Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 31.08.2011 C-5993/2009

31 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,226 parole·~11 min·1

Riassunto

nach Auflösung der Familiengemeinschaft | Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­5993/2009 Urteil   v om   3 1 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Ruth Beutler, Richter Andreas Trommer,    Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn. Parteien K._______,  vertreten durch lic. iur. Lorenzo Cicco, Rechtsanwalt,  Steinmann­Gebäude, Bälliz 37, Postfach, 3601 Thun, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung.

C­5993/2009 Sachverhalt: A. Die  Beschwerdeführerin,  geboren  1961,  ist  thailändische  Staatsangehörige. Sie reiste am 1. Oktober 2004 in die Schweiz ein und  heiratete am   29. Oktober 2004 den Schweizer Bürger R._______. In der  Folge erhielt sie eine Aufenthaltsbewilligung. B. Mit  gerichtlich  genehmigter  Trennungsvereinbarung  zwischen  der  Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann vom 13. Dezember 2007 wurde  festgestellt,  dass  ihr  gemeinsamer  Haushalt  seit  dem  1.  Februar  2007  aufgehoben ist. C. Am  18.  Juli  2008  stellte  die  Beschwerdeführerin  bei  den  Einwohnerdiensten  der  Stadt  Thun  ein  Gesuch  um  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung. D. Zur Sachverhaltsabklärung  legten  die Einwohnerdienste  der Stadt  Thun  am 27. August 2008 der Beschwerdeführerin und deren Ehemann Fragen  insbesondere  zur  Trennung  und  zu  Scheidungsabsichten  vor.  Die  entsprechenden Antworten  erfolgten  am  30.  August  bzw.  4.  September  2008. E. Am 9.  Februar  2009  stellten  die Einwohnerdienste  der Stadt  Thun  dem  BFM  ein  Gesuch  um  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin. F. Mit Schreiben vom 14. April 2009 teilte das BFM der Beschwerdeführerin  mit,  es  beabsichtige,  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  zu  verweigern und die Wegweisung zu  verfügen.  Die  ihr  eingeräumte  Möglichkeit,  dazu  Stellung  zu  nehmen,  nahm  die  Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 26. Mai 2009 wahr. G. Mit  Verfügung  vom  20.  August  2009  verweigerte  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  Gleichzeitig  wurde die Wegweisung verfügt, und der Beschwerdeführerin wurde eine 

C­5993/2009 Ausreisefrist von acht Wochen ab Eintritt der Rechtskraft der Verfügung  eingeräumt. Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, der gemeinsame  Haushalt der Eheleute sei gemäss Trennungsvereinbarung am 1. Februar  2007 aufgelöst worden und die eheliche Gemeinschaft  sei danach nicht  wieder aufgenommen worden. Aufgrund dessen sei davon auszugehen,  dass  die  eheliche Gemeinschaft  zwei  Jahre  und  vier Monate  und  somit  weniger  als  drei  Jahre  gedauert  habe.  Somit  seien  die  zeitlichen  Voraussetzungen von Art. 50 Abs. 1 Bst. a des Ausländergesetzes vom  16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) nicht erfüllt.  Im vorliegenden Fall  würden  zudem  keine  zwingenden  Gründe  vorliegen,  die  bei  einer  Ausreise  auf  das  Eintreten  einer  schweren  persönlichen  Notlage  schliessen  liessen.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  möglich,  zulässig  und zumutbar. H.  Am  16.  September  2009  erstattete  die  Beschwerdeführerin  bei  der  Kantonspolizei  Bern  Anzeige  gegen  ihren  Ehemann  wegen  häuslicher  Gewalt im Zeitraum vom 12. November 2006 bis zum 1. Mai 2007. I. Gegen  die  Verfügung  des  BFM  erhob  die  Beschwerdeführerin  am          21.  September  2009  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragt  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  um  mindestens  ein  Jahr.  Eventualiter  ersucht  sie  um  Sistierung  des  Verfahrens  bis  das  Strafverfahren  betreffend  häuslicher  Gewalt  abgeschlossen  ist.  Subeventualiter  beantragt  sie  die  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  zur  Neubeurteilung.  In  formeller  Hinsicht  beantragt  sie  die  unentgeltliche  Rechtspflege.  Zur  Begründung  wird  im  Wesentlichen  vorgebracht, die Beschwerdeführerin habe bei der Kantonspolizei Bern in  Thun  gegen  ihren  Ehemann  Strafanzeige  wegen  Drohung  und  wiederholten  Tätlichkeiten  eingereicht. Dies  im Zusammenhang mit  den  Ereignissen, die zum Auszug der Beschwerdeführerin aus der ehelichen  Wohnung  geführt  hätten.  Als  ihr  Ehemann  im  Winter  2006/2007  eine  neue "Lebensabschnittspartnerin" nach Hause genommen habe, habe sie  die eheliche Wohnung verlassen müssen. Ihr Ehemann habe ihr gedroht,  sie  umzubringen,  sollte  sie  es  wagen,  in  die  eheliche  Wohnung  zurückzukehren.  Zudem habe  er  sie  körperlich  attackiert.  Diesbezüglich  beantragt sie als Beweisofferte die Befragung von zwei Zeugen. Sie habe  in  der  Folge  die  Opferhilfe  Thun  kontaktiert.  Anlässlich  eines  Besuchs  ihres Ehemannes  an  ihrem Arbeitsplatz  habe  er  ihr mit  dem Tod  durch 

C­5993/2009 Erschiessen gedroht,  sollte  sie Schwierigkeiten  im Scheidungsverfahren  machen.  Dazu  beantragt  sie  als  Beweisofferte  die  Befragung  von  mehreren  Zeugen.  Sie  habe  trotzdem  bis  zuletzt  an  eine  Wiederaufnahme  der  Ehe  geglaubt.  Aufgrund  der  bevorstehenden  Scheidung  und  der  negativen  Verfügung  des  BFM  habe  sie  schlussendlich  die  Strafanzeige  wegen  häuslicher  Gewalt  gegen  ihren  Ehemann eingereicht. Die Beschwerdeführerin führt weiter aus, sie sei in  der  Schweiz  im  Sinne  der  gesetzlichen  Bestimmungen  genügend  integriert.  Sie  sei  weder  im  Straf­  noch  im  Betreibungsregister  verzeichnet.  Seit  August  2007  arbeite  sie  im  "X._______",  einem  Thai  Restaurant  in  Y._______  als  Serviceaushilfe  und  komme  für  ihren  Lebensunterhalt  selbst  auf.  Auch  habe  sie  Deutschkurse  besucht.  Sie  verfüge  über  einen  grossen  Bekanntenkreis  und  ihre  Schwester  lebe  auch  hier.  Eine  Rückkehr  in  ihr  Heimatland würde  für  sie  aufgrund  der  immer  wieder  politisch  unstabilen  Situation  zu  einer  schweren  Notlage  führen. Zudem sei aufgrund ihres Alters eine Erwerbstätigkeit in Thailand  nicht möglich. Auch habe sie dort kein soziales Netz mehr. Die Vorinstanz  habe demzufolge "den Sachverhalt nicht, unvollständig und in rechtlicher  und tatsächlicher Hinsicht falsch gewürdigt." J. Mit Verfügung vom 2. Oktober 2009 gab das Bundesverwaltungsgericht  dem Antrag auf Sistierung des Beschwerdeverfahrens sowie dem Antrag  auf Zeugeneinvernahme nicht statt.  K. Am 16. Oktober  2009 hiess das Bundesverwaltungsgericht  das Gesuch  um unentgeltliche Rechtspflege samt Verbeiständung gut und setzte den  bisherigen Rechtsvertreter als amtlichen Anwalt ein. L. Mit  Beschwerdeergänzung  vom  16. November  2009  nimmt  die  Beschwerdeführerin auf Aufforderung des Bundesverwaltungsgerichts hin  Stellung  zu  ihren  heutigen  und  bisherigen  Lebensverhältnissen  sowie  zum  Stand  des  Strafverfahrens  gegen  ihren  Ehemann.  Der  Eingabe  waren diverse Schreiben vom Drittpersonen beigelegt.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         M. In  ihrer  Vernehmlassung  vom  24. November  2009  beantragt  die  Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde.

C­5993/2009 N. Am 15. Dezember 2009 wurde die Ehe rechtskräftig geschieden. O. Die  Beschwerdeführerin  nahm  zur  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  am  4. Januar 2011 Stellung. P. Mit  rechtskräftigem  Urteil  des  Regionalgerichts  Oberland  in  Thun  vom  5. Juli  2011  wurde  das  Strafverfahren  gegen  R._______  wegen  Tätlichkeiten eingestellt und von den Anschuldigungen der Nötigung, der  versuchten Nötigung und der Drohung wurde er freigesprochen. Q. Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht,  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen,  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember 1968  (VwVG, SR 172.021), die von einer  in Art. 33 VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  Verfügungen  des  BFM,  welche  sowohl  die  Zustimmung  zur  Erteilung  bzw.  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  als  auch  die  Wegweisung  betreffen.  Das  Bundesverwaltungsgericht entscheidet endgültig, soweit nicht die Beschwerde in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  offen  steht  (vgl.  Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  und  4  des Bundesgerichtsgesetzes  vom   17.  Juni  2005  [BGG, SR 173.110]). 1.2  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Gesetz  nichts  anderes bestimmt.  1.3  Als  Adressat  der  Verfügung  ist  die  Beschwerdeführerin  zu  deren  Anfechtung  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).   Auf  die  frist­  und  formgerechte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 49 ff. VwVG).

C­5993/2009 2. Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. E. 1.2  des Urteils des Bundesgerichts 2A.451/2002 vom 28. März 2003 teilweise  publiziert in BGE 129 II 215). 3. 3.1 Hinsichtlich  der  von der Beschwerdeführerin  als Beweismassnahme  beantragten  gerichtlichen  Befragung  von  Zeugen  ist  Folgendes  festzuhalten:  Der  Behörde  kommt  grundsätzlich  die  Pflicht  zu,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  zu  ermitteln  (Art.  12  VwVG).  Die  Behörden  sind  verpflichtet,  die  von  den  Parteien  angebotenen  Beweise  abzunehmen,  sofern  diese  geeignet  sind,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  zu  erhellen.  Kommt  die  Behörde  bei  pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, die Akten erlaubten  die  richtige  und  vollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts oder die behauptete Tatsache sei für die Entscheidung der  Streitsache  nicht  von  Bedeutung,  kann  sie  auf  die  Erhebung  weiterer  Beweise verzichten, ohne durch diese antizipierte Beweiswürdigung den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  gemäss  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101) zu verletzen (vgl. zum Ganzen BGE 136 I 229 E. 5.3  S.  236  mit  Hinweis).  Überdies  handelt  es  sich  bei  der  Zeugeneinvernahme  gemäss  Art.  14  VwVG  um  ein  subsidiäres  Beweismittel;  eine  solche  darf  –  der  besonderen  Voraussetzungen  und  Folgen wegen – nur ausnahmsweise angeordnet werden (vgl. dazu Urteil  des Bundesgerichts 1C_427/2008 vom 2. Februar 2009 E. 2.2).  3.2  Der  entscheiderhebliche  Sachverhalt  erschliesst  sich,  wie  nachfolgend zu zeigen sein wird,  in hinreichender Weise aus den Akten.  Von  den  beantragten  Zeugeneinvernahmen  kann  daher  in  antizipierter  Beweiswürdigung ohne Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör 

C­5993/2009 abgesehen  werden.  Das  Verwaltungsrechtspflegeverfahren  ist  sodann  vom  Grundsatz  der  Schriftlichkeit  geprägt  (siehe  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht, Lausanne/Zürich/Bern 2008, Rz. 3.85/3.86 S. 143 ff.)  und ein Anspruch auf mündliche Anhörung besteht nicht (BGE 134 I 140        E.  5.3  S.  148).  Zudem  machte  die  Beschwerdeführerin  von  der  Möglichkeit,  schriftliche  Stellungnahmen  von  den  angerufenen  Drittpersonen  einzureichen,  Gebrauch. 4. 4.1 Am 1. Januar 2008 traten die neuen gesetzlichen Bestimmungen des  AuG und seine Ausführungsbestimmungen  in Kraft – unter anderem die  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201).  In  Verfahren,  die  vor  diesem  Zeitpunkt  anhängig  gemacht  wurden,  bleibt  nach  der  übergangsrechtlichen  Ordnung  des  AuG  das  alte  materielle  Recht  anwendbar, wobei es ohne Belang ist, ob das Verfahren auf Gesuch hin –  so explizit Art. 126 Abs. 1 AuG – oder von Amtes wegen eröffnet wurde  (vgl. BVGE 2008/1 E. 2).  4.2  Der  Beschwerdeführerin  ist  zwar  noch  unter  dem  Geltungsbereich  des  Bundesgesetzes  vom  26. März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  eine  erstmalige  Aufenthaltsbewilligung erteilt worden; da sie  jedoch mit Gesuch vom 18.  Juli  2008  die  Verlängerung  dieser  Bewilligung  beantragt  hat,  ist  im  vorliegenden Verfahren neues Recht anwendbar.  4.3 Gemäss Art. 40 AuG sind die Kantone zuständig für die Erteilung und  Verlängerung  von  Bewilligungen.  Vorbehalten  bleibt  jedoch  die  Zustimmung durch das BFM. Dessen Zustimmungserfordernis ergibt sich  im vorliegenden Fall aus Art. 99 AuG i.V.m. Art. 85 Abs. 1 Bst. a VZAE.  Letztgenannte Bestimmung wird präzisiert durch die Weisungen des BFM  im  Ausländerbereich  in  der  Fassung  vom  1.  Juli  2009  (www.bfm.admin.ch>Dokumentation>Rechtliche  Grundlagen>Weisungen  und  Kreisschreiben).  Sie  sehen  in  Ziffer  1.3.1.4  Bst. e  vor,  dass  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  nach  der  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem  schweizerischen  oder  ausländischen  Ehegatten  oder  nach  dessen  Tod  dem  BFM  zur  Zustimmung  zu  unterbreiten ist, falls die betroffene ausländische Person nicht aus einem  Mitgliedstaat der EFTA oder der EG stammt. 

C­5993/2009 5. Gemäss  Art.  42  Abs.  1  AuG  haben  ausländische  Ehegatten  von  Schweizerinnen  und  Schweizern,  wenn  sie  mit  diesen  zusammenwohnen,  Anspruch  auf  Erteilung  und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und  –  nach  einem  ordnungsgemässen  und  ununterbrochenen  Aufenthalt  von  fünf  Jahren  –  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Niederlassungsbewilligung  (Art.  42  Abs.  3  AuG).  Nach  Auflösung  der  Ehe  oder  Familiengemeinschaft  –  mitgemeint  ist  auch  die  eheliche  Gemeinschaft – besteht der Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung  weiter,  wenn  die  Ehegemeinschaft  mindestens  drei  Jahre  bestanden  hat  und  eine  erfolgreiche  Integration  besteht  (Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG)  oder  wenn  wichtige  persönliche  Gründe  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich machen  (Art.  50  Abs.  1  Bst. b AuG). 6. Das  zeitliche  Kriterium  der  dreijährigen  Dauer  der  Ehegemeinschaft  ist  nicht  gleichbedeutend  mit  der  Dauer  der  Haushaltsgemeinschaft.  Von  einer  bestehenden  Ehegemeinschaft  kann  grundsätzlich  –  und  vorbehältlich  offenkundiger  Missbrauchsabsichten  –  ausgegangen  werden,  solange  die  Ehegatten  zusammen  leben.  Der  Fortbestand  der  Ehegemeinschaft  kann  aber  auch  im  Fall  ihres  Getrenntlebens  angenommen  werden,  nämlich  dann,  wenn  für  das  Getrenntleben  objektivierbare  Gründe  bestehen  (vgl.  MARC  SPESCHA  in:  Spescha/Thür/Zünd/Bolzli  [Hrsg.],  Kommentar  Migrationsrecht,  2.  aktualisierte Auflage, Zürich 2009, Art. 50 AuG N 4). Art. 49 AuG spricht  insoweit  von wichtigen Gründen,  die  in  der  Botschaft  zum AuG  vom  8.  März  2002  (BBl  2002  3753  f.)  zum  einen  als  berufliche  Gründe,  zum  anderen  auch  als  andere  wichtige  und  nachvollziehbare  Gründe  bezeichnet werden. Zu  letzteren zählt – so explizit Art.  76 VZAE – eine  vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme, womit  der  Gesetzgeber  insbesondere  Fälle  häuslicher  Gewalt  im  Auge  hatte  (vgl. ESTHER S. AMSTUTZ  in: Caroni/Gächter/ Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis  Handkommentar  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG], Art. 49 N 24; Urteile des Bundesgerichts 2C_314/2010  vom 26. Juli 2010 E. 2.2 und 2C_544/2010 vom 23. Dezember 2010 E.  2.3.1). Hält  im Falle erheblicher Eheprobleme das Getrenntleben an, so  stellt  sich  die  Frage,  ob  die  Trennung  als  definitiv  und  die  Familiengemeinschaft  damit  als  aufgelöst  zu  betrachten  ist  (vgl.  MARC  SPESCHA, a.a.O. Art. 49 AuG N. 3).

C­5993/2009 6.1  Gemäss  Trennungsvereinbarung  zwischen  der  Beschwerdeführerin  und ihrem Ehemann vom 13. Dezember 2007 wurde festgestellt, dass ihr  gemeinsamer  Haushalt  seit  dem  1.  Februar  2007  aufgehoben  ist.  Das  Zusammenleben hat demzufolge zwei Jahre und drei Monate gedauert. 6.2  Wurde  der  gemeinsame  Haushalt  vor  Ablauf  von  drei  Jahren  aufgehoben,  so  stellt  sich  die  Frage,  ob  die  eheliche  Gemeinschaft  trotzdem weiterhin Bestand hatte. Wie oben dargelegt  (E.  6),  kann dies  bei Vorliegen wichtiger Gründe angenommen werden, u.a. auch bei einer   vorübergehenden  Trennung  wegen  erheblicher  familiärer  Probleme.  Gegen  die  Annahme  einer  vorübergehenden  Trennung  spricht  im  vorliegenden Fall zwar der Umstand, dass die Haushaltsgemeinschaft gar  nicht wieder  aufgenommen und die Ehe  schliesslich geschieden wurde;  allerdings  kann  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  die  Ehegatten  womöglich zu Beginn ihrer Trennung noch mit der Lösung ihrer Probleme  und der baldigen Wiederaufnahme des Zusammenlebens rechneten. Die  reine  Behauptung  der  Ehegatten,  die  Wiedervereinigung  angestrebt  zu  haben,  reicht  für  eine  entsprechende  Annahme  jedoch  nicht  aus.  Vielmehr muss sich der  fortbestehende Ehewillen daran ablesen  lassen,  ob  und  welche  Kontakte  die  Ehegatten  weiterhin  gepflegt  und  welche  Anstrengungen  sie  zur  Überwindung  der  gemeinsamen  Schwierigkeiten  unternommen haben (vgl. MARC SPESCHA, a.a.O., Art. 49 AuG N. 3).  6.3  Die  Beschwerdeführerin  hat  im  Rahmen  der  Abklärung  des  Sachverhalts  bezüglich  der  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  durch  die Einwohnerdienste  der Stadt  Thun  auf  die  Frage,  ob  sie  ihren  Ehemann  in  den  Monaten  Juli  und  August  2008  gesehen  habe,  vorgebracht, sie habe  ihren Ehemann  im Juli ungefähr vier Mal spontan  gesehen,  ein Mal mit  ihm wegen der Trennungsvereinbarung  telefoniert  und  per  SMS  Kontakt  gehabt. Weiter  teilte  sie mit,  sie  wolle  sich  nicht  scheiden  lassen.  Sie  habe  die  Hoffnung  noch  nicht  aufgegeben,  dass  sich  ihre  Probleme  lösen  werden.  Dieser  Prozess  brauche  jedoch  Zeit.  Dagegen  hielt  ihr  heutiger  Ex­Ehemann mit  Schreiben  vom  30.  August  2008 an die Einwohnerdienste der Stadt Thun fest, seine Situation habe  sich seit seinem letzten Schreiben vom 5. Oktober 2007 nicht verändert.  Er habe seine Ehefrau nicht mehr gesehen und wisse auch nicht wo sie  sich  aufhalte.  Zudem  teilte  er mit,  er  wolle  sich  so  schnell  wie möglich  scheiden  lassen.  Er  könne  sich  mit  seiner  Ehefrau  keine  gemeinsame  Zukunft mehr vorstellen.

C­5993/2009 Den vagen und nicht nachprüfbaren Angaben zur weiteren Kontaktpflege  der  Beschwerdeführerin  steht  die  Aussage  des  Ex­Ehemannes,  keinen  Kontakt mit ihr gehabt zu haben, entgegen. Zudem hat der Ex­Ehemann  die Beschwerdeführerin angeblich wegen einer neuen Freundin aus ihrer  gemeinsamen  Wohnung  gewiesen.  Spontane  Kontakte  allein  zeugen  nicht  von  einem  fortbestehenden Ehewillen.  Auch  haben  die  damaligen  Eheleute  nicht  angegeben,  irgendwelche  Anstrengungen  unternommen  zu  haben  um  ihre  Problem  zu  lösen.  Die  Ausnahmebestimmungen  von  Art.  49  AuG  und  Art. 76  VZAE  haben  nicht  den  Sinn,  dem  Ehepartner  eines  Schweizer  Bürgers  solange  das  Aufenthaltsrecht  zu  sichern,  bis  feststeht, dass seine Ehe endgültig gescheitert  ist. Vielmehr  ist bei einer  Trennung  wegen  familiärer  Probleme  eine  Ausnahme  vom  rechtsbegründenden  Erfordernis  des  Zusammenlebens  nur  dann  denkbar,  wenn  diese  Probleme  an  die  Schwere  häuslicher  Gewalt  heranreichen  (vgl. Urteil  des Bundesgerichts  2C_314/2010  vom 26.  Juli  2010 E. 2.2). Hierfür bestehen  im vorliegenden Fall keine Anhaltspunkte  (siehe E. 7.1.).  6.4  Im  Ergebnis  steht  damit  fest,  dass  die  eheliche  Gemeinschaft  der  Beschwerdeführerin  vor  Ablauf  von  drei  Jahren  beendet  war.  Art.  50  Abs. 1  Bst.  a  AuG  findet  in  ihrem  Fall  somit  keine  Anwendung.  Im  Rahmen dieser Bestimmung  kommt es auf  die  behauptete  Integration –  die ein kumulatives Kriterium wäre – nicht mehr an. Da es am Erfordernis  des Zusammenwohnens fehlte, hat die Beschwerdeführerin auch keinen  Anspruch  auf  Erteilung  der  Niederlassungsbewilligung  gemäss  Art. 42  Abs.  3  AuG  erworben,  obwohl  die  Ehe  erst  nach  Ablauf  der  Fünfjahresfrist geschieden worden ist. 7. Gemäss  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  besteht  –  unabhängig  von  der  bisherigen Dauer der Familien­ bzw. Ehegemeinschaft – auch dann der  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  weiter,  wenn  wichtige  persönliche  Gründe  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich machen. Solche Gründe können namentlich – so explizit Art.  50  Abs.  2  AuG  –  vorliegen,  wenn  der  betreffende  Ehegatte  Opfer  ehelicher  Gewalt  wurde  und  seine  soziale  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  stark  gefährdet  erscheint;  beide  Bedingungen  müssen  jedoch  nicht  kumulativ  erfüllt  sein  (BGE  136  II  1  E.  5  S.  3  ff.). Weitere  wichtige  –  und  im  Zusammenhang  mit  der  Ehe  stehenden  Gründe –  können  sich  auch  daraus  ergeben,  dass  der  in  der  Schweiz  lebende  Ehepartner gestorben  ist  oder gemeinsame Kinder  vorhanden sind  (vgl. 

C­5993/2009 MARC  SPESCHA,  a.a.O.  Art.  50  AuG  N.  7  sowie  MARTINA  CARONI  in:  Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., Art. 50 N 23 f.).  7.1  Im  Falle  der  Beschwerdeführerin  sind  jedoch  keine  spezifischen,  auf  ihrer  Ehe  bzw.  deren  Auflösung  beruhenden  Gründe  ersichtlich,  die  ihr  einen  Anspruch  auf weiteren Verbleib  in  der  Schweiz  verschaffen  könnten.  Insoweit  die  Beschwerdeführerin  geltend  macht,  Opfer  ehelicher  Gewalt  geworden  zu  sein, ist festzustellen, dass ihre Angaben vage und die Aussagen der Beteiligten  völlig  kontrovers  sind.  Überdies  kann  auf  das  Urteil  des  Regionalgerichts  Oberland in Thun vom 5. Juli 2011 verwiesen werden. Das Strafverfahren  gegen  den  damaligen  Ehemann  wegen  Tätlichkeiten  wurde  eingestellt  und  von  den  Anschuldigungen  der  Nötigung,  der  versuchten  Nötigung  und der Drohung wurde er freigesprochen. Ganz generell ist festzuhalten,  dass  in  casu  die  bundesgerichtlichen  Voraussetzungen  zum Begriff  der  ehelichen  Gewalt  nicht  erfüllt  sind  (vgl.  Urteil  2C_35/2011  vom  24. Mai  2011 E. 2.1 und 2.2 mit Hinweisen). Zudem lässt der Umstand, dass die Ehe  der  Beschwerdeführerin  gescheitert  ist,  nicht  erkennen,  dass  ihre  soziale  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  Thailand  stark  gefährdet  wäre.  Da  aus  ihrer Ehe mit dem Schweizerbürger keine Kinder hervorgegangen sind, können  auch keine  entsprechend  engen  familiären Beziehungen  einen wichtigen Grund  für die Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung darstellen. 7.2  Anspruchsbegründend  können  auch  sonstige  wichtige  persönliche  Gründe  sein,  da  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  bewusst  auf  eine  abschliessende  Aufzählung  der  Gründe  verzichtet  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­4625/2009  vom  31.  März  2011  E.  7.2).  Entscheidend ist hierbei die persönliche Situation des Betroffenen. Die in  Art.  31  Abs.  1  VZAE  aufgelisteten,  aber  nicht  erschöpfenden  Kriterien  können  für  die Beurteilung  eines Härtefalles  herangezogen werden  und  eine  wesentliche  Rolle  spielen,  auch  wenn  sie  einzeln  betrachtet  grundsätzlich  noch  keinen  Härtefall  zu  begründen  vermögen  (vgl.  BGE  2C_784/2010  vom  26. Mai  2011  E.  3.2.3).  Ausdrücklich  aufgeführt  werden  dort  die  Integration  (Bst.  a),  die  Respektierung  der  Rechtsordnung (Bst. b), die Familienverhältnisse (Bst. c), die finanziellen  Verhältnisse sowie der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum  Erwerb  von  Bildung  (Bst.  d),  die  Dauer  der  Anwesenheit  (Bst.  e),  der  Gesundheitszustand  (Bst.  f)  und  die  Möglichkeiten  der  Wiedereingliederung  im Herkunftsland  (Bst.  g;  zum Ganzen  siehe  auch  MARTINA CARONI in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., Art. 50 N 23  f.).

C­5993/2009 7.3 Die Beschwerdeführerin hat insbesondere betont, sie habe sich in der  Schweiz  erfolgreich  integriert  und  diesbezüglich  auf  ihre  berufliche  und  soziale Integration verwiesen. Seit August 2007 arbeite sie im X._______,  einem Thai Restaurant  in Y._______ als Serviceaushilfe und komme für  ihren Lebensunterhalt  selbst auf. Aus dem eingereichten Arbeitszeugnis  geht  hervor,  dass  sie  von  ihrem  Arbeitgeber  sehr  geschätzt  wird.  Sie  bringt  weiter  vor,  über  einen  grossen  Bekanntenkreis  zu  verfügen  und  ihre  Schwester  lebe  auch  hier.  Zudem  habe  sie  Deutschkurse  (Niveau  A1)  besucht.  Sie  habe  auch  keinen  Eintrag  im  Straf­  und  Betreibungsregister.  Eine  Rückkehr  in  ihr  Heimatland  würde  für  sie  aufgrund  der  immer  wieder  politisch  unstabilen  Situation  zu  einer  schweren  Notlage  führen.  Zudem  sei  aufgrund  ihres  Alters  eine  Erwerbstätigkeit  in  Thailand  nicht  möglich.  Auch  habe  sie  dort  kein  soziales Netz mehr.  7.4 Die Beschwerdeführerin reiste im Alter von 43 Jahren in die Schweiz  ein.  Die  Aufenthaltsdauer  von  bald  sieben  Jahren  ist  angesichts  ihres  Alters  nicht  als  sehr  lang  anzusehen.  In  beruflicher  und wirtschaftlicher  Hinsicht hat sie sich im zu erwartenden Mass in die hiesigen Verhältnisse  eingelebt.  Ebenso  ist  sie  gemäss  ihren  Angaben  sozial  gut  integriert.  Insgesamt  unterscheidet  sich  der  Integrationsgrad  der  Beschwerdeführerin  jedoch nicht von dem, was von einer ausländischen  Person nach vergleichbarem Aufenthalt verlangt werden kann.  Die  Beschwerdeführerin  ist  mit  den  Verhältnissen  in  Thailand  noch  gut  vertraut,  hat  sie  doch  den  weitaus  grössten  und  prägenden  Teil  ihres  Lebens  in der Heimat  verbracht.  Zudem  leben  ihre Mutter  und  ihre drei  erwachsenen Kinder  in Thailand. Aus den Akten  ist ersichtlich, dass sie  mit  ihren Kindern  in Kontakt steht,  reiste sie doch am 30. April 2009  für  zwei Monate nach Thailand, um der Hochzeit einer Tochter beizuwohnen.  Demzufolge verfügt  sie  in  ihrem Heimatland über ein soziales Netz und  wird sich bei  ihrer Rückkehr  in den dortigen Verhältnissen zurechtfinden  können. Die hier erworbenen Fähigkeiten werden  ihr bei der beruflichen  Wiedereingliederung  von  Nutzen  sein.  Ohne  Belang  ist  es,  wenn  die  Beschwerdeführerin in ihrer Heimat wirtschaftliche Verhältnisse vorfindet,  die  nicht  denen  der  Schweiz  entsprechen.  Da  sie  offensichtlich  keine  gesundheitlichen  Probleme  hat,  ergeben  sich  insgesamt  gesehen  auch  keine  wichtigen  persönlichen  Gründe,  die  eine  Verlängerung  ihrer  Aufenthaltsbewilligung erfordern würden. 

C­5993/2009 8. Die Beschwerdeführerin  besitzt  somit weder  gestützt  auf Art.  50 Abs.  1  Bst. a  AuG  (dreijährige  Ehegemeinschaft  und  erfolgreiche  Integration)  noch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG (wichtige persönliche Gründe)  einen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Dafür, dass  die  Vorinstanz  einen  fehlerhaften  Ermessensentscheid  getroffen  haben  könnte,  bestehen  keine  Anhaltspunkte;  insbesondere  wäre  in  diesem  Rahmen auch keine Härtefallregelung nach Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG in  Betracht  gekommen.  Dass  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zur  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert hat, kann daher nicht  beanstandet werden. 9. Als gesetzliche Folge der nicht mehr verlängerten Aufenthaltsbewilligung  hat  die  Beschwerdeführerin  die  Schweiz  zu  verlassen  (Art.  64  Abs.  1       Bst.  c  AuG).  Es  bleibt  aber  zu  prüfen,  ob  Hinderungsgründe  für  den  Vollzug der Wegweisung anzunehmen sind (Art. 83 Abs. 2 – 4 AuG) und  das  BFM  gestützt  hierauf  die  vorläufige  Aufnahme  hätte  verfügen  müssen.  9.1 Die Möglichkeit und Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs stehen im  vorliegenden Fall ausser Frage. Demzufolge wäre allenfalls  relevant, ob  die  zwangsweise  Rückkehr  für  die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete  Gefährdung mit sich brächte und damit nicht zumutbar wäre.  9.2 Der Wegweisungsvollzug kann für die betroffene Person unzumutbar  sein,  wenn  sie  in  ihrem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  Situationen  wie  Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt oder einer medizinischen Notlage  ausgesetzt  wäre.  Wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  welchen  die  ansässige Bevölkerung regelmässig betroffen ist, wie Wohnungsnot oder  ein  schwieriger  Arbeitsmarkt,  vermögen  jedoch  keine  konkrete  Gefährdung  zu  begründen.  Dagegen  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zumutbar,  wenn  dieser  für  die  ausländische  Person  höchstwahrscheinlich  zu  einer  existenziellen  Bedrohung  führen  würde,  beispielsweise  dann,  wenn  sie  sich  nach  ihrer  Rückkehr  mit  völliger  Armut,  Hunger,  Invalidität  oder  Tod  konfrontiert  sähe  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgericht C­4625/2009 vom 31. März 2011 E. 10.2 mit  Hinweis).  9.3  Es  ergeben  sich  weder  aus  den  Akten  noch  aus  dem  Beschwerdevorbringen  Anhaltspunkte,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  des 

C­5993/2009 Wegweisungsvollzugs  in  das  Heimatland  der  Beschwerdeführerin  sprächen.  Es  wird  keine  konkrete  Gefährdung  behauptet.  Der  vorgebrachte pauschale Hinweis auf die immer wieder politisch unstabile  Situation genügt hierfür jedenfalls nicht.  10. Abschliessend  ist  festzuhalten,  dass  die  angefochtene  Verfügung  im  Lichte  von Art.  49 VwVG nicht  zu  beanstanden  ist. Die Beschwerde  ist  deshalb abzuweisen. 11. Da  der  Beschwerdeführerin  die  unentgeltliche  Rechtspflege  samt  Rechtsverbeiständung  gewährt  wurde,  ist  sie  davon  befreit,  für  die  entstandenen  Verfahrenskosten  aufzukommen.  Aus  demselben  Grund  sind die notwendigen Kosten der Rechtsvertretung von der erkennenden  Instanz  zu  übernehmen.  Der  Rechtsvertreter  hat  zum  Zeitpunkt  der  Beschwerdeerhebung  eine  Honorarnote  in  der  Höhe  von  Fr.  1'484.90  eingereicht.  In  Anwendung  von  Art. 12  i.V.m.  Art. 8  Abs.  2  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  und  unter  Berücksichtigung  der  weiteren  Eingaben  des  Rechtsvertreters  ist  daher  eine  Entschädigung  von  Fr.  2'000.­­  (inkl.  MwSt)  auszurichten.  Dieser  Betrag  ist  von  der  Beschwerdeführerin  dem  Bundesverwaltungsgericht  zurückzuerstatten,  sollte  sie  später  zu  hinreichenden  Mitteln  gelangen  (Art. 65 Abs. 4 VwVG). Dispositiv Seite 15

C­5993/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Für  seine  anwaltschaftlichen  Bemühungen  wird  Rechtsanwalt  Lorenzo  Cicco, Thun eine Entschädigung von Fr. 2'000.­ (inkl. MwSt) ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] retour) – die Einwohnerdienste der Stadt Thun Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn

C­5993/2009 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30  Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen gemäss den Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (BGG,  SR  173.110)  gegeben  sind. Die Rechtsschrift  hat  die Begehren,  deren Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).  Versand:

C-5993/2009 — Bundesverwaltungsgericht 31.08.2011 C-5993/2009 — Swissrulings