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Bundesverwaltungsgericht 30.11.2011 C-3519/2010

30 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·957 parole·~5 min·1

Riassunto

Rente | Altersrente (Rentenberechnung)

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­3519/2010 Urteil   v om   3 0 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Philippe Weissenberger (Vorsitz), Richter Francesco Parrino, Richter Beat Weber Gerichtsschreiber Michael Müller. Parteien A._______,   Beschwerdeführerin,  gegen Schweizerische Ausgleichskasse SAK,    Vorinstanz.  Gegenstand Altersrente (Rentenberechnung).

C­3519/2010 Sachverhalt: A.  Mit  Verfügung  vom  13.  April  2010  setzte  die  Schweizerische  Ausgleichskasse  (SAK)  die Altersrente  der  am  (…)  1946  geborenen,  in  Z.,  Deutschland,  wohnhaften  deutschen  Staatsangehörigen  A._______  ab 1. Mai 2010 auf monatlich CHF 1'315.00 fest. B.  Gegen diese Verfügung erhob A._______ am 17. April 2010 Einsprache  mit  der  Begründung,  bei  der  Berechnung  der  anrechenbaren  Beitragsdauer  habe die Dauer  ihrer  zweiten Ehe  vom 4. März  1977 bis  zum  25. September  1991  zu Unrecht  keine Berücksichtigung  gefunden,  und beantragte  für diesen Zeitraum die Einkommensteilung mit Wirkung  für die Altersrente ab 1. Mai 2010 sowie rückwirkend für die ihrer Ansicht  nach ebenfalls zu niedrig bemessene IV­Rente. C.  Mit  Verfügung  vom  5.  Mai  2010  wies  die  SAK  die  Einsprache  von  A._______  ab.  Zur  Begründung  machte  sie  im  Wesentlichen  geltend,  eine  Einkommensteilung  und  die  damit  eventuell  zusammenhängende  Anrechnung  von  Ehezeiten  könne  nur  erfolgen,  falls  beide  Ehepartner  gleichzeitig der AHV unterstellt gewesen seien. Diese Voraussetzung sei  für  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  ihres  deutschen  Wohnsitzes  und  des  hierdurch  implizierten  deutschen  Arbeitsortes  während  der  Dauer  ihrer  zweiten  Ehe  nicht  erfüllt  gewesen,  weshalb  die  Berechnungsgrundlagen ihrer IV­ resp. AHV­Rente nicht korrigiert werden  könnten. D.   A._______  (nachfolgend  Beschwerdeführerin)  erhob  am  14. Mai  2010  Beschwerde  beim Bundesverwaltungsgericht  und beantragt  sinngemäss  die  Aufhebung  der  Verfügung  der  SAK  (nachfolgend  Vorinstanz)  vom  5. Mai  2010  sowie  die  Neuberechnung  ihrer  AHV­Rente  unter  Anrechnung des von der SAK nicht berücksichtigten Zeitraumes während  der  Zeit  ihrer  zweiten  Ehe  als  Beitragszeit  sowie  in  Anwendung  des  Splittingverfahrens.  Zur  Begründung  führt  sie  aus,  sie  sei  während  der  Zeit  ihrer  zweiten  Ehe  bis  ins  Jahr  1989  keiner  Arbeitstätigkeit  nachgegangen,  sondern  habe  sich  ausschliesslich  um  die  Versorgung  ihrer  Familie  gekümmert  und  sei  demnach  während  dieser  Zeit  durch  ihren  Ehegatten  bei  der  AHV  mitversichert  gewesen.  Es  sei  ihr  unverständlich,  dass  sie  allein  aufgrund  ihres  gemeinsamen  deutschen 

C­3519/2010 Wohnsitzes  anders  behandelt werden  solle  als Ehefrauen, welche  nicht  arbeiteten,  jedoch  gemeinsam  mit  ihren  Ehegatten  in  der  Schweiz  wohnten. E.  In ihrer Vernehmlassung vom 29. Juni 2010 beantragt die Vorinstanz die  Abweisung der Beschwerde, wobei sie in der Begründung ausführt, dass  das Splitting einen Wohnsitz  in der Schweiz oder aber die Zugehörigkeit  zur freiwilligen AHV voraussetze, was bei der Beschwerdeführerin beides  nicht der Fall sei. Daher sei sie  im fraglichen Zeitraum nicht durch  ihren  Ehegatten mitversichert gewesen.  F.  Die  ihr mit  Zwischenverfügung  vom 21.  Juli  2010 eingeräumte Frist  zur  Einreichung  einer  Replik  hat  die  Beschwerdeführerin  unbenutzt  verstreichen lassen. G.  Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  und  die  eingereichten  Akten  wird,  soweit  für  die  Entscheidfindung  erforderlich,  im  Rahmen  der  nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32)  in Verbindung mit  (i.V.m) Art.  33  lit.  d VGG und Art.  85bis  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1946  über  die  Alters­ und Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR 831.10) beurteilt das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  von  Personen  im  Ausland  gegen Verfügungen der Schweizerischen Ausgleichskasse. Es liegt keine  Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig. 1.2. Auf Grund von Art. 3 lit. dbis des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  findet  das  VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungsrechtssachen, soweit das  Bundesgesetz  vom  6.  Oktober  2000  über  den  Allgemeinen  Teil  des  Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. Gemäss Art. 

C­3519/2010 1 Abs. 1 AHVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die im ersten Teil  geregelte Alters­ und Hinterlassenenversicherung anwendbar, soweit das  AHVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. 1.3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  durch  den  angefochtenen  Einspracheentscheid  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  dessen  Aufhebung  oder  Änderung,  so  dass  sie  im  Sinne  von  Art.  59  ATSG beschwerdelegitimiert ist. 1.4. Da die Beschwerde im Übrigen frist­ und formgerecht (Art. 60 Abs. 1  ATSG  und  Art.  52  Abs.  1  VwVG)  eingereicht  wurde,  ist  darauf  einzutreten. 2.  2.1.  In  zeitlicher  Hinsicht  sind  grundsätzlich  diejenigen  materiellen  Rechtssätze  massgebend,  die  bei  der  Erfüllung  des  zu  Rechtsfolgen  führenden Tatbestandes Geltung hatten (BGE 130 V 445, 127 V 467 E. 1,  126 V 136 E. 4b). 2.2.  Die  Beschwerdeführerin  ist  Staatsangehörige  eines  Mitgliedstaates  der Europäischen Gemeinschaft, so dass vorliegend das am 1. Juni 2002  in  Kraft  getretene  Abkommen  vom  21.  Juni  1999  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  einerseits  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  und  ihren  Mitgliedstaaten  andererseits  über  die  Freizügigkeit  (Freizügigkeitsabkommen;  FZA;  SR  0.142.112.681)  anzuwenden  ist,  welches  die  verschiedenen  bis  dahin  geltenden  bilateralen Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft  und  den  einzelnen  Mitgliedstaaten  der  Europäischen  Gemeinschaft  insoweit  ersetzt,  als  darin  derselbe  Sachbereich  geregelt  wird  (Art.  20  FZA). Soweit dieses Abkommen, insbesondere dessen Anhang II, der die  Koordinierung  der  Systeme  der  sozialen  Sicherheit  regelt  (Art.  8  FZA),  keine  abweichenden  Bestimmungen  vorsieht,  ist  mangels  einer  einschlägigen  gemeinschaftsrechtlichen  beziehungsweise  abkommensrechtlichen  Regelung  die  Ausgestaltung  des  Verfahrens  sowie  die  Prüfung  der  Anspruchsvoraussetzungen  und  die  Berechnung  einer  schweizerischen  Altersrente  grundsätzlich  Sache  der  innerstaatlichen Rechtsordnung (BGE 130 V 51 ff.; SVR 2004 AHV Nr. 16  S.  49;  Urteil  des  Bundesgerichts  [BGer]  H  13/05  vom  4.  April  2005,  E. 1.1).  Daraus  folgt,  dass  die  Verwaltung  und  im  Beschwerdefall  das  Gericht  den  Leistungsanspruch  der  Beschwerdeführerin  gemäss  Art.  3 

C­3519/2010 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971  zur  Anwendung  der  Systeme  der  sozialen  Sicherheit  auf  Arbeitnehmer  und  Selbstständige  sowie  deren  Familienangehörige,  die  innerhalb  der  Gemeinschaft  zu­  und  abwandern  (EWG­Verordnung,  SR  0.831.109.268.1)  grundsätzlich  nach  den  für  schweizerische  Staatsangehörige  geltenden  Regeln  zu  beurteilen  haben.  Demnach  bestimmt sich vorliegend der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine  Rente  der  Alters­  und  Hinterlassenenversicherung  (AHV)  nach  dem  internen schweizerischen Recht. 3.   Die  Beschwerdeführerin  macht  vorliegend  geltend,  bei  der  Berechnung  ihrer  AHV­Altersrente  durch  die  SAK  seien  ihr  die  beitragslosen  Jahre  ihrer zweiten Ehe vom 4. März 1977 bis 25. September 1991 zu Unrecht  nicht angerechnet worden. Sie sei während dieser Zeit durch ihren Mann  mitversichert  gewesen,  und es  sei  ihr  unverständlich,  dass ein Ehepaar  mit Wohnsitz  in Deutschland  diesbezüglich  anders  behandelt werde  als  bei einem Wohnsitz in der Schweiz. 3.1.  Die  ordentlichen  Renten  werden  gemäss  Art.  29bis  Abs.  1  AHVG  nach  Massgabe  der  Beitragsjahre,  Erwerbseinkommen  sowie  der  Erziehungs­  oder  Betreuungsgutschriften  der  rentenberechtigten Person  berechnet.  Gemäss  Art.  29quinquies  Abs.  3  AHVG  werden  Einkommen,  welche die Ehegatten während der Kalenderjahre der gemeinsamen Ehe  erzielt haben, geteilt und je zur Hälfte den beiden Ehegatten angerechnet,  falls beide Ehegatten rentenberechtigt sind (lit. a), eine verwitwete Person  Anspruch  auf  eine  Altersrente  hat  (lit.  b)  oder  bei  Auflösung  der  Ehe  durch  Scheidung  (lit.  c).  Einer  derartigen  Einkommensteilung  und  gegenseitigen  Anrechnung  (sogenanntes  Splitting)  unterliegen  indessen  gemäss  Art.  29quinquies  Abs.  4  AHVG  nur  Einkommen  aus  der  Zeit  zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres und dem  31.  Dezember  vor  Eintritt  des  Versicherungsfalles  beim  Ehegatten,  welcher  zuerst  rentenberechtigt  wird  (lit.  a)  sowie  aus  Zeiten,  in  denen  beide  Ehegatten  in  der  schweizerischen  Alters­  und  Hinterlassenenversicherung  versichert  gewesen  sind,  wobei  Art.  29bis  Abs. 2 vorbehalten bleibt  (lit. b), wonach der Bundesrat die Anrechnung  der  Beitragsmonate  im  Jahr  der  Entstehung  des  Rentenanspruchs,  der  Beitragszeiten  vor dem 1.  Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres  sowie der Zusatzjahre  regelt. Zwingende Voraussetzung  für ein Splitting  ist  demnach,  dass  beide  Ehegatten  im  fraglichen  Zeitraum  in  der  AHV  versichert waren. 

C­3519/2010 3.2.  Obligatorisch  versichert  sind  nach  Art.  1a  Abs.  1  AHVG  die  natürlichen Personen mit Wohnsitz in der Schweiz (lit. a), die natürlichen  Personen, die in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben (lit. b) sowie,  unter  gewissen  weiteren  Voraussetzungen,  Schweizer  Bürger,  die  im  Ausland  tätig sind  (lit.  c). Der  freiwilligen Versicherung beitreten können  gemäss Art.  2 Abs.  1 AHVG Schweizer Bürger  sowie Staatsangehörige  der  Mitgliedstaaten  der  Europäischen  Gemeinschaft  oder  der  Europäischen Freihandelsassoziation, die nicht in einem Mitgliedstaat der  Europäischen  Gemeinschaft  oder  der  Europäischen  Freihandelsassoziation  leben,  falls  sie  unmittelbar  vorher  während  mindestens  fünf  aufeinander  folgenden  Jahren  obligatorisch  versichert  waren. 3.3.  Aufgrund  ihres  im  Ausland  befindlichen  Wohnsitzes  zählte  die  Beschwerdeführerin  während  des  Zeitraumes  ihrer  zweiten  Ehe,  in  welchem  sie  keiner  Erwerbstätigkeit  nachgegangen  ist,  nicht  zum Kreis  der nach Art. 1a AHVG obligatorisch Versicherten. Eine Zugehörigkeit zur  freiwilligen Versicherung lag im fraglichen Zeitraum nicht vor und wäre im  Übrigen  vorliegend  aufgrund  der  Tatsache,  dass  die  Bundesrepublik  Deutschland Mitgliedstaat der Europäischen Union  ist  und dies auch  im  fraglichen  Zeitraum  war,  im  Falle  der  Beschwerdeführerin  auch  nicht  möglich  gewesen.  Daher  ist  zu  konstatieren,  dass  die  Beschwerdeführerin im Zeitraum von April 1977 bis und mit Oktober 1989  nicht  bei  der  AHV  versichert  war,  weshalb  für  diesen  Zeitraum  ein  Splitting nicht möglich ist. 3.4.  Die  Argumentation  der  Beschwerdeführerin,  sie  sei  im  fraglichen  Zeitraum  durch  ihren  damaligen  Ehegatten  B._______  beitragsfrei  mitversichert  gewesen,  geht  fehl,  kann  doch  Art.  3  Abs.  3  lit.  a  AHVG,  welcher  bestimmt,  dass  bei  nichterwerbstätigen  Ehegatten  von  erwerbstätigen  Versicherten  die  eigenen  Beiträge  als  bezahlt  gelten,  sofern  der  Ehegatte  Beiträge  von  mindestens  der  doppelten  Höhe  des  Mindestbeitrages  bezahlt  hat,  einzig  auf  bei  der  AHV  Versicherte  und  damit  gemäss  Art.  3a  Abs.  1  AHVG  beitragspflichtige  Personen  zur  Anwendung kommen.  3.5.  Zusammenfassend  ist  demnach  festzuhalten,  dass  die  SAK  die  Altersrente  der  Beschwerdeführerin  korrekt  berechnet  hat.  Die  angefochtene  Verfügung  ist  somit  zu  bestätigen  und  die  Beschwerde  abzuweisen.

C­3519/2010 4.  Das Verfahren ist für die Parteien kostenlos (Art. 85bis Abs. 2 AHVG), so  dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind. Die  unterliegende  Beschwerdeführerin  hat  keinen  Anspruch  auf  eine  Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben  und  es  wird  keine  Parteientschädigung zugesprochen. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben mit Rückschein) – die Vorinstanz (Ref­Nr. […]; Gerichtsurkunde) – das Bundesamt für Sozialversicherungen BSV (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Philippe Weissenberger Michael Müller Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der 

C­3519/2010 angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

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