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Bundesverwaltungsgericht 15.08.2011 C-4704/2009

15 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,882 parole·~9 min·1

Riassunto

Reisedokumente für ausländische Personen (Übriges) | Reisedokumente für ausländische Personen

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­4704/2009 Urteil   v om   1 5 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richterin Marianne Teuscher,    Gerichtsschreiberin Viviane Eggenberger. Parteien A._______, vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Reisedokumente für ausländische Personen.

C­4704/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  ist  1979  geboren  und  irakischer  Staatsangehöriger. Am 11. Januar 1999 reiste er  in die Schweiz ein, wo  er  gleichentags  ein  Asylgesuch  stellte.  Dieses wies  das  Bundesamt  für  Migration  (BFM)  mit  Verfügung  vom  30. April  1999  ab,  wobei  es  gleichzeitig  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  anordnete. Infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ordnete es  jedoch die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers an.  Mit  Schreiben  vom  6. November  2007  stellte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  die  beabsichtigte  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  infolge  des  nunmehr  (aufgrund  der  inzwischen  veränderten  Lage  im  Irak)  als  grundsätzlich  zumutbar  beurteilten  Wegweisungsvollzugs in Aussicht. B.  Mit  Verfügung  vom  12. März  2008  stimmte  die  Vorinstanz  der  Aufenthaltsregelung des Beschwerdeführers im Kanton Aargau (Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  aufgrund  eines  schwerwiegenden  persönlichen Härtefalles) zu. Mit Schreiben vom 18. März 2008 stellte sie  in der Folge das Erlöschen der vorläufigen Aufnahme fest.  C.  Am  8. Juni  2009  ersuchte  der  Beschwerdeführer  das  BFM  um  Ausstellung  eines  Passes  für  eine  ausländische  Person.  Als  Beleg  für  seine  Schriftenlosigkeit  reichte  er  eine  –  nicht  adressierte  –  im  Wesentlichen  die  Richtlinien  des  irakischen  Innenministeriums  im  Zusammenhang  mit  der  Beantragung  eines  Passes  der  Serie  "G"  wiedergebende  Bestätigung  der  hiesigen  irakischen  Botschaft  vom  27. Mai 2009 zu den Akten. Weiter enthält sie den Hinweis, "aus internen  Gründen  der  Verfahrensänderung"  könnten  ab  1. April  2009  keine  Anträge  auf  Ausstellung  von  Pässen  der  Serie  "G"  mehr  entgegengenommen  werden;  der  Botschaft  lägen  keine  genauen  Informationen hinsichtlich des Zeithorizonts im Hinblick auf die Erlangung  eines Passes der Serie "G" vor, doch werde sie über die diesbezüglichen  weiteren  Anweisungen  der  irakischen  Behörden  informieren.  In  einem  Begleitschreiben  vom  22. Mai  2009  zu  seinem  Gesuch  führte  der  Beschwerdeführer  aus,  sein  irakischer  Reisepass  sei  nicht  mehr  gültig  und er wünsche, seinen kranken respektive betagten Vater besuchen zu  gehen.

C­4704/2009 D.  Mit  Verfügung  vom  16. Juni  2009  wies  das  BFM  das  Gesuch  des  Beschwerdeführers mit der Begründung ab, unabdingbare Voraussetzung  für  die Ausstellung  eines  schweizerischen Reisedokuments  sei  die  vom  BFM  im  Rahmen  seiner  Gesuchsprüfung  festzustellende  Schriftenlosigkeit  im  Sinne  von  Art. 7  der  Verordnung  vom  27. Oktober  2004  über  die  Ausstellung  von  Reisedokumenten  für  ausländische  Personen  (aRDV,  AS 2004  4577;  seit  1. März  2010:  Art. 6  der  Verordnung  vom  20. Januar  2010  über  die  Ausstellung  von  Reisedokumenten  für  ausländische  Personen  [Reisedokumentenverordnung  bzw.  RDV,  SR  143.5]).  Zwar  würden  Gesuche  in  der Schweiz  ansässiger  irakischer Staatsbürger  derzeit  aus  organisatorischen  Gründen  nicht  entgegengenommen  und  werde  für  diese  Reorganisation  kein  Zeithorizont  genannt.  Jedoch  könnten  hier  wohnhafte  irakische Staatsbürger über Drittpersonen  (Verwandte, Notar,  etc.)  vor  Ort  Reisepässe  der  allgemein  anerkannten  Serien  erhältlich  machen.  Die  eingereichte  Bestätigung  der  irakischen  Botschaft  belege  demnach  lediglich  einen  vorübergehenden  Engpass  der  hiesigen  irakischen  Behörden.  Eine  Unmöglichkeit  im  Sinne  der  Reisedokumentenverordnung könne daraus nicht abgeleitet werden. Aus  der Bestätigung  lasse sich auch nicht  schliessen, dass über die hiesige  irakische  Vertretung  überhaupt  noch  nie  Reisepässe  hätten  erhältlich  gemacht  werden  können.  Als  unmöglich  im  Sinne  der  Reisedokumentenverordnung  gelte  die  Beschaffung  eines  Reisepasses  grundsätzlich nur, wenn sich die ausländische Person bei den Behörden  des Herkunftsstaates um einen Reisepass bemühe, diese die Ausstellung  jedoch ohne hinreichenden Grund  verweigerten. Aus  der  völkerrechtlich  verankerten  Passhoheit  jedes  Staates,  in  welche  die  schweizerischen  Behörden nicht leichtfertig eingreifen dürften, folge einerseits, dass an die  Ernsthaftigkeit  der  Bemühungen  der  ausländischen  Person  strenge  Anforderungen  zu  stellen  seien,  andererseits,  dass  dem  Herkunftsstaat  bei  der  Ausübung  der  Passhoheit  ein  erheblicher Gestaltungsspielraum  zustehe,  welcher  respektiert  werden  müsse.  Technisch  oder  organisatorisch bedingte Verzögerungen bei der Passausstellung, wie sie  vorliegend  geltend  gemacht  würden,  seien  regelmässig  nicht  geeignet,  die Unmöglichkeit  im Sinne der Reisedokumentenverordnung und damit  die Schriftenlosigkeit ausländischer Staatsangehöriger zu begründen. Es  könne  nicht  davon  ausgegangen  werden,  der  Gesuchsteller  habe  sich  bisher  vor  Ort  ernsthaft  um  die  Ausstellung  eines  heimatlichen  Reisepasses  bemüht  und  die  Beschaffung  sei  unmöglich.  Der  Beschwerdeführer  sei  folglich  nicht  als  schriftenlos  zu  bezeichnen  und 

C­4704/2009 erfülle  damit  die  unabdingbare  Voraussetzung  für  die  Ausstellung  des  nachgesuchten Reisedokumentes nicht. E.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  22. Juli  2009  hat  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  erhoben  und  ihre  Aufhebung  sowie  die  Ausstellung  eines  Identitätsausweises  mit  Rückreisevisum  bzw.  – mit  Beschwerdeverbesserung  vom  3. September  2009 –  die  Ausstellung  eines Passes für eine ausländische Person beantragt. Er bringt vor, sein  Vater  sei  bei  einem  Verkehrsunfall  verletzt  worden  und  befinde  sich  deshalb  in  Spitalbehandlung,  was  einen  Reisegrund  nach  Art. 5  Abs. 2  aRDV darstelle. Er habe sich bei der hiesigen  irakischen Vertretung um  die  Ausstellung  eines  irakischen  Reisepasses  bemüht,  was  die  eingereichte  Bestätigung  vom  27. Mai  2009  zeige.  Jedoch  würden  dort  aus  organisatorischen  Gründen  derzeit  keine  solchen  Gesuche  entgegengenommen.  Zudem  habe  er  auch  versucht,  über  im  Irak  ansässige  Verwandte  einen  Reisepass  erhältlich  zu  machen,  jedoch  liessen  sich  diese  erfolglos  gebliebenen  Anstrengungen  naturgemäss  nicht beweisen. Aufgrund der durch den Gesundheitszustand des Vaters  bedingten  zeitlichen  Dringlichkeit  sei  das  beantragte  Reisedokument  auszustellen,  selbst  wenn  das  Erfordernis  der  Unmöglichkeit  im  Sinne  von  Art. 7  Abs. 1  Bst. b  aRDV  nicht  erfüllt  sein  sollte.  Als  Beweismittel  wurde mit der Beschwerdeverbesserung vom 3. September 2009 ein auf  den  3. August  2009  datierter  Arztbericht  eingereicht.  Die  Einreichung  weiterer ärztlicher Bescheinigungen wurde in Aussicht gestellt. F.  Mit  Vernehmlassung  vom  16. September  2009  schliesst  die  Vorinstanz  unter  Erläuterung  der  bereits  erwähnten  Gründe  auf  Abweisung  der  Beschwerde.  Insbesondere  verweist  sie  erneut  auf  die  fehlende  Schriftenlosigkeit  des  Beschwerdeführers,  welche  zwingende  Voraussetzung  für  die  Ausstellung  eines  Reisedokuments  sei,  und  sie  führt weiter aus, die Frage der Anwendbarkeit der  in Art. 5 Abs. 2 aRDV  erwähnten  weiteren  Kriterien  könne  unter  diesen  Umständen  offen  bleiben. Schliesslich bringt sie Zweifel am Beweiswert des eingereichten  ärztlichen  Zeugnisses  an  (namentlich  in  Bezug  auf  die  ausstellende  Behörde sowie die handschriftlich erfolgte Ergänzung des Datums). G.  Mit  Replik  vom  30. September  2009  hielt  der  Beschwerdeführer  an 

C­4704/2009 seinen Anträgen und deren Begründung fest. Er verweist darauf, dass die  irakischen  Behörden  seit  mehreren  Jahren  keine  Pässe  ausstellten,  weshalb  es  sich  nicht mehr  nur  um  technische Verzögerungen  handeln  würde.  Aufgrund  der  Geltendmachung  eines  dringlichen  Reisegrunds  habe  anstelle  der  irakischen Behörden  die Schweiz  ein Reisedokument  auszustellen. H.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  –  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  –  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  unter  anderem  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Ausstellung  von  Reisedokumenten  für  ausländische  Personen  (vgl.  Art.  59  des  Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 [AuG, SR 142.20] und Art. 1  RDV. Das vorliegende Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  6  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  sofern  das  Gesetz  nichts  anderes bestimmt. 1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  durch  die  angefochtene Verfügung besonders  berührt  und hat  ein  schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung. Auf die frist­ und formgerecht eingereichte  Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 48 ff. VwVG). 2.  Am 1. März  2010  trat  die Reisedokumentenverordnung  in  Kraft,  welche  sich  auf  Art. 59  Abs. 1  und  Art. 111  Abs. 6  AuG  stützt,  die  bisherige 

C­4704/2009 aRDV ersetzt und gemäss der Übergangsbestimmung (vgl. Art. 25 RDV)  für  alle  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  hängigen  Verfahren  gilt.  Auf  die  vorliegende  Beschwerde  findet  daher  die  Reisedokumentenverordnung  Anwendung,  deren  hier  relevante  Bestimmungen  inhaltlich  allerdings  keine  wesentlichen  Änderungen  erfahren  haben  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts C­1082/2006  vom 7. Oktober  2010 E. 2  und  C­7328/2007 vom 16. April 2010 E. 1.2 und 1.3). In Bezug insbesondere  auf  die  Voraussetzung  der  Schriftenlosigkeit  (vgl.  Art. 6  RDV)  hat  die  bisherige  Regelung  (vgl.  Art. 7  aRDV)  lediglich  insofern  eine  Änderung  erfahren,  als  im  (neuen)  Absatz  2  der  geltenden  Bestimmung  die  bisherige  Praxis  im  Fall  von  bei  den  Behörden  des  Herkunftsstaates  entstehenden Verzögerungen bei der Ausstellung von Reisedokumenten  kodifiziert wurde (vgl. E. 5.2). 3.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie,  wenn  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat,  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  sind  grundsätzlich  die  tatsächlichen  Verhältnisse  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BGE 135 II 369 E. 3.3 S. 374). 4.  4.1. Anspruch auf einen Pass für eine ausländische Person haben nach  dem Übereinkommen vom 28. September 1954 über die Rechtsstellung  der  Staatenlosen  (SR  0.142.40)  von  der  Schweiz  als  staatenlos  anerkannte  Personen  sowie  schriftenlose  ausländische  Personen  mit  Niederlassungsbewilligung (Art. 59 Abs. 2 Bst. b und c AuG i.V.m. Art. 3  Abs. 1 RDV).  Gemäss Art. 59 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 3 Abs. 2 RDV kann das BFM einer  schriftenlosen, ausländischen Person mit Jahresaufenthaltsbewilligung im  Rahmen  des  freien  (pflichtgemässen)  Ermessens  einen  Pass  für  eine  ausländische  Person  abgeben.  Unabdingbare  Voraussetzung  für  die  http://links.weblaw.ch/BVGer-C-1082/2006 http://links.weblaw.ch/BVGer-C-1082/2006 http://links.weblaw.ch/BVGer-C-1082/2006 http://links.weblaw.ch/BVGer-C-7328/2007 http://links.weblaw.ch/BVGer-C-7328/2007 http://links.weblaw.ch/BVGer-C-7328/2007

C­4704/2009 Abgabe  eines  Passes  ist  in  diesen  Fällen  somit  stets,  dass  die  ausländische Person, die um Abgabe eines solchen Dokuments ersucht,  schriftenlos ist. 4.2. Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 Abs. 1 RDV gilt als schriftenlos  im Sinne der Reisedokumentenverordnung eine ausländische Person, die  keine  gültigen  Reisedokumente  ihres  Heimat­  oder  Herkunftsstaates  besitzt  und  von  der  nicht  verlangt  werden  kann,  dass  sie  sich  bei  den  zuständigen  Behörden  ihres  Heimat­  oder  Herkunftsstaates  um  die  Ausstellung  oder  Verlängerung  eines  Reisedokuments  bemüht  (Bst.  a),  oder  für  welche  die  Beschaffung  von  Reisedokumenten  unmöglich  ist  (Bst. b). Die Schriftenlosigkeit wird nach Art.  6 Abs. 4 RDV  im Rahmen  der Gesuchsprüfung durch das BFM festgestellt. 5.  Vorliegend ist demnach zunächst zu prüfen, ob die Vorinstanz hinsichtlich  des  –  über  eine  Jahresaufenthaltsbewilligung  verfügenden –  Beschwerdeführers  zu  Recht  die  Schriftenlosigkeit  –  als  unabdingbare  Voraussetzung  für  die  Ausstellung  eines  Reisedokumentes  –  verneint  hat, indem sie sowohl die Zumutbarkeit entsprechender Bemühungen bei  den zuständigen heimatlichen Behörden als gegeben erachtete als auch  die  Unmöglichkeit  der  Beschaffung  eines  heimatlichen  Reisepasses  verneint hat. 5.1.  Die  Frage,  ob  die  Beschaffung  von  Reisedokumenten  bei  den  Heimatbehörden  von  den  betreffenden  Personen  verlangt  werden  kann  (bzw. die Zumutbarkeit), ist dabei nicht nach subjektiven Gegebenheiten,  sondern  nach  objektiven  Massstäben  zu  beurteilen  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 2A.335/2006 vom 18. Oktober 2006 E. 2.1 mit Hinweis).  Namentlich von schutzbedürftigen und asylsuchenden Personen kann im  Hinblick auf eine potentielle Gefährdungslage eine Kontaktaufnahme mit  den  zuständigen  Behörden  des  Heimat­  oder  Herkunftsstaates  nicht  verlangt  werden  (vgl.  Art. 6  Abs. 3  RDV).  Dasselbe  gilt  gemäss  den  diesbezüglichen  Weisungen  des  BFM  auch  in  Bezug  auf  Personen,  welche  infolge  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  (nach  Massgabe von Art. 83 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 AuG) vorläufig aufgenommen  wurden (vgl. Ziff. 2 der Ausführungsvorschriften zur RDV im Anhang 3/2  zu  den  Weisungen  und  Erläuterungen  über  Einreise,  Aufenthalt  und  Arbeitsmarkt,  online  zu  finden  unter:  www.bfm.admin.ch,  Themen  >  Rechtliche  Grundlagen  >  Weisungen  und  Kreisschreiben  >  Archiv 

C­4704/2009 Weisungen  und  Kreisschreiben  [ausser  Kraft]  >  Weisungen  und  Erläuterungen: Einreise, Aufenthalt und Arbeitsmarkt > Weisungen). Daraus  ist  zu  schliessen,  dass  von  Personen,  die  –  wie  der  Beschwerdeführer  –  über  eine  Aufenthaltsbewilligung  verfügen,  eine  solche  Kontaktaufnahme  im  Hinblick  auf  die  Beschaffung  von  Reisedokumenten verlangt werden kann. Bei der vom Beschwerdeführer  eingereichten  Bestätigung  der  irakischen  Botschaft  vom  27. Mai  2009  handelt  es  sich  um  eine  unadressierte  Bescheinigung,  weshalb  nicht  zweifelsfrei feststeht, ob sich der Beschwerdeführer selbst tatsächlich bei  der hiesigen Vertretung um Ausstellung eines irakischen Reisedokuments  bemüht hat. Da aus der besagten Bestätigung hervorgeht, dass Anträge  auf  Pässe  der  Serie  "G"  ab  dem  1. April  2009  allgemein  nicht  entgegengenommen  werden,  steht  dieser  Umstand  einer  weiteren  Prüfung jedoch nicht grundsätzlich entgegen. 5.2.  Nach  Verschärfung  der  Lage  im  Irak  im  Jahre  2003  ging  die  Vorinstanz während längerer Zeit davon aus, Personen aus dem Zentral­  oder  dem  Nordirak  könnten  sich  keine  gültigen  heimatlichen  Reisedokumente  mehr  beschaffen  und  seien  deshalb  grundsätzlich  als  schriftenlos  zu  betrachten  (vgl.  Kreisschreiben  des  Bundesamtes  für  Flüchtlinge [BFF] zu den Massnahmen im Asylbereich nach Verschärfung  der Lage  im  Irak vom 18. August 2003  [Asyl 52.5.1]). Anfang 2005 ging  die  irakische Vertretung  in der Schweiz  in der Folge des Wiederaufbaus  der  administrativen  Strukturen  im  Irak  wieder  dazu  über,  ihren  hierzulande  wohnhaften  Staatsangehörigen  –  auf  entsprechendes  Gesuch  hin  –  heimatliche  Reisepässe  auszustellen.  Nachdem  zwischenzeitlich Pässe der (allgemein anerkannten) Serie "G" eingeführt  und ausgestellt worden waren,  fand auf Anfang des Jahres 2010 erneut  eine  Umstellung  statt:  Seither  ist  nurmehr  noch  die  Ausstellung  von  Pässen der neu eingeführten Serie "A" vorgesehen; Pässe der Serie "G"  können  dementsprechend  nicht  mehr  beantragt  werden  (entsprechend  wird  bspw.  das  Formular  zur Beantragung  von Pässen  dieser Serie  als  nicht  mehr  gültig  bezeichnet  und  auf  ein  [online­]Formular  zur  Beantragung eines Passes der Serie "A" verwiesen; vgl. zum Ganzen die  am 15. Februar 2010 auf der Website der Konsularsektion der irakischen  Botschaft  in  London  aufgeschalteten  Informationen  [inkl.  Link  auf  die  Website  des  irakischen  Innenministeriums]:  www.iraqembassy.org.uk/eng/articles/display.aspx?gid=1&id=222,  besucht  im  Juli  2011).  Dass  im  Vorfeld  der  Einführung  der  neuen  Passserie  "A"  Anträge  auf  Pässe  der  alten  Serie  im  Hinblick  auf  die 

C­4704/2009 geplante  Umstellung  nicht  mehr  entgegengenommen  wurden,  erscheint  nachvollziehbar.  Der  Hinweis  auf  der  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Bestätigung  der  irakischen  Vertretung  vom  27. Mai  2009,  wonach Passanträge seit dem 1. April 2009 aus "internen Gründen" bzw.  wegen  einer  "Verfahrensänderung"  nicht  mehr  entgegengenommen  würden,  dürfte  vor  diesem  Hintergrund  zu  sehen  sein.  Auf  der  Internetseite  des  irakischen  Innenministeriums  bzw.  denjenigen  der  irakischen Vertretungen  in Deutschland und  in England  (jeweils mit Link  auf  die  Website  des  irakischen  Innenministeriums)  sind  nunmehr  Informationen zur Vorgehensweise im Hinblick auf die Beantragung (auch  bei den ausländischen Vertretungen) eines Passes der neuen Serie  "A"  sowie  ein  entsprechendes  online­Formular  zu  finden  (vgl.  www.iraqinationality.gov.iq/index_en.htm  >  Passport  Directorate  >  Instructions  to  Apply  for  Electronically  Read  Passport,  www.iraqiembassy­berlin.de/docs/de/konsulat8_de.php  sowie  www.iraqembassy.org.uk/eng/articles/display.aspx?gid=1&id=222,  besucht  im  Juli  2011).  Der  Website  der  irakischen  Botschaft  in  Deutschland  zufolge  ist  derzeit  eine  (technische)  Umrüstung  bei  den  irakischen  Vertretungen  im  Gange,  in  deren  Zusammenhang  das  irakische  Innenministerium die Anweisung erlassen hat, bis auf weiteres  keine Passanträge (betreffend Pässe der Serie "A") entgegenzunehmen.  Ziel dieser Umstellung  ist gemäss der Website ein verbesserter Service  zu  Gunsten  der  irakischen  Staatsbürger.  Neueren  Abklärungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  bei  der  irakischen Botschaft  in Bern  zufolge  werden  seit  den Wahlen  im  Irak  von März  2010  aufgrund  der  (damals)  noch  nicht  erfolgten  Regierungsbildung  sowohl  im  Irak  als  auch  in  der  Schweiz  keine  irakischen  Pässe  ausgestellt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7509/2010  vom  17. Mai  2011  E. 4.5).  Mithin  kommt  es  bei  den  irakischen  Vertretungen  offenbar  auch  aktuell  bei  der  Ausstellung  von  Reisedokumenten  zu  Verzögerungen,  welche  jedoch  im  Zusammenhang  namentlich  mit  den  Herausforderungen  aufgrund der politischen Situation im Land stehen dürften. Die  sodann  offenbar  auf  diverse  (administrative/organisatorische  wie  technische) Umstellungen zurückzuführenden (sich insgesamt über einen  längeren  Zeitraum  erstreckenden)  Verzögerungen  bei  der  Ausstellung  von  Reisedokumenten  mögen  für  die  im  Ausland  lebenden  irakischen  Staatsbürger  als  unbefriedigend  erscheinen.  Dem  klaren  Wortlaut  der  einschlägigen  Verordnungsbestimmung  (vgl.  Art. 6  Abs. 2  RDV)  zufolge  begründen  jedoch  (technisch  oder  organisatorisch  bedingte)  Verzögerungen,  die  bei  der  Ausstellung  eines Reisedokuments  bei  den 

C­4704/2009 zuständigen Behörden des Heimat­ oder Herkunftsstaates entstehen, die  Schriftenlosigkeit  im  Sinne  der  Reisedokumentenverordnung  nicht  (vgl.  bspw.  die  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7509/2010  E. 4.5,  C­3724/2010  vom  26. April  2011  E. 4.3  und  C­5465/2010  vom  8. März  2011 E. 5.2). Diese mit der  revidierten Reisedokumentenverordnung am  1. März 2010 in Kraft getretene, (nunmehr) ausdrückliche Regelung stellt  eine Kodifizierung der  bisherigen  konstanten Praxis  dar  (vgl.  nur  die  im  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­4534/2009  und  C­4535/2009  vom 22. Oktober 2010 E. 6.5 angeführten weiteren Urteile) und aufgrund  ihrer  Formulierung  ist  eine  Abweichung  von  diesem  Grundsatz  nicht  vorgesehen  (vgl.  diesbezüglich  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­5465/2010  vom  8. März  2011 E. 5.5).  Sie  ist vor dem Hintergrund dessen zu sehen, dass die Schweiz, würde sie in  einer solchen Situation auf breiter Basis von Schriftenlosigkeit ausgehen,  regelmässig gehalten wäre,  in die  völkerrechtlich  verankerte Passhoheit  – und damit in die Souveränität anderer Staaten – einzugreifen (vgl. auch  die  erwähnten  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7509/2010  E. 4.5  und  C­3724/2010  E. 4.3).  Mit  der  Anerkennung  der  (objektiven)  Unmöglichkeit  als  eine  der  Voraussetzungen  für  die  Annahme  der  Schriftenlosigkeit  soll  lediglich  vermieden werden,  dass  eine  Person  an  Auslandreisen gehindert wird, wenn sich die heimatlichen Behörden ohne  zureichenden  Grund  – und  damit  willkürlich –  weigern,  ein  Reisepapier  auszustellen  (vgl.  bspw.  das  erwähnte  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­7509/2010 E. 4.6 sowie Urteil C­1217/2009  vom 12. Juni 2009 E. 4.3.5). Dass dies vorliegend der Fall gewesen wäre,  wird  jedoch weder geltend gemacht,  noch  lassen die Akten auf  solches  schliessen.  Die  Ausstellung  von  Pässen  durch  die  irakischen  Vertretungen  erfährt  vielmehr  – wie  soeben  dargelegt –  auf  breiterer  Basis auf organisatorische bzw.  technische Umstellungen und damit auf  nachvollziehbare,  sachliche  Gründe  zurückzuführende  Verzögerungen.  Solche  (auch  längeren)  Verzögerungen  sind  von  den  betreffenden  Staatsbürgern dem Wortlaut der RDV zufolge hinzunehmen.  Inzwischen  ist  im  Übrigen  auch  die  Bildung  einer  Regierung  im  Irak  gelungen,  so  dass sich die Situation mit der Zeit nun ändern dürfte.  Von  einer  Unmöglichkeit  der  Beschaffung  des  beantragten  Reisedokuments im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. b RDV kann angesichts  der vorstehenden Ausführungen nicht ausgegangen werden.  5.3.  Dem  Beschwerdeführer  ist  somit  die  Beschaffung  eines  gültigen  heimatlichen  Reisedokumentes  zumutbar;  sie  ist  auch  nicht  objektiv  http://links.weblaw.ch/BVGer-C-4534/2009 http://links.weblaw.ch/BVGer-C-4534/2009 http://links.weblaw.ch/BVGer-C-4534/2009

C­4704/2009 unmöglich. Er ist folglich nicht als schriftenlos im Sinne von Art. 6 Abs. 1  RDV zu betrachten. 6.  Ausgehend von dieser Sach­ und Rechtslage erübrigt sich vorliegend an  sich  eine  Auseinandersetzung  mit  den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  betreffend  den  Reisegrund.  Ohnehin  spielten  Reisegründe  im  Zusammenhang  mit  Pässen  für  eine  ausländische  Person  (der  Beschwerdeführer  hat  mit  Beschwerdeverbesserung  vom  3. September  2009  bestätigt,  um  einen  solchen  zu  ersuchen)  bereits  nach  der  bis  28. Februar  2010  geltenden  aRDV  keine Rolle  (vgl.  Art. 4  aRDV).  Der  Vollständigkeit  halber  ist  anzumerken,  dass  die  Vorbringen  des Beschwerdeführers ohnehin nicht als glaubhaft erscheinen: Während  er  im  persönlich  verfassten,  vom  22. Mai  2009  datierenden  Begleitschreiben  zu  seinem Gesuch  noch  eine  (weder  näher  erläuterte  noch irgendwie belegte) Krankheit des Vaters anführt, um seinen Wunsch  nach  einer  Reise  in  den  Irak  zu  begründen,  ist  in  seinen  späteren  Eingaben  – ohne  jegliche  weiteren  Angaben  (insbesondere  betreffend  Datum) –  von einem vom Vater erlittenen Unfall  die Rede; bezeichnend  erscheint diesbezüglich, dass der Beschwerdeführer  in der Eingabe vom  3. September  2009  vorbringen  lässt,  angeblich  (bereits)  das  in  Frage  stehende Gesuch vom 8. Juni 2009 im Zusammenhang mit diesem Unfall  eingereicht  zu  haben.  Ebendies  erscheint  jedoch  nicht  glaubhaft:  Hätte  das  Gesuch  tatsächlich  im  Zusammenhang  mit  einem  (angeblich  kurz  zuvor  erlittenen)  Unfall  des  Vaters  gestanden,  so  hätte  der  Beschwerdeführer dies im erwähnten Begleitschreiben dargelegt und dort  nicht  – ohne weitere Substantiierung –  auf  eine Krankheit  als Grund  für  die Einreichung seines Gesuches verwiesen. Dieses Vorbringen erweist  sich damit als nicht glaubhaft. Der schliesslich erst im Rahmen der Replik  nachgereichten  ärztlichen Bestätigung, mit welcher  der mit  Beschwerde  erstmals  thematisierte Unfall und der angeblich kritische gesundheitliche  Zustand des Vaters  des Beschwerdeführers  belegt werden  sollen,  kann  sodann  kein  Beweiswert  zukommen:  Aufgrund  der  insgesamt  sehr  dürftigen  Ausführungen  und  der  hinsichtlich  des  angeblichen  Geschehnisses  gänzlich  fehlenden  Angaben  (namentlich  ist  der  Zeitpunkt,  zu  dem der  angebliche Unfall  stattgefunden  haben  soll,  nicht  festgehalten,  so  dass  eine  zeitliche  Situierung  schlicht  unmöglich  ist)  kann  darauf  nicht  abgestellt  werden.  Die  Datierung  auf  dem  Ausdruck  wurde  nachträglich  handschriftlich  ergänzt.  Damit  erweist  sich  die  Bescheinigung als nicht geeignet, das Ereignis an sich wie insbesondere  auch die behauptete zeitliche Nähe bzw. den zeitlichen Zusammenhang 

C­4704/2009 mit dem eingereichten Gesuch zu belegen. Weitere, in Aussicht gestellte  ärztliche Bescheinigungen wurden schliesslich nicht eingereicht. 7.  Aus  diesen  Darlegungen  folgt,  dass  die  Vorinstanz  zu  Recht  die  Schriftenlosigkeit  des  Beschwerdeführers  verneint  und  die  Ausstellung  eines  Passes  für  eine  ausländische  Person  verweigert  hat.  Die  angefochtene Verfügung erweist sich somit  im Lichte von Art. 49 VwVG  als rechtmässig und die Beschwerde ist dementsprechend abzuweisen.  8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  dem  Beschwerdeführer  die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 700.­  aufzuerlegen  (vgl.  Art. 63  Abs. 1  VwVG  in  Verbindung  mit  Art. 1  und  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv S. 13)

C­4704/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  CHF 700.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] retour) – das Migrationsamt Kanton Aargau (Ref­Nr. […]) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Viviane Eggenberger Versand:

C-4704/2009 — Bundesverwaltungsgericht 15.08.2011 C-4704/2009 — Swissrulings