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Bundesverwaltungsgericht 23.12.2011 C-6240/2008

23 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,137 parole·~11 min·1

Riassunto

nach Auflösung der Familiengemeinschaft | Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­6240/2008 Urteil   v om   2 3 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richterin Ruth Beutler, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien C._______, vertreten durch lic. iur. Ueli Landtwing, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung.

C­6240/2008 Sachverhalt: A.  Der aus der Türkei  stammende Beschwerdeführer  (geb. 1979) heiratete  am  23.  September  2002  in  seinem  Heimatland  die  in  der  Schweiz  niedergelassene Landsmännin M._______ (geb. 1984). Mit Zuzugsdatum  vom  1.  Januar  2003  erhielt  er  in  der  Folge  vom  Kanton  Zug  eine  Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzuges zum Verbleib  bei seiner Ehefrau, die letztmals am 12. Dezember 2007 mit Wirkung bis  31. Dezember  2008  verlängert  wurde.  Gemäss  Darstellung  der  Vorinstanz  wurde  die  eheliche  Lebensgemeinschaft  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  seiner  Ehefrau  Ende  September  2007  faktisch  aufgegeben. Am 27. März 2008 wurde die Ehe des Beschwerdeführers in  dessen Abwesenheit in der Türkei geschieden. B.  Am  17.  Dezember  2007  ersuchte  der  Beschwerdeführer  erstmals  um  Erteilung  einer  Niederlassungsbewilligung.  Von  der  kantonalen  Migrationsbehörde  auf  die  gesetzlichen  Voraussetzungen  für  die  Erteilung einer Niederlassungsbewilligung hingewiesen, reichte er am 26.  Februar 2008 ein neues (und korrekt ausgefülltes) Gesuch um vorzeitige  Erteilung der Niederlassungsbewilligung ein.  In  seinem Begleitschreiben  vom 25. Februar 2008 wies er darauf hin, dass er mittlerweile seit mehr  als  fünf  Jahren  in  der  Schweiz  lebe.  Was  am  30.  September  2007  passiert  sei  und  zur  Trennung  geführt  habe,  könne  in  jeder  Ehe  passieren. Mit  schriftlicher  Erklärung  vom  26.  Februar  2008  zog  der  Beschwerdeführer indessen sein(e) Gesuch(e) wieder zurück. C.  Nachdem  M._______  in  einem  an  die  kantonale  Migrationsbehörde  gerichteten Telefax vom 27. Februar 2008 noch behauptet hatte, bei ihrer  Ehe  mit  dem  Beschwerdeführer  habe  es  sich  um  eine  Scheinehe  gehandelt,  distanzierte  sie  sich  im  Rahmen  einer  fremdenpolizeilichen  Befragung vom 24. April 2008 von dieser Aussage. Es habe sie verletzt,  dass  ihr  Ex­Ehemann  nicht  zum  vereinbarten  Scheidungstermin  in  die  Türkei gekommen sei.  D.  Am 21. Mai  2008  erklärte  sich  die Migrationsbehörde  des Kantons Zug  jedoch zu einer (erneuten) Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung bereit 

C­6240/2008 und  übermittelte  die  Angelegenheit  dem  BFM  mit  dem  Antrag  auf  Zustimmung.  Am  3.  Juni  2008  teilte  die  Vorinstanz  dem Beschwerdeführer mit,  dass  erwogen  werde,  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  kantonalen  Aufenthaltsbewilligung  zu  verweigern  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  anzuordnen,  und  räumte  ihm  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  ein. Mit Eingabe vom 24. Juni 2008 äusserte sich der Beschwerdeführer  zur  beabsichtigten  Zustimmungsverweigerung  und  drohenden  Wegweisung. E.  Mit  Verfügung  vom  27.  August  2008  verweigerte  das  BFM  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und wies  den  Beschwerdeführer  unter  Ansetzung  einer  Ausreisefrist  bis  zum  30.  November 2008 aus der Schweiz weg.  Zur  Begründung  führte  die  Vorinstanz  sinngemäss  aus,  der  Beschwerdeführer  sei  gemäss  den  Angaben  der  kantonalen  Behörden  Ende September 2007 aus der ehelichen Wohnung ausgezogen. Da die  eheliche  Gemeinschaft  somit  weniger  als  fünf  Jahre  bestanden  habe,  könne er gestützt auf Art. 43 des Ausländergesetzes vom 16. Dezember  2005  (AuG,  SR  142.20)  keinen  Anspruch  mehr  auf  Erteilung  der  Aufenthaltsbewilligung  geltend machen. Der Beschwerdeführer  sei  zwar  erwerbstätig,  spreche aber kaum Deutsch und aus der Ehe seien keine  gemeinsamen  Kinder  hervorgegangen.  Von  einer  besonders  engen  persönlichen Beziehung zur Schweiz könne demnach nicht ausgegangen  werden,  zumal  der  Beschwerdeführer  den weitaus  grössten  Teil  seines  Lebens  im  Heimatstaat  verbracht  und  während  der  prägenden  Jungendjahre dort gelebt habe. Eine erfolgreiche Integration im Sinne von  Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG  liege  nicht  vor.  Auch  seien  keine  wichtigen  Gründe  gemäss  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  gegeben,  welche  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich  machen  würden.  Der  Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. F.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  30.  September  2008  beantragt  der  Beschwerdeführer die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die  Erteilung  der  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  In seiner Begründung bringt der Beschwerdeführer  im Wesentlichen vor,  entgegen der Auffassung der Vorinstanz hätten er und seine Ehefrau sich 

C­6240/2008 nicht  bereits  am  30.  September  2007  getrennt.  Die  Trennung  sei  erst  Mitte  Februar  2008  –  unmittelbar  vor  der  Scheidung  –  erfolgt.  Seine  damalige Ehefrau sei für ihn überraschend in die Türkei gefahren, wo sie  eine  Scheidungsklage  eingereicht  habe.  Von  einer  Scheinehe  könne  keine  Rede  sein,  auch  wenn  es  sich  nicht  um  eine  eigentliche  "Liebesheirat",  sondern  um  eine  in  jenem  Kulturkreis  verbreitete,  arrangierte Eheschliessung zwischen  ihm und seiner Cousine gehandelt  habe.  Nachdem  er  mehr  als  fünf  Jahre  mit  seiner  Ehefrau  verheiratet  gewesen  sei  und  die  eheliche  Gemeinschaft  länger  als  fünf  Jahre  gedauert habe, bestehe gemäss Art. 43 AuG ein Anspruch auf Erteilung  der Aufenthaltsbewilligung.  G.  Mit  Zwischenverfügung  vom  9.  Oktober  2008  wurde  der  Beschwerdeführer  –  im  Rahmen  seiner  Mitwirkungspflicht  –  unter  anderem aufgefordert,  sowohl das Scheidungsurteil  vom 27. März 2008  als  auch  das  Folgeurteil  vom  9.  April  2008  betreffend  "Aufhebung  der  Wartefrist zur Wiederheirat" einzureichen.  H.  In  seiner  ergänzenden  Eingabe  vom  6.  November  2008  beteuert  der  Beschwerdeführer  nochmals,  dass  es  sich  bei  der  Eheschliessung  mit  seiner Cousine nicht um eine Scheinehe gehandelt habe, und reicht zur  Bekräftigung Fotografien seiner Hochzeitsfeier zu den Akten. Es sei  ihm  jedoch nicht möglich, die verlangten Dokumente nachzureichen, habe er  doch  von  der  Scheidung  nur  durch  telefonische  Mitteilung  von  einem  Anwalt, der ihm seitens der Familie (seiner Ehefrau) zugeteilt worden sei,  erfahren.  Beim Folgeurteil  betreffend Aufhebung  der Wartefrist  habe  es  sich  nach  türkischem Recht  um  ein  einseitiges  Verfahren  gehandelt,  in  welchem er nicht Partei gewesen sei. I.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  20.  November  2008  spricht  sich  die  Vorinstanz  für  die  Abweisung  der  Beschwerde  aus  und  hält  ergänzend  fest,  es  sei  gemäss  Mutationsmeldung  des  Amtes  für  Migration  des  Kantons  Zug  vom 1. Oktober  2007  sowie  den  protokollierten Aussagen  der Ehefrau gegenüber der kantonalen Migrationsbehörde vom 24. April  2008  erwiesen,  dass  jene  bereits  im  Oktober  2007  aus  der  ehelichen  Wohnung  ausgezogen  sei.  Eine Wiederaufnahme  der  Ehegemeinschaft  habe  danach  nicht  mehr  stattgefunden.  Von  einer  erfolgreichen  Integration  des  Beschwerdeführers  könne  mangels  ausreichender 

C­6240/2008 Beherrschung  der  deutschen  Sprache  auch  bei  aktiver  Teilnahme  am  Wirtschaftsleben nicht ausgegangen werden. J.  Mit  Replik  vom  26.  Januar  2009  hält  der  Beschwerdeführer  an  seinen  Rechtsbegehren sowie an seiner Auffassung  fest, wonach die Trennung  von seiner Ex­Ehefrau nicht vor Mitte Februar 2008 stattgefunden und die  Ehegemeinschaft  daher  länger  als  fünf  Jahre  gedauert  habe.  Bezüglich  seiner Deutschkenntnisse habe er grosse Fortschritte gemacht, besuche  er  doch  seit  Oktober  2008  mehrere  (Intensiv­)Sprachkurse  an  der  Klubschule Migros.  K.  Mit  verfahrensleitender  Verfügung  vom  8.  September  2011  lud  das  Bundesverwaltungsgericht den Beschwerdeführer ein, allfällige, seit dem  letzten  Schriftenwechsel  eingetretene  Sachverhaltsänderungen  in  das  Verfahren einzubringen. L.  In  seiner  Eingabe  vom  11.  November  2011  hält  der  Beschwerdeführer  daran fest, dass er in der Schweiz gut integriert sei. Seit seiner Einreise in  die  Schweiz  arbeite  er  im  Bereich  der  Gastronomie  und  der  Lebensmittelbranche und seit Juni 2005 bei derselben Arbeitgeberin. Zur Bekräftigung seiner Vorbringen wurden entsprechende Unterlagen zu  den Akten gereicht (Arbeitsbestätigung, Arbeitsvertrag). M.  Der weitere Inhalt der vorinstanzlichen und der beigezogenen kantonalen  Akten  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in  den  Erwägungen  Berücksichtigung finden. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer der in Art. 33 

C­6240/2008 aufgeführten  Behörden  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  Verfügungen  des  BFM,  welche  sowohl  die  Zustimmung  zur  Erteilung  bzw.  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  als  auch  die  Wegweisung  betreffen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig,  soweit  nicht  die  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  offen  steht  (vgl.  Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  und  4  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Gesetz  nichts  anderes bestimmt. 1.3.  Als  Adressat  der  Verfügung  ist  der  Beschwerdeführer  zu  deren  Anfechtung  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).   Auf  die  frist­  und  formgerechte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2 und BVGE 2007/41 E. 2). 3.  3.1. Am 1. Januar 2008 traten die neuen gesetzlichen Bestimmungen des  AuG und seine Ausführungsbestimmungen  in Kraft – unter anderem die  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201).  In  Verfahren,  die  vor  diesem  Zeitpunkt  anhängig  gemacht  wurden,  bleibt  nach  der  übergangsrechtlichen  Ordnung  des  AuG  das  alte  materielle  Recht  anwendbar, wobei es ohne Belang ist, ob das Verfahren auf Gesuch hin –  so explizit Art. 126 Abs. 1 AuG – oder von Amtes wegen eröffnet wurde  (vgl. BVGE 2008/1 E. 2).

C­6240/2008 3.2. Dem Beschwerdeführer wurde noch unter dem Geltungsbereich des  Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung  der Ausländer (ANAG, BS 1 121) eine erstmalige Aufenthaltsbewilligung  erteilt. Diese wurde ihm vom Amt für Migration des Kantons Zug letztmals  am 12. Dezember 2007 vorbehaltlos und mit Wirkung bis 31. Dezember  2008  verlängert,  obwohl  der  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art.  17  Abs.  2  ANAG  mit  der  im  September  2007  erfolgten  Trennung  erloschen  war  und  der  Verlängerungsentscheid  der  Zustimmung  durch  das  BFM  bedurft  hätte.  Ob  das  Migrationsamt,  das  die  Bewilligung  ausdrücklich  unter  Hinweis  auf die bestehende Ehe erteilt hatte, davon ausging, dass die Trennung  nicht endgültig und mit der Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft  zu rechnen war,  ist nicht bekannt. Diese Bewilligung wurde  in der Folge  nicht widerrufen und hatte demzufolge bis 31. Dezember 2008 Bestand.  Die  Bereitschaft  der  kantonalen  Migrationsbehörde,  die  Aufenthaltsbewilligung  des  Beschwerdeführers  trotz  Auflösung  der  Ehe  weiterhin  zu  verlängern,  hätte  sich  korrekterweise  auf  die  nächste  Bewilligungsverlängerung  (für  die  Periode  vom  1.  Januar  2009  bis  31.  Dezember  2009)  beziehen  müssen.  Es  rechtfertigt  sich  daher,  im  vorliegenden Verfahren neues Recht anzuwenden. 3.3. Gemäss Art. 40 AuG sind die Kantone zuständig für die Erteilung und  Verlängerung  von  Bewilligungen.  Vorbehalten  bleibt  jedoch  die  Zustimmung durch das BFM. Dessen Zustimmungserfordernis ergibt sich  im vorliegenden Fall aus Art. 99 AuG i.V.m. Art. 85 Abs. 1 Bst. a VZAE.  Letztgenannte Bestimmung wird präzisiert durch die Weisungen des BFM  im  Ausländerbereich  in  der  Fassung  vom  30.  September  2011  (online  abrufbar  unter:  www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  Rechtliche  Grundlagen > Weisungen und Kreisschreiben >  I. Ausländerbereich > 1  Verfahren  und  Zuständigkeiten).  Danach  ist  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung einer Ausländerin oder eines Ausländers nach der  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem  schweizerischen  oder  ausländischen  Ehegatten  oder  nach  dessen  Tod,  falls  die  Ausländerin  oder der Ausländer nicht aus einem Mitgliedstaat der EG oder der EFTA  stammt, dem BFM zur Zustimmung zu unterbreiten. 4.  4.1.  Gemäss  Art.  43  Abs.  1  AuG  haben  ausländische  Ehegatten  von  Personen  mit  Niederlassungsbewilligung,  wenn  sie  mit  diesem  zusammenwohnen,  Anspruch  auf  Erteilung  und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und  –  nach  einem  ordnungsgemässen  und  http://www.bfm.admin.ch

C­6240/2008 ununterbrochenen  Aufenthalt  von  fünf  Jahren  –  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Niederlassungsbewilligung  (Art.  43  Abs.  2  AuG).  Vom Erfordernis  des Zusammenwohnens kann gemäss Art.  49 AuG abgesehen werden,  wenn  für getrennte Wohnorte wichtige Gründe geltend gemacht werden  und  die  Familien­  bzw.  Ehegemeinschaft  weiter  besteht.  Als  wichtige  Gründe  können  insbesondere  berufliche  Verpflichtungen  oder  eine  vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme gelten  (vgl.  Art.  76  VZAE).  Er­hebliche  familiäre  Probleme  sind  beispielsweise  dann  gegeben,  wenn  ein  vorübergehender  Aufenthalt  in  einem  Frauenhaus  erfolgt  oder  wenn  ein  Ehegatte  zeitweise  aus  der  gemeinsamen Wohnung weggewiesen wird  (vgl. ESTHER S. AMSTUTZ  in:  Caroni/Gächter/Thurnherr  [Hrsg.],  Stämpflis  Handkommentar  zum  Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010,  Art.  49  N 25,  MARC  SPESCHA  in:  Spescha/Thür/Zünd/Bolzli  [Hrsg.],  Kommentar Migrationsrecht, 2. aktualisierte Auflage, Zürich 2009, Art. 49  AuG N 3; AMSTUTZ, a.a.O., Art. 49 N 20 f.). Entscheidend ist jedoch bei all  diesen  Gründen,  dass  die  eheliche  Gemeinschaft  weiter  besteht,  d.h.,  dass die Beziehung tatsächlich gelebt wird und die beiden Ehegatten den  Willen zur Gemeinschaft haben, an den Bestand der Ehe glauben und an  ihr festhalten (vgl. AMSTUTZ, a.a.O., Art. 49 N 29). 4.2. Nach Auflösung der Ehe oder Familiengemeinschaft – mitgemeint ist  auch die eheliche Gemeinschaft – besteht der Anspruch auf Erteilung und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  u.a.  nach  Art.  43  Abs.  1  AuG  weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat  und eine erfolgreiche Integration besteht (vgl. Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG)  oder wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt  in der  Schweiz erforderlich machen (vgl. Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG). 5.  5.1.  In  seiner Rechtsmitteleingabe  bringt  der Beschwerdeführer  vor,  die  eheliche  Gemeinschaft  habe  entgegen  der  Auffassung  der  Vorinstanz  länger  als  fünf  Jahre  gedauert,  sei  doch  die  Trennung  von  seiner  damaligen  Ehefrau  nicht  am  30.  September  2007,  sondern  erst  Mitte  Februar  2008  –  unmittelbar  vor  der  Ehescheidung  –  erfolgt.  Entsprechende schriftliche Belege  für seine Behauptung kann er  jedoch  keine vorlegen. In ihrer Vernehmlassung vom 20. November 2008 verweist die Vorinstanz  demgegenüber  auf  die  Mutationsmeldung  des  Amtes  für  Migration  des  Kantons  Zug  vom  1.  Oktober  2007,  wonach  sich  die  Eheleute  am 

C­6240/2008 30. September  2007  freiwillig  getrennt  hätten,  sowie  auf  die  protokollierten  Aussagen  von  M._______  gegenüber  der  kantonalen  Migrationsbehörde  vom  24.  April  2008.  Diese  machte  anlässlich  ihrer  Befragung  geltend,  sie  habe  im  September  2007  ihrem  Ex­Ehemann  mitgeteilt,  dass sie sich von  ihm  trennen werde. Ab Oktober 2007 habe  sie bei ihren Eltern in R._______ gelebt, derweil der Beschwerdeführer in  H._______ wohnhaft geblieben sei. Darauf  ist  in casu abzustellen, auch  wenn  der  Beschwerdeführer  die  fragliche  Mutationsmeldung  –  ohne  nähere Begründung – als unzutreffend bezeichnet.  Immerhin hatte er  in  seiner  Eingabe  an  die  kantonale  Migrationsbehörde  vom  25.  Februar  2008 noch darauf hingewiesen, nach dem (nicht näher erläuterten) Vorfall  vom  30.  September  2007  hätten  sie  sich  entschlossen,  für  eine  Weile  getrennt zu leben. 5.2.  Aufgrund  der  Aktenlage  steht  somit  fest,  dass  die  eheliche  Gemeinschaft  weniger  als  fünf  Jahre  bestanden  hat.  Der  Beschwerdeführer  hat  daher  keinen  von  der  Ehe  unabhängigen  (selbständigen)  Rechtsanspruch  auf  Erteilung  und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung bzw. Niederlassungsbewilligung im Sinne von Art.  43 Abs. 2 AuG erworben (bezogen auf die altrechtliche Regelung gemäss  Art. 17 Abs. 2 Satz 2 ANAG vgl. BGE 130 II 49 E. 2.1 S. 51, 127 II 49 E. 3  S. 51 ff., 120 Ib 6 E. 3a S. 9 ff.). 6.  6.1. Zu prüfen  ist  hingegen,  ob  der Anspruch  nach Art.  43 Abs.  1 AuG  nach Auflösung der ehelichen Hausgemeinschaft bzw. der Ehe aufgrund  von  Art. 50  Abs.  1  AuG  weiterbesteht.  Die  Vorinstanz  verneinte  dies  sowohl unter dem Aspekt von Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG als auch unter  demjenigen von Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG. 6.2. Fraglos erfüllt der Beschwerdeführer die zeitlichen Voraussetzungen  von  Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG,  hat  doch  die  eheliche  Gemeinschaft  zwischen  ihm  und  seiner  damaligen  Ehefrau  mehr  als  drei  Jahre  gedauert.  Die  Ex­Ehefrau  hatte  den Beschwerdeführer  –  offenbar  unter  dem  Druck  ihrer  Familie  in  der  Türkei  –  zwar  bezichtigt,  mit  ihr  eine  Scheinehe  eingegangen  zu  sein.  Im  Rahmen  der  erwähnten  fremdenpolizeilichen Befragung  vom 24. April  2008 distanzierte  sie  sich  jedoch  von  dieser  Behauptung  und  legte  überzeugend  dar,  welche  Gründe  sie  zu  dieser  Falschaussage  verleitet  hätten  (vgl.  Bst.  C  des  Sachverhalts).  Die  ursprünglichen  Bedenken  der  kantonalen  Migrationsbehörde hinsichtlich des Eingehens einer Scheinehe bzw. des 

C­6240/2008 rechtsmissbräuchlichen  Festhaltens  an  einer  Ehe  erwiesen  sich  als  unbegründet (vgl. Art. 51 Abs. 2 Bst. a AuG).  6.3. Selbst bei Vorliegen einer vorherigen dreijährigen Ehegemeinschaft  kann der Beschwerdeführer aus Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG nur dann einen  Anspruch auf Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung ableiten, wenn  er  sich  in  der  Schweiz  erfolgreich  integriert  hat.  Beide  Kriterien,  Fristablauf  und  Integration,  müssen  kumulativ  vorliegen,  damit  ein  Rechtsanspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  besteht  (BGE 136 II 113 E. 3.3.3). Diesbezüglich ist deshalb zu beurteilen, ob die  Umstände,  mit  denen  er  seine  soziale  und  berufliche  Eingliederung  zu  belegen bzw. glaubhaft zu machen versucht, genügen. Das  AuG  selbst  enthält  keine  Legaldefinition  des  Begriffs  Integration,  verwendet  diesen  Begriff  aber  im  Sinne  eines  gesamtgesellschaftlichen  Ziels.  Art.  4  Abs.  1  und  Abs.  2  AuG  umschreiben  dieses  Ziel  als  Zusammenleben auf der Grundlage der Werte der Bundesverfassung und  gegenseitiger Achtung und Toleranz und als Teilhabe der Ausländerinnen  und  Ausländer  am  wirtschaftlichen,  sozialen  und  kulturellen  Leben.  Nachfolgend  wird  festgehalten,  dass  diese  Ziele  den  entsprechenden  Willen  der  ausländischen  Personen  sowie  die  Offenheit  der  schweizerischen Bevölkerung  voraussetzen  (Art.  4 Abs.  3 AuG)  und  es  erforderlich  sei,  dass  sich  Ausländerinnen  und  Ausländer  mit  den  gesellschaftlichen Verhältnissen und Lebensbedingungen in der Schweiz  auseinandersetzen und  insbesondere eine Landessprache erlernen (Art.  4  Abs.  4  AuG;  vgl.  zum  Ganzen  BGE  134  II  1  E.  4.1).  Art.  4  der  Verordnung  vom  24.  Oktober  2007  über  die  Integration  von  Ausländerinnen  und  Ausländern  (VIntA,  SR 142.205)  präzisiert,  welche  Leistungen von ausländischen Personen  im Hinblick auf  ihre  Integration  erwartet  werden.  Näher  umschrieben  wird  der  Begriff  der  erfolgreichen  Integration  jedoch  in  Art.  77  Abs.  4  VZAE.  So  liegt  eine  erfolgreiche  Integration  namentlich  dann  vor, wenn  die  betreffenden Ausländerinnen  und  Ausländer  die  rechtsstaatliche  Ordnung  und  die  Werte  der  Bundesverfassung  respektieren  sowie  den  Willen  zur  Teilnahme  am  Wirtschaftsleben  und  zum  Erwerb  der  am  Wohnort  gesprochenen  Landessprache  bekunden.  Hierbei  handelt  es  sich  allerdings  um  eine  beispielhafte  Aufzählung  von  Aspekten,  die  für  eine  erfolgreiche  Integration  sprechen  können,  und  nicht  um  eine  Liste  notwendiger  Voraussetzungen.  Eine  erfolgreiche  Integration  ist  immer  vor  dem  Gesamtzusammenhang  des  Einzelfalls  zu  beurteilen  (Urteil  des  Bundesgerichts 2C_839/2010 vom 25. Februar 2011 E. 7.1.2).

C­6240/2008 Eine  erfolgreiche  Integration  wurde  in  der  Praxis  etwa  dann  verneint,  wenn  gegen  die Rechtsordnung  verstossen wurde  (vgl.  etwa Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­5185/2009  vom 10. März  2011 E.  5.1.2.),  Schulden  vorliegen  oder  (während  der  Ehe)  Sozialhilfe  in  Anspruch  genommen wurde  oder  die  erlangte  finanzielle Unabhängigkeit  erst  von  kurzer  Dauer  ist  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­ 7291/2009 vom 14. September 2010 E. 5.3., C­7214/2009 vom 18. April  2011 E. 6.3, C­4176/2009 vom 14. April 2011 E. 5.3.1.). Der  heute  32­jährige  Beschwerdeführer  geniesst  einen  unbescholtenen  Leumund  und  ist  –  soweit  aus  den  Akten  ersichtlich  –  während  seines  bald  neunjährigen  Aufenthaltes  in  der  Schweiz  nie  mit  dem  Gesetz  in  Konflikt  geraten.  Mit  Ausnahme  der  ersten  Monate,  in  denen  er  auf  Stellensuche, seine damalige Ehefrau jedoch arbeitstätig war, ist er stets  einer  Erwerbstätigkeit  nachgegangen.  Zuerst  fand  er  eine  Stelle  als  Hilfskoch  in  einem  Restaurant.  Seit  1.  Juni  2005  steht  er  in  einem  unbefristeten  Arbeitsverhältnis  als  Produktionsmitarbeiter  in  der  Firma  X._______  AG  in  H._______,  welche  Salate,  Gemüse  und  Früchte  zu  hochwertigen  Convenienceprodukten  verarbeitet  und  Grossverteiler,  Detailhandel  und Gastronomie  beliefert.  In  beiden  Funktionen wurde  er  von  seinen  Arbeitgebern,  Mitarbeitern  und  Gästen  bzw.  Kunden  geschätzt. Dank seinem regelmässigen Erwerbseinkommen war er immer  in  der  Lage,  für  seinen  Lebensunterhalt  ohne  Inanspruchnahme  der  öffentlichen Sozialhilfe aufzukommen. Damit darf er, nicht zuletzt auch in  Berücksichtigung  der  Dauer  des  Anstellungsverhältnisses  bei  seiner  letzten Arbeitgeberin, als beruflich gut integriert gelten. In seiner neuesten  Rechtsprechung  hat  das  Bundesgericht  denn  auch  festgehalten,  dass  Integration  im  Sinne  der  Teilhabe  am  wirtschaftlichen  Leben  keine  aussergewöhnliche  berufliche  Laufbahn  voraussetze.  Es  genüge,  wenn  die  betroffene  Person  selber  für  ihre  Bedürfnisse  aufkomme,  nicht  auf  Kosten  der  Sozialhilfe  lebe  und  sich  nicht  verschulde  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_427/2011  vom  26.  Oktober  2011  E.  5.3  und  2C_430/2011  vom  11.  Oktober  2011  E.  4.2).  Seine  sozialen  Kontakte  pflegt  der  Beschwerdeführer  vor  allem  über  seine  Arbeitsstelle  bei  besagter  Firma  sowie  in  seinem  privaten  Umfeld.  In  diesem  Zusammenhang weist er darauf hin, dass ein Bruder in der Stadt Zug und  eine Schwester in der Region Zofingen lebe. Insofern kann er persönliche  Beziehungen  zur  Schweiz  aufweisen.  Im  obgenannten  Urteil  2C_427/2011 E. 5.3 hat das Bundesgericht denn auch unter Hinweis auf  das  Urteil  2C_839/2010  vom  25.  Februar  2011  E. 7.1.2  explizit  festgehalten,  dass  aus  dem  Fehlen  eines  grösseren  Bekannten­  oder 

C­6240/2008 Freundeskreises allein nicht auf mangelnde Integration im Sinne von Art.  50 Abs. 1 Bst. a AuG geschlossen werden dürfe.  6.4. Die Vorinstanz vertritt jedoch die Auffassung, von einer erfolgreichen  Integration  des  Beschwerdeführers  könne  mangels  ausreichender  Beherrschung  der  deutschen  Sprache  auch  bei  aktiver  Teilnahme  am  Wirtschaftsleben nicht ausgegangen werden. Gemäss einem Testbericht  vom  11.  Februar  2008  kenne  der  Beschwerdeführer  zwar  gewisse  Ausdrücke,  sei  jedoch  nicht  fähig,  in  der  deutschen  Sprache  zu  kommunizieren. Diesbezüglich gilt  es  festzuhalten,  dass dieser Test  vor  fast  vier  Jahren  stattgefunden  hat  und  aufgrund  der  allgemeinen  Lebenserfahrung  anzunehmen  ist,  der  Beschwerdeführer  habe  in  der  Zwischenzeit  in  dieser  Hinsicht  grössere  Fortschritte  erzielt.  Aus  den  Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer, welcher bereits zu einem  früheren  Zeitpunkt  einen  Deutsch­Aufbaukurs  an  der  mewlan­ Sprachschule  in  Baar  absolviert  hatte,  ab  1.  September  2008  an  derselben  Schule  einen  Deutsch­Weiterbildungskurs  besuchte.  Gemäss  Angaben seines Rechtsvertreters (vgl. Stellungnahme vom 24. Juni 2008)  soll  er  auch  einen  einjährigen  Sprachkurs  bei  der  Klubschule  Migros  belegt  haben,  wofür  sich  aus  den  beigezogenen  kantonalen  Akten  allerdings  keine  Hinweise  ergeben.  Aufgrund  der  nachgereichten  Unterlagen  ist  hingegen  erstellt,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  22.  Oktober 2008 an besagter Klubschule während mehreren Monaten zwei  Deutsch­Intensivkurse besuchte. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz bemüht er sich daher zweifellos  auch  um  sprachliche  Integration  und  hat  damit  den Willen  zum Erwerb  der  am  Wohnort  gesprochenen  Landessprache  durch  erfolgreich  abgeschlossene  Sprachkurse  bekundet.  Damit  dürfte  er  sich  während  seines langjährigen Aufenthaltes in der Schweiz gute Grundkenntnisse in  der deutschen Sprache erworben haben, um sich im Alltag in einfachen,  routinemässigen  Situationen  mündlich  und  schriftlich  ohne  Weiteres  verständigen  zu  können. Dies  umso mehr,  als  er  bei  seiner  beruflichen  Tätigkeit offenbar die deutsche Sprache nicht sehr  intensiv benötigt und  ansonsten  –  beispielsweise  bei  speziellen  Behördengängen  –  auf  die  Hilfe seiner  in der Schweiz  lebenden Geschwister zurückgreifen könnte.  In  der  Literatur  wird  gar  die  Meinung  vertreten,  dass  selbst  fehlende  Sprachkenntnisse nicht automatisch zur Einschätzung führen dürften, die  betroffenen  Ausländerinnen  und  Ausländer  seien  nicht  oder  nur  mangelhaft  integriert. Vielmehr sei unter Berücksichtigung der konkreten  Umstände festzustellen, aus welchen Gründen die Integration noch nicht 

C­6240/2008 erfolgt  sei  und  ob  die  Betroffenen  bereit  seien,  z.  B.  Sprach­  oder  Integrationskurse  zu  besuchen  (siehe  hierzu  MARTINA  CARONI  in:  Caroni/Gächter/Thurnherr,  a.a.O.,  Art.  50  N 21;  in  diesem  Sinne  auch  MARC SPESCHA in Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, a.a.O., Art. 50 AuG N 5).  6.5.  In Berücksichtigung sämtlicher Faktoren und Besonderheiten dieses  Einzelfalls  sowie  im  Lichte  der  neuesten  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  zum  Begriff  der  erfolgreichen  Integration  von  Ausländerinnen  und  Ausländern  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_426/2011  vom  30.  November  2011  E.  3.3)  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Ergebnis,  dass  von  einer  erfolgreichen  Integration  im  Sinne  von  Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG  auszugehen  ist,  welche  dem  Beschwerdeführer  einen  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  einräumt.  Indem  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zu  einer  weiteren  Regelung  des  Anwesenheitsrechts  hierzulande  verweigert hat, erweist sich ihre Anordnung als unverhältnismässig. 7.  Aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht verletzt  (Art. 49 Bst. a VwVG). Die Beschwerde  ist  deshalb  gutzuheissen,  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  der  Verlängerung  der  kantonalen  Aufenthaltsbewilligung  ist  die  Zustimmung zu erteilen. 8.  Bei  diesem Ausgang des Verfahrens  sind dem Beschwerdeführer  keine  Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und der geleistete  Kostenvorschuss  ist  zurückzuerstatten.  Dem  obsiegenden  Beschwerdeführer  ist  gestützt  auf  Art.  64  VwVG  i.V.m.  Art.  7  ff.  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu Lasten der  Vorinstanz eine angemessene Parteientschädigung auszurichten.  Dispositiv Seite 14

C­6240/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben, und der Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung durch den Kanton Zug wird die Zustimmung erteilt. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der am 4. November 2008  geleistete Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 800.­ wird zurückerstattet. 4.  Die  Vorinstanz  hat  den  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht mit Fr. 1'800.­ (inkl. MwSt.) zu entschädigen. 5.  Dieses Urteil geht an: – den  Beschwerdeführer  (Gerichtsurkunde;  Beilage:  Formular  "Zahladresse") – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] zurück) – das Amt für Migration des Kantons Zug mit den kantonalen Akten […] Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand

C­6240/2008 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden,  sofern  die  Voraussetzungen  gemäss  den Art. 82  ff., 90  ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005  (BGG,  SR  173.110)  gegeben  sind.  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die Begehren,  deren Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-6240/2008 — Bundesverwaltungsgericht 23.12.2011 C-6240/2008 — Swissrulings