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Bundesverwaltungsgericht 30.11.2011 C-6700/2008

30 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,461 parole·~12 min·1

Riassunto

Personen des Asylrechts | Zustimmung zur Aufenthaltsregelung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­6700/2008 Urteil   v om   3 0 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf,  Richterin Ruth Beutler,  Gerichtsschreiber Julius Longauer. Parteien E._______, Beschwerdeführer,  vertreten durch lic. iur. Nicole Hohl, Advokatin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Zustimmung zur Aufenthaltsregelung  gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG.

C­6700/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer, ein 1977 geborener Angehöriger der slawischen  Muslime  (sog.  Bosniaken)  aus  der  Gegend  von  Prizren  im  heutigen  Kosovo, gelangte  im Januar 2001 in die Schweiz und ersuchte um Asyl.  Mit Verfügung vom 14. August 2001 lehnte das damalige Bundesamt für  Flüchtlinge  (BFF,  heute:  BFM)  das Asylgesuch  zwar  ab,  gewährte  dem  Beschwerdeführer  jedoch  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme. B.  Nach  einer Verbesserung  der  allgemeinen Situation  in Kosovo  hob  das  BFF die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers am 29. November  2002  wieder  auf.  Eine  dagegen  gerichtete  Beschwerde  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom  19.  Juni  2007  ab.  Daraufhin  setzte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine Frist zur Ausreise aus  der  Schweiz.  Dieser  Aufforderung  kam  der  Beschwerdeführer  mit  Duldung seines Wohnkantons Solothurn nicht nach. C.  Am 28. Juli 2008 gelangte die Migrationsbehörde des Kantons Solothurn  an  die  Vorinstanz  mit  dem  Antrag  auf  Zustimmung  zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 14 Abs. 2 des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31).  Nach  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs,  wovon  der  Beschwerdeführer mit  Eingabe  vom  15.  September  2008 Gebrauch gemacht hatte, erliess die Vorinstanz am 19. September  2008 eine abweisende Verfügung. D.  Gegen  die  vorgenannte  Verfügung  legte  der  Beschwerdeführer  am  23. Oktober  2008  Rechtsmittel  beim  Bundesverwaltungsgericht  ein  und  stellte die folgenden Rechtsbegehren: Die Verfügung der Vorinstanz vom  19.  September  2008  sei  aufzuheben  und  zur  kantonalen  Aufenthaltsregelung sei die Zustimmung zu erteilen. Eventualiter  sei die  Streitsache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. E.  In ihrer Vernehmlassung vom 15. Januar 2009 schloss die Vorinstanz auf  Abweisung der Beschwerde.

C­6700/2008 F.  Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 25. Februar 2009 an seinem  Rechtsmittel unverändert fest. G.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  25.  August  2011  gab  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  Gelegenheit  zur  Aktualisierung  des  Sachverhalts.  Von  dieser  Möglichkeit  machte  der  Beschwerdeführer am 26. September 2011 Gebrauch. H.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Zustimmung  zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  nach  Art.  14  Abs.  2  AsylG  unterliegen  der  Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 31, Art. 32 sowie Art.  33 Bst. d des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR  173.32]). 1.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet  sich  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  und  das  Asylgesetz  nichts  anderes  bestimmen (Art. 6 AsylG und Art. 37 VGG ). 1.3. Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung  zur  Beschwerde  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  seine  frist­  und  formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 49 ff. VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist 

C­6700/2008 gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2). 3.  3.1. Nach  Art.  14  Abs.  2  AsylG  kann  der  Kanton  mit  Zustimmung  des  BFM  einer  ihm  nach  dem  Asylgesetz  zugewiesenen  Person  eine  Aufenthaltsbewilligung erteilen, wenn diese Person sich seit Einreichung  des Asylgesuches mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhält (Bst. a),  ihr Aufenthaltsort den Behörden  immer bekannt war  (Bst. b) und wegen  ihrer  fortgeschrittenen  Integration  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  vorliegt  (Bst.  c). Die Regelung des Art.  14 Abs.  2 AsylG bildet  eine  Ausnahme  von  dem  in  Abs.  1  derselben  Bestimmung  verankerten  Grundsatz  der  Ausschliesslichkeit  des  Asylverfahrens,  der  die  Durchführung eines ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahrens von der  Einreichung eines Asylgesuchs bis zur Ausreise oder bis zur Anordnung  der vorläufigen Aufnahme verbietet, es sei denn es bestehe ein Anspruch  darauf.  Die  Ausnahmeregelung  des  Art.  14  Abs.  2  AsylG  kommt  unabhängig  davon  zur  Anwendung,  ob  das  Asylverfahren  noch  rechtshängig ist. 3.2.  Nach  der  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  besitzt  der  Beschwerdeführer  den  Status  einer  nicht  ausgereisten  ausländischen  Person mit negativem Asyl­ und Wegweisungsentscheid (BVGE 2009/40  E.  4.2).  Da  er  über  keinen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  verfügt,  muss  er  den  Grundsatz  der  Ausschliesslichkeit  des  Asylverfahrens  gemäss  Art.  14  Abs.  1  AsylG  gegen  sich  gelten  lassen.  Folge  ist,  dass  die  ausländerrechtliche  Regelung  seines weiteren  Aufenthaltes  in  der  Schweiz  nur  gestützt  auf  die  Ausnahmeregelung  des  Art.  14  Abs.  2  AsylG  möglich  ist.  Die  Voraussetzungen  des  Art.  14  Abs.  2  Bst.  a  und  b  AsylG  erfüllt  der  Beschwerdeführer: Denn er hält sich seit Einreichung des Asylgesuchs im  Jahr 2001 mehr als fünf Jahre in der Schweiz auf, und sein Aufenthaltsort  war  den  Behörden  immer  bekannt.  Zu  prüfen  bleibt,  ob  bei  ihm  nach  Massgabe von Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG "wegen der  fortgeschrittenen  Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt".  3.3. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts entspricht  der  unbestimmte  Rechtsbegriff  des  schwerwiegenden  persönlichen 

C­6700/2008 Härtefalls  nach  Art.  14  Abs.  2  Bst.  c  AsylG  weitgehend  dem  Härtefallbegriff  des  Art.  30  Abs.  1  Bst.  b  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20), der seinerseits auf der Vorgängerregelung des Art. 13 Bst. f der  Verordnung  vom  6. Oktober  1986  über  die  Begrenzung  der  Zahl  der  Ausländer  (BVO,  AS  1986  1791)  aufbaut.  Die  namentlich  vom  Bundesgericht  zum  Härtefallbegriff  des  Art.  13  Bst.  f  BVO  entwickelte  Rechtsprechung  ist  daher  im  Kontext  von  Art.  14  Abs.  2  Bst.  c  AsylG  weiterhin  massgebend  (vgl.  dazu  eingehend  BVGE  2009/40  E.  5  mit  Hinweisen).  4.  4.1.  In  gleicher Weise wie  im  ordentlichen Ausländerrecht  darf  auch  im  Anwendungsbereich des Asylgesetzes ein schwerwiegender persönlicher  Härtefall  nicht  leichthin angenommen werden. Erforderlich  ist,  dass sich  die  ausländische  Person  in  einer  persönlichen  Notlage  befindet.  Das  bedeutet,  dass  ihre  Lebens­  und  Existenzbedingungen,  gemessen  am  durchschnittlichen  Schicksal  von  ausländischen  Personen,  in  gesteigertem  Mass  in  Frage  gestellt  sind  bzw.  die  Verweigerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  für  sie mit  schweren Nachteilen verbunden wäre.  Entscheidend ist, ob die Aufgabe des Aufenthaltes in der Schweiz und die  Rückkehr in das Herkunftsland die Existenz der ausländischen Person in  gesteigertem  Masse  in  Frage  stellen  und  mithin  eine  besondere  Härte  darstellen  würde.  Darüber  ist  aufgrund  der  gesamten  Umstände  des  Einzelfalles  zu  befinden.  Besonders  wichtige  Wertungsgesichtspunkte  führt  beispielhaft  Art.  31  Abs.  1  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über Zulassung, Aufenthalt  und Erwerbstätigkeit  (VZAE, SR 142.201)  in  Anlehnung an die Rechtsprechung zum altrechtlichen Härtefallbegriff des  Art. 13 Bst.  f BVO auf.  Im Einzelnen werden folgende Kriterien genannt:  Die  Integration  (Bst.  a),  die  Respektierung  der  Rechtsordnung  (Bst.  b),  die Familienverhältnisse  (Bst.  c),  die  finanziellen Verhältnisse sowie der  Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung (Bst.  d), die Dauer der Anwesenheit  (Bst. e), der Gesundheitszustand  (Bst.  f)  und die Möglichkeit  für eine Wiedereingliederung  im Herkunftsland  (Bst.  g). 4.2. Die Anerkennung als Härtefall setzt nicht zwingend voraus, dass die  Anwesenheit  in  der  Schweiz  das  einzige  Mittel  zur  Verhinderung  einer  persönlichen  Notlage  darstellt.  Auf  der  anderen  Seite  genügen  eine  langdauernde Anwesenheit und die fortgeschrittene Integration sowie ein  klagloses  Verhalten  für  sich  allein  betrachtet  nicht,  um  einen 

C­6700/2008 schwerwiegenden  persönlichen  Härtefall  zu  begründen.  Vielmehr  wird  vorausgesetzt,  dass die ausländische Person so enge Beziehungen zur  Schweiz  unterhält,  dass  von  ihr  nicht  verlangt  werden  kann,  in  einem  anderen Land ­ insbesondere in ihrem Heimatstaat ­ zu leben. Berufliche,  freundschaftliche  und  nachbarschaftliche  Beziehungen,  welche  die  betroffene  Person  während  ihres  Aufenthaltes  in  der  Schweiz  knüpfen  konnte, genügen dieser Anforderung gewöhnlich nicht (vgl. BGE 130 II 39  E.  3  S.  41  f.  und  BVGE  2007/45  E.  4.2  je  mit  Hinweisen).  Immerhin  werden  bei  einer  sehr  langen  Aufenthaltsdauer  weniger  hohe  Anforderungen  an  das  Vorliegen  besonderer  Umstände,  wie  etwa  eine  überdurchschnittliche  Integration  oder  andere  Faktoren,  gestellt,  welche  die  Rückkehr  ins  Heimatland  als  ausgesprochen  schwierig  erscheinen  lassen  (vgl.  BGE  124  II  110  E.  3  S.  113;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­4306/2007  vom  11. Dezember  2009  E.  6.3). 4.3.  Allerdings  gilt  es  zu  berücksichtigen,  dass  die  ausländerrechtliche  Zulassung wegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles nicht  das  Ziel  verfolgt,  eine  ausländische  Person  gegen  die  Folgen  eines  Krieges  oder  des  Missbrauchs  staatlicher  Gewalt  zu  schützen.  Dafür  stehen die Rechtsinstitute des Asyls oder der vorläufigen Aufnahme zur  Verfügung (BGE 123 II 125 E. 3 S. 127 f.; 119  Ib 33 E. 4b S. 42  f.).  Im  Zusammenhang  mit  dem  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefall  sind  ausschliesslich  humanitäre  Gesichtspunkte  ausschlaggebend,  wobei  im  Zentrum der Überlegungen die Verankerung der ausländischen Person in  der  Schweiz  steht.  Art.  14  Abs.  2  Bst.  c  AsylG  betont  diesen Umstand  ausdrücklich,  indem  er  verlangt,  dass  der  Härtefall  gerade  wegen  der  fortgeschrittenen  Integration  in  der  Schweiz  eintritt.  Im  Rahmen  einer  Gesamtschau  sind  jedoch  gemäss  langjähriger  Praxis  auch  der  Gesundheitszustand  einer  Person  sowie  die  Möglichkeiten  einer  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  in  die  Beurteilung  einzubeziehen  (heute  sind  diese  von der Rechtsprechung entwickelten Kriterien  in Art.  31 Abs. 1 Bst.  f und g VZAE positivrechtlich verankert). Das kann nicht  losgelöst  von  den  persönlichen,  familiären  und  ökonomischen  Schwierigkeiten  geschehen,  denen  eine  ausländische  Person  in  ihrem  Heimatland ausgesetzt wäre  (vgl. BGE 123  II 125 E. 3 S. 128). Daraus  ergibt  sich  eine  gewisse  Überschneidung  von  Gründen,  die  den  Wegweisungsvollzug  betreffen,  und  solchen,  die  einen  Härtefall  (mit)begründen  können.  Dies  ist  nicht  zu  vermeiden  und  in  Kauf  zu  nehmen.

C­6700/2008 5.  Auf  der  Grundlage  der  vorstehenden  Erwägungen  stellt  sich  der  entscheidswesentliche Sachverhalt wie folgt dar: 5.1. Der Beschwerdeführer hält sich mit bald elf Jahren vergleichsweise  lange  in der Schweiz auf. Ausschlaggebende Bedeutung kommt diesem  Element jedoch nicht zu. Wohl hat das Bundesgericht in einem Urteil aus  dem  Jahr  1998  entschieden,  dass  bei  einer  ausländischen  Person,  die  sich seit zehn Jahren in der Schweiz aufhält, in der Regel vom Vorliegen  eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles auszugehen  ist,  sofern  sie  finanziell  unabhängig,  sozial  und  beruflich  gut  integriert  ist  und  sich  bis  dahin  klaglos  verhalten  hat,  vorausgesetzt,  dass  sie  die  Dauer  des  Aufenthaltes  nicht  absichtlich  durch  das  missbräuchliche  Ergreifen  von  Rechtsmitteln  verlängert  hat.  Allerdings  bezieht  sich  diese  Rechtsprechung  auf  Asylbewerber,  über  deren  Asylgesuch  nach  zehn  Jahren  immer noch nicht  befunden wurde  (vgl. BGE 124  II  110 E.  3 S.  112  f.).  Damit  wird  der  besonderen  Situation  dieser  Personenkategorie  Rechnung  getragen,  die  von  Verfahrens  wegen  gezwungen  ist,  den  Kontakt  zum Herkunftsland  abzubrechen  (BGE  123  II  125 E.  3  S.  128;  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.542/2005  vom  11.  November  2005  E.  3.2.1).  Der  Beschwerdeführer  befindet  sich  in  einer  anderen  Situation.  Über  die  asylrechtliche  Erheblichkeit  der  von  ihm  geltend  gemachten  Fluchtgründe wurde nach etwas mehr als sechs Jahren Aufenthalt am 19.  Juni  2007  rechtskräftig  befunden, worauf  er  eine Frist  zur Ausreise aus  der Schweiz erhielt. Sein Aufenthalt über die Ausreisefrist hinaus gründet  sich ausschliesslich auf die Duldung durch den Wohnkanton während der  Rechtshängigkeit  des  ausländerrechtlichen  Bewilligungsverfahrens.  Weder war der Beschwerdeführer in dieser Zeit gezwungen, den Kontakt  zu seiner Heimat abgebrochen zu halten, noch durfte er davon ausgehen,  sein Aufenthalt werde definitiv geregelt.  5.2.  Die  soziale  Integration  des  Beschwerdeführers  während  seines  Aufenthaltes muss als überdurchschnittlich bewertet werden. Den Akten  kann entnommen werden, dass er die deutsche Sprache ausgezeichnet  beherrscht,  über  einen  grossen  Bekanntenkreis  verfügt,  sich  in  der  Betriebsfeuerwehr seines Arbeitgebers sowie innerhalb eines Turnvereins  engagiert  und  in  seiner Wohngemeinde  den  Behörden  regelmässig  als  Vermittler im Umgang mit schwierigen Asylbewerbern behilflich ist. Er legt  zahlreiche  Referenzschreiben  von  Arbeitskollegen,  Bekannten  und  Freunden  ins  Recht,  die  ihn  übereinstimmend  als  freundliche,  korrekte,  zuverlässige,  kommunikative,  sehr  gut  integrierte  und  integrierende 

C­6700/2008 Persönlichkeit  mit  hoher  soziale  Kompetenz  beschreiben,  welche  es  durch  ihr  offenes  Wesen  versteht,  andere  Menschen  rasch  für  sich  einzunehmen,  unter  anderem  auch  die  Behörden  seines  Wohnkantons  und  die  behandelnden  Ärzte.  Ins  Gewicht  fällt,  dass  die  Unterstützungsschreiben  nicht  den  Eindruck  von  vorformulierten  Bestätigungen  erwecken,  sondern  echte  Anteilnahme  und  Sympathie  erkennen lassen. In dieses Bild fügt sich ein, dass der Beschwerdeführer  im  Bericht  des  Ambulatoriums  für  Folter­  und  Kriegsopfer  an  der  Psychiatrischen  Poliklinik  des  Universitätsspitals  Zürich  (nachfolgend:  Psychiatrische Poliklinik des Universitätsspitals Zürich) vom 16. Oktober  2008 als "absolut überdurchschnittlich" qualifizierte und sozialkompetente  Persönlichkeit mit grossem intellektuellen und persönlichen Potential und  einer ausgeprägten Leistungsbereitschaft bezeichnet wird, die sich in der  Schweiz  in  ausserordentlicher  Weise  habe  adaptieren  können.  Ohne  Zweifel  würde  der  Beschwerdeführer  heute  einen  Beruf  mit  akademischem  Anforderungsprofil  ausüben,  wäre  er  nicht  durch  den  Kriegsdienst  im  Kosovo­Konflikt  traumatisiert  worden  und  hätte  er  nicht  emigrieren müssen. 5.3.  In  Bezug  auf  die  Beachtung  der  Rechtsordnung  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  strafrechtlich  nicht  negativ  in  Erscheinung  getreten  ist. Gleichwohl kann sein Leumund aufgrund seines Verhaltens  im  Asylverfahren  nicht  als  makellos  bezeichnet  werde.  Dort  machte  er  geltend, er habe während des Kosovo­Krieges vom 4. April bis 13. Juni  1999  in  der  serbischen  Armee  gedient.  Praktisch  unmittelbar  nach  Beendigung der Auseinandersetzungen hätten UCK­Kämpfer von seinem  Einsatz  erfahren  und  ihm  nachgestellt.  Deshalb  sei  er  gezwungen  gewesen, sich von Juni 1999 bis zu seiner Ausreise in den umliegenden  Bergen  und  Wäldern  zu  verstecken.  Am  17.  Januar  2001  habe  er  schliesslich  seine  Heimat  verlassen  und  sich  auf  dem  Landweg  über  Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Ungarn und weitere ihm unbekannte  Länder in die Schweiz begeben, wo er am 22. Januar 2001 angekommen  sei.  Die  auf  dem  Reiseweg  liegenden  Grenzen  habe  er  jeweils  illegal  überschritten.  Der  Beschwerdeführer  versicherte,  dass  er  zuvor  nie  im  Ausland gewesen sei und dass er über keinen Reisepass verfüge. Dieser  sei ihm noch während des Kosovo­Konflikts von den Behörden entzogen  worden. An dieser Darstellung hielt  der Beschwerdeführer während des  gesamten  Asylverfahrens  und  des  Verfahrens  auf  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  unverändert  fest.  Aus  Anlass  des  ausländerrechtlichen  Bewilligungsverfahrens  im  Kanton  Solothurn  gab  der Beschwerdeführer im Juni 2008 kommentarlos seinen jugoslawischen 

C­6700/2008 Reisepass  ab.  Dem  Dokument  kann  entnommen  werden,  dass  die  französische  Vertretung  in  Mazedonien  dem  Beschwerdeführer  am  22.  November  2000  ein  Schengen­Visum  ausstellte,  das  dieser  dazu  verwendete,  am  6.  Dezember  2000  über  den  Flughafen  Stuttgart  nach  Deutschland einzureisen. Ganz offensichtlich ist er kurze Zeit später von  Deutschland  aus  in  die  Schweiz  gelangt  und  hat  hier  sein  Asylgesuch  gestellt. Den Einträgen  im Reisepass  ist  ferner zu entnehmen, dass der  Beschwerdeführer im Zeitraum vom 1. September bis 6. Dezember 2000  verschiedentlich  die  mazedonische  Grenze  passierte.  Damit  steht  fest,  dass der Beschwerdeführer, ohne sich in einer Notsituation befunden zu  haben, die schweizerischen Bestimmungen über die Einreise missachtete  und  seine  Mitwirkungspflicht  im  Asylverfahren  durch  falsche  Aussagen  zur  Verfolgungssituation  und  Flucht  vorsätzlich  und  in  grober  Weise  verletzte. 5.4. Die wirtschaftliche Integration des Beschwerdeführers  ist bestenfalls  durchschnittlich.  Er  geht  einer  geregelten  Erwerbstätigkeit  als  Kommissionierer bei einem grossen Detailhandelsunternehmen nach und  ist  in  der  Lage,  seinen  Lebensunterhalt  ohne  Inanspruchnahme  der  wirtschaftlichen  Sozialhilfe  zu  decken.  Allerdings  ist  seine  berufliche  Tätigkeit  nicht  besonders  qualifiziert.  Positiv  fällt  ins  Gewicht,  dass  der  Beschwerdeführer  als  Arbeitnehmer  sehr  geschätzt  wird  und  in  den  Jahren 2003 und 2004 erfolgreich einen Kurs als Pflegehelfer absolviert  hat. Negativ  zu vermerken  ist  dagegen, dass er erst  seit Sommer 2007  einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Zuvor  lebte er während mehr als sechs  Jahren  von  der  Sozialhilfe.  Der  Beschwerdeführer  behauptet  zwar,  er  hätte  sich  intensiv  um  eine  Anstellung  bemüht,  und  macht  für  die  Erfolglosigkeit  seinen  unsicheren  ausländerrechtlichen Status  und  seine  fehlende Berufserfahrung verantwortlich. Diese Darstellung ist jedoch mit  Blick  auf  die  zahlreichen  Gegenbeispiele  von  Personen  in  ähnlicher  Situation,  die  Ausbildung  des  Beschwerdeführers  im  unter  notorischem  Personalmangel  leidenden Pflegesektor sowie seine  im privaten Bereich  unter  Beweis  gestellte  Kontaktfreudigkeit  und  Aufgeschlossenheit  nicht  glaubhaft. Der Beschwerdeführer  ist denn auch nicht  in der Lage, seine  angeblichen  Bemühungen  zu  dokumentieren.  Die  zahlreichen  zu  den  Akten gereichten Nachweise stammen denn auch grossmehrheitlich aus  dem  Jahr  2007,  also  dem  Jahr,  als  der  Beschwerdeführer  eine  Arbeitsstelle  fand.  Dass  er  nicht  in  der  Lage  sei,  seine  früheren  Bemühungen  zu  dokumentieren,  weil  er  sich  –  wie  er  behauptet  –  nur  mündlich beworben habe, muss als Schutzbehauptung bewertet werden.  Soweit der Beschwerdeführer sodann zu behaupten scheint, er sei durch 

C­6700/2008 die  während  des  Krieges  erlittenen  psychischen  Traumata  bei  der  Stellensuche  behindert worden,  so  ist  ihm  entgegenzuhalten,  dass  sein  Vorbringen  in  der  vorgebrachten,  unsubstantiierten  Art  nicht  überzeugt.  Dies  gilt  umso  mehr,  als  sonstige  Lebensbereiche  offensichtlich  weit  weniger  in  Mitleidenschaft  gezogen  wurden.  Nur  der  Vollständigkeit  halber ist auf eine sich bei den kantonalen Akten befindliche Telefonnotiz  der  kantonalen  Migrationsbehörde  von  Juli  2007  hinzuweisen.  Danach  habe  sich  der Sozialdienst  der Wohngemeinde  dahingehend  geäussert,  dass  der  Beschwerdeführer  durchaus  schon  früher  eine  Arbeitsstelle  hätte  annehmen können. Er  habe dies  jedoch abgelehnt, weil  der  Lohn  seinen  Vorstellungen  nicht  entsprochen  habe.  Daraufhin  sei  vom  Sozialdienst  seiner  Wohngemeinde  "etwas  Druck"  aufgesetzt  worden  "und nun habe es ja geklappt". 5.5.  Zu  der  Möglichkeit  einer  Wiedereingliederung  in  Kosovo  ist  zu  bemerken,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  34  Jahren  noch  vergleichsweise  jung und familiär ungebunden  ist. Mit den Verhältnissen  in der Region, die er erst im Alter von 24 Jahren verliess, wird er bestens  vertraut  sein.  Mit  seinem  Vater  und  seinen  Geschwistern  verfügt  er  in  Kosovo  über  ein  taugliches  familiäres  Beziehungsnetz,  und  es  kann  im  Sinne  einer  Erfahrungstatsache  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  dort  über  den  familiären  Kreis  hinaus  mannigfaltige  soziale  Kontakte  unterhält,  auf  die  er  notfalls  zurückgreifen  kann.  Sodann  lässt  sich  den  Akten  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Heimat  eine  technische  Mittelschule  absolviert  hat.  Er  weist  somit  eine  überdurchschnittliche  schulische  Ausbildung  auf,  was  auch  damit  zusammenhängen mag, dass sein Vater als (immer noch aktiver) Lehrer  einer  solchen  besondere  Bedeutung  beimass.  Während  seines  Aufenthaltes  in  der  Schweiz  konnte  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Zusatzausbildung zum Pfleger, dem Erwerb von Berufserfahrung und der  Aneignung  guter  Deutschkenntnisse  weitere  wirtschaftlich  verwertbare  Qualifikationen  erwerben.  Hinzu  treten  die  disziplinierte  Grundpersönlichkeit,  die  grossen  intellektuellen  Ressourcen  und  die  ausserordentliche  Sozialkompetenz,  die  dem  Beschwerdeführer  von  verschiedener  Seite  bescheinigt  und  namentlich  im  Bericht  der  Psychiatrische  Poliklinik  des  Universitätsspitals  Zürich  vom  16. Oktober  2008  hervorgehoben  werden.  Soweit  ist  nichts  ersichtlich,  was  einer  Wiedereingliederung  in  seine  angestammte  Umgebung  unüberwindbare  Hindernisse entgegenstellen würde. Die Ausgangslage stellt sich bei ihm  vielmehr  günstiger  dar,  als  bei  vielen  anderen  Personen  aus  Kosovo.  Dass  der  Beschwerdeführer  der  ethnischen  Minderheit  der  Bosniaken 

C­6700/2008 angehört,  mag  die  Wiedereingliederung  zwar  erschweren,  ernsthaft  in  Frage  gestellt  wird  sie  dadurch  aber  nicht.  Der  Volksgruppe  der  slawischen Muslime wurde im Vergleich zu anderen Ethnien schon immer  eine  höhere  Toleranz  entgegengebracht.  Hinzu  tritt,  dass  der  Beschwerdeführer  aus  der  Gegend  von  Prizren  stammt,  dem  Hauptniederlassungsgebiet  der  Bosniaken  in  Kosovo,  das  für  seine  ethnische  Vielfalt  und  relative  Toleranz  der  einzelnen  Ethnien  untereinander bekannt ist (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D­ 1445/2007  vom  28.  Juni  2010  E.  4.2.3  und  E­7061/2006  vom  19.  Juni  2007 E. 5.1).  5.6.  5.6.1.  Schliesslich  ist  auf  die  gesundheitliche  Situation  des  Beschwerdeführers  einzugehen,  seinen  Haupteinwand  gegen  eine  Rückkehr  nach  Kosovo.  Der  Beschwerdeführer  macht  geltend,  dass  er  wegen  Kriegserlebnissen  während  des  Kosovo­Konflikts  und  persönlich  erlittener Verfolgung an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide  und  sich  deswegen  in  ärztlicher  Behandlung  befinde.  Dank  ambulanter  psychotherapeutischer  Einzelgespräche  und  Medikation  habe  sich  sein  psychischer Gesundheitszustand stabilisiert. In Kosovo sei eine adäquate  Behandlung  nicht  möglich.  Zudem  bestehe  die  Gefahr  einer  Retraumatisierung. Im Falle einer Rückkehr nach Kosovo müsse deshalb  mit  einer  Verschlechterung  seines  Gesundheitszustands  gerechnet  werden.  Zum  Beweis  reicht  der  Beschwerdeführer  diverse  ärztliche  Berichte  zu  den  Akten,  die  bei  ihm  eine  posttraumatische  Belastungsstörung  (ICD­10:  F43.1)  diagnostizieren  und  diese  auf  massive  Traumatisierung  aufgrund  seiner  ethnischen  und  religiösen  Zugehörigkeit  durch  Kriegserlebnisse  und  persönliche  Verfolgung  zurückführen  (Berichte  der  Psychiatrischen  Poliklinik  des  Universitätsspitals  Zürich  vom  16.  Oktober  2008,  des  Psychiatrischen  Ambulatoriums  Olten  vom  20.  Februar  2009  und  der  Psychiatrischen  Dienste Olten vom 11. Juli 2011). 5.6.2. Der Gesundheitszustand stellt ein Kriterium dar, das in Verbindung  mit  anderen  Elementen  zur  Anerkennung  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalls  nach  Art.  14  Abs.  2  AsylG  führen  kann.  Voraussetzung  ist,  dass  der  Betroffene  an  einer  ernsthaften  gesundheitlichen  Beeinträchtigung  leidet,  die  während  einer  langen  Zeitspanne dauernde ärztliche Behandlung oder punktuelle medizinische  Notfallmassnahmen  notwendig  macht,  welche  im  Herkunftsland  nicht  erhältlich  sind,  so  dass  eine  Ausreise  aus  der  Schweiz  die  Gefahr 

C­6700/2008 schwerwiegender  Folgen  für  seine  Gesundheit  nach  sich  zieht.  Der  Tatsache  allein,  dass  die  medizinische  Versorgung  in  der  Schweiz  höheren Standards entspricht, ist dagegen nicht relevant (BGE 128 II 200  E. 5.3 S. 209; Urteile des Bundesgerichts 2C_316/2011 vom 17. Oktober  2011 E. 3.3 und 2C_216/2009 vom 20. August 2009 E. 4.2). Doch auch  dann,  wenn  ausreichende  Behandlungsmöglichkeiten  zur  Verfügung  stehen,  kann  der  Gesundheitszustand  die  Fähigkeit  einer  Person  beeinträchtigen,  sich  im  Herkunftsland  zu  reintegrieren  und  in  diesem  Kontext  unter  gewissen  Umständen  rechtliche  Relevanz  erlangen  (vgl.  dazu  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­4306/2007  vom  11.  Dezember  2009 E.  7.3, wo  die  ohnehin  problematische Rückkehr  einer  fünfköpfigen Familie zu beurteilen war, die zusätzlich dadurch erschwert  wurde, dass die Mutter an einer rezidivierenden depressiven Störung litt).  Dass  gesundheitliche  Gründe  nicht  für  sich  allein,  sondern  nur  im  Zusammenwirken  mit  anderen  Elementen  einen  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefall  im  Sinne  von  Art.  14  Abs.  2  AsylG  begründen  können, ergibt sich einerseits aus dem Wortlaut dieser Bestimmung und  andererseits  aus  der  Tatsache,  dass  solche  Gründe  in  erster  Linie  ein  Vollzugshindernis nach Art.  83 Abs.  4 AuG darstellen. Eine Person,  die  lediglich  gesundheitliche  Gründe  vorbringen  kann,  unterscheidet  sich  nicht wesentlich von zahllosen in ihrer Heimat verbliebenen Landsleuten,  die  an  denselben  Beschwerden  leiden,  ohne  dass  sie  deswegen  eine  ausländerrechtlich privilegierte Behandlung beanspruchen könnten (Urteil  des Bundesgerichts 2A.214/2002 vom 23. August 2002 E. 3.4). 5.6.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  in  seiner  Rechtsprechung  davon  aus,  dass  Kriegstraumata  in  Kosovo  behandelt  werden  können,  auch  wenn  das  Niveau  schweizerischen  Standards  nicht  entspricht.  Gerade  Prizren,  wo  sich  eines  der  insgesamt  acht  kosovarischen  "Community Mental Health Centers" befindet, verfügt über entsprechende  Infrastruktur  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­5465/2009  vom 16. Juni 2011 E. 7.3 und D­4688/2011 vom 5. Oktober 2011 E. 3.7.1,  beide Urteile betreffen dieselbe Person). Weshalb diese  Infrastruktur  im  Falle  des  Beschwerdeführers  nicht  ausreichen  und  ihm  gerade  aus  diesem Grund schwere gesundheitliche Schäden drohen sollten, ist nicht  erkennbar.  Sein  gesundheitlicher  Zustand  hat  sich  nach  eigenen  Angaben  stabilisiert,  und  der  Bericht  der  Psychiatrischen Dienste Olten  vom 11. Juli 2011 enthält eine günstige Prognose, die unabhängig davon  zu sein scheint, ob die bisherige Behandlung fortgesetzt wird oder nicht.  Ferner ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer vor der am 14.  Oktober 2008 durchgeführten Konsultation,  die erklärtermassen von der 

C­6700/2008 heutigen  Rechtsvertreterin  mit  Blick  auf  das  ausländerrechtliche  Bewilligungsverfahrens  veranlasst  wurde  und  die  zum  Bericht  der  Psychiatrischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich vom 16. Oktober  2008  führte,  während  Jahren  keine  psychiatrische  Hilfe  in  Anspruch  nahm.  Davon  ausgenommen  ist  eine  ein  Jahr  dauernde  ambulante  Behandlung, die jedoch im Sommer 2006 abgeschlossen werden konnte.  Zur  Gefahr  einer  Retraumatisierung  durch  Rückkehr  an  den  Ort  der  belastenden Geschehnisse ist zu bemerken, dass eine Verschlechterung  des  Gesundheitszustands  in  absehbarer  Zukunft  und  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit drohen muss, soll sie im Rahmen der Härtefallprüfung  Relevanz erlangen. Die Härtefallregelung  kann und will  nicht Betroffene  von allen Wechselfällen des Lebens schützen. Der notwendige Grad der  Wahrscheinlichkeit  eines  Schadenseintritts  lässt  sich  deshalb  nicht  mit  der  Tatsache  allein  begründen,  dass  der  Betroffene  in  ein  Land  zurückkehren muss, auf dessen Gebiet er zwölf Jahre zuvor traumatisiert  wurde. 5.6.4.  Es  tritt  hinzu,  dass  die  Diagnose  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  dem  Beschwerdeführer  in  seiner  konkreten  ausländerrechtlichen  Situation  Vorteile  verspricht,  ohne  dass  seine  Aussagen  zu  den  erlittenen  traumatischen  Erlebnissen  und  zum  persönlichen  Eigenleben  verfizierbar  wären.  Seine  persönliche  Glaubwürdigkeit,  der  bei  dieser  Sachlage  zwangsläufig  gesteigerte  Bedeutung  zukommen  muss,  ist  jedoch  bereits  infolge  der  vorsätzlich  falschen  Aussagen  zur  Verfolgungssituation  und  zur  Flucht  beschädigt.  Erhebliche  Zweifel  an  seinen  Schilderungen  sind  auch  aus  anderen  Gründen  angebracht.  Dass  der  Beschwerdeführer  persönlicher  Verfolgung  ausgesetzt  gewesen  wäre,  wurde  im  Rahmen  der  beiden  rechtskräftig  abgeschlossenen  Verfahren  als  nicht  glaubhaft  bewertet  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­7061/2006  vom  19.  Juni  2007  E.  4.2).  Eine  Wiederholung  der  damaligen  Vorbringen  kann  an  dieser  Beurteilung  nichts  ändern,  zumal  der  Beschwerdeführer  offensichtlich vergass, was er im Asylverfahren vorgebracht hatte, und in  einigen  Punkten  von  seinen  ursprünglichen  Aussagen  abwich. Was  die  angeblich  traumatisierenden  Kriegserlebnisse  während  des  knapp  zweimonatigen  Aktivdienstes  in  der  jugoslawischen  Armee  angeht,  so  stehen die detailreichen Schilderungen, wie sie den ärztlichen Berichten  entnommen  werden  können,  im  erklärungsbedürftigen  Widerspruch  zur  Tatsache, dass der Beschwerdeführer im Asylverfahren und im Verfahren  auf  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  kein  Wort  darüber  verlor.  Er  wusste  nicht  mehr  zu  berichten,  als  dass  seine  Einheit,  deren 

C­6700/2008 Bezeichnung  er  nicht  nennen  konnte,  in  der  Umgebung  von  Prizren  stationiert  war.  Mit  Eingabe  vom  19.  März  2007  an  das  Bundesverwaltungsgericht  äusserte  er  sich  das  erste Mal  überhaupt  zu  diesem Thema, dies jedoch nicht durch Einlassung zur Sache, sondern in  Gestalt  eines  Antrags  auf  die  Durchführung  einer  Befragung.  Dieses  Verhalten befremdet umso mehr, als der Beschwerdeführer offensichtlich  keine  Hemmschwelle  überwinden  musste,  um  sich  den  behandelnden  Ärzten anzuvertrauen. So  lag dem Bericht der Psychiatrischen Poliklinik  des  Universitätsspitals  Zürich  vom  16.  Oktober  2008  die  Untersuchung  während einer einzigen Sprechstunde zu Grunde, wobei der berichtende  Arzt  eigens  hervorhebt,  dass  der  Beschwerdeführer  ausholend  und  detailliert  über  seine  Erlebnisse  im  Kosovo­Krieg  berichtete.  Erklärungsbedürftig  erscheint  zudem,  dass  der  Beschwerdeführer  gegenüber  den  Ärzten  über  sozialen  Rückzug  klagte,  einem  typischen  Symptom  der  posttraumatischen  Belastungsstörung,  er  sein  soziales  Leben  jedoch  offensichtlich  nicht  nur  unauffällig  gestaltet,  sondern  darüber hinaus eine besonders gelungene soziale Integration behauptet. 6.  Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich der Beschwerdeführer  zwar  recht  lange  in  der  Schweiz  aufhält  und  sozial  überdurchschnittlich  integriert  ist.  Die  anderen  Aspekte  seiner  Verankerung  in  der  Schweiz  sind  jedoch  bestenfalls  durchschnittlich.  Auf  der  anderen  Seite  ist  der  Beschwerdeführer noch jung und verfügt in seiner Heimat über familiären  und  sozialen  Rückhalt.  Zudem  kann  er  auf  eine  überdurchschnittliche  schulische  Ausbildung  zurückgreifen,  der  er  in  der  Schweiz  zusätzliche  fachliche  und  sprachliche  Qualifikationen  hinzufügen  konnte,  sowie  auf  die  ihm  bescheinigten  überdurchschnittlichen  intellektuellen  und  persönlichen  Ressourcen.  Wenn  dem  Beschwerdeführer  eine  Wiedereingliederung  in Kosovo nach elf Jahren Abwesenheit auch nicht  einfach  fallen  wird,  so  stehen  ihr  doch  keine  unüberwindbaren  Schwierigkeiten entgegen. Sollte der Beschwerdeführer schliesslich nach  seiner Rückkehr in den Kosovo überhaupt ärztlicher Betreuung bedürfen,  so steht es  ihm  frei, eine solche  in Anspruch zu nehmen. Alles  in allem  kann  im  vorliegenden  Fall  nicht  von  einem  schwerwiegenden  persönlichen Härtefall aufgrund fortgeschrittener Integration im Sinne von  Art. 14 Abs. 2 AsylG ausgegangen werden. 7.  Aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene 

C­6700/2008 zur Recht ergangen  ist  (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde  ist demzufolge  abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 9.  Das  vorliegende  Urteil  ist  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  des  Bundesgerichtsgesetzes [BGG, SR 173.110]). Dispositiv S. 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 700.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (…) – die Vorinstanz (…) – die Migrationsbehörde des Kantons Solothurn (…) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Julius Longauer

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