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Bundesverwaltungsgericht 08.09.2011 C-1733/2008

8 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,653 parole·~13 min·1

Riassunto

nach Auflösung der Familiengemeinschaft | Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­1733/2008 Urteil   v om   8 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Ruth Beutler, Richter Blaise Vuille,  Gerichtsschreiber Julius Longauer. Parteien A._______,  Beschwerdeführer,  vertreten durch lic. iur. Ismet Bardakci, Fürsprecher, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung.

C­1733/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer, ein 1974 geborener türkischer Staatsangehöriger,  heiratete  am  15.  März  2002  in  der  Türkei  eine  im  Kanton  Bern  niedergelassene Landsfrau. Am 6. Juni 2002 gelangte er  in die Schweiz  und  erhielt  im  Kanton  Bern  zum  Verbleib  bei  seiner  Ehefrau  eine  Aufenthaltsbewilligung.  Die  Aufenthaltsbewilligung  wurde  ordentlicherweise letztmals mit Wirkung bis 18. April 2005 verlängert. B.  Die Ehegatten trennten sich 24. November 2004 und am 26. Januar 2009  wurde die Ehe des Beschwerdeführers geschieden. C.  Nachdem  die  zuständige Migrationsbehörde  des  Kantons  Bern  von  der  per  24.  November  2004  realisierten  Trennung  der  Ehegatten  Kenntnis  erhalten hatte, teilte sie dem Beschwerdeführer am 14. Juni 2005 mit, sie  erwäge  seine  Aufenthaltsbewilligung  wegen  weggefallenem  Aufenthaltszweck  nicht  weiter  zu  verlängern  und  ihn wegzuweisen.  Der  Beschwerdeführer  wurde  eingeladen,  zu  dieser  Angelegenheit  im  Rahmen des rechtlichen Gehörs Stellung zu nehmen. D.  Der Beschwerdeführer  nahm am 8. August  2005 Stellung  und  ersuchte  um  Aussetzung  des  Bewilligungsentscheids  bis  zum  Abschluss  eines  gegen ihn hängigen Strafverfahrens wegen häuslicher Gewalt. Weil er die  Pläne  seiner  Ehefrau  durchkreuzt  und  sich  geweigert  habe,  nicht  registrierte  Kinder  seines  Schwagers  als  ihre  gemeinsamen,  vorehelich  geborenen Kinder registrieren und dann in die Schweiz nachkommen zu  lassen,  wolle  seine  Ehefrau  die  Scheidung  und  versuche,  seinem  Aufenthalt in der Schweiz mit falschen Anschuldigungen ein Ende setzen. E.  Mit  Blick  auf  seine  ungeklärte  zivil­  und  strafrechtliche  Situation  verlängerte  die  kantonale  Migrationsbehörde  die  Aufenthaltsbewilligung  des Beschwerdeführers  in der Folge ausnahmsweise und ohne Präjudiz  insgesamt  fünf Mal,  letztmals  bis  30.  Juni  2007.  Der  Beschwerdeführer  wurde  dabei  jeweils  angehalten,  die  Migrationsbehörde  über  aktuelle  Sachverhaltsentwicklungen  zu  orientieren. Dieser Aufforderung  kam der  Beschwerdeführer mit Eingaben vom 14. November 2005, 25. März 2006,  17. Juli 2006 und 4. Dezember 2006 nach.

C­1733/2008 F.  Als nach zwei Jahren ausserordentlicher Bewilligungsverlängerungen die  straf­  und  zivilrechtliche  Situation  des  Beschwerdeführers  immer  noch  einer  definitiven  Klärung  harrte,  gelangte  die  kantonale  Migrationsbehörde  am  13.  Juni  2007  an  den  Beschwerdeführer  und  unterbreitete  ihm  im Hinblick  auf  den  anstehenden Entscheid  über  eine  erneute  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung  eine  Reihe  von  Fragen zum Stand der verschiedenen, in seiner Angelegenheit hängigen  Verfahren,  zu  seinen  Verhältnissen  in  der  Schweiz  und  in  der  Türkei  sowie zu allfälligen Reisen in die Heimat während der letzten Jahre. G.  Am  28.  Juli  2007  erteilte  der  Beschwerdeführer  die  geforderten  Auskünfte.  Unter  anderem  orientierte  er  darüber,  dass  in  seiner  Sache  zur  Zeit  ein  Scheidungsverfahren  und  zwei  Strafverfahren  anhängig  seien. Das erste Strafverfahren sei gegen  ihn gerichtet und betreffe den  aus  der  Luft  gegriffenen  Vorwurf  häuslicher  Gewalt.  Das  zweite  Strafverfahren  habe  er  gegen  seine  Ehefrau  wegen  falscher  Anschuldigung  und  Urkundenfälschung  angestrengt.  Des  Weiteren  äusserte  sich  der  Beschwerdeführer  ausführlich  zu  seinen  Zukunftsplänen, seiner familiären und beruflichen Situation in der Türkei,  sowie zu den Gründen, die aus seiner Sicht für einen weiteren Verbleib in  der  Schweiz  sprächen.  In  diesem  Zusammenhang  wies  er  darauf  hin,  dass er einer Erwerbstätigkeit als Bodenleger nachgehe, zur Zeit  jedoch  wegen eines Unfalls arbeitsunfähig sei. H.  Am  16.  August  2007  leitete  die  kantonale  Migrationsbehörde  die  Bewilligungssache  mit  dem  Antrag  auf  Zustimmung  an  die  Vorinstanz  weiter. I.  Die Vorinstanz gelangte am 9. November 2007 an den Beschwerdeführer  und gewährte ihm das rechtliche Gehör zur erwogenen Verweigerung der  Zustimmung und Wegweisung aus der Schweiz. J.  Mit  Schreiben  vom  31.  Dezember  2007  machte  der  Beschwerdeführer  von  der  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  Gebrauch  und  ersuchte  um  Erteilung der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung.

C­1733/2008 Der  Beschwerdeführer  hob  hervor,  dass  er  nur  deshalb  Gefahr  laufe,  seine Aufenthaltsbewilligung zu verlieren, weil er sich  für die Beachtung  der  schweizerischen  Rechtsordnung  entschieden  und  sich  geweigert  habe,  an  den  betrügerischen  Machenschaften  seiner  Ehefrau  im  Zusammenhang mit dem angestrebten Nachzug der Kinder ihres Bruders  mitzuwirken.  Der  Beschwerdeführer  berief  sich  in  diesem  Zusammenhang  auf  die  Weisungen  des  BFM,  wonach  beim  ermessensgelenkten  Entscheid  über  die  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  die  Umstände  zu  berücksichtigen  seien,  die  zur  Auflösung  der  Ehe  oder  der  ehelichen  Gemeinschaft  geführt  hätten.  Stehe  fest,  dass  der  im  Familiennachzug  zugelassenen  Person,  namentlich  wenn  sie  misshandelt  worden  sei,  eine  Fortführung  der  ehelichen Beziehung nicht  länger  zugemutet werden könne,  so  sei  dies  beim  Entscheid  besonders  in  Rechnung  zu  stellen.  Härtefälle  seien  zu  vermeiden.  Eine  solche  Konstellation  sei  in  seinem  Fall  gegeben.  Des  Weiteren ging der Beschwerdeführer  auf  seine gelungene  Integration  in  der  Schweiz  ein  sowie  auf  den  Umstand,  dass  er  nach  einem  Arbeitsunfall  mehrere  Male  am  Knie  operiert  worden  sei  und  nach  Einschätzung  der  SUVA  nicht  mehr  auf  dem  Bau,  seinem  bisherigen  Tätigkeitsgebiet,  werde  arbeiten  können.  Die  Schwierigkeiten  einer  berufliche  Neuorientierung  in  der  Türkei  müssten  im  Rahmen  des  Verlängerungsentscheids berücksichtigt werden. K.  Mit  Verfügung  vom  8.  Februar  2008  verweigerte  die  Vorinstanz  ihre  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und wies  den  Beschwerdeführer  unter  Ansetzung  einer  Ausreisefrist  aus  der  Schweiz  weg.  Zur  Begründung  führte  sie  aus,  es  sei  dem  Beschwerdeführer  zwar  zugute  zu  halten,  dass  er  sich  für  die  Schweizer  Rechtsordnung  und  gegen  eine  Mitwirkung  an  den  Machenschaften  seiner  Ehefrau  entschieden  habe.  Daraus  könne  jedoch  nicht  abgeleitet  werden,  ein  Verlust  des  Aufenthaltsrechts  in  der  Schweiz  wäre  für  ihn  mit  einer  besonderen  Härte  verbunden.  Zu  Unrecht  berufe  sich  der  Beschwerdeführer  in  diesem  Zusammenhang  auf  die  Weisungen  des  BFM.  Die  von  ihm  zitierten  Textpassagen  bezögen  sich  auf  Opfer  ehelicher  Gewalt  und/oder  des  Menschenhandels,  nicht  jedoch  auf  Personen  in  einer  Konstellation  wie  der  seinigen.  In  Anbetracht  der  Tatsache,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  erst  seit  5½  Jahren  in  der  Schweiz aufhalte, die eheliche Gemeinschaft nur 2 Jahre und 8 Monate 

C­1733/2008 gelebt  worden  und  kinderlos  geblieben  sei  und  Anhaltspunkte  für  eine  besonders  enge  Beziehung  zur  Schweiz  fehlten,  sei  es  ihm  unter  dem  Aspekt  der  Verhältnismässigkeit  durchaus  zumutbar,  seinen  Lebensmittelpunkt wieder  in die Türkei zu verlegen, wo er die ersten 28  Jahre seines Lebens verbracht habe. Sollte er wegen Kniebeschwerden  seiner  bisherigen  Tätigkeit  nicht mehr  nachgehen  können,  so  könne  er  sich auch in der Türkei beruflich umorientieren. L.  Gegen  die  vorgenannte  Verfügung  erhob  der  Beschwerdeführer  am  13. März  2008  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  mit  dem  Antrag, der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung sei die Zustimmung  zu  erteilen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur  Begründung  geht  der  Beschwerdeführer  auf  die  Umstände  des  Scheiterns  seiner Ehe ein,  die  entgegen der Auffassung der Vorinstanz  beim  Entscheid  über  die  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung  besonders  gewichtet  werden  müssten,  und  orientiert  in  diesem  Zusammenhang  über  die  am  21.  August  2007  erfolgte  definitive  Einstellung  des  gegen  ihn  geführten  Strafverfahrens  wegen  häuslicher  Gewalt.  Der  Beschwerdeführer  fährt  fort,  dass  weder  Gesetz  noch  Weisungen eine besondere Härte für den Fall verlangen würden, müsste  er  die  Schweiz  verlassen.  In  diesem  Sinne  würden  Aufenthaltsbewilligungen  von  Opfern  ehelicher  Gewalt  immer  und  ungeachtet der Frage verlängert, ob die Rückkehr in ihre Heimat mit einer  besonderen  Härte  verbunden  wäre.  Weshalb  es  sich  bei  ihm  anders  verhalten  sollte,  sei  nicht  einzusehen.  Hinzu  trete,  dass  in  seinem  Fall  eine  besondere  Härte  gerade  gegeben  sei.  Er  sei  nämlich  am  25. November 2005 am Arbeitsplatz verunfallt und habe sich schwer am  rechten  Knie  verletzt.  In  der  Folge  habe  er  sich mehreren Operationen  unterziehen  müssen  und  sei  bis  heute  zu  100  %  arbeitsunfähig.  Demnächst  sei  eine  weitere  Operation  fällig.  Obwohl  die  medizinische  Behandlung  sowie  die  Abklärungen  der  SUVA  und  der  IV­Stelle  Bern  noch  nicht  abgeschlossen  seien,  stehe  bereits  heute  fest,  dass  er  auf  dem Bau – seinem bisherigen Tätigkeitsbereich sowohl in der Türkei wie  auch hier in der Schweiz – nicht mehr werde arbeiten können. Erst nach  Abschluss der Untersuchungen werde sich weisen, ob eine beschränkte  Arbeitsfähigkeit  für  einfache  Arbeiten  noch  möglich  oder  ob  ein  Berufswechsel  mit  Umschulung  nötig  sein  werde.  Hinzu  trete,  dass  er,  der  Beschwerdeführer,  seit  längerer  Zeit  in  psychiatrischer  Behandlung 

C­1733/2008 stehe.  Sollte  er  in  seine  Heimatstadt  Gaziantep  zurückkehren  müssen,  werde  er  mit  seiner  Behinderung  kaum  eine  Anstellung  finden  und  für  seinen Lebensunterhalt aufkommen können. Zwar  lebten seine Eltern  in  Gaziantep. Die Beiden seien jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht  erwerbstätig und auf seine finanzielle Unterstützung angewiesen.  M.  Mit  Zwischenverfügung  vom  28.  März  2008  lehnte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Bewilligung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege mangels notwendiger Belege ab. N.  Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 3. Juni 2008 die  Abweisung der Beschwerde.  Sie weist  zur Begründung darauf hin,  dass nach  ihren Erkenntnissen  in  der Türkei grundsätzlich alle Krankheiten behandelbar seien; so auch die  körperlichen  und  psychischen  Gebrechen,  an  denen  der  Beschwerdeführer  leide.  Wenn  auch  der  Beschwerdeführer  im  Baugewerbe  vermutungsweise  keiner  Erwerbstätigkeit  mehr  werde  nachgehen  können  und  sich  beruflich  werde  umorientieren müssen,  so  sei  ihm  doch  zumutbar,  in  der  Türkei  eine  geeignete  Arbeit  zu  suchen.  Sodann könne in Anbetracht der Tatsache, dass er vor seiner Einreise in  die  Schweiz  28  Jahre  in  der  Türkei  gelebt  habe,  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  dort  neben  seinen  offenbar  kranken  Eltern  auf  ein  Beziehungsnetz  zurückgreifen  könne,  das  ihn  die  erste  Zeit  nach  der  Rückkehr  unterstützen  werde.  Eine  allfällige  IV­Rente  würde  ihm  dabei  auch in die Türkei ausbezahlt werden. Es treffe sodann nicht zu, dass die  Aufenthaltsbewilligung  eines  Opfers  ehelicher  Gewalt  grundsätzlich  verlängert  werde.  Vielmehr  werde  jeder  Fall  einzeln  in  seiner  Besonderheit  geprüft.  Im Falle  des Beschwerdeführers  sei  festzuhalten,  dass  die  ohnehin  nur  kurz  gelebte  Ehe  offensichtlich  nicht  harmonisch  verlaufen  sei.  Hingegen  könne  der  Beschwerdeführer  nicht  als  Opfer  häuslicher  Gewalt  bezeichnet  werden.  Schliesslich  habe  der  Beschwerdeführer  während  seines  bisherigen  Aufenthalts  zwar  nicht  gegen  das  Gesetz  verstossen  und  gelte  offenbar  als  hilfsbereite,  freundliche  und  kontaktfreudige  Person.  Einer  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  könnte  aber  nur  dann  zugestimmt werden, wenn  die  Situation  des  Beschwerdeführers  als  Härtefall  eingestuft  werden  könnte. Das sei nicht der Fall.

C­1733/2008 O.  In seiner Replik vom 11. Juli 2008 hielt der Beschwerdeführer an seinen  Rechtsbegehren und deren Begründung fest.  Ergänzend macht der Beschwerdeführer geltend, dass er unter multiplen  gesundheitlichen  Problemen  leide  (Fettleibigkeit,  Diskushernien,  Instabilität  des  linken  Handgelenks,  Läsion  im  Bereich  des  rechten  Knies),  die  in den nächsten zwei  Jahren eine Reihe operativer Eingriffe  notwendig machen würden. Weitere Eingriffe seien nicht ausgeschlossen.  Müsste  er  in  die  Türkei  zurückkehren,  könnte  er  sich  mangels  Versicherung und reeller Aussichten auf eine Arbeitsstelle die notwendige  und  angemessene  Behandlung  nicht  leisten.  Doch  selbst  wenn  er  Leistungen  des  öffentlichen  Gesundheitssystems  in  Anspruch  nehmen  könnte,  wären  sie  kaum  genügend.  Denn  in  den  Einrichtungen  des  öffentlichen Gesundheitswesens  fehlten die wichtigsten Diagnosegeräte.  Diese befänden sich  vor allem  in den Privatpraxen von Fachärzten und  wären  ihm nicht  zugänglich. Zudem bestehe vor allem  im Südosten der  Türkei, von wo er komme, ein Mangel an Fachärzten und Material. Eine  Wegweisung würde daher ein grosse Härte darstellen. Dies nicht nur für  ihn, sondern auch  für seine  in der Türkei  lebende Familie, die auf seine  Unterstützung  angewiesen  sei.  Der  Beschwerdeführer  bestreitet  schliesslich, dass er  in der Türkei über ein Beziehungsnetz verfüge, das  in  der  Lage  oder  auch  nur  gewillt  wäre,  ihn  im  Falle  der  Rückkehr  zu  unterstützen.  Zum  Strafverfahren  gegen  seine  Ehefrau  teilt  der  Beschwerdeführer unter Edition der entsprechenden Akten mit, dass die  Angeschuldigte  vom  zuständigen  Untersuchungsrichteramt  am  1.  Juli  2008 wegen  falscher Anschuldigung und Urkundenfälschung  zu  seinem  Nachteil dem Strafgericht zur Beurteilung überwiesen worden sei. P.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  4.  Februar  2011  lud  das  Bundesverwaltungsgericht  den Beschwerdeführer  ein,  allfällige  seit  dem  letzten  Schriftenwechsel  eingetretene  Sachverhaltsänderungen  in  das  Verfahren einzubringen. Q.  Der  Aufforderung  des  Bundesverwaltungsgerichts  kam  der  Beschwerdeführer mit Eingabe vom 7. März 2011 nach.  Der  Beschwerdeführer  berichtet  darin  von  einer  fortschreitenden  Verschlechterung  seines  Gesundheitszustands.  Seine  Ärzte  prüften 

C­1733/2008 gegenwärtig  eine  erneute  Anmeldung  bei  der  IV,  nachdem  im  ersten  Durchlauf die Ausrichtung einer Rente bis 30. September 2007 befristet  worden  sei.  Gegenwärtig  beziehe  er  Taggelder  der  SUVA.  Erst  nach  Abschluss  der  medizinischen  Behandlung  werde  die  SUVA  über  die  Frage einer Rente entscheiden. Sozialhilfe nehme er trotz wirtschaftlicher  Schwierigkeiten nicht  in Anspruch. Ansonsten sei er überdurchschnittlich  gut integriert. Ohne seinen Freundes­ und Bekanntenkreis in der Schweiz  würde  es  ihm  heute  (psychisch)  wesentlich  schlechter  gehen.  Der  Beschwerdeführer  weist  abschliessend  darauf  hin,  dass  er  sich  bereits  am 22. Oktober 2008 als Privatkläger aus dem gegen seine Ex­Ehefrau  hängigen  Strafverfahren  zurückgezogen  habe.  Er  wisse  daher  nicht,  in  welchem  Stadium  sich  das  Strafverfahren  befinde  und  ob  seine  Ex­ Ehefrau verurteilt worden sei. R.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt,  namentlich  die  zahlreichen,  vom  Beschwerdeführer  innerhalb  und  ausserhalb  des  ordentlichen  Schriftenwechsels  in  das  Rechtsmittelverfahren  eingebrachten  Beweismittel  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen  eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  sowie  Art.  33  Bst.  d  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968  (VwVG, SR  172.021), soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt  (Art. 37 VGG). 1.3. Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  zur  Beschwerde  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  im  Übrigen  frist­  und  formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 49 ff. VwVG) 2.  2.1.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige 

C­1733/2008 Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht von Amtes wegen an. Es  ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.451/2002 vom 28. März 2003 E. 1.2, nicht publ.  in: BGE 129 II 215).  Inwieweit  Rechtsänderungen  zu  berücksichtigen  sind,  hängt  von  der  massgeblichen  intertemporalen  Regelung  ab.  Fehlt  im  Gesetz  eine  Übergangsbestimmung,  so  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  aufgrund  allgemeiner  intertemporaler  Grundsätze  (ANDRÉ  MOSER  /  MICHAEL  BEUSCH  /  LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.202 mit Hinweisen). 2.2.  Am  1.  Januar  2008  traten  das  neue  Bundesgesetz  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  und  seine  Ausführungsverordnungen  in  Kraft  –  unter  anderem  die  Verordnung  vom  24.  Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201).  In  Verfahren,  die  vor  diesem  Zeitpunkt anhängig gemacht wurden, wie es vorliegend der Fall ist, bleibt  nach  der  übergangsrechtlichen  Ordnung  des  AuG  das  alte  materielle  Recht  anwendbar.  Dabei  ist  entgegen  dem  zu  engen Wortlaut  des  Art.  126 Abs. 1 AuG ohne Belang, ob das Verfahren auf Gesuch hin oder von  Amtes  wegen  eröffnet  wurde  (vgl.  BVGE  2008/1  E.  2  mit  Hinweisen).  Einschlägig  sind das Bundesgesetz  vom 26. März  1931 über Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121),  die  Vollziehungsverordnung  vom  1. März  1949  zum  Bundesgesetz  über  Aufenthalt  und Niederlassung der Ausländer  (ANAV, AS 1949 228),  die  Verordnung  vom  20. April  1983  über  das  Zustimmungsverfahren  im  Ausländerrecht  (nachfolgend:  Zustimmungsverordnung,  AS  1983  535)  und die Verordnung vom 6. Oktober 1986 über die Begrenzung der Zahl  der  Ausländer  (Begrenzungsverordnung,  BVO,  AS  1986  1791).  Das  Verfahren  selbst  folgt  grundsätzlich  dem  neuen  Verfahrens­  und  Organisationsrecht (Art. 126 Abs. 2 AuG). 3.  3.1.  Der  Entscheid  über  die  Erteilung  und  Verlängerung  von  Aufenthaltsbewilligungen  fällt  grundsätzlich  in  die  Zuständigkeit  der 

C­1733/2008 Kantone (Art. 15 Abs. 1 und 2 ANAG). Vorbehalten bleibt die Zustimmung  des BFM, wenn das Ausländerrecht eine solche für notwendig erklärt (Art.  18  ANAG).  Die  Zustimmungsbedürftigkeit  des  kantonalen  Entscheids  ergibt  sich  im  vorliegenden  Fall  aus  Art. 1  Abs.  1  Bst.  a  Zustimmungsverordnung  in  Verbindung  mit  den  Weisungen  und  Erläuterungen  des  BFM  über  Einreise,  Aufenthalt  und  Arbeitsmarkt  (ANAG­Weisungen,  3. Auflage,  Bern, Mai  2006).  Letztere  sehen  in  Ziff.  132.4 Bst.  f vor, dass die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung eines  Ausländers  oder  einer  Ausländerin  nach  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft mit einem ausländischen Ehegatten oder nach dessen Tod  dem BFM  zur  Zustimmung  zu  unterbreiten  ist,  falls  der  Ausländer  oder  die  Ausländerin  nicht  aus  einem  Mitgliedstaat  der  EFTA  oder  der  EG  stammt. 3.2. Die  Ehegatten  lösten  die  eheliche  Lebensgemeinschaft  auf,  bevor  dem Beschwerdeführer aus Art. 17 Abs. 2 Satz 2 ANAG ein von der Ehe  unabhängiger  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Niederlassungsbewilligung  und  damit  auch  auf  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung  erwachsen konnte (vgl. dazu BGE 130 II 49 E. 3.2 S. 53 ff.). Eine andere  Anspruchsgrundlage  des  Landes­  oder Staatsvertragsrechts  ist  nicht  zu  erkennen.  Bei  dieser  Rechtslage  liegt  der  Entscheid  über  die  Erteilung  oder  Verweigerung  der  Zustimmung  im  pflichtgemässen  Ermessen  des  BFM (Art. 4 ANAG). Eine Bindung an die kantonale Beurteilung besteht  nicht.  Das  gilt  selbst  dann,  wenn  auf  kantonaler  Ebene  ein Gericht  auf  Erteilung oder Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung erkannt hat  (vgl.  grundlegend BGE 127 II 49 E. 3 S. 51 ff; ferner Entscheid des EJPD vom  15.  April  2005  E.  12  in:  Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden  [VPB]  69.76). 4.  Die  pflichtgemässe  Ausübung  des  Ermessens  impliziert  die  Beachtung  rechtlicher  Schranken  bei  der  Ausfüllung  der  Ermessensspielräume.  Vorliegend  steht  der  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  von  Verwaltungsakten  im  Vordergrund.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  der  Verhältnismässigkeit  ist  eine  wertende  Abwägung  vorzunehmen  zwischen  dem  öffentlichen  Interesse  an  der  Verweigerung  der  Zustimmung einerseits und den durch die Verweigerung beeinträchtigten  privaten  Interessen  des  (oder  der)  Betroffenen  andererseits  (vgl.  statt  vieler  ULRICH  HÄFELIN  /  GEORG  MÜLLER  /  FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich und St. Gallen 2010, S. 138 f.).

C­1733/2008 5.  5.1. Richtschnur und äusseren Rahmen der  Interessenabwägung bilden  die Grundentscheidungen  des Ausländerrechts,  namentlich  die  in Art.  1  BVO  formulierten  migrationspolitischen  Ziele  und  die  damit  zusammenhängende  restriktive  Einwanderungspolitik  gegenüber  erwerbstätigen  ausländischen Personen aus  dem Nicht­EU/EFTA­Raum  (in der Folge: Drittstaatsangehörige). Diese Politik  findet  ihren Ausdruck  unter  anderem  in  den  strengen  Zulassungsbeschränkungen  der  Begrenzungsverordnung,  denen  erwerbstätige  Drittstaatsangehörige  namentlich in Gestalt hoher Anforderungen an die berufliche Qualifikation  (Art. 8 BVO) und der Höchstzahlen (Art. 12 BVO) unterworfen sind. Das  erhebliche Gewicht des öffentlichen Interesses an der Durchsetzung der  restriktiven Einwanderungspolitik gegenüber Drittstaatsangehörigen zeigt  sich  daran,  dass  humanitäre  Gründe  in  diesem  rechtlichen  Zusammenhang  erst  Bedeutung  erlangen,  wenn  die  Betroffenheit  des  Einzelnen  die  Grenze  zum  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefall  im  Sinne von Art. 13 Bst. f BVO überschreitet. Nach der Auflösung der Ehe,  die  sie  von  restriktiven  qualitativen  und  quantitativen  Zulassungsvoraussetzungen  der  Begrenzungsverordnung  ausnehmen,  muss die ausländische Person dieses öffentliche Interesse grundsätzlich  wieder gegen sich gelten lassen, auch wenn sie nach Massgabe von Art.  12  Abs.  2  zweiter  Satz  BVO  den  Höchstzahlen  der  Begrenzungsverordnung nach wie vor nicht untersteht. Es ist deshalb ein  vergleichsweise  strenger  Massstab  angebracht,  wenn  es  zu  beurteilen  gilt,  ob  nach  Wegfall  des  Privilegierungsgrundes  private  Interessen  bestehen,  denen  gegenüber  das  öffentliche  Interesse  an  der  Durchsetzung  der  restriktiven  Migrationspolitik  zurückzustehen  hat.  Dementsprechend geht das Bundesverwaltungsgericht mit der Vorinstanz  davon  aus,  dass  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  nach  Auflösung  der  Ehe  in  erster  Linie  ein  Instrument  zur  Vermeidung  von  Härtefällen  darstellt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­1786/2007 vom 7. Juni 2010 E. 7.1 mit Hinweis; ferner Ziff. 654 ANAG­ Weisungen). 5.2. Unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit  ist zu prüfen, ob  die Durchsetzung der restriktiven Migrationspolitik im konkreten Einzelfall  zu  unbilligen,  vom  öffentlichen  Interesse  an  der  Durchsetzung  einer  restriktiven  Einwanderungspolitik  nicht  gedeckten  Härten  bei  der  betroffenen  ausländischen  Person  führt.  Entscheidend  ist,  inwieweit  es  der  ausländischen  Person  in  persönlicher,  wirtschaftlicher  und  sozialer  Hinsicht  zugemutet  werden  kann,  den  Aufenthalt  in  der  Schweiz 

C­1733/2008 aufzugeben, in ihre Heimat zurückzukehren und dort zu leben. Zu diesem  Zweck  ist  ihre  zukünftige  Situation  im  Ausland  den  persönlichen  Verhältnissen in der Schweiz gegenüberzustellen. Über die Zumutbarkeit  ist nach Massgabe der gesamten Umstände des Einzelfalles zu befinden.  Dazu gehören allgemeine,  von der Ehe unabhängige Elemente, wie die  Dauer  des  Aufenthaltes  in  der  Schweiz,  der  Grad  der  sozialen  und  wirtschaftlichen Integration in die hiesigen Verhältnisse, das Alter und der  gesundheitliche Zustand, soweit Kinder vorhanden sind, deren Alter und  schulische  Integration,  aber  auch  die  Unterkunft  und  die  Reintegrationsmöglichkeiten  in  der  Heimat,  ferner  ehespezifische  Elemente,  wie  die  Dauer  der  Ehe  und  die  Umstände,  die  zu  deren  Auflösung geführt haben. Steht fest, dass der ausländischen Person eine  Weiterführung  der  ehelichen  Beziehung  nicht  länger  zugemutet  werden  konnte, namentlich weil sie Opfer von Misshandlungen geworden war, so  ist  dies  besonders  zu  berücksichtigen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­1786/2007  vom  7.  Juni  2010  E.  7.2  mit  Hinweis; ferner Ziff. 654 ANAG­Weisungen). 5.3. Welcher  Grad  an  Betroffenheit  in  den  persönlichen  Verhältnissen  notwendig  ist,  damit  das  öffentliche  Interesse  an  der  Durchsetzung  der  restriktiven  Migrationspolitik  gegenüber  Drittausländern  zurückzustehen  hat,  ist  vorab  mit  Blick  auf  die  Regelung  des  Art.  7  Abs.  1  ANAG  zu  beantworten,  der  ausländischen  Ehegatten  nach  fünf  Jahren  Ehe  auf  schweizerischem  Territorium  einen  vom  weiteren  Bestand  der  Ehe  unabhängigen  Anspruch  auf  Aufenthalt  vermittelt.  Vor  dem  Erreichen  dieser  zeitlichen  Grenze  kommt  es  entscheidend  darauf  an,  welche  Bedeutung  den  ehespezifischen  Elementen  im  jeweiligen  Einzelfall  zukommt, das heisst  namentlich der Dauer der ehelichen Gemeinschaft  auf  schweizerischem  Territorium,  den  Umständen  der  Auflösung  der  ehelichen Gemeinschaft und –  in  letzterem Zusammenhang – allfälligen  Gewalterfahrungen  in der Ehe sowie der Existenz gemeinsamer Kinder.  Je  mehr  diese  Elemente  ins  Gewicht  fallen,  umso  eher  wird  man  von  einer  hinreichend  schweren Betroffenheit  ausgehen  können. Umgekehrt  rechtfertigt sich ein umso strengerer Massstab, als sich die Härtesituation  nicht  gerade  aus  den  oben  genannten  ehespezifischen  Elementen  ableiten  lässt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­1786/2007  vom  7. Juni  2010  E.  7.3  mit  Hinweis;  vgl.  schliesslich  die  abgestufte  Regelung in Art. 50 AuG). Dabei darf  jedoch nicht ausser Acht gelassen  werden, dass der Verordnungsgeber  in Art. 12 Abs. 2 zweiter Satz BVO  unter anderem ausländische Ehegatten von Schweizer Bürgern von den  Höchstzahlen  der  Begrenzungsverordnung  auch  für  die  Zeit  nach 

C­1733/2008 Auflösung der Ehe ausnimmt und auf diese Weise ihrer besonderen Lage  Rechnung trägt. 6.  6.1. Die  kinderlos  gebliebene  Ehe  des  Beschwerdeführers  hatte  bis  zu  ihrer  Scheidung  zwar  rund  sieben  Jahre  Bestand.  Das  eheliche  Zusammenleben  auf  Schweizer  Boden  dauerte  jedoch  nur  zweieinhalb  Jahre, was zwar nicht mehr als  sehr  kurz,  andererseits aber auch nicht  als  derart  lang  bezeichnet werden  kann,  dass  die Dauer  des  ehelichen  Zusammenlebens  im  Sinne  der  vorstehenden  Erwägungen  besondere  Berücksichtigung  einfordern  würde.  Anders  verhält  es  sich  mit  den  Begleitumständen  des  Scheiterns  seiner  Ehe.  Nach  Darstellung  des  Beschwerdeführers  verlangte  seine  Ehefrau  von  ihm,  die  in  der  Türkei  lebenden,  nicht  registrierten Kinder  eines  ihrer Brüder  als  gemeinsame,  vorehelich  geborene Kinder  registrieren  und  in  die Schweiz  nachziehen  zu  lassen. Er  habe  seine Mitwirkung  verweigert, worauf  sie  ihm mit  der  Scheidung und dem Verlust des Aufenthaltsrechts in der Schweiz gedroht  habe. Als er sich nicht habe umstimmen lassen, habe sie begonnen, ihre  Drohungen in die Tat umzusetzen. So habe sie in der Türkei mit falschen  Tatsachenbehauptungen  eine  rasche  Scheidung  angestrebt,  was  misslungen sei. Darüber hinaus habe sie versucht, seinem Aufenthalt  in  der Schweiz mit Hilfe der Schweizer Behörden ein Ende zu setzen, indem  sie  ihn  fälschlicherweise  der  häuslichen  Gewalt  beschuldigt  habe  und  dabei selbst vor Selbstverletzung und Fälschung von ärztlichen Berichten  nicht  zurückgeschreckt  sei.  Die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  sind  substantiiert  und  in  wesentlichen  Teilen  belegt.  Für  das  Bundesverwaltungsgericht besteht genauso wenig Anlass, sie in Frage zu  stellen,  wie  das  schon  für  die  Vorinstanz  der  Fall  war.  Entgegen  der  Auffassung der Vorinstanz – sie spricht euphemistisch von "offensichtlich  nicht  harmonisch"  verlaufener  Ehe  und  will  diesen  Umständen  im  Rahmen  der  Ermessensausübung  keine  eigenständige  Bedeutung  zuerkennen  –, muss  das Verhalten  der Ehefrau  als  versuchte Nötigung  und  damit  als  eine mögliche  Form  häuslicher  Gewalt  bewertet  werden,  das  in  Verbindung  mit  der  versuchten  Instrumentalisierung  der  schweizerischen  Behörden  hinreichend  schwer  wiegt,  um  im  Sinne  der  vorstehenden  Erwägungen  die  Anforderungen  an  die  persönliche  Betroffenheit des Beschwerdeführers substantiell zu senken. 6.2.  Auf  dieser  Grundlage  ist  festzustellen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  mit  rund  neun  Jahren  vergleichsweise  lang  in  der  Schweiz  aufhält.  Während  dieser  Zeit  ist  es  ihm  in  hohem  Mass 

C­1733/2008 gelungen, sich  in die schweizerischen Lebensverhältnisse einzugliedern.  Aktenkundig  sind  seine  Bemühungen  um  Erlernen  der  deutschen  Sprache,  und  den  zahlreichen  Interventionen  durch  Drittpersonen  kann  entnommen  werden,  dass  es  ihm  gelungen  ist,  sich  einen  grossen  schweizerischen  Bekanntenkreis  aufzubauen,  der  ihn  wegen  seiner  Hilfsbereitschaft,  Zuverlässigkeit  und  Freundlichkeit  schätzt.  Die  wirtschaftliche  Integration  des Beschwerdeführers  bleibt  zwar  hinter  der  sozialen  Integration  zurück,  dies  aber  aus  Gründen,  die  er  nicht  zu  vertreten  hat.  Den  Akten  kann  entnommen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer im Oktober 2002 eine Erwerbstätigkeit aufnahm und in  der  Folge  bei  verschiedenen  Arbeitgebern  vorwiegend  als  Bodenleger  beschäftig  war.  Im  November  2005  erlitt  er  einen  Arbeitsunfall  mit  Kontusion des  rechten Knies und  ist,  abgesehen von einem erfolglosen  Versuch,  die  Arbeit  wieder  aufzunehmen,  seit  diesem  Zeitpunkt  erwerbsunfähig.  Das  letzte  ordentliche  Arbeitsverhältnis  wurde  im  Sommer 2007 aufgelöst. Wegen der gesundheitlichen Unfallfolgen bezog  der  Beschwerdeführer  zeitweilig  eine  IV­Rente.  Gegenwärtig  erhält  er  SUVA­Taggelder,  wobei  die  SUVA  gemäss  den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  nach  Abschluss  der  medizinischen  Behandlung  die  Ausrichtung  einer  SUVA­Rente  prüfen  werde.  Die  behandelnden  Ärzte  würden  zudem  infolge  signifikanter  Verschlechterung  seines  gesundheitlichen Zustandes eine Neuanmeldung bei der IV erwägen. Der  Beschwerdeführer  legt  in  diesem  Zusammenhang  Wert  auf  die  Feststellung, dass er trotz finanzieller Schwierigkeiten keine Sozialhilfe in  Anspruch  nehmen möchte  und  bisher  auch  nicht  genommen  habe.  Ob  und  wann  der  Beschwerdeführer  wieder  einer  Erwerbstätigkeit  wird  nachgehen können, ist zur Zeit offen.  6.3. Der 37­jährige Beschwerdeführer  hat  erst  im Alter  28  Jahren  seine  Heimat verlassen und ist mit den dortigen Verhältnissen bestens vertraut.  In der Türkei leben nicht nur seine engsten Familienangehörigen; es kann  mit  Fug  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  dort  über  das  familiäre  Umfeld  hinaus  auf  vielfache Art  vernetzt  ist.  Diese  Schlussfolgerung  ist  umso mehr gerechtfertigt, als der Beschwerdeführer in der Schweiz seine  Kontaktfähigkeit  und –freudigkeit  unter Beweis gestellt  hat,  die  ihn wohl  schon  vor  seiner  Einwanderung  in  die  Schweiz  ausgezeichnet  haben  dürfte und ihm nach einer Rückkehr in die Türkei wertvolle Dienste leisten  würde. Unter diesem Gesichtspunkt stehen einer Wiedereingliederung in  der  Türkei  zwar  keine  Hindernisse  entgegen.  Zur  Möglichkeit  einer  wirtschaftlichen und namentlich beruflichen Wiedergliederung  ist aber zu  bemerken,  dass  sie  in  Anbetracht  des  aktenkundig  schlechten 

C­1733/2008 gesundheitlichen  Zustands  des  Beschwerdeführers  unter  ungünstigen  Vorzeichen  steht.  Nach  drei  Unfallereignissen,  die  das  rechte  Knie  und  das  linke  Handgelenk  dauerhaft  in  Mitleidenschaft  gezogen  haben  und  den sich daraus ergebenden, direkten und indirekten Folgen (chronisches  Schmerzsyndrom,  sich  verschärfende  Diskushernienproblematik,  massive  Gewichtszunahme  infolge  schmerzbedingter  Bewegungsarmut,  rezidivierende depressive Störung) wird der Beschwerdeführer in seinem  bisherigen  Beruf  auf  dem  Bau  nicht  mehr  arbeiten  können.  Allerdings  steht der Beschwerdeführer seit dem Sommer 2007 auch in der Schweiz  nicht  mehr  im  Erwerbsleben,  und  es  ist  nicht  bekannt,  ob,  wann  und  welche  Art  von  Erwerbstätigkeit  er  mit  seiner  gesundheitlichen  Beeinträchtigung noch wird ausüben können.  Immerhin kann mit einiger  Berechtigung angenommen werden, dass die Aussichten in der Schweiz  schon  wegen  der  sozialversicherungsrechtlichen  Absicherung  weiterer  medizinischer  Behandlung  und  allenfalls  notwendiger  Umschulungsmassnahmen als besser eingestuft werden müssen. Diesen  Umständen  ist  im Rahmen  der Gesamtwürdigung Rechnung  zu  tragen,  auch  wenn  sie  für  sich  alleine  nicht  entscheidend  sind  (zur  Relevanz  gesundheitlicher  Gründe  im  Bewilligungsverfahren  vgl.  etwa  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_216/2009  vom  20.  August  2009  E.  4.2  und  Urteil  Bundesverwaltungsgerichts  C­497/2006  vom  21.  April  2008  E.  7.4.2  je  mit Hinweisen). 7.  Unter besonderer Berücksichtigung der Gründe für das Scheitern der Ehe  des  Beschwerdeführers  und  unter  Zugrundelegung  des  sich  daraus  ergebenden Beurteilungsmassstabs gelangt das Bundesveraltungsgericht  in  Würdigung  der  gesamten  Umstände  zum  Ergebnis,  dass  eine  Nichterneuerung der Aufenthaltsbewilligung in rechtserheblicher Weise in  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Beschwerdeführers  eingreift.  Das  öffentliche  Interesse  an  der  Durchsetzung  der  restriktiven  Migrationspolitik – Personen aus dem Nicht­EFTA/EU­Raum betreffend –  muss  unter  den  gegebenen  Umständen  gegenüber  dem  Interesse  des  Beschwerdeführers  an  einer  weiteren  ausländerrechtlichen  Regelung  seines  Aufenthaltes  zurückstehen.  Indem  die  angefochtene  Verfügung  dem  öffentlichen  Interesse  ein  grösseres  Gewicht  beimisst,  erweist  sie  sich als unverhältnismässig. 8.  Aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht verletzt  (Art. 49 Bst. a VwVG). Die Beschwerde 

C­1733/2008 ist  deshalb gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben, und  der  Verlängerung  der  kantonalen  Aufenthaltsbewilligung  ist  die  Zustimmung zu erteilen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), und dem Beschwerdeführer  ist  gestützt  auf  Art.  64  VwVG  i.V.m.  Art.  7  ff.  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  zu  Lasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  zuzusprechen.  Grundlage  des  Kostenentscheides bildet die Kostennote vom 7. März 2011, welche die  Kosten  der  Vertretung  auf  Fr.  5'595.25  veranschlagt.  Angesichts  der  Vorbefassung des Rechtsvertreters und des Umfangs der Rechtsschriften  erachtet  das  Bundesveraltungsgericht  den  für  deren  Ausfertigung  ausgewiesene  Zeitaufwand  als  zu  hoch.  In  Würdigung  aller  Bemessungsfaktoren  erscheint  es  als  angemessen,  die  Parteientschädigung auf Fr. 4'000.00 festzusetzten (MwSt. inkl.). 10.  Das  vorliegende  Urteil  ist  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  des  Bundesgerichtsgesetzes [SR 173.110]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und der Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung wird die Zustimmung erteilt. 3.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  geleistete  Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 700.00 wird zurückerstattet. 4.  Die  Vorinstanz  hat  den  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht mit Fr. 4'000.­ (inkl. MwSt.) zu entschädigen.

C­1733/2008 5.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (…) – die Vorinstanz (…) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Julius Longauer Versand:

C-1733/2008 — Bundesverwaltungsgericht 08.09.2011 C-1733/2008 — Swissrulings