde  ausgeführt,  gemäss  den Angaben  der  kambodschanischen  Botschaft  sei  für  die  Beschaffung  von  Pässen  eine Reise nach Kambodscha erforderlich. Den Gesuchstellerinnen sei es  somit  grundsätzlich  möglich  und  zumutbar,  (heimatliche)  Reisedokumente  zu  erhalten.  Sie  würden  daher  nicht  als  schriftenlos  gelten. 

C­6902/2008 D.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  28.  Oktober  2008  beantragt  die  Beschwerdeführerin  beim Bundesverwaltungsgericht,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  ihr  ein  Ersatzreisedokument auszustellen.  In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ersucht.  Zur  Begründung  bringt  die  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  vor,  die  Botschaft  von  Kambodscha  in  Genf  habe  ihr  mitgeteilt,  sie  könne  ihr  keinen  Reisepass  ausstellen.  Dazu  müsse  sie  sich  persönlich  beim  Passbüro des  Innenministeriums  in Kambodscha melden. Eine Reise  in  ihr Heimatland sei ihr aus finanziellen Gründen nicht möglich. Sie und ihr  Lebenspartner  könnten  zwar  seit  einigen  Jahren  vollumfänglich  für  sich  selber  aufkommen;  allerdings  reiche  das  Einkommen  immer  nur  ganz  knapp.  Im  Übrigen  sei  völlig  ungewiss,  ob  ihr  im  Heimatland  dann  tatsächlich ein Dokument ausgestellt würde.  E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  19.  Dezember  2008  gab  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Gesuch  der  Beschwerdeführerin  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wegen  Aussichtslosigkeit  der  Begehren  nicht  statt.  Die  Beschaffung  kambodschanischer  Reisepässe erweise sich in casu nicht als objektiv unmöglich. F.  Die  Vorinstanz  schliesst  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  4.  Februar  2009  auf  Abweisung  der  Beschwerde.  Der  Beschwerdeführerin  stehe  die  Möglichkeit  offen,  sich  entsprechend  den  durch  die  kambodschanische  Botschaft  vorgegebenen  Formalitäten  einen  heimatlichen  Reisepass  zu  beschaffen.  Es  obliege  ihr,  sich  bei  der  heimatlichen  Vertretung  um  Ausstellung  eines  Reiseersatzdokuments,  eines  sogenannten  "Laissez­ passer",  zu  bemühen,  welches  ihr  eine  Heimatreise  ermögliche.  Die  Beschwerdeführerin  sei  zudem  im  Besitze  eines  heimatlichen  Ledigkeitszertifikats  mit  Foto  und  verfüge  damit  über  ein  wichtiges  Dokument  zur  Identitätsabklärung.  Finanzielle  oder  technische  Gründe,  die eine Ausstellung eines heimatlichen Reisepasses verzögerten, seien  regelmässig nicht geeignet, die Schriftenlosigkeit nach Art. 7 der (damals  gültigen)  Verordnung  vom  27.  Oktober  2004  über  die  Ausstellung  von  Reisedokumenten  für  ausländische Personen  (RDV,  AS  2004  4577)  zu  begründen.

C­6902/2008 G.  Die Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet. H.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  –  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  –  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  unter  anderem  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Ausstellung  von  Reisedokumenten  für  ausländische  Personen.  Das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  endgültig  (Art.  83  Bst. c  Ziff.  6  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Gesetz  nichts  anderes bestimmt. 1.3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  legitimiert.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie,  wenn  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat,  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 

C­6902/2008 gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sach­  und  Rechtslage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3.  Am 1. März 2010 trat die neue Verordnung vom 20. Januar 2010 über die  Ausstellung von Reisedokumenten für ausländische Personen (RDV, SR  143.5)  in Kraft, welche die bisherige Verordnung vom 27. Oktober 2004  über  die  Ausstellung  von  Reisedokumenten  für  ausländische  Personen  ersetzt.  Gemäss  den  Übergangsbestimmungen  der  RDV  gilt  für  die  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  dieser  Verordnung  hängigen  Verfahren  um  Ausstellung  eines  Reisedokuments  das  neue  Recht.  Vorliegend  findet  daher  die  neue  RDV  Anwendung,  deren  hier  relevante  Bestimmungen  inhaltlich  allerdings  keine  (wesentlichen)  Änderungen  erfahren  haben  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­2848/2008  vom  17.  November 2010 E. 2 mit weiteren Hinweisen). 4.  4.1. Nach Massgabe  von  Art.  59  Abs.  2  Bst.  a  des  Ausländergesetzes  (AuG,  SR  142.20)  in  Verbindung  mit  Art. 2  Bst.  a  RDV  hat  eine  ausländische Person, die nach dem Abkommen vom 28. Juli 1951 über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  als  Flüchtling  anerkannt  wurde,  Anspruch  auf  einen  Reiseausweis  für  Flüchtlinge.  Anspruch auf einen Pass für eine ausländische Person haben nach dem  Übereinkommen  vom  28. September  1954  über  die  Rechtsstellung  der  Staatenlosen  (SR  0.142.40)  als  staatenlos  anerkannte  Personen  sowie  schriftenlose ausländische Personen mit Niederlassungsbewilligung  (Art.  59 Abs. 2 Bst. b und c AuG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 RDV).  4.2.  Fraglos  fällt  die  Beschwerdeführerin,  die  im  Besitze  einer  Jahresaufenthaltsbewilligung ist, unter keine dieser Kategorien. Sie kann  somit  keinen  Anspruch  auf  Abgabe  eines  schweizerischen  Ersatzreisepapiers  geltend  machen.  Gemäss  Art.  59  Abs.  1  AuG  in  Verbindung  mit  Art.  3  Abs.  2  RDV  kann  das  BFM  allerdings  Jahresaufenthaltern im Rahmen des freien (pflichtgemässen) Ermessens  einen  Pass  für  eine  ausländische  Person  abgeben.  Voraussetzung  ist  jedoch immer, dass diese Ausländer schriftenlos sind. 4.3.  Als  schriftenlos  gilt  eine  ausländische  Person,  die  keine  gültigen  Reisedokumente ihres Heimat­ oder Herkunftsstaates besitzt und von der  nicht verlangt werden kann, dass sie sich bei den zuständigen Behörden 

C­6902/2008 ihres  Heimat­  oder  Herkunftsstaates  um  die  Ausstellung  oder  Verlängerung eines Reisedokuments bemüht (Art. 6 Abs. 1 Bst. a RDV),  oder  für  welche  die  Beschaffung  von  Reisedokumenten  unmöglich  ist  (Art.  6  Abs. 1  Bst.  b  RDV).  Die  Schriftenlosigkeit  wird  im  Rahmen  der  Gesuchsprüfung durch das BFM festgestellt (Art. 6 Abs. 4 RDV). 4.4.  Damit  eine  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  jederzeit  möglich  bleibt,  müssen  ausländische  Personen  während  ihres  Aufenthaltes  in  der  Schweiz im Besitze eines gültigen, nach Art. 13 Abs. 1 AuG anerkannten  Ausweispapiers  sein  (PETER  UEBERSAX,  Einreise  und  Anwesenheit,  in:  Peter  Uebersax/Beat  Rudin/Thomas  Hugi  Yar/Thomas  Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  Eine  umfassende  Darstellung  der  Rechtsstellung  von  Ausländerinnen  und  Ausländern  in  der  Schweiz  –  von  A(syl)  bis  Z(ivilrecht),  2.  Auflage,  Basel  2009,  Rz.  7.284  mit  weiteren  Hinweisen;  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002,  BBl  2002  3709  ff.,  3819).  Sie  sind  verpflichtet,  Ausweispapiere  zu  beschaffen  oder  bei  deren  Beschaffung  durch  die  Behörden mitzuwirken (vgl. Art. 89 sowie Art. 90 Bst. c AuG i.V.m. Art. 8  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). 5.  5.1. Vorliegend ist demnach zu prüfen, ob die Vorinstanz hinsichtlich der  Beschwerdeführerin  zu  Recht  die  Schriftenlosigkeit  –  als  unabdingbare  Voraussetzung für die Ausstellung eines Reisedokuments – verneint hat,  indem  sie  sowohl  die  Möglichkeit  der  Beschaffung  eines  heimatlichen  Reisepasses  (vgl.  Art.  6 Abs.  1 Bst.  b RDV)  als  auch  die  Zumutbarkeit  entsprechender  Bemühungen  bei  den  zuständigen  heimatlichen  Behörden (vgl. Art. 6 Abs. 1 Bst. a RDV) als gegeben erachtete.  Die  Frage  der  Zumutbarkeit,  mithin  diejenige,  ob  die  Beschaffung  von  Reisedokumenten  bei  den  Heimatbehörden  von  den  betreffenden  Personen verlangt werden kann, ist in diesem Zusammenhang nicht nach  subjektiven,  sondern  nach  objektiven  Massstäben  zu  beurteilen  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2A.335/2006  vom  18.  Oktober  2006  E.  2.1  sowie  2A.12/2005  und  2A.13/2005  vom  25.  April  2005  E.  3.2  mit  Hinweisen). 5.2.  Namentlich  von  schutzbedürftigen  und  asylsuchenden  Personen  kann  im  Hinblick  auf  eine  potentielle  Gefährdungslage  eine  Kontaktaufnahme  mit  den  zuständigen  Behörden  des  Heimat­  oder 

C­6902/2008 Herkunftsstaates  nicht  verlangt  werden  (vgl.  Art.  6  Abs.  3  RDV).  Aus  diesen Ausführungen ist zu schliessen, dass von Personen, die – wie die  Beschwerdeführerin –  im Besitz einer Jahresaufenthaltsbewilligung sind,  eine  solche  Kontaktaufnahme  im  Hinblick  auf  die  Beschaffung  von  Reisedokumenten verlangt werden kann. Die Beschwerdeführerin erhebt  denn  auch  –  zu Recht  –  keine Einwände  gegen  eine Kontaktaufnahme  mit  den  heimatlichen  Behörden.  Sie  ist  somit  nicht  als  schriftenlos  im  Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. a RDV zu betrachten. 5.3.  Die  Beschwerdeführerin  führt  hingegen  unter  Hinweis  auf  ein  Schreiben der kambodschanischen Botschaft in Genf vom 18. April 2008  aus,  die  Auslandvertretung  könne  ihr  keinen  Reisepass  ausstellen.  Für  den Erhalt eines heimatlichen Passes sei eine persönliche Vorsprache in  Kambodscha,  beim  Passbüro  des  Innenministeriums,  nötig.  Eine  Reise  ins Heimatland sei ihr jedoch aus finanziellen Gründen nicht möglich.  Den  Akten  ist  zu  entnehmen,  dass  die  Vorinstanz  einem  früheren  Begehren der Beschwerdeführerin um Ausstellung eines schweizerischen  Ersatzreisepapiers  vom  18.  bzw.  30.  August  2004  nicht  stattgegeben  hatte  mit  der  Begründung,  gemäss  den  ihr  bekannten  Informationen  könnten  Passantragsgesuche  bei  der  (damals  zuständigen)  kambodschanischen  Botschaft  in  Frankreich  auf  schriftlichem  Weg  eingereicht werden. Aus dem entsprechenden Gesuch gehe nicht hervor,  dass ein solcher Antrag bereits gestellt oder durch die Auslandvertretung  negativ  beantwortet  worden  wäre  (vgl.  Verfügung  des  BFF  vom  1.  September 2004). Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, dass sich  die Beschwerdeführerin bisher nachhaltig und intensiv um die Ausstellung  eines  heimatlichen  Reisepapiers  bemüht  und  die  bestehenden  Möglichkeiten  ausgeschöpft  hätte.  Das  fragliche  Schreiben  der  kambodschanischen  Botschaft  in Genf  vom  18.  April  2008  bezieht  sich  denn auch lediglich auf eine schriftliche Eingabe der Beschwerdeführerin  vom  3.  April  2008,  hält  in  allgemeiner  Weise  fest,  dass  die  Auslandvertretung  nicht  befugt  sei,  einen  heimatlichen  Reisepass  auszustellen  und  verweist  schliesslich  auf  das  Passbüro  des  kambodschanischen  Innenministeriums.  Dass  derartige  Interventionen –  ohne  persönliche  Kontaktnahme mit  der  heimatlichen  Vertretung  in  der  Schweiz  –  wohl  kaum  zum  gewünschten  Ziel  führen  dürften,  ist  nachvollziehbar, dürfte doch allein schon zwecks Abklärung der  Identität  eine  persönliche  Vorsprache  unumgänglich  sein  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­3724/2010 vom 26. April  2011 E. 4.4. mit  weiteren Hinweisen). Für die Annahme einer solchen Vorsprache bei der 

C­6902/2008 Heimatvertretung ergeben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte. Die  Bemühungen  der  Beschwerdeführerin  zum  Erhalt  eines  heimatlichen  Reisepasses sind daher noch nicht vollständig erschöpft. 5.4. Der Beschwerdeführerin, die bei ihrer Ausreise aus Kambodscha im  Besitze  eines  gültigen  heimatlichen  Reisepasses  war  (vgl.  die  asylrechtlichen  Befragungsprotokolle  vom  30.  Juni  1995  und  8.  November  1995),  gelang  es  immerhin,  den  schweizerischen  Behörden  ein  am  18.  August  2004  an  ihrem  Geburtsort  ausgestelltes  Ledigkeitszertifikat  mit  Foto  vorzulegen,  womit  sie  über  ein  wichtiges  Dokument zur  Identitätsabklärung verfügt. Die Vorinstanz hat sich bereit  erklärt, das bei  ihr hinterlegte Originaldokument der Beschwerdeführerin  auf deren Verlangen hin ohne Weiteres auszuhändigen.  Sollte  für  weitere  Identitätsabklärungen  tatsächlich  eine  Reise  ins  Heimatland  erforderlich  sein,  hätte  sich  die  Beschwerdeführerin  zu  diesem Zweck bei der kambodschanischen Vertretung in der Schweiz um  Ausstellung  eines  Reiseersatzdokuments,  eines  sogenannten  "Laissez­ passer",  zu  bemühen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­8018/2008 vom 16. März 2011 E. 5.5. mit Hinweisen). Unter welchen  Bedingungen  ein  heimatliches Reisedokument  auszustellen  ist,  beurteilt  sich allein nach der Gesetzgebung des jeweiligen Staates und nicht nach  der  schweizerischen  Rechtslage.  Demnach  kann  es  nicht  Aufgabe  der  schweizerischen  Behörden  sein,  Ersatzreisepapiere  an  ausländische  Personen  abzugeben,  welche  die  formellen  Voraussetzungen  für  die  Ausstellung eines heimatlichen Reisepasses nicht zu erfüllen vermögen,  führte dies doch zu einem unzulässigen Eingriff  in die Souveränität bzw.  die  Passhoheit  des  betroffenen  Drittstaates  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­2848/2008 vom 17. November 2010 E. 6.3.  mit Hinweis). 5.5. Nach dem Gesagten erweist sich die Beschaffung eines heimatlichen  Reisedokuments – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – nicht  als objektiv unmöglich im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. b RDV. An dieser  Einschätzung  vermögen  auch  die  von  ihr  erwähnten  Hinderungsgründe  finanzieller  Art,  die  möglicherweise  zurzeit  einer  Reise  ins  Heimatland  entgegen  stehen  könnten,  nichts  zu  ändern  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­1082/2006 vom 7. Oktober 2010 E. 6.3.). 5.6.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  zum  heutigen  Zeitpunkt  keine  objektiven  Gründe  vorliegen,  aufgrund  derer  die 

C­6902/2008 Beschwerdeführerin  als  schriftenlos  im  Sinne  von  Art.  6  Abs.  1  RDV  anzusehen  wäre.  Dies  umso  weniger,  als  sich  aus  den  Akten  keinerlei  Anhaltspunkte ergeben, die allenfalls zuständigen heimatlichen Behörden  würden sich ohne zureichende Gründe – und damit willkürlich – weigern,  ihr  ein  Reisepapier  auszustellen  (vgl.  das  erwähnte  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­3724/2010 vom 26. April  2011 E. 4.7. mit  Hinweis).  Auch  die  weiteren  Ausführungen  auf  Beschwerdeebene  sind  nicht  geeignet,  zu  einer  von  der  Vorinstanz  abweichenden  rechtlichen  Würdigung zu gelangen. 6.  Die  Vorinstanz  hat  demzufolge  der  Beschwerdeführerin  zu  Recht  die  Ausstellung  eines  schweizerischen  Ersatzreisepapiers  verweigert.  Die  angefochtene Verfügung erweist  sich somit  im Lichte von Art. 49 VwVG  als rechtmässig und die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 7.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  die  unterliegende  Beschwerdeführerin  kostenpflichtig  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Die  Verfahrenskosten  sind  auf  Fr.  600.­  festzusetzen  (Art.  1  ff.  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv Seite 10

C­6902/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  am  30.  Dezember  2008  geleisteten  Kostenvorschuss gleicher Höhe verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. N [...] zurück) – die Fremdenpolizei der Stadt Biel Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand:

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