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Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 C-1538/2009

29 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,560 parole·~8 min·3

Riassunto

Anerkennung der Staatenlosigkeit | Anerkennung der Staatenlosigkeit

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­1538/2009 Urteil   v om   2 9 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher,  Richterin Elena Avenati­Carpani, Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer. Parteien 1. A.X._______, 2. B.X._______, beide vertreten durch Dr. Stephane Laederich, Rroma Foundation, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Anerkennung der Staatenlosigkeit.

C­1538/2009 Sachverhalt: A.  Die Beschwerdeführer reisten am 31. August 1994 in die Schweiz ein, wo  sie gleichentags um Asyl nachsuchten. Diese Gesuche wurden mit Urteil  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  vom  27. März  1995  letztinstanzlich  abgewiesen.  Am  1.  Dezember  1999  reisten  die  Beschwerdeführer aus der Schweiz aus. Am 5. Juni 2000  reisten sie erneut  in die Schweiz ein und stellten neue  Asylgesuche, auf die mit Verfügungen vom 21. Juli 2000 nicht eingetreten  wurde;  gleichzeitig  wurden  die  Beschwerdeführer  aus  der  Schweiz  weggewiesen. Auf die dagegen erhobenen Beschwerden trat die ARK mit  Urteil vom 12. September 2000 nicht ein. B.  Nachdem  die  Beschwerdeführer  2001  vergeblich  um  Wiedererwägung  der  Asylentscheide  im  Vollzugspunkt  nachgesucht  hatten,  wandten  sie  sich  am  3. Februar  2009  erneut  mit  einer  als  Wiedererwägungsgesuch  bezeichneten Eingabe an die Vorinstanz. Darin machten sie geltend, sie  seien  de  facto  staatenlos  und  hätten  auch  kein  Anrecht  auf  die  Staatsbürgerschaft  des  Kosovo,  weshalb  sie  Anspruch  auf  Aufenthaltsbewilligungen  gemäss  Art.  31  und  Art.  83  des  Ausländergesetzes  vom  16. Dezember  2005  (AuG,  SR  142.20)  hätten.  Weiter machten sie geltend, die Wegweisung sei nicht möglich im Sinne  von  Art. 83  Abs.  3  AuG.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchten  sie  um  Erlass  vorsorglicher  Massnahmen  (Vollzugsstopp)  sowie  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. C.  Mit  Verfügung  vom  12. Februar  2009  (Postausgang  13.  Februar  2009,  eröffnet  am  16.  Februar  2009)  wies  die  Vorinstanz  das  Gesuch  um  Anerkennung der Staatenlosigkeit ab.  In  ihrer Begründung hielt  sie  fest,  dass gemäss dem Staatenlosenübereinkommen nur de  iure  staatenlose  Personen anzuerkennen seien. Es sei deshalb eine von den heimatlichen  Behörden  ausgestellte  Bestätigung,  dass  die  betroffene  Person  ausgebürgert wurde,  für die Anerkennung als Staatenloser unabdingbar.  Die  Beschwerdeführer  hätten  keine  solche  Bestätigung  eingereicht.  Zudem sei aufgrund des Staatsbürgerschaftsrechts der Republik Kosovo  – Art.  155  der  Verfassung,  Staatsangehörigkeitsgesetz  –  davon  auszugehen, dass die Beschwerdeführer kosovarische Staatsbürger und  dort registriert seien.

C­1538/2009 In  Bezug  auf  die  weiteren  im  Gesuch  enthaltenen  Elemente  hielt  die  Vorinstanz fest, sie könnten nicht  im Rahmen des Verfahrens betreffend  Anerkennung  der  Staatenlosigkeit  geprüft  werden,  sie  würden  vielmehr  zu einem späteren Zeitpunkt in einer separaten Verfügung beurteilt. Mit  Verfügung  vom  13. Februar  2009  (Postausgang  17. Februar  2009,  eröffnet  am  18.  Februar  2009)  wies  die  Vorinstanz  das  Gesuch  um  Anerkennung der Staatenlosigkeit mit der gleichen Begründung wie in der  tags zuvor verfassten Verfügung ab. Lediglich  in Bezug auf die weiteren  im  Gesuch  vom  3. Februar  2009  enthaltenen  Vorbringen  wies  die  Vorinstanz  auf  das Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  (Abteilung  IV,  Asyl)  vom  14. Januar  2009  hin,  in  dem  diese  Fragen  beurteilt  worden  seien, und teilte den Beschwerdeführern mit, sie würden das Gesuch an  das  Bundesverwaltungsgericht  weiterleiten,  damit  es  prüfe,  ob  Revisionsgründe vorlägen. Mit  Schreiben  vom  20.  Februar  2009  teilte  der  zuständige  (Instruktions­)Richter  der  Abteilung  IV  des  Bundesverwaltungsgerichts  der  Vorinstanz  (mit  Kopie  an  die  Beschwerdeführer)  mit,  dass  der  Eingabe vom 3. Februar 2009 keine Gründe zu entnehmen seien, die es  rechtfertigen  würden,  sich  unter  dem  Aspekt  der  Revision  mit  der  Angelegenheit zu befassen. D.  Gegen  die  Verfügung  vom  12. Februar  2009  erhob  der  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  9.  März  2009  namens  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht (Abteilung III) Beschwerde. Darin beantragt er  zum Einen die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung. Zum Anderen  sei  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen,  da  die  Rückführung  unzumutbar, unmöglich und völkerrechtlich unzulässig sei. Ferner sei der  Aufenthalt der Beschwerdeführer gemäss Art. 31 AuG zu  regeln, da sie  staatenlos seien.  In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird beantragt, es sei  "die aufschiebende Wirkung […] zu sichern" und die "Fremdenpolizei sei  anzuweisen,  auf  Vollzugshandlungen  während  der  Behandlung  des  vorliegenden Gesuches zu verzichten (Art. 112 Abs. 4 AsylG [Asylgesetz  vom  26. Juni  1998;  SR  142.31])".  Schliesslich wurde  um Befreiung  von  der  Pflicht  zur  Leistung  eines  Kostenvorschusses  und  der  Zahlung  von  Verfahrenskosten ersucht. In  Bezug  auf  die  Anerkennung  der  Staatenlosigkeit  bringt  der  Rechtsvertreter im Wesentlichen vor, die Beschwerdeführer seien nicht in 

C­1538/2009 der  Lage,  die  von  der  Gesetzgebung  geforderten  Voraussetzungen  zur  Erlangung der Staatsbürgerschaft  der Republik Kosovo zu erfüllen. Das  gleiche gelte in Bezug auf die serbische Staatsangehörigkeit. E.  Mit  Verfügung  vom  20.  März  2009  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  das Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen ab.  In Bezug auf das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  verzichtete  das  Gericht  einstweilen  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  stellte  den  Entscheid zu einem späteren Zeitpunkt  in Aussicht. Gleichzeitig wies es  die  Beschwerdeführer  darauf  hin,  dass  es  an  ihnen  sei,  ihre  Einkommens­  und  Vermögensverhältnisse  offenzulegen,  damit  die  Bedürftigkeit beurteilt werden könne. F.  Die  Vorinstanz  beantragt  mit  Vernehmlassung  vom  20.  April  2009  die  Abweisung der Beschwerde. G.  Die Beschwerdeführer  halten  in  ihrer Replik  vom 19. Mai  2009 an  ihren  Anträgen und deren Begründung fest. H.  Mit  Verfügung  vom  17.  November  2011  wurden  die  Beschwerdeführer  eingeladen, den entscheidwesentlichen Sachverhalt zu aktualisieren und  gegebenenfalls  zu  belegen.  Zudem  wurden  sie  aufgefordert,  ihre  Einkommens­  und  Vermögensverhältnisse  offen  zu  legen,  damit  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  beurteilt  werden  könne.  Die  ihnen eingeräumte Frist liessen sie ungenutzt verstreichen. I.  Auf  den  übrigen  Akteninhalt  wird,  soweit  entscheiderheblich,  in  der  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden 

C­1538/2009 gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen des BFM betreffend Anerkennung der Staatenlosigkeit. 1.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem  Verwaltungsverfahrensgesetz (Art. 37 VGG). 1.3.  Die  Beschwerdeführer  sind  als  Verfügungsadressaten  gemäss  Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Beschwerde berechtigt. Auf die im Übrigen frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art.  50 –52 VwVG). 1.4. Die Vorinstanz hat  in  ihrer Verfügung vom 12. Februar 2009 das  in  der  als  "Gesuch  um  Wiedererwägung"  bezeichneten  Eingabe  vom  3. Februar  2009  sinngemäss  enthaltene  Gesuch  der  Beschwerdeführer  um Anerkennung  der  Staatenlosigkeit  abgewiesen.  Allein  dieser  Aspekt  bildet  Gegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens.  Auf  die  Anträge und Rügen im Zusammenhang mit dem Vollzug der Wegweisung  ist daher nicht einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  zu  dem  auch  das  Staatsvertragsrecht  gezählt  wird,  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die Unangemessenheit  gerügt werden  (Art.  49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2, BVGE 2007/41 E. 2 und Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2682/2007  vom  7. Oktober  2010  E.  1.2.  und 1.3). 3.  Art.  1  Ziff.  1  des  Übereinkommens  vom  28. September  1954  über  die 

C­1538/2009 Rechtsstellung  der  Staatenlosen  (nachfolgend:  Staatenlosenübereinkommen, SR.0.142.40) hält fest, dass als staatenlos  eine Person gilt, die kein Staat auf Grund seiner Gesetzgebung  ("under  the  operation  of  its  law",  "par  application  de  sa  législation")  als  seinen  Angehörigen  betrachte.  Staatenlosigkeit  bedeutet  nach  dieser  Begriffsumschreibung das Fehlen der rechtlichen Zugehörigkeit zu einem  Staat (sog. "de iure" Staatenlose). Das Abkommen bezieht sich dagegen  nicht  auf  Personen,  die  zwar  formell  noch  eine  Staatsangehörigkeit  besitzen,  deren  Heimatstaat  ihnen  aber  keinen  Schutz  mehr  gewährt  (sog.  "de  facto"  Staatenlose;  vgl.  YVONNE  BURCKHARDT­ERNE,  Die  Rechtsstellung  der  Staatenlosen  im  Völkerrecht  und  Schweizerischen  Landesrecht, Diss. Bern 1977, S. 1 ff. mit Hinweisen; BGE 115 V 4 E. 2b;  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­7134/2010 vom 9. Juni 2011 E.  3.1. mit Hinweisen). Die Rechtsprechung des Bundesgerichts hält hierzu  präzisierend fest, dass jemand nur dann als staatenlos betrachtet werden  kann, wenn er ohne eigenes Zutun die Staatsangehörigkeit  verloren hat  und  diese  nicht  (wieder­)erlangen  kann. Wer  seine  Staatsangehörigkeit  freiwillig aufgibt oder es ohne triftigen Grund unterlässt, sie zu erwerben  oder wiederzuerwerben,  kann  sich  daher  nicht  auf  die Rechte  aus  dem  Staatenlosenübereinkommen  berufen  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_763/2008  vom  26. März  2009  E. 3.2  mit  Hinweisen).  Anspruch  auf  eine Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 31 AuG haben nur Personen, die  staatenlos  im  Sinne  des  Staatenlosenübereinkommens,  d.h.  de  iure  staatenlos sind. 4.  Die  Beschwerdeführer  sind  beide  im  Gebiet  der  heutigen  Republik  Kosovo  geboren  (1956  resp.  1960).  Sie  lebten  bis  1994  in  der  Provinz  Kosovo  der  Sozialistischen  Föderativen  Republik  Jugoslawien  (nachfolgend:  Jugoslawien).  Nach  dem  Zerfall  Jugoslawiens  und  dem  Kosovokrieg  von  1999  wurde  die  Provinz  Kosovo  durch  die  UN­ Resolution  1244  unter  die  Verwaltungshoheit  der  Vereinten  Nationen  gestellt. Am 17. Februar 2008 erklärte sich Kosovo  für unabhängig, was  mittlerweile  von  mehr  als  80  Staaten,  darunter  die  Schweiz,  anerkannt  wurde.  Die  Republik  Kosovo  ist  somit  erst  nach  Ausreise  der  Beschwerdeführer  entstanden,  deren  Staatsangehörigkeit  sie  gemäss  eigenen  Angaben  nie  besessen  haben.  Die  Herkunft  der  Beschwerdeführer  aus  dem Gebiet  des  Kosovo wurde  im Rahmen  des  Verfahrens  zur  Vorbereitung  der  Ausreise  vom  Innenministerium  der  Republik Kosovo gegenüber dem BFM bestätigt.

C­1538/2009 5.  Die Beschwerdeführer  stellen  sich  auf  den Standpunkt,  sie  könnten  die  Staatsangehörigkeit  Kosovos  nicht  erwerben,  da  sie  die  in  der  Gesetzgebung  statuierten  Voraussetzungen  nicht  erfüllten.  Allerdings  geht aus den Akten nicht hervor, dass sie sich aktiv um den Erwerb einer  Staatsangehörigkeit  –  sei  es  die  kosovarische  oder  allenfalls  die  serbische – bemüht hätten. Sie berufen sich vielmehr auf Beispiele von  Drittpersonen,  die  sich  vergeblich  darum  bemüht  hätten  oder  nur  mit  grossem Aufwand die  notwendigen Schritte  hätten durchführen  können.  Von der Anforderung an die betroffene Person, die notwendigen Schritte  zum Erwerb einer Staatsangehörigkeit  selbst zu unternehmen, kann nur  dann  abgesehen  werden,  wenn  von  Vornherein  offensichtlich  keine  Chance  auf  den  Erwerb  besteht.  Wie  es  sich  damit  verhält,  soll  im  Folgenden geprüft werden. 6.  6.1.  Nach  der  Gründung  des  Staates  Kosovo  wurde  eine  übergangsrechtliche  Regelung  bezüglich  der  Staatsangehörigkeit  geschaffen, die sich wie folgt darstellt:  Gemäss Art. 155 Ziff 1 der Verfassung des Kosovo haben alle diejenigen  Personen  Anspruch  auf  die  Staatsangehörigkeit  Kosovos,  die  sich  zum  Zeitpunkt  der  Verabschiedung  der  Verfassung  legal  dort  aufhalten  ("All  legal residents of the Republic of Kosovo as of the date of the adoption of  this Constitution have the right to citizenship of the Republic of Kosovo").  Ziffer  2  dieses  Artikels  gewährt  die  Staatsangehörigkeit  Kosovos  all  denjenigen  Staatsangehörigen  der  Föderalistischen  Republik  Jugoslawien,  die  am  1.  Januar  1998  ihren Wohnsitz  im Kosovo  hatten,  unabhängig  davon,  wo  sie  derzeit  wohnen  und  über  welche  andere  Staatsangehörigkeit  sie  verfügen.  Dies  gilt  auch  für  die  Nachkommen  dieser  Personen  ("The  Republic  of  Kosovo  recognizes  the  right  of  all  citizens of  the  former Federal Republic of Yugoslavia habitually  residing  in Kosovo on 1 January 1998 and their direct descendants to Republic of  Kosovo citizenship regardless of their current residence and of any other  citizenship  they  may  hold";  Quelle:  www.assembly­kosova.org  >  Laws,  besucht im Dezember 2011). Diese Bestimmungen wurden in den Art. 29  des Gesetzes über die Staatsagehörigkeit (Nr. 03/L­034 vom 20. Februar  2008)  übernommen  (im  Internet  ebenfalls  unter  www.assembly­ kosova.org  zu  finden).  Gemäss  Art.  28  dieses  Gesetzes  sind  alle  Personen als kosovarische Staatsangehörige anzusehen, die im "Central  Civil Registry" eingetragen sind, das aufgrund der UNMIK Verordnung Nr. 

C­1538/2009 2000/13  geschaffen  wurde.  In  diesem  Register  werden  alle  Einwohner  ("habitual residents") des Kosovo eingetragen (Ziffer 1.1). Gemäss Ziffer  2  können  sowohl  Personen,  die  im  Kosovo  leben  als  auch  solche,  die  ausserhalb leben, einen Antrag auf Registrierung stellen. Ziffer 3 definiert,  wer als "habitual resident" gilt und sich eintragen lassen kann: Personen,  die  im  Kosovo  geboren  wurden  oder  die  mindestens  einen  im  Kosovo  geborenen Elternteil  haben  (Bst. a),  Personen,  die  nachweisen  können,  dass sie mindestens fünf Jahre ununterbrochen im Kosovo gelebt haben  (Bst. b), sowie Personen, die den Kosovo verlassen mussten und deshalb  das  Wohnsitzerfordernis  gemäss  Buchstabe  b  nicht  erfüllen  (Bst.  c).  Buchstabe d  schliesslich befasst  sich mit Kindern unter 18 Jahren bzw.  solchen  unter  23  Jahren,  die  sich  in  einer  anerkannten  Ausbildungsinstitution  aufhalten  (Quelle:  <http://www.unmikonline.org/regulations/2000/reg13­00.htm>). 6.2. Es  ist unbestritten, dass die Beschwerdeführer auf dem Gebiet des  heutigen  Staates  Kosovo  geboren  wurden  und  Staatsangehörige  Jugoslawiens waren. Ebenso ist davon auszugehen, dass sie weder zum  Zeitpunkt gemäss Art. 155 Ziff. 1 der Verfassung – der Verabschiedung  der Verfassung der Republik Kosovo (9. April 2008) – noch zum Zeitpunkt  gemäss  Art.  155  Ziff.  2  der  Verfassung  –  dem  1. Januar  1998  –  im  Kosovo  gelebt  haben.  Gemäss  Art.  155  Ziff.  2  der  Verfassung  können  sich jedoch nicht nur Personen, die am 1. Januar 1998 im Kosovo gelebt  haben,  auf  diese  Bestimmung  berufen,  sondern  auch  deren  direkte  Nachkommen. Somit ist davon auszugehen, dass Personen, die sich am  Stichtag  im Ausland aufgehalten  haben,  deren Eltern  jedoch  zu diesem  Zeitpunkt  im  Kosovo  gelebt  haben,  ebenfalls  als  kosovarische  Staatsangehörige angesehen werden. 6.3. Aus den Akten geht hervor, dass die Eltern der Beschwerdeführerin  vor 1994 gestorben sind. Sie kann sich somit nicht auf Art. 155 Ziff. 2 der  Verfassung  des  Kosovos  berufen.  Die  Eltern  des  Beschwerdeführers  hingegen hielten sich 1994 im Kosovo auf und reisten, wohl in der Folge  des Krieges von 1999, im Jahre 2000 in die Schweiz ein, wo sie um Asyl  nachsuchten und seither leben. Es ist daher davon auszugehen, dass sie  sich  am  Stichtag  im  Kosovo  aufgehalten  haben  und  der  Beschwerdeführer  sich  als  Nachkomme  von  jugoslawischen  Staatsbürgern  auf  Art.  155 Ziff.  2  der Verfassung  des Kosovos  berufen  kann, um die kosovarische Staatsangehörigkeit zu beanspruchen.

C­1538/2009 6.4.  Gemäss  Art.  28  des  Gesetzes  über  die  Staatsangehörigkeit  des  Kosovo  werden  alle  Personen,  die  aufgrund  der  UNMIK­Verordnung  2000/13  im  "Central  Civil  Registry"  als  Einwohner  ("habitual  residents")  des  Kosovo  eingetragen  sind,  als  kosovarische  Staatsangehörige  angesehen (Ziff. 28.1). Von den Voraussetzungen her (s. E. 6.1) scheint  es  nicht  ausgeschlossen,  dass  die  Beschwerdeführer  sich  hätten  eintragen  lassen können; ob sie dies getan haben oder nicht,  lässt sich  den Akten nicht entnehmen. 6.5.  Im  Sinne  eines  Zwischenergebnisses  kann  festgehalten  werden,  dass  davon  auszugehen  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  der  Übergangsregelung  die  Möglichkeit  hätte,  die  kosovarische  Staatsangehörigkeit  zu  erwerben,  da  seine  Eltern  vermutlich  die  Wohnsitzvoraussetzungen erfüllen. In Bezug auf die Beschwerdeführerin  ist  aufgrund  des Wortlautes  der Übergangsbestimmungen  zu  vermuten,  dass  sie  die  Staatangehörigkeit  des  Kosovo  nicht  gestützt  auf  diese  Regelungen erwerben kann. Ferner kann nicht ausgeschlossen werden,  dass die Beschwerdeführer aufgrund von Art. 28 des Gesetzes über die  Staatsangehörigkeit  des  Kosovo  als  kosovarische  Staatsangehörige  angesehen werden. 7.  Ungeachtet  der  Anwendbarkeit  der  Übergangsbestimmungen  der  Verfassung und des Gesetzes über die Staatsangehörigkeit des Kosovo  ist  die  Möglichkeit  zu  prüfen,  ob  die  Beschwerdeführer  sich  einbürgern  lassen  könnten.  In  diesem  Zusammenhang  ist  vor  allem  Art.  13  des  Gesetzes  über  die  Staatsangehörigkeit  zu  beachten,  der  die  Einbürgerung  von  Mitgliedern  der  kosovarischen  Diaspora  regelt.  Zur  Diaspora  gehören  gemäss  Ziffer  13.2  Personen,  die  ausserhalb  des  Kosovo  ihren Wohnsitz  haben  und  die  nachweisen  können,  dass  sie  in  der  Republik  Kosovo  geboren  sind  und  über  enge  familiäre  und  wirtschaftliche Verbindungen zur Republik Kosovo verfügen. Gemäss den  Abklärungen der Vorinstanz  in einem vergleichbaren Fall  (einer 1964  im  Gebiet  des  heutigen Kosovo  geborenen  Frau,  die  sich  seit  1988  in  der  Schweiz  aufhält),  steht  der Einbürgerung gemäss Art.  13  des Gesetzes  über  die  Staatsangehörigkeit  nichts  entgegen,  solange  zumindest  die  Eltern in den entsprechenden Gemeinden registriert waren. In der Praxis  steht der Wortlaut der Bestimmung, wonach die Person "in der Republik  Kosovo" geboren sein müsse, der Einbürgerung einer Person, die  lange  vor  der  Unabhängigkeit  des  Kosovo  geboren  wurde,  offenbar  nicht  entgegen.  Auch  tritt  offenbar  die  Prüfung  der  engen  familiären  und 

C­1538/2009 wirtschaftlichen  Beziehungen  bei  der  Beurteilung  der  Gesuche  völlig  in  den Hintergrund. Aus diesen Erwägungen folgt, dass sowohl der Beschwerdeführer – sollte  er wider erwarten nicht als kosovarischer Staatsangehöriger gemäss den  Übergangsbestimmungen  gelten  –  als  auch  die  Beschwerdeführerin  als  Mitglieder  der  kosovarischen  Diaspora  grundsätzlich  die  Möglichkeit  hätten, aufgrund von Art. 13 des Gesetzes über die Staatsangehörigkeit  ein Gesuch um Einbürgerung zu stellen. Wohnt die Person  im Ausland,  ist  ein  solches  Gesuch  gemäss  Art.  23  des  Gesetzes  über  die  Staatsangehörigkeit  bei  der  zuständigen  kosovarischen  Auslandvertretung  einzureichen.  Die  Republik  Kosovo  ist  zur  Zeit  mit  einer Botschaft in Bern und Kosulaten in Zürich und Genf in der Schweiz  vertreten  (Quelle:  www.eda.admin.ch  >  Vertretungen  >  Ausländische  Vertretungen in der Schweiz, besucht  im November 2011). Der Einwand  der  Beschwerdeführer,  es  gebe  keine  kosovarische  Vertretung  in  der  Schweiz, ist daher heute nicht mehr zutreffend. 8.  Angesichts  dieser  Erwägungen  und  der  Tatsache,  dass  die  Beschwerdeführer  offenbar  bisher  keinerlei  konkrete  Bemühungen  unternommen  haben,  um  die  kosovarische  Staatsangehörigkeit  zu  erwerben  bzw.  die Staatsangehörigkeit  bestätigen  zu  lassen,  kann  zum  heutigen Zeitpunkt nicht davon ausgegangen werden, dass sie staatenlos  im Sinne des Staatenlosenübereinkommens sind. Aber auch in Bezug auf  einen möglichen Erwerb der Staatsbürgerschaft der Republik Serbien ist  nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführer mit den ihnen zur Verfügung  stehenden  Unterlagen  (jugoslawische  Identitätsausweise  [Lična  Karta],  Eheschein) versucht hätten, sie zu erlangen.  9.  Es  ist  daher  insgesamt  nicht  zu  beanstanden,  dass  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführern  die  Anerkennung  als  Staatenlose  versagt  hat.  Die  Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  den  Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 10.1. Im Rahmen der Beschwerdeschrift ersuchten die Beschwerdeführer  um  unentgeltliche  Verfahrensführung.  Das  Bundesverwaltungsgericht 

C­1538/2009 machte sie  in seiner Verfügung vom 20. März 2009 darauf aufmerksam,  dass  sie  ihre  Vermögens­  und  Einkommensverhältnisse  offenzulegen  hätten,  damit  das  Gesuch  beurteilt  werden  könne.  Weil  die  Beschwerdeführer auf diesen Hinweis nicht  reagiert hatten,  forderte das  Bundesverwaltungsgericht  sie  mit  Verfügung  vom  17. November  2011  erneut  auf,  die  entsprechenden  Informationen  offenzulegen.  Dieser  Verfügung wurde ein entsprechendes Formular beigelegt. Innert Frist sind  sie  dieser  Aufforderung  nicht  nachgekommen,  weshalb  androhungsgemäss aufgrund der Akten entschieden wird. 10.2. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird eine Partei auf Antrag von der  Beschwerdeinstanz, deren Vorsitzenden oder  Instruktionsrichter  von der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  wenn  sie  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  sofern  die  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheinen. Vorliegend machen die Beschwerdeführer geltend, sie seien  bedürftig,  da  sie  erwerbslos  und  deshalb  mittellos  seien.  Die  blosse  Behauptung der Bedürftigkeit genügt jedoch nicht für die Gewährung der  unentgeltlichen  Verfahrensführung.  Da  die  Beschwerdeführer  es  trotz  zweimaliger  Aufforderung  unterlassen  haben,  ihre  Einkommens­  und  Vermögensverhältnisse  umfassend  darzulegen  und  entsprechende  Belege einzureichen, ist das Gesuch abzuweisen. (Dispositiv S. 12)

C­1538/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2.  Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Verfahrensführung wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  700.­  werden  den  Beschwerdeführern  auferlegt.  Sie  sind  innerhalb  von  30  Tagen  nach  Rechtskraft  des  vorliegenden  Urteils  zu Gunsten  der  Gerichtskasse  zu  überweisen.  Die  Zustellung des Einzahlungsscheins erfolgt mit separater Post.  4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführenden (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. […] [zwei Faszikel] zurück) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Kradolfer Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-1538/2009 — Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 C-1538/2009 — Swissrulings