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Bundesverwaltungsgericht 19.08.2011 C-3473/2010

19 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,369 parole·~12 min·1

Riassunto

nach Auflösung der Familiengemeinschaft | Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung sowie Wegweisung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­3473/2010 Urteil   v om   1 9 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richterin Marianne Teuscher, Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer. Parteien A._______, vertreten durch Dr. iur. Alex Hediger, Advokat, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung sowie Wegweisung.

C­3473/2010 Sachverhalt: A.  Am  13.  November  2001  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  (geb.  1967,  serbische  Staatsangehörige)  um  Bewilligung  der  Einreise  zu  Besuchszwecken.  Das  Gesuch  wurde  am  18.  Dezember  2001  vom  Bundesamt für Ausländerfragen (BFA, heute: BFM) gutgeheissen. Am 22.  März 2003  reiste die Beschwerdeführerin erneut  in die Schweiz ein, um  ihre Eltern zu besuchen. Die Gültigkeit des Visums wurde auf Gesuch hin  bis zum 21. Juni 2003 verlängert. Am 2. Mai 2003 reichten ihre Eltern ein  Gesuch  um  Aufenthaltsbewilligung  für  sie  ein,  das  am  1.  Juli  2003  erstinstanzlich abgewiesen wurde. Am 25. September 2003 ersuchte die  Beschwerdeführerin erneut um Bewilligung der Einreise. Dieses Gesuch  wurde  angesichts  des  nach  wie  vor  hängigen  Gesuchs  um  Aufenthaltsbewilligung vom Bundesamt für Zuwanderung, Integration und  Auswanderung (IMES, heute BFM) mit Verfügung vom 30. Oktober 2003  abgewiesen. B.  Die  Beschwerdeführerin  heiratete  am  10.  November  2003  im  Ausland  einen  Landsmann  (geb.  1963),  der  in  der  Schweiz  über  eine  Aufenthaltsbewilligung verfügte, woraufhin sie am 17. November 2003 um  Bewilligung  der  Einreise  ersuchte.  Am  18.  November  2003  stellte  ihr  Ehemann im Kanton Basel­Stadt ein Familiennachzugsgesuch. Nachdem  er sich im Kanton Solothurn angemeldet hatte, wurde dieses Gesuch am  27.  Dezember  2004  abgeschrieben.  Am  21.  März  2005  ersuchte  der  Ehemann  bei  der  Migrationsbehörde  des  Kantons  Solothurn  um  Familiennachzug  für  seine  Ehefrau  und  die  gemeinsame  Tochter  (geb.  2004). C.  Mit  Schreiben  vom  19.  Mai  2005  teilte  die  Migrationsbehörde  des  Kantons  Solothurn  dem  Ehemann  mit,  sie  erwäge  das  Familiennachzugsgesuch abzulehnen. Es handle sich um die vierte Ehe  innert  kurzer  Zeit,  so  dass  der  Verdacht  des  Rechtsmissbrauchs  naheliege: Die ersten beiden Ehen hätten es  ihm ermöglicht, sich  in der  Schweiz  aufzuhalten.  Für  die  dritte  Ehefrau  habe  er  ein  Familiennachzugsgesuch  eingereicht,  das  er  dann  aber  zurückgezogen  habe. Ein halbes Jahr nach der Scheidung von der dritten Ehefrau habe  er  die  Beschwerdeführerin  geheiratet.  Zudem  erkundigte  sich  die  Migrationsbehörde  nach  den  Umständen,  die  es  notwendig  gemacht 

C­3473/2010 hätten,  dass  die  beiden  Söhne  der  Beschwerdeführerin  aus  erster  Ehe  bei ihren Grosseltern in der Schweiz lebten. In seiner Stellungnahme vom  15.  Juni  2005  wies  der  Ehemann  den  Vorwurf  des  Rechtsmissbrauchs  zurück  und  äusserte  sich  nicht  zu  den  Gründen,  die  es  notwendig  gemacht  hätten,  die  beiden  Kinder  aus  erster  Ehe  der  Beschwerdeführerin  durch  deren  Eltern  in  der  Schweiz  betreuen  zu  lassen. D.  Am  29.  Juni  2005  teilte  die  solothurnische  Migrationsbehörde  dem  Ehemann mit,  dass  dem  Familiennachzugsgesuch  entsprochen  werden  könne und die zuständige Auslandvertretung ermächtigt worden sei, der  Beschwerdeführerin  ein  Visum  auszustellen.  Daraufhin  reiste  die  Beschwerdeführerin  am 6.  Juli  2005  zusammen mit  ihrer Tochter  in  die  Schweiz  ein  und erhielt  eine Aufenthaltsbewilligung,  die  zuletzt  bis  zum  30. Juni 2008 verlängert wurde. Dem Ehemann wurde am 19. Juli 2006  eine Niederlassungsbewilligung  erteilt,  in  die  die  Tochter  des  Ehepaars  miteingeschlossen wurde. E.  Am  1.  April  2008  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  um  Erlaubnis,  im  Kanton Basel­Stadt Wohnsitz zu nehmen (Kantonswechsel). Am 13. Mai  2008  teilte  der Ehemann der Migrationsbehörde  des Kantons Solothurn  mit, dass die Beschwerdeführerin ihn zusammen mit ihrer Tochter am 11.  Februar 2008 verlassen habe und nach Basel gezogen sei. Er äusserte  den Verdacht, dass die Beschwerdeführerin  ihn nur geheiratet habe, um  in die Schweiz kommen zu können. Als Gründe nannte er unter anderen,  dass  ihre Eltern und die Söhne aus erster Ehe  in Basel  lebten, dass sie  sich bereits früher in der Schweiz aufgehalten habe und die Schweiz mit  "Zwangsmethoden" verlassen habe. F.  Mit  Verfügung  vom  24.  Juli  2008  verfügte  der  Amtsgerichtspräsident  Olten­Gösgen  betreffend  Eheschutz  unter  anderem,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Ehemann  berechtigt  seien,  den  gemeinsamen Haushalt aufzuheben, und stellte ferner fest, dass sie seit  dem 11. Februar 2008 getrennt lebten. Die gemeinsame Tochter stellte er  unter die elterliche Obhut der Mutter. G.  Mit  Verfügung  vom  3.  November  2008  wurde  das  Gesuch  der 

C­3473/2010 Beschwerdeführerin um Kantonswechsel vom Migrationsamt des Kantons  Basel­Stadt  abgewiesen.  Gegen  diese  Verfügung  erhob  die  Beschwerdeführerin Rekurs. Dieser wurde Entscheid  vom 31. Mai  2010  abgewiesen und erwuchs in Rechtskraft. H.  Am  2.  Februar  2009  gewährte  die  Migrationsbehörde  des  Kantons  Solothurn der Beschwerdeführerin  rechtliches Gehör  im Hinblick auf die  Verlängerung der am 30. Juni 2008 abgelaufenen Aufenthaltsbewilligung.  Mit  Schreiben  vom  24.  Februar  2009  nahm  die  Beschwerdeführerin  Stellung  und  ersuchte  gleichzeitig  formell  um  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung. Mit Verfügung vom 25. Juni 2009 erklärte sich die  Migrationsbehörde  des  Kantons  Solothurn  bereit,  die  Aufenthaltsbewilligung  der  Beschwerdeführerin  gestützt  auf  Art.  8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) zu verlängern. Vorbehalten wurde  die Zustimmung des BFM. I.  Am 26. Juni 2009 ersuchte die Migrationsbehörde des Kantons Solothurn  das  BFM  um  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  der Beschwerdeführerin. J.  Mit  Schreiben  vom  27.  Juli  2009  teilte  die  Vorinstanz  der  Beschwerdeführerin mit, sie erwäge die Zustimmung zu verweigern, und  räumte  ihr  die Möglichkeit  zur  Stellungnahme  ein.  Am  17. August  2009  teilte  die  Beschwerdeführerin  der  Vorinstanz  mit,  ihres  Erachtens  habe  sie Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 50  Abs.  1  Bst.  a  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20).  Jedenfalls  habe  sie  gute  Gründe  gehabt,  das  Getrenntleben  aufzunehmen.  Ihr  Ehemann  habe  sie  insbesondere  in  psychischer  Hinsicht  misshandelt;  sie  sei  gedemütigt  und  in  ihrer  Menschenwürde  verletzt  worden.  Sie  habe  im  Frühjahr 2008 keinen anderen Ausweg gesehen, als mit ihrer Tochter zu  ihren Eltern und zu  ihren beiden Söhnen nach Basel zu  fliehen. Bislang  sei  in  der  Schweiz  kein  Scheidungsverfahren  eingeleitet  worden,  es  könne daher nicht beurteilt werden, ob die Ehe endgültig gescheitert sei.  Müsste  sie  die  Schweiz  verlassen,  könnte  der  Kontakt  zwischen  ihrem  Ehemann  und  der  gemeinsamen  Tochter  nicht  so  intensiv  gepflegt  werden.  Sie  sei  in  der  Schweiz  integriert,  ihr  ganzes  soziales  Netz – 

C­3473/2010 Eltern  und  erwachsene  Söhne  aus  erster  Ehe  –  befinde  sich  in  der  Schweiz. In Serbien habe sie keine Verwandten mehr und wäre völlig auf  sich allein gestellt.  In finanzieller Hinsicht sei sie unabhängig; sie könnte  jederzeit  eine  Stelle  antreten,  sofern  ihre  Aufenthaltsbewilligung  verlängert werde. K.  Mit  Verfügung  vom  9.  April  2010  verweigerte  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  der  Beschwerdeführerin und wies sie aus der Schweiz weg. Sie begründete  dies  im  Wesentlichen  damit,  dass  seit  der  gerichtlich  festgestellten  Trennung per 11. Februar 2008 weder aufgrund von Art. 43 oder Art. 50  AuG noch aufgrund von Art. 8 EMRK ein Anspruch auf Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung  bestehe.  Zudem  sei  die  Verweigerung  der  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  als  verhältnismässig anzusehen. Als Folge davon sei die Beschwerdeführerin  aus  der  Schweiz  wegzuweisen.  Hinderungsgründe  für  den  Vollzug  der  Wegweisung verneinte die Vorinstanz. L.  Gegen  diese  Verfügung  erhob  der  Rechtsvertreter  namens  seiner  Mandantin  am  14.  Mai  2010  Beschwerde.  Darin  beantragt  er  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wird  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersucht.  Zur Begründung  führt der Rechtsvertreter zunächst an, seine Mandantin  habe  aufgrund  von  Art.  43  AuG  in  Verbindung  mit  Art.  49  AuG  einen  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  Sie  habe  am  10. November  2003  geheiratet.  Bisher  sei  in  der  Schweiz  kein  Scheidungsverfahren  eingeleitet  worden,  obwohl  sie  sich  per  Mitte  Februar  2008  von  ihrem Ehemann  getrennt  habe. Weiter  bestehe  auch  ein Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung aufgrund von  Art. 50 AuG, da die Ehegemeinschaft mehr als drei Jahre gedauert habe  und  eine  erfolgreiche  Integration  bestehe.  Ferner  stehe  der  Beschwerdeführerin  auch  aufgrund  von  Art.  8  EMRK  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  zu,  da  die  Tochter  über  eine  Niederlassungsbewilligung  und  somit  über  ein  gefestigtes  Anwesenheitsrecht  verfüge.  Da  die  Beziehung  der  Tochter  zu  beiden  Elternteilen  und  insbesondere  diejenige  zum  nicht  obhutsberechtigten  Vater in affektiver und wirtschaftlicher Hinsicht als eng anzusehen sei, sei 

C­3473/2010 diese  Beziehung  zu  schützen  und  als  wichtiger  persönlicher  Grund  zu  betrachten. Diese Beziehung könnte nicht mehr aufrecht erhalten werden,  würde  die  Beschwerdeführerin,  und  damit  auch  ihre  Tochter,  aus  der  Schweiz weggewiesen. M.  Mit Verfügung vom 13. Juli 2010 wies das Bundeverwaltungsgericht das  Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab. N.  Mit  Vernehmlassung  vom  7.  September  2010  beantragt  die  Vorinstanz  die Abweisung  der Beschwerde. Mit Hinweis  auf  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  führt  sie  ergänzend  zur  Begründung  in  der  angefochtenen Verfügung aus, dass das Aufenthaltsrecht gemäss Art. 43  AuG  dahinfällt,  sobald  die  Ehegatten  nicht  mehr  zusammenwohnen.  Einzige Ausnahmen seien Art. 49 und Art. 50 AuG, deren Anforderungen  im vorliegenden Fall  jedoch nicht  erfüllt  seien. Der Grad der  Integration  sei bei der Ausübung des Ermessens bzw. bei der Berücksichtigung der  öffentlichen  Interessen  und  der  persönlichen Verhältnisse  im Sinne  von  Art.  96  AuG  zu  berücksichtigen.  Im  Rahmen  der  Prüfung  des  Rechtsanspruchs  auf  Verlängerung  im  Sinne  von  Art.  50  AuG  könne  daher die Frage offen bleiben, ob eine erfolgreiche  Integration  im Sinne  von Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG vorliege. O.  In seiner Replik vom 22. November 2010 hält der Rechtsvertreter an den  gestellten Anträgen fest. Nach Auffassung der Beschwerdeführerin stehe  ihr sowohl gestützt auf Art. 43 AuG als auch gestützt auf Art. 50 AuG in  Verbindung  mit  Art.  8  EMRK  ein  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung zu. Zudem sei bei korrekter Ermessensausübung  gemäss Art. 96 AuG die Aufenthaltsbewilligung ebenfalls zu verlängern. P.  Der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  teilte  dem  Migrationsamt  des  Kantons Basel­Stadt mit Schreiben vom 11. März 2011 mit, dass die Ehe  durch ein serbisches Gericht am 6. Oktober 2010 geschieden worden sei. Q.  Mit  Schreiben  vom  12.  Mai  2011  gab  das  Migrationsamt  des  Kantons  Basel­Stadt der Beschwerdeführerin Gelegenheit, sich dazu zu äussern,  dass  sie  trotz  der  rechtskräftigen  Abweisung  ihres  Gesuches  um 

C­3473/2010 Kantonswechsel  nach wie  vor  im  Kanton  Basel­Stadt  wohnhaft  sei  und  ihre  Tochter  dort  seit  dem  10.  August  2009  zur  Schule  gehe.  In  ihrer  Antwort  vom  13.  Mai  2011  anerkannte  die  Beschwerdeführerin  ihren  rechtswidrigen Aufenthalt im Kanton Basel­Stadt. Sie erklärte ihn mit den  grossen  Schwierigkeiten  in  der  Ehe.  Sie  habe  die  Nähe  ihrer  Familie  gesucht, um die Situation im Interesse ihrer kleinen Tochter durchstehen  zu können. R.  Antragsgemäss  zog  das  Bundesverwaltungsgericht  neben  den  vorin­ stanzlichen  Akten  auch  diejenigen  der  Kantone  Solothurn  und  Basel­ Stadt bei. Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  entscheiderheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht (BVGer) unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember 1968  (VwVG, SR 172.021), die von einer  in Art. 33 VGG  aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen Verfügungen des  BFM  betreffend  Zustimmung  zur  Erteilung  bzw.  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  und  betreffend  Wegweisung.  Das  BVGer  entscheidet  endgültig,  soweit  nicht  die  Beschwerde  in  öffentlich­ rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  offen  steht  (vgl.  Art. 83  Bst.  c  Ziff.  2  und  4  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem BVGer nach  dem VwVG, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. 1.3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  als  Verfügungsadressatin  zur  Beschwerde  legitimiert  (vgl.  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (vgl. Art. 49 ff.  VwVG).

C­3473/2010 2.  Mit  Beschwerde  an  das  BVGer  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die Unangemessenheit  gerügt werden  (Art.  49  VwVG).  Das  BVGer  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht von Amtes wegen an. Es  ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts­ und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BVGE  2007/41  E. 2  und Urteil des BVGer A­2682/2007 vom 7. Oktober 2010 E. 1.2. und 1.3). 3.  Die  Beschwerdeführerin  stellt  in  der  Beschwerdeschrift  verschiedene  Beweisanträge  (Beizug  kantonaler  Akten  und  Akten  des  Eheschutzverfahrens  sowie  Parteibefragung).  Das  BVGer  zog,  wie  bereits  erwähnt,  neben  den  Akten  der  Vorinstanz  die  die  Beschwerdeführerin  betreffenden  Akten  der  Kantone  Solothurn  und  Basel­Stadt bei. Hingegen verzichtete es auf den Beizug der Akten des  Eheschutzverfahrens, da die vorliegend rechtserheblichen Tatsachen aus  der als Beschwerdebeilage 9 eingereichten Verfügung vom 24. Juli 2008  bzw.  den  kantonalen  Akten  hervorgehen.  Was  den  Antrag  auf  Parteibefragung  anbelangt,  so  ist  festzuhalten,  dass  das  Beschwerdeverfahren  grundsätzlich  schriftlich  geführt  wird  (vgl.  CHRISTOPH  AUER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich  2008,  Rz. 34  zu  Art. 12,  mit  Hinweisen;  PATRICK  L.  KRAUSKOPF/KATRIN  EMMENEGGER,  in:  Praxiskommentar  VwVG,  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.],  Zürich  2009,  Art. 12  N 105).  Die  Beschwerdeführerin  hatte  im  Laufe des Beschwerdeverfahrens zweimal Gelegenheit, sich schriftlich zu  äussern,  letztmals  am  22.  November  2010.  Es  ist  daher  davon  auszugehen,  dass  sie  sich  zu  den  entscheiderheblichen  Tatsachen  im  Rahmen  dieser  Eingaben  umfassend  geäussert  hat  und  so  ihrer  Mitwirkungspflicht nachgekommen ist (vgl. Art. 12 VwVG). Der Antrag auf  Parteibefragung ist deshalb abzuweisen. 4.  Gemäss  Art.  40  AuG  sind  die  Kantone  zuständig  für  die  Erteilung  und  Verlängerung  von  Bewilligungen.  Vorbehalten  bleibt  jedoch  die 

C­3473/2010 Zustimmung durch  das BFM. Diese  stützt  sich  im  vorliegenden Fall  auf  Art. 99 AuG, Art. 85 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201)  sowie die Weisungen des BFM im Ausländerbereich (Stand: 1. Juli 2009,  im  Internet  einsehbar  unter:  www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  rechtliche  Grundlage  >  Weisungen  und  Kreisschreiben  >  I.  Ausländerbereich > 1. Verfahren und Zuständigkeiten). Letztere sehen in  Ziffer 1.3.1.4 Bst. e vor, dass die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung  nach  der  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem  schweizerischen  oder  ausländischen  Ehegatten  oder  nach  dessen  Tod  dem  BFM  zur  Zustimmung  zu  unterbreiten  ist,  falls  die  betroffene  ausländische  Person  nicht  aus  einem Mitgliedstaat  der  EFTA  oder  der  EG stammt. 5.  5.1.  Gemäss  Art.  43  Abs.  1  AuG  haben  ausländische  Ehegatten  von  Personen  mit  Niederlassungsbewilligung  Anspruch  auf  Erteilung  und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung,  wenn  sie  mit  diesen  zusammenwohnen.  Vom  Erfordernis  des  Zusammenwohnens  kann  gemäss Art.  49  AuG  abgesehen werden,  wenn  für  getrennte Wohnorte  wichtige  Gründe  geltend  gemacht  werden  und  die  Familien­  bzw.  Ehegemeinschaft  weiter  besteht.  Als  wichtige  Gründe  können  insbesondere  berufliche  Verpflichtungen  oder  eine  vorübergehende  Trennung  wegen  erheblicher  familiärer  Probleme  gelten  (vgl.  Art.  76  VZAE). Erhebliche familiäre Probleme sind beispielsweise dann gegeben,  wenn ein  vorübergehender Aufenthalt  in einem Frauenhaus erfolgt oder  wenn  ein  Ehegatte  zeitweise  aus  der  gemeinsamen  Wohnung  weggewiesen wird  (vgl. ESTER S. AMSTUTZ  in: Caroni/Gächter/Thurnherr  [Hrsg.],  Stämpflis  Handkommentar  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer,  Bern  2010,  Art.  49  N 25,  MARC  SPESCHA/HANSPETER THÜR/ANDREAS ZÜND/PETER BOLZLI, Migrationsrecht,  2.  Aufl.,  Zürich  2009,  AuG 49  N. 3;  AMSTUTZ,  a.a.O.,  Art.  49  N. 20 f.).  Entscheidend  ist  jedoch  bei  all  diesen  Gründen,  dass  die  eheliche  Gemeinschaft weiter besteht, d.h. dass die Beziehung tatsächlich gelebt  wird  und die  beiden Ehegatten  den Willen  zur Gemeinschaft  haben,  an  den Bestand der Ehe glauben und an ihr festhalten (vgl. AMSTUTZ, a.a.O.,  Art. 49 N 29). 5.2. Nach Auflösung der Ehe oder Familiengemeinschaft – mitgemeint ist  auch die eheliche Gemeinschaft – besteht der Anspruch auf Erteilung und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  u.a.  nach  Art.  43  Abs.  1  AuG 

C­3473/2010 weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat  und eine erfolgreiche Integration besteht (vgl. Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG)  oder wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt  in der  Schweiz erforderlich machen (vgl. Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG). 6.  Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann wohnen unbestrittenermassen  seit  dem  11.  Februar  2008  nicht  mehr  zusammen.  Die  Beschwerdeführerin kann sich deshalb nicht mehr auf Art. 43 Abs. 1 AuG  berufen. Aufgrund der Umstände kann nicht davon ausgegangen werden  – und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht begründet dargelegt –,  dass  Art.  49  AuG  zur  Anwendung  kommt.  Es  gibt  insbesondere  keine  Hinweise  darauf,  dass  die  getrennten  Wohnsitze  Ausdruck  vorübergehender  Schwierigkeiten  wären.  Aufgrund  der  Probleme,  die  sich anhand der Akten  zeigen – gravierende Unstimmigkeiten  zwischen  den Ehegatten, auch bezüglich des gemeinsamen Kindes, Trennung seit  mehr als drei Jahren –  ist nicht davon auszugehen, dass die Ehegatten  nach wie vor den Willen zur Weiterführung der Ehe hatten. Der von der  Beschwerdeführerin mehrfach vorgebrachte Einwand, in der Schweiz sei  bisher kein Scheidungsbegehren eingereicht worden, ist durch die am 6.  Oktober 2010 in Serbien erfolgte Scheidung obsolet geworden. 7.  Zu prüfen  ist hingegen, ob der Anspruch nach Art. 43 Abs. 1 AuG nach  Auflösung  der  ehelichen Hausgemeinschaft  bzw.  der Ehe  aufgrund  von  Art. 50 Abs.  1 AuG weiterbesteht. Die Vorinstanz  verneinte dies  sowohl  unter  dem  Aspekt  von  Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG  als  auch  unter  demjenigen von Art.  50 Abs.  1 Bst.  b AuG, den sie  insbesondere unter  Berücksichtigung von Art. 8 EMRK beurteilte. 7.1.  Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  die  Vorinstanz  sei  zu  Unrecht  davon  ausgegangen,  die  eheliche  Gemeinschaft  habe  weniger  als  drei  Jahre  gedauert.  Da  diese  von  der  Eheschliessung  am  10.  November  2003  bis  zur  gerichtlich  festgestellten  Trennung  per  11.  Februar  2008  gedauert  habe,  sei  davon  auszugehen,  dass  das  Erfordernis einer dreijährigen ehelichen Gemeinschaft (vgl. Art. 50 Abs. 1  Bst. a AuG) erfüllt sei. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Nicht die Dauer der Ehe ist  ausschlaggebend,  sondern  der  Zeitraum,  den  das Ehepaar  in  ehelicher  Gemeinschaft  in  der  Schweiz  zusammengewohnt  hat  (vgl.  BGE  136  II 

C­3473/2010 113  E. 3.3  mit  Hinweisen,  bestätigt  in  BGE  2C_784/2010  vom  26.  Mai  2011 E 3.1.3). Das eheliche Zusammenwohnen dauerte im vorliegenden  Fall  somit  längstens  zwei  Jahre  und  rund  sieben  Monate  (von  der  Einreise  der  Beschwerdeführerin  am  6. Juli  2005  bis  zur  gerichtlich  festgestellten  Trennung  der  Ehegatten  per  11. Februar  2008).  Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  findet  daher  im  vorliegenden  Fall  keine  Anwendung.  Im  Rahmen  dieser  Bestimmung  kommt  es  daher  auf  die  behauptete  Integration – die ein kumulativ zu erfüllendes Kriterium wäre – nicht mehr  an.  7.2. Gemäss Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG besteht der Anspruch unabhängig  von der bisherigen Dauer der ehelichen Gemeinschaft auch nach deren  Auflösung  weiter,  wenn  wichtige  persönliche  Gründe  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich  machen.  Wichtige  persönliche  Gründe  können  namentlich  vorliegen,  wenn  der  betreffende  Ehegatte  Opfer  häuslicher Gewalt  wurde  und  die  soziale Wiedereingliederung  im  Herkunftsland stark gefährdet erscheint  (vgl. Art. 50 Abs. 2 AuG), wobei  diese beiden Bedingungen nicht kumulativ erfüllt sein müssen (vgl. BGE  136  II 1  E.  5.3).  Anspruchsbegründend  können  aber  auch  sonstige  wichtige persönliche Gründe sein, da Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG bewusst  auf  eine  abschliessende Aufzählung  der Gründe  verzichtet.  Auch  die  in  Art. 31  Abs. 1  VZAE  genannten,  aber  nicht  erschöpfenden  Kriterien  können  für  die  Beurteilung  eines  Härtefalls  herangezogen  werden  (vgl.  BGE 2C_784/2010 vom 26. Mai 2011 E. 3.2.3, BGE 137 II 1 E. 4.1). 7.2.1.  Im  Zusammenhang  mit  den  in  Art.  50  Abs.  2  AuG  aufgeführten  Beispielen  für  wichtige  persönliche  Gründe  machte  die  Beschwerdeführerin einerseits im Beschwerdeverfahren im Kanton Basel­ Stadt  in  Sachen  Verweigerung  des  Kantonswechsels  geltend,  Opfer  physischer  Gewalt  und  des  ehewidrigen  Verhaltens  des  Ehemannes  geworden zu sein  (vgl. Rekursschrift vom 8. Januar 2009). Andererseits  führte  sie  gegenüber  der  Vorinstanz  aus,  in  psychischer Hinsicht Opfer  häuslicher  Gewalt  geworden  zu  sein.  Die  Vorinstanz  hat  sich  in  der  angefochtenen Verfügung mit diesen Vorbringen auseinandergesetzt und  sie  als  unglaubwürdig  erachtet.  Auf  Beschwerdeebene  greift  die  Beschwerdeführerin dieses Thema nicht wieder auf. Allerdings beschreibt  sie  die Umstände des  ehelichen Zusammenlebens  ausführlich  in  einem  Schreiben  vom  13. Mai  2011  an  die  Migrationsbehörde  des  Kantons  Basel­Stadt.  Die  dort  geschilderten  Verhältnisse  erscheinen  allerdings  nicht  so  schwerwiegend,  dass  sich  daraus  die  Unzumutbarkeit  der  Weiterführung der ehelichen Gemeinschaft ergeben könnte und deshalb 

C­3473/2010 von einem wichtiger Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 Bst. b und Abs. 2  AuG auszugehen wäre (vgl. BGE 136 II 5 E. 5.3). 7.2.2.  Im  Hinblick  auf  den  zweiten  in  Art.  50  Abs.  2  AuG  genannten  möglichen  wichtigen  Grund,  die  starke  Gefährdung  der  sozialen  Wiedereingliederung im Herkunftsland, kam die Vorinstanz zum Schluss,  dass eine derartige Gefahr nicht drohe. Die Beschwerdeführerin sei noch  nicht sehr lange in der Schweiz, habe in ihrem Heimatland die prägenden  Kindheits­  und  Jugendjahre  verbracht  und  die  Landessprache  sei  ihre  Muttersprache.  Sie  könne  sich  deshalb  ohne  Weiteres  dort  wieder  integrieren. Ferner  sei  sie gesund und könne aufgrund  ihrer  beruflichen  Erfahrung  selbst  in  einem  Land  mit  schwierigen  wirtschaftlichen  Bedingungen Fuss fassen. Zudem stünden ihr auch nach ihrer Rückkehr  die monatlichen Zahlungen ihres Ehemannes in der Höhe von Fr. 1'850.­  zur  Verfügung.  Es  sei  nicht  glaubhaft,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  ihrem  Heimatland  über  kein  soziales  Netz  verfüge,  das  sie  nach  ihrer  Rückkehr unterstützen könne. Schliesslich habe sie bis zu  ihrer Einreise  in die Schweiz als alleinerziehende Mutter dort gelebt, zu einer Zeit, als  ihre Eltern und Söhne aus erster Ehe bereits in der Schweiz lebten. Auf  Beschwerdeebene  geht  die  Beschwerdeführerin  auf  die  Argumentation der Vorinstanz nicht substantiiert ein. Sie beschränkt sich  darauf  zu wiederholen,  dass  ihr  soziales Netz  –  Eltern  und  ihre  beiden  erwachsenen  Söhne  –  sich  in  der  Schweiz  befinde,  wohingegen  sie  in  Serbien  keinerlei Kontakte mehr pflege. Damit  kann sie die eingehende  und überzeugende Argumentation der Vorinstanz nicht entkräften. 7.2.3.  Im  Rahmen  von  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  sind  den  Interessen  gemeinsamer Kinder Rechnung  zu  tragen,  soweit  eine  enge Beziehung  zu ihnen besteht und sie in der Schweiz gut integriert scheinen (vgl. BGE  2C_784/2010  vom  26.  Mai  2011  E. 3.2.2  am  Ende;  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_830/2010  vom  10.  Juni  2011  E. 3.1.3 mit  Hinweis).  Die  Tochter  der  Beschwerdeführerin  steht  unter  deren  elterlicher Obhut  und  verfügt  über  eine Niederlassungsbewilligung.  Es  stellt  sich  deshalb  die Frage  des  sogenannten  "umgekehrten Familiennachzugs",  dem das  Bundesgericht  in  seiner  jüngeren Rechtsprechung  in  Bezug  auf  die mit  dem  Bürgerrecht  verbundenen  Ansprüche  von  Schweizer  Kindern  grösseres Gewicht beigemessen hat. Allerdings hat das Bundesgericht es  kürzlich  abgelehnt,  diese  Praxis  auf  aufenthaltsberechtigte  oder  niedergelassene  ausländische  Kinder  auszudehnen  (vgl.  BGE  2C_328/2010  vom  19. Mai  2011  E. 4.2  mit  Hinweisen;  Urteil  des 

C­3473/2010 Bundesgerichts 2C_830/2010 vom 10. Juni 2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen).  Handelt  es  sich  nicht  um  ein  Kind  mit  Schweizer  Bürgerrecht,  genügt  deshalb  die Zumutbarkeit  der Ausreise  des Kindes  für  einen Entscheid,  der dem sorge­ bzw. obhutsberechtigten Elternteil den weiteren Verbleib  in  der  Schweiz  verweigert.  Die  Möglichkeit  der  Ausübung  des  Besuchsrechts  des  in  der  Schweiz  anwesenheitsberechtigten  anderen  Elternteils  ist  dabei  sachgerecht  mitzuberücksichtigen  (vgl.  BGE  2C_328/2010 vom 19. Mai 2011 E. 4.2.3 mit Hinweisen). 7.2.4. Die Tochter der Beschwerdeführerin ist mittlerweile sechs Jahre alt  und  wurde  offenbar  für  das  Schuljahr  2011/2012  eingeschult.  Erfahrungsgemäss sind Kinder in diesem Alter  in ihrer Lebensgestaltung  noch  weitgehend  von  ihren  Bezugspersonen,  vorliegend  also  in  erster  Linie von der obhutsberechtigten Mutter, abhängig und haben sich noch  kein  eigenständiges  Lebensumfeld  gebildet.  Es  ist  deshalb  davon  auszugehen,  dass  die  Tochter  über  die  Beziehung  zu  ihrer  erweiterten  Familie  (Mutter,  Grosseltern,  Halbgeschwister)  und  dem  Besuchsrecht  des Vaters hinaus noch über keine schutzwürdigen Beziehungen verfügt.  Insofern ist es ihr ohne Weiteres zuzumuten, die Schweiz zusammen mit  ihrer Mutter zu verlassen, auch wenn hier auch noch ihre Grosseltern und  die erwachsenen (Halb­)Brüder leben.  7.2.5. Die Beziehung zwischen Tochter und Vater kann vorliegend nicht  als  besonders  eng  angesehen  werden.  Zum  Einen  leben  sie  seit  der  Trennung der Eltern  im Jahre 2008 nicht mehr  in Familiengemeinschaft.  Zum  Anderen  hat  es  offenbar  Probleme  mit  der  Ausübung  des  Besuchsrechts  gegeben,  so  dass  dieses  eine  Zeitlang  nur  begleitet  ausgeübt  werden  konnte  (vgl.  Schreiben  der  Beschwerdeführerin  vom  24. Februar 2009 an die Migrationsbehörde des Kantons Solothurn). Am  29. Juli  2009  wurde  mit  Hilfe  der  Abteilung  Kindes­  und  Jugendschutz  eine Vereinbarung getroffen, die wöchentliche Besuche von acht Stunden  vorsah.  Ferner  wurden  die  Eltern  darin  befugt,  "je  nach  Reaktion  [des  Kindes]  […]  individuelle  Lösungen  einer  Wiederannäherung  alleiniger  Unternehmungen zwischen der Tochter und dem Vater zu beschliessen,  insbesondere eine mögliche Verkürzung der allein verbrachten Zeit oder  der  Fortsetzung  einer  (teilweisen)  Begleitung  durch  die Mutter."  Zudem  kam  der  Vater  offenbar  seiner  Verpflichtung  zur  Zahlung  von  Unterhaltsbeiträgen auch nicht anstandslos nach, da diese mittels eines  Lohnabzugs  gesichert  werden  mussten,  wie  aus  der  Verfügung  des  Amtsgerichtspräsidenten Olten­Gösgen vom 13. Januar 2009 hervorgeht.  Unter  diesen  Umständen  erscheint  es  für  die  Tochter  keineswegs 

C­3473/2010 unzumutbar,  die  Schweiz  zusammen mit  ihrer Mutter  zu  verlassen  und  die Beziehung zu ihrem Vater vom Ausland her zu pflegen. 7.3.  Auch  der  Beizug  der  weiteren  Kriterien  zur  Beurteilung  des  Vorliegens  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalles,  wie  sie  in  Art. 31 Abs. 1 VZAE beispielhaft aufgeführt sind, führt zu keinem anderen  Schluss.  Insbesondere  hat  die  Beschwerdeführerin  zu  Klagen  Anlass  gegeben (vgl. Art. 31 Abs. 1 Bst. a und b VZAE), indem sie sich nicht an  die  behördliche  Anweisung  gehalten  hat,  den  Kanton  Basel­Stadt  zu  verlassen  und  in  den Kanton Solothurn  zurückzukehren  (vgl.  Schreiben  des  Migrationsamts  Basel­Stadt  vom  12.  Mai  2011  [Gewährung  rechtliches Gehör] und die Antwort der Beschwerdeführerin vom 13. Mai  2011).  Was  ihre  Integration  in  wirtschaftlicher  und  sozialer  Hinsicht  anbelangt,  so  entspricht  diese  dem,  was  normalerweise  nach  einem  Aufenthalt  von  rund  sechs  Jahren  und  unter  Berücksichtigung  der  Erziehungsarbeit zu erwarten ist, geht aber nicht darüber hinaus (vgl. Art.  31  Abs.  1  Bst.  a  und  d  VZAE).  Die Dauer  des  Aufenthalts  ist  nicht  als  besonders  lang  anzusehen  (vgl.  Art.  31  Abs. 1  Bst.  e  VZAE),  und  der  Gesundheitszustand  der  Beschwerdeführerin  steht  einer  Rückkehr  ins  Heimatland nicht entgegen (vgl. Art. 31 Abs. 1 Bst. f VZAE). 7.4. Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzuhalten, dass  die Beschwerdeführerin sich nicht auf besondere Gründe gemäss Art. 50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  berufen  kann,  die  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz erforderlich machen. 8.  Die  Beschwerdeführerin  beruft  sich  schliesslich  ausdrücklich  auf  Art.  8  EMRK, der den Schutz des Familien­ und Privatlebens garantiert. Soweit  sie  sich  dabei  auf  ihre  Beziehung  zu  ihrer  Tochter,  die  über  eine  Niederlassungsbewilligung  verfügt,  beruft,  ist  auf  die  ausführlichen  Erwägungen  weiter  oben  zu  verweisen  (E.  7.2.3  –  7.2.5).  Mit  Blick  auf  den  Teilbereich  des  Privatlebens  ist  den  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  zu  entnehmen,  dass  sich  ihr  gesamtes  soziales  Beziehungsnetz  in  der  Schweiz  befindet  und  sie  angeblich  in  Serbien  über  keine  Kontakte mehr  verfügt. Gemäss  der Rechtsprechung  bedarf  es  jedoch  besonders  intensiver,  über  eine  normale  Integration  hinausgehender  privater  Bindungen  gesellschaftlicher  oder  beruflicher  Natur, damit der Schutzbereich des Privatlebens betroffen  ist (vgl. die  in  BGE  137  II  1  nicht  veröffentlichte  E. 5  des  Urteils  des  Bundesgerichts  2C_411/2010  vom  9.  November  2010  mit  Hinweisen).  Im  vorliegenden 

C­3473/2010 Fall sind keine solch intensiven Beziehungen der Beschwerdeführerin zur  Schweiz ersichtlich (vgl. dazu die Ausführungen oben, insb. E. 7.3). 9.  Die Beschwerdeführerin besitzt somit keinen Anspruch auf Verlängerung  der Aufenthaltsbewilligung,  sei  es  gestützt  auf  Landesrecht  (vgl. Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG  [dreijährige  eheliche  Hausgemeinschaft  und  erfolgreiche  Integration]  oder  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  [wichtige  persönliche Gründe]) oder auf  internationales Recht  (vgl. Art.  8 EMRK).  Dafür, dass die Vorinstanz innerhalb des Beurteilungsspielraums der Art.  18  –  30  AuG  einen  fehlerhaften  Ermessensentscheid  getroffen  haben  könnte,  bestehen  keine  Anhaltspunkte;  insbesondere  wäre  in  diesem  Rahmen  auch  keine  Härtefallregelung  nach  Art.  30  Abs.  1  Bst.  b  in  Betracht  gekommen.  Dass  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zur  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert hat, ist daher nicht zu  beanstanden. 10.  10.1.  Als  gesetzliche  Folge  der  nicht  mehr  verlängerten  Aufenthaltsbewilligung  hat  die  Beschwerdeführerin  die  Schweiz  zu  verlassen  (vgl. Art.  64 Abs. 1 Bst.  c AuG). Es bleibt aber zu prüfen, ob  Hinderungsgründe  für  den  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegen  und  das  BFM die vorläufige Aufnahme hätte anordnen müssen (vgl. Art. 83 Abs. 1  AuG).  10.2. Der Vollzug ist nicht möglich, wenn die ausländische Person weder  in den Heimat­ oder den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausreisen  oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG); der Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise der ausländischen Person in den Heimat­, Herkunfts­ oder in  einen Drittstaat entgegenstehen  (Art.  83 Abs. 3 AuG); der Vollzug kann  für  die  betroffene  ausländische  Person  unzumutbar  sein,  wenn  sie  in  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage im Heimat­ oder Herkunftsland konkret gefährdet ist (Art. 83 Abs.  4 AuG). 10.3. Umstände, die den Vollzug der Wegweisung unmöglich, unzulässig  oder  unzumutbar  erscheinen  liessen,  werden  weder  konkret  geltend  gemacht, noch sind solche aus den Akten ersichtlich.

C­3473/2010 11.  Aus  diesen  Darlegungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  im  Ergebnis  nicht  zu  beanstanden  ist.  Die  Beschwerde  ist  daher  abzuweisen. 12.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  der  Beschwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1  ff.  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). (Dispositiv S. 16)

C­3473/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt. Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die  Vorinstanz  (gegen  Empfangsbestätigung;  Akten  Ref­Nr.  […]  zurück) – das Migrationsamt des Kantons Basel­Stadt (Akten zurück) – den Kanton Solothurn, Migration und Schweizer Ausweise (Akten Ref­ Nr. […] zurück) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Kradolfer

C­3473/2010 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-3473/2010 — Bundesverwaltungsgericht 19.08.2011 C-3473/2010 — Swissrulings