Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 29.09.2011 C-3821/2009

29 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,276 parole·~16 min·1

Riassunto

Einreiseverbot | Einreiseverbot

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­3821/2009 Urteil   v om   2 9 .   S ep t embe r   2011   Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Andreas Trommer, Richter Jean­Daniel Dubey, Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer. Parteien A.________, vertreten durch lic. iur. Stephanie Bialas, Rechtsanwältin, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Einreiseverbot.

C­3821/2009 Sachverhalt: A.  A._______  (im  Folgenden:  Beschwerdeführer),  Staatsangehöriger  von  Bosnien und Herzegowina, geb. 1952, reiste 1982 in die Schweiz ein und  erhielt eine Jahresaufenthaltsbewilligung. 1984 folgten ihm seine Ehefrau  B._______  und  der  gemeinsame  Sohn  C._______  (geb.  1979)  im  Rahmen des Familiennachzugs. Am  6.  November  1984  wurde  der  Beschwerdeführer  vom  Kreisgericht  Fünf  Dörfer  wegen  Gehilfenschaft  zu  Diebstahl  mit  drei  Monaten  Gefängnis  bedingt  bestraft.  Am  2.  Januar  1986  sprach  die  Fremdenpolizei des Kantons St. Gallen (heute: Ausländeramt) gegen ihn  eine Verwarnung  aus.  Die  Aufenthaltsbewilligung wurde widerrufen  und  es wurde ihm eine sogenannte Toleranzbewilligung (Ausweis D) erteilt. In  der  Folge  erhielt  er  dann  wieder  eine  Aufenthaltsbewilligung,  die  regelmässig  verlängert wurde,  letztmals mit Gültigkeit  bis  zum 11. März  1999.  Im Jahre 1988 kam der Sohn D._____ zur Welt. 1992 wurde das  Gesuch  des  Beschwerdeführers  um  Erteilung  der  Niederlassungsbewilligung abgewiesen. Die  Eheleute  (…)  liessen  sich  1994  scheiden.  Am  18.  November  1994  wies das Ausländeramt das erneute Gesuch des Beschwerdeführers um  Erteilung  der  Niederlassungsbewilligung  mit  der  Begründung  ab,  der  Gesuchsteller  komme  seinen  finanziellen  Verpflichtungen  nicht  ordnungsgemäss nach. B.  In  der  Folge  wurde  der  Beschwerdeführer  wiederholt  straffällig:  Am  12. April  1995  wurde  er  wegen  Geschwindigkeitsüberschreitung  mit  Fr. 400.­  gebüsst.  Mit  Strafbescheid  vom  23.  Oktober  1995  wurde  er  wegen Widerhandlung gegen die Verordnung über den Erwerb und das  Tragen  von  Schusswaffen  durch  jugoslawische  Staatsangehörige  mit  zehn Tagen Gefängnis und Fr. 400.­ Busse bestraft.  Im darauffolgenden  Jahr  wurde  mehrmals  gegen  den  Beschwerdeführer  wegen  Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Spielbanken ermittelt  und einmal betreffend Hinderung einer Amtshandlung Anzeige erstattet.  Am  15.  September  1998  wurde  er  wegen  Widerhandlung  gegen  das  Gastwirtschaftsgesetz durch das Untersuchungsrichteramt St. Gallen mit  Fr. 1'000.­ gebüsst. Im Oktober 1998 wurde ihm erneut die Erteilung der  Niederlassungsbewilligung verweigert.

C­3821/2009 C.  In  der  Nacht  vom  28.  auf  den  29.  Dezember  1998  schoss  der  Beschwerdeführer  im  Verlauf  einer  Auseinandersetzung  zwischen  verschiedenen  Personen  aus  dem  ehemaligen  Jugoslawien  einem  Widersacher mit einer Faustfeuerwaffe nach und verletzte  ihn mit einem  Streifschuss  im Lendenbereich. Das Kreisgericht St. Gallen erklärte den  Beschwerdeführer  mit  Urteil  vom  12./17.  Februar  2003  der  versuchten  vorsätzlichen  Tötung,  des  Angriffs,  der  Widerhandlung  gegen  das  Waffengesetz  sowie  der  mehrfachen  groben  Verletzung  der  Verkehrsregeln  schuldig und verurteilte  ihn  zu 6  Jahren und 9 Monaten  Zuchthaus.  Ferner  verwies  es  ihn  für    5 Jahre  des  Landes,  unter  Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei einer Probezeit von 5 Jahren.  Auf Berufung hin sprach ihn das Kantonsgericht St. Gallen mit Urteil vom  30. Juni  2004  der  versuchten  vorsätzlichen  Tötung,  der Widerhandlung  gegen  das Waffengesetz  sowie  der mehrfachen  groben  Verletzung  der  Verkehrsregeln  schuldig  und  verurteilte  ihn  zu  5  ½  Jahren  Zuchthaus,  wobei es insbesondere der langen Verfahrensdauer Rechnung trug. Von  der  Anklage  der  einfachen  Verletzung  von  Verkehrsregeln  und  des  Angriffs  sprach  es  ihn  frei.  Die  bedingte  Landesverweisung  wurde  bestätigt. Mit Urteil vom 15. Dezember 2004 (6P.140/2004, 6S.385/2004) wies das  Bundesgericht  die  vom  Beschwerdeführer  gegen  den  Entscheid  des  Kantonsgerichts eingereichten Beschwerden ab, soweit es darauf eintrat. D.  Der Beschwerdeführer trat am 15. November 2004 den Strafvollzug in der  Strafanstalt  Saxerriet  an.  Im  Oktober  2005  musste  er  sich  im  Kantonsspital  St.  Gallen  einer  Operation  unterziehen  (Resektion  eines  Bauchaorten­Aneurysmas).  Anschliessend  verbrachte  er  einen  Rehabilitationsaufenthalt  in der Klinik (…), bis er zur erneuten Abklärung  ins Spital verlegt wurde. Sein Gesuch bezüglich Unterbrechung der Strafe  vom  27.  Dezember  2005  wurde  abgewiesen,  da  die  Ursachen  seiner  gesundheitlichen  Probleme  offenkundig  bereits  vor  Antritt  der  Strafe  bestanden  hatten.  Hingegen  wurde  verfügt,  dass  die  Zeit  im  Kantonsspital  St.  Gallen  sowie  in  der  Klinik  (…)  an  den  Strafvollzug  angerechnet würden. E.  Am  10.  März  2006  heiratete  der  Beschwerdeführer  während  seines 

C­3821/2009 Strafvollzugs die Schweizerin E._______, die ursprünglich ebenfalls aus  Bosnien und Herzegowina stammt. Der Beschwerdeführer  beging  am 4. November  2007  auf  der Rückfahrt  vom  Urlaub  in  die  Strafanstalt  eine  massive  Geschwindigkeitsüberschreitung von rund 40 km/h auf der Autobahn. Mit  Verfügung  vom  28.  November  2007  verweigerte  das  Ausländeramt  des Kantons St. Gallen die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung des  Beschwerdeführers und wies ihn aus der Schweiz weg. Dagegen wehrte  er  sich  erfolglos  beim  kantonalen  Sicherheits­  und  Justizdepartement  (Entscheid  vom  4.  Februar  2008)  sowie  anschliessend  beim  Verwaltungsgericht  des  Kantons  St.  Gallen  (Urteil  vom  22.  Mai  2008).  Das  Bundesgericht  wies,  soweit  es  darauf  eintrat,  seine  dagegen  gerichtete  Beschwerde  mit  Urteil  vom  24.  Februar  2009  ab  (Urteil  2C_477/2008). Bereits zuvor, im April 2008, war der Beschwerdeführer bedingt aus dem  Strafvollzug entlassen worden. F.  Am 26. Februar 2009 räumte das Sicherheits­ und Justizdepartement des  Kantons  St.  Gallen  dem  Beschwerdeführer  eine  Frist  bis  zum  23.  April  2009  ein,  um  den  Aufenthalt  im  Kanton  St.  Gallen  aufzugeben  und  auszureisen.  Am  folgenden Tag  beantragte  die  genannte Behörde  dem  BFM, die kantonale Wegweisung auf das ganze Gebiet der Schweiz und  das  Fürstentum  Liechtenstein  auszudehnen  sowie  den  Erlass  eines  Einreiseverbots  zu  prüfen.  Im  Sinne  des  rechtlichen  Gehörs  gab  die  Vorinstanz  dem  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  3.  März  2009  Gelegenheit,  zur  beabsichtigten  Ausdehnung  der  kantonalen  Wegweisung Stellung  zu nehmen. Die bis  zum 31. März 2009 gesetzte  Frist blieb unbenutzt. Mit  Eingabe  vom  8.  April  2009  ersuchte  die  Rechtsvertreterin,  die  Ausreisefrist vorerst bis zum 23. Mai 2009 zu erstrecken. Sie begründete  dies mit notwendigen medizinischen Begutachtungen, welche im Rahmen  des hängigen IV­Verfahrens stattfinden würden. Dem  Gesuch  um  Erstreckung  der  Ausreisefrist  gab  die  kantonale  Behörde  mit  Schreiben  vom  16.  April  2009  nicht  statt,  da  der  Beschwerdeführer  für  eine  erneute  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  medizinischer Untersuchungen bei der zuständigen Schweizer Vertretung 

C­3821/2009 ein  Visum  beantragen  könne.  Somit  sei  eine  Verlängerung  der  Ausreisefrist nicht angezeigt. G.  Am  7.  April  2009  dehnte  die  Vorinstanz  die  kantonale  Wegweisungsverfügung vom 28. November 2007 auf die ganze Schweiz  sowie  auf  das  Fürstentum Liechtenstein  aus. Diese Verfügung  erwuchs  unangefochten in Rechtskraft.   Per 23. April 2009 reiste der Beschwerdeführer aus der Schweiz aus. Das  BFM  verhängte  am  7.  Mai  2009  über  den  Beschwerdeführer  mit  sofortiger  Wirkung  ein  unbefristetes  Einreiseverbot.  Zur  Begründung  führte  es  unter  Bezugnahme  auf  den  damaligen  Art.  67  Abs.  1  des  Ausländergesetzes  vom  16.  Dezember  2005  (AuG,  SR  142.20;  zur  damaligen  Fassung  vgl.  AS  2007  5457)  aus,  wegen  versuchter  vorsätzlicher  Tötung  sowie  Widerhandlungen  gegen  das  Waffengesetz  liege  ein Verstoss  und  eine Gefährdung  der  öffentlichen Sicherheit  und  Ordnung  vor.  Weiter  führe  das  Einreiseverbot  nach  Art.  96  des  Schengener  Durchführungsübereinkommens  (SDÜ,  Abl.  L  239  vom  22.  September  2000,  S.  19­62)  zu  einer  Ausschreibung  zur  Einreiseverweigerung  im  Schengener  Informationssystem  (SIS)  und  bewirke  damit  auch  ein  Einreiseverbot  für  das  gesamte  Gebiet  der  Schengen­Staaten. H.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  12.  Juni  2009  beim  Bundesverwaltungsgericht  beantragt  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung;  eventuell  sei  das  Einreiseverbot  angemessen  zu  befristen.  Ferner  sei  die  Vorinstanz  anzuweisen,  von  einer  Ausschreibung  des  Beschwerdeführers  zur  Einreiseverweigerung  im SIS abzusehen bzw. bei einer bereits erfolgten  Ausschreibung deren Löschung zu veranlassen.  In verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wird  um  unentgeltliche  Prozessführung  sowie,  in  Person  der  unterzeichneten  Rechtsanwältin,  um  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  ersucht.  Zur  Begründung  macht  die  Rechtsvertreterin im Wesentlichen geltend, gegen den Beschwerdeführer  dürfe  kein  Einreiseverbot  verhängt  werden,  da  er  weder  gegenwärtig  noch zukünftig eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung  darstelle.  Zudem  würde  der  Kontakt  zu  seiner  gesamten  Familie  unterbrochen  bzw.  der  Beschwerdeführer  müsste  sich  auf  Besuche 

C­3821/2009 seiner  Angehörigen  bei  ihm  in  Bosnien  beschränken,  falls  er  im  SIS  ausgeschrieben  würde.  Schliesslich  sei  sein  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  verletzt worden, da er bis anhin  keine Gelegenheit  gehabt habe,  sich  zur  Ausschreibung  einer  Einreiseverweigerung  im  SIS  und  des  daraus  resultierenden  Einreiseverbots  in  alle  Schengen­Staaten  zu  äussern.  Das Rechtsmittel  wurde  u.a. mit  fachärztlichen  Berichten  vom  23.  bzw.  31.  März  2009  über  den  Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  und  verschiedenen  Meldebestätigungen  von  in  Österreich  wohnhaften  Verwandten ergänzt. Am  23.  Juni  2009  reichte  die  Rechtsvertreterin  in  Ergänzung  zu  ihrer  Rechtsmitteleingabe  das  begründete  Urteil  des  Bundesgerichts  vom  24. Februar  2009  betreffend  Nichtverlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung ein. Sie bittet das Bundesverwaltungsgericht, den  Umstand  zu  berücksichtigen,  dass  das  Bundesgericht  bei  der  Interessenabwägung  davon  ausgegangen  sei,  der  Beschwerdeführer  würde seine familiären Kontakte im Rahmen von Besuchsaufenthalten in  der Schweiz pflegen können. I.  Mit  Zwischenverfügung  vom  1.  Juli  2009  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege ab. J.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  18.  September  2009  schliesst  die  Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde. Die Rechtsvertreterin betont  in  ihrer Replik vom 21. Oktober 2009, dass  sich im vorliegenden Fall die Ausschreibung der Fernhaltemassnahme im  SIS nicht  rechtfertige, da sich der Beschwerdeführer  in keinem anderen  Staat je etwas habe zu Schulden kommen lassen. Zudem könnte er sein  Heimatland, das "als Insel im Schengenland" liege, nicht mehr verlassen,  da er an einem Bauchaortenaneurysma leide und deswegen nicht fliegen  könne.  K.  Das  Bundesverwaltungsgericht  zog  neben  den  vorinstanzlichen  Akten  auch diejenigen der Migrationsbehörde  des Kantons St. Gallen  bei. Auf 

C­3821/2009 deren  Inhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen  eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  –  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  –  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  unter  anderem  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Fernhaltemassnahmen  im  Sinne  von  Art.  67  AuG.  Das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  Verwaltungsverfahrensgesetz,  soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. 1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  legitimiert.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie,  wenn  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat,  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  sind  grundsätzlich  die  tatsächlichen  Verhältnisse  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BVGE  2011/1  E.  2  und  BVGE  2007/41  E.  4.2  sowie  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­2686/2007 vom 7. Oktober 2010  E. 1.2 und 1.3).

C­3821/2009 3.  Vor  der  materiellen  Prüfung  der  angefochtenen  Verfügung  ist  auf  die  formelle Rüge des Beschwerdeführers einzugehen, die Vorinstanz habe  seinen Anspruch auf  rechtliches Gehör  im Sinne von Art. 29 Abs. 2 der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  (BV,  SR  101)  verletzt,  indem  sie  ihm  keine Gelegenheit  gegeben  habe, sich zur Ausschreibung der Einreiseverweigerung im SIS und dem  daraus  resultierenden  Einreiseverbot  in  alle  Schengen­Staaten  zu  äussern. 3.1.  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör,  wie  ihn  Lehre  und  Rechtsprechung aus Artikel 29 Abs. 2 BV ableiten und wie er sich für das  Bundesverwaltungsverfahren  aus  den  Art.  29  ff.  VwVG  ergibt,  umfasst  eine  Anzahl  verschiedener  verfassungsrechtlicher  Verfahrensgarantien  (vgl.  aus  der  Literatur  etwa  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010,  Rz.  1680  ff.;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 46, 107 ff.;  MARKUS SCHEFER,  Grundrechte  in  der  Schweiz,  Bern  2005,  S.  285  ff.).  Dazu  gehört  das  Recht  auf  vorgängige  Äusserung  und  Anhörung  (vgl.  Art.  30  Abs. 1  VwVG),  welches  den  Betroffenen  einen  Einfluss  auf  die  Ermittlung des wesentlichen Sachverhaltes sichert. Dabei kommt der von  einem  Verfahren  betroffenen  Person  der  Anspruch  zu,  sich  vorgängig  einer behördlichen Anordnung zu allen wesentlichen Punkten, welche die  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  betreffen,  zu  äussern  und von der betreffenden Behörde alle dazu notwendigen  Informationen  zu erhalten (vgl. BVGE 2007/21 E. 10.2). 3.2. Das  verfassungsmässige  Recht,  angehört  zu  werden,  ist  formeller  Natur.  Die  Verletzung  dieses  Rechts  führt  –  ungeachtet  der  Erfolgsaussichten  der  Beschwerde  in  der  Sache  selbst  –  grundsätzlich  zur  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  (vgl.  BVGE  2009/61  E.  4.1.3  mit  Hinweisen;  BERNHARD  WALDMANN/JÜRG  BICKEL  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe Weissenberger,  Praxiskommentar  VwVG,  Art.  29  N  28 f. und N 106 f.). Die Gehörsverletzung ist aber nach ständiger Praxis  des Bundesgerichts ausnahmsweise einer Heilung zugänglich, wenn die  betroffene  Partei  die Möglichkeit  hat,  sich  vor  einer  Beschwerdeinstanz  zu  äussern,  vorausgesetzt  diese  Instanz  ist  zur  freien  Prüfung  aller  Sachverhalts­  und  Rechtsfragen  befugt,  welche  der  unteren  Instanz  hätten unterbreitet werden können. Von der Rückweisung der Sache an  die Verwaltung  zur Gewährung des  rechtlichen Gehörs  kann  in  solchen 

C­3821/2009 Fällen  nach  dem  Grundsatz  der  Verfahrensökonomie  dann  abgesehen  werden,  wenn  die  Rückweisung  zu  einem  formalistischen  Leerlauf  und  damit  zu  einer  unnötigen  Verlängerung  des  Verfahrens  führen  würde.  Diese Heilungsmöglichkeit  ist unbestritten, wenn es um nicht besonders  schwerwiegende Verletzungen von Parteirechten geht. Nach der neueren  Rechtsprechung  kann  eine  Heilung  aber  auch  dann  erfolgen,  wenn  schwerwiegende  Verfahrensmängel  das  rechtliche  Gehör  beeinträchtigt  haben  und  eine  Rückweisung  den  Interessen  der  Partei  an  einer  beförderlichen  Behandlung  zuwiderlaufen  würde  (BGE  136  V  117  E.  4.2.2.2 S. 126, BGE 133 I 201 E. 2.2 S. 204 f., BGE 132 V 387 E. 5.1 S.  390; vgl. auch WALDMANN/BICKEL, a.a.O., Art. 29 N 116 sowie N 125 ff.,  LORENZ KNEUBÜHLER, Gehörsverletzung  und Heilung,  ZBl.  1998 S.  116,  kritisch  PATRICK  SUTTER  in:  Christoph  Auer/Markus  Müller/Benjamin  Schindler,  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich/St. Gallen 2008, Art. 29 Rz. 21). 3.3.  Aus  den  Akten  ergibt  sich,  dass  das  Ausländeramt  des  Kantons  St. Gallen  dem Beschwerdeführer  am  31.  Juli  2007  im  Zusammenhang  mit  dem  Verfahren  betreffend  Nichtverlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung  mitteilte,  es  beabsichtige,  gegen  ihn  "eine  Einreisesperre  zu  beantragen".  Vom  Recht  zur  Stellungnahme  machte  seine  Rechtsvertreterin  am  20.  September  2007  Gebrauch.  Die  Vorinstanz erliess das Einreiseverbot aber erst am 7. Mai 2009, nachdem  das  Aufenthaltsverfahren  rechtskräftig  abgeschlossen  worden  war  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  E  und  F).  In  der  Zwischenzeit  waren  die  Schengen­ Assoziierungsabkommen, die im Rahmen der Übernahme des Schengen­ Besitzstandes  die  SIS­Ausschreibung  vorsehen,  in  Kraft  getreten  (vgl.  Anhang 1 zum AuG und nachfolgend E. 4.2).   3.4.  Der  Beschwerdeführer  begründet  seine  Rüge  der  Verletzung  des  rechtlichen Gehörs damit, dass ihm bis anhin keine Gelegenheit gegeben  worden sei, sich zur Ausschreibung der Einreiseverweigerung im SIS und  dem  daraus  resultierenden  Einreiseverbot  in  alle  Schengen­Staaten  zu  äussern.  Ob  darin  eine  Gehörsverletzung  zu  erblicken  ist,  erscheint  fraglich, ist doch die SIS­Ausschreibung Folge der neuen Rechtslage, die  auch der Parteivertreterin bekannt sein musste. Doch selbst bei Annahme  der  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  könnte  eine  solche  im  vorliegenden Verfahren geheilt werden. Zum Einen wäre keine besonders  schwere Verletzung von Verfahrensrechten anzunehmen, stellt doch die  SIS­Ausschreibung  unter  gewissen  Voraussetzungen,  die  vorliegend  erfüllt  sind,  die  gesetzliche  Regelfolge  dar,  zu  deren  Anwendung  die 

C­3821/2009 Schweiz  verpflichtet  ist  und  daher  der  verfügenden  Behörde  kaum  Entscheidungsspielraum lässt (vgl. nachfolgend E. 6). Zum Anderen kann  davon ausgegangen werden, dass die direkte Beurteilung durch das über  die  gleiche  Kognition  wie  die  Vorinstanz  verfügende  Bundesverwaltungsgericht (vgl. auch WALDMANN/BICKEL, a.a.O., Art. 29 N  64  f.)  im  Interesse  des  Beschwerdeführers  an  einer  beförderlichen  und  prozessökonomischen Behandlung  seiner Beschwerde  liegt,  da  er  nicht  die  Rückweisung  an  die  Vorinstanz  zur  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs beantragt hat. Unter den gegebenen Voraussetzungen würde ein  allfälliger Mangel als im Beschwerdeverfahren geheilt gelten. 4.  Mit  Inkrafttreten  des  Ausländergesetzes  am  1.  Januar  2008  wurde  das  Bundesgesetz vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der  Ausländer  (ANAG, BS 1 121) abgelöst  (vgl. Art.  125 AuG  i.V.m. Ziffer  I  des Anhangs 2 zum AuG). Das Ausländergesetz beansprucht Geltung in  allen Verfahren, die nach seinem Inkrafttreten eingeleitet wurden, sei es  nun auf Gesuch hin oder von Amtes wegen (vgl. Art. 126 Abs. 1 AuG e  contrario; ferner BVGE 2008/1 E. 2 mit Hinweisen). Wenn bei der Anwendung des neuen Rechts auf Verhältnisse abgestellt  wird, die – wie vorliegend – noch unter der Herrschaft des alten Rechts  entstanden  sind und bei  Inkrafttreten des neuen Rechts  andauern,  liegt  eine  unechte  Rückwirkung  vor,  die  –  vorbehältlich  des  Vertrauensschutzprinzips  –  grundsätzlich  zulässig  ist  (vgl.  ULRICH  HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Aufl., Zürich/ St.Gallen 2010, Rz. 337 ff.). 4.1.  Das  in  Art.  67  AuG  geregelte  Einreiseverbot  entspricht  der  altrechtlichen Einreisesperre des Art. 13 ANAG. Auf den 1. Januar 2011  trat  als  Folge  der  Weiterentwicklung  des  Schengen­Besitzstandes  eine  neue  Fassung  in  Kraft  (zum Ganzen  vgl.  BBl  2009  8881  und  AS  2010  5925). Nach Art. 67 Abs. 1 AuG wird ein Einreiseverbot vom BFM unter  Vorbehalt  von  Abs.  5  nun  gegenüber  weggewiesenen  Ausländerinnen  und Ausländern verfügt, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2 Bst.  a  ­  c  AuG  sofort  vollstreckt  wird  (Art.  67  Abs.  1  Bst.  a  AuG)  oder  die  betroffene  Person  der  Ausreiseverpflichtung  nicht  nachgekommen  ist  (Art.  67 Abs.  1 Bst.  b AuG). Es  kann nach Art.  67 Abs.  2 AuG sodann  gegen ausländische Personen erlassen werden, die gegen die öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  oder  im  Ausland  verstossen  haben  oder  diese  gefährden  (Art.  67  Abs.  2  Bst.  a),  Sozialhilfekosten  http://links.weblaw.ch/BBl-2009-8881 http://links.weblaw.ch/BBl-2009-8881 http://links.weblaw.ch/BBl-2009-8881 http://links.weblaw.ch/BBl-2009-8881 http://links.weblaw.ch/BBl-2009-8881 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925

C­3821/2009 verursacht  haben  (Art.  67  Abs.  2  Bst.  b)  oder  in  Vorbereitungs­,  Ausschaffungs­  oder  Durchsetzungshaft  genommen  werden  mussten  (Art.  67  Abs.  2  Bst.  c).  Das  Einreiseverbot  wird  für  eine  Dauer  von  höchstens  fünf  Jahren  verhängt.  Es  kann  aber  für  eine  längere  Dauer  verfügt werden, wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr  für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG).  Schliesslich kann die verfügende Behörde aus humanitären oder anderen  wichtigen Gründen  von  der  Verhängung  eines Einreiseverbots  absehen  oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aufheben (Art. 67  Abs. 5 AuG). Die bisher bestehende Praxis der Vorinstanz hinsichtlich der Bemessung  der  Dauer  von  Fernhaltemassnahmen  ist  mit  den  obgenannten  Grundsätzen  vereinbar  (vgl.  BBl  2009  8896  ad  Art.  67  Abs.  3  in  fine),  weswegen sich für den Beschwerdeführer im Ergebnis nichts ändert (vgl.  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­2482/2009 vom 28. Januar 2011  E. 6.2). 4.2.  Wird  gegen  eine  Person,  die  nicht  das  Bürgerrecht  eines  Mitgliedstaates  der  Europäischen  Union  besitzt  (Drittstaatsangehörige),  ein Einreiseverbot nach Art. 67 AuG verhängt, wird diese Person gestützt  auf Art. 94 Abs. 1 und Art. 96 des Übereinkommens vom 19. Juni 1990  zur  Durchführung  des  Übereinkommens  betreffend  den  schrittweisen  Abbau  der  Kontrollen  an  den  gemeinsamen  Grenzen  (Schengener  Durchführungsübereinkommen  [SDÜ],  Abl.  L  239  vom  22.  September  2000,  S.  19­62)  und  Art.  16  Abs.  2  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  13. Juni  2008  über  die  polizeilichen  Informationssysteme  des  Bundes  (BPI,  SR  361)  in  der  Regel  im  SIS  (vgl.  dazu  Art.  92  ff.  SDÜ)  zur  Einreiseverweigerung ausgeschrieben. Diese Ausschreibung bewirkt dem  Grundsatz  nach,  dass  der  betroffenen  Person  die  Einreise  in  das  Hoheitsgebiet der Schengen­Mitgliedstaaten verboten ist (vgl. Art. 5 Abs.  1  Bst  d  und  Art.  13  Abs.  1  der  Verordnung  [EG]  Nr.  562/2006  des  Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen  Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen  [Schengener Grenzkodex bzw. SGK, Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1 ­  32]).  Vorbehalten  bleibt  die  Zuständigkeit  der  Mitgliedstaaten,  einer  solchen Person aus humanitären Gründen oder Gründen des nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler  Verpflichtungen  (die  sich  namentlich  auch  aus  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  [EMRK,  SR  0.101]  ergeben  können)  die Einreise  in  das  eigene Hoheitsgebiet  zu  gestatten 

C­3821/2009 (Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK) bzw. ihr zu diesem Zweck  ein  Schengen­Visum  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit  auszustellen  (Art.  25  Abs.  1  Bst.  a  [ii]  der  Vorordnung  [EG]  Nr.  810/2009  des  Europäischen Parlaments  und  des Rates  vom 13.  Juli  2009 über  einen  Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex], Abl. L 243 vom 15. September  2009).  4.3.  Das  Einreiseverbot  will  seiner  Natur  nach  nicht  vergangenes  Fehlverhalten sanktionieren, sondern der Gefahr einer künftigen Störung  der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vorbeugen (siehe Botschaft zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3813).  Die  Feststellung  einer  solchen  Gefahr  ist  ein  Wahrscheinlichkeitsurteil,  das  sich  naturgemäss  auf  vergangenes  Verhalten  der  betroffenen  ausländischen  Person  abstützen muss.  Stellt  bereits  dieses  vergangene  Verhalten  eine  Störung  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  dar,  wird  die  Gefahr  künftiger  Störungen  von  Gesetzes wegen vermutet (BBl 2002 3760; vgl. auch CATERINA NÄGELI/NIK  SCHOCH,  Ausländische  Personen  als  Straftäter  und  Straftäterinnen,  in:  Peter Uebersax/Thomas Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, Handbücher  für  die Anwaltspraxis, Band VIII, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 22.177; a.M: PAUL­ LUKAS GOOD/PATRICK SUTTER, Einreiseverbot als Sanktion für vergangenes  Verhalten  oder  Mittel  zur  Gefahrenabwehr?,  in:  Sicherheit  &  Recht  3/2010,  S. 199  ff.;  zur  relativierten  Bedeutung  der  Rückfallgefahr  bei  ausländerrechtlichen  Administrativmassnahmen  gemäss  nationalem  Recht  vgl. BGE 136  II  5 E. 4.2 S. 20 mit Hinweisen). Das Gesetz  lässt  deshalb einen Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung als  Anlass  für  ein  Einreiseverbot  genügen,  ohne  dass  die  Gefahr  einer  Störung nachgewiesen werden müsste. Ist die Vermutungsbasis dagegen  nicht erfüllt, verlangt Art. 80 Abs. 2 der Verordnung vom 24. Oktober 2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201)  konkrete Anhaltspunkte, dass der Aufenthalt der betreffenden Person  in  der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einem Verstoss gegen  die öffentliche Sicherheit und Ordnung führt. 4.4.  Seit  seiner  Einreise  im  Jahre  1982  wurde  der  Beschwerdeführer  mehrfach straffällig. Zuletzt verurteilte  ihn das Kantonsgericht St. Gallen  am 30. Juni 2004 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, Widerhandlung  gegen  das  Waffengesetz  und  mehrfacher  grober  Verletzung  von  Verkehrsregeln  zu einer Zuchthausstrafe  von 5 ½  Jahren. Die  dagegen  gerichtete staatsrechtliche Beschwerde sowie die Nichtigkeitsbeschwerde  an  das  Bundesgericht  wurden  mit  Urteil  vom  15.  Dezembers  2004  http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3809 http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3809 http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3809 http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3809 http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3809

C­3821/2009 abgewiesen  und  die  kantonalen  Entscheide  bestätigt.  Die  in  Frage  stehenden Rechtsgüterverletzungen, insbesondere das Delikt gegen Leib  und Leben stellt nach dem Dargelegten  (vgl. E. 4.3) selbstredend einen  Verstoss  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  im  Sinne  von  Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG dar. Die Voraussetzungen für die Verhängung  eines  Einreiseverbots  nach  dieser  Bestimmung  erweisen  sich  demnach  ohne  weiteres  als  erfüllt.  Was  die  Parteivertreterin  dagegen  vorbringt  (Zeit,  welche  seit  der  Tat  im  Jahre  1998  verstrichen  ist;  Alter  sowie  Gesundheitszustand des Beschwerdeführers; Ehefrau und Kinder  in der  Schweiz  wohnhaft),  ist  zumindest  mit  Blick  auf  die  Grundsatzfrage,  ob  überhaupt ein Einreiseverbot verhängt werden durfte, nicht von Belang.  5.  5.1. Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  die Massnahme  in  richtiger  Ausübung  des  Ermessens  ergangen  und  angemessen  ist.  Der  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  steht  dabei  im  Vordergrund.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  ist eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem  öffentlichen  Interesse  an  der  Massnahme  einerseits  und  den  von  der  Massnahme  beeinträchtigten  privaten  Interessen  des  Betroffenen  andererseits.  Die  Stellung  der  verletzten  oder  gefährdeten Rechtsgüter,  die  Besonderheiten  des  ordnungswidrigen  Verhaltens  und  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Verfügungsbelasteten  bilden  dabei  den  Ausgangspunkt  der  Überlegungen  (vgl.  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O., Rz. 613 ff.).  5.2.  Bei  der  im  Rahmen  der  Verhältnismässigkeitsprüfung  vorzunehmenden  ausländerrechtlichen  Interessenabwägung  steht  das  vom  Kantonsgericht  am  30.  Juni  2004  beurteilte  schwere  Gewaltdelikt  gegen  Leib  und  Leben  im  Vordergrund.  Angesichts  dessen  besteht  an  der  Fernhaltung  des  Beschwerdeführers  klarerweise  ein  erhebliches  öffentliches  Interesse.  Als  ebenso  offenkundig  erweist  sich,  dass  vom  Beschwerdeführer  eine  schwerwiegende  Gefahr  für  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  ausgeht,  welche  die  Verhängung  einer  Fernhaltemassnahme  von  einer  fünf  Jahre  überschreitenden  Dauer  zulässt  (vgl.  Art.  67  Abs.  3  AuG).  Der  Strafrichter  attestierte  dem  Beschwerdeführer  ein  schweres  Verschulden  und  eine  hohe  Gewaltbereitschaft.  Vor  diesem Hintergrund  kommt  der Behauptung auf  Beschwerdeebene,  wonach  er  weder  gegenwärtig  noch  künftig  eine  Gefahr  für  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  darstelle,  keine  entscheidende  Bedeutung  zu.  Zu  erwähnen  ist  insbesondere,  dass  er  noch  während  des  Strafvollzugs  (auf  der  Rückfahrt  vom  Urlaub)  eine 

C­3821/2009 Verkehrsregelverletzung  beging  (massive  Geschwindigkeitsüberschreitung),  was  von  einer  Geringschätzung  der  hiesigen Rechtsordnung zeugt. In diesem Zusammenhang kann ebenfalls  nicht  ausgeblendet  werden,  wie  sich  ein  Ausländer  während  seiner  gesamten Anwesenheit  in der Schweiz verhalten hat. Gemäss dem den  Beschwerdeführer  betreffenden Urteil  des Bundesgerichts  2C_477/2008  (Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung) können für die Beurteilung  des  öffentlichen  Interesses  selbst  Sanktionen  berücksichtigt  werden,  welche  dem  Verwertungsverbot  gemäss  Art.  369  Abs.  7  des  Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB; SR  311.0)  unterliegen.  In  der  Regel  kann  weit  zurückliegenden  Straftaten  keine  grosse  Bedeutung  mehr  zukommen,  insbesondere  wenn  es  sich  wie hier um relativ geringfügige Verfehlungen – wie die Gehilfenschaft zu  Diebstahl,  die  Überschreitung  der  allgemeinen  Höchstgeschwindigkeit,  die  Widerhandlung  gegen  die  Verordnung  des  Bundesrates  über  den  Erwerb  und  das  Tragen  von  Schusswaffen  durch  jugoslawische  Staatsangehörige  sowie  die  Widerhandlung  gegen  das  Gastwirtschaftsgesetz  –  handelt.  Im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  kommt ihnen aber insofern Relevanz zu, als sie das Bild eines Menschen  zeichnen,  der  während  der  gesamten  Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz  Mühe  bekundete,  sich  an  die  Rechtsordnung  zu  halten  und  sich  hierzulande zu integrieren. Im Ergebnis ist dem Beschwerdeführer daher  eine  denkbar  schlechte  Prognose  zu  stellen,  was  nicht  nur  die  Verhängung  eines  Einreiseverbotes  auf  mehr  als  fünf  Jahre  zu  rechtfertigen  vermag,  sondern  überdies  Anlass  gibt,  keine  zeitliche  Begrenzung  vorzusehen.  Daran  vermag  der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  seiner  bedingten  Entlassung  im  April  2008  nicht  mehr  straffällig  geworden  ist,  nichts  zu  ändern.  Die  Zeit,  welche  der  Beschwerdeführer seither  in Freiheit verbracht hat, erweist sich noch als  zu kurz (vgl. BVGE 2008/24 E. 4.3 und 6.2), um das öffentliche Interesse  an einer Fernhaltung  relativieren zu können. Zudem  ist die Tatsache zu  berücksichtigen,  dass  ihm  bis  zum  18.  Februar  2010  eine  zweijährige  Probezeit  auferlegt  worden  ist.  Dies  könnte  für  den  Beschwerdeführer  ebenfalls  mit  ein  Grund  gewesen  sein,  sich  während  dieser  Zeit  gesetzeskonform zu verhalten. 5.3. Betreffend  das  private  Interesse  an  ungehinderten  Einreisen  in  die  Schweiz  bzw.  den  Schengenraum  macht  der  Beschwerdeführer  u.a.  gesundheitliche  Gründe  geltend.  Diese  vermögen  das  öffentliche  Interesse  jedoch nicht  zu überwiegen,  selbst wenn davon ausgegangen  werden  muss,  dass  die  medizinische  Versorgung  in  Bosnien  und 

C­3821/2009 Herzegowina  nicht  dem  schweizerischen  Standard  entspricht.  Die  Notwendigkeit  für  regelmässige, unkontrollierte Einreisen  in die Schweiz  aufgrund der geltend gemachten gesundheitlichen Probleme ist jedenfalls  nicht  ausgewiesen;  gemäss Arztzeugnissen,  welche  eingereicht  wurden  bzw.  Teil  der  Vorakten  sind,  ist  der  Beschwerdeführer  in  lockerer  medizinischer  Kontrolle.  Es  wird  insbesondere  nicht  dargetan,  dass  die  Medikamente,  welche  er  regelmässig  einnehmen  muss,  im  Heimatland  nicht  erhältlich  wären.  Schliesslich  könnten  ihm  nötigenfalls  auch  seine  beiden  in der Schweiz wohnhaften Söhne oder seine Ehefrau bei deren  Besorgung behilflich sein. Hinsichtlich  der  persönlichen  Verhältnisse  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer sich zwar während mehr als 26 Jahren (Oktober 1982  bis  April  2009)  in  der  Schweiz  aufgehalten  hat  und  so  zweifellos  über  Bindungen  zur  Schweiz  verfügt.  Zu  berücksichtigen  ist  jedoch,  dass  er  erst  im Alter von 30 Jahren einreiste. Er  ist somit  in seinem Heimatland  aufgewachsen und hat dort  auch die prägenden Jugendjahre verbracht.  Trotz  relativ  langem Aufenthalt  ist  weder  beruflich  noch  gesellschaftlich  eine  gute  Integration  in  der  Schweiz  ersichtlich.  Den  Vorakten  ist  zu  entnehmen,  dass  er  mehrheitlich  zu  Leuten  aus  dem  ehemaligen  Jugoslawien  Kontakt  pflegte  und  trotz  langjährigem  Aufenthalt  die  deutsche Sprache nicht beherrscht. Aus dieser Sicht kann nicht von einer  unbilligen Massnahme gesprochen werden, wenn er allfällige persönliche  Beziehungen nur noch eingeschränkt pflegen kann. Staatsangehörige  aus  Bosnien  und  Herzegowina  sind  seit  dem  15.  Dezember  2010  von  der  Visumspflicht  befreit,  falls  sie  im  Besitz  eines  biometrischen Reisepasses sind, welcher von Bosnien und Herzegowina  ausgestellt  wurde,  und  sie  während  des  maximal  90  Tage  dauernden  Aufenthalts  keine  Erwerbstätigkeit  ausüben  (vgl.  www.bfm.admin.ch  >  Themen  >  Einreise  >  FAQ Häufig  gestellte  Fragen,  besucht  im  August  2011).  Deshalb  greift  das  Argument  der  Vorinstanz  nicht  mehr,  dem  Beschwerdeführer  entstünden  keine  unverhältnismässigen  und  zusätzlichen Nachteile,  falls gegen  ihn ein Einreiseverbot verfügt würde,  da  er  auf  jeden  Fall  der  Visumspflicht  unterstünde.  Diese  neue  Rechtslage kann  jedoch die Gewichtung der privaten  Interessen nicht  in  einem Masse  beeinflussen,  dass  sie  das  eminente  öffentliche  Interesse  an der Fernhaltung des Beschwerdeführers  zu überwiegen vermöchten.  Nach  wie  vor  steht  es  dem  Beschwerdeführer  offen,  eine  Suspension  seiner Fernhaltemasse zu beantragen (vgl. Art. 67 Abs. Abs. 5 AuG). Die  Gewährung  von  Suspensionen  bei  Vorliegen  wichtiger  Gründe  hat  die  http://www.bfm.admin.ch

C­3821/2009 Vorinstanz  denn  auch  in  Aussicht  gestellt  (vgl.  Vernehmlassung  vom  18. September 2009). 5.4.  Für  die  vorliegende  Interessenabwägung  ist  die  vom  Beschwerdeführer  im  März  2006  während  des  Strafvollzugs  eingegangene  Ehe  bloss  von  untergeordneter  Bedeutung.  Denn  im  Zeitpunkt der Heirat hatte die Ehegattin von der Straffälligkeit und, da sie  den  Beschwerdeführer  bereits  seit  längerem  kannte,  von  seinem  Vorleben  Kenntnis  und musste  folglich  damit  rechnen,  die  Ehe  nicht  in  der  Schweiz  leben  zu  können.  Zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  seinen  beiden  aus  erster  Ehe  stammenden  Söhnen  besteht  kein  Abhängigkeitsverhältnis, da beide volljährig sind.  Trotzdem  ist  auf  die  vom  Beschwerdeführer  sinngemäss  gerügte  Verletzung  seines  Rechts  auf  Achtung  des  Privat­  und  Familienlebens  nach Art. 8 EMRK näher einzugehen, welche er  insbesondere aufgrund  der  fehlenden  Befristung  der  verhängten  Fernhaltemassnahme  geltend  macht. Zunächst  ist hervorzuheben, dass allfällige Einschränkungen des  Privat­  bzw.  Familienlebens  des  Beschwerdeführers  im  vorliegenden  Zusammenhang  aufgrund  sachlicher  und  funktioneller  Unzuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  nicht  Verfahrensgegenstand  sein  können, soweit sie auf das Fehlen eines dauerhaften Aufenthaltsrechts in  der  Schweiz  zurückzuführen  sind  (vgl.  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­4509/2009 vom 7. Januar 2010 E. 7.3 mit  weiteren  Hinweisen).  Die  Erteilung  und  Verlängerung  von  Aufenthaltsbewilligungen  fällt  grundsätzlich  in  die  Zuständigkeit  der  Kantone.  Dem  Beschwerdeführer  wurde  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  durch  die  zuständigen  kantonalen  Behörden  verweigert  und  dieser  Entscheid  in  letzter  Instanz  vom  Bundesgericht  bestätigt  (vgl.  bereits  erwähntes  Urteil  2C_477/2008).  Die  Pflege  regelmässiger  persönlicher  Kontakte  zu  Ehefrau  und  Kindern  scheitert  daher bereits an seinem fehlenden Anwesenheitsrecht hierzulande. Die  Wirkungen  des  Einreiseverbots  bestehen  zudem  nicht  darin,  dass  dem  Beschwerdeführer  während  dessen  Geltungsdauer  Besuchsaufenthalte  bei  seinen  Familienangehörigen  in  der  Schweiz  schlichtweg untersagt wären. Es steht  ihm vielmehr – wie erwähnt – die  Möglichkeit  offen,  aus  wichtigen  Gründen  mittels  begründetem  Gesuch  die  zeitweilige  Suspension  der  angeordneten  Fernhaltemassnahme  zu  beantragen (Art. 67 Abs. 5 AuG). Die Suspension wird praxisgemäss für  eine kurze und klar begrenzte Zeit gewährt  (vgl. zum Ganzen wiederum 

C­3821/2009 Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­4509/2009 vom 7. Januar 2010).  Somit  stellt  sich  im  vorliegenden  Verfahren  nurmehr  die  Frage,  ob  die  über die Verweigerung des Aufenthaltsrechts hinausgehende, durch das  Einreiseverbot  zusätzlich  bewirkte  Erschwernis  (Beantragen  einer  Suspension)  vor Art.  8 Ziff.  1 EMRK  (und Art.  13 Abs.  1 BV)  standhält.  Dies ist mit Blick auf das beschriebene öffentliche Interesse zu bejahen. Selbst wenn von einem unter dem Gesichtspunkt von Art. 13 Abs. 1 BV  und  Art.  8  EMRK  relevanten  Eingriff  ausgegangen  würde,  wäre  ein  solcher  unter  den  konkreten  Begebenheiten  gestützt  auf  Art.  8  Ziff.  2  EMRK  als  gerechtfertigt  zu  qualifizieren.  Denn  in  neueren  Urteilen  des  Bundesgerichts (in Verfahren betreffend das Anwesenheitsrecht) werden  bei  der  im  Rahmen  von  Art.  8  EMRK  vorzunehmenden  Interessenabwägung  und  den  diesbezüglich  einzubeziehenden  Gesichtspunkten explizit ordnungs­ und sicherheitspolizeiliche Interessen  vorbehalten  (BGE 135  I 143 E. 4  insb. E. 4.1  in  fine und 4.4 S. 150  ff.,  BGE  135  I  153  E.  2.2.4  S.  158  sowie  BGE  136  I  285  E.  5.3  S.  289).  Zweifellos erreicht das deliktische Verhalten des Beschwerdeführers auch  unter diesem Blickwinkel die erforderliche Schwere, welche einen Eingriff  in das Privat­ und Familienleben als gerechtfertigt erscheinen liesse.  5.5.  Zusammenfassend  führt  eine  wertende  Gewichtung  der  gegenläufigen  öffentlichen  und  privaten  Interessen  zum  Ergebnis,  dass  das  von  der  Vorinstanz  verfügte  Einreiseverbot  sowohl  dem Grundsatz  nach  als  auch  in  der  zeitlichen  Wirkung  als  verhältnismässig  und  angemessen zu bestätigen ist.  6.  Die  Rechtsvertreterin  beantragt  im  Sinne  eines  Eventualbegehrens,  es  sei  von  einer  SIS­Ausschreibung  abzusehen  bzw.  bei  einer  bereits  erfolgten Ausschreibung deren Löschung zu veranlassen.  6.1. Art. 96 SDÜ, der die Voraussetzungen der SIS­Ausschreibung regelt,  lautet  wie  folgt:  (1)  Die  Daten  bezüglich  Drittausländern,  die  zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sind,  werden  aufgrund  einer  nationalen  Ausschreibung  gespeichert,  die  auf  Entscheidungen  der  zuständigen  Verwaltungsbehörden  und  Gerichte  beruht,  wobei  die  Verfahrensregeln  des  nationalen  Rechts  zu  beachten  sind.  (2)  Die  Entscheidungen können auf die Gefahr für die öffentliche Sicherheit und  Ordnung  oder  die  nationale  Sicherheit,  die  die  Anwesenheit  eines  Drittausländers  auf  dem  Hoheitsgebiet  der  Vertragspartei  bedeutet, 

C­3821/2009 gestützt  werden.  Dies  kann  insbesondere  der  Fall  sein  a)  bei  einem  Drittausländer,  der  wegen  einer  Straftat  verurteilt  worden  ist,  die  mit  Freiheitsstrafe  von  mindestens  einem  Jahr  bedroht  ist;  b)  bei  einem  Drittausländer,  gegen  den  ein  begründeter  Verdacht  besteht,  dass  er  schwere Straftaten, einschliesslich solcher im Sinne von Artikel 71 [SDÜ]  begangen  hat,  oder  gegen  den  konkrete  Hinweise  bestehen,  dass  er  solche  Taten  in  dem  Hoheitsgebiet  einer  Vertragspartei  plant.  (3)  Die  Entscheidungen können ebenso darauf beruhen, dass der Drittausländer  ausgewiesen,  zurückgewiesen oder  abgeschoben worden  ist, wobei  die  Massnahme nicht aufgeschoben oder aufgehoben worden sein darf, ein  Verbot der Einreise oder des Aufenthalts enthalten oder davon begleitet  sein muss  und  auf  der  Nichtbeachtung  des  nationalen Rechts  über  die  Einreise oder den Aufenthalt von Ausländern beruhen muss. Das SDÜ nennt damit gegenüber dem nationalen Recht (namentlich was  Art.  96  Abs.  2  Bst.  a  SDÜ  betrifft)  engere  Voraussetzungen  für  die  Ausschreibung  zur  Einreiseverweigerung.  Die  Schweiz  als  ausschreibender  Vertragsstaat  darf  damit  eine  SIS­Ausschreibung  nur  vornehmen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind (vgl.  auch Art. 104 Abs. 1 SDÜ). 6.2.  Infolge  der  Inkraftsetzung  der  Schengen­Assoziierungsabkommen  wurde  das  Bundesgesetz  vom  13.  Juni  2008  über  die  polizeilichen  Informationssysteme  des  Bundes  (BPI,  SR  361)  erlassen.  Dieses  sieht  vor,  dass  das  Bundesamt  für  Polizei  (fedpol)  unter  Mitwirkung  anderer  Behörden  des  Bundes  und  der  Kantone  den  nationalen  Teil  des  SIS,  welches  fachtechnisch N­SIS genannt wird,  betreibt  (vgl. Art.  16 Abs.  1  BPI).  Dieses  Instrument  dient  gemäss  Art.  16  Abs.  2  Bst.  b  BPI  den  Stellen des Bundes und der Kantone unter anderem bei der Erfüllung der  Anordnung  und  Überprüfung  von  Einreisesperren  und  Einreisebeschränkungen  gegenüber  Drittstaatsangehörigen.  Das  fedpol  sowie das BFM haben zur Erfüllung dieser Aufgaben Zugriff darauf  (vgl.  Art. 16 Abs. 5 Bst. a sowie b BPI). Mit  Art. 16 Abs. 8 BPI delegierte der  Gesetzgeber  die Regelung der weiteren Einzelheiten, wie  insbesondere  die  Zugriffsberechtigung  für  die  Bearbeitung  der  verschiedenen  Datenkategorien  sowie  die  Rechte  der  betroffenen  Personen,  an  den  Bundesrat. Dem  ist die Landesregierung mit der Verordnung vom 7. Mai 2008 über  den  nationalen  Teil  des  Schengener  Informationssystems  (N­SIS)  und  das SIRENE­Büro (N­SIS­Verordnung, SR 362.0) nachgekommen. Deren 

C­3821/2009 Art. 21 Abs. 1 schreibt vor, dass das BFM eine Ausschreibung im Sinne  von Art. 96 SDÜ immer dann vornimmt, wenn es ein Einreiseverbot nach  Art.  67  Abs.  1  und  2  AuG  erlässt  (zum  Vorgehen  im  Falle  einer  Ausschreibung durch das fedpol vgl. Art. 21 Abs. 2 i.V.m. Art. 16 N­SIS­ Verordnung). 6.3. Die gemachten Ausführungen zeigen auf, dass die Ausschreibung im  SIS durch das BFM nicht zu beanstanden  ist. Der Beschwerdeführer  ist  nicht  Bürger  eines  Schengenstaates  und  wurde  wegen  einer  Straftat  verurteilt, die mit Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht ist.  Im Übrigen  sind  die Einwände  des Beschwerdeführers  unbehelflich: Ob  eine  Ausschreibung  im SIS  erfolgt  oder  nicht,  hängt  keineswegs  davon  ab, ob sich die betreffende Person im Ausland je etwas hat zu Schulden  kommen  lassen.  Denn  Sinn  und  Zweck  des  Schengener  Durchführungsübereinkommens  bildet  einerseits  die  Reisefreiheit  im  ganzen  Schengenraum,  andererseits  der  grenzüberschreitende  Kampf  gegen  das  Verbrechen,  weshalb  das  ganze  Schengengebiet  als  ein  Raum anzusehen  ist. Des Weiteren  kann nicht  veranlasst werden,  dem  Beschwerdeführer  die  Möglichkeit  zu  geben,  seine  Geschwister  und  deren Familien in Österreich besuchen zu können; vielmehr hat dieser ein  entsprechendes  Ersuchen  im  genannten  Staat  zu  stellen.  Schliesslich  wird der behauptete Umstand, der Beschwerdeführer  könne nicht  in die  Schweiz  reisen,  da  er  aufgrund  seines  Bauchaortenaneurysmas  nicht  fliegen  könne,  nicht  mit  ausreichenden  Arztzeugnissen  belegt.  Die  von  seiner  Rechtsvertreterin  eingereichten  Dokumente  (vgl.  Sachverhalt  Buchstabe H) beschreiben ganz  im Gegenteil eine gelungene Operation  des Beschwerdeführers.  6.4.  Der  Vollständigkeit  halber  ist  auf  das  in  Art.  25  SDÜ  geregelte  vorgesehene  Konsultationsverfahren  hinzuweisen.  Dieses  regelt,  wann  der  ausschreibende  Vertragsstaat  die  Einreiseverweigerung  gegenüber  einem Drittstaatsangehörigen  im SIS wieder  löscht. Dies wäre dann der  Fall,  wenn  ein  anderes  Schengenland  dem  Beschwerdeführer  eine  Aufenthaltserlaubnis  erteilte  oder  zusicherte.  Ein  solcher  Aufenthaltstitel  wird  aber  nur  bei  Vorliegen  gewichtiger  Gründe  erteilt,  insbesondere  wegen  humanitärer  Erwägungen  oder  infolge  internationaler  Verpflichtungen  (vgl.  hierzu  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­20/2010  vom  12.  Oktober  2010  E.  6.2.1).  Damit  wird  den  Anforderungen  an  die  Verhältnismässigkeit  Genüge  getan.  Einzelfallweise bestehen weitere Lockerungsmöglichkeiten  (bezogen auf 

C­3821/2009 Einreisen  in  die Schweiz  siehe  beispielsweise  die  genannte Möglichkeit  der Suspension des Einreiseverbots gemäss Art. 67 Abs. 5 AuG).  Vorliegend  wurde  die  Schweiz  von  keiner  anderen  Vertragspartei  konsultiert.  Zudem  sind  keine  weiteren  Lockerungsmöglichkeiten  ersichtlich. Da der Beschwerdeführer  derzeit  auch  kein Aufenthaltsrecht  in  einem  Schengenstaat  besitzt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­2681/2010  vom  6.  Mai  2011  E.  4.2),  erfolgte die Ausschreibung im SIS daher rechtmässig. 7.  Aus diesen Erwägungen folgt, dass das unbefristete Einreiseverbot unter  dem Gesichtspunkt von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist und dass  die  bereits  erfolgte  Ausschreibung  im  SIS  nach  Art.  96  SDÜ  zu  Recht  erfolgte. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.  8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art.  63  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  1,  2  und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  700.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  am  17.  August  2009  geleisteten  Kostenvorschuss gleicher Höhe verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] zurück) – das Ausländeramt des Kantons St. Gallen

C­3821/2009 Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Kradolfer Versand:

C-3821/2009 — Bundesverwaltungsgericht 29.09.2011 C-3821/2009 — Swissrulings