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Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 C-2771/2010

3 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,691 parole·~13 min·1

Riassunto

Einreiseverbot | Einreiseverbot

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­2771/2010 Urteil   v om   3 .   Februar   2012 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richterin Marianne Teuscher,    Gerichtsschreiberin Viviane Eggenberger. Parteien X._______,  vertreten durch Rechtsanwalt Philippe A. Grumbach,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Einreiseverbot.

C­2771/2010 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin  (geb.  1959)  ist  philippinische  Staatsangehörige  und  lebt  in  Saudi­Arabien,  wo  sie  als  Betreuerin  von  A._______,  einer  betagten  saudi­arabischen  Staatsbürgerin,  tätig  ist.  Auf  Einladung  von  deren  hierzulande  ansässigen  Bekannten  Y._______  hin  (einer  Schweizer  Bürgerin  saudi­arabischen  Ursprungs)  reiste  sie  am  23. Februar  2009  in  die Schweiz  ein. Am 18. Februar  2009 war  ihr  von  der Schweizer Vertretung in Jeddah, Saudi­Arabien, ein Einreisevisum für  die  Schengen­Staaten  im Hinblick  auf  einen  Aufenthalt  zu  touristischen  Zwecken  von  bis  zu  90  Tagen  im  Zeitraum  zwischen  dem  18. Februar  und dem 7. Juli 2009 ausgestellt worden. Vom 23. Februar bis zum 15. April 2009 hielt sich die Beschwerdeführerin  bei  Y._______  in  der  Schweiz  auf,  ab  diesem Datum  bis  zum  28. Juni  2009  in Frankreich. An diesem Tag reiste sie erneut  in die Schweiz ein,  um  mit  einem  (am  gleichen  Tag  gehenden)  Flug  ab  dem  Flughafen  Zürich­Kloten  nach  Saudi­Arabien  zurückzureisen.  Anlässlich  der  Grenzkontrolle wurde sie von der Flughafenpolizei angehalten und wegen  rechtswidrigen  Aufenthalts  bzw.  Überschreitens  der  Dauer  des  bewilligungsfreien Aufenthalts gemäss dem ausgestellten Visum verzeigt.  Gleichzeitig wurde ihr das rechtliche Gehör im Hinblick auf eine allfällige  Verhängung einer Fernhaltemassnahme gewährt. B.  Gestützt  auf  diesen  Sachverhalt  wurde  die  Beschwerdeführerin  mit  Strafverfügung  des  Statthalteramts  Bülach  vom  24. Juli  2009  wegen  Verstosses  gegen  Art. 115  Abs. 1  Bst. b  i.V.m.  Abs. 3  des  Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) aufgrund  rechtswidrigen  Verweilens  im  Lande  bis  30  Tage  nach  Ablauf  des  bewilligten  Aufenthalts  verurteilt  und  mit  einer  Busse  von  Fr. 350.­  bestraft. C.  Daraufhin  verfügte  das  BFM  am  1. September  2009  gegenüber  der  Beschwerdeführerin ein Einreiseverbot für die Dauer von drei Jahren. Zur  Begründung  führte  es  unter Bezugnahme auf Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG  (seit  dem  1. Januar  2011:  Art. 67  Abs. 2  Bst. a  AuG;  zur  damaligen  Fassung vgl. AS 2007 5437) aus, die Beschwerdeführerin habe aufgrund  ihres  rechtswidrigen  Aufenthalts  von  mehr  als  30  Tagen  im  Schengenraum (sogenannter "Overstay") gegen die öffentliche Sicherheit 

C­2771/2010 und Ordnung verstossen bzw. diese gefährdet. Aus denselben Gründen  wurde  gleichzeitig  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  gestützt  auf  Art. 55  Abs. 2  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021)  die  aufschiebende  Wirkung  entzogen. Diese  Verfügung  wurde  der  Beschwerdeführerin  am  20. März  2010  eröffnet. D.  Mit Rechtsmitteleingabe  vom 21. April  2010 hat  die Beschwerdeführerin  gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  mit  dem  Antrag  auf  Aufhebung  sowie  – in  prozessualer  Hinsicht –  auf  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde.  Zunächst  rügt  sie  eine  Verletzung  ihres  Anspruchs  auf  rechtliches Gehör: Weder sei sie von der Verfahrenseröffnung in Kenntnis  gesetzt worden, noch habe sie Gelegenheit erhalten, sich zur in Aussicht  genommenen  Verhängung  einer  Fernhaltemassnahme  zu  äussern.  Im  weiteren macht sie geltend, sie habe sich nicht vorsätzlich rechtswidrig im  Schengenraum  aufgehalten.  Sie  sei  (mit  dem  ihr  am  18. Januar  [recte:  Februar]  2009  von  der  Schweizer  Vertretung  ausgestellten  Schengen­ Visum  für  einen  maximal  90­tägigen  Aufenthalt)  am  23. Januar  (recte:  Februar)  2009  in  die  Schweiz  eingereist,  wo  sie  in  der  Folge  bei  ihrer  Gastgeberin,  Y._______,  geweilt  habe.  Am  15. April  2009  sei  sie  nach  Frankreich  ausgereist,  um  sich  zu  ihrer  (sich  dort  aufhaltenden)  Arbeitgeberin, A._______, zu begeben, die der Betreuung bedurft habe.  Am 28. Juni 2009 sei sie wieder in die Schweiz eingereist, um vor Ablauf  der Gültigkeit ihres Visums am 7. Juli 2009 von Zürich aus den Rückflug  nach  Saudi­Arabien  anzutreten.  Sie  sei  davon  ausgegangen,  sie  dürfe  sich  während  90  Tagen  bewilligungsfrei  in  der  Schweiz  aufhalten,  da  lediglich  die  Dauer  ihres  Aufenthalts  hierzulande  an  den  bewilligungsfreien  Aufenthalt  von  90  Tagen  gemäss  dem  ausgestellten  Visum  angerechnet  würde,  nicht  jedoch  die  in  Frankreich  verbrachten  Tage.  Das  Visum  habe  schliesslich  den  Vermerk  "mehrere  Einreisen"  getragen.  Sie  sei  sich  deshalb  nicht  bewusst  gewesen,  gegen  die  geltende Rechtsordnung zu verstossen, bzw. habe dies nicht vorsätzlich  getan.  Die  Zuwiderhandlung  sei  zudem  festgestellt  worden,  als  sie  gerade  dabei  gewesen  sei,  den  Schengenraum  freiwillig  zu  verlassen.  Unter  diesen  Umständen  liege  kein  Verstoss  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  im  Sinne  von  Art. 67  AuG  vor,  weshalb  die  Voraussetzungen  für  die  Verhängung  eines  Einreiseverbots  nicht  erfüllt 

C­2771/2010 seien.  Im  Übrigen  erweise  sich  die  verfügte  Fernhaltemassnahme  angesichts der Geringfügigkeit ihrer Verfehlung als unverhältnismässig. E.  Das  Bundesverwaltungsgericht  wies  mit  Zwischenverfügung  vom  30. April  2010  das  sinngemässe  Gesuch  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ab. F.  Die Vorinstanz  spricht  sich  in  ihrer  Vernehmlassung  vom 24. Juni  2010  für  die  Abweisung  der  Beschwerde  aus.  Zur  Begründung  führt  sie  aus,  der Beschwerdeführerin sei von den Schweizer Vertretung ein Visum für  einen  bewilligungsfreien  Aufenthalt  zu  Tourismus­Zwecken  im  Schengenraum  von  bis  zu  90  Tagen  im  Zeitraum  zwischen  dem  18. Februar  und  dem  7. Juli  2009  ausgestellt  worden.  Am  23. Februar  2009  sei  sie  in  die  Schweiz  eingereist.  Daraufhin  habe  sie  sich  bis  zu  ihrer Rückreise nach Saudi­Arabien am 28. Juni 2009 ununterbrochen im  Schengenraum aufgehalten  und  damit  die Dauer  des  bewilligungsfreien  Aufenthalts  um  36 Tage  überschritten.  Praxisgemäss  habe  dies  die  Verhängung einer befristeten Fernhaltemassnahme  für die Schweiz und  damit  auch  ein  Einreiseverbot  für  das  gesamte  Gebiet  der  Schengen­ Staaten  zur  Folge.  Das  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  sie  habe  nicht  vorsätzlich  gehandelt,  erweise  sich  als  unbehelflich. Wer  um  eine  Einreisebewilligung  für  die  Schweiz  bzw.  den  Schengenraum  ersuche,  habe  sich  hinsichtlich  der  massgeblichen  Bestimmungen  (namentlich  betreffend  Dauer  und  Zweck  des  Aufenthalts)  zu  informieren.  Zudem  habe  sich  die  Beschwerdeführerin  in  den  vorangehenden  Jahren  wiederholt  in  die  Schweiz  begeben,  so  dass  ihr  das  (durch  das  "operationelle  Inkrafttreten  des  Schengenabkommens"  für  die  Schweiz  am  12. Dezember  2008  bedingte  und  auf  geänderte  Einreise­  und  Aufenthaltsbestimmungen  hindeutende)  neue  Erscheinungsbild  des  ihr  am  18. Februar  2009  ausgestellten  Visums  habe  auffallen  müssen.  Schliesslich bestünden Vorbehalte hinsichtlich des Aufenthaltszwecks: Es  sei  nicht  auszuschliessen,  dass  es  sich  bei  der  von  der  Beschwerdeführerin  wahrgenommenen  Betreuung  und  Pflege  einer  betagten  Frau  um  eine  bewilligungspflichtige  Erwerbstätigkeit  handle.  Das  Visum,  mit  dem  sie  in  die  Schweiz  eingereist  sei,  sei  jedoch  zu  touristischen Zwecken ausgestellt worden. Unter diesen Umständen hätte  sie  sich  angesichts  der  langen  Aufenthaltsdauer  im  Schengenraum  allenfalls um die Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung  (allenfalls zu  Erwerbszwecken) bemühen müssen.

C­2771/2010 G.  Von  der  ihr  mit  verfahrensleitender  Anordnung  vom  29. Juni  2010  gewährten Möglichkeit, zur vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung zu  nehmen, machte die Beschwerdeführerin keinen Gebrauch. H.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen  im Sinne von Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme  nach Art.  32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33 VGG  genannten  Behörden.  Dazu  gehört  auch  das  BFM,  das  mit  der  Anordnung  eines  Einreiseverbotes  eine  Verfügung  im  erwähnten  Sinne  und  daher  ein  zulässiges  Anfechtungsobjekt  erlassen  hat.  Eine  Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet  sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3  Die  Beschwerdeführerin  ist  als  Verfügungsadressatin  legitimiert  (Art. 48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist daher einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art. 62  Abs. 4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen 

C­2771/2010 gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BVGE  2011/1  E. 2,  BVGE  2007/41 E. 2). 3.  Die  Beschwerdeführerin  macht  zunächst  in  formeller  Hinsicht  eine  Verletzung  ihres  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  geltend.  Sie  sei  von  der  Vorinstanz  nicht  über  die  Eröffnung  eines  Verfahrens  informiert  worden und habe nie die Gelegenheit erhalten, Beweismittel vorzulegen  und  zu  den  Vorhaltungen  ihr  gegenüber  Stellung  zu  nehmen.  Zudem  erwiesen sich die Erwägungen der Vorinstanz als wenig ausführlich.  3.1.  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör,  wie  ihn  Lehre  und  Rechtsprechung aus Artikel 29 Abs. 2 BV ableiten und wie er sich für das  Bundesverwaltungsverfahren  aus  den  Art.  29  ff.  VwVG  ergibt,  umfasst  eine  Anzahl  verschiedener  verfassungsrechtlicher  Verfahrensgarantien  (vgl.  aus  der  Literatur  etwa  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010,  Rz.  1680  ff.;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 46, 107 ff.;  MARKUS SCHEFER,  Grundrechte  in  der  Schweiz,  Bern  2005,  S.  285  ff.).  Dazu  gehört  das  Recht  auf  vorgängige  Äusserung  und  Anhörung  (vgl.  Art.  30  Abs.  1  VwVG),  welches  den  Betroffenen  einen  Einfluss  auf  die  Ermittlung des wesentlichen Sachverhaltes sichert. Dabei kommt der von  einem  Verfahren  betroffenen  Person  der  Anspruch  zu,  sich  vorgängig  einer behördlichen Anordnung zu allen wesentlichen Punkten, welche die  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  betreffen,  zu  äussern  und von der betreffenden Behörde alle dazu notwendigen  Informationen  zu erhalten (vgl. BVGE 2007/21 E. 10.2). Ebenfalls  Teilgehalt  des Anspruchs  auf  rechtliches Gehör  im Sinne  von  Art.  29  Abs.  2  BV  ist  die  Begründungspflicht.  Gemäss  Art.  35  Abs. 1  VwVG  sind  die  Behörden  verpflichtet,  schriftliche  Verfügungen  zu  begründen. Sie soll verhindern, dass die Behörden sich von unsachlichen  Motiven  leiten  lassen,  und  es  der  betroffenen  Person  ermöglichen,  die  Verfügung  gegebenenfalls  sachgerecht  anzufechten.  Eine  sachgerechte  Anfechtung  ist  nur  möglich,  wenn  sich  sowohl  die  Partei  wie  auch  die  Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen  können.  In  diesem  Sinn  muss  die  Begründung  zumindest  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen  sich  die  Behörde  hat  leiten  lassen  und  auf  die  sie  ihre  Verfügung  stützt.  Dagegen wird  nicht 

C­2771/2010 verlangt,  dass  sich  die  Begründung  mit  allen  Parteistandpunkten  einlässlich auseinandersetzt und  jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich  widerlegt (vgl. BGE 137 II 266 E. 3.2 S. 270). Vielmehr kann sie sich auf  die  für  den  Entscheid  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken.  Die  Anforderungen  an  die  Begründung  sind  umso  höher,  je  weiter  der  Entscheidungsspielraum der  entscheidenden Behörde und  je  komplexer  die Sach­ und Rechtslage ist (vgl. BVGE 2007/27 E. 5.5.2 und BGE 133 I  270  E. 3.1  S. 277  je  mit  Hinweisen,  sowie  FELIX  UHLMANN/ALEXANDRA  SCHWANK,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009, N 17 ff. zu Art. 35; ebenso LORENZ  KNEUBÜHLER,  in:  Christoph  Auer/Markus  Müller/Benjamin  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG], Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 4 ff. zu Art. 35 VwVG).  3.2. Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführerin anlässlich  ihrer Befragung durch die Flughafenpolizei am 28. Juni 2009 zur Kenntnis  gebracht  wurde,  dass  gegen  sie  gestützt  auf  den  geschilderten  Sachverhalt die Verhängung eines Einreiseverbots geprüft werden könne.  Dabei erhielt sie auch die Gelegenheit, ihren Standpunkt darzulegen und  sachdienliche  Beweismittel  beizubringen  bzw.  zu  nennen  (vgl.  Beschwerdebeilage 10:  Formular  "Rechtliches  Gehör  [Fernhaltemassnahme]"  vom  28. Juni  2009).  Von  dieser  Möglichkeit  machte  die  Beschwerdeführerin  offenbar  keinen  Gebrauch.  Die  Verweigerung der Unterschrift auf dem entsprechenden Formular ändert  nichts daran, dass ihr Gehörsanspruch durch das geschilderte Vorgehen  der Behörden gewahrt wurde.  Die  Vorinstanz  hat  die  angefochtene  Verfügung  zudem  zwar  konzis,  jedoch  unter  Darlegung  der  massgeblichen  Aspekte  sowie  nachvollziehbar  begründet.  Die  Begründungsdichte  erwies  sich  offenkundig  als  hinreichend,  war  der  Beschwerdeführerin  eine  sachgerechte Anfechtung doch offenkundig möglich. Die  Rüge  der  Verletzung  des  Gehörsanspruchs  erweist  sich  damit  als  unbegründet. 4.  4.1.  Auf  den  1. Januar  2011  trat  als  Folge  der  Weiterentwicklung  des  Schengen­Besitzstandes  eine  neue  Fassung  des  das  Einreiseverbot  regelnden  Art. 67  AuG  in  Kraft  (zum  Ganzen  vgl.  BBl  2009  8881  und  http://links.weblaw.ch/BBl-2009-8881 http://links.weblaw.ch/BBl-2009-8881 http://links.weblaw.ch/BBl-2009-8881 http://links.weblaw.ch/BBl-2009-8881 http://links.weblaw.ch/BBl-2009-8881

C­2771/2010 AS 2010 5925  sowie  bspw.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­2316/2010  vom  20. Dezember  2011  E. 3.2  am  Anfang).  Übergangsbestimmungen wurden keine erlassen. Diese Rechtsänderung  ist allerdings  im Falle der Beschwerdeführerin nicht von Relevanz. Denn  der zuvor in Art. 67 Abs. 1 AuG geregelte Fernhaltegrund des Verstosses  gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung wurde unverändert  in Abs.  2  der  neuen  Norm  übernommen.  Betroffen  ist  die  Beschwerdeführerin  auch  nicht  von  der  Neuformulierung  in  Art. 67  Abs. 3  AuG,  steht  doch  kein  Einreiseverbot  von  mehr  als  fünf  Jahren  zur  Diskussion.  Der  Anwendung  des  neuen  Rechts  –  auf  das  nachfolgend  der  Einfachheit  halber allein Bezug genommen wird – steht somit nichts entgegen. 4.2.  Nach  Art. 67  Abs. 2  AuG  kann  ein  Einreiseverbot  gegen  ausländische  Personen  erlassen  werden,  die  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  oder  im  Ausland  verstossen  haben oder diese gefährden (Bst. a), Sozialhilfekosten verursacht haben  (Bst.  b)  oder  in Vorbereitungs­, Ausschaffungs­  oder Durchsetzungshaft  genommen  worden  sind  (Bst.  c).  Die  verfügende  Behörde  kann  nach  Art. 67  Abs. 5  AuG  aus  humanitären  oder  anderen  wichtigen  Gründen  von  der  Verhängung  eines  Einreiseverbots  absehen  oder  ein  Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aufheben. Die  bisherige  Praxis  der  Vorinstanz  bei  der  Ansetzung  von  Fernhaltemassnahmen  ist  mit  den  obgenannten  Grundsätzen  vereinbar  (vgl.  BBl  2009  8896  ad  Art.  67  Abs.  3  in  fine  sowie  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­2482/2009  vom 28. Januar  2011 E. 6.2  in  fine).  4.3.  Das  Einreiseverbot  stellt  keine  Sanktion  dar,  sondern  eine  Massnahme,  um  künftigen  Störungen  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  vorzubeugen  (siehe  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002  [nachfolgend:  Botschaft],  BBl  2002  3813).  Die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  im  Sinne  von  Art. 67  Abs. 2  Bst. a  AuG  bildet  den  Oberbegriff  für  die  Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter; sie umfasst unter anderem die  Unverletzlichkeit  der  objektiven  Rechtsordnung  und  der  Rechtsgüter  Einzelner  (Botschaft,  a.a.O.,  3809;  vgl.  auch  RAINER  J.  SCHWEIZER/PATRICK SUTTER/NINA WIDMER, in: Rainer J. Schweizer [Hrsg.],  Sicherheits­ und Ordnungsrecht des Bundes, SBVR Bd. III/1, Basel 2008,  Teil B, Rz. 12 und 13 mit Hinweisen). In diesem Sinne liegt nach Art. 80  Abs. 1  Bst. a  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925

C­2771/2010 Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) ein Verstoss gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  unter  anderem  vor,  wenn  gesetzliche  Vorschriften  oder  behördliche  Verfügungen  missachtet  werden.  Widerhandlungen  gegen  Normen  des  Ausländerrechts  fallen  ohne weiteres unter diese Begriffsbestimmung und können daher Anlass  für  die  Verhängung  eines  Einreiseverbots  sein,  wobei  der  Erlass  einer  solchen  Massnahme,  wie  erwähnt,  stets  zum  Schutz  vor  künftigen  Störungen  und  nicht  im  Sinne  einer  Sanktion  erfolgt  (vgl.  Botschaft,  a.a.O., 3813). 4.4.  Für  die  Verhängung  eines  Einreiseverbots  ist  kein  vorsätzlicher  Verstoss  gegen  ausländerrechtliche  Bestimmungen  erforderlich.  Es  genügt,  wenn  der  ausländischen  Person  eine  Sorgfaltspflichtverletzung  zugerechnet  werden  kann.  Unkenntnis  oder  Fehlinterpretation  der  Einreise­  und  Aufenthaltsvorschriften  stellen  normalerweise  keinen  hinreichenden  Grund  für  ein  Absehen  von  einer  Fernhaltemassnahme  dar.  Jeder  Ausländerin  und  jedem  Ausländer  obliegt,  sich  über  bestehende  Rechte  und  Pflichten  im  Zusammenhang  mit  ausländerrechtlichen Vorschriften ins Bild zu setzen und sich im Falle von  Unklarheiten bei der zuständigen Stelle zu informieren (vgl. nur Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts  C­2206/2010  vom  2. Dezember  2011  E. 4.3  mit Hinweis). 4.5.  Wird  gegen  eine  Person,  die  nicht  das  Bürgerrecht  eines  Mitgliedstaates  der  Europäischen  Union  besitzt  (Drittstaatsangehörige),  ein Einreiseverbot nach Art. 67 AuG verhängt, wird diese Person gestützt  auf Art. 94 Abs. 1 und Art. 96 des Übereinkommens vom 19. Juni 1990  zur  Durchführung  des  Übereinkommens  betreffend  den  schrittweisen  Abbau  der  Kontrollen  an  den  gemeinsamen  Grenzen  (Schengener  Durchführungsübereinkommen  [SDÜ],  Abl.  L  239  vom  22.  September  2000,  S.  19­62)  und  Art.  16  Abs.  2  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  13. Juni  2008  über  die  polizeilichen  Informationssysteme  des  Bundes  (BPI, SR 361) in der Regel im Schengener Informationssystem ([SIS], vgl.  dazu  Art.  92  ff.  SDÜ)  zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben.  Diese  Ausschreibung  bewirkt  dem  Grundsatz  nach,  dass  der  betroffenen  Person  die  Einreise  in  das Hoheitsgebiet  der  Schengen­Mitgliedstaaten  verboten  ist  (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst d und Art. 13 Abs. 1 der Verordnung  [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15.  März  2006  über  einen  Gemeinschaftskodex  für  das  Überschreiten  der  Grenzen durch Personen [Schengener Grenzkodex bzw. SGK, Abl. L 105  vom  13.  April  2006,  S.  1­32]).  Vorbehalten  bleibt  die  Zuständigkeit  der 

C­2771/2010 Mitgliedstaaten,  einer  solchen  Person  aus  humanitären  Gründen  oder  Gründen  des  nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler  Verpflichtungen  die  Einreise  in  das  eigene  Hoheitsgebiet  zu  gestatten  (Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK) bzw. ihr zu diesem Zweck  ein  Schengen­Visum  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit  auszustellen  (Art. 2 Ziff. 4 i.V.m. 25 Abs. 1 Bst. a [ii] der Vorordnung [EG] Nr. 810/2009  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  13.  Juli  2009  über  einen  Visakodex  der  Gemeinschaft  [Visakodex],  Abl.  L  243  vom  15.  September 2009). 5.  5.1. Das  sogenannte  "einheitliche  Visum",  das  bei  Vorliegen  sämtlicher  Einreisevoraussetzungen  erteilt  wird  (vgl.  Art. 13  Abs. 1  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  SGK,  Art. 21  Abs. 1,  Art. 23  Abs. 4  und  Art. 32  Visakodex;  vgl.  auch Art. 12 Abs. 1  i.V.m. Art. 2  der Verordnung  vom 22. Oktober  2008  über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204]), gilt für das  gesamte  Hoheitsgebiet  der  Schengen­Mitgliedstaaten  (vgl.  Art. 2  Ziff. 3  Visakodex). Einer Person, der ein solches Visum ausgestellt wird, ist ein  sogenannter  "kurzfristiger  Aufenthalt",  das  heisst  ein  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten  pro  Halbjahr  im  gesamten  Schengen­Raum  gestattet  (vgl.  Art. 5  Abs. 1,  Art. 10  Abs. 1  i.V.m.  Art. 11  Abs. 1  Bst. a  SDÜ;  vgl.  auch  Art. 32  Abs. 1  [iv]  Visakodex;  für  den  entsprechenden  "bewilligungsfreien  Aufenthalt"  –  in  der  Terminologie  des  nationalen  Rechts – vgl. Art. 10 AuG, Art. 9 Abs. 1 VZAE). Für  "längerfristige", das  heisst  länger  als  drei  Monate  je  Sechsmonatszeitraum  dauernde  Aufenthalte  kann  demgegenüber  kein  Schengen­Visum  erteilt  werden  bzw. ist stets ein nationales Visum erforderlich (vgl. Art. 18 SDÜ).  Vor dem Hintergrund dieser Bestimmungen versteht sich von selbst, dass  sich  im  Falle  eines  einheitlichen  Visums  die  Dauer  des  gestatteten  Aufenthalts auf das Hoheitsgebiet sämtlicher Schengen­Staaten bezieht,  somit  der  Aufenthalt  insgesamt  die  Dauer  von  90  Tagen  je  Sechsmonatszeitraum nicht überschreiten darf. 5.2. Der der angefochtenen Verfügung zugrundeliegende Sachverhalt  ist  unbestritten.  Aufgrund  ihrer  Staatsangehörigkeit  unterliegt  die  Beschwerdeführerin der Visumspflicht (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV mit Verweis  auf die Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001; vgl.  insbesondere  deren  Anhang  I).  Am  18. Februar  2009  wurde  ihr  –  wie  bereits erwähnt – vom Schweizer Generalkonsulat in Jeddah ein (bis zum 

C­2771/2010 7. Juli  2009  gültiges)  Einreisevisum  für  den  Schengen­Raum  für  einen  Aufenthalt  zu  touristischen Zwecken von maximal 90 Tagen ausgestellt.  Sie selbst gibt in ihrer Beschwerdeschrift an, sich ab ihrer Einreise in den  Schengen­Raum  via  Genf  am  23. Februar  2009  bis  zum  Tag  ihres  Rückflugs ab Zürich am 28. Juni 2009  in der Schweiz und  in Frankreich  aufgehalten  zu  haben.  Ein­  und  Ausreisestempel  in  ihrem  Reisepass  belegen diese Daten. Mit  ihrem  Aufenthalt  über  eine  Zeitspanne  von  127  Tagen  hat  sie  die  Dauer  des  ihr  aufgrund  des  Visums  vom  18. Februar  2009  gestatteten  kurzfristigen  Aufenthalts  um  37  Tage  überschritten  und  sich  damit  rechtswidrig im Schengen­Raum aufgehalten (sogenannter "Overstay"). Die  Beschwerdeführerin  bringt  zur  Begründung  ihrer  Beschwerdebegehren  vornehmlich  vor,  sie  habe  unvorsätzlich  den  Visumsbestimmungen  zuwidergehandelt  bzw.  gegen die Rechtsordnung  verstossen.  Dass  die  Aufenthalte  in  den  einzelnen  Schengen­ Mitgliedstaaten  zusammengezählt  und  die  in  Frankreich  zugebrachten  Tage auf die 90 gestatteten Aufenthaltstage angerechnet würden, sei ihr  nicht bewusst gewesen, zumal auf dem Visum die Zahl der Einreisen mit  "multiples"  (für  mehrfache  Einreisen)  angegeben  gewesen  sei  (vgl.  Beschwerdeschrift S. 5 f. und 15). Diese  Darstellung  erscheint  jedoch  unplausibel,  zumal  das  Visum  den  Vermerk  "Etats  Schengen"  enthält  und  damit  in  –  auch  für  die  Beschwerdeführerin  –  augenfälliger  Weise  für  das  Hoheitsgebiet  sämtlicher Schengen­Staaten Gültigkeit hatte. Abgesehen davon ist – wie  dargelegt  (vgl.  E. 4.4)  –  ein  vorsätzlicher  Gesetzesverstoss  im  vorliegenden  Zusammenhang  nicht  erforderlich.  Zumindest  eine  Sorgfaltspflichtverletzung  muss  sich  die  Beschwerdeführerin  unter  den  gegebenen  Umständen  auf  jeden  Fall  vorwerfen  lassen:  In  den  Jahren  2007  und  2008  waren  ihr  ein  respektive  zwei  Visa  für  Einreisen  in  die  Schweiz  zu  touristischen  Zwecken  erteilt  worden.  Das  veränderte  Erscheinungsbild des ihr am 18. Februar 2009 ausgestellten Visums (und  insbesondere  der  erwähnte  neue  Vermerk  "Etats  Schengen")  hätte  sie  zumindest  dazu  veranlassen  sollen,  sich  hinsichtlich  der  geltenden  Bestimmungen zu informieren. Das  Statthalteramt  Bülach  stützte  sich  in  seiner  Strafverfügung  vom  24. Juli  2009  (vgl.  Sachverhalt  Bst. B)  auf  die  Strafbestimmung  von  Art. 115  Abs. 1  Bst. b  i.V.m.  Abs.  3  AuG  und  verurteilte  die 

C­2771/2010 Beschwerdeführerin  wegen  fahrlässigen  widerrechtlichen  Verweilens  im  Lande bis 30 Tage nach Ablauf des bewilligten (bzw. bewilligungsfreien)  Aufenthalts. Strenggenommen ergibt sich die Rechtswidrigkeit von deren  Tun  jedoch  erst  unter  Zugrundelegung  der  erwähnten  (auch  für  die  Schweiz  geltenden)  Bestimmungen  des  Schengen­Rechts  (vgl.  E. 5.1)  sowie  unter  Anrechnung  des  Aufenthalts  in  Frankreich.  In  der  Schweiz  hielt sie sich zwar lediglich während 54 Tagen auf; ihre Anwesenheit am  28. Juni 2009, dem Tag  ihrer Ausreise nach Saudi­Arabien,  liegt  jedoch  ausserhalb  des  bewilligungsfreien  Aufenthalts,  weshalb  insofern  der  Vorwurf  des  rechtswidrigen  Aufenthalts  in  Frage  kommt.  Jedoch  knüpft  das  Einreiseverbot  ohnehin  nicht  an  die  Erfüllung  einer  Strafnorm  an,  eine  strafrechtliche  Verurteilung  ist  somit  nicht  Voraussetzung  für  die  Verhängung. Massgeblich  ist  –  wie  dargelegt  –  vielmehr  das  Vorliegen  einer  Polizeigefahr  (vgl.  bspw.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­6017/2010 vom 19. April 2011 E. 6.1 mit Hinweis). 5.3.  Weiter  fällt  vorliegend  in  Betracht,  dass  die  Beschwerdeführerin  Visumsbestimmungen  wiederholt  auch  in  Bezug  auf  den  Zweck  des  Aufenthalts zuwidergehandelt hat. 5.3.1.  Ein  für  die  Schengen­Staaten  gültiges  Einreisevisum  kann  insbesondere  zu  beruflichen,  Studien­  oder  sonstigen  Ausbildungszwecken, für touristische oder private Reisen oder für solche  zu  (politischen,  wissenschaftlichen  oder  sonstigen)  Veranstaltungen  ausgestellt  werden  (vgl.  Art. 15  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  Bst. c  SDÜ,  Art. 5  Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 sowie insbesondere Anhang I SGK, Art. 14 Abs.  1 Bst. a – c Visakodex). Zu weitgehend denselben Zwecken konnte vor  Inkrafttreten  der  Schengen­Bestimmungen  ein  für  die  Schweiz  gültiges  Einreisevisum erteilt werden (vgl. Art. 13 Abs. 1 VEV in der Fassung vom  24. Oktober  2007  [AS 2007 5537]).  In  casu  wurde  das  Visum  vom  18. Februar 2009 – wie die drei früheren Visa aus den Jahren 2007 und  2008  –  zu  touristischen  Zwecken  ausgestellt;  auch  im  jüngsten  Visumsantrag  vom  12. September  2009  nannte  die  Beschwerdeführerin  wiederum "Tourismus" als Aufenthaltszweck. 5.3.2. Dass es der in Saudi­Arabien als "Hausangestellte" ("house maid"  [vgl. Gesuch vom 12. September 2009]) tätigen Beschwerdeführerin ohne  weiteres möglich  sein  soll,  ein­  bis  zweimal  pro  Jahr  einen  Tourismus­ Aufenthalt  von  mehreren  Monaten  in  der  Schweiz  zu  finanzieren,  erscheint  wenig  überzeugend.  In  ihren  Eingaben  führt  sie  denn  auch  durchwegs  aus,  die  Betreuung  der  betagten  A._______  stelle  seit  http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925 http://links.weblaw.ch/AS-2010/5925

C­2771/2010 mehreren  Jahren  ihre  vollzeitliche  Beschäftigung  in  Saudi­Arabien  dar;  ihre  Arbeitgeberin  sei  zur  Bewältigung  des  Alltags  zwingend  auf  sie  angewiesen. A._______ weile regelmässig in der Schweiz zu Besuch (bei  Y._______)  und  sie,  die  Beschwerdeführerin,  komme  auch  während  dieser  Auslandsaufenthalte  ihren  üblichen  Verpflichtungen  ihrer  Arbeitgeberin  gegenüber  nach  (vgl.  insbesondere  Beschwerdeschrift  S. 3 ff.  und  S. 17  sowie  als  Beschwerdebeilage 6  eingereichtes  Arztzeugnis  vom  16. April  2010).  Hinsichtlich  ihres  Aufenthalts  in  Frankreich (vom 15. April bis 28. Juni 2009) macht sie explizit geltend, sie  sei dorthin gereist, um A._______ zu betreuen (Beschwerdeschrift S. 5 f.  samt Bestätigungsschreiben des Direktors des Jiva Hill Park Hotels vom  13. April 2010 [Beschwerdebeilage 9]). In diesem Zusammenhang ergibt  sich  (zunächst) eine Unstimmigkeit:  In  der  Rechtsmitteleingabe  gibt  die  Beschwerdeführerin  an,  sich  am  15. April  2009  (von  Genf  aus)  zu  ihrer  in  Frankreich  weilenden  Arbeitgeberin begeben zu haben, da diese ihrer Betreuung bedurft habe  (vgl.  Beschwerdeschrift  S. 5).  A._______  erhielt  jedoch  erst  am  11. Mai  2009 ein (bis zum 2. November 2009) für die Schengen­Staaten gültiges  Visum  und  ihre  Einreise  in  die  Schweiz  (via  Genf)  erfolgte  erst  am  12. Juni  2009,  mithin  zwei  Wochen  vor  der  Wiederausreise  der  Beschwerdeführerin  aus  dem  Schengen­Raum  (vgl.  Kopie  des  Reisepasses  von A._______ mit  Visum  und Einreisestempel).  Dass  sie  sich nach Frankreich begeben habe, um ihre Arbeitgeberin aufzusuchen  und zu betreuen, kann daher nicht zutreffen.  Aus  den  Angaben  und  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  geht  jedenfalls  klar  hervor,  dass  der  tatsächliche  Zweck  ihrer  bisherigen  Aufenthalte in der Schweiz bzw. im Schengen­Raum nicht dem von ihr in  den  Visumsanträgen  angegebenen  (Tourismus)  entsprach.  Vielmehr  benutzte  sie  offenbar  die  ihr  zu  diesem Zweck  erteilten Visa wiederholt  bzw.  regelmässig  dazu,  hier  ihrer  regulären  Erwerbstätigkeit  nachzugehen. Ein solcher Aufenthaltszweck erweist  sich  jedoch als von  den ausgestellten Visa nicht gedeckt. Auch mit diesem Vorgehen hat die  Beschwerdeführerin  somit  Visumsbestimmungen  zuwidergehandelt,  ihr  zumindest  insoweit  wohl  von  vorsätzlichem  Handeln  ihrerseits  auszugehen ist.  5.4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführerin  wiederholt gesetzlichen Vorschriften zuwidergehandelt hat. Insbesondere  vor  dem  Hintergrund  der  Umstände  ihrer  bisherigen  Aufenthalte  im 

C­2771/2010 Schengen­Raum,  der  offenbar  –   unveränderten –  Lage  und  Betreuungssituation  von  A._______  sowie  der  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe,  die  ähnliche  Aufenthalte  in  der  Zukunft  zumindest  nicht  ausgeschlossen  erscheinen  lassen  (vgl.  Beschwerdeschrift  S. 17,  wo  gar  vom  "löblichen  Ziel"  ihrer  Aufenthalte  die  Rede  ist,  ihrer  Arbeitgeberin  Unterstützung  zu  leisten),  ist  von  einem  Verstoss  bzw.  einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Schweiz  bzw.  im  Ausland  gemäss  Art. 67  Abs. 2  Bst. a  AuG  auszugehen.  Die  Voraussetzungen  für  die  Anordnung  einer  Fernhaltemassnahme  erweisen sich demnach als erfüllt. 6.  Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  die  Massnahme  in  richtiger  Ausübung  des  Ermessens  ergangen  und  angemessen  ist.  Der  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  steht  dabei  im  Vordergrund.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  ist eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem  öffentlichen  Interesse  an  der  Massnahme  einerseits  und  den  von  der  Massnahme  beeinträchtigten  privaten  Interessen  des  Betroffenen  andererseits.  Die  Stellung  der  verletzten  oder  gefährdeten Rechtsgüter,  die  Besonderheiten  des  ordnungswidrigen  Verhaltens  und  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Verfügungsbelasteten  bilden  dabei  den  Ausgangspunkt  der  Überlegungen  (vgl.  statt  vieler  ULRICH  HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, a.a.O., Rz. 613 ff.).  6.1. Das Fehlverhalten der Beschwerdeführerin wiegt objektiv nicht leicht.  Es  beinhaltet  die  Missachtung  ausländerrechtlicher  Normen,  denen  im  Interesse einer funktionierenden Rechtsordnung eine zentrale Bedeutung  zukommt.  Das  generalpräventiv  motivierte  Interesse,  die  ausländerrechtliche  Ordnung  durch  eine  konsequente  Massnahmenpraxis  gegenüber  fehlbaren  ausländischen  Personen  zu  schützen,  ist  ganz  allgemein  als  gewichtig  zu  betrachten.  Eine  spezialpräventive  Zielsetzung  der Massnahme  ist  darin  zu  sehen,  dass  sie  die  Betroffene  ermahnt,  inskünftig  den  für  sie  geltenden  Regeln  nachzuleben.  Bezüglich  der  subjektiven  Seite  bestehen  zumindest  Zweifel  am  fehlenden  Bewusstsein  der  Beschwerdeführerin  hinsichtlich  des  Überschreitens  der  Dauer  des  gestatteten  Aufenthalts.  Diese  ergeben  sich  insbesondere  aufgrund  ihrer  früheren  Aufenthalte  in  der  Schweiz  und  der  Vermerke  auf  dem  Visum  vom  18. Februar  2009.  Zumindest  in  Bezug  auf  die  Missachtung  des  Aufenthaltszwecks  ist  zudem  von  vorsätzlichem  Handeln  ihrerseits  auszugehen.  Es  besteht 

C­2771/2010 mithin  ein  gewichtiges  öffentliches  Interesse  an  ihrer  befristeten  Fernhaltung.  6.2. Eine Beeinträchtigung  ihrer eigenen,  persönlichen  Interessen durch  das  verhängte  Einreiseverbot  macht  die  Beschwerdeführerin  nicht  geltend.  Im  vorliegenden  Zusammenhang  bringt  sie  lediglich  vor,  in  Anbetracht ihres fehlenden Bewusstseins bzw. Vorsatzes hinsichtlich der  Zuwiderhandlung,  der  Geringfügigkeit  ihrer  Verfehlung  sowie  des  (erwähnten)  "löblichen  Ziels"  ihrer  Aufenthalte  in  der  Schweiz  bzw.  im  Schengen­Raum  erweise  sich  die  angeordnete  Fernhaltemassnahme  insbesondere  hinsichtlich  ihrer  Dauer  als  unverhältnismässig  (vgl.  Beschwerdeschrift S. 16). Stünde  einzig  ein  einmaliger,  fahrlässiger  Verstoss  gegen  die  Rechtsordnung  in  Form  eines  relativ  geringfügigen  Überschreitens  der  Dauer  des  kurzfristigen  Aufenthalts  in  Frage,  könnte  sich  unter  Umständen auch ein Einreiseverbot von einer kürzeren Dauer als das in  casu  verhängte  als  gerechtfertigt  erweisen  (vgl.  in  diesem  Zusammenhang  bspw.  bereits  erwähntes  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­2206/2010  E. 6  mit  weiteren  Hinweisen  und Urteile C­5458/2010 vom 3. November 2011 E. 7 sowie C­7820/2009  und  C­7821/2009  vom  4. November  2011  E. 7).  In  casu  ist  die  angeordnete  Massnahme  auch  hinsichtlich  ihrer  Dauer  nicht  zu  beanstanden, zumal der Beschwerdeführerin darüber hinaus vorzuwerfen  ist, wiederholt  bzw.  regelmässig  einen  unzutreffenden Aufenthaltszweck  angegeben  bzw.  sich  in  Missachtung  des  Aufenthaltszwecks  der  ausgestellten  Visa  im  Schengen­Raum  aufgehalten  zu  haben  (vgl.  E. 5.3). 6.3.  Eine  Abwägung  der  gegenläufigen  öffentlichen  und  privaten  Interessen  führt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  das  verhängte  Einreiseverbot  sowohl  im  Grundsatz  als  auch  hinsichtlich  seiner Dauer eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum  Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt.  7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt;  sie  ist  auch  angemessen  (vgl.  Art. 49  VwVG).  Die Beschwerde ist daher abzuweisen.

C­2771/2010 8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin die auf  Fr. 600.­  festzusetzenden  Kosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG  i.V.m.  Art. 1,  Art. 2  und  Art. 3  Bst. b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2). (Dispositiv S. 16)

C­2771/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 600.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden mit  dem  am  11. Mai  2010  in  gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] retour) – das Migrationsamt des Kantons Zürich (Ref­Nr. […]) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Viviane Eggenberger Versand:

C-2771/2010 — Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 C-2771/2010 — Swissrulings