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Bundesverwaltungsgericht 08.08.2011 C-2804/2009

8 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,780 parole·~9 min·1

Riassunto

nach Auflösung der Familiengemeinschaft | Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­2804/2009 Urteil   v om   8 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richter Antonio Imoberdorf, Gerichtsschreiber Lorenz Noli. Parteien X._______, vertreten durch lic.iur. Rahel Beyeler, Rechtsanwältin, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung.

C­2804/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  1984  geborener  kambodschanischer  Staatsangehöriger,  verheiratete  sich  am  9.  Dezember  2004  in  Kambodscha  mit  einer  Schweizer  Bürgerin.  Ende  November  2005  gelangte er im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz und erhielt  im Kanton Y._______ eine Aufenthaltsbewilligung. Diese wurde letztmals  bis Ende November 2008 verlängert. B.  Im Oktober 2007 meldete  sich der Beschwerdeführer am gemeinsamen  ehelichen  Wohnsitz  ab  und  alleine  in  der  Stadt  Q._______  an.  Auf  Nachfrage  der  städtischen  Migrationsbehörde  bestätigte  er  in  einem  Schreiben  vom  13. Dezember  2007  die  Trennung  von  seiner  Ehefrau,  beurteilte diese Situation aber als nur vorübergehend.  C.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  auf  eine  ein  Jahr  später  an  ihn  gerichtete Rückfrage  zu  erkennen  gab,  dass  die  Trennung  anhalte  und  eine  Scheidung  beabsichtigt  werde,  unterbreitete  die  städtische  Migrationsbehörde der Vorinstanz am 27. Januar 2009 einen Antrag auf  Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung.  D.  Mit  Schreiben  vom  25.  Februar  2009  teilte  die  Vorinstanz  dem  Beschwerdeführer  mit,  dass  erwogen  werde,  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung  zu  verweigern  und  ihn  aus  der Schweiz wegzuweisen. Der Beschwerdeführer  nahm dazu  in  einem  Schreiben vom 19. März 2009 Stellung. E.  Mit  Verfügung  vom  27. März 2009  verweigerte  die  Vorinstanz  ihre  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und wies  den  Beschwerdeführer  unter  Ansetzung  einer  Ausreisefrist  aus  der  Schweiz  weg. F.  Dagegen  gelangte  der  Beschwerdeführer mit  einer  Rechtsmitteleingabe  vom  30. April 2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht.  Er  beantragt,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben  und  die  Zustimmung  zur  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung  sei  zu erteilen. Eventualiter  sei 

C­2804/2009 die  Verfügung  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz zurückzuweisen.  G.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  15. Juli 2009  schliesst  die  Vorinstanz  auf  Abweisung  der  Beschwerde.  Der  Beschwerdeführer  verzichtete  auf  die  Einreichung einer Replik, hingegen gelangte einer seiner Arbeitgeber mit  einem  undatierten  Unterstützungsschreiben  (Postaufgabe:  01.10.09)  direkt an das Bundesverwaltungsgericht.  H.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  15.  April  2011  lud  das  Bundesverwaltungsgericht  den Beschwerdeführer  ein,  allfällige  seit  dem  letzten  Schriftenwechsel  eingetretene  Sachverhaltsänderungen  in  das  Verfahren einzubringen. Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer  mit einer Eingabe vom 30. Mai 2011 nach und liess unter anderem darauf  hinweisen, dass die Ehe anfangs 2010 gerichtlich geschieden worden sei.  I.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  entscheidrelevant,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  sowie  Art.  33  Bst.  d  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32). Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig,  soweit  nicht  die  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  offen  steht  (vgl.  Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  und  4  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR  172.021), soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt  (Art. 37 VGG). 

C­2804/2009 1.3. Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  zur  Beschwerde  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  im  Übrigen  frist­  und  formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 49 ff. VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. Urteil  des  Bundesgerichts  2A.451/2002  vom  28.  März  2003  E.  1.2,  nicht  publiziert in: BGE 129 II 215). 3.  3.1.  Am  1.  Januar  2008  traten  das  Bundesgesetz  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  und  seine Ausführungsverordnungen in Kraft – unter anderem die Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE, SR 142.201). Entsprechend der  intertemporalen Ordnung  in Art.  126  AuG  ist  das  neue  Verfahrensrecht  auf  alle  Verfahren  anwendbar  (Abs.  2),  das  neue  materielle  Recht  hingegen  nur  auf  solche,  die  zum  Zeitpunkt des Inkrafttretens nicht bereits rechtshängig waren (Abs. 1; vgl.  dazu BVGE 2008/1 E. 2 mit Hinweisen). 3.2.  Dem  Verfahren  liegt  die  Eingabe  des  Beschwerdeführers  vom  7.  Oktober  2008  zu  Grunde,  mit  der  er  um  Verlängerung  seiner  kurz  vor  dem  Ablauf  stehenden  Aufenthaltsbewilligung  ersuchte.  Die  Streitsache  untersteht deshalb auch materiellrechtlich dem neuen Recht.  4.  4.1. Gemäss Art. 40 AuG sind die Kantone zuständig für die Erteilung und  Verlängerung von Bewilligungen. Vorbehalten bleibt die Zuständigkeit des  Bundes  im  Zustimmungsverfahren,  zu  dessen  Ausgestaltung  der  Bundesrat in Art. 99 AuG ermächtigt wird. 

C­2804/2009 4.2. Die  Notwendigkeit  der  Zustimmung  durch  das  BFM  ergibt  sich  im  Falle  des  Beschwerdeführers  aus  Art.  85  Abs.  1  Bst.  a  VZAE  in  Verbindung  mit  Ziffer  1.3.1.4  Bst.  e  der  Weisungen  des  BFM  im  Ausländerbereich in der Fassung vom 1. Juli 2009 (online abrufbar unter:  www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  Rechtliche  Grundlagen  >  Weisungen und Kreisschreiben > I. Ausländerbereich > 1 Verfahren und  Zuständigkeiten). Danach ist die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung  einer  Ausländerin  oder  eines  Ausländers  nach Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem  schweizerischen  oder  ausländischen  Ehegatten  oder nach dessen Tod, falls die Ausländerin oder der Ausländer nicht aus  einem  Mitgliedstaat  der  EG  oder  der  EFTA  stammt,  dem  BFM  zur  Zustimmung zu unterbreiten. Nichts anderes galt im Übrigen bereits unter  der  Herrschaft  des  alten  Rechts  (vgl.  statt  vieler  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­195/2008 vom 25. Mai 2011 E. 4.1). 4.3.  Das  BFM  kann  die  Zustimmung  verweigern,  den  kantonalen  Entscheid  einschränken  oder mit  Bedingungen  verbinden  (Art.  99  AuG,  Art.  86  Abs.  1  VZAE).  Es  verweigert  seine  Zustimmung  unter  anderem  dann, wenn die Zulassungsvoraussetzungen nicht oder nicht mehr erfüllt  sind (Art. 86 Abs. 2 Bst. a und Bst. c Ziff. 2 VZAE). 5.  5.1. Der  Beschwerdeführer  beanstandet  in  formeller  Hinsicht,  dass  die  Vorinstanz  in  ihrer  Verfügung  keine  stichhaltigen  Gründe  für  die  Verweigerung der Zustimmung angebe. Öffentliche Interessen, die gegen  eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung  sprechen  könnten, mache  sie  überhaupt  nicht  geltend  und  die  persönlichen Verhältnisse  bzw.  der  Grad seiner  Integration  seien nicht berücksichtigt worden. Damit  sei die  Vorinstanz  ihrer  Begründungspflicht  nicht  hinreichend  nachgekommen  und habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. 5.2. Der  in  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999  (BV, SR 101)  garantierte  und  in  Art.  26  ff.  VwVG  für  das  Bundesverwaltungsverfahren  konkretisierte  Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst unter anderem die Pflicht der  Behörde,  ihre  Verfügung  zu  begründen  (Art.  35  Abs.  1  VwVG).  Die  Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene die Verfügung  sachgerecht  anfechten  kann.  Dies  ist  nur möglich,  wenn  sowohl  er  wie  auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides ein  Bild  machen  können.  In  diesem  Sinne  müssen  wenigstens  kurz  die  Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde  leiten  liess 

C­2804/2009 und auf welche sie  ihren Entscheid stützt. Das bedeutet  indessen nicht,  dass  sich  die  Behörde  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung und  jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen müsste.  Vielmehr  kann  sie  sich  auf  die  für  den  Entscheid  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken.  Die  Behörde  hat  demnach  in  der  Begründung  ihres  Entscheides  diejenigen  Argumente  aufzuführen,  die  tatsächlich  ihrem Entscheid zugrunde  liegen  (BGE 133  III 439 E. 3.3 S.  445; BGE 130 II 530 E. 4.3 S. 540; BGE 129 I 232 E. 3.2 C­3586/2007 S.  236; vgl. auch LORENZ KNEUBÜHLER, Die Begründungspflicht, Bern 1998,  S. 22 ff.). 5.3.  Der  Beurteilungsmassstab,  den  die  Vorinstanz  ihrer  Verfügung  zugrunde legt, wird zwar nicht in abstrakter Weise festgehalten. Aus dem  Gesamtzusammenhang der Begründung geht jedoch hinreichend hervor,  dass und weshalb die Vorinstanz einen Anspruch des Beschwerdeführers  auf Verlängerung  der Aufenthaltsbewilligung  gestützt  auf Art.  50 Abs.  1  Bst.  a  und  b  AuG  verneinte  und  eine  Wegweisung  und  deren  Vollzug  anordnete. Dabei  hat  sie  unter  anderem explizit  festgehalten,  dass  sich  die  bisherige  Integration  im  üblichen  Rahmen  bewege  und  nicht  als  wichtiger  Grund  für  einen  weiteren  Verbleib  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  betrachtet  werden  könne.  Mit  dieser  und  anderen  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  hat  die  Vorinstanz  den  Anforderungen  an  die  Begründungspflicht  Genüge  getan,  sodass  der  entsprechenden Rüge nicht gefolgt werden kann. 6.  Der  entscheidserhebliche  Sachverhalt  erschliesst  sich,  wie  nachfolgend  zu  zeigen  sein  wird,  in  genügender  Weise  aus  den  Akten.  Von  Beweiserhebungen, die der Beschwerdeführer nicht weiter begründet auf  Rechtsmittelebene  beantragt  (Parteibefragung  und  Zeugeneinvernahme  des  Arbeitgebers),  kann  in  antizipierter  Beweiswürdigung  ohne  Verletzung des rechtlichen Gehörs abgesehen werden (vgl. Art. 33 Abs. 1  VwVG; BGE 131 I 153 E. 3 S. 157 mit Hinweisen; statt mehrerer anderer  vgl.  auch Urteil  des Bundesgerichts 1C_460/2008  vom 3. Februar  2009  E. 3). 7.  7.1.  Gemäss  Art.  42  Abs.  1  AuG  haben  ausländische  Ehegatten  von  Schweizer  Bürgern  einen Anspruch  auf  Erteilung  und Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung,  wenn  sie  mit  diesen  zusammenwohnen.  Nach  einem  ordnungsgemässen  und  ununterbrochenen  Aufenthalt  von  fünf 

C­2804/2009 Jahren  erwerben  sie  einen  Anspruch  auf  Erteilung  der  Niederlassungsbewilligung (Art. 42 Abs. 3 AuG). Der Fortbestand dieser  Bewilligung hängt hernach nicht mehr vom Zusammenleben der Eheleute  ab (vgl. Art. 34 Abs. 1 AuG; Urteil des Bundesgerichts 2C_241/2009 vom  23. September 2009 E.  3). Das Erfordernis  des Zusammenlebens nach  Art. 42 Abs. 1 AuG besteht nicht, wenn für getrennte Wohnorte wichtige  Gründe  geltend  gemacht werden  und  die  familiäre Gemeinschaft weiter  besteht  (Art.  49  AuG).  Der  Anspruch  aus  Art.  42  Abs.  1  AuG  erlischt,  wenn  er  rechtsmissbräuchlich  geltend  gemacht  wird,  namentlich  um  Vorschriften dieses Gesetzes und seiner Ausführungsbestimmungen über  die  Zulassung  und  den  Aufenthalt  zu  umgehen  (Art.  51  Abs.  1  Bst.  a  AuG). 7.2. Es ist soweit unbestritten, dass sich die Ehegatten im Oktober 2007  trennten  und  dafür  keine  wichtigen  Gründe  im  Sinne  von  Art.  49  AuG  geltend  machen  konnten.  Folglich  bestand  nach  diesem  Zeitpunkt  kein  Anspruch mehr auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gestützt auf  Art. 42 Abs. 1 AuG. Fällt eine weitere Regelung des Aufenthaltes gestützt  auf Art. 42 AuG wegen Aufgabe des Familienlebens dahin, so kann sich  ein solcher Anspruch aus Art. 50 AuG ergeben. 8.  8.1.  Der  Beschwerdeführer  macht  in  seiner  Rechtmitteleingabe  vom  30. April 2009 unter Berufung auf seine zu diesem Zeitpunkt formell noch  bestandene  Ehe  geltend,  er  erfülle  die  zeitlichen  Voraussetzungen,  die  gemäss  Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG  einen  Anspruch  auf  Verlängerung  seiner Aufenthaltsbewilligung vermittelten. Anrechenbar sei entgegen der  Auffassung  der  Vorinstanz  nicht  nur  die  Zeit,  während  der  die  eheliche  Gemeinschaft  in der Schweiz ausländerrechtlich geregelt und tatsächlich  gelebt worden  sei,  sondern  die  ganze Dauer  einer  formell  bestehenden  Ehe.  8.2.  Der  Rechtsauffassung  des  Beschwerdeführers  kann  nicht  beigepflichtet  werden.  Nach  Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG  besteht  ein  Anspruch  des  Ehegatten  auf  Erteilung  und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art.  42  AuG  weiter,  wenn  die  Ehegemeinschaft  mindestens  drei  Jahre  bestanden  hat  und  eine  erfolgreiche  Integration  vorliegt.  Anrechenbar  an  die  gesetzliche  Mindestdauer der Ehegemeinschaft  ist dabei grundsätzlich nur diejenige  Zeit,  die  die  Ehegatten  in  ehelicher  Hausgemeinschaft  in  der  Schweiz  verbracht haben (vgl. BGE 136 II 113 E. 3.3 S. 117 f.).

C­2804/2009 8.3.  Die  im  Dezember  2004  im  Ausland  geschlossene  Ehe  des  Beschwerdeführers  mit  einer  Schweizer  Bürgerin  dauerte  bis  zu  ihrer  Scheidung im Januar 2010 zwar länger als fünf Jahre. Allerdings gelangte  der Beschwerdeführer  erst  im November  2005  zu  seiner Ehefrau  in  die  Schweiz  und  wurde  auf  diesen  Termin  hin  ausländerrechtlich  geregelt.  Zudem trennten sich die Ehegatten bereits im Oktober 2007 definitiv und  ohne dass wichtige Gründe im Sinne von Art. 49 AuG von der Pflicht zum  Zusammenleben  hätten  dispensieren  können.  Ein  Anspruch  auf  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 Bst. a  AuG  ist  deshalb  zu  verneinen,  ohne  dass  zur  Integration  des  Beschwerdeführers Stellung genommen werden müsste (vgl. dazu Urteil  des Bundesgerichts 2C_195/2010 vom 23. Juni 2010 E. 5.2). 9.  9.1.  Ein  Anspruch  auf  Erteilung  und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 AuG besteht gemäss Art. 50 Abs. 1  Bst. b AuG sodann, wenn "wichtige persönliche Gründe" einen weiteren  Aufenthalt  in der Schweiz "erforderlich" machen. Solche Gründe können  gemäss Art. 50 Abs. 2 AuG namentlich vorliegen, wenn der ausländische  Ehegatte  Opfer  ehelicher  Gewalt  wurde  und  die  soziale  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  stark  gefährdet  erscheint  (vgl.  BGE 136 II 1 E. 5.3 S. 4). Mit der offenen Umschreibung des Tatbestands  durch  die  unbestimmten  Rechtsbegriffe  des  "wichtigen  persönlichen  Grundes" und der  "Erforderlichkeit" des weiteren Aufenthalts öffnete der  Gesetzgeber den rechtsanwendenden Behörden Gestaltungsspielräume,  die  im  Rahmen  seiner  Vorgaben  zwecks  Realisierung  einer  individualisierenden  Fallgerechtigkeit  zu  konkretisieren  sind  (MARTINA  CARONI, in: AuG­Handkommentar, Art. 50 N. 23 mit Hinweisen). 9.2.    Die  Regelung  in  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  bezweckt,  schwerwiegende Härtefälle zu vermeiden, die sich aus dem Verlust eines  Aufenthaltsrechts nach Auflösung der Ehegemeinschaft ergeben können  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3753 Ziff. 1.3.7.5). Massgebend  sind die konkreten Umstände des Einzelfalles. Entscheidend ist, ob diese  Umstände eine Lebenslage konstituieren, die einen weiteren Aufenthalt in  der  Schweiz  erforderlich  macht.  Davon  kann  nicht  schon  dann  ausgegangen  werden,  wenn  ein  Leben  in  der  Schweiz  einfacher  wäre  und bevorzugt würde. Dem Betroffenen müssen vielmehr Konsequenzen  von erheblicher Intensität drohen, wäre er gezwungen, den Aufenthalt  in  der  Schweiz  abzubrechen  und  in  sein  Herkunftsland  zurückzukehren 

C­2804/2009 (Urteil des Bundesgerichts 2C_781/2010 vom 16. Februar 2011 E. 2.2).  Die Rückkehr  in das Herkunftsland  ist daher zumutbar und ein wichtiger  persönlicher  Grund  im  Sinne  des  Gesetzes  nicht  gegeben,  wenn  der  Aufenthalt  in  der  Schweiz  nur  kürzere  Zeit  gedauert  hat,  keine  engen  Beziehungen  zur  Schweiz  geknüpft  wurden  und  die  erneute  Integration  im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt  (BBl 2002 3754 Ziff.  1.3.7.6). 9.3.  Nach  dem  Gesetz  und  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  kann  sich  ein  wichtiger  persönlicher  Grund  namentlich  bei  ehelicher  Gewalterfahrung  und/oder  stark  gefährdeter  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland ergeben (BGE 136 II 1 E. 5 S. 3 ff.). Als weitere mögliche  Anwendungsfälle  nennt  die  Botschaft  beispielhaft  den  Tod  des  Ehepartners  (vgl.  hierzu  grundlegend  BGE  137  II  1  E.  3.1  S.  3  ff.  mit  Hinweisen),  die  Existenz  gemeinsamer  Kinder,  zu  denen  eine  enge  Beziehung besteht und die  in der Schweiz gut  integriert  sind,  sowie die  Umstände, die zur Auflösung der Ehe geführt haben (BBl 2002 3754 Ziff.  1.3.7.6).  Die  in  Art.  31  Abs.  1  VZAE  beispielhaft  aufgeführten  Gesichtspunkte,  die  der  Rechtsprechung  zum  schwerwiegenden  persönlichen Härtefall nach Art. 13 Bst. f der Verordnung vom 6. Oktober  1986 über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (BVO, AS 1986 1791)  entstammen  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_216/2009  vom  20.  August  2009 E. 2.2), können bei der Beurteilung ebenfalls eine wesentliche Rolle  spielen.  Es  handelt  sich  hierbei  um  den  Grad  der  Integration,  die  Respektierung  der  Rechtsordnung,  die  familiären  und  wirtschaftlichen  Verhältnisse,  die  Dauer  der  Anwesenheit  in  der  Schweiz  und  den  Gesundheitszustand (BGE 137 II 1 E. 4.1 S. 7 f.). 10.  10.1. Im Zusammenhang mit seiner Ehe resp. deren Auflösung sind beim  Beschwerdeführer keine Besonderheiten zu erkennen, die es unter dem  Begriff  des  wichtigen  persönlichen  Grundes  speziell  zu  berücksichtigen  gälte. Die eheliche Gemeinschaft in der Schweiz dauerte nur knapp zwei  Jahre. Die Beziehung blieb kinderlos und Gewalt war offensichtlich nicht  im Spiel. 10.2.  Der  Beschwerdeführer  beruft  sich  in  seinen  Eingaben  auf  eine  seiner  Auffassung  nach  weit  fortgeschrittene  berufliche  und  soziale  Integration. Seit Juni 2006 arbeitet er als Service­Aushilfe  im Restaurant  eines Altersheims; anfänglich drei bis  sechs Stunden pro Woche, heute  offenbar  30  bis  40%  eines  Vollpensums.  Daneben  erbringt  er  seit 

C­2804/2009 November  2006  etwa  60%  als  Aushilfskraft  bei  der  Firma  Z._______.  Letzterer Arbeitgeber hat dem Beschwerdeführer nach dessen Trennung  von der Ehefrau eine Unterkunft besorgt und  ihm Weiterbildung  in Form  von Sprach­ und Computerkursen ermöglicht. Der Beschwerdeführer wird  von  seinen  Arbeitgebern,  von  Mitarbeitenden  und  Pensionären  des  Altersheims  gleichsam  als  einfühlsam,  sympathisch  und  zuverlässig  bezeichnet. Er verdiene mit seinen beiden Arbeitsstellen zwischen 3'500  und 3'900 Franken netto pro Monat, sei  immer wirtschaftlich selbständig  und  nie  auf  Sozialhilfe  angewiesen  gewesen.  Schliesslich  betont  einer  der Arbeitgeber, der Geschäftsführer der Firma Z._______, noch speziell  seine  Interessen  daran,  die  Dienste  des  Beschwerdeführers  im  Betrieb  auch weiterhin in Anspruch nehmen zu können. In Bezug auf die soziale  Integration  in  der  Schweiz  wird  in  der  abschliessenden  Stellungnahme  einerseits auf die Wohnverhältnisse  (bestehende Wohngemeinschaft mit  dem  Vater  des  Geschäftsführers  der  Firma  Z._______,  dem  er  im  Haushalt  zur  Hand  geht  und  den  er  auch  sonst  begleitet)  und  andererseits auf bestehende enge Kontakte zu Schweizer Bürgern sowie  auf ein grosses, verlässliches Beziehungsnetz verwiesen, ohne allerdings  näher darauf einzugehen. Der  Beschwerdeführer  hat  zweifellos  in  der  Vergangenheit  Anstrengungen  unternommen,  um  sich  hier  in  der  Schweiz  eine  wirtschaftliche  Existenz  und  ein  soziales  Umfeld  aufbauen  zu  können.  Das  scheint  ihm  soweit  auch  geglückt  zu  sein.  Er  gilt  offenbar  als  konstanter,  von  seinem Umfeld  geachteter Arbeitnehmer,  hat  bei  einem  seiner  Arbeitgeber  familiären  Anschluss  gefunden  und  sich  auch  um  Weiterbildung  bemüht.  In  diesen  Verhältnissen  sind  aber  keine  ausserordentlichen  Umstände  zu  erblicken,  die  eine  Rückkehr  ins  Heimatland  als  unzumutbar  erscheinen  lassen  und  den  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  geradezu  gebieten  würden.  Eine  besonders  enge  Beziehung  zur  Schweiz  im  Sinne  kultureller  und  sozialer  Betätigungen wird zwar behauptet, jedoch nicht weiter offen gelegt.  10.3.  Der  Beschwerdeführer  macht  weiter  geltend,  dass  seine  Wiedereingliederung  im  Heimatland  stark  gefährdet  wäre.  Während  er  dazu in seiner Beschwerde nur gerade vermerken liess, seine Existenz in  Kambodscha  wäre  nicht  gesichert,  machte  er  in  der  abschliessenden  Eingabe vom 30. Mai 2011 geltend, eine Rückkehr in die Heimat wäre für  ihn  "nur sehr schwer zu bewältigen". Die Kontakte seien über die Jahre  abgebrochen  und  er  stünde  sowohl  in  wirtschaftlicher  wie  auch  in  persönlicher Hinsicht vor dem gänzlichen Neubeginn. Auch habe er sich 

C­2804/2009 derart stark an die hiesigen Lebensformen und Bräuche gewöhnt, dass er  sich in der kambodschanischen Kultur nicht mehr zurechtfinden würde.  Der  pauschale  Einwand  vermag  nicht  zu  überzeugen:  Der  Beschwerdeführer  ist  in  Kambodscha  geboren,  aufgewachsen  und  war  vor  seinem  Wegzug  in  die  Schweiz  dort  auch  berufstätig  ("guide  francophone").  Er  hat  seine  Heimat  nicht  etwa  unter  dem  Druck  wirtschaftlicher  oder  politischer  Unzulänglichkeiten,  sondern  als  Folge  seiner Heirat mit einer Schweizer Bürgerin verlassen. Entsprechend kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  dort  ein  familiäres,  soziales  und  berufliches Umfeld  zurückgelassen  hat. Dass  unter  solchen Umständen  in  einem  Zeitraum  von  knapp  sechs  Jahren  alle  sozialen  Bindungen  verloren gegangen sein sollen,  ist unwahrscheinlich. Selbst wenn davon  ausgegangen  werden  müsste,  dass  der  Beschwerdeführer  solche  Beziehungen  seit  seiner  Abreise  aus  Kambodscha  nicht  mehr  gepflegt  hat  – was  an  sich  schon  erklärungsbedürftig  wäre  –  könnte  nicht  ohne  Weiteres  angenommen  werden,  dass  sie  nicht  wieder  reaktivierbar  wären. Zur Existenz von Familienangehörigen im Heimatland hat sich der  Beschwerdeführer  bezeichnenderweise  überhaupt  nicht  geäussert  und  gerade  Werte,  wie  die  von  ihm  selbst  im  Zusammenhang  mit  der  Integration  in  der  Schweiz  betonte  Beständigkeit  am  Arbeitsplatz,  aber  auch  berufliche  Erfahrungen  und  neu  erworbene  Sprachkenntnisse  dürften  ihm  bei  einer  Rückkehr  nach  Kambodscha  zu  einer  vergleichsweise guten Ausgangslage verhelfen. 11.  Nach  dem bisher Gesagten  kann  der Beschwerdeführer weder  gestützt  auf Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG noch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG  einen  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  geltend  machen.  Die  Verweigerung  der  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung ist demnach nicht zu beanstanden.  12.  Aus  der  Rechtmässigkeit  der  Zustimmungsverweigerung  folgt  ohne  Weiteres  die  Rechtmässigkeit  der  Wegweisung  aus  der  Schweiz  (vgl.  Art. 64  Abs. 1  Bst.  c  AuG  in  der  Fassung  gemäss  Art.  2  Zif.  1  des  Bundesbeschlusses  vom  18.  Juni  2010  betreffend  die  Übernahme  der  EG­Rückführungsrichtlinie [Richtlinie 2008/115/EG], in Kraft seit 1. Januar  2011,  der  dem  zeitgleich  aufgehobenen  Art.  66  Abs.  1  AuG  in  der  Fassung vom 16. Dezember 2005 [AS 2007 5437] entspricht). Es bliebe  zu prüfen, ob dem Wegweisungsvollzug Hindernisse im Sinne von Art. 83 

C­2804/2009 AuG  entgegenstehen.  Da  solche  jedoch  weder  in  nachvollziehbarer  Weise geltend gemacht werden noch sich aus den Akten ergeben, ist die  angefochtene  Verfügung  auch  unter  diesem  Gesichtspunkt  zu  Recht  ergangen.  13.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt;  sie  ist  auch  angemessen  (Art.  49 VwVG). Die  Beschwerde ist daher abzuweisen. 14.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art.  1, 2 und 3  Bst.  b  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv S. 13

C­2804/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 700.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Beilage Dossier ZEMIS […]) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Lorenz Noli Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden,  sofern  die  Voraussetzungen  gemäss  den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005  (BGG,  SR  173.110)  gegeben  sind.  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die Begehren,  deren Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-2804/2009 — Bundesverwaltungsgericht 08.08.2011 C-2804/2009 — Swissrulings