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Bundesverwaltungsgericht 21.10.2011 C-5527/2009

21 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,588 parole·~13 min·2

Riassunto

Sonderabgabepflicht | Sicherheitsleistungen / Sonderabgabe

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­5527/2009 Urteil   v om   2 1 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Blaise Vuille,    Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer. Parteien A._______, vertreten durch lic. iur. Daniel Habte, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Sicherheitsleistungen / Sonderabgabe.

C­5527/2009 Sachverhalt: A.  Die  aus  Eritrea  stammende  Beschwerdeführerin  (geb.  1975)  reiste  am  21. Dezember 1998 zusammen mit  ihrem Mann, B._______, und einem  Kind  in  die  Schweiz  ein.  Die  gleichentags  eingereichten  Asylgesuche  wies  das  damals  zuständige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF,  heute:  BFM) mit Verfügung vom 21. März 2001 ab und ordnete die Wegweisung  aus  der  Schweiz  an.  Im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  kam  das  BFF teilweise auf seine Verfügung zurück und ordnete am 15. September  2003 die vorläufige Aufnahme der mittlerweile vierköpfigen Familie an. B.  Am 3. Januar 2005 wurde der Beschwerdeführerin und  ihrem Mann der  Entwurf einer Zwischenabrechnung über die Sicherheitskonten Nr. ……1  (lautend  auf  B._______)  und  Nr. …….2  (lautend  auf  die  Beschwerdeführerin) unterbreitet. Darin setzte die Vorinstanz die für das  Asylverfahren  rückerstattungspflichtigen  Kosten  auf  Fr. 25'200.­  fest  (Pauschale  für  allgemeine  Fürsorge  gemäss  den  damals  geltenden  Regelvermutungen).  Hinzu  kamen  ungedeckte  Zahnarztkosten  von  Fr.  442.20.  Nachdem  die  den  Betroffenen  eingeräumte  Frist  zur  Stellungnahme ungenutzt verstrichen war, erliess die Vorinstanz am 17.  Februar  2005  eine  entsprechende  Verfügung.  Von  besagten  Sicherheitskonten,  die  einen  Stand  von  insgesamt  Fr.  17'719.30  aufwiesen,  wurden  zu  Gunsten  des  Bundes  Fr. 17'400.­  als  anteilsmässige  Rückerstattung  der  verursachten  Kosten  vereinnahmt.  Den noch offenen Restbetrag von Fr. 8'222.20 verwies die Vorinstanz  in  die Schlussabrechnung. Diese  (definitive) Zwischenabrechnung erwuchs  unangefochten in Rechtskraft. C.  Am  25.  Juni  2009  verfügte  die  Vorinstanz  die  Abrechnung  des  Sicherheitskontos  Nr. …….1  (lautend  auf  B._______).  Sie  stellte  dem  Kontostand  von  Fr. 111.75  zuzüglich  dem  teilsaldierten  Betrag  aus  der  Zwischenabrechnung von Fr. 2'100.­ und dem anrechenbaren Betrag aus  der Abrechnung der Beschwerdeführerin von Fr. 10'622.20 den unter der  Sonderabgabepflicht  zu  leistenden  Betrag  von  Fr. 15'000.­  gegenüber  und hielt fest, dass der Negativsaldo von Fr. 2'166.05 zu einem späteren  Zeitpunkt  nur  eingezogen  werden  könne,  sofern  es  zu  einem  Vermögensanfall  kommen  sollte,  der  nicht  aus  Erwerbseinkommen  stamme.

C­5527/2009 D.  D.a  Mit  Schreiben  vom  25. Juni  2009  gelangte  die  Vorinstanz  im  Zusammenhang mit der Liquidierung des Sicherheitskontos Nr. …….2 an  die  Beschwerdeführerin  und  teilte  ihr  mit,  dass  sie  gemäss  den  "Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  des  Asylgesetzes  vom  16.  Dezember  2005"  per  1. Januar  2008  grundsätzlich  der  neuen  Sonderabgabe unterstehe (gemeint  ist Art. 126a des Ausländergesetzes  vom  16. Dezember  2005  [AuG,  SR  142.20]).  Aufgrund  der  Übergangsbestimmungen  zur  am  24 Oktober  2007  beschlossenen  Änderung  der  Asylverordnung 2  vom  11. August  1999  über  Finanzierungsfragen  (AsylV 2,  SR  142.312;  nachfolgend:  Übergangsbestimmungen  AsylV 2)  sei  sie  jedoch  nicht  mehr  sonderabgabepflichtig.  Da  sämtliche  durch  die  Beschwerdeführerin  bereits  getätigten  Rückzahlungen  sowie  die  Einzahlungen  auf  dem  Sicherheitskonto  in  vollem  Umfang  an  die  Sonderabgabe  angerechnet  würden, sei der Maximalbetrag von Fr. 15'000.­ bereits erreicht. Gemäss  "Abs.  1  der  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  des  Asylgesetzes"  (gemeint ist Art. 126a Abs. 1 AuG) würden die Zwischenabrechnung und  die Saldierung des Kontos  jedoch nach altem Recht erfolgen, wenn der  Zwischenabrechnungsgrund  vor  Inkrafttreten  der  Gesetzesänderung  entstehe.  Aus  diesem  Grund  werde  ein  höherer  Betrag  als  die  Fr. 15'000.­  vereinnahmt.  Das  Total  der  geleisteten  Sicherheiten  von  Fr. 30'842.50  –  bestehend  aus  dem  aktuellen  Kontosaldo  von  Fr. 15'542.50  und  dem  teilsaldierten  Betrag  von  Fr. 15'300.­  aus  der  Zwischenabrechnung  –  werde  den  gemäss  Zwischenabrechnung  zurückzuerstattenden Kosten  von  Fr. 25'622.20  gegenüber  gestellt,  was  einen  Überschuss  von  Fr. 5'220.30  zugunsten  der  Beschwerdeführerin  ergebe.  Da  die  Zwischenabrechnung  und  Saldierung  nach  dem  alten  Asylrecht  erfolgten,  würden  die  Rückerstattungen,  die  Fr. 15'000.­  überstiegen (Fr. 10'622.20), dem Konto des Ehegatten gutgeschrieben. Die  Beschwerdeführerin  wurde  gebeten,  eine  Zahladresse  bekannt  zu  geben  und  den  beigelegten  Auszug  aus  ihrem  Sicherheitskonto  die  Einzahlungen seit dem 1. Januar 2007 zu überprüfen. Mit Schreiben vom  22. Juli  2009  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  die  Vorinstanz,  die  Abrechnung  zu  überprüfen,  da  vor  Inkrafttreten  der  Gesetzesänderung  keiner  der Tatbestände  von Art.  87 AsylG  in  der Fassung  vom 26. Juni  1998, die bis zum 31. Dezember 2007 in Geltung stand (AS 1999 2262;  nachfolgend:  AsylG  [1998])  eingetreten  sei  und  überdies  die  Ehegatten  seit geraumer Zeit nicht mehr zusammen wohnten.

C­5527/2009 D.b  Mit  Verfügung  vom  4. August  2009  liquidierte  die  Vorinstanz  das  Sicherheitskonto  der  Beschwerdeführerin  unter  Bezugnahme  auf  die  Übergangsbestimmungen  der  AsylV 2,  namentlich  deren  Absatz  7.  Sie  stellte  fest,  dass  der  Saldo  Fr. 15'542.50  betrage,  zuzüglich  des  teilsaldierten  Betrages  aus  der  Zwischenabrechnung  von  Fr. 15'300.­  (Dispositiv Ziffer 1). Die aus der Sicherheitsleistungspflicht für die Zeit des  Asylverfahrens  zurückzuerstattenden  Kosten  seien  bereits  mit  der  Zwischenabrechnung vom 17. Februar 2005 auf Fr. 25'622.20 festgesetzt  und  dafür  Fr. 15'300.­  vom  Konto  der  Beschwerdeführerin  vereinnahmt  worden.  Die  Differenz  von  Fr. 10'322.20  werde  jetzt  noch  abgezogen  (Dispositiv  Ziffer  2).  Den  unter  der  Sonderabgabe  zu  leistende  Betrag  setzte die Vorinstanz auf Fr. 15'000.­ fest und erklärte, die Einzahlungen  gemäss  Ziffer  1  des  Dispositivs  würden  vollumfänglich  an  die  Sonderabgabe  angerechnet  (Dispositiv  Ziffer  3).  Der  Betrag  von  Fr. 10'622.20  werde  an  die  Sonderabgabepflicht  von  Herrn  C._______  (recte:  B._______)  angerechnet  und  dessen  Konto  gutgeschrieben  (Dispositiv  Ziffer  4).  Das  Restguthaben  werde  der  Beschwerdeführerin  ausbezahlt (Dispositiv Ziffer 5). E.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  31.  August  2009  beantragt  der  Rechtsvertreter namens seiner Mandantin sinngemäss die Aufhebung der  Ziffern 2 und 4 des Dispositivs der Verfügung vom 4. August 2009. Der  Betrag  von  Fr. 10'622.20  sei  weder  der  Sonderabgabepflicht  des  Ehegatten anzurechnen, noch dessen Konto gutzuschreiben; vielmehr sei  seiner  Mandantin  die  gesamte,  den  Betrag  der  Sonderabgabe  von  Fr. 15'000.­  übersteigende  Summe,  d.h.  Fr. 15'842.50,  auszuzahlen.  In  prozessrechtlicher  Hinsicht  wird  beantragt,  die  unentgeltliche  Prozessführung  zu  bewilligen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses zu verzichten. Der  Rechtsvertreter  bringt  zunächst  vor,  die  Vorinstanz  habe  sich  in  ihrem  Schreiben  vom  25.  Juni  2009  auf  "Absatz  1  der  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  des  Asylgesetzes"  (gemeint  ist  Art. 126a Abs. 1 AuG) gestützt, um die Saldierung des Sicherheitskontos  nach  altem  Recht  und  die  Übertragung  des  Teilbetrages  von  Fr. 10'622.20  auf  das  Konto  des  Ehegatten  zu  rechtfertigen.  In  der  Verfügung  vom  4. August  2009  habe  sie  sich  neu  auf  Absatz  7  der  Übergangsbestimmungen  AsylV 2  i.V.m.  Art.  16  AsylV 2  in  der  bis  31. Dezember  2007  geltenden  Fassung  (AS  1999  2318;  nachfolgend:  AsylV 2  [1999])  berufen.  Dieses  Vorgehen  der  Vorinstanz  sei  nicht  nur 

C­5527/2009 verwirrend,  sondern  entbehre  auch  der  gesetzlichen  Grundlage.  Vor  Inkrafttreten  der  Gesetzesänderung  am  1. Januar  2008  sei  kein  Abrechnungstatbestand  im  Sinne  von  Art. 87  AsylG  (1998)  eingetreten.  Es  dürfe  deshalb  kein  höherer  Betrag  als  Fr. 15'000.­  eingezogen  werden. Ferner ergebe sich aus Absatz 8 der Übergangsbestimmungen  AsylV 2  nicht,  dass  der  darüber  hinausgehende  Betrag  zwingend  der  Sonderabgabepflicht des Ehegatten anzurechnen sei; es werde auch die  Möglichkeit der Auszahlung an die Kontoinhaberin erwähnt. Im  vorliegenden  Fall  rechtfertige  es  sich,  den  Betrag  an  die  Beschwerdeführerin  auszuzahlen,  da  sie  seit  geraumer  Zeit  von  ihrem  Ehemann getrennt lebe. Nicht nur fehle es an der gesetzlichen Grundlage  für  die  Übertragung  der  Summe  von  Fr. 10'622.20  und  werde  diese  einseitig  zu  Ungunsten  der  Beschwerdeführerin  ausgelegt;  auch  würde  dieses Vorgehen für sie und ihre Kinder eine grosse Härte bedeuten. Sie  sei während vieler Jahre allein für die ganze Familie aufgekommen, was  sich  an  der  Höhe  des  Saldos  des  Sicherheitskontos  ihres  Ehemannes  zeige. Dies habe  letztlich auch zur Trennung der Ehegatten geführt. Die  Übertragung sei deshalb nicht nachvollziehbar. F.  Mit  Verfügung  vom  18.  September  2009  verzichtete  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  teilte  der  Beschwerdeführerin mit,  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  werde  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  behandelt. G.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  12.  Oktober  2009  hält  die  Vorinstanz  zunächst fest, dass die Solidarität der Ehegatten bis zur Rechtskraft des  Scheidungsurteils  gelte.  Da  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Ehemann  während  des  gesamten  Asylverfahrens  und  darüber  hinaus  verheiratet  gewesen  seien,  hafteten  sie  solidarisch  für  die  während  des  Asylverfahrens  vermutungsweise  verursachten  Fürsorgekosten.  Sodann  führt  sie aus, dass die Übergangsbestimmungen anzuwenden seien, da  vor  Inkrafttreten  der  Gesetzesänderung  kein  Schlussabrechnungsgrund  eingetreten  sei.  Sie  kommt  zum  Schluss,  dass  die  mit  der  Zwischenabrechnung vereinnahmte Summe der Sonderabgabepflicht voll  anzurechnen  sei.  Ferner  solle  der  Negativsaldo  aus  der  Zwischenabrechnung möglichst auch gedeckt werden, selbst wenn diese 

C­5527/2009 Rückerstattungen  insgesamt  den  Maximalbetrag  der  Sonderabgabe  überstiegen. H.  Die Beschwerdeführerin hält  in  ihrer Replik vom 11. November 2009 an  ihren Anträgen und deren Begründung fest. I.  Auf  den weiteren Akteninhalt wird  –  soweit  entscheiderheblich  –  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyl­  und  Ausländerrechts  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  und  Art.  33  Bst.  d  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig  (Art.  83 Bst.  c Ziff.  3 und Bst.  d Ziff. 1  des Bundesgerichtsgesetzes  vom 17.  Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  Verwaltungsverfahrensgesetz  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021), soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt  (Art. 37 VGG). 1.3. Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin gemäss Art. 48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  im Übrigen  frist­  und  formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50–52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht 

C­5527/2009 gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sach­  und  Rechtslage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E 2, BVGE 2007/41 E. 2 sowie Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts A­2682/2007 vom 7. Oktober 2010 E. 1.2 und  1.3). 3.  3.1. Am 1. Januar 2008 trat das zweite Paket der Asylgesetzrevision vom  16. Dezember 2005  in Kraft, mit dem durch entsprechende Änderungen  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  und  des  auf  denselben  Zeitpunkt  in  Kraft  gesetzten  Ausländergesetzes  ein  Systemwechsel  von  der  individuellen  Sicherheitsleistungs­  und  Rückerstattungspflicht  zur  Sonderabgabe  vollzogen  wurde  (vgl.  zum  Ganzen:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7179/2008  vom  21.  Dezember 2010). 3.2. Der 2. Abschnitt des 5. Kapitels des Asylgesetzes in seiner Fassung  vom  26.  Juni  1998  regelt  die  Rückerstattungs­  und  Sicherheitsleistungspflicht  von  Personen,  die  sich  gestützt  auf  das  Asylgesetz  in  der  Schweiz  aufhalten.  Gemäss  Art.  85  Abs.  1  AsylG  (1998)  haben  sie  –  soweit  zumutbar  –  die  Kosten  der  Fürsorge,  der  Ausreise und des Vollzugs sowie die Kosten des Rechtsmittelverfahrens  zurückzuerstatten.  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung sind gemäss Art. 86 AsylG (1998) darüber hinaus  verpflichtet, für die Rückerstattung der vorerwähnten Kosten Sicherheiten  zu  leisten.  Zu  diesem  Zweck  richtet  der  Bund  (individuelle)  Sicherheitskonten  ein,  die  durch  Lohnabzüge  und  Vermögenswertabnahmen  geäufnet  werden.  Die  Sicherheitsleistungen  werden gemäss Art. 87 Abs. 1 AsylG (1998) aufgrund einer individuellen  Abrechnung über die rückerstattungspflichtigen Kosten ausbezahlt, wenn  die  sicherheitsleistungspflichtige  Person  die  Schweiz  endgültig  verlässt  (Bst. a), sie als Asylsuchender oder Flüchtling eine Aufenthaltsbewilligung  erhält (Bst. b) oder als Schutzbedürftiger eine Niederlassungsbewilligung  erhält oder sich seit mindestens zehn Jahren in der Schweiz aufhält (Bst.  c).  Man  spricht  in  diesem  Zusammenhang  von  der  Schlussabrechnung  über das Sicherheitskonto. Die Asylverordnung 2  (1999)  führt zusätzlich  eine  Zwischenabrechnung  ein,  die  erfolgt,  wenn  eine  sicherheitsleistungspflichtige  Person  des  Asylrechts  die  vorläufige  Aufnahme erhält. Im Rahmen dieser Zwischenabrechnung werden die bis  zum  Statuswechsel  entstandenen,  rückerstattungspflichtigen  Kosten mit 

C­5527/2009 dem Guthaben des Sicherheitskontos verrechnet und der sich ergebende  Saldo,  sei  es  zu  Gunsten  oder  zu  Lasten  des  Kontoinhabers,  in  die  Schlussabrechnung übertragen (Art. 16 AsylV 2 [1999]). Die Verpflichtung  zur  Leistung  von  Sicherheiten  ist  nicht  zeitlich,  sondern  betragsmässig  limitiert.  Auf  Gesuch  hin  können  Personen  von  der  Pflicht  zur  Sicherheitsleistung  befreit  werden,  wenn  das  Guthaben  auf  dem  Sicherheitskonto die voraussichtliche Höhe der rückerstattungspflichtigen  Kosten übersteigt und einen Mindeststand aufweist (Art. 15 AsylV [1999]).  Die  Rückerstattungs­  und  Sicherheitsleistungspflicht  vorläufig  aufgenommener Personen ist durch Verweise auf das Asylgesetz und die  Asylverordnung 2 im Wesentlichen analog ausgestaltet (vgl. Art. 14c Abs.  6  des  Bundesgesetzes  vom  26.  März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung der Ausländer [ANAG, BS 1 121] in der Fassung vom 26.  Juni 1998, in Kraft bis 31. Dezember 2007 [AS 1999 2262]; ferner die per  1. Dezember 2008 aufgehobenen Art. 22 und 23 der Verordnung vom 11.  August  1999  über  den  Vollzug  der  Weg­  und  Ausweisung  von  ausländischen Personen  [VVWA,  SR  142.281]  in  der  Fassung  vom  11.  August 1999 [AS 1999 2254]). 3.3. Das neue Recht ändert an der Pflicht von Personen des Asylrechts,  Sozialhilfe­,  Ausreise­  und  Vollzugskosten  sowie  die  Kosten  des  Rechtsmittelverfahrens  zurückzuerstatten,  grundsätzlich  nichts  (vgl.  Art.  85  Abs. 1  AsylG).  Zwecks  Vereinfachung  der  Verfahrensabläufe  und  Kostensenkung  wird  jedoch  das  bisherige  System  der  Rückerstattung  individuell  zurechenbarer  Kosten  aus  den  geleisteten  Sicherheiten  aufgegeben (vgl. dazu Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes vom 4.  September  2002,  in:  BBl  2002  6872).  An  seine  Stelle  tritt  eine  Sonderabgabe,  der  erwerbstätige  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung  unterworfen  werden  (Art.  86  Abs.  1  erster  Satz  AsylG).  Diese  Sonderabgabe,  welche  der  Arbeitgeber  direkt  vom  Lohn der betroffenen Person abzuziehen und dem Bund zu überweisen  hat,  darf  nicht  mehr  als  10  Prozent  des  Erwerbseinkommens  betragen  und  längstens  zehn  Jahre  seit  der  erstmaligen  Aufnahme  einer  Erwerbstätigkeit erhoben werden (Art. 86 Abs. 2 und 3 AsylG). Zweck der  Sonderabgabe  ist  die  Deckung  der  Kosten,  welche  die  Gesamtheit  der  Abgabepflichtigen  und  ihrer  (durch  sie  unterstützten)  Angehörigen  verursachen  (Art.  86 Abs.  1  zweiter Satz AsylG). Eine Verrechnung mit  den  individuell  zurechenbaren  Kosten  und  die  Auszahlung  eines  allfälligen,  zu  Gunsten  des  Abgabepflichtigen  lautenden  Saldos  findet  nicht  statt.  Mit  der  Regelung  weiterer  Einzelheiten,  namentlich  der  Statuierung  von  Ausnahmen  von  der  Rückerstattungspflicht  und  der 

C­5527/2009 Festsetzung der Höhe der Sonderabgabe, wird der Bundesrat beauftragt  (Art. 85 Abs. 4 und Art. 86 Abs. 4 AsylG). 3.4. Von der Ermächtigung zur Rechtsetzung machte der Bundesrat mit  der  Änderung  der  Asylverordnung  2  vom  24.  Oktober  2007  für  alle  rückerstattungspflichtigen  Personengruppen  einheitlich  in  ein  und  demselben Erlass Gebrauch. Art.  8 Abs.  1 AsylV 2 bestimmt,  dass  sich  die  Rückerstattung  von  Sozialhilfeleistungen,  die  eine  Person  als  Flüchtling oder Schutzbedürftiger mit Aufenthaltsbewilligung erhält, nach  kantonalem  Recht  richtet,  wobei  der  Anspruch  auf  Rückerstattung  vom  Kanton geltend gemacht wird. Für Asylsuchende, Schutzbedürftige ohne  Aufenthaltsbewilligung  und  vorläufig  Aufgenommene  (ohne  Flüchtlingsstatus)  rekapituliert  Art.  8  Abs.  2  AsylV 2  die  Pflicht  zur  Rückerstattung  der  in  Art. 85  Abs.  1  AsylG  genannten  Kosten,  zu  welchem Zweck der Bund Vermögenswertabnahmen vornimmt und eine  Sonderabgabe erhebt, welche Art. 13 Abs. 1 AsylV 2 auf 10 Prozent des  Erwerbseinkommens  festsetzt.  Den  Beginn  und  das  Ende  der  Sonderabgabepflicht  regelt  Art.  10  AsylV 2.  Danach  beginnt  die  Sonderabgabepflicht mit der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit  oder  im  Zeitpunkt,  in  dem  die  Verfügung  über  eine  erste  Vermögenswertabnahme  in  Rechtskraft  erwächst  (Abs. 1).  Sie  endet,  wenn einer der in Absatz 2 genannten Tatbestände eintritt, d.h. wenn der  Betrag von 15'000 Franken erreicht ist, spätestens aber zehn Jahre nach  dem  Beginn  der  Sonderabgabepflicht  (Bst.  a),  wenn  die  betroffene  Person  die  Schweiz  verlassen  hat  (Bst.  b),  wenn  sie  die  Aufenthaltsbewilligung  (Bst.  c)  oder  Asyl  erhält  bzw.  als  Flüchtling  vorläufig  aufgenommen  wird  (Bst.  d)  oder  aber  –  bei  vorläufig  aufgenommenen Personen, die nicht Flüchtling sind – nach drei  Jahren  vorläufiger  Aufnahme,  spätestens  aber  sieben  Jahre  nach  der  Einreise  (Bst. e). 4.  4.1.  Die  vorliegende  Streitsache  beschlägt  die  Überführung  des  alten  Sicherheitsleistungssystems  mit  individueller  Abrechnung  über  zurechenbare  Kosten  in  das  neue  System  der  Sonderabgabe.  Die  Beschwerdeführerin äufnete noch unter der Geltung des alten Rechts ihr  Sicherheitskonto  mit  Lohnabzügen,  zunächst  als  asylsuchende,  später  als vorläufig aufgenommene Person. Beim Statuswechsel zur vorläufigen  Aufnahme wurde für ihr Sicherheitskonto und dasjenige ihres Ehemannes  eine  (gemeinsame)  Zwischenabrechnung  erstellt.  Darin  setzte  die  Vorinstanz die bis zu diesem Zeitpunkt rückerstattungspflichtigen Kosten 

C­5527/2009 auf  Fr. 25'622.20  (Pauschale  von Fr.  25'200.­  zuzüglich  Zahnarztkosten  von  Fr. 422.20)  fest.  Davon  wurden  Fr.  17'400.­  aus  den  Mitteln  der  Sicherheitskonten  gedeckt,  wobei  Fr. 15'300.­  vom  Konto  der  Beschwerdeführerin  und  Fr. 2'100.­  vom  Konto  des  Ehemannes  vereinnahmt  wurden.  Der  Negativsaldo  von  Fr. 8'222.20  wurde  für  die  Schlussabrechnung  vorgemerkt.  Zur  Schlussabrechnung  kam  es  mangels  Verwirklichung  eines  Schlussabrechnungsgrundes  nicht  mehr.  Das  BFM  sah  sich  daher  nach  dem  Inkrafttreten  des  neuen  Rechts  veranlasst, das Sicherheitskonto der Beschwerdeführerin gestützt auf die  Übergangsbestimmungen  aufzulösen.  Zu  diesem  Zweck  erliess  es  die  angefochtene Verfügung. 5.  5.1.  Die  Beschwerdeführerin  macht  zunächst  geltend,  die  Vorinstanz  hätte  den  Überschuss  ihres  Kontos  nicht  dem  Konto  ihres  Ehemannes  gutschreiben dürfen, da sie nicht mehr zusammenlebten. Dieser  Auffassung  kann  nicht  gefolgt  werden.  Wie  die  Vorinstanz  zutreffend  festhält,  war  die  Beschwerdeführerin  während  des  Asylverfahrens und darüber hinaus bis heute verheiratet. Die Vorinstanz  hatte  gemäss Absatz  8  der Übergangsbestimmungen AsylV 2  somit  die  Möglichkeit,  den  Überschuss  des  Kontos  der  Beschwerdeführerin  dem  Konto  des  Ehemannes  gutzuschreiben.  Dass  die  Ehegatten  nicht mehr  zusammenleben,  ist  nach  dem Wortlaut  nicht  entscheidend;  es  genügt  vielmehr der formelle Bestand der Ehe.  5.2. Nach Auffassung der Beschwerdeführerin ist es nicht zwingend, den  Überschuss eines Kontos dem Konto des Ehegatten gutzuschreiben, er  könne auch dem Kontoinhaber ausgezahlt werden. Dies dränge sich  im  vorliegenden  Fall  auf,  da  sie  über  viele  Jahre  hinweg  alleine  für  den  Unterhalt der Familie aufgekommen sei. Ihr Ehemann habe so gut wie nie  gearbeitet, sei seinen familiären Pflichten nicht nachgekommen und habe  sie nie unterstützt. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, dass das von ihr  erarbeitete Geld  an die Sonderabgabepflicht  ihres Mannes angerechnet  werden solle. Gemäss  Absatz  8  der  Übergangsbestimmungen  AsylV 2  ist  der  Überschuss an den Kontoinhaber auszubezahlen, es sei denn, auch der  Ehegatte  verfüge  über  ein  Sicherheitskonto,  das  gemäss  den  übergangsrechtlichen Bestimmungen zu saldieren ist. Das Vorgehen der  Vorinstanz,  den  Überschuss  des  Kontos  der  Beschwerdeführerin 

C­5527/2009 demjenigen  des  Ehemannes  gutzuschreiben,  entspricht  somit  vom  Grundsatz  her  den  gesetzlichen  Vorgaben  und  ist  daher  nicht  zu  beanstanden. 6.  Die Beschwerdeführerin  rügt sodann, es sei  vor  Inkrafttreten des neuen  Rechts  kein  Schlussabrechnungsgrund  gemäss  Art.  87  AsylG  (1998)  eingetreten. Die Vorinstanz sei deshalb zu Unrecht davon ausgegangen,  dass  gemäss Art.  126a Abs.  1 AuG das  alte Recht  anwendbar  sei  und  deshalb mehr als der Maximalbetrag der Sonderabgabe von Fr. 15'000.­  vereinnahmt werden könne. Die  Vorinstanz  hält  unter  Berufung  auf  Art.  126a  Abs.  1  AuG  und  den  erläuternden  Bericht  zu  den  Ausführungsbestimmungen  zur  Teilrevision  Asylgesetz  vom  16.  Dezember  2005  fest,  dass  die  im  Rahmen  der  Zwischenabrechnung  nicht  gedeckten  rückerstattungspflichtigen  Kosten  soweit wie möglich mit  dem auf  dem Konto befindenden Saldo gedeckt  werden  sollten,  auch  wenn  diese  Rückerstattungen  den  Maximalbetrag  der Sonderabgabe überstiegen. Dies ergebe sich aus dem Wortlaut von  Art. 126a  Abs.  1  AuG,  wonach  für  die  Abwicklung  derjenigen  Fälle,  in  denen  der  Zwischenabrechnungsgrund  noch  vor  Einführung  der  Sonderabgabe  eingetreten  ist,  die  Saldierung  nach  bisherigem  Recht  erfolge. 7.  7.1. Die  Überführung  des  alten  Systems  der  Rückerstattung  individuell  zurechenbarer  Kosten  aus  den  geleisteten  Sicherheiten  in  das  neue  System  der  voraussetzungslos  geschuldeten  Sonderabgabe  wird  auf  Gesetzesebene  für  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung  (Abs. 1  bis 3  der  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  vom  16. Dezember  2005  des  Asylgesetzes;  nachfolgend:  Übergangsbestimmungen  AsylG)  und  für  vorläufig  Aufgenommene  (Art.  126a Abs. 1 bis 3 AuG) parallel geregelt. Es gilt der Grundsatz, dass das  neue  Recht  sofort  zur  Anwendung  gelangt  (Abs. 1  der  Übergangsbestimmungen  AsylG,  Art. 126a  Abs.  3  AuG).  Vorbehalten  bleiben  zwei  Konstellationen:  Einerseits  unterstellt  das  Gesetz  die  Abrechnung und die Saldierung eines Sicherheitskontos dem bisherigen  Recht,  wenn  sich  ein  (Zwischen­  oder)  Schlussabrechnungsgrund  nach  Art. 87 AsylG  (1998) vor  Inkrafttreten des neuen Rechts verwirklicht hat  (Abs.  2  der  Übergangsbestimmungen  AsylG,  Art.  126a  Abs.  1  AuG).  Andererseits wird der Bundesrat ermächtigt,  in Bezug auf Personen, die 

C­5527/2009 vor  dem  Inkrafttreten  der  Gesetzesänderung  einer  Erwerbstätigkeit  nachgingen,  ohne  dass  zum  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  ein  Schlussabrechnungsgrund  vorliegt,  ein  Abrechnungsverfahren  vorzusehen  sowie  Regelungen  über  die  Dauer  und  den  Umfang  der  Sonderabgabe  sowie  zur  Abnahme  von  Vermögenswerten  zu  treffen  (Abs. 3 der Übergangsbestimmungen AsylG, Art. 126a Abs. 2 AuG). 7.2.  Gemäss  Art.  126a  Abs.  1  AuG  erfolgen  die  Zwischen­  oder  Schlussabrechnung und die Saldierung nach bisherigem Recht, wenn vor  Inkrafttreten der Änderung vom 16. Dezember 2005 des Asylgesetzes ein  Zwischen­  oder  Schlussabrechnungsgrund  nach  Art.  87  AsylG  (1998)  entstanden  ist. Mit  dieser  Regelung wird  sichergestellt,  dass  bei  Eintritt  eines  Schlussabrechnungsgrundes  vor  Inkrafttreten  der  Regelung  über  die  Sonderabgabe  die  Liquidation  des  Kontos  nach  den  Regeln  der  Schlussabrechnung  vorgenommen  wird.  Die  Anwendung  der  Übergangsregeln  ist  deshalb  für  diese  Fälle  ausgeschlossen.  Was  die  Zwischenabrechnung  betrifft,  vertritt  die  Vorinstanz,  wie  erwähnt,  unter  Berufung  auf  den  Wortlaut  von  Art.  126a  Abs.  1  AuG  die  Auffassung,  dass  eine  Abrechnung  und  (Teil­)Saldierung  nach  bisherigem Recht  zu  erfolgen  hat,  wenn  noch  vor  dem  massgeblichen  Zeitpunkt  ein  Zwischenabrechnungsgrund  entstanden  ist.  Dies  hat  zur  Folge,  dass  vereinnahmte  Rückerstattungen  nicht  zurückbezahlt  werden  bzw.  zurückzuerstattende  Kosten  (gemäss  Negativsaldo)  geschuldet  bleiben  und  "soweit  möglich  mit  dem  sich  auf  dem  Konto  befindenden  Saldo  gedeckt  werden  sollen,  auch  wenn  diese  Rückerstattungen  den  Maximalbetrag der Sonderabgabe übersteigen" (vgl. Vernehmlassung der  Vorinstanz vom 12. Oktober 2009 S. 4 und den dort zitierten erläuternden  Bericht).  In  gleichem  Sinne  äussern  sich  auch  die  Weisungen  zum  Asylgesetz  Ziff.  8.6.2  (abrufbar  unter:  www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  Rechtliche  Grundlagen  >  Weisungen  und  Kreisschreiben  >  III.  Asylgesetz  >  8.  Sonderabgabe,  Stand  1.  Januar  2008, besucht im Oktober 2011). 7.3.  Der  Übergang  zur  Sonderabgabe  im  Falle  von  vorläufig  aufgenommenen  Personen  wird  durch  Art. 126a  Abs.  2  AuG  in  Verbindung  mit  den  Absätzen  6 – 8  der  Übergangsbestimmungen  AsylV 2  abschliessend  geregelt.  Die  Übergangsbestimmungen  AsylV  2  sehen  folgende Regelung vor: Absatz 6 bestimmt, dass Asylsuchenden,  vorläufig  Aufgenommenen  und  Schutzbedürftigen  ohne  Aufenthaltsbewilligung, die mit Inkrafttreten dieser Verordnungsänderung  der  Sonderabgabe  nach  Art.  86  AsylG  unterstehen,  die  Zeit  seit 

C­5527/2009 Aufnahme der ersten sicherheitsleistungspflichtigen Erwerbstätigkeit oder  die  Zeit  seit  Eintritt  der  Rechtskraft  der  Verfügung  über  eine  erste  Vermögenswertabnahme  an  die  Dauer  der  Sonderabgabepflicht  angerechnet wird. Absatz 7 sagt, dass Rückerstattungen, die gestützt auf  eine Zwischenabrechnung nach Art. 16 AsylV 2 (1999) geleistet wurden,  den  von  dieser  Zwischenabrechnung  betroffenen,  sonderabgabepflichtigen  Personen  vollumfänglich  an  die  Sonderabgabepflicht  angerechnet  wird.  Absatz 8  schliesslich  führt  aus,  dass Sicherheitsleistungen nach Art. 86 AsylG (1998) und Art. 14c Abs. 6  ANAG  unter  Anrechnung  allfälliger  Rückerstattungen  nach  Absatz  6  (recte: Absatz 7) bis zum Maximalbetrag der Sonderabgabe von 15'000  Franken  vom  Bund  vereinnahmt  und  vollumfänglich  an  die  Sonderabgabepflicht  angerechnet  werden.  Die  über  den  Betrag  von  15'000  Franken  hinausgehenden  Sicherheitsleistungen  werden  den  Kontoinhabern  ausbezahlt  oder  an  die  Sonderabgabepflicht  des  Ehegatten angerechnet. 7.4. Angesichts  dieser  klaren  übergangsrechtlichen  Regelung  erscheint  fraglich,  ob  –  im  Sinne  der  Vorinstanz  –  aus  Art. 126a  Abs. 1  AuG  abgeleitet  werden  kann,  dass  der  Eintritt  eines  Zwischenabrechnungsgrundes  und  die  Durchführung  eines  entsprechenden Verfahrens  in der Vergangenheit  dazu  führt,  das Konto  beim  Übergang  zur  Sonderabgabe  nach  dem  bisherigen  Recht  abzuwickeln.  Naheliegend  erscheint  vielmehr,  nach  der  umfassenden  Regelung  der  Übergangsbestimmungen  AsylV 2  vorzugehen  (vgl.  zu  dieser  Frage  das  Grundsatzurteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­ 7179/2008  vom  21. Dezember  2010  E.  4.5),  die  verlangt,  dass  die  im  Rahmen  einer  Zwischenabrechnung  geleisteten  Rückerstattungen  vollumfänglich an die Sonderabgabepflicht anzurechnen sind (Absatz 7).  Über  die  anlässlich  der  Zwischenabrechnung  nicht  gedeckten  Kosten  sprechen  sich  die  Übergangsbestimmungen  nicht  aus.  Dies  ist  folgerichtig,  geht  man  davon  aus,  dass  der  Gesetzgeber  nicht  nur  ein  weniger  aufwendiges  System  einführen  (vgl.  E.  3.3),  sondern  auch  für  den  Übergang  vom  alten  zum  neuen  System  eine  klare,  mit  wenig  Aufwand verbundene Lösung schaffen wollte. Würde der Auffassung der  Vorinstanz  gefolgt,  entstünde  in  Fällen,  in  denen  die  in  der  Zwischenabrechnung  festgelegten  Kosten  nicht  vollständig  gedeckt  werden  konnten,  eine  Mischform  beider  Systeme.  Für  eine  solche  Mischform findet sich, entgegen den Ausführungen der Vorinstanz, weder  im  Ausländer­  noch  im  Asylgesetz  oder  in  der  dazugehörenden 

C­5527/2009 Verordnung  eine  rechtliche  Grundlage.  Mit  Blick  auf  die  nachfolgenden  Ausführungen kann diese Frage jedoch offen gelassen werden. 8.  Im  Folgenden  ist  die  von  der  Vorinstanz  vorgenommene  Abrechnung  über das Sicherheitskonto der Beschwerdeführerin einer näheren Prüfung  zu unterziehen. 8.1. Bei der Berechnung gemäss den Übergangsbestimmungen AsylV 2  werden  laut  deren  Absatz  8  Sicherheitsleistungen  unter  Anrechnung  allfälliger  Rückerstattungen  nach  Absatz  6  (recte:  Absatz  7)  bis  zum  Maximalbetrag  der  Sonderabgabe  von  Fr. 15'000.­  vom  Bund  vereinnahmt.  Auf  dem  Sicherheitskonto  der  Beschwerdeführerin  befanden sich zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung Fr. 15'542.50.  Unter  Anrechnung  des mit  Zwischenabrechnung  vom  17. Februar  2005  bereits vereinnahmten Betrages von Fr. 15'300.­ ergibt sich ein Total der  Sicherheitsleistungen von Fr. 30'842.50, von dem sodann Fr. 15'000.­ als  Sonderabgabe für den Bund zu vereinnahmen sind. Daraus resultiert ein  Überschuss  von  Fr. 15'842.50.  Gemäss  Absatz  8  der  Übergangsbestimmungen  AsylV 2  ist  dieser  Überschuss  entweder  der  Kontoinhaberin  auszuzahlen  oder  der  Sonderabgabepflicht  des  Ehegatten  anzurechnen.  Die  Vorinstanz  durfte  somit,  entgegen  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  den  Überschuss  des  Kontos  ohne  Weiteres  der  Sonderabgabepflicht  des  Ehemannes  bis  zu  dessen  Maximalbetrag (vgl. E. 8.3) anrechnen. 8.2. Beim  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  würde  sich  die  Rechnung  wie  folgt  darstellen:  Das  Sicherheitskonto  wies  zum  Zeitpunkt  der  diesbezüglichen Verfügung (25. Juni 2009) ein Guthaben von Fr. 111.75  auf.  Unter  Anrechnung  des  mit  Zwischenabrechnung  vom  17. Februar  2005 bereits vereinnahmten Betrages von Fr. 2'100.­ ergibt sich ein Total  der  Sicherheitsleistungen  von  Fr. 2'211.75.  Gemessen  am  Betrag  der  Sonderabgabe  von  Fr. 15'000.­  würde  demnach  ein  Negativsaldo  von  Fr. 12'788.25 resultieren. 8.3. Wird  der  Überschuss  des  Kontos  der  Beschwerdeführerin  gemäss  Absatz  8  der  Übergangsbestimmungen  AsylV 2  dem  Negativsaldo  des  Kontos  ihres  Ehemannes  gegenüber  gestellt,  ergibt  sich  ein  Saldo  von  Fr. 3'054.25  zugunsten  der  Beschwerdeführerin.  Die  Vorinstanz  ging  in  der  angefochtene  Verfügung  allerdings  von  einem  Überschuss  von  Fr. 5'220.30 aus, den sie an die Beschwerdeführerin auszahlen liess. Die 

C­5527/2009 Abrechnung  betreffend  das  Sicherheitskonto  des  Ehemannes  hingegen  wies  gemäss  Verfügung  vom  25. Juni  2009  einen  Negativsaldo  von  Fr. 2'166.05 auf.  8.4. Die richtige Anwendung der in den Übergangsbestimmungen AsylV 2  statuierten  Berechnungsregeln  würde  somit  zu  einer  Schlechterstellung  der  Beschwerdeführerin  gegenüber  der  vorinstanzlichen  Verfügung  führen. Grundsätzlich  ist  das Gericht  als Beschwerdeinstanz befugt,  bei  Vorliegen  bestimmter  Voraussetzungen  und  nach  vorheriger  Anhörung  der  betroffenen  Partei  eine  solche  Schlechterstellung  vorzunehmen  (reformatio  in  peius;  vgl.  Art. 62  Abs. 2  und  3  VwVG;  vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­1709/2006  vom 28. Oktober  2008 E.  1.5).  Allerdings  soll  von  dieser  Möglichkeit  nur  zurückhaltend  Gebrauch  gemacht werden (MADELEINE CAMPRUBI, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],  Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich  2008,  Rz. 6  zu  Art. 62,  THOMAS  HÄBERLI,  in:  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  zum VwVG,  Zürich  2009, Art. 62 N 25; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.200,  ANNETTE  GUCKELBERGER,  Zur  reformatio  in  peius  vel  melius  in  der  schweizerischen  Bundesverwaltungsrechtspflege  nach  der  Justizreform,  Schweizerisches Zentralblatt für Staats­ und Verwaltungsrecht [ZBl] 2010  S. 96  ff.,  112). Ob eine  reformatio  in peius  angebracht  ist,  beurteilt  sich  danach,  ob  die  angefochtene  Verfügung  offensichtlich  unrichtig  und  die  Korrektur von erheblicher Bedeutung ist. Zu berücksichtigen ist dabei, ob  das  Interesse  an  der  richtigen  Durchsetzung  des  Bundesrechts  die  Schlechterstellung  der  beschwerdeführenden  Partei  zu  rechtfertigen  vermag  (vgl.  GUCKELBERGER,  a.a.O.,  S. 111  mit  Hinweisen;  CAMPRUBI,  a.a.O., mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall ist die fehlerhafte Berechnung bzw. deren Korrektur  nicht  von  erheblicher  Bedeutung,  so  dass  eine  Abänderung  der  Verfügung  zu  Ungunsten  der  Beschwerdeführerin  nicht  gerechtfertigt  scheint. 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  Vorinstanz  bei  der  Berechnung  nicht  alle  in  den  Übergangsbestimmungen  festgelegten  Grundsätze  korrekt  angewendet  hat.  Zwar  hat  sie  zu  Recht  den  Überschuss des Sicherheitskontos der Beschwerdeführerin zur Deckung  des  Negativsaldos  des  Ehemannes  herangezogen.  Bei  der  konkreten 

C­5527/2009 Berechnungen  ist  sie  jedoch  von  unzutreffenden  Annahmen  ausgegangen  und  hat  somit  Bundesrecht  verletzt  (vgl.  Art.  49  Bst.  a  VwVG). Allerdings würde, wie oben ausgeführt, die korrekte Berechnung  zu  einer  Schlechterstellung  der  Beschwerdeführerin  gegenüber  der  von  der  Vorinstanz  festgelegten  Rechtsstellung  führen,  was  sich  in  diesem  konkreten Fall  jedoch nicht  rechtfertigt. Die von der Beschwerdeführerin  angefochtenen Ziffern des Dispositivs der Verfügung vom 4. August 2009  sind daher zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen. 10.  10.1.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  ist  die  Beschwerdeführerin  grundsätzlich  kostenpflichtig  (Art.  63  Abs.  1  VwVG  i.V.m. Art.  1  ff.  des Reglements  vom 21. Februar  2008 über die Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). 10.2.  Die  Beschwerdeführerin  ersuchte  im  Rahmen  der  Beschwerdeschrift um Erlass der Verfahrenskosten gemäss Art. 65 Abs.  1  VwVG.  Voraussetzung  dafür  ist,  dass  die  Partei  nicht  über  die  erforderlichen Mittel verfügt und die Begehren überdies nicht aussichtslos  erscheinen. Vorliegend ist aufgrund der eingereichten Unterlagen von der  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführerin  auszugehen  und  die  gestellten  Begehren waren  nicht  von  vornherein  als  aussichtslos  anzusehen.  Das  Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten ist demnach gutzuheissen. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Befreiung von der Bezahlung der Verfahrenskosten wird  gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Dieses Urteil geht an:

C­5527/2009 – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Ref­Nr. […]) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Kradolfer Versand:

C-5527/2009 — Bundesverwaltungsgericht 21.10.2011 C-5527/2009 — Swissrulings