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Bundesverwaltungsgericht 15.08.2011 C-4142/2010

15 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,519 parole·~8 min·1

Riassunto

Schengen-Visum | Verweigerung der Einreisebewilligung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­4142/2010 Urteil   v om   1 5 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richter Andreas Trommer, Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer. Parteien A._______,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf  B._______.

C­4142/2010 Sachverhalt: A.  Am  1.  Februar  2010  beantragte  B._______  (kamerunischer  Staatsangehöriger,  geboren  1985;  nachfolgend  Gesuchsteller)  bei  der  schweizerischen  Botschaft  in  Yaoundé  ein  Visum  für  einen  Besuchsaufenthalt von 14 Tagen bei seinem Onkel in der Schweiz. Nach  formloser  Verweigerung  des  Visums  übermittelte  die  Auslandvertretung  das Gesuch am 8. Februar 2010 zur Prüfung und zum Entscheid an die  Vorinstanz. B.  Nachdem  die  kantonale  Migrationsbehörde  beim  Gastgeber,  dem  Beschwerdeführer,  weitere  Informationen  eingeholt  hatte,  wies  die  Vorinstanz  das  Gesuch  mit  Verfügung  vom  7.  Mai  2010  ab.  Zur  Begründung  führte  sie  im  Wesentlichen  an,  die  Wiederausreise  des  Gesuchstellers  könne  aufgrund  der  wirtschaftlichen  Situation  im  Herkunftsland  sowie  wegen  seiner  persönlichen  Verhältnisse  nicht  als  gesichert angesehen werden. Zudem hätten sich die Beteiligten in Bezug  auf  das  Verwandtschaftsverhältnis  und  die  Aufenthaltsdauer  unterschiedlich geäussert, was Zweifel am Aufenthaltszweck schüre. C.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  6.  Juni  2010  beantragt  der  Beschwerdeführer  sinngemäss  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung sowie die Erteilung des beantragten Visums. Zur Begründung  führt er an, dass der Gesuchsteller, sein Neffe, Schweizer Wurzeln habe  und die Einbürgerung anstrebe, wofür mindestens drei Aufenthalte in der  Schweiz  verlangt  würden.  Dies werde  ihm  durch  die  Verweigerung  des  Visums  verunmöglicht.  Die  Unstimmigkeiten  der  Angaben  zu  Verwandtschaftsverhältnis  und  Aufenthaltsdauer  seien  zu  vernachlässigen und dürften nicht dazu dienen, den Aufenthaltszweck  in  Zweifel zu ziehen. D.  Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 16. September 2010  die  Abweisung  der  Beschwerde.  In  Ergänzung  zur  Begründung  in  der  angefochtenen  Verfügung  hält  sie  fest,  der  Gesuchsteller  sei  im  Jahre  2005  von  einem  in  Kamerun  lebenden  Schweizer  als  dessen  Sohn  anerkannt worden, was in ihm den Wunsch geweckt habe, das Schweizer  Bürgerrecht  zu  erwerben.  Ein  entsprechendes  Gesuch  sei  wegen  der  fehlenden engen Beziehung zur Schweiz abschlägig beantwortet worden. 

C­4142/2010 Mit  seinem  Aufenthalt  möchte  der  Gesuchsteller  die  Einbürgerungsvoraussetzungen  schaffen,  damit  ein  späteres  Gesuch  gutgeheissen  werden  könne.  Ein  vorübergehender,  dreimonatiger  Aufenthalt  könne  jedoch  nicht  dem  Zweck  dienen,  nicht  bestehende  Beziehungen  im  Hinblick  auf  die  erleichterte  Einbürgerung  aufzubauen.  Vor  diesem  Hintergrund  und  den  persönlichen  Verhältnissen  des  Gesuchstellers  müsse  die  gesicherte  Wiederausreise  in  Frage  gestellt  werden. E.  Mit  Verfügung  vom  23.  September  2010  wurde  der  Beschwerdeführer  eingeladen,  sich  bis  zum  25.  Oktober  2010  zur  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  zu  äussern.  Von  dieser  Möglichkeit  machte  er  keinen  Gebrauch. F.  Das  Bundesverwaltungsgericht  (BVGer)  zog  neben  den  Vorakten  auch  diejenigen des Verfahrens betreffend erleichterte Einbürgerung bei. Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  entscheiderheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  BVGer  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  (VwVG, SR 172.021), die von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde  erlassen wurden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Verweigerung der Einreisebewilligung. Das BVGer entscheidet in diesem  Bereich endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  BVGer  nach  dem  Verwaltungsverfahrensgesetz (Art. 37 VGG).

C­4142/2010 1.3. Der Beschwerdeführer ist als Garant und Gastgeber gemäss Art. 48  Abs. 1 VwVG zur Beschwerde berechtigt. Auf die  frist­ und  formgerecht  eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50–52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  BVGer  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die Unangemessenheit  gerügt werden  (Art.  49  VwVG).  Das  BVGer  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht von Amtes wegen an. Es  ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts­ und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BVGE  2007/41  E. 2  und Urteil des BVGer A­2682/2007 vom 7. Oktober 2010 E. 1.2. und 1.3). 3.  Das  schweizerische Ausländerrecht  kennt weder  ein  allgemeines Recht  auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung  eines Visums. Die Schweiz  ist daher – wie alle anderen Staaten auch –  grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Verpflichtungen  handelt  es  sich  dabei  um  einen  autonomen  Entscheid  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1. mit Hinweisen). 4.  Die inländischen Bestimmungen über das Visumsverfahren und über die  Ein­  und  Ausreise  finden  Anwendung,  sofern  die  Schengen­ Assoziierungsabkommen  keine  abweichenden  Bestimmungen  enthalten  (vgl. Art. 2 Abs. 4 und 5 des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005  [AuG, SR 142.20]). 5.  5.1. Angehörige von Drittstaaten benötigen zur Einreise in die Schweiz  bzw.  den  Schengen­Raum  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten gültige Reisedokumente, die zum Grenzübertritt berechtigen,  und ein Visum,  sofern  dieses  erforderlich  ist  (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a  AuG  sowie  Art. 2  Abs. 1  der  Verordnung  vom  22. Oktober  2008  über 

C­4142/2010 die  Einreise  und  die  Visumerteilung  [VEV,  SR  142.204]  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  und  b  der  Verordnung  [EG]  Nr. 562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15. März  2006  über  einen Gemeinschaftskodex  für  das  Überschreiten  der Grenzen  durch  Personen  [nachfolgend:  Schengener  Grenzkodex,  SGK,  ABl. L  105  vom  13.04.2006,  S. 1–32]  und  Art.  2  der  Verordnung  [EU]  Nr.  265/2010 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. März  2010  zur  Änderung  des  Übereinkommens  zur  Durchführung  des  Übereinkommens  von  Schengen  und  der  Verordnung  [EG]  Nr.  562/2006 in Bezug auf den Verkehr von Personen mit einem Visum für  einen längerfristigen Aufenthalt [ABl. L 85 vom 31.03.2010, S. 1–4]). 5.2.  Im  Weiteren  müssen  Drittstaatsangehörige  den  Zweck  und  die  Umstände  ihres  beabsichtigten  Aufenthalts  belegen  und  hierfür  über  ausreichende  finanzielle  Mittel  verfügen  (Art. 5  Abs. 1  Bst. b  AuG,  Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK und Art. 14 Abs. 1 Bst. a ­ c der Verordnung  [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments  und  des Rates  vom  13. Juli  2009  über  einen  Visakodex  der  Gemeinschaft  [nachfolgend:  Visakodex,  ABl. L  243  vom  15.09.2009,  S. 1–58]).  Namentlich  haben  sie  zu  belegen,  dass  sie  den  Schengenraum  vor  Ablauf  der  Gültigkeitsdauer  des  beantragten  Visums  wieder  verlassen,  bzw.  Gewähr für ihre fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1  Bst.  d  und  Art.  21  Abs.  1  Visakodex  sowie  Art.  5  Abs.  2  AuG).  Weiterhin  dürfen  Drittstaatsangehörige  nicht  im  Schengener  Informationssystem  (SIS)  zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine  Gefahr  für  die  öffentliche  Ordnung,  die  innere  Sicherheit,  die  öffentliche  Gesundheit  oder  die  internationalen  Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG,  Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 6.  Anhang I  zur  Verordnung  (EG)  Nr. 539/2001  des  Rates  vom  15. März  2001  listet  diejenigen  Staaten  auf,  deren  Staatsangehörige  beim  Überschreiten  der  Aussengrenzen  der  Schengen­Mitgliedstaaten  im  Besitze  eines  Visums  sein müssen  (ABl.  L 81  vom  21.03.2001,  S. 1–7,  zum vollständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV).  Da  Kamerun  zu  diesen  Staaten  zählt,  unterliegt  der  Gesuchsteller  der  Visumspflicht. 7.  Die  Vorinstanz  verweigerte  die  Erteilung  eines  Visums  an  den 

C­4142/2010 Gesuchsteller  mit  der  Begründung,  die  fristgerechte  Wiederausreise  erscheine  nicht  gesichert.  Zudem  äusserte  sie  Zweifel  am  Aufenthaltszweck. 7.1. Zur Prüfung des Kriteriums der rechtzeitigen Wiederausreise muss  das  Verhalten  des  Gesuchstellers  oder  der  Gesuchstellerin  im  Falle  einer  Einreise  in  die  Schweiz  beurteilt  werden.  Da  es  sich  um  ein  zukünftiges  Verhalten  handelt,  lassen  sich  dazu  in  der  Regel  keine  gesicherten  Feststellungen,  sondern  lediglich  Voraussagen  machen.  Dabei sind sämtliche Umstände des Einzelfalles zu würdigen. 7.2.  Anhaltspunkte  zu  dieser  Beurteilung  können  sich  aus  der  allgemeinen  Lage  im  Herkunftsland  des  Gesuchstellers  oder  der  Gesuchstellerin  ergeben.  Dabei  rechtfertigt  es  sich  durchaus,  Einreisegesuchen  von  Bürgerinnen  und  Bürgern  aus  Staaten  bzw.  Regionen mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen  Verhältnissen  von  vornherein mit  Zurückhaltung  zu  begegnen,  da  die  persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel  und  Zweck  einer  zeitlich  befristeten  Einreisebewilligung  in  Einklang  steht. 7.3. Kamerun gilt als führende Handels­ und Wirtschaftmacht unter den  Staaten  der  zentralafrikanischen  Regionalorganisation  (CEMAC).  Trotzdem  ist  die  wirtschaftliche  Lage  prekär.  Dies  ist  unter  anderem  die  Folge  der  grossen  Abhängigkeit  von  den  auf  dem  Weltmarkt  gehandelten  Rohstoffen.  Die  Arbeitslosigkeit  ist  hoch,  insbesondere  unter  jungen,  gut  ausgebildeten  Leuten,  und  der  Anteil  derer  an  der  Gesamtbevölkerung,  die  unter  der  Armutsgrenze  leben,  ist  hoch  (ca.  40 %).  Die  Stabilität  des  Landes  ist  zudem  durch  etliche  interne  Faktoren  gefährdet.  Dazu  gehören  beispielsweise  die  unsichere  Rechtslage, weit  verbreitete Korruption  sowie Machtkämpfe  innerhalb  der  Regierung,  insbesondere  im  Hinblick  auf  die  Präsidentschaftswahlen gegen Ende des Jahres 2011 (vgl. Deutsches  Auswärtiges  Amt,  www.auswaertiges­amt.de  >  Reise  &  Sicherheit  >  Länder, Reise, Sicherheit  > Kamerun > Wirtschaft, Stand März 2011;  The  International  Crisis  Group,  www.crisisgroup.org  >  Regions  /  Countries  > West  Africa /  Cameroon  > Africa Report N° 161  vom  24.  Juni  2010:  Cameroon:  The  Dangers  of  a  Fracturing  Regime;  US  Aussenministerium,  www.state.gov  >  Country  Profiles  >  Cameroon,  Stand 22. April 2011; alle Webseiten besucht im Juli 2011).

C­4142/2010 7.4.  Angesichts  der  schwierigen  Lage  im  Herkunftsland  des  Gesuchstellers  ist  nicht  zu  beanstanden,  dass  die  Vorinstanz  das  Risiko  einer  nicht  fristgerechten  Wiederausreise  allgemein  als  hoch  einschätzte.  Bei  der  Risikoanalyse  sind  allerdings  nicht  nur  solch  allgemeine  Umstände  und  Erfahrungen,  sondern  auch  sämtliche  Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt  dem  Gesuchsteller  oder  der  Gesuchstellerin  beispielsweise  eine  besondere  berufliche,  gesellschaftliche  oder  familiäre  Verantwortung,  so  kann  dieser  Umstand  durchaus  die  Prognose  betreffend  die  anstandslose  Wiederausreise  begünstigen.  Umgekehrt  muss  bei  Gesuchstellern  und  Gesuchstellerinnen,  die  in  ihrer  Heimat  keine  besonderen  Verpflichtungen  haben,  das  Risiko,  dass  sie  sich  nach  einer  bewilligten  Einreise  nicht  gemäss  den  ausländerrechtlichen  Bestimmungen verhalten, als hoch eingeschätzt werden. 7.5.  7.5.1. Der  Gesuchsteller  ist  25  Jahre  alt  und  ledig.  Über  familiäre  und  gesellschaftliche  Verpflichtungen  im  Heimatland  geht  aus  den  Akten  nichts  hervor.  Seit  2003   ist  er  als  "Assistant  Manager"  im  Bereich  "logistics  and  supply  chain"  einer  Bau­  und  Transportfirma  tätig,  die  offenbar  in  Familienbesitz  ist.  Aus  den  eingereichten  Unterlagen  geht  hervor, dass der Gesuchsteller ein monatliches Gehalt von CAF 450'000  bezieht. Dies entspricht  zur Zeit  umgerechnet  etwa USD 990,  d.h.  rund  USD  11'880  pro  Jahr.  Aus  den  verfügbaren  statistischen  Daten  geht  hervor, dass das jährliche Bruttoinlandprodukt pro Kopf USD 2'140 (2009)  bzw. USD 2'300 (2010) beträgt (vgl. Deutsches Auswärtiges Amt, a.a.O,  US­Aussenministerium,  a.a.O.);  das  Pro­Kopf­Einkommen  ist  jedoch  tiefer  anzusetzen.  Angesichts  des  überdurchschnittlichen  Einkommens  des Gesuchstellers und der Tatsache, dass er offenbar seit acht Jahren  für die gleiche Firma  tätig  ist,  ist  seine wirtschaftliche Situation als solid  und  stabil  anzusehen.  Das  Risiko  einer  nicht  anstandslosen  und  fristgerechten  Wiederausreise  ist  vor  diesem  Hintergrund  als  klein  anzusehen.  Dass  aus  den  Unterlagen  keine  familiären  und  gesellschaftlichen Verpflichtungen im Heimatland ersichtlich sind, vermag  an dieser Einschätzung nichts zu ändern. 7.5.2. Vorliegend ist zudem die spezielle Verbindung des Gesuchstellers  zur  Schweiz  in  die  Beurteilung  mit  einzubeziehen:  Er  wurde  im  Jahre  2005 von einem Schweizer Bürger offiziell als Sohn anerkannt. Gestützt  auf  diese  Abstammung  stellte  er  am  29.  Mai  2009  ein  Gesuch  um  erleichterte Einbürgerung. Da er über keine enge Verbundenheit mit der 

C­4142/2010 Schweiz verfügte, zog er das Gesuch auf einen entsprechenden Hinweis  des  für  dieses  Verfahren  ebenfalls  zuständigen  BFM  zurück.  Als  Voraussetzung für die enge Verbundenheit mit der Schweiz (vgl. Art. 58c  Abs.  2  des  Bürgerrechtsgesetzes  vom  29. September  1952  [BüG,  SR  141.0]) führte das BFM unter anderem "Regelmässige Aufenthalte in der  Schweiz: grundsätzlich 3 Besuche in den letzten 10 Jahren" auf. Das  vorliegend  zu  beurteilende  Gesuch  um  Ausstellung  eines  Visums  begründet  der  Beschwerdeführer  denn  auch  mit  dem  Wunsch  des  Gesuchstellers, die Schweiz zu besuchen, um diese Voraussetzungen im  Laufe der Zeit  erfüllen  zu  können. Der Wunsch des Gesuchstellers,  die  Schweiz zu besuchen, Kontakte mit seinen hier lebenden Verwandten zu  pflegen  (unter  anderem mit  seinem Onkel,  dem Beschwerdeführer)  und  auf  diese  Weise  die  Voraussetzungen  für  eine  allfällige  spätere  erleichterte  Einbürgerung  zu  schaffen,  sind  verständlich  und  legitim.  Dieser  Aufenthaltszweck  ist  durchaus  mit  den  gesetzlichen  Vorgaben  vereinbar  (vgl.  Art.  5  AuG  i.V.m.  Art.  15  VEV).  Die  Auffassung  der  Vorinstanz, wonach vorübergehende, dreimonatige Aufenthalte nicht dem  Zweck  dienen  könnten,  Beziehungen  im  Hinblick  auf  die  erleichterte  Einbürgerung aufzubauen, ist nicht nachvollziehbar und widerspricht auch  der  Praxis  des  genannten  Amtes.  Danach  können  Besuche  zum  Nachweis  der  engen  Verbundenheit  mit  der  Schweiz  durchaus  im  Rahmen  von  touristischen  Aufenthalten  stattfinden  (vgl.  Schreiben  des  BFM  an  den  Gesuchsteller  vom  23.  Oktober  2009  [Akt.  4  der  Einbürgerungsakten] und auch das Urteil des BVGer C­276/2008 vom 6.  Mai  2011  E. 9).  Zwar  kann  der  Gesuchsteller  aus  diesen  Umständen  keinen  Anspruch  auf  Einreise  ableiten;  der  von  ihm  vorgebrachte  Reisegrund allein ist jedoch nicht geeignet, die Ausstellung eines Visums  zu verweigern, sofern die Einreisevoraussetzungen (vgl. E. 5) erfüllt sind. 7.5.3. Was die fristgerecht Wiederausreise anbelangt, so ist aufgrund der  Beschwerdeschrift davon auszugehen, dass dem Gesuchsteller bewusst  ist, dass er, sollte er nicht wieder ausreisen, eine zukünftige Einbürgerung  dadurch  gefährden  könnte.  Deshalb  ging  die  zuständige  Schweizer  Auslandvertretung  in  ihrer Stellungnahme an die Vorinstanz auch davon  aus,  dass  zur  Zeit  kein Migrationsrisiko  bestehe. Die Auslandvertretung  machte zwar darauf aufmerksam, dass der Gesuchsteller und sein Bruder  das Ziel Einbürgerung systematisch verfolgten, sie nach einer allfälligen  Einbürgerung  in  der  Schweiz  die  kamerunische  Staatsangehörigkeit  verlieren würden und deshalb wohl in die Schweiz übersiedeln wollten. Im  vorliegenden Verfahren kann es jedoch nur um die Frage gehen, ob die in 

C­4142/2010 Erwägung 5  aufgeführten  Einreisevoraussetzungen  zum  jetzigen  Zeitpunkt  gegeben  sind.  Welche  Folgen  sich  daraus  allenfalls  in  der  weiteren  Zukunft  ergeben  könnten,  ist  nicht  Gegenstand  dieses  Verfahrens.  Immerhin  sei  angemerkt,  dass  es  befremdlich  erscheint,  wenn  die  schweizerische  Auslandvertretung  und  die  Vorinstanz  einer  Person, die einen schweizerischen Elternteil hat, die Einreise verweigern,  um  zu  verhindern,  dass  sie  die  gesetzlichen  Voraussetzungen  für  die  erleichterte Einbürgerung erfüllen kann. 7.6. Die Vorinstanz hält ferner fest, es gebe Widersprüche zwischen den  Angaben des Gesuchstellers und denjenigen des Beschwerdeführers. Sie  bezieht sich dabei auf die Angaben einerseits zum Verwandtschaftsgrad  und  andererseits  zur  beabsichtigten  Aufenthaltsdauer.  Der  Beschwerdeführer  erklärt,  diese  Unstimmigkeiten  seien  auf  die  Grösse  der  Familie  bzw.  auf  den  Wunsch,  lieber  länger  in  der  Schweiz  zu  bleiben, zurückzuführen. Was  die  Dauer  des  geplanten  Aufenthaltes  anbelangt,  so  zeigen  die  Akten  tatsächlich  ein  widersprüchliches  Bild.  Der  Gesuchsteller  erklärte  im Antragsformular  für  14  Tage  in  die  Schweiz  kommen  zu wollen,  die  Auslandvertretung erwähnte in ihrem Übermittlungsschreiben sowohl eine  Dauer  von  14  Tagen  als  auch  eine  von  zwei  Monaten  und  der  Beschwerdeführer erwähnte gegenüber dem Kanton einen dreimonatigen  Aufenthalt.  Die  Akten  enthalten  ferner  die  Kopie  einer  Bestätigung  des  Arbeitgebers,  dass  der  Gesuchsteller  zwischen  4. Dezember  2009  und  4. März  2010  maximal  drei  Monate  unbezahlten  Urlaub  beanspruchen  könne. Ferner liegt eine Versicherungspolice für eine Dauer von maximal  14  Tagen  vor,  die  der  Gesuchsteller  im  Hinblick  auf  die  Reise  in  die  Schweiz abgeschlossen hat. Die Angaben, die vom Gesuchsteller selber  stammen  (Antragsformular,  Versicherungspolice)  gehen  von  einem  Aufenthalt von 14 Tagen aus. Die Erklärung des Arbeitgebers beinhaltet  lediglich eine maximale Dauer der Absenz vom Arbeitsplatz, spricht sich  jedoch  nicht  über  die  konkrete  Dauer  aus.  Die  anderen  Angaben  stammen von Drittpersonen (Gastgeber, Auslandvertretung), so dass die  vermeintlichen Ungereimtheiten nicht entscheidend sein können. In  Bezug  auf  das  Verwandtschaftsverhältnis  zwischen  dem  Beschwerdeführer und dem Gesuchsteller hingegen sind den Akten keine  Widersprüche zu entnehmen. So erklärte der Gesuchsteller, seinen Onkel  1. Grades  besuchen  zu  wollen  und  der  Beschwerdeführer  hat  seinen  Neffen in die Schweiz eingeladen.

C­4142/2010 7.7.  Aufgrund  dieser  Erwägungen  ist  festzuhalten,  dass  nach  Überzeugung  des  Gerichts  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  des  Gesuchstellers  sowie  die  besondere  Interessenlage  im  Zusammenhang  mit  dem  angestrebten  Erwerb  der  Schweizer  Staatsangehörigkeit  hinreichende Gewähr  für  eine  gesicherte Wiederausreise  bieten.  Indem  die  Vorinstanz  zu  einer  anderen  Schlussfolgerung  gelangt  ist,  hat  sie  Bundesrecht  verletzt  (vgl.  Art.  49  Bst.  a  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  daher  gutzuheissen  und  die  Sache  zur  neuerlichen  Beurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Dabei  hat  sie  abzuklären,  ob  alle  in  Art.  2  Abs.  1  VEV  genannten  Einreisevoraussetzungen  gemäss  Schengener  Grenzkodex  erfüllt  sind  oder  allenfalls  gemäss  Art.  2  Abs.  4  VEV  ein  Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit zu erteilen ist. 8.  Bei  diesem Ausgang des Verfahrens  sind dem Beschwerdeführer  keine  Verfahrenskosten aufzuerlegen und der einbezahlte Kostenvorschuss  ist  ihm zurückzuerstatten; die Vorinstanz ist nicht kostenpflichtig (vgl. Art. 63  Abs.  1  und  Abs.  2  VwVG).  Von  einer  Parteientschädigung  kann  abgesehen werden, wenn  die Kosten  verhältnismässig  gering  sind  (vgl.  Art. 7 Abs. 4 VGKE). (Dispositiv S. 11)

C­4142/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  angefochtene  Verfügung  wird  aufgehoben und die Sache zur neuerlichen Abklärung und Beurteilung an  die Vorinstanz zurückgewiesen. 2.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben  und  der  einbezahlte  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­  wird  dem  Beschwerdeführer  zurückerstattet. 3.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Formular Zahladresse) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] und […] zurück) – das Migrationsamt des Kantons St. Gallen Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Kradolfer Versand:

C-4142/2010 — Bundesverwaltungsgericht 15.08.2011 C-4142/2010 — Swissrulings