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Bundesverwaltungsgericht 25.01.2012 C-4902/2011

25 gennaio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,544 parole·~8 min·2

Riassunto

Schengen-Visum | Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf M._______

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­4902/2011 Urteil   v om   2 5 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Andreas Trommer, Richterin Ruth Beutler, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien V._______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf M._______.

C­4902/2011 Sachverhalt: A.  Am  15.  März  2011  beantragte  die  aus  Kenia  stammende  M._______  (geb.  1985,  im  Folgenden:  Gesuchstellerin  bzw.  Eingeladene)  bei  der  Schweizerischen Botschaft  in Nairobi  ein Schengenvisum  für  die Dauer  von drei Monaten. Als Zweck der beabsichtigten Reise gab sie an, den im  Kanton Zürich wohnhaften Schweizer Bürger V._______  (im Folgenden:  Beschwerdeführer  bzw.  Gastgeber)  sowie  dessen  Ehefrau,  ihre  Tante,  besuchen zu wollen. Diese hatten am 9. März 2011 eine entsprechende  Einladung an die Schweizer Botschaft gerichtet. B.  Die  schweizerische  Vertretung  in  Nairobi  wies  die  Erteilung  der  nachgesuchten  Einreisebewilligung  wegen  fehlender  Voraussetzungen  mit Verfügung vom 21. März 2011 ab.  Gegen  diesen  Entscheid  erhob  der  Gastgeber  am  31.  Mai  2011  beim  Bundesamt für Migration (BFM) Einsprache. C.  Nachdem  das  Migrationsamt  des  Kantons  Zürich  beim  Gastgeber  ergänzende  Auskünfte  eingeholt  und  an  das  BFM  weitergeleitet  hatte,  wies  die  Vorinstanz  die  Einsprache  am  19.  August  2011  ab.  Dies  im  Wesentlichen  mit  der  Begründung,  die  anstandslose  und  fristgerechte  Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt könne nicht als gesichert  betrachtet  werden.  Die  Gesuchstellerin  stamme  aus  einer  Region,  aus  welcher  als  Folge  der  dort  insbesondere  in  wirtschaftlicher  Hinsicht  herrschenden  Verhältnisse  ein  anhaltend  starker  Zuwanderungsdruck  festzustellen  sei.  Bestehe  zudem  bereits  ein  gewisses  (familiäres)  Beziehungsnetz  in  der  Schweiz,  müsse  das  Risiko  einer  nicht  anstandslosen Wiederausreise als grundsätzlich hoch eingestuft werden.  Bei  der  Eingeladenen  handle  es  sich  um  eine  junge,  unverheiratete  Person  ohne  feste  Arbeitsstelle  und  regelmässiges  Einkommen.  Ihr  oblägen  somit  im  Heimatland  keine  besonderen  beruflichen  Verpflichtungen oder  familiären Verantwortlichkeiten,  die gegebenenfalls  Gewähr für eine fristgerechte Rückkehr bieten könnten. D.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  6.  September  2011  beantragt  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  sinngemäss  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Erteilung  des 

C­4902/2011 gewünschten  Besuchervisums.  Zur  Begründung  bringt  er  im  Wesentlichen  vor,  es  bestehe  kein Risiko,  dass  die  Eingeladene  in  der  Schweiz  bleibe,  habe  er  doch  als  Gastgeber  für  deren  fristgerechte  Wiederausreise garantiert.  In  einer  eigenen  Eingabe  vom  6.  September  2011,  ergänzt  durch  zwei  entsprechende  Schreiben  ihrer  Eltern,  versichert  die  Gesuchstellerin,  dass  sie  die  Schweiz  nach  ihrem  dreimonatigen  Aufenthalt  wieder  verlassen werde, um ihre Ausbildung im Heimatland abzuschliessen.  E.  Die Vorinstanz schliesst  in  ihrer Vernehmlassung vom 28. Oktober 2011  auf Abweisung der Beschwerde. Besondere persönliche Verpflichtungen,  welche  eine  fristgerechte  Wiederausreise  als  hinreichend  gesichert  erscheinen  lassen  könnten,  seien  nicht  ersichtlich.  Vielmehr  seien  die  Angaben  zur  beruflichen  Tätigkeit  widersprüchlich.  Während  sich  die  Eingeladene im Visumsantrag als Diplomstudentin bezeichnet habe, habe  der  Gastgeber  angegeben,  die  Gesuchstellerin  verfüge  über  eine  feste  Anstellung als Coiffeuse. Die eingereichten Belege  zum Studium gäben  weder  Aufschluss  über  die  Dauer  der  Ausbildung  noch  über  den  Ausbildungsstand der Eingeladenen. F.  In seiner Replik vom 10. November 2011 hält der Beschwerdeführer an  seinen Anträgen und deren Begründung vollumfänglich fest, äussert sich  jedoch  nicht  zu  den  von  der  Vorinstanz  aufgezeigten  Widersprüchen.  Stattdessen versichert er erneut, dass sein Gast die Schweiz fristgerecht  wieder verlassen werde. G.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden 

C­4902/2011 gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. De­zember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengenvisums zu  Besuchszwecken  verweigert  wird.  In  dieser  Materie  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (Art.  83  Bst. c  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem  VwVG (Art. 37 VGG). 1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2 mit Hinweisen). 3.  Der  angefochtenen  Verfügung  liegt  das  Gesuch  einer  kenianischen  Staatsangehörigen  um  Erteilung  eines  Visums  für  einen  dreimonatigen  Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf  die  EU/EFTA­Personenfreizügigkeitsabkommen  berufen  kann  und  die  beabsichtigte  Aufenthaltsdauer  drei  Monate  nicht  überschreitet,  fällt  die  vorliegende  Streitsache  in  den  persönlichen  und  sachlichen  Anwendungsbereich  der  Schengen­Assoziierungsabkommen,  mit  denen  die  Schweiz  den  Schengen­Besitzstand  und  die  dazugehörigen  gemeinschaftsrechtlichen  Rechtsakte  übernommen  hat.  Das  Ausländergesetz  vom 16. Dezember  2005  (AuG, SR  142.20)  und  seine 

C­4902/2011 Ausführungsverordnung  gelangen  nur  soweit  zur  Anwendung,  als  die  Schengen­Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen  enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4.  Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im  Anwendungsbereich der genannten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1.  Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines  Recht  auf  Einreise  noch  gewährt  es  einen  besonderen  Anspruch  auf  Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch  – grundsätzlich  nicht  gehalten,  Ausländerinnen  und  Ausländern  die  Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Verpflichtungen  handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum  Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002,  BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen­Recht  schränkt  die  nationalstaatlichen  Befugnisse  insoweit  ein,  als  es  einheitliche  Voraussetzungen  für  Einreise  und  Visum  aufstellt  und  die  Mitgliedstaaten  verpflichtet,  die Einreise bzw. das Visum zu verweigern,  wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise  bzw. Visum vermittelt auch das Schengen­Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI /  TOBIAS  D.  MEYER,  in:  Martina  Caroni  /  Thomas  Gächter  /  Daniela  Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die  Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2.  Angehörige  von  Drittstaaten  dürfen  über  die  Aussengrenzen  des  Schengen­Raums  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten  je  Sechsmonatszeitraum  einreisen,  wenn  sie  im  Besitz  gültiger  Reisedokumente  sind,  die  zum  Grenzübertritt  berechtigen.  Ferner  benötigen  sie  ein  Visum,  falls  ein  solches  nach  Massgabe  der  Verordnung  (EG)  Nr.  539/2001  des  Rates  vom  15.  März  2001  zur  Aufstellung  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  beim  Überschreiten der Aussengrenzen  im Besitz eines Visums sein müssen,  sowie  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  von  dieser  Visumpflicht  befreit  sind,  erforderlich  ist.  Kein  Visum  benötigen  Drittstaatsangehörige,  die  Inhaber  eines  gültigen  Aufenthaltstitels  sind  oder über ein gültiges Visum  für den  längerfristigen Aufenthalt  verfügen  (vgl.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  AuG,  Art. 2  Abs. 1  der  Verordnung  vom  22. Oktober  2008  über  die  Einreise  und  die  Visumerteilung  [VEV,  SR  142.204]  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  und  b  der  Verordnung  (EG)  Nr.  562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15. März 

C­4902/2011 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen  durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105  vom 13.04.2006, S. 1­32], Art. 4 VEV). 4.3.  Im  Weiteren  müssen  Drittstaatsangehörige  den  Zweck  und  die  Umstände  ihres  beabsichtigten  Aufenthalts  belegen  und  hierfür  über  ausreichende  finanzielle Mittel verfügen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2  Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst.  a–c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 810/2009  des  Europäischen  Parlaments  und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft  [nachfolgend:  Visakodex]).  Namentlich  haben  sie  in  diesem  Zusammenhang  zu  belegen,  dass  sie  den  Schengen­Raum  vor  Ablauf  des  bewilligungsfreien  Aufenthaltes  verlassen,  bzw.  ausreichende  Gewähr  für  eine  fristgerechte Wiederausreise  zu  bieten  (Art.  14  Abs.  1  Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS D. MEYER,  a.a.O.  Art.  5  N. 33).  Weiterhin  dürfen  Drittstaatsangehörige nicht  im Schengener  Informationssystem (SIS) zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine  Gefahr  für  die  öffentliche  Ordnung,  die  innere  Sicherheit,  die  öffentliche  Gesundheit  oder  die  internationalen  Beziehungen  eines  Mitgliedstaats  darstellen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4. Eine Gefahr  für die öffentliche Ordnung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1  Bst.  e SGK  ist  auch  dann  anzunehmen, wenn  die  drittstaatsangehörige  Person  nicht  bereit  ist,  das  Hoheitsgebiet  des  Schengen­Raums  fristgerecht  wieder  zu  verlassen  (vgl.  dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS  D.  MEYER,  a.a.O.,  Art.  5  N. 33;  ferner  Urteil  des  deutschen  Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die  Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu  belegen, dass die Gefahr einer  rechtswidrigen Einwanderung oder einer  nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art.  21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie  sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt  vorgesehen  ist,  steht  mit  dieser  Regelung  im  Einklang  (vgl.  BVGE  2009/27  E.  5  mit  Hervorhebung  des  Zusammenhangs  zum  Einreiseerfordernis  des  belegten  Aufenthaltszwecks  nach  Art.  5  Abs.  1  Bst. c SGK). 4.5.  Sind  die  vorerwähnten  Einreisevoraussetzungen  (Visum  ausgenommen) nicht erfüllt, darf ein  für den gesamten Schengen­Raum  geltendes  "einheitliches  Visum"  (Art.  2  Ziff.  3  Visakodex)  nicht  erteilt 

C­4902/2011 werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es  jedoch ein Mitgliedstaat aus  humanitären  Gründen,  aus  Gründen  des  nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler  Verpflichtungen  für  erforderlich,  so  ist  er  berechtigt,  der  drittstaatsangehörigen  Person,  welche  die  ordentlichen  Einreisevoraussetzungen  nicht  erfüllt,  ausnahmsweise  ein  "Visum  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit"  zu  erteilen  (Art.  2  Ziff.  4  Visakodex).  Dieses  Visum  ist  grundsätzlich  nur  für  das  Hoheitsgebiet  des  ausstellenden  Staates  gültig  (Art.  32  i.V.m.  Art.  25  Abs.  1  Bst.  a  Visakodex;  unter  denselben  Voraussetzungen  kann  einer  drittstaatsangehörigen  Person  die  Einreise  an  den  Aussengrenzen  gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5.  5.1. Die Gesuchstellerin unterliegt als kenianische Staatsangehörige der  Visumspflicht  (Anhang  I  zur  Verordnung  (EG)  Nr. 539/2001  des  Rates  vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach  Art.  5  Abs.  1  SGK  steht  die  Frage  der  gesicherten Wiederausreise  im  Vordergrund,  welche  die  Vorinstanz  aufgrund  der  allgemeinen  Lage  im  Heimatland  sowie  der  persönlichen  Verhältnisse  der  Gesuchstellerin  anzweifelt.  Dazu  lassen  sich  in  der  Regel  keine  gesicherten  Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämtliche  Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  Gewähr  für  eine  fristgerechte  Wiederausreise  können  sich  aus  der  allgemeinen  Situation  im  Herkunftsland  der  Besucherin  oder  des  Besuchers  ergeben.  Einreisegesuche  von  Bürgerinnen  und  Bürgern  aus  Staaten  bzw.  Regionen  mit  politisch  oder  wirtschaftlich  vergleichsweise  ungünstigen  Verhältnissen  können  darauf  hindeuten,  dass  die  persönliche  Interessenlage  in  solchen  Fällen  nicht  mit  dem  Ziel  und  Zweck  einer  zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht.  5.3.  Obwohl  Kenia  die  leistungsfähigste  Volkswirtschaft  in  der  ostafrikanischen  Region  ausweisen  kann,  leben  knapp  60%  der  Bevölkerung  unterhalb  der  Armutsgrenze,  ungefähr  25%  müssen  mit  weniger als 1 US­Dollar pro Tag auskommen. 60% der Einwohner in der  Hauptstadt  Nairobi  leben  in  Slums  (Quelle:  Webseite  des  Deutschen  Auswärtigen  Amtes:  www.auswaertiges­amt.de  >  Reise  &  Sicherheit  >  Auswahl Kenia > Wirtschaftspolitik, Stand: September 2011, besucht  im  Januar  2012).  Geschätzte  40%  [Stand  2008]  der  arbeitsfähigen  Bevölkerung  sind  arbeitslos  (Quelle:  Webseite  der  Central  Intelligence  http://www.auswaertiges-amt.de

C­4902/2011 Agency  [CIA]:  www.cia.gov  >  The World  Factbook  >  Auswahl  Kenya  >  Economy,  besucht  im  Januar  2012).  Entsprechend  hoch  ist  der  Anteil  jener,  die  versuchen,  nach  Westeuropa  –  unter  anderem  auch  in  die  Schweiz  –  zu  gelangen,  um  sich  unter  günstigeren  Bedingungen  eine  (bessere) Existenz aufzubauen. Diese Tendenz zur Auswanderung zeigt  sich erfahrungsgemäss besonders stark bei jüngeren und ungebundenen  Personen,  die  bereits  über  ein  minimales  soziales  Beziehungsnetz  im  Ausland (Verwandte oder Freunde) verfügen.  Im Falle der Schweiz führt  dies  angesichts  der  restriktiven  Zulassungsregelung  nicht  selten  zur  Umgehung ausländerrechtlicher Bestimmungen.  5.4.  Bei  der  Risikoanalyse  sind  allerdings  nicht  nur  die  erwähnten  allgemeinen  Umstände  und  Erfahrungen,  sondern  auch  sämtliche  Gesichtspunkte  des  konkreten  Einzelfalles  zu  berücksichtigen.  Obliegt  einer  gesuchstellenden  Person  im  Heimatland  beispielsweise  eine  besondere  berufliche,  gesellschaftliche  oder  familiäre  Verantwortung,  kann  dieser  Umstand  durchaus  die  Prognose  für  eine  anstandslose  Wiederausreise  begünstigen.  Andererseits  muss  bei  Personen,  die  in  ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein  ausländerrechtlich  nicht  regelkonformes  Verhalten  (nach  bewilligter  Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 6.  6.1. Bei  der  Gesuchstellerin  handelt  es  sich  um  eine  ledige,  26­jährige  Frau,  welche  in  Nairobi,  der  Hauptstadt  und  zugleich  grössten  Stadt  Kenias, lebt. Zu den familiären Verhältnissen wurden von den Beteiligten  weder  im  Gesuchsverfahren  noch  auf  Beschwerdeebene  nähere  Angaben  gemacht,  sondern  lediglich  angeführt,  die  Eltern  und  Geschwister  der  Eingeladenen  lebten  ebenfalls  in  Kenia.  Es  kann  demnach  nicht  davon  ausgegangen  werden,  im  persönlichen  oder  familären  Umfeld  der  Gesuchstellerin  seien  Verpflichtungen  oder  gar  Abhängigkeiten vorhanden, die besondere Gewähr für eine Rückkehr ins  Heimatland bieten könnten. Tritt hinzu, dass in Situationen angespannter  wirtschaftlicher  und/oder  politischer  Verhältnisse  selbst  zurückbleibende  nahe  Angehörige  regelmässig  nicht  verlässlich  davon  abhalten  können,  den  Entscheid  für  eine  Emigration  zu  fällen;  sei  dies  etwa  in  der  Hoffnung,  die  Zurückgebliebenen  aus  dem  Ausland  wirtschaftlich  effizienter unterstützen zu können. 6.2.  Auch  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  bieten  keine  besondere  Gewähr  für  eine  Wiederausreise.  Im  Visumsverfahren  gab  die  http://www.cia.gov

C­4902/2011 Gesuchstellerin  selber  an,  sie  befinde  sich  in  Ausbildung  am  "Nairobi  Aviation  College",  wo  sie  einen  von  ihren  Gastgebern  finanzierten  15­ monatigen  Diplomkurs  absolviere  ("Diploma  in  computerised  tours  and  travel").  Ungeachtet  dessen  brachte  der  Beschwerdeführer  gegenüber  der  kantonalen  Migrationsbehörde  vor,  die  eingeladene  Nichte  verfüge  über  eine  feste  Anstellung  als  Coiffeuse  in  Nairobi,  ohne  jedoch  entsprechende  Arbeitsverträge  oder  allfällige  Einkommensbelege  vorzuweisen,  welche  die  geltend  gemachten  beruflichen  Bindungen  der  Gesuchstellerin  in  Kenia  hätten  nachweisen  können.  Vor  diesem  Hintergrund  sowie  angesichts  des  vorgesehenen  dreimonatigen  Auslandaufenthaltes, der von den Gastgebern finanziert werden muss, ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  Eingeladene  tatsächlich  über  eine  massgebliche berufliche Verankerung bzw. eine gesicherte wirtschaftliche  Existenz  in  ihrem  Heimatland  verfügt,  welche  die  Gefahr  eines  Verbleibens  in  der  Schweiz  bzw.  im  Schengen­Raum  über  den  deklarierten Zeitraum hinaus als unwahrscheinlich erscheinen liesse. 6.3.  Vor  dem  allgemeinen  und  persönlichen  Hintergrund  konnte  die  Vorinstanz demnach willkürfrei davon ausgehen, dass keine hinreichende  Gewähr  für  eine  fristgerechte  und  anstandslose  Wiederausreise  der  Gesuchstellerin  nach  einem  Besuchsaufenthalt  besteht.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  die  gegenteiligen  Zusicherungen  des  Beschwerdeführers  sowie  sein  Hinweis,  dass  mittlerweile  auch  seine  Ehefrau über das Schweizer Bürgerrecht  verfüge,  nichts  zu ändern. Als  Gastgeber  kann er mit  rechtlich  verbindlicher Wirkung  zwar  für  gewisse  finanzielle Risiken  im Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt,  nicht  aber  für ein bestimmtes Tun oder Unterlassen seines Gastes einstehen  (vgl. in diesem Zusammenhang BVGE 2009/27 E. 9).  6.4.  Soweit  der  Beschwerdeführer  im  vorinstanzlichen  Verfahren  noch  darauf  hingewiesen  hatte,  der  Stiefsohn  seiner  Ehefrau  sei  wiederholt  besuchshalber  in  der  Schweiz  gewesen  und  jeweils  fristgerecht  und  anstandslos  ins  Heimatland  zurückgekehrt,  gilt  es  darauf  hinzuweisen,  dass sich mangels näherer Angaben einerseits nicht eruieren lässt, unter  welchen  Umständen  diesem  vor  mehr  als  sechs  Jahren  Einreisevisa  erteilt wurden. Andererseits weist jeder Einzelfall – wie vorliegend belegt  – eine  ihm  eigene  und  spezifische  Konstellation  auf,  so  dass  er  nicht  ohne weiteres mit anderen, angeblich gleich gelagerten Fällen verglichen  werden kann.

C­4902/2011 6.5. Gründe  für die Ausstellung eines Visums mit  räumlich beschränkter  Gültigkeit  (vgl.  E.  4.5)  wurden  vom  Beschwerdeführer  nicht  geltend  gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 7.  Aus  vorstehenden Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene Verfügung  im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist  daher abzuweisen. 8.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art.  1, 2 und 3  Bst. b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv S. 11

C­4902/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  700.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  am  28.  September  2011  geleisteten  Kostenvorschuss gleicher Höhe verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] zurück) – das Migrationsamt des Kantons Zürich (ad ZH […]) Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand:

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