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Bundesverwaltungsgericht 28.11.2011 C-1428/2010

28 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·926 parole·~5 min·2

Riassunto

Rentenrevision | Invalidenversicherung, Einstellung der Rentenauszahlung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­1428/2010 Urteil   v om   2 8 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Stefan Mesmer (Vorsitz), Richterin Madeleine Hirsig­Vouilloz, Richter Beat Weber, Gerichtsschreiber Marc Wälti. Parteien X._______,   Beschwerdeführer,  gegen IV­Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA,  Avenue Edmond­Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2,    Vorinstanz.  Gegenstand Invalidenversicherung, Einstellung der Rentenauszahlung.

C­1428/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 19. August 1996 von der  IV­Stelle  des  Kantons  B._______  hauptsächlich  wegen  psychischer  Leiden  eine  ganze  Rente  der  Invalidenversicherung  (IV)  zugesprochen  wurde (act. 40), dass  nach Wohnsitznahme  des  Beschwerdeführers  in  Deutschland  (im  März  2006)  die  nun  zuständige  IV­Stelle  für  Versicherte  im  Ausland  (IVSTA,  im  Folgenden  auch:  Vorinstanz)  die  weitere  Ausrichtung  der  Rente in ihrer Mitteilung vom 17. März 2006 bestätigte (act. 69), dass die IVSTA im Jahre 2009 von Amtes wegen ein Revisionsverfahren  einleitete, um die Rentenberechtigung zu überprüfen (vgl. act. 80 ff.), dass  sich  im  Laufe  des  Revisionsverfahrens  herausstellte,  dass  eine  umfassende  neue  medizinische  Begutachtung  des  Beschwerdeführers  bei  einer  Medizinischen  Abklärungsstelle  (MEDAS)  in  der  Schweiz  erforderlich ist (act. 110), dass  der  Beschwerdeführer  am  4.  November  2009  über  die  Notwendigkeit einer Begutachtung informiert (act. 111), anschliessend mit  Schreiben  vom  24.  November  2009  auf  den  11.  Januar  2010  zur  Untersuchung im Zentrum für Medizinische Begutachtung (ZMB), MEDAS  Basel, aufgeboten worden ist (act. 114), dass  der  Beschwerdeführer  am  3.  Dezember  2009  von  der  Vorinstanz telefonisch  und  durch  E­Mail  eine  Kostengutsprache  für  eine  Untersuchung  in Deutschland verlangte und darauf hinwies, er  sei nicht  reisefähig (act. 115 und 116), dass  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  4.  Dezember 2009 aufforderte, bis zum 18. Dezember 2009 entweder eine  Bestätigung der Teilnahme an der ärztlichen Begutachtung oder aber ein  Gesundheitszeugnis  einzureichen,  das  den  Nachweis  der  Unfähigkeit,  der Aufforderung zur Begutachtung zu folgen, erbringt (act. 118), dass  der  Beschwerdeführer  in  diesem  Schreiben  auch  darauf  aufmerksam  gemacht  wurde,  dass  die  Leistungen  der  IV  eingestellt  werden  könnten, wenn  er  in  unentschuldbarer Weise  seinen Auskunfts­  und Meldepflichten nicht nachkomme,

C­1428/2010 dass der Beschwerdeführer am 16. Dezember 2009 eine "Bescheinigung  über  vorübergehende  Reiseunfähigkeit"  von  Dipl.  med.  C._______,  Fachärztin für Allgemeinmedizin, vom 16. Dezember 2009 hat einreichen  lassen,  in  welcher  das  Vorliegen  von  "die  Reisefähigkeit  beeinträchtigenden  Beschwerden"  und  die  Verordnung  einer  Schmerz­  und Physiotherapie zur Behandlung der "z.T. chronischen Beschwerden"  bestätigt wurden (act. 119), dass  Dr.  med.  D._______,  ärztlicher  Dienst  der  Vorinstanz,  in  seiner  Stellungnahme  vom  15.  Januar  2010  festhielt,  das  Attest  von  Frau  C._______  sei  absolut  unverbindlich  und  nichtssagend  –  die  Ärztin  müsse  "klipp  und  klar"  mitteilen,  weshalb  der  Beschwerdeführer  nicht  reisefähig  sei  (mit  Diagnose,  Befunde  und  allfälligen  spezialärztlichen  Berichten; vgl. act. 125), dass  die  Vorinstanz  daraufhin  mit  Verfügung  vom  29.  Januar  2010,  eröffnet  am  9.  Februar  2010  (act.129),  die  Einstellung  der  Rentenzahlungen ab dem 31. März 2010 anordnete – unter Entzug der  aufschiebenden  Wirkung  einer  gegen  diese  Verfügung  gerichteten  Beschwerde (act. 127), dass  sie  diese  Verfügung  im  Wesentlichen  damit  begründete,  der  Beschwerdeführer  sei  seinen  Auskunfts­  und  Mitwirkungspflichten  in  unentschuldbarer Weise nicht nachgekommen, so dass gestützt auf Art.  43  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom  6.  Oktober  2000  über  den  Allgemeinen  Teil  des  Sozialversicherungsrechts  (ATSG,  SR  830.1)  die  Ausrichtung von Leistungen eingestellt werden könne, dass  der  Beschwerdeführer  diese  Verfügung  am  8.  März  2010  beim  Bundesverwaltungsgericht  angefochten  und  sinngemäss  beantragt  hat,  die  Verfügung  sei  aufzuheben  und  es  sei  ihm  die  Rente  weiterhin  auszurichten, dass  er  seine  Beschwerde  im  Wesentlichen  damit  begründete,  er  sei  seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen und habe ein ärztliches Attest über  seine  Reiseunfähigkeit  eingereicht,  zudem  sei  er  weiterhin  invalid  und  rentenberechtigt,  was  bereits  in  den  Jahren  1999  und  2004  im  Kurzentrum E._______ festgestellt worden sei, dass  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  12.  Juli  2010  die  Abweisung  der  Beschwerde  beantragte  und  festhielt,  der  Beschwerdeführer  habe  weder  im  vorinstanzlichen  noch  im 

C­1428/2010 Beschwerdeverfahren  einen  ausreichenden  Nachweis  der  Reiseunfähigkeit  erbracht,  und  sie  sei  mangels  Mitwirkung  des  Beschwerdeführers  an  einer  ärztlichen Begutachtung  nicht  in  der  Lage,  zuverlässig  festzustellen,  ob  noch  eine  rentenbegründende  Invalidität  bestehe, dass der Beschwerdeführer auf Zwischenverfügung vom 19. Juli 2010 hin  einen Verfahrenskostenvorschuss von Fr. 408.­ geleistet hat, dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Replik  vom  23.  September  2010  darauf hinwies, es sei ihm telefonisch von der Vorinstanz erklärt worden,  als  Bestätigung  der  Reiseunfähigkeit  genüge  ein  hausärztliches  Attest,  das er auch eingereicht habe – und erneut vorlege, dass  der Beschwerdeführer  darüber  hinaus  beantragt,  die  vollständigen  medizinischen  Akten  des  Kurzentrums  E._______,  wo  er  von  1999  bis  2004  in  Behandlung  gewesen  sei,  seien  beizuziehen,  da  ihm  damals  bescheinigt  worden  sei,  eine  Verbesserung  seines  Gesundheitszustandes sei nicht zu erwarten, dass  die  Vorinstanz  in  ihrer  Duplik  vom  13.  Oktober  2010  die  in  der  Vernehmlassung gestellten Anträge und deren Begründung bestätigte, dass der Schriftenwechsel am 19. Oktober 2010 geschlossen wurde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes  vom 17.  Juni  2006  über  das Bundesverwaltungsgericht  (VGG, SR  173.  32)  zur  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  von  Vorinstanzen gemäss Art. 33 VGG zuständig ist, sofern keine Ausnahme  nach Art. 32 VGG vorliegt,  dass die IVSTA als Vorinstanz gemäss Art. 33 Bst. d VGG zu gelten hat  und vorliegend keine Ausnahme von der Zuständigkeit auszumachen ist,  so  dass  das  Gericht  zur  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  zuständig ist, dass  die  Beschwerdeschrift  vom  8. März  2010  entgegen  Art.  52  Abs  1  VwVG keine Originalunterschrift trägt, dass dieser Mangel aber durch die  Unterschrift des Beschwerdeführers auf der Versandanweisung der Firma  F._______ sowie auf seinen späteren Eingaben geheilt worden ist,

C­1428/2010 dass auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, weshalb auf  die Beschwerde einzutreten ist, dass  der  verfassungsmässige  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  [BV,  SR  101])  unter  anderem  gebietet,  dass  die  Betroffenen  über  entscheidrelevante  Abklärungen  und  Beweismassnahmen  orientiert  werden  und  sich  hierzu  äussern  können,  und  dass  in  einer  Verfügung  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  des  Entscheides  dargelegt  werden,  damit  der  Betroffene  sich  über  dessen  Tragweite  ein  Bild  machen  und  ihn  sachgerecht  anfechten  kann  (vgl.  etwa GEROLD STEINMANN, in: Ehrenzeller et al. [Hrsg.], Die schweizerische  Bundesverfassung,  Kommentar,  2.  Aufl.,  St.  Gallen/Zürich/Basel/Genf  2008, N. 23 ff. zu Art. 29), dass  vorliegend  die  Vorinstanz  die  Einstellung  der  Rentenzahlungen  angeordnet  hat,  weil  der  Beschwerdeführer  sich  nicht  der  von  der  IV­ Stelle  angeordneten  ärztlichen  Untersuchung  unterzogen  habe,  obwohl  diese  für  die  Beurteilung  der  Rentenberechtigung  notwendig  und  zumutbar  sei,  und  damit  seine  Mitwirkungspflicht  verletzt  habe  (Art.  43  Abs. 2 ATSG), dass  eine  angeordnete  ärztliche Untersuchung  dann  nicht  als  zumutbar  zu gelten hat, wenn der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen nicht  in  der  Lage  ist,  der  Anordnung  zu  folgen  –  was  insbesondere  bei  nachgewiesener Reiseunfähigkeit  von Personen  im Ausland der Fall  ist,  die  sich  in  der  Schweiz  einer  Begutachtung  unterziehen  müssten  (vgl.  etwa  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­5441/2007  vom  18.  Mai 2009 E. 4.2.2), dass  die  Vorinstanz  das  vom  Beschwerdeführer  eingereichte  ärztliche  Attest zur Reiseunfähigkeit seinem ärztlichen Dienst unterbreitet hat und  dessen  Stellungnahme  zum  Anlass  genommen  hat,  das  Attest  als  ungenügend zu qualifizieren, dass  dem  Beschwerdeführer  weder  die  Stellungnahme  des  ärztlichen  Dienstes  der  Vorinstanz  zur  Kenntnis  gebracht  noch  die  Gelegenheit  gegeben  worden  ist,  einen  ergänzenden  Bericht  vorzulegen  –  obwohl  Dr.D._______ das Vorliegen einer Reiseunfähigkeit nicht ausgeschlossen  und die Möglichkeit der Verbesserung des Attests erwähnt hat,

C­1428/2010 dass  die  Vorinstanz  in  der  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  zudem weder das Attest noch dessen Beurteilung erwähnt hat,  so dass  der Beschwerdeführer darüber im Unklaren belassen wurde, weshalb die  Vorinstanz trotz fristgerechter Einreichung einer Bescheinigung zu seiner  Reiseunfähigkeit  eine  Verletzung  der  Mitwirkungspflicht  angenommen  hat, dass damit die Vorinstanz sowohl den Anspruch des Beschwerdeführers  auf  Orientierung  und  Teilnahme  am  Verfahren  als  auch  die  Begründungspflicht verletzt hat, dass  diese mehrfache Verletzung  des Anspruchs  auf  rechtliches Gehör  als  besonders  schwerwiegend  zu  qualifizieren  ist,  so  dass  sie  grundsätzlich  im  Beschwerdeverfahren  nicht  geheilt  werden  kann  (vgl.  etwa GEROLD STEINMANN, a.a.O., N. 32 zu Art. 29), dass  aus  diesem  Grunde  die  angefochtene  Verfügung  in  teilweiser  Gutheissung  der  Beschwerde  aufzuheben  und  die  Sache  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  ist  (Art.  61  Abs.  1  VwVG),  damit  sie  den  Beschwerdeführer  erneut  zur  Begutachtung  aufbiete  und  dabei  in  aller  Klarheit darlege, wie eine allfällige Reiseunfähigkeit zu belegen wäre, um  anschliessend das Verfahren fortzusetzen und neu zu verfügen, dass  unter  diesen  Umständen  nicht  weiter  zu  prüfen  ist,  ob  vorliegend  das Mahn­ und Bedenkzeitverfahren gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG korrekt  durchgeführt  worden  ist  bzw.  ob  hierauf  allenfalls  in  Anwendung  von  Art. 7b  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  19.  Juni  1959  über  die  Invalidenversicherung  (IVG,  SR  831.20)  hat  verzichtet  werden  können  (vgl.  hierzu  allerdings  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­ 6349/2009 vom 30. Mai 2011 E. 5.4), dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Verfahrenskosten  zu  erheben sind  (Art.  63 Abs.  1 und 2 VwVG) und dem Beschwerdeführer  der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 408.­ rückzuerstatten ist, dass  dem  nicht  vertretenen  Beschwerdeführer  keine  verhältnismässig  hohen  Kosten  entstanden  sind,  so  dass  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  ist  (Art.  7 Abs.  4 des Reglements  vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

C­1428/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  in  dem  Sinne  teilweise  gutgeheissen,  als  die  angefochtene  Verfügung  aufgehoben  und  die  Sache  an  die  Vorinstanz  zurückgewiesen wird, damit sie im Sinne der Erwägungen vorgehe. 2.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  bereits  geleistete  Verfahrenskostenvorschuss  von  Fr.  408.­  wird  dem  Beschwerdeführer  nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils rückerstattet. 3.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben mit Rückschein) – die Vorinstanz (Ref­Nr._______) – das Bundesamt für Sozialversicherungen Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Stefan Mesmer Marc Wälti Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30  Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in 

C­1428/2010 öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden,  sofern  die  Voraussetzungen  gemäss  den  Art.  82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben  sind. Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende  Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).  Versand:

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