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Bundesverwaltungsgericht 29.11.2011 C-378/2008

29 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,343 parole·~12 min·1

Riassunto

Bürgerrecht | Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­378/2008 Urteil   v om   2 9 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richterin Marianne Teuscher, Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn. Parteien A.________,  vertreten durch  Rechtsanwalt lic. iur. Ralph Wiedler Friedmann,  Beethovenstrasse 41, 8002 Zürich, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung.

C­378/2008 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  (Jahrgang  1973)  ist  türkischer  Herkunft.  Am  31. Mai  1996  reiste  er  in  die Schweiz  ein  und  stellte  unter  dem Namen  R.________  ein  Asylgesuch,  welches  am  3.  Oktober  1996  vom  damaligen  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF,  heute:  BFM)  abgewiesen  wurde.  Auf  die  dagegen  erhobene  Beschwerde  trat  die  damalige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (heute:  Bundesverwaltungsgericht)  aufgrund  des  nicht  geleisteten  Kostenvorschusses  nicht  ein.  Zum  Verlassen  der  Schweiz  wurde  ihm  eine  Frist  bis  zum  15.  Januar  1997  eingeräumt.  Die  damalige  Fremdenpolizei  des  Kantons  Zürich  (heute:  Migrationsamt  des  Kantons  Zürich)  meldete  den  Beschwerdeführer  am  8.  Januar  1997  als  verschwunden seit dem 18. Dezember 1996. Am 30. Mai 1997 heiratete  der  Beschwerdeführer  in  E.________  die  Schweizer  Staatsangehörige  U.________ (geb. K.________, Jahrgang 1956), wodurch er in der Folge  eine Aufenthaltsbewilligung erhielt. B.  Gestützt auf seine Ehe stellte der Beschwerdeführer am 3. Juni 2002 ein  Gesuch  um  erleichterte  Einbürgerung  nach  Art. 27  des  Bürgerrechtsgesetzes vom 29. September 1952 (BüG, SR 141.0). Zu  Handen  des  Einbürgerungsverfahrens  unterzeichneten  die  Eheleute  am 18. Dezember 2002 eine gemeinsame Erklärung, wonach sie in einer  tatsächlichen,  ungetrennten,  stabilen  ehelichen  Gemeinschaft  an  derselben  Adresse  zusammenlebten  und  weder  Trennungs­  noch  Scheidungsabsichten  bestünden.  Ferner  nahmen  sie  unterschriftlich  zur  Kenntnis, dass die erleichterte Einbürgerung nicht möglich  ist, wenn vor  oder  während  des  Einbürgerungsverfahrens  einer  der  Ehegatten  die  Trennung oder Scheidung beantragt hat oder keine tatsächliche eheliche  Gemeinschaft  mehr  besteht,  und  dass  die  Verheimlichung  dieser  Umstände  zur  Nichtigerklärung  der  Einbürgerung  nach  Art. 41  BüG  führen kann. Am 21. Januar 2003 wurde der Beschwerdeführer erleichtert eingebürgert  und  erwarb  nebst  dem  Schweizer  Bürgerrecht  das  Kantonsbürgerrecht  von Luzern und das Gemeindebürgerrecht von X.________. C.  Sechs  Monate  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  des 

C­378/2008 Beschwerdeführers stellte die Ehefrau beim Amtsgericht Y.________ ein  Gesuch  um  Aufhebung  des  gemeinsamen  ehelichen  Haushaltes  auf  unbestimmte Zeit. Mit Rechtsspruch vom 19. November 2003 wurde der  gemeinsame  Haushalt  der  Eheleute  per  15. Oktober  2003  als  aufgehoben erklärt und die eheliche Wohnung der Ehefrau zugewiesen.  Der Beschwerdeführer blieb der Gerichtsverhandlung unentschuldigt fern. D.  Mit Eingabe vom 2. Februar 2004 stellten die Eheleute beim Amtsgericht  Y.________  ein  gemeinsames  Scheidungsbegehren.  Die  kinderlos  gebliebene Ehe wurde am 6. Juli 2004 rechtskräftig geschieden. E.  Am 16. März 2006 eröffnete das BFM gegen den Beschwerdeführer ein  Verfahren  betreffend Nichtigerklärung  seiner  erleichterten Einbürgerung.  Mit  gleichem  Schreiben  wurde  der  anwaltlich  vertretene  Beschwerdeführer  zu  einer  Stellungnahme  sowie  zur  Ausstellung  einer  Ermächtigung  an  die  Vorinstanz  betreffend  Einsicht  in  die  Scheidungsakten  aufgefordert.  Der  damalige  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  nahm  hierzu  mit  Schreiben  vom  8. August  2006  Stellung  und  erteilte  zugleich  die  schriftliche  Zustimmung  zur  Einsichtnahme in die Scheidungsakten. F.  Mit  Schreiben  vom  4. Juni  2007  wurde  der  Vorinstanz  eine  Mandatsübertragung  angezeigt.  Die  Vorinstanz  gewährte  dem  neuen  Rechtsvertreter  mit  Schreiben  vom  21. Juni  2007  die  gewünschte  Einsichtnahme in die Akten. G.  Am  26. September  2007  ersuchte  die  Vorinstanz  beim  Amtsgericht  Y.________ um Einsicht in die Akten des Ehescheidungsverfahrens.  H.  Mit Schreiben vom 26. September 2007 orientierte die Vorinstanz die Ex­ Ehefrau  des  Beschwerdeführers  über  eine  geplante  Einvernahme  in  Gegenwart  ihres  Ex­Ehemannes  und/oder  seines  Rechtsvertreters.  Die  Ex­Ehefrau  antwortete  mit  Schreiben  vom  7.  Oktober  2007  und  wies  darauf hin, wenn eine Anhörung unumgänglich sei, dann wolle sie nicht in  Anwesenheit  ihres Ex­Ehemannes bzw. dessen Rechtsvertreters befragt 

C­378/2008 werden,  da  sie  Angst  vor  ersterem  bekunde  und  Repressalien  zu  befürchten habe. I.  Am 26. Oktober 2007 übermittelte die Vorinstanz dem Rechtsvertreter die  Akten  zur  Einsichtnahme  und  legte  ihm  die  Gründe  dar,  weshalb  sie  beabsichtige,  die  erleichterte  Einbürgerung  des  Beschwerdeführers  für  nichtig  zu  erklären.  Zugleich  gewährte  ihm  das BFM  vor  der  definitiven  Entscheidfällung eine letzte Gelegenheit zur Stellungnahme. J.  Auf Ersuchen der Vorinstanz erteilte der Kanton Luzern am 8. November  2007  die  Zustimmung  zur  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung. K.  Mit  Eingabe  vom  10. Dezember  2007  nahm  der  Rechtsvertreter  zur  beabsichtigten Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung Stellung. L.  Am  18. Dezember  2007  erklärte  die  Vorinstanz  die  erleichterte  Einbürgerung des Beschwerdeführers für nichtig. M.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  18. Januar  2008  gelangte  der  Beschwerdeführer  an  das  Bundesverwaltungsgericht  und  ersucht  um  Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung.  N.  Die  Vorinstanz  beantragt  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  9. Juli  2008  die  Abweisung der Beschwerde. O.  Der  Beschwerdeführer  hält  mit  Replik  vom  18. August  2008  an  seinem  Begehren fest.  P.  Abklärungen bei den Einwohnerdiensten der Stadt Luzern ergaben, dass  der Beschwerdeführer Vater von zwei Kindern  ist  (E.________, geboren  am ________ 2008 und E.________, geboren am ________ 2009).

C­378/2008 Q.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer der in Art. 33  VGG  aufgeführten  Behörden  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  gemäss  Art.  51  Abs.  1  BüG  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Nichtigerklärung  einer erleichterten Einbürgerung nach Art. 41 Abs. 1 BüG. 1.2  Gemäss  Art. 37 VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Verwaltungsgerichts­gesetz  nichts  anderes  bestimmt  (vgl.  auch  Art.  2  Abs. 4 VwVG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Ergreifung des  Rechtsmittels  legitimiert.  Auf  seine  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist einzutreten (Art. 48 ff. VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Rechtsmittelinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerde­verfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2 mit Hinweis). 3. 

C­378/2008 3.1 Gemäss Art. 27 Abs. 1 BüG kann eine ausländische Person nach der  Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um erleichterte  Einbürgerung  stellen,  wenn  sie  insgesamt  fünf  Jahre  in  der  Schweiz  gewohnt  hat  (Bst.  a),  seit  einem  Jahr  hier  wohnt  (Bst.  b)  und  seit  drei  Jahren in ehelicher Gemeinschaft mit dem Schweizer Bürger lebt (Bst. c).  Nach  dem  Wortlaut  und  Wortsinn  der  Bestimmung  müssen  sämtliche  Voraussetzungen sowohl  im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung als auch  anlässlich der Einbürgerungsverfügung erfüllt sein. Fehlt es insbesondere  im  Zeitpunkt  des  Entscheids  an  der  ehelichen  Gemeinschaft,  darf  die  erleichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden  (BGE 135  II 161     E. 2 S. 164 f., BGE 130 II 482 E. 2 S. 484, BGE 129 II 401 E. 2.2 S. 403). 3.2  Der  Begriff  der  ehelichen  Gemeinschaft  bedeutet  nach  der  bundesgerichtlichen Rechtsprechung mehr als nur das formelle Bestehen  einer Ehe. Verlangt wird eine tatsächliche Lebensgemeinschaft, getragen  vom Willen,  die Ehe auch  künftig  aufrecht  zu erhalten  (BGE 135  II  161  E. 2 S. 165 mit Hinweisen). Der Gesetzgeber wollte dem ausländischen  Ehegatten  einer  Schweizer  Bürgerin  die  erleichterte  Einbürgerung  ermöglichen,  um  die  Einheit  des  Bürgerrechts  im  Hinblick  auf  ihre  gemeinsame  Zukunft  zu  fördern  (vgl.  Botschaft  des  Bundesrats  zur  Änderung des Bürgerrechtsgesetzes vom 27. August 1987, BBl 1987  III  293 ff.  310).  Ein  Hinweis  auf  den  fehlenden  Willen  der  Eheleute,  die  eheliche  Gemeinschaft  aufrecht  zu  erhalten,  kann  im  Umstand  liegen,  dass kurze Zeit nach der erleichterten Einbürgerung die Trennung erfolgt  oder  die  Scheidung  eingeleitet  wird  (BGE  135  II  161  E. 2  S. 165  mit  Hinweis). 3.3  Die  erleichterte  Einbürgerung  kann mit  Zustimmung  der  Behörde  des  Heimatkantons  innert  der  vom  Gesetz  vorgesehenen  Frist  für  nichtig  erklärt  werden,  wenn  sie  durch  falsche  Angaben  oder  Verheimlichung  erheblicher  Tatsachen  erschlichen,  d.h.  mit  einem  unlauteren  und  täuschenden  Verhalten  erwirkt  worden  ist  (vgl.  die  revidierte Bestimmung von Art. 41 Abs. 1 und 1bis BüG in der Fassung  vom  25. September  2009,  in  Kraft  seit  1.  März  2011  [AS  2011  347]  bzw.  aArt.  41  Abs.  1  BüG  [AS  1952  1087],  gültig  bis  28.  Februar  2011).  Arglist  im Sinne  des  strafrechtlichen Betrugstatbestandes wird  nicht  verlangt.  Es  genügt,  dass  der  Betroffene  bewusst  falsche  Angaben  macht  bzw.  die  mit  dem  Einbürgerungsbegehren  befasste  Behörde bewusst in einem falschen Glauben lässt und so den Vorwurf  auf sich zieht, es unterlassen zu haben, über eine erhebliche Tatsache  zu  informieren  (vgl.  BGE 135  II  161 E.  2 S.  165 mit Hinweis). Weiss 

C­378/2008 der  Betroffene,  dass  die  Voraussetzungen  für  die  erleichterte  Einbürgerung  auch  im Zeitpunkt  der Verfügung  vorliegen müssen,  so  muss er die Behörde unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung  in  seinen  Verhältnissen  orientieren,  von  der  er  weiss  oder  wissen  muss,  dass  sie  einer  Einbürgerung  entgegensteht.  Die  Pflicht  dazu  ergibt  sich  aus  dem  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben  und  aus  der  verfahrensrechtlichen Mitwirkungspflicht gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a  VwVG.  Die  Behörde  darf  sich  ihrerseits  darauf  verlassen,  dass  die  vormals  erteilten  Auskünfte  bei  passivem  Verhalten  des  Gesuchstellers  nach  wie  vor  der  Wirklichkeit  entsprechen  (vgl.  BGE  132 II 113 E. 3.2 S. 115 f.). 4.  4.1  Im  Verfahren  betreffend  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung  gilt,  wie  in  der  Bundesverwaltungsrechtspflege  allgemein,  der  Untersuchungsgrundsatz  (Art.  12  VwVG)  und  der  Grundsatz  der  freien  Beweiswürdigung  (Art.  19  VwVG  i.V.m.  Art.  40  des  Bundesgesetzes  vom  4. Dezember  1947  über  den  Bundeszivilprozess  [BZP,  SR  273]).  Frei  ist  die Beweiswürdigung  vor  allem  darin,  dass  sie  nicht  an  bestimmte  starre  Beweisregeln  gebunden  ist,  die  dem  Richter  genau  vorschreiben,  wie  ein  gültiger  Beweis  zu  Stande  kommt  und  welchen Beweiswert die einzelnen Beweismittel im Verhältnis zueinander  haben  (FRITZ  GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege,  2.  Auflage  Bern  1983, S. 278 f.; zu den Beweismitteln: BGE 130 II 169 E. 2.3.2 ff.). Wenn  ein Entscheid – wie im vorliegenden Fall – zum Nachteil des Betroffenen  in seine Rechte eingreift, liegt die Beweislast bei der Behörde. 4.2  Im  Zusammenhang  mit  der  Nichtigerklärung  einer  erleichterten  Einbürgerung  ist  von  der  Verwaltung  zu  untersuchen,  ob  die  Ehe  im  Zeitpunkt  der  Gesuchseinreichung  und  der  Einbürgerung  tatsächlich  gelebt wurde. Hierbei geht es im Wesentlichen um innere Vorgänge, die  der  Behörde  oft  nicht  bekannt  und  schwierig  zu  beweisen  sind.  In  derartigen  Situationen  ist  es  zulässig,  von  bekannten  Tatsachen  (Vermutungsbasis)  auf  unbekannte  (Vermutungsfolge)  zu  schliessen  (BGE  135  II  161  E. 3  S. 166  mit  Hinweis).  Solche  tatsächlichen  Vermutungen  können  sich  in  allen  Bereichen  der  Rechtsanwendung  ergeben,  namentlich  auch  im  öffentlichen  Recht.  Es  handelt  sich  um  Wahrscheinlichkeitsfolgerungen,  die  auf  Grund  der  Lebenserfahrung  gezogen werden (ULRICH HÄFELIN, Vermutungen im öffentlichen Recht, in:  Festschrift für Kurt Eichenberger, Basel 1982, S. 625 ff., S. 626; vgl. auch  PETER SUTTER, Die Beweislastregeln unter besonderer Berücksichtigung 

C­378/2008 des verwaltungsrechtlichen Streitverfahrens, Diss. Zürich 1988, S. 56  ff.  und 178 ff., und GYGI, a.a.O., S. 282 ff; zu Art. 8 ZGB vgl. MAX KUMMER,  Berner Kommentar, N. 362 f.). 4.3 Als Problem der Beweiswürdigung berührt die tatsächliche Vermutung  weder die Beweislast noch die das Verwaltungsverfahren beherrschende  Untersuchungsmaxime. Letztere gebietet zwar, dass die Verwaltung auch  nach entlastenden, das heisst die Vermutung erschütternden Elementen  sucht.  Bei  Konstellationen  im  Zusammenhang  mit  der  erleichterten  Einbürgerung  liegt  es  aber  in  der  Natur  der  Sache,  dass  solche  entlastenden Elemente der Verwaltung oft nicht bekannt sein dürften und  nur  die  Betroffenen  darüber  Bescheid wissen  können.  Es  obliegt  daher  dem  erleichtert  Eingebürgerten,  der  dazu  nicht  nur  aufgrund  seiner  Mitwirkungspflicht (Art. 13 VwVG) verpflichtet ist, sondern daran auch ein  Eigeninteresse  haben  muss,  die  Vermutung  durch  den  Gegenbeweis  bzw.  erhebliche  Zweifel  umzustürzen,  indem  er  Gründe  oder  Sachumstände  aufzeigt,  die  es  als  überzeugend  (nachvollziehbar)  erscheinen  lassen,  dass  eine  angeblich  noch  wenige  Monate  zuvor  bestandene,  ungetrennte  eheliche  Gemeinschaft  in  der  Zwischenzeit  dergestalt in die Brüche gegangen ist, dass es zur Scheidung kam (BGE  135 II 161 E. 3 S. 166 mit Hinweisen). 5.  Die  formellen  Voraussetzungen  der  Nichtigerklärung  sind  vorliegend  erfüllt.  Der  Kanton  Luzern  als  Heimatkanton  hat  die  Zustimmung  zur  Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung erteilt und die Verfügung  betreffend  Nichtigerklärung wurde  dem Beschwerdeführer  innerhalb  der  gesetzlichen Frist von Art. 41 Abs. 1bis bzw. aArt. 41 Abs. 1 BüG eröffnet  (zur Fristberechnung  vgl. Urteil  des Bundesgerichtes  1C_336/2010  vom  28. September 2010 E. 3.3). 6.  6.1  Aus  den  Akten  geht  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Jahre  1996  in  die  Schweiz  einreiste.  In  der  Folge  stellte  er  ein  Asylgesuch,  welches vom BFF abgewiesen wurde. Der Beschwerdeführer erhielt eine  Frist  zum  Verlassen  der  Schweiz  bis  zum  15. Januar  1997.  Seit  dem  18. Dezember  1996  galt  er  als  verschwunden;  es  erfolgte  eine  Ausschreibung im Ripol (Fahndungssystem des Bundes). Nach illegalem  Verbleib in der Schweiz heiratete er am 30. Mai 1997 eine 17 Jahre ältere  Schweizer  Bürgerin  (geb.  1956).  Dadurch  verschaffte  er  sich  ein  dauerhaftes Aufenthaltsrecht  in der Schweiz. Am 3. Juni 2002 stellte der 

C­378/2008 Beschwerdeführer  ein  Gesuch  um  Erteilung  der  erleichterten  Einbürgerung.  Nachdem  die  Eheleute  am  18. Dezember  2002  die  gemeinsame  Erklärung  zum  Bestand  der  ehelichen  Gemeinschaft  abgegeben  hatten,  wurde  der  Beschwerdeführer  am  21. Januar  2003  erleichtert  eingebürgert. Bereits  sechs Monate  später,  am 24. Juli  2003,  stellte  die  Ehefrau  ein  Gesuch  um  Aufhebung  des  gemeinsamen  Haushalts.  Dieser  wurde  per  15. Oktober  2003  als  aufgehoben  erklärt.  Der  Beschwerdeführer  zog  am  29.  Januar  2004  aus  der  gemeinsamen  Wohnung  aus.  Am  2. Februar  2004  reichten  die  Eheleute  ein  gemeinsames Scheidungsbegehren  ein worauf  die Ehe  am 6. Juli  2004  geschieden wurde. 6.2  Der  geschilderte  Sachverhalt  zeigt,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  nur  mittels  Heirat  einer  Schweizer  Bürgerin  einen  geregelten Aufenthalt  verschaffen  konnte. Dieser Umstand  begründet  im  Zusammenhang  mit  der  chonologischen  Abfolge  der  Ereignisse –  das  nach  einem  halben  Jahr  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  eingereichte  Gesuch  um  Aufhebung  des  gemeinsamen  ehelichen  Haushalts auf unbestimmte Zeit, die anschliessende Trennung, die am  6.  Juli  2004  erfolgte  Scheidung  auf  gemeinsames  Begehren  –  ohne  Zweifel  die  tatsächliche  Vermutung,  der  Beschwerdeführer  habe  bereits  zum  Zeitpunkt  der  erleichterten  Einbürgerung  nicht  mehr  in  einer  stabilen,  intakten  und  auf  die  Zukunft  gerichteten  ehelichen  Gemeinschaft mit seiner Ex­Ehefrau gelebt. 6.3 Es  ist  daher  zu  prüfen,  ob der Beschwerdeführer  in  der  Lage  ist,  die Vermutung zu widerlegen. Dazu braucht er nicht den Nachweis zu  erbringen,  dass  die  Ehe  mit  der  Schweizer  Bürgerin  zum  massgeblichen Zeitpunkt intakt war, denn eine tatsächliche Vermutung  führt  nicht  zur  Umkehr  der  Beweislast.  Es  genügt,  wenn  der  Beschwerdeführer  eine  plausible  Alternative  zu  der  dargestellten  Vermutungsfolge  präsentieren  kann.  Er  kann  den  Gegenbeweis  erbringen,  indem  er  glaubhaft  den  Eintritt  eines  ausserordentlichen  Ereignisses dartut, das geeignet ist, den raschen Verfall der ehelichen  Bande  zu erklären,  oder  indem er  glaubhaft  darlegt,  dass er  sich der  ehelichen  Probleme  nicht  bewusst  gewesen  war  und  er  demzufolge  zum  Zeitpunkt,  als  er  die  Erklärung  unterzeichnete,  den  wirklichen  Willen  hatte,  weiterhin  eine  stabile  eheliche  Beziehung  aufrecht  zu  halten (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 S. 166 mit Hinweisen). 7.

C­378/2008 7.1 Der  jetzige  Parteivertreter  wendet  in  materieller  Hinsicht  ein,  die  Nichtigerklärung  der  Einbürgerung  setze  voraus,  dass  diese  erschlichen,  das  heisst  mit  einem  unlauteren  und  täuschenden  Verhalten erwirkt worden sei. Dieses täuschende Verhalten sei von der  Vorinstanz  in  casu  nicht  einmal  aufgezeigt,  geschweige  denn  beweismässig  als  überzeugende  Vermutung  dargelegt  worden.  Der  Altersunterschied  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  seiner  Ex­ Ehefrau betrage zwar 17 Jahre, doch dieser falle optisch kaum auf, da  die Ex­Ehefrau  sehr  jugendlich  und  der Beschwerdeführer wesentlich  älter wirke. Im Januar 2003 (Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung)  habe  die  eheliche Gemeinschaft  als  stabile  Partnerschaft  bestanden.  Die  Vorgehensweise  der  Ex­Ehefrau,  welche  hinter  dem Rücken  des  Beschwerdeführers  am 24.  Juli  2003 den Eheschutzrichter  angerufen  habe und nicht den Scheidungsrichter, sei ein weiterer Hinweis dafür,  dass nicht schon eine für tot betrachtete Ehe aufzulösen gewesen sei,  sondern  die  Ex­Ehefrau  den  Richter  angerufen  habe,  um  Hilfe  zu  erhalten.  Beide  seien  zu  diesem  Zeitpunkt  arbeitslos  gewesen.  Der  Beschwerdeführer habe schliesslich die Arbeitssuche aufgegeben und  sei  zur  Erholung  in  die  Türkei  gefahren.  Von  der  Vorladung  des  Gerichts  habe  er  erst  Kenntnis  erhalten  als  der  Entscheid  bereits  rechtskräftig  gewesen  sei.  Aufgrund  einer  falschen  Adressangabe  durch  die  Ex­Ehefrau  sei  es  dem  Beschwerdeführer  unmöglich  gewesen, sich am Gerichtsverfahren zu beteiligen. Erst  im Dezember  2003  sei  er  von  seiner  Ex­Ehefrau  aufgeklärt  worden.  Das  Zusammenleben  sei  jedoch  bis  Januar  2004  fortgesetzt  worden.  Aufgrund  illusorischer  Unterhaltsforderungen  und  der  psychischen  Druckausübung der Ex­Ehefrau habe er schliesslich  in die Scheidung  eingewilligt.  Dass  die  Ex­Ehefrau  diejenige  gewesen  sei,  die  die  Scheidung  verlangt  habe,  sei  auch  aus  dem  Rubrum  des  Scheidungsurteils ersichtlich, wo die Ex­Ehefrau als erste genannt sei.  Das  Abstellen  der  Vorinstanz  auf  die  Aussagen  der  Ex­Ehefrau,  welche  aufgrund  psychischer  Probleme  eine  IV­Rente  beziehe  und  sich immer wieder widersprochen habe, sei willkürlich. Dasselbe gelte  betreffend  der  angeblichen  Angst  der  Ex­Ehefrau  gegenüber  dem  Beschwerdeführer.  Zudem  habe  sich  der  Beschwerdeführer mehr  als  ein Jahr Zeit gelassen eine neue Partnerin zu finden. 7.2 Die  Darstellung  der  Ereignisse  des  Beschwerdeführers  kann  in  mehrfacher Hinsicht nicht überzeugen.

C­378/2008 7.2.1  Die  Ex­Ehefrau  stellte  sechs  Monate  nach  der  erleichterten  Einbürgerung des Beschwerdeführers ein Gesuch um Aufhebung des  gemeinsamen  ehelichen  Haushaltes.  Zur  Begründung  des  Gesuchs  gab  sie  an,  sie  möchte  sich  wegen massiver  Eheprobleme  scheiden  lassen.  Zwischen  ihrem  Ehemann  und  ihr  würden  kulturelle  Unterschiede  und  Kommunikationsschwierigkeiten  bestehen.  Zudem  hätten sie sehr grosse finanzielle Probleme. Ihre Depression habe sich  in  den  letzten  drei  Jahren  verstärkt,  was  auch  auf  ihre  häusliche  Situation  zurückzuführen  sei.  Ihr  Ehemann  habe  ebenfalls  eine  Depression  und  sei  arbeitslos,  was  ihre  Beziehung  sehr  belaste.  Sie  hätten  jeden  Tag  Streit  und  der  Beschwerdeführer  habe  Wutausbrüche. Er beschimpfe sie dann jeweils heftig. Es gehe ihr sehr  schlecht.  Sie  wolle  sich  scheiden  lassen,  damit  es  ihr  gesundheitlich  wieder  besser  gehe.  Gemäss  diesen  Ausführungen  suchte  die  Ex­ Ehefrau  nicht  lediglich  um  Hilfe,  wie  vom  Beschwerdeführer  vorgebracht, sondern wollte sich vom Beschwerdeführer trennen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Die  Ex­Ehefrau  gab  anlässlich  des  Gesuchs  um  Aufhebung  des  gemeinsamen  ehelichen  Haushaltes  dem  zuständigen  Gericht  für  beide  Parteien  ihre  damalige  Adresse  (E.________)  an  und  demzufolge  nicht  eine  falsche  Adresse,  wie  vom  Beschwerdeführer  vorgebracht.  Am  4. August  2003  wurde  der  Beschwerdeführer  vom  Amtsgericht Luzern­Stadt aufgefordert, zum Gesuch seiner Ex­Ehefrau  Stellung  zu  nehmen.  Zu  diesem Zeitpunkt  hielt  er  sich  zu Hause  auf  (vgl. Eingabe vom 13. Mai 2008), nahm jedoch zu den Anträgen nicht  Stellung.  Er  wusste  somit,  dass  ein Gerichtsverfahren  im Gange war  und  hat  es  dennoch  vorgezogen,  im  September/Oktober  2003  in  die  Türkei zu  reisen und deshalb der Gerichtsverhandlung unentschuldigt  fern zu bleiben.  Mit Schreiben vom 4. November 2003 forderte ihn das Gericht auf, zur  Vereinbarung  vom  4.  November  2003  Stellung  zu  nehmen.  Dieses  Schreiben wurde an die Adresse H.________ (Adresse der Schwester  der  Ehefrau  und  deren  Ehemann)  gesendet,  wie  auch  der  Entscheid  vom  19.  November  2003  betreffend  Eheschutzmassnahmen.  In  der  Stellungnahme  vom  8.  August  2006  des  damaligen  Rechtsvertreters  wurde ausgeführt, die Ex­Ehefrau habe  für den Beschwerdeführer vor  Gericht  eine  andere  Adresse  angeben  wollen.  Weil  der  Beschwerdeführer  jedoch  immer noch bei  ihr gewohnt habe, habe sie  für ihn die Adresse ihrer Schwester angegeben. Dass dieses Vorgehen  dem Beschwerdeführer verheimlicht worden sein soll, wird mit keinem 

C­378/2008 Wort  erwähnt.  Vielmehr  ist  davon  auszugehen,  dass  er  mit  diesem  Vorgehen  einverstanden  war.  Demzufolge  hatte  er,  entgegen  seiner  Aussage, Kenntnis vom Eheschutzentscheid. Aufgrund der damaligen  finanziellen  Verhältnisse  beider  Parteien  ist  anzunehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  lediglich  aus  finanziellen  Gründen  noch  bis  Ende  Januar 2004 weiter bei  seiner Ex­Ehefrau gewohnt hat und nicht weil  er die Ehe noch retten wollte. 7.2.2  Am  2.  Februar  2004,  zweieinhalb  Monate  nach  dem  Eheschutzentscheid  und  ein  Jahr  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  des  Beschwerdeführers,  stellten  die  Parteien  ein  gemeinsames  Scheidungsbegehren. Anlässlich  der  getrennten Anhörung am 24. März  2004 durch die Richterin erklärten beide Parteien, aus freiem Willen und  nach  reiflicher  Überlegung  am  Scheidungsbegehren  und  an  der  Vereinbarung  festzuhalten. Das Vorbringen des Beschwerdeführers,  der  Scheidung lediglich aufgrund von illusorischen Unterhaltsforderungen und  psychischer  Druckausübung  seitens  der  Ex­Ehefrau  zugestimmt  zu  haben,  steht  mit  seiner  Aussage  vor  Gericht  im  Widerspruch  und  ist  demzufolge  unbehelflich.  Wie  die  Vorinstanz  richtig  festhält,  fiel  die  Regelung  (Erlass  von  Alimentenschulden,  Unterhaltsverzicht)  klar  zu  Ungunsten  der  Ex­Ehefrau  aus  und  lässt  deshalb  im  Gegenteil  eher  darauf schliessen, der Druck sei  in umgekehrter Richtung und somit von  ihm  auf  seine  Ex­Ehefrau  ausgeübt  worden.  Denn  die  Ex­Ehefrau  äusserte sich während des vorinstanzlichen Verfahrens dahingehend, sie  habe  Angst  vor  ihrem  Ehemann  und  befürchte  von  dessen  Seite  Repressalien; sie wolle nicht an einer Befragung teilnehmen, bei welcher  ihr  Ex­Ehemann  anwesend  sei.  Da  es  sich  um  eine  Scheidung  auf  gemeinsames  Begehren  handelt,  läuft  die  Argumentation  des  Rechtsvertreters, die Ex­Ehefrau sei als erste im Rubrum aufgeführt und  somit diejenige gewesen, die die Scheidung gewollt habe, ins Leere. 7.2.3  Aus  den  Akten  ist  nicht  ersichtlich,  dass  die  Ex­Ehefrau  des  Beschwerdeführers  widersprüchliche  Aussagen  gemacht  haben  soll.  Der  Rechtsvertreter  führt  diese  pauschale  Behauptung  auch  nicht  näher  aus.  Gleich  verhält  es  sich  mit  der  Invalidenrente,  welche  die  Ex­Ehefrau  bezieht.  Das  Gericht  sieht  keinerlei  Anlass  an  den  Darlegungen der Ex­Ehefrau des Beschwerdeführers zu zweifeln. 7.2.4  Bei  den  von  der  Ex­Ehefrau  geäusserten  Gründen  (massive  Eheprobleme, kulturelle Unterschiede, Kommunikationsprobleme, grosse  Geldsorgen  sowie  Depressionen  des  Ehepaars),  mit  denen  sie  ihr 

C­378/2008 Gesuch  um  Regelung  der  Trennungsfolgen  begründet,  handelt  es  sich  nicht  um  Umstände,  die  innert  kurzer  Zeit  nach  der  Einbürgerung  aufgetreten  sein  können  und  folglich  zur  Zerrüttung  der  Ehe  führten.  Vielmehr weisen diese Gründe darauf hin, dass die Eheprobleme schon  seit  längerer  Zeit  bestanden.  Nach  der  allgemeinen  Lebenserfahrung  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Entschluss  eines  Ehepartners  zur  Trennung  und  deren  gerichtlichen  Regelung  bzw.  zur  Scheidung  –  ohne  Vorliegen  eines  ausserordentlichen  Ereignisses  und  bei  einer  anhin  glücklichen  Ehe  –  nicht  plötzlich  gefällt  wird,  sondern  vielmehr  den  Endpunkt  eines  längeren  Zerrüttungsprozesses  in  einer  Beziehung darstellt. Denn wenn auch ohne Zweifel das Ansammeln von  Kleinigkeiten  zu Eheproblemen  und  allenfalls  sogar  zu  einer Scheidung  führen  kann,  so münden  diese  –  bei  einer  bis  anhin  glücklichen  Ehe –  nicht  von  einem  Tag  auf  den  anderen  zum  Entschluss,  sich  vom  Ehepartner  trennen  zu  wollen.  In  Anbetracht  der  geschilderten,  engen  zeitlichen  Abfolge  zwischen  der  Einbürgerung,  dem  Auftreten  der  Eheprobleme  und  der  Anrufung  des Eheschutzrichters  zur  gerichtlichen  Regelung  der  Trennungsfolgen  liegt  die  Vermutung  nahe,  die  Ehe  sei  bereits zum Zeitpunkt der gemeinsamen Erklärung (18. Dezember 2002)  bzw.  der  erleichterten Einbürgerung  (21. Januar  2003)  nicht mehr  intakt  gewesen. Für diese Beurteilung sprechen auch die  fehlenden Versuche  bzw.  das  nicht  sichtbare  Engagement  des  Beschwerdeführers,  die  Ehe  wirklich  retten  zu  wollen  (Landesabwesenheit  während  einer  offensichtlichen  Ehekrise,  Fernbleiben  bei  der  Gerichtsverhandlung,  Erklärung des gemeinsamen Scheidungsbegehrens mit Bestätigung des  Scheidungswillens nach zwei Monaten Wartefrist). 7.2.5  Im  Besonderen  ist  auch  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer sich  regelmässig und häufig über  längere Zeit alleine  in der Türkei aufhielt (vgl. Beilage 1 der Eingabe vom 13. Mai 2008) und  dies nicht erst seit der erleichterten Einbürgerung. Dieses Verhalten wirft  berechtigte  Zweifel  auf  und  erhärtet  den  Verdacht,  dass  er  in  seinem  Heimatland  über  längere  Zeit  hinweg  anderweitige  Interessen  verfolgt  haben könnte. Der Beschwerdeführer gibt zwar in der Beschwerdeschrift  an, sich nach der Scheidung mehr als ein Jahr Zeit gelassen zu haben,  um  eine  neue  Partnerin  zu  finden.  Schliesslich  heiratete  er  aber  im  September 2007  in der Türkei eine 13 Jahre  jüngere Landsfrau, welche  30  Jahre  jünger  ist  als  seine Ex­Ehefrau;  dabei wäre  es  nicht  abwegig,  auf ein planmässiges Vorgehen zu schliessen.

C­378/2008 7.2.6  Was  die  zu  den  Akten  gelegten  Unterstützungsschreiben  von  Drittpersonen anbelangt, so versteht es sich von selbst und bedarf keiner  besonderen Erläuterungen, dass damit der Beweis einer intakten, auf die  Zukunft gerichteten Ehe nicht zu erbringen ist. Vielmehr beschränken sich  diesbezügliche  Aussagen  naturgemäss  auf  die  Wahrnehmung  eines  äusseren Erscheinungsbildes. Für die Beurteilung der hier wesentlichen  Frage,  ob  die  Ehe  im  fraglichen  Zeitpunkt  stabil  und  auf  die  Zukunft  gerichtet war, erweisen sich solche Bestätigungen  regelmässig nicht als  besonders  aufschlussreich  (vgl.  dazu  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts             C­143/2008 vom 18. Februar 2010  E. 8.2.1 mit Hinweisen). 7.2.7  Die  Schwester  der  Ex­Ehefrau  machte  während  des  Beschwerdeverfahrens  verschiedentlich  widersprüchliche  Aussagen,  die  sie  im Nachgang  jeweils wieder dementierte.  Ihre Aussagen sind  für die  vorliegend zu beurteilende Beschwerdesache jedoch nicht von Relevanz  und bleiben deshalb unbeachtet. 8. Dem  Beschwerdeführer  ist  es  somit  nicht  gelungen,  die  gegen  ihn  sprechende  Vermutung  überzeugend  in  Frage  zu  stellen,  dass  zum  Zeitpunkt der gemeinsamen Erklärung vom 18. Dezember 2002 und der  erleichterten Einbürgerung am 21. Januar 2003 zwischen ihm und seiner  Schweizer  Ehefrau  keine  stabile  und  auf  die  Zukunft  ausgerichtete  eheliche Gemeinschaft bestanden hat. Aufgrund der gesamten Umstände  muss im Gegenteil davon ausgegangen werden, dass der Ehewille,  falls  er überhaupt jemals bestand, bereits einige Zeit vorher erloschen war und  an  der  Ehe  schlussendlich  nur  festgehalten  wurde,  um  dem  Beschwerdeführer  zum  Schweizer  Bürgerrecht  zu  verhelfen.  Indem  der  Beschwerdeführer  in  der  gemeinsamen  Erklärung  den  Bestand  einer  intakten  und  stabilen  Ehe  versicherte  bzw.  einen  Sachverhalt  nicht  anzeigte, hat er die Behörden über wesentliche Tatsachen getäuscht und  die  erleichterte  Einbürgerung  im  Sinne  von  Art. 41  Abs. 1  BüG  erschlichen. Die materiellen Voraussetzungen für die Nichtigerklärung der  erleichterten Einbürgerung sind folglich ebenfalls erfüllt.  9. Sofern  nicht  ausdrücklich  anders  verfügt  wird,  erstreckt  sich  die  Nichtigkeit  auf  alle  Familienmitglieder,  deren Schweizer Bürgerrecht  auf  der nichtig erklärten Einbürgerung beruht  (vgl. Art. 41 Abs. 3 BüG). Aus  den  Akten  sind  keine Gründe  ersichtlich,  weshalb  bezüglich  der  Kinder 

C­378/2008 des  Beschwerdeführers  anders  verfügt  werden  sollte.  Auch  die  Gefahr  der Staatenlosigkeit besteht nicht. Gemäss türkischem Recht erhält  jede  sich  im  Ausland  befindende  Person  bei  seiner  Geburt  die  türkische  Staatsangehörigkeit,  sofern  der  Vater  oder  die  Mutter  die  türkische  Staatsangehörigkeit  besitzen  (Quelle:  UNHCR  Refworld,  im  Internet  unter:  www.unhcr.org/refworld/docid/3ae6b4d030.html  [Stand  23. November 2011], Seite besucht im November 2011).  10. Die  angefochtene  Verfügung  erweist  sich  demnach  als  rechtmässig  (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 11. Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Die  Verfahrenskosten sind auf Fr. 900.­­ festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3  Bst.  b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).

C­378/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 900.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieser Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. K […] und N […] retour) – das Amt für Gemeinden des Kantons Luzern  – das Amtsgericht Luzern­Stadt (Akten Ref.­Nr. […] und  […] retour) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-378/2008 — Bundesverwaltungsgericht 29.11.2011 C-378/2008 — Swissrulings