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Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 C-2208/2010

7 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,590 parole·~8 min·1

Riassunto

Schengen-Visum | Einreisebewilligung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­2208/2010 Urteil   v om   7 .   No v embe r   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richterin Marianne Teuscher,    Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa­Haake. Parteien X._______,   vertreten durch Fürsprecher Bruno Lehmann, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Erteilung von Schengen­Visa.

C­2208/2010 Sachverhalt: A.  Am  5.  Januar  2010  beantragte  A._______,  1954  geborene  Staatsangehörige  von Sri  Lanka,  bei  der  schweizerischen Vertretung  in  Colombo ein Schengen­Visum für die Dauer eines Monats. Als Gastgeber  bezeichnete  sie  ihren  im  Kanton  Bern  lebenden  Cousin  X._______.  Gleichlautende  Gesuche  stellten  auch  ihre  drei  erwachsenen  Kinder  B._______  (geboren  1983),  C._______  (geboren  1986)  und D._______  (geboren 1989). Nach formloser Verweigerung übermittelte die Vertretung  die Gesuche zum Entscheid an die Vorinstanz. B.  Nachdem  der  Migrationsdienst  des  Kantons  Bern  Abklärungen  zum  beabsichtigten Besuchsaufenthalt vorgenommen und an das Bundesamt  für  Migration  (BFM)  weitergeleitet  hatte,  wies  die  Vorinstanz  das  Einreisegesuch mit Verfügung vom 4. März 2010 ab. Sie führt darin aus,  dass die Erteilung einer Einreisebewilligung zu verweigern sei, wenn die  gesuchstellende Person keine hinreichende Gewähr für ihre fristgerechte  Wiederausreise  biete.  Hierzu  lasse  sich  keine  gesicherte  Feststellung  treffen,  sondern  lediglich  eine  Voraussage,  bei  der  sowohl  die  allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse  im Herkunftsland  als  auch  die  persönlichen  Verhältnisse  der  gesuchstellenden  Person  zu  berücksichtigen  seien.  Im  vorliegenden  Fall  sei  das  Risiko,  dass  die  Gesuchstellenden  Sri  Lanka   definitiv  verlassen  wollten,  als  hoch  einzuschätzen.  Zum  einen  sei  –  auch  nach  Beendigung  des  Bürgerkrieges  –  die  Sicherheitslage,  vor  allem  in  den  ehemaligen  Konfliktzonen,  unübersichtlich  und  das  politische  Klima  gespannt.  Zum  anderen  weise  nichts  darauf  hin,  dass  die  Gesuchstellenden  in  ihrer  Heimat  zwingende  familiäre  oder  berufliche  Verpflichtungen  hätten.  Ebenso wenig  sprächen  humanitäre Gründe  für  die Notwendigkeit  ihrer  Einreise. C.  Gegen  diese  Verfügung  erhob  X._______  am  31.  März  2010  Beschwerde.  Sinngemäss  beantragt  er  die  Aufhebung  der   angefochtenen Verfügung und die Erteilung der  beantragten Schengen­ Visa.  Zum  Aufenthaltszweck  macht  er  geltend,  die  hiesige  Verwandtschaft  des  in  der  Schweiz  verstorbenen  Ehemannes  seiner  Cousine  organisiere  für  diesen  eine  Gedenkfeier.  Die  Witwe  und  die  gemeinsamen  Kinder  seien  zur  Teilnahme  an  dieser  Feier  eingeladen. 

C­2208/2010 Für  ihre  Wiederausreise  sprächen  ihre  Verpflichtungen  im  Heimatland  sowie  der  Umstand,  dass  sie  dort  ein  Haus  und  Geld  auf  der  Bank  besässen.  Ausserdem  seien  die  Kinder  zum  Teil  noch  in  Ausbildung.  Seiner  Beschwerde  hat  X._______  ein  Schreiben  der Mobiliar  vom  22.  Oktober  2009  beigefügt,  aus  dem  hervorgeht,  dass  an  die  Gesuchstellenden  ab  Mai  1992  eine  Witwenrente  und  drei  Halbwaisenrenten  ausgerichtet  wurden,  dass  diese  Rentenzahlungen  aber im Jahr 1999 aufgrund fehlender Nachweise eingestellt wurden.  D.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  27. Mai  2010  spricht  sich  die  Vorinstanz  unter  Erläuterung  der  bereits  genannten Gründe  für  die  Abweisung  der  Beschwerde aus. E.  Mit  der  darauffolgenden  Replik  vom  22.  Juni  2010  macht  der  Beschwerdeführer, nunmehr anwaltlich vertreten, geltend, seine Cousine  A._______ sei  in Sri Lanka keineswegs ohne Verpflichtungen. Sie habe  dort mehrere enge Angehörige, unter anderem eine Schwester und vier  Brüder.  In  der  Schweiz  habe  sie  dagegen  –  ausser  ihm  selbst  –  keine  Angehörigen.  Da  sich  die  jüngste  Tochter  noch  im  Studium  befinde,  müsse seine Cousine schon aus diesem Grund wieder in ihr Heimatland  zurückkehren. Sie sowie ihre Kinder hätten den Wunsch, einmal den Ort  zu sehen, an dem  ihr Vater bis zu seinem  tödlichen Arbeitsunfall gelebt  habe.  Die  Teilnahme  an  einer  familiären  Gedenkfeier  für  den  Verstorbenen  sei  der  äussere  Anlass  gewesen,  um  Visumsgesuche  einzureichen.  Ausserdem  müssten  anlässlich  des  beabsichtigten  Besuches  in  der  Schweiz  auch  finanzielle  Fragen  der  Hinterbliebenenrenten geregelt werden.     F.  Der weitere Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich,  in den Erwägungen  Berücksichtigung finden.

C­2208/2010 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen des BFM betreffend Verweigerung der Einreisebewilligung,  welche vom Bundesverwaltungsgericht endgültig beurteilt werden (Art. 83  Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [BGG, SR  173.110]). 1.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem  Verwaltungsverfahrensgesetz (Art. 37 VGG). 1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  erhobene  Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  sind  grundsätzlich  die  tatsächlichen  Verhältnisse  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2, BVGE 2007/41 E. 2 und Urteil des  BVGer A­2682/2007 vom 7. Oktober 2010 E. 1.2 und 1.3). 3.  Das  schweizerische Ausländerrecht  kennt weder  ein  allgemeines Recht  auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung  eines Visums. Die Schweiz  ist daher – wie alle anderen Staaten auch – 

C­2208/2010 grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Verpflichtungen  handelt  es  sich  dabei  um  einen  autonomen  Entscheid  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1). 4.  Die inländischen Bestimmungen über das Visumsverfahren und über die  Ein­  und  Ausreise  finden  Anwendung,  sofern  die  Schengen­ Assoziierungsabkommen  keine  abweichenden  Bestimmungen  enthalten  (vgl. Art.  2 Abs.  4 und 5 des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005  über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 5.  5.1.   Angehörige von Drittstaaten benötigen zur Einreise  in die Schweiz  bzw.  den  Schengenraum  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten  gültige  Reisedokumente,  die  zum  Grenzübertritt  berechtigen,  und ein Visum, sofern dieses erforderlich ist (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG  sowie  Art.  2  Abs.  1  der  Verordnung  vom  22.  Oktober  2008  über  die  Einreise und die Visumserteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1  Bst.  a  und  b  der  Verordnung  [EG]  Nr.  562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15.  März  2006  über  einen  Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen  [nachfolgend:  Schengener  Grenzkodex,  SGK,  Abl.  L  105  vom  13.04.2006,  S.  1­32]  und Art.  2  der Verordnung  [EU] Nr.  265/2010  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  25.  März  2010  zur  Änderung des Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens  von Schengen und der Verordnung  [EG]      Nr.  562/2006  in Bezug auf  den  Verkehr  von  Personen  mit  einem  Visum  für  einen  längerfristigen  Aufenthalt [ABl. L 85 vom 31.03.2010, S. 1­4]). 5.2.  Im  Weiteren  müssen  Drittstaatsangehörige  den  Zweck  und  die  Umstände  ihres  beabsichtigten  Aufenthalts  belegen  und  hierfür  über  ausreichende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 5  Abs. 1 Bst. c SGK und Art. 14 Abs. 1 Bst. a­c der Verordnung  [EG] Nr.  810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009  über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfolgend: Visakodex, ABl. L  243 vom 15.09.2009, S. 1­58]). Namentlich haben sie zu belegen, dass  sie den Schengenraum vor Ablauf der Gültigkeitsdauer des beantragten  Visums  wieder  verlassen  bzw.  Gewähr  für  ihre  fristgerechte  Wiederausreise bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. c und Art. 21 Abs. 1 Visakodex 

C­2208/2010 sowie  Art.  5  Abs.  2  AuG).  Ferner  dürfen  Drittstaatsangehörige  nicht  im  Schengener  Informationssystem  (SIS)  zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine  Gefahr  für  die  öffentliche  Ordnung,  die  innere  Sicherheit,  die  öffentliche  Gesundheit  oder  die  internationalen  Beziehungen  eines Mitgliedstaats  darstellen  (Art.  5  Abs.  1  Bst.  c  AuG,  Art. 5 Abs. 1 Bst. d und Bst. e SGK) 6.  Werden  die  Voraussetzungen  für  die  Ausstellung  eines  für  den  Schengenraum  einheitlichen  Visums  nicht  erfüllt,  so  kann  in  Ausnahmefällen  ein  Visum  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit  erteilt  werden.  Unter  anderem  kann  der  betreffende  Mitgliedstaat  von  dieser  Möglichkeit  Gebrauch  machen,  wenn  er  es  aus  humanitären  Gründen,  aus  Gründen  des  nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler  Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. zum Ganzen Art. 25 Abs. 1 Bst.  a Visakodex; ebenso Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 7.  Anhang  I  zur  Verordnung  (EG)  Nr.  539/2001  des  Rates  vom  15.  März  2001   listet  diejenigen  Staaten  auf,  deren  Staatsangehörige  beim  Überschreiten  der  Aussengrenzen  der  Schengen­Mitgliedstaaten  im  Besitze  eines Visums  sein müssen  (ABl.  L  81  vom  21.03.2001,  S.  1­7;  zum vollständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV).  Da Sri Lanka zu diesen Staaten zählt, unterliegen die Gesuchstellenden  der Visumspflicht. 8.  Geht  es  um  die  Beurteilung  des  Kriteriums  der  gesicherten  Wiederausreise,  so  muss  ein  zukünftiges  Verhalten  beurteilt  werden.  Hierzu  sind  lediglich  Prognosen  möglich,  wobei  jedoch  sämtliche  Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen sind. Dabei  fällt unter  anderem die allgemeine Situation im Herkunftsland in Betracht. 8.1. Die soziokulturelle Situation Sri Lankas  ist noch  immer durch den –  mit  Unterbrechungen  –  26  Jahre  währenden  und  erst  im  Mai  2009  beendeten  Bürgerkrieg  geprägt.  Der  tamilische  Norden  und  Osten  des  Landes  sind  in  ihrer  Entwicklung  zurückgeworfen  und  beim  wirtschaftlichen  Wiederaufbau  sowohl  auf  erhebliche  Hilfe  der  eigenen  Regierung  als  auch  auf  internationale  Unterstützung  angewiesen.  Von  den  rund  300'000  Binnenflüchtlingen,  die  in  den  letzten  Monaten  des  Bürgerkriegs  im  kontinuierlich  schrumpfenden  Kampfgebiet 

C­2208/2010 eingeschlossen waren und danach zwangsweise in Lagern untergebracht  wurden,  konnten noch nicht  alle  an  ihre Heimatorte  zurückkehren;  viele  sind  weiterhin  in  mittlerweile  offenen  Lagern,  ein  grosser  Teil  auch  bei  Gastfamilien  untergebracht.  Ihre  Rücksiedlung  in  die  Heimatorte  gehört  zu den vordringlichsten innenpolitischen Aufgaben. Zudem hat das Ende  des  Bürgerkriegs  die  Diskussion  um  eine  politische  Lösung  für  den  ethnischen Konflikt  zwischen der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit  und  der  sich  diskriminiert  fühlenden  tamilischen  Minderheit  wieder  entfacht. Derzeit scheint eine solche Lösung jedoch noch in weiter Ferne  zu  liegen  (Quelle:  Deutsches  Auswärtiges  Amt,  <http://www.auswaertiges­amt.de>,  Länderinformationen  >  Sri  Lanka  >  Innenpolitik,  Stand:  März  2011,  besucht  im  Oktober  2011;  vgl.  auch  Schweizerische  Flüchtlingshilfe,  <http://www.flüchtlingshilfe.ch  >  Herkunftsländer  >  Asien  –  Pazifik  >  Sri  Lanka  >  Themenpapier  vom  Rainer  Mattern  vom  22.  September  2011:  Sri  Lanka:  Situation  für  aus  dem  Norden  oder  Osten  stammende  TamilInnen  in  Colombo  und  für  Rückkehrer­Innen  nach  Sri  Lanka,  S.  3  ff.).  Vor  diesem  Hintergrund  besteht  bei  der  tamilischen  Bevölkerung  ein  vielfacher  Wunsch  zur  Auswanderung, der sich vor allem bei denjenigen manifestiert, die bereits  über  ein  minimales  soziales  Beziehungsnetz  im  Ausland  verfügen.  Die  schwierige Lage dieser Personengruppe spiegelt  sich  im Übrigen  in der  schweizerischen Asylstatistik wider. Ihr zufolge stellten Personen aus Sri  Lanka noch im Jahre 2010 mit 939 Gesuchen die drittgrösste Gruppe von  Asylsuchenden  (Quelle:  Bundesamt  für  Migration,  http://www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  Zahlen  und  Fakten  >  Asylstatistik > Kommentierte Asylstatistik 2010, S. 3). 8.2. Allein aufgrund der allgemeinen Lage  im Herkunftsland darf  jedoch  nicht  auf  eine  nicht  hinreichend gesicherte Wiederausreise  geschlossen  werden.  Die  soeben  dargelegten  Umstände  entbinden  daher  nicht  von  einer  einzelfallbezogenen  Beurteilung,  wobei  namentlich  berufliche,  gesellschaftliche  oder  familiäre  Verpflichtungen  die  Prognose  einer  anstandslosen Wiederausreise begünstigen. 9.  9.1.  A._______  wurde  in  Inuvil  im  Distrikt  Jaffna  geboren;  ihre  Kinder  B._______,  C._______  und  D._______  kamen  in  Kilinochchi  bzw.  im  gleichnamigen Distrikt auf die Welt. Alle vier Gesuchstellenden stammen  somit  aus  der  Nordprovinz,  d.h.  aus  den  tamilischen  Gebieten,  welche  immer noch durch die Nachkriegssituation  und die  starke Militarisierung  geprägt  werden.  Angesichts  dieser  Lebensumstände  lässt  das  in  ihrem  http://www.fl�chtlingshilfe.ch http://www.bfm.admin.ch

C­2208/2010 Fall behauptete Vorhandensein von Grundbesitz und Ersparnissen nicht  unbedingt  darauf  schliessen,  dass  sie,  sobald  sie  das  Land  einmal  verlassen  haben,  wieder  in  ihre  krisengebeutelte  Heimatregion  zurückkehren  wollen.  Erst  recht  gilt  diese  Annahme,  weil  sich  der  Beschwerdeführer  nicht  einmal  genauer  zum  Umfang  des  behaupteten  Vermögens geäussert  hat.  9.2. Dass  die  Gesuchstellenden  sonstige  spezielle  Verpflichtungen  und  Bindungen  in  ihrem  Heimatland  hätten,  ist  nicht  ersichtlich.  Der  Beschwerdeführer  hat  zwar  erklärt,  seine  Cousine  habe  in  ihrem  Heimatland  mehrere  nahe  Angehörige,  unter  anderem  eine  Schwester  und  vier  Brüder;  ausschlaggebend  sind  diese  Beziehungen  aber  schon  deshalb  nicht,  weil  die  engste  familiäre  Verbundenheit  unter  den  Gesuchstellenden  selbst  besteht  und  diese  sich  gemeinsam  um  die  Einreise  in  die  Schweiz  bemühen.  Was  die  drei  erwachsenen  Kinder  betrifft,  so  lässt  sich  ihren  Visumsgesuchen  vom  5.  Januar  2010  entnehmen,  dass  der  Sohn  B._______  seinerzeit  als  Farmer  arbeitete  und  die  Töchter  C._______  und  D._______  studierten.  Dass  die  ältere  Tochter  das  Studium  offenbar  mittlerweile  beendet  hat,  geht  aus  der  Replik  des Beschwerdeführers  vom 22. Juni  2010 hervor.  Zum näheren  beruflichen  Umfeld  bzw.  zu  den  Berufsplänen  der  Kinder  hat  sich  der  Beschwerdeführer  allerdings  nicht  geäussert.  Inwieweit  die  drei  jungen  Erwachsenen  –  trotz  Beruf  und   Ausbildung  –  ihren  Lebensunterhalt  sicherstellen  können,  bleibt  daher  angesichts  der  Situation  in  ihrem  Heimatland fraglich. 9.3.  Es  kann  somit  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  die  Gesuchstellenden  die  Absicht  haben,  nach  einmal  erfolgter  Einreise  in  der Schweiz zu bleiben. Dass sie hier über ein grösseres Beziehungsnetz  verfügen,  als  es  des  Beschwerdeführer  glauben  machen  möchte,  darf  angenommen werden. Dieser hat zwar in seiner Replik behauptet, er sei  der  einzige  Angehörige  seiner  Cousine  in  der  Schweiz;  das  Gegenteil  ergibt sich allerdings aus den kantonalen Abklärungen (vgl. Schreiben der  Gemeinde  […]  vom  12.  Februar  2010).  Möglicherweise  gehören  zum  hiesigen  Beziehungsnetz  der  Gesuchstellenden  auch  noch  Familienangehörige des verstorbenen Ehemannes bzw. Vaters,  ist doch  in  der  Beschwerdeschrift  von  dessen  Verwandtschaft,  welche  eine  Gedenkfeier organisieren wolle, die Rede.  9.4. Die behauptete Absicht, an dieser Gedenkfeier teilnehmen zu wollen,  scheint ausserdem nicht vordringlicher Besuchszweck zu sein. Dem vom 

C­2208/2010 Beschwerdeführer eingereichten Schreiben der Mobiliar vom 22. Oktober  2009  ist  zu  entnehmen,  dass  den  Gesuchstellenden  ab  Mai  1992  Hinterbliebenenrenten  ausgerichtet  wurden;  der  Unfalltod  des  Ehemannes  bzw.  Vaters  liegt  somit  mehr  als  neunzehn  Jahre  zurück.  Von  daher  scheint  der  Wunsch  der  Gesuchstellenden,  sich  nach  einer  derart  langen  Zeitspanne  erstmals  mit  weiteren  Angehörigen  bei  einer  Gedenkfeier  zu  treffen,  nachrangig  zu  sein  und  nicht  dem  wahren  Besuchszweck  zu  entsprechen.  Unabsichtlich  wird  diese  Einschätzung  bestätigt,  wenn  in  der  Replik  behauptet  wird,  es  entspreche  einer  tamilischen Tradition,  jedes  Jahr  am Todestag  eines Verstorbenen  eine  Gedenkfeier innerhalb der Familie abzuhalten.  9.5.  Schliesslich  hat  der  Beschwerdeführer  geltend  gemacht,  die  Gesuchsteller hätten Anspruch auf Witwen­ und Waisenrenten. Dem von  ihm  eingereichten  Schreiben  der Mobiliar  vom  22.  Oktober  2009  lässt  sich  allerdings  nicht  entnehmen,  ob  tatsächlich  noch  derartige  Rentenansprüche  existieren.  Insbesondere  geht  aus  diesem  Schreiben  hervor,  dass  im  Jahr  1999  sämtliche  Rentenzahlungen  eingestellt  wurden,  da  die  Gesuchstellenden  keine  Nachweise  über  ihre  Anspruchsberechtigung  (Auszug  aus  dem  Zivilstandsregister  zum  Nachweis der fehlenden Wiederverheiratung, Ausbildungsbestätigungen)  erbracht  hatten.  Die  Versicherung  hat  dabei  in  Aussicht  gestellt,  die  Weiterausrichtung  der  Renten,  auch  rückwirkend,  zu  prüfen,  sobald  entsprechende Belege vorgelegt würden. Bei dieser Sachlage besteht für  die  Gesuchstellenden  keine  Notwendigkeit,  in  die  Schweiz  einzureisen,  um allfällige Ansprüche  gegenüber  der Versicherung  persönlich  geltend  zu machen. Die Gesuchstellenden konnten sich früher offensichtlich vom  Heimatland  aus  um  ihre  Rentenansprüche  kümmern  und wurden  dabei  vom  in  der  Schweiz  lebenden  Beschwerdeführer  unterstützt.  Dies  ist  ihnen  auch  gegenwärtig  –  auch  soweit  es  Ansprüche  aus  der  Vergangenheit  betrifft  –  möglich,  sofern  die  jeweiligen  Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind und nachgewiesen werden.  10.  Gründe  für  die  Ausstellung  eines  Visums  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit  (vgl.  E.  6)  sind  nicht  ersichtlich.  Insbesondere  ist  kein  humanitärer Grund darin zu erblicken, dass die Gesuchstellenden den Ort  besuchen  wollen,  an  dem  der  vor  fast  zwei  Jahrzehnten  verstorbene  Ehemann und Vater gelebt hat. 

C­2208/2010 11.  Vor  dem  aufgezeigten  Hintergrund  durfte  die  Vorinstanz  zu  Recht  annehmen,  die  Wiederausreise  der  Gesuchstellenden  nach  dem  geplanten Besuchsaufenthalt  sei nicht gesichert. Daran ändert auch der  Umstand  nichts,  dass  der  Beschwerdeführer  wiederholt  das  Gegenteil  zugesichert  hat,  ist  doch  eine  derartige  Garantie  weder  faktisch  noch  rechtlich  durchsetzbar.  Gastgeber  können  zwar  für  gewisse  finanzielle  Risiken  im  Zusammenhang  mit  einem  Besuchsaufenthalt  garantieren,  nicht  jedoch  für  eine  bestimmtes  Verhalten  ihrer  Gäste  (vgl.  BVGE  2009/27 E. 9).  12.  Aus  diesen  Darlegungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  im  Ergebnis rechtmässig ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge  abzuweisen. 13.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (vgl. Art.  63 Abs.  1 VwVG  i.V.m. Art.  1  und  Art.  3  des  Reglements  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  vom  21.  Februar  2008  [VGKE,  SR  173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Ref­Nr. […];  Akten retour) – den Migrationsdienst des Kantons Bern

C­2208/2010 Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Giemsa­Haake

C-2208/2010 — Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 C-2208/2010 — Swissrulings