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Bundesverwaltungsgericht 07.02.2012 C-602/2009

7 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,642 parole·~18 min·1

Riassunto

Zulassung Biozidprodukte | Biozidprodukt X._______, Auflagen zur Zulassung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­602/2009 Urteil   v om   7 .   Februar   2012 Besetzung Richter Stefan Mesmer (Vorsitz), Richter Beat Weber,  Richter Francesco Parrino, Gerichtsschreiber Jürg Steiger. Parteien A._______AG, Beschwerdeführerin, gegen Anmeldestelle Chemikalien, Bundesamt für Gesundheit,  3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Biozidprodukte, Auflagen zur Zulassung (Kennzeichnung)

C­602/2009 Sachverhalt: A.  Am  16.  Oktober  2008  ersuchte  die  A._______AG  (im  Folgenden:  Beschwerdeführerin)  um  Zulassung  ZN  für  ein  Biozidprodukt  mit  dem  Namen  "X._______".  Sie  machte  geltend,  aus  den  beigelegten  Unterlagen ergebe sich, dass alle Bedingungen für eine solche Zulassung  gemäss  der  Verordnung  vom  18.  Mai  2005  über  das  Inverkehrbringen  von  und  den  Umgang  mit  Biozidprodukten  (Biozidprodukteverordnung,  VBP,  SR  813.12)  erfüllt  seien.  Der  "X._______"  diene  der  Desinfektion  und  temporären  bakteriziden  Ausstattung  von  textilen  Flächen während  des  Waschvorgangs.  Er  werde  zusammen  mit  der  Wäsche  in  die  Waschtrommel  gegeben  und  nach  dem Waschen  wieder  entfernt.  Das  Produkt  sei  nach  den  Richtlinien  der  Europäischen  Union  (EU)  nicht  kennzeichnungspflichtig, da bei der Anwendung gefährliche  Inhaltsstoffe  nur in unbedenklichen Mengen freigesetzt würden. B.  Nach  der  Einholung  eines  Berichts  der  Beurteilungsstelle  des  Bundesamts  für  Umwelt  (BAFU)  erliess  die  Anmeldestelle  Chemikalien  des Bundesamtes für Gesundheit (BAG;  im Folgenden auch: Vorinstanz) am  17.  Dezember  2008  eine  anfechtbare  Verfügung.  Darin  hiess  sie  das  Gesuch  um  Zulassung  ZN  des  Biozidprodukts  "X._______"  gut.  Die  Zulassung wurde  jedoch  im Wesentlichen nur  unter  folgenden Auflagen  erteilt (Ziff. 1.3 der Verfügung): Das Produkt sei mit dem Gefahrensymbol  N  (umweltgefährlich)  und  den  R­Sätzen  51/53  ("giftig  für  Wasserorganismen,  kann  in  Gewässern  längerfristig  schädliche  Wirkungen  haben")  und  dem  S­Satz  2  ("darf  nicht  in  die  Hände  von  Kindern gelangen") zu kennzeichnen. Im Weiteren sei der auf der Etikette  enthaltene  Satz  "enthält  keine  humantoxischen  Substanzen  und  keine  gesundheitlichen  Risiken"  irreführend  und  werde  deshalb  nicht  zugelassen.  Zur  Begründung  ihrer  Verfügung  legte  das  BAG  dar,  die  Zulassung des Biozidprodukts "X._______" werde gestützt auf Art. 7 Bst.  a Ziff. 3 VBP und Art. 13 VBP erteilt. Die Einstufung des Biozidprodukts  beruhe  auf  den  Stoffangaben  der  Beschwerdeführerin  oder  Erkenntnissen  der  Behörde,  soweit  die  Einstufung  nicht  durch  offiziell  eingestufte  Inhaltsstoffe bestimmt werde.  Im Weiteren verwies das BAG  auf Art.  35 VBP bzw. Art. 8­14  der Verordnung  vom 18. Mai  2005 über  den  Schutz  vor  gefährlichen  Stoffen  und  Zubereitungen 

C­602/2009 (Chemikalienverordnung,  ChemV,  SR 813.11).  Daraus  ergebe  sich  die  auferlegte Kennzeichnungspflicht. C.  Am 29. Januar 2009 reichte die Beschwerdeführerin gegen die Verfügung  des  BAG  vom  17.  Dezember  2008  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht ein mit den folgenden Anträgen:  1. Ziffer  1.3  der  Verfügung  der  Beschwerdebeklagten  vom  17.  Dezember  2008  sei  aufzuheben; insbesondere sei  a. die  Kennzeichnungspflicht  des  X._______­Waschballs  («X._______»)  mit  dem Gefahrensymbol N (umweltgefährlich) sowie den R­Sätzen 51/53 (giftig  für Wasserorganismen; kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkung  haben)  und dem S­Satz  2  (darf  nicht  in  die Hände  von Kindern gelangen)  aufzuheben; b. der  Satz  «Enthält  keine  humantoxischen  Substanzen  und  keine  gesundheitlichen Risiken» sei zuzulassen. 2. Das vorliegende Beschwerdeverfahren sei mit dem Beschwerdeverfahren Geschäfts­ Nr. C­1628/2008 zu vereinigen.  3. Unter Kosten­ und Entschädigungsfolge." Zur  Begründung  ihrer  Beschwerde  bringt  die  Beschwerdeführerin  zunächst  vor,  die  Verfügung  des  BAG  vom  17.  Dezember  2008  sei  ungenügend  begründet.  Die  angefochtene  Kennzeichnungspflicht  sei  deshalb  bereits  aus  formellen  Gründen  aufzuheben.  Zum  Materiellen  führt  die Beschwerdeführerin  im Wesentlichen aus, der  "X._______"  sei  ein  Waschball,  der  silberchloridhaltige  Fasern  enthalte.  Dieser  werde  beim Waschen als Zusatz in die Waschmaschine gegeben. Während des  Waschvorgangs  gebe  er  kontinuierlich  Silberchlorid  ab.  Dies  habe  eine  antimikrobielle  Wirkung.  In  Deutschland  sei  der  Waschball  bei  der  Bundesanstalt  für  Arbeitsschutz  und  Arbeitsmedizin  als  Biozidprodukt  registriert.  Er  werde  im  ganzen  EU­Raum  ohne  Zulassung,  nur  mit  Registration,  vertrieben.  Eine  besondere  Kennzeichnung  sei  nicht  vorgeschrieben.  Gemäss  Art.  13  VBP  werde  die  Zulassung  oder  Registrierung in einem EU­Mitgliedstaat  in der Schweiz anerkannt, wenn  keine Anhaltspunkte dafür vorlägen, dass das Produkt nicht auch  in der  Schweiz  zugelassen  oder  registriert  werden  könnte.  Das  BAG  bringe  keine Gründe  vor,  weshalb  der  "X._______"  nicht  auch  in  der  Schweiz 

C­602/2009 ohne  besondere  Kennzeichnungen  zugelassen  werden  könne  und  verstosse  so  gegen  den  Grundsatz  der  Anerkennung  ausländischer  Zulassungen und Registrierungen gemäss Art. 12 VBP. Die  im "X._______" enthaltene Wirksubstanz Silberchlorid sei auf keiner  der  Gefahrstoff­Tabellen  der  Richtlinien  1999/45/EG  und  2006/8/EG  aufgeführt.  Für  Silberchlorid  bestehe  deshalb  von  vornherein  keine  Kennzeichnungspflicht.  Im Weiteren  seien  gemäss  den  genannten  EU­ Richtlinien  mit  dem  Gefahrensymbol  N  und  den  R­Sätzen  51/53  nur  Schadstoff­Konzentrationswerte  von  über  2,5%  zu  kennzeichnen.  Dies  sei  vorliegend  ebenfalls  nicht  erfüllt.  Gemäss  der  angefochtenen  Verfügung des BAG liege eine Konzentration des Silberchlorids von bloss  1,2 Gramm (g) pro 100 g vor. Entgegen der Ansicht des BAG habe sie im  Übrigen eine Selbstkontrolle im Sinn von Art. 7 ChemV durchgeführt bzw.  durch  die  Ostthüringische  Materialprüfgesellschaft  durchführen  lassen.  Aus  deren  Tests  habe  sich  ergeben,  dass  vom  "X._______"  keine  Umweltgefährdung ausgehe. Das BAG sei nicht in der Lage, auch nur ein  rechtlich  relevantes  Dokument  vorzulegen,  das  Silberchlorid  als  Gefahrstoff  aufführe.  Die  vom BAG  vertretene Methode,  die Wirkungen  von  Silberchlorid  mit  denjenigen  anderer  Silberverbindungen,  wie  etwa  Silbernitrat, gleichzusetzen, sei wissenschaftlich unhaltbar. D.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  6.  März  2009  schliesst  das  BAG  auf  Abweisung  der  Beschwerde  unter  Kostenfolge  zulasten  der  Beschwerdeführerin.  Das  BAG  bringt  im  Wesentlichen  vor,  die  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  sei  zwar  knapp  ausgefallen.  Es sei indessen zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin bereits  bei der Gesuchseinreichung professionell vertreten gewesen sei. Im Weiteren habe die Beschwerdeführerin kein Gesuch um Anerkennung  einer  in  einem  Mitgliedstaat  der  EU  erteilten  Zulassung  gestellt.  Im  Übrigen  seien  in  Deutschland  Biozidprodukte  bis  zur  Evaluation  der  in  ihnen  enthaltenen  Wirkstoffe  durch  die  EU  ohne  Zulassung  vorläufig  verkehrsfähig.  Die  Beschwerdeführerin  könne  aus  dieser  vorläufigen  Verkehrsfähigkeit  nichts  zu  ihren  Gunsten  ableiten;  zudem  sei  die  Verkehrsfähigkeit  von Biozidprodukten vor der Evaluation der Wirkstoffe  in jedem Mitgliedstaat autonom geregelt. Entgegen  der  Ansicht  der  Beschwerdeführerin  müsse  der  im  vorliegenden  Biozidprodukt  enthaltene  Wirkstoff  Silberchlorid  als 

C­602/2009 umweltgefährlich  eingestuft  werden.  Im  Fall  von  Silber  lägen  für  gut  lösliche  Silberverbindungen  (z.B.  Silbernitrat)  zahlreiche  Primär­  und  Sekundärliteraturdaten vor. Zur Beurteilung der Toxizität von Silber­Ionen  aus  Silberchlorid  könne  durchaus  ein  Vergleich  mit  Silbernitrat  vorgenommen  werden.  Daran  könne  auch  der  Umstand  nichts  ändern,  dass  auf  dem  Sicherheitsdatenblatt  für  Silberchlorid  eines  namhaften  schweizerischen  Chemikalienhändlers  offenbar  keine  R­  und  S­Sätze  aufgeführt seien. Sicherheitsdatenblätter stellten keine rechtsverbindliche  Grundlage für die Einstufung eines Stoffs dar. Der  von  der  Beschwerdeführerin  eingereichte  Prüfbericht  der  Ostthüringischen Materialprüfgesellschaft habe die Silberfreisetzung beim  Waschprozess  untersucht.  Die  Resultate  dieser  Untersuchung  hätten  Bedeutung  für  die  Risikobeurteilung  des  Biozidprodukts.  Sie  hätten  jedoch  keine  Relevanz  für  dessen  Einstufung  und  Kennzeichnung.  Die  Einstufung von Stoffen und Zubereitungen habe gemäss den Richtlinien  1999/45/EG  und  67/548/EWG  ausschliesslich  aufgrund  ihrer  inhärenten  toxischen und ökotoxischen Eigenschaften (Gefahr, "hazard") zu erfolgen  und nicht aufgrund des Risikos ("risk"), welches von der Verwendung der  Stoffe  ausgehe.  Die  Beschwerdeführerin  sei  ihrer  Verpflichtung  zur  Selbstkontrolle vor dem Inverkehrbringen des "X._______" deshalb nicht  ausreichend  nachgekommen.  Sie  habe  in  ihrem Gesuch  um Zulassung  ZN keinerlei Angaben zur Umweltgefährlichkeit von Silberchlorid gemacht.  Im Weiteren sei die Richtlinie 1999/45/EG durch die Richtlinie 2006/8/EG  geändert  worden.  Letztere  sehe  wesentlich  tiefere  Konzentrationsgrenzwerte vor. E.  Auf  Aufforderung  des  Bundesverwaltungsgerichts  reichte  die  Beschwerdeführerin am 20. April 2009 eine Replik ein. Sie hielt an ihren  Rechtsbegehren  Nr.  1  und  3  fest.  Ihren  Antrag  Nr.  2,  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  mit  dem  Verfahren  C­1628/2008  zu  vereinigen,  liess  sie  jedoch  fallen.  Diesen  Verfahrensantrag  hat  sie  damit  zurückgezogen. Die Beschwerdeführerin legt zudem insbesondere dar, entscheidend sei,  dass  auch  in  der  Richtlinie  2006/8/EG  Silberchlorid  nicht  als  umweltgefährlicher  Stoff  aufgeführt  sei.  Die  vom  BAG  vorgenommene  Einstufung  von  Silberchlorid  entbehre  somit  jeder  gesetzlichen  Grundlage.  Im Weiteren sei der vom BAG vorgenommene Vergleich der  Toxizität  von Silberchlorid mit derjenigen von Silbernitrat  völlig abwegig. 

C­602/2009 Das  BAG  könne  kein  einziges Dokument  vorlegen,  das  die  behauptete  Toxizität  von  Silberchlorid  belege.  Im  Weiteren  sei  ihr  auch  kein  Chemikalienkatalog  bekannt,  in  dem  Silberchlorid  mit  dem  Gefahrensymbol N und den R­Sätzen 50/53 gekennzeichnet sei. F.  Am 22. Juni 2009 reichte das BAG eine Duplik ein. Darin hält sie an ihren  Standpunkten  fest.  Zudem  führt  sie  insbesondere  aus,  die  Richtlinien  1999/45/EG und 2006/8/EG  legten  fest, wie die Einstufung, Verpackung  und Kennzeichnung von gefährlichen Zubereitungen zu erfolgen habe. In  den  genannten  Richtlinien  würden  indessen  keine  Einstufungen  von  umweltgefährlichen  Stoffen  vorgenommen.  Im  Weiteren  gebe  es  zwar  nicht  viele  Studien  zur  Ökotoxizität  von  Silberchlorid.  Die  wenigen  vorhandenen  Studien  belegten  indessen  die  hohe  Umweltgefährlichkeit  von Silberchlorid. G.  Mit  Verfügung  vom  29.  Juni  2009  wurde  der  Schriftenwechsel  geschlossen. H.  Auf  die  Eingaben  der  Parteien  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  im  Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Teilweise  angefochten  ist  die  Verfügung  des  BAG  vom  17.  Dezember  2008,  mit  welcher  das  Gesuch  der  Beschwerdeführerin  um  Zulassung  des  Produkts  "X._______"  nur  unter  bestimmten  Auflagen  (Kennzeichnungen) gutgeheissen worden ist. 1.1. Gemäss  Art.  31  des  Bundesgesetzes  vom  17. Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Zu  den  anfechtbaren  Verfügungen  gehören  jene  des  BAG  bzw.  der  Anmeldestelle  Chemikalien  in  Anwendung  der  ChemV  und  der  VBP,  zumal es sich dabei um Behörden der Bundesverwaltung handelt (Art. 33 

C­602/2009 Bst.  d  VGG).  Eine  Ausnahme,  was  das  Sachgebiet  angeht,  ist  in  casu  nicht gegeben (Art. 32 VGG). Soweit das VGG nichts anderes bestimmt,  richtet sich gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG. 1.2. Gemäss Art.  48 Abs.  1 VwVG  ist  zur Beschwerdeführung  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  legitimiert,  wer  vor  der  Vorinstanz  am  Verfahren  teilgenommen  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder  Änderung  hat.  Als  Gesuchstellerin  hat  die  Beschwerdeführerin am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen. Sie ist  als  Adressatin  durch  die  in  der  angefochtene  Verfügung  angeordneten  Auflagen  ohne  Zweifel  besonders  berührt  und  hat  an  deren  Aufhebung  bzw.  Abänderung  ein  schutzwürdiges  Interesse.  Nach  Bezahlung  des  Kostenvorschusses  ist  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde daher einzutreten. 1.3.  1.3.1. Das Bundesverwaltungsgericht  kann  die  angefochtene Verfügung  vom 17. Dezember 2008 grundsätzlich in vollem Umfang überprüfen. Die  Beschwerdeführerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49  Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des  rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der  Unangemessenheit  erheben  (Art.  49  Bst.  c  VwVG;  vgl.  ANDRÉ MOSER/  MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.149). 1.3.2.  Nach  der  Rechtsprechung  hat  indessen  auch  eine  Rechtsmittelbehörde,  der  volle  Kognition  zusteht,  in  Ermessensfragen  einen  Entscheidungsspielraum  der  Vorinstanz  zu  respektieren.  Sie  hat  eine  unangemessene  Entscheidung  zu  korrigieren,  kann  aber  der  Vorinstanz  die  Wahl  unter  mehreren  angemessenen  Lösungen  überlassen  (BGE  133  II  35  E.  3).  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  daher nur den Entscheid der unteren Instanz zu überprüfen und sich nicht  an deren Stelle zu setzen (vgl. BGE 126 V 75 E. 6). Insbesondere dann,  wenn  die  Ermessensausübung,  die  Anwendung  unbestimmter  Rechtsbegriffe  oder  die  Sachverhaltswürdigung  hoch  stehende,  spezialisierte  technische oder wissenschaftliche Kenntnisse erfordert,  ist  eine  Zurückhaltung  des  Gerichts  bei  der  Überprüfung  vorinstanzlicher  Bewertungen angezeigt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3, BGE 133 II 35 E. 3,  BGE  131  II  680  E.  2.3.2,  BGE  130  II  449  E. 4.1,  BGE  128  V  159  E.  3b/cc).  Es  stellt  daher  keine  unzulässige  Kognitionsbeschränkung  dar, 

C­602/2009 wenn das Gericht – das nicht als Fachgericht ausgestaltet ist – nicht ohne  Not  von  der  Auffassung  der  Vorinstanz  abweicht,  soweit  es  um  die  Beurteilung  technischer,  wirtschaftlicher  oder  wissenschaftlicher  Spezialfragen  geht,  in  denen  die  Vorinstanz  über  ein  besonderes  Fachwissen verfügt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3, BGE 133 II 35 E. 3 mit  Hinweisen;  siehe  zum  Ganzen  auch  YVO  HANGARTNER,  Behördenrechtliche  Kognitionsbeschränkungen  in  der  Verwaltungsrechtspflege,  in:  Benoit  Bovay/Minh  Son  Nguyen  [Hrsg.],  Mélanges  en  l'honneur  de  Pierre  Moor,  Bern  2005,  S.  326  f.;  RETO  FELLER/MARKUS  MÜLLER,  Die  Prüfungszuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  –  Probleme  der  praktischen  Umsetzung,  in:  Schweizerisches  Zentralblatt  für  Staats­  und  Verwaltungsrecht  [ZBl]  110/2009 S. 442 ff.; zum Ganzen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  C­3453/2009 vom 10. Dezember 2010 E. 3.5). 1.4.  1.4.1. Nach  den  allgemeinen  intertemporalrechtlichen Grundsätzen  (vgl.  etwa  BGE  125  II  591  E. 5e/aa  mit  weiteren  Hinweisen)  ist  die  Rechtmässigkeit  einer  Verfügung  in  der  Regel  nach  der  (materiellen)  Rechtslage  zur  Zeit  ihres  Erlasses  zu  beurteilen;  nachher  eingetretene  Rechtsänderungen  müssen  unberücksichtigt  bleiben  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­5926/2008  vom  1. September  2011  E.  2.4).  Eine  Ausnahme  zum  genannten  Grundsatz  ist  nach  der  Rechtsprechung des Bundesgerichts jedoch dann zu machen, wenn sich  die Anwendung des neuen Rechts aus  zwingenden Gründen,  vor  allem  um der öffentlichen Ordnung willen, aufdrängt (Urteil des Bundesgerichts  2A.450/2002  vom 4.  Juli  2003 E. 2.1), wie das  insbesondere bei  neuen  Bestimmungen  im Bereich des Umweltschutzes der Fall sei (BGE 127 II  306 E. 7c, 122 II 26 E. 2; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Auflage,  Zürich/St.  Gallen  2010,  Rz.  326). Im Weiteren sind Verfahrensvorschriften grundsätzlich mit dem Tag  des  Inkrafttretens  anwendbar  (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  327a). 1.4.2. Sowohl die ChemV als auch die VBP wurden seit dem Erlass der  Verfügung  des  BAG  vom  17.  Dezember  2008  mehrfach  abgeändert.  Hinsichtlich  der  vorliegend  relevanten Bestimmungen mit Bezug  auf  die  Zulassung  von  Biozidprodukten  und  deren  Auflagen  enthalten  die  genannten  Verordnungen  keine  Übergangsregelungen.  Die  Frage  des  anwendbaren  Rechts  ist  deshalb  nach  den  allgemeinen  Prinzipien  (E.  1.4.1 hiervor) zu entscheiden. Da es sich bei der ChemV und der VBP um 

C­602/2009 Ausführungsbestimmungen  sowohl  zum  Bundesgesetz  vom  15.  Dezember  2000  über  den  Schutz  vor  gefährlichen  Stoffen  und  Zubereitungen  (Chemikaliengesetz,  ChemG,  SR  813.1)  als  auch  zum  Bundesgesetz  vom  7. Oktober  1983  über  den  Umweltschutz  (Umweltschutzgesetz,  USG,  SR  814.01)  handelt,  und  mit  den  betreffenden  Änderungen  eine  Verbesserung  des  Schutzes  der  Gesundheit  des  Menschen  und  der  Umwelt  vor  gefährlichen  Stoffen  angestrebt worden  ist,  liegen –  im Einklang mit der bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  (vgl.  E. 1.4.1  hiervor)  –  zwingende  Gründe  für  eine  sofortige  Anwendung  des  neuen Rechts  vor.  Auf  den  vorliegenden  Fall  sind  deshalb  materiell  die  im  Urteilszeitpunkt  geltenden  Normen  der  ChemV und der VBP anwendbar. 1.5. Die  Beschwerdeführerin macht  geltend,  die  teilweise  angefochtene  Verfügung  sei  bezüglich  der  angeordneten  Auflagen  ungenügend  begründet.  Damit  macht  sie  eine  Verletzung  ihres  Anspruchs  auf  rechtliches Gehör geltend. 1.5.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich aus Art. 29 Abs. 2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101).  Er  umfasst  eine  Anzahl  verschiedener  verfassungsrechtlicher  Verfahrensgarantien  (vgl.  zum  Ganzen  auch  HÄFELIN/ MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  1672  ff.).  Zunächst  gehört  dazu  das  Recht  auf  vorgängige  Äusserung  und  Anhörung,  welches  den  Betroffenen  einen  Einfluss  auf  die  Ermittlung  des  wesentlichen  Sachverhalts sichert. Dabei kommt der von einem Verfahren betroffenen  Person  der  Anspruch  zu,  sich  vorgängig  einer  behördlichen  Anordnung  zu  allen  wesentlichen  Punkten,  welche  die  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  betreffen,  zu  äussern  und  von  der  betreffenden Behörde alle dazu notwendigen  Informationen  zu erhalten.  Des Weiteren  leitet sich aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs die  Pflicht der Behörden ab, alle vorgebrachten rechtserheblichen Anträge zu  prüfen  (Urteil  des Bundesgerichts 5A.15/2002 vom 27. September 2002  E.  3.2)  und  ihre Entscheide  zu begründen  (BGE 123  I  31 E.  2c; BVGE  2007/21 E. 10.2; vgl. ferner Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines  Entscheids  muss  so  abgefasst  sein,  dass  die  betroffene  Person  ihn  sachgerecht anfechten kann. Dies  ist nur möglich, wenn sowohl sie wie  auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein  Bild  machen  können.  In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden,  von  denen  sich  die  Behörde  leiten  liess  und  auf  welche  sie  ihren 

C­602/2009 Entscheid  stützt.  Sie  kann  sich  dabei  auf  die  für  den  Entscheid  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  (Urteil  des  Bundesgerichts  1C_436/2009 vom 3. Februar 2010 E. 3.2; BGE 133 III 439 E. 3.3, 129 I  232  E.  3.2,  126 I  97  E.  2b;  BVGE  2009/60  E.  2.2.2;  vgl.  auch  LORENZ  KNEUBÜHLER, Die Begründungspflicht, Bern 1998, S. 22 ff.). Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  ist  formeller  Natur.  Dessen  Verletzung führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der  Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung  (BGE 127 V  431 E. 3d/aa, BGE 126  I  19 E. 2d/bb). Nach der Rechtsprechung kann  eine Verletzung des rechtlichen Gehörs aber als geheilt gelten, wenn die  unterbliebene  Gehörsgewährung  (also  z.B.  auch  die  fehlende  Begründung) in einem Rechtsmittelverfahren nachgeholt wird, in dem die  Beschwerdeinstanz  mit  der  gleichen  Prüfungsbefugnis  entscheidet  wie  die untere Instanz. Die Heilung ist aber ausgeschlossen, wenn es sich um  eine  besonders  schwerwiegende  Verletzung  der  Parteirechte  handelt;  zudem darf den Beschwerdeführenden kein Nachteil erwachsen und die  Heilung soll die Ausnahme bleiben (vgl. BGE 129 I 129 E. 2.2.3, BGE 126  V 130 E. 2b, BGE 126 I 68 E. 2; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts  C­3132/2008 vom 17. August 2010 E. 3.2, C­4260/2007 vom 5. Oktober  2009 E. 6.4.3). 1.5.2.  Vorliegend  enthält  die  angefochtene  Verfügung  des  BAG  vom  17. Dezember  2008  zur Begründung der Auflagen nur  den Hinweis,  die  Einstufung  des  Biozidprodukts  beruhe  auf  den  Stoffangaben  der  Beschwerdeführerin  oder  Kenntnissen  der  Behörde,  soweit  die  Einstufung nicht  durch offiziell  eingestufte  Inhaltsstoffe  bestimmt  sei.  Im  Weiteren verweist das BAG auf Art. 35 VBP sowie Art. 8 bis 14 ChemV.  Daraus  ergebe  sich  die  verfügte  Kennzeichnungspflicht.  Aus  der  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  geht  indessen  nicht  hervor,  welche  Stoffangaben  der  Beschwerdeführerin  als massgebend  erachtet  worden sind, von welchen eigenen Kenntnissen sich das BAG leiten liess  und  welche  Inhaltsstoffe  offiziell  eingestuft  sind.  Im Weiteren  enthalten  die  angegebenen  Rechtsgrundlagen  bezüglich  der  Einstufung  von  Biozidprodukten im Wesentlichen lediglich Verweise auf die ChemV (vgl.  Art. 35 VBP) bzw. auf europäische Richtlinien (vgl. Art. 8 bis 14 ChemV).  Aus  der  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  sind  demnach  die  Überlegungen, von denen sich das BAG bei der Verfügung ihrer Auflagen  (Kennzeichnung)  leiten  liess,  nicht  oder  zumindest  nur  ungenügend  ersichtlich. Die Vorinstanz hat damit ihre Begründungspflicht verletzt. 

C­602/2009 Das  BAG  hat  jedoch  in  ihrer  Vernehmlassung  die  Begründung  für  die  verfügten Auflagen  nachgeholt. Durch  den  zweifachen Schriftenwechsel  erhielt  die Beschwerdeführerin  zudem ausreichend Gelegenheit,  zu  den  Ausführungen der Vorinstanz Stellung zu nehmen. Angesichts der vollen  Kognition  des  Bundesverwaltungsgerichts  kann  die  Verletzung  der  Begründungspflicht  deshalb  als  im  vorliegenden  Rechtsmittelverfahren  geheilt  betrachtet  werden.  Eine  Zurückhaltung  des  Gerichts  bei  der  Überprüfung  der  vorinstanzlichen  Begründung  (vgl.  E.  1.3.2  hiervor)  ist  daher nicht möglich, würde dies doch eine effektive Einschränkung seiner  Kognition darstellen (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜLER, a.a.O., Rz 3.112) –  mit der Folge, dass sich die Kognitionen der Vorinstanz und des Gerichts  nicht  mehr  entsprechen  würden.  Obwohl  im  Weiteren  festzuhalten  ist,  dass  die  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  durch  die  Vorinstanz  als  relativ  erheblich  zu  qualifizieren  ist,  kann  unter  diesen  Umständen  ausnahmsweise  auf  eine  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  verzichtet  werden.  Es  ist  nicht  zu  erwarten,  dass  das  BAG  bei  einer  nochmaligen  Prüfung  der  Unterlagen  zu  einer  anderen  Beurteilung  kommen  würde,  so  dass  eine  Rückweisung  zu  einem  formalistischen  Leerlauf  führte  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgericht  C­2249/2006  vom  12. März  2008  E. 3.4).  Der  Beschwerdeführerin  erwachsen  durch  die  Heilung  der  Gehörsverletzung  im  vorliegenden  Rechtsmittelverfahren  demnach keine Nachteile. 2.  2.1. Das ChemG soll das Leben und die Gesundheit des Menschen vor  schädlichen  Einwirkungen  durch  Stoffe  und  Zubereitungen  schützen.  Vorschriften  über  den  Schutz  vor  mittelbar  über  die  Umwelt  wirkende  Gefahren  finden  sich  im USG  (Botschaft  vom  24. November  1999  zum  ChemG  [im  Folgenden:  Botschaft  ChemG],  BBl  2000  689).  So  dürfen  Stoffe  nicht  für  Verwendungen  in  Verkehr  gebracht  werden,  bei  denen  sie,  ihre  Folgeprodukte  oder  Abfälle  bei  vorschriftsgemässem  Umgang  die Umwelt oder mittelbar den Menschen gefährden können (Art. 26 Abs.  1 USG). Als Stoffe gelten gemäss Art. 4 Abs. 1 Bst. a ChemG und Art. 7  Abs. 5 USG natürliche oder durch ein Produktionsverfahren hergestellte  chemische Elemente und deren Verbindungen.  Ihnen gleichgestellt  sind  Zubereitungen,  also  Gemenge,  Gemische  und  Lösungen,  die  aus  zwei  oder  mehr  Stoffen  bestehen,  sowie  –  im  Bereiche  des  USG –  Gegenstände, die Stoffe enthalten (Art. 4 Abs. 1 Bst. c ChemG und Art. 7  Abs. 5 USG). 

C­602/2009 2.1.1.  Da  ein  umfassendes  staatliches  Kontrollverfahren  für  den  gesamten  Bereich  des  Umgangs  mit  umweltgefährdenden  Stoffen  vom  Bundesrat  für  nicht  möglich,  aber  auch  für  nicht  notwendig  erachtet  worden ist (Botschaft vom 31. Oktober 1979 zum USG, BBl 1979 III 802),  statuieren sowohl das ChemG als auch das USG für den Hersteller oder  Importeur  von  Stoffen  eine  Pflicht  zur  Selbstkontrolle  vor  dem  Inverkehrbringen (Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 1 Bst. f ChemG und Art.  26 Abs. 2 USG). Im Rahmen der Selbstkontrolle haben die Hersteller und  Importeure  insbesondere  die  Stoffe  und  Zubereitungen  auf  Grund  ihrer  Eigenschaften  zu  beurteilen  und  einzustufen  sowie  entsprechend  ihrer  Gefährlichkeit  zu  verpacken  und  zu  kennzeichnen.  Die  Selbstkontrolle  beinhaltet namentlich auch die Beurteilung der Umweltverträglichkeit der  abzugebenden  Stoffe,  Zubereitungen  oder  Gegenstände  bzw.  ihres  eventuellen Gefährdungspotentials bei Anwendung und Entsorgung. Der  Bundesrat  ist  beauftragt,  nähere Vorschriften  über  diese Selbstkontrolle  zu erlassen (Art. 5 Abs. 2 ChemG sowie Art. 26 Abs. 3 USG und Art. 29  USG;  vgl.  zum  Ganzen:  BEATRICE  WAGNER  PFEIFER,  Umweltrecht  II,  2. Auflage, Zürich/Basel/Genf  2006,  S.  46).  Diese  finden  sich  als  Ausführungsregelungen zum ChemG und zum USG  im Wesentlichen  in  der ChemV. 2.1.2.  Die  Selbstkontrolle  beinhaltet  die  Beurteilung  möglicher  Gefährdungen. Der Hersteller (bzw. der  Importeuer) muss beurteilen, ob  Stoffe oder Zubereitungen das Leben oder die Gesundheit des Menschen  oder  die Umwelt  gefährden  können  (Art.  5 ChemG und Art.  7 ChemV).  Teil dieser  Risikobeurteilung  bildet  gemäss  Art.  7  Abs.  1  Bst.  a  ChemV  die  Einstufung der Stoffe  bzw. Zubereitungen,  d.h.  ihre Zuordnung zu einer  gefährlichen Eigenschaft im Sinn von Art. 3 bis 6a ChemV. Der Hersteller  hat  alle  dafür  relevanten  und  zugänglichen Daten  zu  beschaffen  (Art.  7  Abs. 3 ChemV). Der Hersteller eines Stoffes, der nicht offiziell eingestuft  ist (d.h. nicht im  Anhang 1 der Richtlinie 67/548/EWG enthalten ist), muss diesen gemäss  Art.  8  Abs.  1 ChemV nach  den Kriterien  des Anhangs VI  der Richtlinie  67/548/EWG einstufen. Bei alten Stoffen hat die Einstufung gestützt auf  die  vom Hersteller  gemäss  Art.  7  Abs.  3 ChemV  beschafften Daten  zu  erfolgen (Art. 8 Abs. 2 ChemV). Stoffe gelten dabei dann als alt, wenn sie  im  Europäischen  Verzeichnis  der  auf  dem  Markt  vorhandenen  chemischen Stoffe  vom 15.  Juni  1990  (EINECS)  aufgeführt  sind  (Art.  2 

C­602/2009 Abs.  2  Bst. b  ChemV).  Zur  Einstufung  von  Zubereitungen  hinsichtlich  ihrer  umweltgefährdenden  Eigenschaften  verweist  Art. 13  ChemV  ebenfalls  auf  die  Kriterien  der  massgeblichen  europäischen  Rechtsgrundlagen.  Die  Einstufung  hat  anhand  des  Berechnungsverfahrens  nach  Anhang  III  der  Richtlinie  1999/45/EG  (Art. 13  Abs.  1  Bst.  a  ChemV)  oder  gestützt  auf  Ergebnisse  von  Prüfungen nach Artikel 34 und in Anwendung der Kriterien in Anhang VI  der  Richtlinie  67/548/EWG  (Art.  13  Abs.  1  Bst.  b  ChemV)  zu  erfolgen.  Wird  eine  Zubereitung  nach  dem  Berechnungsverfahren  eingestuft,  so  müssen gemäss Art. 14 ChemV nur diejenigen gesundheitsgefährdenden  und  umweltgefährlichen  Bestandteile  berücksichtigt  werden,  welche  die  Konzentrationsgrenzen nach Artikel 3 Absatz 3 der Richtlinie 1999/45/EG  übersteigen. Diese Bestimmung verweist  insbesondere auf  die Tabellen  mit  Konzentrationsgrenzwerten  im  Anhang  III  Teil  B  der  genannten  Richtlinie.  Zu  beachten  ist,  dass  die  betreffenden  Konzentrationsgrenzwerte  durch  die  Richtlinie  2006/8/EG  der  Kommission  vom  23. Januar  2006  verschärft  worden  sind.  Mit  der  Änderung der ChemV vom 28. Februar 2007 (vgl. AS 2007 821) wurden  diese Anpassungen für das Schweizer Recht ebenfalls übernommen. Die  genannten  Bestimmungen  des  europäischen  Rechts  wurden  demnach vom Schweizer Recht (u.a. durch Verweis auf Erstere) im Sinn  des  sog.  "autonomen  Nachvollzug"  übernommen  (zum  Begriff  des  "autonomen Nachvollzugs" vgl. etwa ASTRID EPINEY/NATHALIE SCHNEIDER,  Zu  den  Implikationen  des  gemeinschaftlichen  Umweltrechts  in  der  Schweiz,  in:  Zeitschrift  für  Europäisches  Umwelt­  und  Planungsrecht  [EurUP], 2004 S. 309 ff.). 2.2.  Nach  Durchführung  der  Selbstkontrolle  dürfen  alte  Stoffe  ohne  behördliche  Stoffe  in  Verkehr  gebracht  werden,  neue  Stoffe  oder  Zubereitungen  mit  neuen  Stoffen  sind  zusätzlich  bei  der  Anmeldestelle  Chemikalien  anzumelden.  Biozidprodukte  und  Pflanzenschutzmittel  unterliegen  in  jedem  Falle  nicht  nur  der  Selbstkontrolle,  sondern  zusätzlich  auch  einem  behördlichen  Zulassungsverfahren,  das  der  Bundesrat  im Einzelnen  regelt  (vgl. zum Ganzen: Art. 6 sowie Art. 9 bis  Art. 11 ChemG). 2.2.1. Bei  Biozidprodukten  handelt  es  sich  gemäss Art.  2  Abs.  1  Bst. a  VBP  um  Wirkstoffe  oder  einen  oder  mehrere  Wirkstoffe  enthaltende  Zubereitungen,  die  dazu  bestimmt  sind,  auf  chemischem  oder  biologischem  Weg  Schadorganismen  abzuschrecken,  unschädlich  zu 

C­602/2009 machen,  zu  zerstören  oder  in  anderer  Weise  zu  bekämpfen  oder  Schädigungen  durch  Schadorganismen  zu  verhindern.  Im  Weiteren  gelten auch Gegenstände, die solche Wirkstoffe enthalten oder freisetzen  und  die  dazu  bestimmt  sind,  auf  Schadorganismen  ausserhalb  dieser  Gegenstände  einzuwirken,  als  Biozidprodukte  (vgl.  auch  Botschaft  ChemG,  BBl  2000  753).  Zu  den  Biozidprodukten  gehören  u.a.  Desinfektionsmittel  für  die Hautreinigung, weitere Desinfektionsmittel  für  den  Privatgebrauch  und  den  Bereich  des  öffentlichen  Gesundheitswesens,  Schädlingsbekämpfungsmittel  oder  auch  Schutzmittel  für  den  Lebens­  und  Futtermittelbereich  (vgl.  Übersicht  "Biozide  Produktarten"  des  BAG  vom  13. Januar  2009,  abrufbar  unter  www.bag.admin.ch). 2.2.2.  Biozidprodukte  dürfen  nur  auf  der  Grundlage  einer  förmlichen  Zulassung  und  nur  für  die  angegebenen  Verwendungen  und  mit  dem  angegebenen Handelsnamen  in Verkehr gebracht werden  (Art.  6 Bst.  b  und Art. 10 ChemG; Art. 5 VBP; vgl. WAGNER PFEIFER, a.a.O., S. 51). Die  VBP  regelt  die  Zulassungsarten  und  ­verfahren.  Das  Gesuch  um  Zulassung  ist  bei  der  Anmeldestelle  Chemikalien  einzureichen,  die  administrativ  dem  BAG  zugeordnet  ist  (Art.  89  Abs.  1  ChemV).  Die  Anmeldestelle  bzw.  das  BAG  entscheidet  über  die  Zulassung  in  Form  einer  Verfügung  (Art.  20  Abs.  1  VBP).  Sie  kann  die  Verfügung  mit  Auflagen verknüpfen und auf diese Weise insbesondere Einzelheiten der  Einstufung, Verpackung, Kennzeichnung oder des Sicherheitsdatenblatts  festlegen (Art. 20 Abs. 3 Bst. b VBP). 2.2.3. Die VBP sieht  verschiedene Arten  von Zulassungen  vor,  die  sich  danach unterscheiden, ob die im betreffenden Biozidprodukt enthaltenen  Wirkstoffe bereits  in einer der Wirkstofflisten der EU gemäss der Biozid­ Richtlinie  (Richtlinie  98/8/EG  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  16. Februar  1998  über  das  Inverkehrbringen  von  Biozid­ Produkten) aufgeführt sind  (Art. 7 und Art. 8 VBP). Diese Wirkstofflisten  (Liste  I  für  Wirkstoffe  mit  höherem  Risiko,  Liste  IA  für  Wirkstoffe  mit  niedrigem  Risikopotential  und  Liste  IB  für  sog.  Grundstoffe)  wurden  im  Sinne  des  autonomen  Nachvollzugs  europäischen  Rechts  in  die  Anhängen 1 bis 3 der VBP übernommen (Art. 9 VBP). Gemäss  Art.  7  VBP  können  folgende  Zulassungsarten  unterschieden  werden:

C­602/2009 – Für  Biozidprodukte,  die  mindestens  einen  Wirkstoff  enthalten,  der  in  der  Liste  I  aufgeführt ist, und die im Übrigen ausschliesslich Wirkstoffe enthalten, die in der Liste  IA  aufgeführt  sind,  ist  eine  Zulassung  ZL  zu  beantragen  (vgl.  Art.  14 Abs.  3 Bst.  a  i.V.m.  Anhang  5  VBP),  die  auf  einer  umfassenden  Beurteilung  des  Biozidprodukts  beruht (Art. 7 Bst. a Ziff. 1 VBP). – Wird  um  Zulassung  für  ein  Biozidprodukt  ersucht,  das  einen Wirkstoff  enthält,  der  weder in der Liste I noch in der Liste IA aufgeführt und auch nicht notifiziert ist (also  im Anhang II der Verordnung [EG] Nr. 1451/2007 der Kommission vom 7. Dezember  2007 nicht enthalten ist [vgl. Art. 9 Abs. 1 Bst. d VBP]), so ist eine Zulassung ZnL zu  beantragen (Art. 14 Abs. 3 Bst. a  i.V.m. Anhang 5 VBP). Diese Zulassung erfordert  ebenfalls eine umfassende Beurteilung des Biozidprodukts und seiner Wirkstoffe (Art.  7 Bst. a Ziff. 2 VBP). – Wird die Zulassung eines Biozidprodukts beantragt, das mindestens einen Wirkstoff  enthält, der notifiziert ist und über dessen Aufnahme in die Liste I oder IA noch nicht  entschieden ist, und deren andere Wirkstoffe in einer dieser Listen aufgeführt sind, so  muss eine sog. Zulassung ZN beantragt werden (Art. 7 Bst. a Ziff. 3, Art. 14 Abs. 3  Bst.  d  i.V.m.  Anhang  8  VBP).  Gemäss  Art.  13  Bst.  a  VBP  wird  die  Zulassung  ZN  erteilt,  wenn  nach  dem  neuesten  Stand  von  Wissenschaft  und  Technik  und  bei  bestimmungsgemässer  Verwendung  vom  Biozidprodukt  und  seinen  Rückständen  keine unannehmbaren Wirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt zu erwarten sind. Die  Geltungsdauer  der  Zulassung  ZN  ist  befristet  auf  höchstens  sechs  Monate  nach  Aufnahme  des  letzten  Wirkstoffs  in  eine  der  Listen  bzw.  bis  zur  Ablehnung  der  Aufnahme in eine dieser Listen (Art. 8 Abs. 1 Bst. c VBP). Sind alle Wirkstoffe in eine  der Listen aufgenommen worden, so kann eine andere Art von Zulassung (Zulassung  ZL) oder die Anerkennung einer EU­Zulassung beantragt werden (vgl. unten). – Für Biozidprodukte, die ausschliesslich Wirkstoffe enthalten, die in der Liste I oder IA  aufgeführt  sind,  gibt  es  schliesslich  auch  die  Möglichkeit  der  Anerkennung  von  Zulassungen und Registrierungen eines Mitgliedstaats der EU oder der Europäischen  Freihandelsassoziation  (EFTA)  (Art. 7 Bst.  c, Art. 14 Abs. 3 Bst.  c  i.V.m. Anhang 7  VBP). Eine Zulassung oder Registrierung eines EU­ oder EFTA­Mitgliedstaates wird  anerkannt, wenn keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass das Produkt nicht auch in  der  Schweiz  zugelassen  oder  registriert  werden  könnte  (Art. 12  Abs.  1  VBP).  Die  Anmeldestelle kann im Einvernehmen mit den Beurteilungsstellen (BAFU) die mit der  Zulassung  oder  Registrierung  in  einem  EU­  oder  EFTA­Mitgliedstaat  auferlegten  Bedingungen oder Auflagen aufgrund eigener Risikobewertungen abändern  (Art. 12  Abs. 2 VBP). Kennzeichnung und Sicherheitsdatenblatt müssen an die Vorschriften  nach den Art. 38 und 40 VBP angepasst werden (Art. 12 Abs. 3 VBP). 

C­602/2009 2.2.4.  Für  die  Einstufung  von  Biozidprodukten  und  für  deren  Kennzeichnung gelten grundsätzlich die allgemeinen Bestimmungen der  ChemV sinngemäss (Art. 35 Abs. 1 und Art. 38 Abs. 2 VBP). 2.3.  2.3.1.  Wer  Stoffe  oder  Zubereitungen  in  Verkehr  bringt,  muss  den  Abnehmer  laut  Art.  7  Abs.  1  ChemG  über  die  gesundheitsrelevanten  Eigenschaften und Gefahren sowie über die erforderlichen Vorsichts­ und  Schutzmassnahmen  informieren.  Gemäss  Art.  27  Abs.  1  USG  ist  der  Abnehmer  zudem  über  die  umweltbezogenen  Eigenschaften  zu  informieren  (Bst. a),  und  er  ist  so  anzuweisen,  dass  beim  vorschriftsgemässen Umgang mit den Stoffen die Umwelt oder mittelbar  der Mensch nicht gefährdet werden kann (Bst. b). Der Bundesrat erlässt  Vorschriften über Art,  Inhalt und Umfang der  Information der Abnehmer,  insbesondere über Abgabe und Inhalt eines Sicherheitsdatenblattes (Art.  7  Abs.  2  ChemG  und  Art.  27  Abs.  2  USG).  Die  entsprechenden  Ausführungsbestimmungen finden sich insbesondere in der ChemV. 2.3.2.  Die  Vorschriften  über  die  Informations­  und  Kennzeichnungspflichten  für  gefährliche  und  für  besonders  gefährliche  Stoffe  und Zubereitungen  finden  sich  in  den Art. 39,  40 und 80 ChemV  sowie  im  Anhang  1  zur  ChemV).  Danach  sind  verschiedene  Gefahrensymbole  und  zusätzlich  je  nach Gefährlichkeitseinstufung  (vgl.  E. 2.1.2 hiervor) Gefahrenbezeichnungen anzugeben (Art. 39 Abs. 1 Bst.  d  i.V.m.  Anhang  1  Ziff.  1  ChemV).  Mit  sogenannten  "R­Sätzen"  sind  besondere  Gefahren  und  mit  sogenannten  "S­Sätzen"  Sicherheitsratschläge zu bezeichnen  (vgl. 39 Abs. 1 Bst. e bzw.  f  i.V.m.  Anhang 1 Ziff. 2 bzw. 3 ChemV). Die Kennzeichnung von Gefahren ist auf  der  Verpackung  oder  auf  einer  mit  der  Verpackung  fest  verbundenen  Etikette  anzubringen.  Die  Hinweise  müssen  in  mindestens  zwei  Amtssprachen  formuliert  und deutlich  sichtbar,  gut  lesbar und dauerhaft  sein  (Art.  47  Abs.  1  ChemV).  Gefährliche  Stoffe  und  Zubereitungen  dürfen nicht so gekennzeichnet oder aufgemacht sein, dass der Eindruck  ihrer  Ungefährlichkeit  erweckt  wird;  insbesondere  dürfen  sie  nicht  mit  Angaben  wie  «nicht  giftig»,  «nicht  gesundheitsschädlich»,  «umweltfreundlich»,  «nicht  umweltbelastend»  oder  «ökologisch»  versehen sein (Art. 45 ChemV). 3.  Vorliegend hat das BAG die Zulassung ZN für den Vertrieb des Produktes  "X._______"  im Wesentlichen  nur  unter  den  folgenden  Auflagen  erteilt: 

C­602/2009 Das  Produkt  ist  mit  dem  Gefahrensymbol  N  und  den  R­Sätzen  51/53  sowie dem S­Satz 2 zu kennzeichnen. Die Beschwerdeführerin verlangt  die  Aufhebung  dieser  Auflagen  und  die  Erlaubnis,  auf  der  Etikette  des  Produktes  folgenden  Satz  anzubringen:  "Enthält  keine  humantoxischen  Substanzen und keine gesundheitlichen Risiken". Streitgegenstand bildet  demnach einzig  die Kennzeichnung des Produkts. Die Zulassung ZN  ist  unbestritten. 3.1. Beim Produkt  " X._______" handelt es sich um einen Kunststoffball  von 5 cm Durchmesser. Er wird beim Kleiderwaschen als Waschzusatz in  die  Waschmaschine  gegeben.  Während  des  Waschvorgangs  gibt  er  kontinuierlich Silberchlorid ab. Die Silber­Ionen des Silberchlorids haben  eine antimikrobielle Wirkung. Beim "X._______" handelt es sich deshalb  unbestrittenermassen  um  ein  Biozidprodukt  im  Sinn  von  Art.  2  Abs. 1  Bst. a VBP.  Silberchlorid  ist  nicht  im Anhang 1 der Richtlinie  67/548/EWG enthalten  und damit  nicht  offiziell  eingestuft  (vgl. E.  2.1.2 hiervor). Gemäss Art.  8  Abs. 1  ChemV  muss  dieser  Stoff  deshalb  nach  den  Kriterien  des  Anhangs  VI  der  Richtlinie  67/548/EWG  eingestuft  werden.  Im Weiteren  handelt es sich bei Silberchlorid um einen sogenannten "alten Stoff", da  er  im "EINECS"  aufgeführt  ist  (vgl.  amtl.  Akten  Nr.  1,  Anlage  6;  E. 2.1.2  hiervor).  Die  Einstufung  hat  deshalb  gestützt  auf  die  von  der  Beschwerdeführerin beschafften Daten zu erfolgen  (Art. 8 Abs. 2 Bst. a  i.V.m. Art. 7 Abs. 3 ChemV). Vorliegend hat die Beschwerdeführerin der  Anmeldestelle  jedoch  die  erforderlichen  Daten  zur  Einstufung  nur  ungenügend  zur  Verfügung  gestellt.  Die  Beschwerdeführerin  hat  keine  Ausführungen  zu  den  ökotoxischen  Eigenschaften  von  Silberchlorid  gemacht  und  hierzu  keine  Unterlagen  geliefert.  Der  von  der  Beschwerdeführerin  eingereichte  Prüfbericht  der  Ostthüringischen  Materialprüfgesellschaft enthält bloss Ausführungen zur Silberfreisetzung  während  des  Waschvorgangs.  Auch  in  den  Anlagen  Nr.  6  und  7  zum  Zulassungsgesuch  (amtl.  Akten  Nr.  1)  hat  die  Beschwerdeführerin –  entgegen  ihrer  Darstellung  –  keine  Angaben  zur  Umweltverträglichkeit  von Silberchlorid  gemacht.  Aus  der  Anlage Nr.  6  geht  im Wesentlichen  bloss hervor, dass dieser Stoff nicht offiziell eingestuft ist. Die Anlage Nr.  7 enthält lediglich gesundheitsbezogene Aussagen (Arbeitsmedizin, erste  Hilfe).  Die  Beschwerdeführerin  hat  dadurch ihre Pflicht zur Selbstkontrolle (vgl. E. 2.1.1 und 2.1.2 hiervor) verletzt.

C­602/2009 3.2.  3.2.1.  Massgebend  bei  der  Beurteilung  der  aquatischen  Ökotoxizität eines  Stoffes  ist  gemäss  Ziff. 5.2.1  des  Anhangs  VI  der  Richtlinie  67/548/EWG  der  sogenannte  LC50  Wert.  Nach  den  unwidersprochen  gebliebenen  Ausführungen  der  Vorinstanz  gibt  dieser  Wert  diejenige  Konzentration an, bei der 50% der untersuchten Organismen nach einer  gewissen Zeit sterben. Nicht  leicht abbaubare Stoffe mit einem LC50  (96  Stunden)  Wert  für  Fische  von  weniger  als  1 mg/l  (d.h.  bei  einer  Konzentration von weniger als 1 mg/l  sterben 50% der Fische  innert 96  Stunden)  sind  nach  Ziff. 5.2.1.1  des  genannten  Anhangs  VI  mit  dem  Gefahrensymbol  N  und  den  R­Sätzen  50  ("Sehr  giftig  für  Wasserorganismen")  sowie  53  ("Kann  in  Gewässern  längerfristig  schädliche Wirkungen haben") zu kennzeichnen. 3.2.2. Die  Vorinstanz  legt  dar,  für  gut  lösliche  Silberverbindungen  (z.B.  Silbernitrat)  gebe es  zahlreiche Primär­  und Sekundärliteraturdaten.  Für  Silbernitrat würden LC50 Werte zwischen 0,005 und 0,07 mg/l angegeben.  Daraus könne für Silberchlorid ein LC50 Wert von weniger als 0,093 mg/l  abgeleitet  werden,  also  eine  Konzentration,  die  deutlich  unter  der  Löslichkeit von 1,9 mg/l für Silberchlorid liege. Den genannten LC50 Wert  bestätigten  die  wenigen  Studien  zur  Ökotoxizität  von  Silberchlorid.  Die  Vorinstanz  reichte  zwei  solche  Studien  ein  (vgl.  Beilagen  1  und  2  zur  Duplik).  Diese  weisen  für  Silberchlorid  LC50 Werte  für  Fische  zwischen  0,0053 mg/l (bei 96 Stunden) und 0,015 mg/l (bei 24 Stunden) sowie für  Daphnien von 0,078 mg/l aus. Unter Zugrundelegung dieser Daten lägen  nach  den  Ausführungen  der  Vorinstanz  für  Silberchlorid  demnach  LC50  Werte  von  unter  0,1  mg/l  vor.  Dies  habe  gemäss  Ziff.  5.2.1.1  des  Anhangs  VI  der  Richtlinie  67/548/EWG  eine  Kennzeichnungspflicht  mit  dem Gefahrensymbol N und den R­Sätzen 50/53 zur Folge (vgl. E. 3.2.1  hiervor). 3.2.3.  Die  Beschwerdeführerin  bringt  dagegen  vor,  der  Vergleich  von  Silberchlorid  mit  Silbernitrat  sei  völlig  abwegig.  Die  Löslichkeit  von  Silbernitrat sei um einen Faktor in der Grössenordnung von 108 höher als Silberchlorid.  Silberchlorid  könne deshalb  nicht  die  gleiche Toxizität wie  Silbernitrat  aufweisen.  Diesem  Einwand  sind  die  Ausführungen  der  Vorinstanz entgegenzuhalten. Diese legt überzeugend dar, bei in Wasser  gelöstem Silbernitrat werde die hohe aquatische Toxizität  vor allem von  den  Silber­Ionen  und  nicht  von  den  Nitrat­Ionen  verursacht.  Das  Anion  Nitrat sei in vielen Verbindungen ausgiebig untersucht worden und weise  nur eine relativ geringe aquatische Toxizität auf. Als Nachweis reichte das 

C­602/2009 BAG  das  "SIDS  Initial  Assessment  Profile  for  nitrate  category"  vom  Oktober  2007  ein  (amtl.  Akten  Nr.  8).  Silberchlorid  sei  zwar  schlecht  löslich,  aber  seine  Löslichkeit  sei  deutlich  höher  als  die  tiefsten  aquatischen  Toxizitätswerte  für  Silber­Ionen  gemäss  der  einschlägigen  Literatur.  Für  die  Beurteilung  der  Toxizität  von  Silber­Ionen  aus  Silberchlorid  könnten  daher  die  Daten  für  Silbernitrat  durchaus  herangezogen  werden.  Diese  Ausführungen  erscheinen  dem  Bundesverwaltungsgericht  schlüssig.  Im Weiteren werden  sie  durch  die  von  der  Vorinstanz  eingereichten  Studien  zur  Ökotoxizität  von  Silberchlorid gestützt, die eine hohe Umweltgefährlichkeit dieses Stoffes  aufzeigen. Der von der Beschwerdeführerin eingereichte Untersuchungsbericht des  niederländischen  Gesundheitsministeriums  vom  Januar  1999  (Beschwerdebeilage Nr. 11) vermag diese Beurteilung nicht in Zweifel zu  ziehen. Die  in diesem Bericht zitierte Studie von Le Blanc et al., welche  für  Silberchlorid­Komplexe  einen  LC50  Wert  von  grösser  als  4,6  mg/l  aufzeigt,  ging  nach  den  unbestritten  gebliebenen  Ausführungen  der  Vorinstanz  von  einer  Testanordnung  mit  einem  Überschuss  von  2000  mg/l Natriumchlorid (NaCl) aus. Ein solcher hemmt die toxischen Effekte,  wie  dies  die  Autoren  der  Studie  selber  darlegten  (vgl.  Duplik,  S.  3).  Aufgrund  der  besonderen  Testanordnung  kann  deshalb  die  erwähnte  Studie vorliegend nicht massgebend sein. 3.2.4.  Zusammenfassend  gelang  es  der  Beschwerdeführerin  nicht,  die  schlüssigen  Aussagen  der  Vorinstanz  in  Zweifel  zu  ziehen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  folgt  deshalb  den  Ausführungen  der  Vorinstanz und erachtet es deshalb als erwiesen, dass Silberchlorid einen  LC50 Wert von unter 0,1 mg/l aufweist. 3.3. Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, mit dem Gefahrensymbol  N  und  den  R­Sätzen  51/53  seien  nur  Stoffe  und  Zubereitungen  zu  kennzeichnen,  deren  Wirkstoffanteil  den  in  Anhang  III  der  Richtlinie  1999/45/ EG genannten Wert von 2,5% überschreite.  Dieser Einwand ist nicht stichhaltig. Richtig ist zwar, dass gemäss Art. 14  ChemV  bei  einer  Zubereitung,  die  nach  dem  Berechnungsverfahren  eingestuft  wird,  nur  diejenigen  gesundheitsgefährdenden  und  umweltgefährlichen  Bestandteile  berücksichtigt  werden  müssen,  welche  die Konzentrationsgrenzen nach Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 1999/45/EG  bzw. dessen Anhang III übersteigen (vgl. E. 2.1.2 hiervor). Dieser Anhang 

C­602/2009 wurde  indessen  durch  die  Richtlinie  2006/8/EG  vom  23.  Januar  2006  geändert  und  es  wurden  tiefere  Konzentrationsgrenzwerte  eingeführt.  Diese Änderungen der Konzentrationsgrenzwerte wurden  in  die ChemV  übernommen (vgl. E. 2.1.2 hiervor). Gemäss der Tabelle 1b des Anhangs  III,  Teil  B,  der  Richtlinie  1999/45/EG  (in  der  Fassung  vom  23.  Januar  2006,  geändert  durch  die  Richtlinie  2006/8/EG)  sind  Zubereitungen mit  einem LC50 Wert  des als N, R 50/53 eingestuften Stoffes  von zwischen  0,01 mg/l und 0,1 mg/l bei einer Konzentration zwischen 0,25% und 2,5%  mit  dem Gefahrensymbol N  und  den R­Sätzen  51/53  zu  kennzeichnen.  Das  vorliegende  Biozidprodukt  erfüllt  diese  Voraussetzungen.  Silberchlorid  ist  –  wie  oben  ausgeführt  –  mit  dem  Gefahrensymbol  N  sowie  den R­Sätzen  50/53  zu  kennzeichnen und weist  einen LC50 Wert  von  unter  0,1  mg/l  auf  (vgl.  E. 3.2  hiervor).  Im  Weiteren  enthält  das  Biozidprodukt "X._______" unbestrittenermassen 1,2% Silberchlorid (vgl.  Beschwerde, S. 11 und Vernehmlassung, S. 4). Entgegen der Ansicht der  Beschwerdeführerin  liegen  demnach  für  die  Kennzeichnung  des  vorliegenden  Biozidprodukts  mit  dem  Gefahrensymbol  N  und  den  R­ Sätzen  51/53  klare  Rechtsgrundlagen  vor.  Im  Weiteren  ist  auch  die  Auflage zur Kennzeichnung mit dem S­Satz 2 gemäss Art. 39 Abs. 1 Bst.  f  i.V.m  Anhang  1  Ziff.  3  ChemV  gerechtfertigt,  da  das  vorliegende  Biozidprodukt  umweltgefährlich  ist  und  bei  einer  Vermarktung  für  jedermann  erhältlich  sein  wird  (sog.  Publikumsprodukt).  Im  Übrigen  ist  festzuhalten,  dass  die  erwähnten  EU­Richtlinien  keine  Listen  mit  umweltgefährlichen  Stoffen  enthalten,  sondern  lediglich  festlegen,  anhand  welcher  Kriterien  die  Einstufung  und  Kennzeichnung  von  gefährlichen  Zubereitungen  zu  erfolgen  hat.  Der  Einwand  der  Beschwerdeführerin,  Silberchlorid  sei  in  den  Richtlinien  nicht  als  umweltgefährlicher Stoff aufgeführt, ist demnach unbegründet. 3.4. Die Beschwerdeführerin wendet  zudem ein,  die  vom BAG  verfügte  Kennzeichnung  verstosse  gegen  den  Grundsatz  der  Anerkennung  von  EU­Registrierungen im Sinn von Art. 12 VBP.  Auch dieser Einwand  ist nicht stichhaltig. Die Beschwerdeführerin hat  in  der Schweiz kein Gesuch um Anerkennung einer  in einem Mitgliedstaat  der  EU  erteilten  Zulassung  oder  Registrierung  gestellt  und  bei  der  Vorinstanz  auch  keine  entsprechenden  Unterlagen  eingereicht.  Ein  derartiges  Gesuch  wäre  ohnehin  aussichtslos  gewesen.  Die  Anerkennung  von EU­Zulassungen  ist  nur  bei  Biozidprodukten möglich,  die ausschliesslich Wirkstoffe enthalten, welche in der Liste I oder IA der  Biozid­Richtlinie  aufgeführt  sind  (vgl.  E.  2.2.3  hiervor).  Da  Silberchlorid 

C­602/2009 unbestrittenermassen  nicht  in  diesen  Wirkstofflisten  enthalten  ist  (vgl.  Beschwerde, S. 6), wäre demnach die Anerkennung einer EU­Zulassung  allein  schon  aus  diesem Grund  nicht möglich  gewesen.  Im Sinne  einer  antizipierten Beweiswürdigung kann folglich auf die Einreichung des von  der  Beschwerdeführerin  angebotenen  Registrierungsnachweises  in  Deutschland  verzichtet  werden,  da  dieser  am  vorliegenden  Ergebnis  nichts zu ändern vermöchte (zur antizipierten Beweiswürdigung: BGE 136  I 229 E. 5.3, Urteile des Bundesgerichts 1C_193/2010 vom 4. November  2010  E.  2.8  und  1C_460/2008  vom  3. Februar  2009  E.  3.1;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­4655/2009 vom 5. Oktober 2011 E. 3.2). 3.5. Die Beschwerdeführerin macht  schliesslich geltend,  im Katalog des  (…)  Chemikalienhändlers  "B._______"  sei  zwar  Silbernitrat,  nicht  aber  Silberchlorid  mit  einer  Gefahrenkennzeichnung  versehen  (vgl.  Beschwerdebeilage Nr. 9 und auch Nr. 5 und 6 mit den entsprechenden  Sicherheitsdatenblätter  vom  Februar  2006).  Im  Weiteren  sei  ihr  kein  einziger  Chemikalienkatalog  bekannt,  in  dem  Silberchlorid  mit  N  und  R50/53 gekennzeichnet sei.  Die  Beschwerdeführerin  beruft  sich  damit  implizit  auf  eine  Gleichbehandlung  im  Unrecht.  Ein  solcher  Anspruch  wird  nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  nur  ausnahmsweise  anerkannt  (BGE  132  II  485  E.  8.6,  mit  Hinweis);  dann  nämlich,  wenn  eine  rechtsanwendende  Behörde  eine  gesetzwidrige  Praxis  pflegt  und  überdies  zu  erkennen  gibt,  dass  sie  davon  auch  in  Zukunft  nicht  abweichen  werde  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5751/2009  vom 17. März 2011 E. 2.5). Ein solches Verhalten des BAG mit Bezug auf  die  Kennzeichnungspflicht  von  Silberchlorid  hat  die  Beschwerdeführerin  in  keiner  Art  und  Weise  nachgewiesen.  Im  Übrigen  liegen  in  der  Zwischenzeit  aktuellere  Sicherheitsdatenblätter  des  genannten  Unternehmens  betreffend  Silberchlorid  vor.  Dasjenige  vom  7. Juli  2011  weist  neben  dem  Piktogramm  für  umweltgefährdend  die  folgenden  Kennzeichnungen  auf  "Warning",  "Very  toxic  to  aquatic  life",  "Avoid  release to the environment", "Very toxic to aquatic organisms" und "Avoid  release  to  the  environment.  Refer  to  special  instructions/safety  data  sheets" (vgl. Ziff. 2.2 des Sicherheitsdatenblatts der Firma B._______ zu  "silver chloride"; abrufbar auf der Internetseite […], letztmals besucht am  16.  Januar  2012). Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin  nimmt  somit  auch  der  von  ihr  genannte  Chemikalienhändler  zumindest  seit  Juli  2011  eine  entsprechende  Kennzeichnung  der  Umweltgefährlichkeit  von  Silberchlorid  vor.  Im  Übrigen  ist  darauf 

C­602/2009 hinzuweisen,  dass  in  Ziff. 12.1  des  erwähnten  Sicherheitsdatenblatts  bezüglich  Fischen  ein  LC50  Wert  von  bloss  0,005  mg/l  (96  Stunden)  angegeben  wird.  Dies  bestätigt  das  in  E. 3.2.4  festgehaltene  Beweisergebnis. 3.6.  Zusammenfassend  ist  daher  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  die  Zulassung  des  Biozidproduktes  "X._______"  zu  Recht  nur  unter  den  Auflagen  erteilt  hat,  dass  das  Produkt  mit  dem  Gefahrensymbol  N  (umweltgefährlich),  den  R­Sätzen  51/53  ("giftig  für  Wasserorganismen,  kann in Gewässern  längerfristig schädliche Wirkungen haben") und dem  S­Satz  2  ("darf  nicht  in  die  Hände  von  Kindern  gelangen")  zu  kennzeichnen sei. Die Beschwerde ist in dieser Hinsicht abzuweisen. 4.  Da es sich bei Silberchlorid um einen umweltgefährdenden Stoff handelt,  kann  schliesslich  die  von  der  Beschwerdeführerin  beantragte  Kennzeichnung mit dem Satz "Enthält keine humantoxischen Substanzen  und  keine  gesundheitlichen  Risiken"  nicht  zugelassen  werden.  Eine  solche  Kennzeichnung  würde  den  Eindruck  der  Ungefährlichkeit  erwecken und ist demnach in Anwendung von Art. 45 ChemV und Art. 38  Abs.  1  VBP  zu  verweigern.  Die  Beschwerde  ist  damit  auch  in  diesem  Punkt und somit vollumfänglich abzuweisen.

C­602/2009 5.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  4'000.­  sind  der  unterliegenden  Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 4 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  zu  verrechnen.  Eine  Parteientschädigung  ist  nicht  zuzusprechen  (Art.  64  Abs.  1  VwVG  e  contrario, Art. 7 Abs. 1 und 3 VGKE).  Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  4'000.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 4'000.­ verrechnet. 3.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. …; Gerichtsurkunde) – das Eidgenössische Departement des Innern Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Stefan Mesmer Jürg Steiger

C­602/2009 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-602/2009 — Bundesverwaltungsgericht 07.02.2012 C-602/2009 — Swissrulings