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Bundesverwaltungsgericht 15.06.2011 C-1151/2010

15 giugno 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,653 parole·~8 min·3

Riassunto

Ausdehnung der kantonalen Wegweisung | Ausdehnung der kantonalen Wegweisungsverfügung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­1151/2010 Urteil   v om   1 5 .   J un i   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Bernard Vaudan, Richter Blaise Vuille,    Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa­Haake. Parteien A._______ sowie ihre Kinder B._______, C._______,  D._______ und E.________, alle vertreten durch lic. iur. Bernhard Zollinger, Rechtsanwalt,   Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Ausdehnung der kantonalen Wegweisungsverfügung.

C­1151/2010 Sachverhalt: A.  A._______, geboren 1981, heiratete 1998 ihren seit 1995 in der Schweiz  lebenden mazedonischen  Landsmann M._______.  Sie  reiste  im  Januar  2002  mit  den  gemeinsamen  Töchtern  B._______,  geboren  1999,  und  C._______, geboren 2000,  in die Schweiz ein und erhielt  im März 2002  eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei ihrem Ehemann. B._______  und C._______ sowie die 2003 und 2004 geborenen Kinder D._______  und E._______ erhielten Aufenthaltsbewilligungen zum Verbleib bei ihren  Eltern.  Das  Migrationsamt  des  Kantons  Zürich  (im  Folgenden:  Migrationsamt)  verlängerte  die  Bewilligungen  von  A._______  und  den  vier Kindern letztmals mit Gültigkeit bis zum 29. Juli 2008. B.  Mit  Verfügung  vom  4.  Dezember  2007 wies  das Migrationsamt  ein  von  M._______  gestelltes  Gesuch  um  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung ab, weil  dieser  im Juli  2007 zu einer dreijährigen  Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Mit gleicher Verfügung widerrief das  Migrationsamt  die  Aufenthaltsbewilligungen  seiner  Ehefrau  und  seiner  Kinder  und  setzte  der  gesamten  Familie  zum  Verlassen  des  Kantonsgebiets  eine  Frist  bis  zum  31. März  2008.  Der  gegen  diesen  Entscheid gerichtete Rekurs an den Regierungsrat blieb ebenso erfolglos  wie die Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich, über  die am 23. September 2009 entschieden wurde. Gegen diesen Entscheid  wurde kein Rechtsmittel mehr eingelegt. C.  Aufgrund  der  damit  rechtskräftig  gewordenen  Verfügung  vom  4.  Dezember 2007 beabsichtigte das BFM, die Wegweisung der Familie auf  das  gesamte  Gebiet  der  Schweiz  auszudehnen  und  gewährte  den  Familienmitgliedern  hierzu  mit  Schreiben  vom  17.  Dezember  2009  das  rechtliche  Gehör.  M._______,  der  sich  inzwischen  von  seiner  Ehefrau  getrennt hatte, äusserte sich  insoweit  lediglich  in eigenem Namen durch  seinen  Rechtsvertreter  Bernhard  Zollinger.  A._______,  anderweitig  rechtlich  vertreten,  übersandte  dem  BFM  am  7.  Januar  2010  verschiedene Unterlagen, u.a. eine Trennungsvereinbarung sowie ein an  das  Migrationsamt  gerichtetes  Schreiben  vom  7.  Januar  2010,  und  kündigte eine Stellungnahme bis zum 21. Januar 2010 an.  D.  Mit zwei separaten Verfügungen vom 25. Januar 2010 – eine M._______, 

C­1151/2010 die  andere  A._______  und  die  vier  Kinder  betreffend  –   dehnte  die  Vorinstanz  die  am  4.  Dezember  2007  gegen  alle  Familienmitglieder  angeordnete   kantonale  Wegweisung  auf  das  gesamte  Gebiet  der  Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein aus. Es setzte  jeweils eine  Ausreisefrist  bis  zum  31.  Januar  2010  und  entzog  gleichzeitig  einer  allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung.  E.  Am  31.  Januar  2010,  nunmehr  vertreten  durch  Rechtsanwalt  Bernhard  Zollinger,  stellte  A._______  beim  Migrationsamt  ein  Gesuch  um  wiedererwägungsweise  Aufhebung  der  Verfügung  vom  4.  Dezember  2007  und  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  für  sich  und  ihre  Kinder.  Dabei  machte  sie  vor  allem  geltend,  angesichts  der  zwischenzeitlich  erfolgten  Trennung  von  ihrem  Ehemann  könne  ihr  die  Rückkehr nach Mazedonien nicht zugemutet werden. Das Migrationsamt  hat dieses Wiedererwägungsgesuch – soweit es darauf eingetreten  ist –  mit  Verfügung  vom  11. Februar  2010  abgewiesen.  Der  dagegen  gerichtete Rekurs, über den   der Regierungsrat des Kantons Zürich am  7. Dezember 2010 entschieden hat, blieb erfolglos. F.  Gegen  die  am  25.  Januar  2010  verfügte  Ausdehnung  der  kantonalen  Wegweisung  erhob  A._______  in  eigenem  und  im  Namen  ihrer  Kinder  durch  ihren  Rechtsvertreter  am  9.  Februar  2010  (Postaufgabe  am  24.  Februar 2010) Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht. Sie vertritt  die Ansicht, die Vorinstanz habe ihr vor Verfügungserlass kein rechtliches  Gehör gewährt. Abgesehen davon müsse berücksichtigt werden, dass sie  zu  Jahresbeginn  beim  Migrationsamt  des  Kantons  Zürich  ein  neues  Verfahren  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  anhängig  gemacht  habe.  Hieraus  ergebe  sich  zwar  kein  Anspruch  auf  Verbleib  in  der  Schweiz.  Eine  angemessene  Prüfung  ihres  Ersuchens  könne  aber  nur  erfolgen, wenn sie hier zugegen sei. Es stehe auch nicht abschliessend  und  eindeutig  fest,  dass  ihr  kein  anderer  Kanton  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilen  würde.  Nur  wenn  keine  solche  Bereitschaft vorhanden sei, dürfe eine kantonale Wegweisungsverfügung  überhaupt ausgedehnt werden.  G.  Mit  Zwischenverfügung  vom  5.  März  2010  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  das  gleichzeitig  mit  der  Beschwerde 

C­1151/2010 eingereichte Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung  abgewiesen. H.  In ihrer Vernehmlassung vom 22. April 2010 beantragt die Vorinstanz die  Abweisung der Beschwerde.  I.  Weitere  Stellungnahmen  wurden  nicht  mehr  eingereicht.  Der  Inhalt  der  vorinstanzlichen  und  der  beigezogenen  kantonalen  Akten  wird,  soweit  rechtserheblich, in den Erwägungen Berücksichtigung finden.   Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR 172.021), welche  von  einer  der  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  auch  Verfügungen  des  BFM,  welche  die  Wegweisung  betreffen.  In  diesem Bereich  entscheidet  das Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (vgl.  Art. 83  Bst.  c  Ziff.  4  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]) 1.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3. Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten aufgrund  von Art.  48 Abs.  1 VwVG zur Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  frist­  und  formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 ­ 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 

C­1151/2010 rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BVGE  2007/41  E.  2  und  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­2682/2007 vom 7. Oktober 2010 E. 1.2 und  1.3). 3.  In formeller Hinsicht haben die Beschwerdeführenden beanstandet, ihnen  sei  vor  Erlass  der  angefochtenen  Verfügung  kein  rechtliches  Gehör  gewährt  worden.  Fest  steht  jedoch,  dass  das  BFM  ihnen  –  und  gleichzeitig M._______  – mit  Schreiben  vom  17.  Dezember  2009   eine  entsprechende  Gelegenheit  eingeräumt  hat.  Der  Rechtsvertreter  von  M._______,  im vorliegenden Beschwerdeverfahren auch Rechtsvertreter  von A._______, hat seinerzeit mit Schreiben vom 18. Januar 2010 nur in  dessen  Namen  vom  rechtlichen  Gehör  Gebrauch  gemacht.  A._______  hat  sich  am  7.  Januar  2010  über  das  Schweizerische  Arbeiterhilfswerk  (SAH) an die Vorinstanz gewendet und bis zum 21. Januar 2010 eine –  dann unterbliebene – Stellungnahme  in Aussicht  gestellt. Der Umstand,  dass  das  zweifellos  auch A._______  eingeräumte  rechtliche Gehör  von  ihr  selbst  nicht  ausgeschöpft  wurde,  kann  keine  Verletzung  des  Gehörsanspruchs durch die Vorinstanz darstellen. 4.  4.1. Am 1. Januar 2008 trat das Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  mit  seinen  Ausführungsverordnungen  (u.a.  die  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit  [VZAE, SR 142.201])  in  Kraft und löste das bis dahin geltende Bundesgesetz vom 26. März 1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  sowie verschiedene darauf gestützt erlassene Verordnungen ab (vgl. Art.  125 i.V.m. Ziff. I Anhang 2 AuG und Art. 91 VZAE). In Verfahren, die vor  diesem  Zeitpunkt  anhängig  gemacht  wurden,  bleibt  nach  der  übergangsrechtlichen  Ordnung  des  AuG  das  alte  materielle  Recht  anwendbar. Dabei  ist  grundsätzlich  ohne Belang,  ob  das Verfahren  auf 

C­1151/2010 Gesuch  hin  (vgl.  Art.  126 Abs.  1 AuG)  oder  von Amtes wegen  eröffnet  wurde  (per analogiam Art.  126 Abs. 1 AuG;  vgl. BVGE 2008/1 E.  2 mit  Hinweisen).  Das  Verfahren  selbst  folgt  dem  neuen  Verfahrens­  und  Organisationsrecht  (Art. 126  Abs.  2  AuG).  Altrechtliche  Zuständigkeiten  bleiben  davon  unberührt,  wenn  sie  unter  der Geltung  des  alten  Rechts  begründet wurden  (perpetuatio  fori)  oder wenn das neue Recht auf das  alte materielle Recht verweist, die für dessen Verwirklichung notwendige  Zuständigkeitsordnung  aber  nicht  mehr  zur  Verfügung  stellt  (vgl.  das  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­7842/2008 vom 23. April 2009 E.  3.1 mit Hinweis). 4.2.  Im  vorliegenden  Fall  wurde  das  der  angefochtenen  Ausdehnungsverfügung  zugrunde  liegende  Wegweisungsverfahren  auf  kantonaler Ebene vor dem 1. Januar 2008 eingeleitet (vgl. Verfügung des  Migrationsamts  des  Kantons  Zürich  vom  4.  Dezember  2007).  Massgeblich  ist  folglich  das  alte  materielle  Recht  einschliesslich  der  diesbezüglich  vorgesehenen  altrechtlichen  Zuständigkeiten.  Das  BFM  war  daher  für  den  Erlass  der  angefochtenen  Verfügung  zuständig  (vgl.  Urteile des Bundesverwaltungsgerichts C­2349/2008 vom 11. März 2010  E. 3.2 mit Hinweis).  5.  Gemäss  Art.  1a  ANAG  ist  eine  ausländische  Person  nur  dann  zur  Anwesenheit  in der Schweiz berechtigt, wenn sie über eine Aufenthalts­  oder  Niederlassungsbewilligung  verfügt  oder  nach  dem  Gesetz  keiner  solchen  bedarf  (zu  Letzterem  vgl.  Art.  2  ANAG  und  Art. 1  der  Vollziehungsverordnung  vom  1. März  1949  zum  Bundesgesetz  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  [ANAV,  AS  1949  228]).  Besitzt  sie  keine  Bewilligung  und  kann  sie  sich  auch  nicht  auf  ein  gesetzliches  Bleiberecht  berufen,  so  ist  ihr  Aufenthalt  illegal  und  sie  ist  von Gesetzes wegen verpflichtet, die Schweiz zu verlassen  (vgl. Art. 12  Abs. 1 ANAG, ferner den Tatbestand des illegalen Aufenthaltes im Sinne  von  Art.  23  Abs.  1  ANAG  sowie:  Nicolas  Wisard,  Les  renvois  et  leur  exécution en droit des étrangers et en droit d'asile, Basel/Frankfurt a.M.  1997, S. 102). 5.1.  Abgesehen  von  der  Konstellation,  in  der  von  vornherein  kein  Aufenthaltsrecht  besteht,  ist  eine  ausländische  Person  unter  anderem  auch dann zur Ausreise verpflichtet, wenn ihr eine Bewilligung – oder die  Verlängerung  einer  solchen  –  verweigert  oder  diese  widerrufen  oder  entzogen wurde  (Art.  12 Abs.  3 Satz  1 ANAG).  In  diesem Fall wird  die 

C­1151/2010 Ausreisefrist von der zuständigen Behörde bestimmt; ist die Behörde eine  kantonale,  so  hat  der  Ausländer  aus  dem  Kanton,  ist  sie  eine  eidgenössische,  so hat er aus der Schweiz auszureisen  (Art.  12 Abs. 3  Sätze 2 und 3 ANAG). Die eidgenössische Behörde kann die Pflicht zur  Ausreise  aus  einem Kanton  auf  die  ganze Schweiz  ausdehnen  (Art.  12  Abs. 3 Satz 4 ANAG). Letzteres wird präzisiert durch Art. 17 Abs. 2 letzter  Satz  ANAV,  wonach  das  Bundesamt  in  der  Regel  die  Ausdehnung  der  Wegweisung auf die ganze Schweiz verfügt, wenn nicht aus besonderen  Gründen  dem  Ausländer  Gelegenheit  geboten  werden  soll,  in  einem  anderen Kanton um eine Bewilligung nachzusuchen. 5.2. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in zahlreichen Urteilen zur  Rechtsnatur  der  Ausdehnungsverfügung  und  den  sich  daraus  ergebenden  Konsequenzen  auf  die  Kognition  der  Bundesbehörden  geäussert.  Nach  seiner  Rechtsprechung  stellt  die  Ausdehnungsverfügung  eine  Massnahme  dar,  die  einerseits  als  rein  exekutorische  Anordnung  der  Durchsetzung  einer  vorbestehenden  gesetzlichen  Verpflichtung  dient  –  nämlich  der  Pflicht  einer  ausländischen Person, nach Wegfall  ihres gesetzlichen oder auf einer  Bewilligung  beruhenden  Aufenthaltsrechts  auszureisen  –  und  andererseits  gegenüber  der  kantonalen  Wegweisung  streng  akzessorisch ist. Hinzu kommt, dass die Kompetenz zur Legalisierung  des  Aufenthaltes  nicht  beim  Bund,  sondern  grundsätzlich  bei  den  Kantonen  liegt.  Gestützt  darauf  erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seiner  ständigen  Rechtsprechung  Kritik  an  einem negativen Bewilligungsentscheid  für  unzulässig. Unzulässig  sind  dementsprechend  auch  alle  Vorbringen, mit  denen  im weitesten  Sinne  ein  überwiegendes  Interesse  oder  gar  ein  Anspruch  auf  eine  Aufenthaltsregelung  behauptet  wird.  Mit  Aussicht  auf  Erfolg  kann  gegen  die  Ausdehnung  nur  vorgebracht  werden,  dass  in  einem  Drittkanton um die Erteilung einer Bewilligung nachgesucht wurde, und  dies auch nur dann, wenn dieser Drittkanton der ausländischen Person  für  die  Dauer  des  Bewilligungsverfahren  den  Aufenthalt  auf  seinem  Gebiet  ausdrücklich  gestattet  (vgl.  statt  vieler  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­984/2009  vom  22.  Juli  2010  E.  4.2 mit  Hinweis). 5.3. Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich hat in seinem Entscheid  vom  23.  September  2009  bestätigt,  dass  der  Widerruf  der  Aufenthaltsbewilligungen  der  Beschwerdeführenden  zu  recht  erfolgte.  Auch  ist  das  am  31.  Januar  2010  eingeleitete  Verfahren  um 

C­1151/2010 Wiedererwägung  der  kantonalen  Verfügung  vom  4.  Dezember  2007 –  das  im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung noch hängig war – erfolglos  geblieben. Damit fehlt es den Beschwerdeführenden an einem Rechtstitel  für  einen  rechtmässigen  Aufenthalt  in  der  Schweiz.  In  der  Rechtsmittelschrift  wird  auch  nicht  geltend  gemacht,  dass  ein  anderer  Kanton bereit wäre, den Aufenthalt der Beschwerdeführenden zu regeln;  stattdessen verweisen die Beschwerdeführenden nur – und unzureichend  im  Sinne  der  vorherigen  Erwägungen  –  auf  die  insoweit  nicht  abschliessend  geklärte  Bereitschaft  der  anderen  Kantone.  Es  besteht  daher  kein  Spielraum,  um  vom  Grundsatz  der  Ausdehnung  der  kantonalen  Wegweisung  auf  die  ganze  Schweiz  abzuweichen.  Die  Ausdehnung der kantonalen Wegweisung ist somit nicht zu beanstanden. 6.  Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  dem  Vollzug  der  Wegweisung  Hindernisse  im  Sinne  von Art.  14a Abs.  2 bis  4 ANAG – Unmöglichkeit, Unzulässigkeit  oder Unzumutbarkeit – entgegenstehen und das zuständige Bundesamt  deshalb gestützt auf Art. 14a Abs. 1 ANAG die vorläufige Aufnahme der  Beschwerdeführenden  hätte  verfügen  müssen.  In  diesem  Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die vorläufige Aufnahme als  Ersatzmassnahme für den Vollzug der Wegweisung ausgestaltet  ist. Sie  tritt  neben  die  Wegweisung,  deren  Bestand  sie  nicht  tangiert,  sondern  vielmehr  voraussetzt  (vgl.  dazu  Botschaft  des  Bundesrates  zum  Bundesbeschluss über das Asylverfahren [AVB] vom 25. April 1990, BBl  1990  II  647;  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a. M.  1990,  S. 201;  vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­1249/2010 vom 2. Juni 2010 E. 5). 6.1.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ist  nicht  möglich,  wenn  die  ausländische Person weder  in den Herkunfts­ oder Heimatstaat noch  in  einen  Drittstaat  verbracht  werden  kann  (Art.  14a  Abs.  2  ANAG).  Er  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz –  insbesondere  jene der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  und  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30  –  einer  Weiterreise  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  14a  Abs.  3  ANAG).  Der  Vollzug  kann  insbesondere nicht zumutbar sein, wenn er  für die ausländische Person  eine konkrete Gefährdung darstellt (Art. 14a Abs. 4 ANAG).

C­1151/2010 6.2. Die Möglichkeit und Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs steht  im  vorliegenden Fall ausser Frage. Demzufolge ist allenfalls relevant, ob die  zwangsweise  Rückkehr  für  die  Beschwerdeführenden  eine  konkrete  Gefährdung mit sich brächte und damit nicht zumutbar wäre.  6.3.  Eine  konkrete  Gefährdung  kann  bestehen  aufgrund  einer  im  Heimatland  herrschenden  politischen  Lage,  die  sich  durch  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  auszeichnet,  oder  aufgrund  anderer  Gefahrenmomente  wie  beispielsweise  die  Nichterhältlichkeit  einer  notwendigen  medizinischen  Behandlung.  Wirtschaftliche Schwierigkeiten, von welchen die ansässige Bevölkerung  regelmässig  betroffen  ist,  wie  Wohnungsnot  oder  ein  schwieriger  Arbeitsmarkt,  vermögen  hingegen  keine  konkrete  Gefährdung  zu  begründen.  Dagegen  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zumutbar,  wenn  sich  die  ausländische  Person  im  Falle  einer  zwangsweisen  Rückkehr  in  ihren Heimatstaat mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  existenzgefährdenden  Situation  ausgesetzt  sähe.  Eine  solche  Situation  liegt  namentlich  dann  vor,  wenn  die  weggewiesene  Person  unwiederbringlich  in  völlige  Armut  gestossen  würde,  dem  Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Verschlechterung  ihres  Gesundheitszustandes,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert  wäre  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­1249/2010  E. 6.2  und  C­6627/  2008  vom  26. März 2010 E. 8.2 mit Hinweisen). 6.4.  Sind  vom  Vollzug  der  Wegweisung  Minderjährige  betroffen,  so  ist  aufgrund  von  Art.  3  Abs.  1  des  Übereinkommens  vom  20. November  1989  über  die  Rechte  des  Kindes  (SR  0.107)  auch  dem  Kindeswohl  Beachtung zu schenken. Unter diesem Aspekt sind sämtliche Umstände  zu  würdigen,  die  bei  der  Wegweisung  eines  Kindes  wesentlich  erscheinen,  u.a.  dessen  Alter  und  Reife,  dessen  soziale  Beziehungen,  aber  auch  der   Grad  der  Integration  und  der  Verwurzelung  in  der  Schweiz. Letztere kann  eine reziproke Wirkung auf die Zumutbarkeit des  Wegweisungsvollzugs  haben  (vgl.  BVGE  2009/28  E.  9.3.2  sowie  Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts C­110/2009 vom 26. April 2010 E. 4.2, je  mit Hinweisen). 7.  Die  Beschwerdeführenden  haben  sich  im  vorliegenden  Verfahren  nicht  zur  Situation  in  ihrem  Heimatland  geäussert,  geschweige  denn  zu  den  Lebensumständen, die sie bei ihrer Rückkehr nach Mazedonien vorfinden  würden.  Schon  angesichts  dessen  kann  nicht  davon  ausgegangen 

C­1151/2010 werden,  dass  der  Vollzug  ihrer  Wegweisung  sie  dort  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  lassen  würde  und  deshalb  als  unzumutbar zu erachten wäre. Aus den gleichen Gründen spielt es auch  keine  Rolle,  dass  sich  A._______  nach  der  Trennung  von  ihrem  Ehemann  offensichtlich  allein  um  die  Erziehung  und  das  Wohlergehen  ihrer  vier  Kinder  kümmert  und  bei  der  Rückkehr  in  ihr  Herkunftsland  womöglich auf sich allein gestellt sein wird. Aus den Akten ergeben sich  auch  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Wegweisungsvollzug  die  zwischen  6  und  12  Jahre  alten  Kinder  in  unzumutbarer Weise belasten könnte. Die Beschwerdeführenden haben  sich hierzu nicht geäussert.  Ihrer Rechtsmitteleingabe beigefügt  ist zwar  ein das älteste Kind B._______ betreffender Kurzbericht, den der Kinder­  und Jugendpsychiatrische Dienst  des Kantons Zürich am 29. Dezember  2009  erstellt  hat  und  der  eine  weitere  psychotherapeutische  und  somatische Behandlung des Kindes nach einem im Jahr 2007 erlittenem  Schädelhirntrauma  für  angezeigt  hält;  diesen  Bericht  hat  jedoch  bereits  das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich in seinem Entscheid vom 23.  September  2009,  der  das  Aufenthaltsverfahren  betraf,  gewürdigt  und  festgestellt,  dass  B._______  auch  in  Mazedonien  die  notwendige  medizinische  Betreuung  erhalten  könne.  Auf  eine  solche   hinreichende  Behandlungsmöglichkeit  hingewiesen  hat  auch  der  Regierungsrat  des  Kantons  Zürich  in  seinem  Beschluss  vom  7.  Dezember  2010,  der  nochmals  bzw.  wiedererwägungsweise  die  Aufenthaltsfrage  zum  Gegenstand  hatte.  Vorliegend  sind  daher  gesundheitliche  Aspekte  im  Rahmen der Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzug nicht  mehr  zu  überprüfen.  Denkbar  sind  zwar  Konstellationen,  in  den  der  gesundheitliche  Zustand  und  das  soziale  Umfeld  einer  minderjährigen  Person  gegen  den  Wegweisungsvollzug  sprechen  und  die  daher  zur  vorläufige  Aufnahme  des  Kindes  –  und  damit  u.  U.  auch  weiterer  Familienangehöriger  –  führen.  Dies  kann  beispielsweise  der  Fall  sein,  wenn beim Kind eine grosse emotionale Instabilität bis hin zur Suizidalität  vorhanden  ist  und  damit  eine  engmaschige  ärztliche  und  soziale  Betreuung  erforderlich  wird,  die  im  Heimatstaat  nicht  gewährleistet  ist  (vgl.  hierzu  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­110/2009  E.  6  und  7).  Ein  derartige  Problematik  liegt  bei  dem  Kind  B._______  jedoch  offensichtlich nicht vor.   8.  Aus  diesen  Darlegungen  folgt,  dass  dem  Vollzug  der Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  nach  Mazedonien  keine  Vollzugshindernisse  im 

C­1151/2010 Sinne  von  Art.  14a  ANAG  entgegenstehen.  Eine  Anordnung  der  vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht. 9.  Hieraus  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  rechtmässig  ist  (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 10.  Entsprechend  dem  Verfahrensausgang  sind  den  Beschwerdeführenden  die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 und Art. 3 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  900.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführenden (Einschreiben) – die Vorinstanz  – das Migrationsamt des Kantons Zürich  Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

C­1151/2010 Ruth Beutler Barbara Giemsa­Haake Versand:

C-1151/2010 — Bundesverwaltungsgericht 15.06.2011 C-1151/2010 — Swissrulings