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Bundesverwaltungsgericht 14.07.2011 B-7374/2010

14 luglio 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,083 parole·~15 min·2

Riassunto

Landwirtschaft (Übriges) | Aberkennung Betriebsgemeinschaft

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II B­7374/2010 Urteil   v om   1 4 .   Juli   2011 Besetzung Richter Frank Seethaler (Vorsitz), Richterin Maria Amgwerd,  Richter Jean­Luc Baechler Gerichtsschreiberin Marion Spori Fedail. Parteien 1. A.X._______,   2. B.X._______,  beide vertreten durch Dr. iur. Werner Ritter, Im Forum,  Bahnhofstrasse 24, 9443 Widnau,  Beschwerdeführer,  gegen Departement Volks­ und Landwirtschaft des Kantons  Appenzell A. Rh., Regierungsgebäude, 9102 Herisau,   Vorinstanz,  Landwirtschaftsamt des Kantons Appenzell A. Rh.,  Regierungsgebäude, 9102 Herisau,   Erstinstanz.  Gegenstand Aberkennung Betriebsgemeinschaft.

B­7374/2010 Sachverhalt: A.  Im Jahr 2004 übernahm A.X., Jahrgang 1963, Beschwerdeführer 1, von  C.X, den  in der Bergzone  II gelegenen Betrieb  in der Grösse von 34,78  ha  mit  Wohnhaus  und  Ökonomiegebäude  (Betrieb  1).  Diesen  Betrieb  hatte er bereits zuvor mit C. und D.X. in Betriebsgemeinschaft geführt. Im  gleichen  Jahr  übernahm B.X.,  Jahrgang  1984, Beschwerdeführer  2  und  Sohn des Beschwerdeführers 1, als Pächter  von E. deren Betrieb  (3,48  ha mit Schweinestall, Kuhstall  und Wagenschopf; Betrieb 2),  aber ohne  das  von  der  Grundeigentümern  offenbar  weiterhin  genutzte Wohnhaus.  Den Betrieb 2 hatte zuvor der Beschwerdeführer 1 gepachtet gehabt. Er  liegt ca. 0,5 km vom Betrieb 1 entfernt und ebenfalls in der Bergzone II.  Mit Gesuch vom 18.  Juni 2004 beantragten die Beschwerdeführer beim  Landwirtschaftsamt  des  Kantons  Appenzell  Ausserrhoden  (Erstinstanz)  die  Anerkennung  ihrer  Betriebe  als  Betriebsgemeinschaft  und  reichten  einen  entsprechenden  Gesellschaftsvertrag  ein.  Mit  Entscheid  vom  23. September 2004 anerkannte die Erstinstanz die Betriebsgemeinschaft  der  Beschwerdeführer.  Ergänzend  hielt  sie  fest,  dass  die  auswärtige  Tätigkeit  jedes  Gesellschafters  180  Tage  beziehungsweise  1'512  Stunden im Jahr nicht überschreiten dürfe und jährlich auszuweisen sei. B.  Mit  Schreiben  vom  18.  September  2008  ersuchte  die  Erstinstanz  die  Betriebsgemeinschaft,  eine  Zusammenstellung  der  auswärtigen  Tätigkeiten in Stunden der beiden Beschwerdeführer für die Periode vom  1. Januar 2008 bis 31. August 2008 einzureichen. Mit Entscheid vom 16. Juni 2009 widerrief die Erstinstanz den Entscheid  betreffend Anerkennung einer Betriebsgemeinschaft vom 23. September  2004  und  aberkannte  die  Betriebsgemeinschaft  rückwirkend  auf  den  31. Dezember  2007.  Sie  stellte  fest,  die  Betriebsgemeinschaft  habe  die  Bedingungen  gemäss  Art.  10  Abs.  1  Bst.  g  der  landwirtschaftlichen  Begriffsverordnung  vom 7. Dezember  1998  (LBV;  SR  910.91)  im  Jahre  2008  nicht  erfüllt.  Der  Betrieb  des  Beschwerdeführers  1  und  jener  des  Beschwerdeführers 2 wurde als ein Betrieb gemäss Art. 6 LBV anerkannt.  Das  Landwirtschaftsamt  führte  zur  Begründung  aus,  die  auswärtige  Tätigkeit von B.X. habe  im Jahre 2008 1'953,25 Arbeitsstunden umfasst  (1'449,25 Stunden bei der Firma Y. AG sowie 504 Stunden Unterricht  in  der  Holzfachschule  Biel).  Beide  Tätigkeiten  seien  als  landwirtschaftsfremd  einzustufen.  Die  auswärtige  Tätigkeit  eines 

B­7374/2010 Gesellschafters dürfe 180 Arbeitstage bzw. 1'512 Stunden pro Jahr nicht  überschreiten.  Es  liege  somit  ein  nicht  leicht  zu  nehmender  Verstoss  gegen  Art.  10  Abs.  1  Bst.  g  LBV  vor.  Eine  Anrechnung  der  Holzfachschule  als  nicht  auswärtige  Tätigkeit  widerspreche  den  gesetzlichen Grundlagen. Würde man  dies  zulassen,  käme  ein  Student  oder eine Studentin zu Direktzahlungen ohne  jemals eine Arbeitsstunde  auf dem Betrieb gearbeitet zu haben.  Gegen  diesen  Entscheid  erhoben  die  Beschwerdeführer  am  30.  Juni  2009 Rekurs beim Departement Volks­ und Landwirtschaft des Kantons  Appenzell  A.  Rh.  (Vorinstanz).  Sie  beantragten,  der  Entscheid  sei  aufzuheben  und  die  Betriebsgemeinschaft  sei  wieder  als  solche  anzuerkennen. Sie machten geltend, die von B.X. absolvierte Ausbildung  an  der  Holzfachschule  dürfe  nicht  als  Arbeit  ausserhalb  der  Betriebsgemeinschaft  angerechnet  werden.  Berufliche  Aus­  und  Weiterbildung  verfolgten  einen  anderen  Zweck  als  Erwerbsarbeit  zur  Einkommenssicherung. Entscheidend sei der Umfang der Arbeitsleistung  auf  dem  Betrieb;  es  werde  verlangt,  dass  jedes  Mitglied  einer  Gemeinschaft auf dem Landwirtschaftsbetrieb arbeite. B.X. arbeite neben  seiner  auswärtigen  Tätigkeit  noch  ca.  1'500  Stunden  in  der  Betriebsgemeinschaft. Es sei nicht verhältnismässig, die Direktzahlungen  infolge einer Ausbildung um Fr. 16'161.− zu kürzen.  Mit  Entscheid  vom  23.  Juni  2010  (Versand:  29.  Juni  2010)  wies  die  Vorinstanz den Rekurs ab. Sie  führte aus, gemäss den Weisungen und  Erläuterungen  des  Bundesamtes  für  Landwirtschaft  (BLW)  zur  LBV  (Fassung  vom  31.  Januar  2007)  dürfe  die  auswärtige  Tätigkeit  eines  Gesellschafters  180  Tage  bzw.  1'512  Stunden  pro  Jahr  nicht  überschreiten. Selbst wenn es sich bei der Weiterbildung von B.X. nicht  um  auswärtige  Erwerbstätigkeit  handle,  sei  höchst  zweifelhaft,  dass  er  unter  diesen Umständen  noch  gleichzeitig  als  Bewirtschafter  habe  tätig  sein  können.  Nach  der  Rechtsprechung  könne  als  (Mit­)Bewirtschafter  nur gelten, wer  im Betrieb eine massgebende Funktion bei der Führung  und  bei  der  Entscheidfällung  (Betriebsleitung)  einnehme  sowie  eine  aktive  Rolle  im  täglichen  Geschehen  ausübe  und  selber  Hand  anlege.  Gelegentliche Arbeit an Wochenenden oder saisonale Tätigkeit vermöge  nicht zu genügen. Die Beschwerdeführer hätten nicht schlüssig dargelegt,  wie  B.X.  trotz  seiner  häufigen  Abwesenheiten  noch  eine  massgebliche  Funktion  im  Betrieb  habe  erfüllen  können.  Zudem  sei  die  vorgelegte  Betriebsabrechnung  2008  nicht  als  Rechnung  einer  Betriebsgemeinschaft,  sondern  ausschliesslich  aus  der  Sicht  von  A.X. 

B­7374/2010 geführt worden. So seien die Einlagen von B.X. nicht als Betriebskapital,  sondern  als  Fremdkapital  ausgewiesen  worden.  Für  die  Mithilfe  im  Betrieb  sei  B.X.  eine  Entschädigung  von  Fr.  16'000.−  ausbezahlt  und  unter  "Löhne  Angestellte"  verbucht  worden.  Das  aus  der  ausserbetrieblichen Tätigkeit  von B.X.  stammende  Lohneinkommen  von  Fr.  45'567.−  sei,  obwohl  Ziff.  5.2  des  Gesellschaftsvertrags  vom  26.  August 2004 dies verlange, nicht der Betriebsgemeinschaft  zugerechnet  worden.  C.  Am  31.  August  2010  erhoben  die  Beschwerdeführer,  vertreten  durch  Rechtsanwalt  Dr.  Werner  Ritter,  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragten,  der  Rekursentscheid  vom  23.  Juni  2010  sei  vollumfänglich  aufzuheben  und  die  Betriebsgemeinschaft  der  Beschwerdeführer  sei  weiterhin  –  also  auch  nach  dem  31.  Dezember  2007  –  anzuerkennen.  Eventualiter  sei  die  Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz oder die Erstinstanz  zurückzuweisen, unter Kosten­ und Entschädigungsfolgen zu Lasten des  Kantons Appenzell A. Rh. Die Beschwerdeführer hielten zur Begründung  fest,  die  zu  einer  Betriebsgemeinschaft  zusammengeschlossenen  Betriebe  mit  einer  landwirtschaftlichen  Nutzfläche  von  36,5  ha  und  55  Grossvieheinheiten  erforderten  zu  ihrer  Bewirtschaftung  3,4  Standardarbeitskräfte.  B.X.  habe  im  Jahr  2008  in  erheblichem Umfang,  nämlich  während  1'310  Stunden,  in  der  Betriebsgemeinschaft  mitgearbeitet.  In  der  landwirtschaftlichen  Betriebsplanung  werde  pro  Arbeitskraft  mit  2'800,  auf  intensiven  Tierhaltungsbetrieben  wie  dem  vorliegenden  mit  3'000  Jahresarbeitsstunden  gerechnet.  Freizeitaktivitäten  seien  nicht  zur  auswärtigen  Arbeitszeit  im  Sinne  von  Art. 10 Abs. 1 Bst. g LBV zu  rechnen. Weiterbildung auf eigene Kosten  gehöre  genauso  zu  den  Freizeitaktivitäten  wie  Leistungssport  zu  betreiben,  zu  musizieren,  auf  die  Jagd  zu  gehen  oder  Ähnliches.  Es  würde gegen das Gebot der  rechtsgleichen Behandlung verstossen, die  freiwillige  berufliche  Weiterbildung  anders  zu  behandeln  als  andere  Freizeitaktivitäten. Die Buchhaltung der Betriebsgemeinschaft werde vom  Inhaber  eines  professionellen  landwirtschaftlichen  Buchhaltungsunternehmens geführt. Seit der Gründung sei sie stets nach  denselben Grundsätzen  für  die Betriebsgemeinschaft  und  nicht  für  A.X.  geführt  worden  und  sie  habe  noch  nie  zu  Reklamationen  Anlass  gegeben.  Die  Buchhaltung  gebe  das  Betriebsergebnis  vollständig  und  richtig wieder. Soweit sie vom Gesellschaftsvertrag vom 26. August 2004  abweiche, beruhten die Abweichungen auf Vereinbarungen der Parteien, 

B­7374/2010 was zulässig sei. Das gelte  insbesondere auch  für die Nichtanrechnung  der  Einkommen  aus  ausserbetrieblicher  Tätigkeit,  die  Aufteilung  des  Gesamteinkommens  sowie  die  Berücksichtigung  der  Weiterbildung  von  B.X.  D.  Mit Vernehmlassung vom 29. November 2010 verwiesen die Erstinstanz  und die Vorinstanz, vertreten durch den Rechtsdienst der Kantonskanzlei  des  Kantons  Appenzell  Ausserrhoden,  auf  die  Ausführungen  im  angefochtenen  Entscheid  und  beantragten,  die  Beschwerde  sei  abzuweisen.  E.  Am 12. Januar 2011 nahm das BLW als Fachbehörde Stellung. Es hielt  fest,  massgebend  sei  gemäss  Art.  10  Abs.  1  Bst.  g  LBV,  dass  die  Abwesenheit  eines Mitglieds  der  Gemeinschaft  vom  Betrieb  nicht mehr  als 75 Prozent betrage. Es sei deshalb unerheblich, ob die Anwesenheit  auf  dem Betrieb mehr  als  25  Prozent  umfasse. Würde man  auf  die  25  Prozent Anwesenheit  abstützen, wäre dies eine Umkehr  der Beweislast  und würde faktisch die Nichtanwendbarkeit von Art. 10 Abs. 1 Bst. g LBV  nach sich ziehen. Die dauernde unbezahlte Abwesenheit müsse bei der  Berechnung einbezogen werden, denn auch diese  führe dazu, dass ein  Mitglied  der  Gesellschaft  seinen  Anteil  an  der  Betriebsführung  nicht  zu  erfüllen vermöge. Der Argumentation, dass es sich bei der Ausbildung um  eine  nicht  anrechenbare  Freizeitaktivität  handle,  könne  nicht  gefolgt  werden.  Der  Beschwerdeführer  2  habe  seine  Ausbildung  tagsüber  absolviert und sei an einen fixen Stundenplan gebunden gewesen. Es sei  nicht  ersichtlich,  wie  er  sich  angesichts  dieser  auswärtigen  Tätigkeit  in  massgeblicher Weise  an  der  Arbeit  im  Betrieb  habe  beteiligen  können.  Das BLW unterstütze die Ausführungen der Vorinstanzen,  insbesondere  auch die im Entscheid des Departements vom 23. Juni 2010 gemachten  Äusserungen betreffend die Betriebsrechnung des Jahres 2008. F.  Mit Eingabe vom 21. Januar 2011 hielten die Vor­ und Erstinstanz fest, es  drängten sich keine zusätzlichen Bemerkungen zu den Ausführungen des  BLW auf.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  24.  Februar  2001  ersuchte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerdeführer  um  Beantwortung  mehrerer  Fragen  hinsichtlich  der  Ausbildung  des  Beschwerdeführers  2, 

B­7374/2010 der Aufteilung der Arbeit  im Rahmen der Betriebsgemeinschaft  und der  Buchhaltung. Die Beschwerdeführer nahmen am  24. März 2011 Stellung und reichten  verschiedene Dokumente ein. Sie führten u.a. aus, der Beschwerdeführer  2  habe  im  Jahr  2008 berufsbegleitend  die Holzfachschule Biel  besucht.  Er  bilde  sich  zum  dipl.  Techniker  HF  Holzindustrie  weiter.  Die  Ausbildungszeit  habe  60  Schultage  à  8,4  Stunden  betragen.  Die  Beschwerdeführer  hätten  den  Nachweis  erbracht,  dass  der  Beschwerdeführer  2  zu  weniger  als  75  %  einer  auswärtigen  Tätigkeit  nachgegangen  sei.  Ohne  die  aktive  und  intensive  Mitarbeit  des  Beschwerdeführers 2 wären der Beschwerdeführer 1 und seine Ehefrau  gar  nicht  in  der  Lage  gewesen,  den  grossen  Landwirtschaftsbetrieb  zu  bewirtschaften,  zumal  sie  keine  betriebsfremden  Arbeitskräfte  beschäftigten.  Der  Beschwerdeführer  2  habe  sich,  bevor  er  seine  Ausbildung  begonnen  habe,  telefonisch  beim  BLW  erkundigt,  was  diesbezüglich in Bezug auf die Betriebsgemeinschaft zu beachten sei. Ein  Mitarbeiter  des  BLW  habe  ihm  erklärt,  wenn  er   seinen Wohnsitz  in  Z.  beibehalte und während der Ausbildung am Samstag und am Sonntag in  der Betriebsgemeinschaft mitarbeite, seien keine Probleme zu erwarten.  Die Ausbildungszeit zähle nicht als Arbeitszeit  im Sinne von Art. 10 Abs.  1 Bst. g LBV.  G.  Mit  Eingabe  vom  6.  April  2011  führte  das  BLW  hinsichtlich  der  geltend  gemachten Auskunftserteilung aus, die Anfrage betreffend Ausbildung sei  telefonisch  erfolgt.  Laut  dem  betreffenden  Mitarbeiter  sei  die  Rede  gewesen  von  einzelnen Kurstagen  verteilt  auf  die  ganze Winterperiode,  nicht  von  einer  vier  Semester  dauernden  Ausbildung.  Wäre  dem  Mitarbeiter  bekannt  gewesen,  dass  es  sich  um  eine  Ausbildung  im  erwähnten Rahmen handle, wäre klar darauf hingewiesen worden, dass  die  Abwesenheit  für  die  Holzfachschule  als  ausserbetriebliche  Tätigkeit  gewertet werde.  Die Vorinstanz und die Erstinstanz äusserten sich am 28. April 2011 zu  den Ausführungen der Beschwerdeführer.  Mit  Stellungnahme  vom  24.  Mai  2011  und  8.  Juni  2011  machten  die  Beschwerdeführer  präzisierende  Angaben  zu  Ausbildung  und  Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers 2 im Jahr 2008. Sie hielten fest,  entgegen den Ausführungen des BLW habe der Beschwerdeführer 1 bei 

B­7374/2010 seiner  telefonischen  Anfrage  unmissverständlich  darauf  hingewiesen,  dass er sich an der Technikerschule HF Holz Biel zum dipl. Techniker HF  Holzindustrie weiterbilden möchte.  Diese Eingaben wurden der Vorinstanz und der Erstinstanz zur Kenntnis  gegeben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Die  vorliegende  Beschwerde  richtet  sich  gegen  einen  Entscheid  des  Departements Volks­  und  Landwirtschaft  des Kantons Appenzell  A. Rh.  Dabei handelt  es  sich um einen  letztinstanzlichen kantonalen Entscheid  (Art.  54  Abs.  2  des  kantonalen  Gesetzes  über  die  Verwaltungsrechtspflege  vom  9.  September  2002  [VRPG,  bGS  143.1]),  der  in  Anwendung  von  öffentlichem Recht  des  Bundes  erging.  Er  stellt  daher  eine Verfügung  im Sinne  von Art.  5  Abs.  2  des Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  dar.  Das  Bundesverwaltungsgericht,  welches  gemäss  Art.  31  des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32)  als  Beschwerdeinstanz  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG beurteilt,  ist  nach Art.  33 Bst.  i  VGG  in Verbindung mit  Art.  166  Abs. 2 des Landwirtschaftsgesetzes vom 29. April 1998 (LwG, SR 910.1)  für die Behandlung der vorliegenden Streitsache zuständig. Die  Beschwerdeführer  haben  am  vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen (Art. 48 Abs. 1 Bst. a VwVG), sind durch die angefochtene  Verfügung besonders berührt (Art. 48 Abs. 1 Bst. b VwVG) und haben ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  und  Änderung  (Art.  48  Abs. 1 Bst. c VwVG). Die Eingabefrist sowie die Anforderungen an Form  und Inhalt der Beschwerdeschrift sind gewahrt (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 50  und  Art.  52  Abs.  1  VwVG),  der  Kostenvorschuss  wurde  fristgemäss  bezahlt  (Art.  63  Abs.  4  VwVG),  der  Vertreter  hat  sich  rechtsgenüglich  ausgewiesen  (Art.  11  VwVG)  und  die  übrigen  Sachurteilsvoraussetzungen  liegen  vor  (Art.  47  ff.  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist deshalb einzutreten.  2.  Die  Erstinstanz  begründete  die  Aberkennung  der  Betriebsgemeinschaft  damit,  dass  die  auswärtige  Tätigkeit  von  B.X.  im  Jahre  2008  1'953,25  Arbeitsstunden  umfasst  habe  (1'449,25  Stunden  Erwerbsarbeit  bei  der  Firma Y. AG sowie 504 Stunden Unterricht an der Holzfachschule Biel). 

B­7374/2010 Beide Tätigkeiten seien als landwirtschaftsfremd einzustufen. Es liege ein  nicht leicht zu nehmender Verstoss gegen Art. 10 Abs. 1 Bst. g LBV vor,  wonach  ein  Gesellschafter  maximal  1'512  Stunden  pro  Jahr  auswärtig  tätig sein dürfe. Die Vorinstanz sowie das BLW als Fachbehörde stützten  diese Rechtsauffassung. Aus  den  Abrechnungsformularen  Direktzahlungen  2008  (vgl.  Vernehmlassungsbeilagen 7 und 8 der Erstinstanz) wird ersichtlich, dass  die  Beschwerdeführer  für  das  Jahr  2008  einen  Betrag  von  rund  Fr.  16'097.−  weniger  Direktzahlungen  erhielten,  wenn  die  beiden  Betriebe  nicht als Betriebsgemeinschaft anerkannt würden.  Ins Gewicht  fielen bei  der  Berechnung  insbesondere  die  Beiträge  für  die  Tierhaltung  unter  erschwerenden Produktionsbedingungen. Diese würden aufgrund der  im  Jahr 2008 geltenden Begrenzung auf 20 Grossvieheinheiten pro Betrieb  (vgl. Art. 33 Abs. 3 der Direktzahlungsverordnung vom 7. Dezember 1998  [DZV; SR 910.13] in der damals geltenden Fassung [AS 2002 1139]) um  die Hälfte gekürzt. 2.1.  Die  landwirtschaftliche  Begriffsverordnung,  auf  die  sich  der  angefochtene Entscheid stützt, umschreibt gestützt auf das LwG Begriffe  des Landwirtschaftsrechts und regelt das Verfahren für die Anerkennung  von Betrieben und Formen der überbetrieblichen Zusammenarbeit sowie  für die Überprüfung und Abgrenzung von Flächen (Art. 1 LBV). Die LBV  bezweckt,  die  in  verschiedenen  Erlassen  des  Landwirtschaftsrechts  wiederkehrenden  Begriffe  materiellrechtlich  einheitlich  zu  fassen.  Damit  soll  vermieden werden,  dass  im Einzelfall  dieselbe Rechtsfrage  bei  der  Beurteilung von Leistungsansprüchen aus den verschiedenen Bereichen des Landwirtschaftsrechts unterschiedlich entschieden wird. Die Kantone  vollziehen  die  LBV,  das  BLW  beaufsichtigt  den  Vollzug  (Art.  33  Abs.  1  und 2 LBV). 2.2. Als Betriebsgemeinschaft  gilt  der  Zusammenschluss  von  zwei  oder  mehreren  Betrieben,  wenn  –  neben  andern,  hier  nicht  interessierenden  Voraussetzungen  –  ein  schriftlicher  Vertrag  über  die  Betriebsgemeinschaft  vorliegt,  die  Mitglieder  der  Gemeinschaft  in  der  Betriebsgemeinschaft tätig sind und kein Mitglied zu mehr als 75 Prozent  ausserhalb  der  Betriebsgemeinschaft  arbeitet,  sowie  wenn  die  Betriebsgemeinschaft  eine  Buchhaltung  führt,  aus  der  das  Betriebsergebnis  und  dessen  Aufteilung  auf  die  Mitglieder  der  Gemeinschaft ersichtlich sind (Art. 10 Abs. 1 Bst. f, g und h LBV).

B­7374/2010 Die Kantone prüfen periodisch, ob die Betriebe und Gemeinschaften die  Voraussetzungen noch erfüllen.  Ist dies nicht der Fall, so widerrufen sie  die  ausdrückliche  oder  stillschweigende  Anerkennung.  Der  Kanton  entscheidet, ab welchem Datum der Widerruf gilt (Art. 30a Abs. 1 LBV). 2.3.  Das  BLW  hat  am  31.  Januar  2007  Weisungen  zur  LBV  erlassen  ("Weisungen und Erläuterungen zur Verordnung über  landwirtschaftliche  Begriffe  und  die  Anerkennung  von  Betriebsformen";  nachfolgend:  Weisungen  LBV).  Im  Februar  2010  trat  eine  neue  Fassung  dieser  Weisungen  in  Kraft,  deren  Bestimmungen  indessen  soweit  hier  interessierend  gleich  wie  jene  in  den  Weisungen  2007  lauten.  Aus  intertemporalen Gründen ist formell auf die Weisungen 2007 abzustellen.  Gemäss  diesen  Weisungen  zu  Art.  10  Abs.  1  Bst.  g  LBV  wird  das  Ausmass der auswärtigen Beschäftigung an der zeitlichen Arbeitsleistung  gemessen. Grundsätzlich gelte eine wöchentliche Arbeitsleistung von 42  Stunden  als  100  Prozent,  was  umgerechnet  8,4  Stunden  je  Normalarbeitstag entspreche. Die jährliche Normalarbeitszeit betrage 240  Tage bzw. 2'016 Stunden. Die auswärtige Tätigkeit eines Gesellschafters  dürfe somit 180 Tage bzw. 1'512 Stunden pro Jahr nicht überschreiten. 3.  Unbestritten  ist,  dass  B.X.  ab  dem  22.  September  bis  und  mit  19. Dezember  2008  während  insgesamt  504  Stunden  am Unterricht  an  der  Holzfachschule  Biel  teilnahm.  Gemäss  dem  von  ihm  eingereichten  Stundenplan fand der Unterricht im ganzen Wintersemester durchgehend  statt, mit Ausnahme einer Woche (3. – 7. November 2008). Der Unterricht  dauerte  am  Freitag  jeweils  bis  14.15  Uhr,  an  den  übrigen  Tagen  ganztags.  Während  dieser  Zeit  wohnte  B.X.  lediglich  an  den  Wochenenden am Betriebsstandort.  Die  Beschwerdeführer  machen  diesbezüglich  geltend,  die  von  B.X.  absolvierte  Ausbildung  an  der  Holzfachschule  dürfe  nicht  als  Arbeit  ausserhalb der Betriebsgemeinschaft angerechnet werden. Weiterbildung  auf  eigene Kosten  gehöre  zu den Freizeitaktivitäten. Solche  seien nicht  zur auswärtigen Arbeit im Sinne von Art. 10 Abs. 1 Bst. g LBV zu zählen.  Es  verstosse  gegen  das  Gebot  der  rechtsgleichen  Behandlung,  die  freiwillige  berufliche  Weiterbildung  anders  zu  behandeln  als  andere  Freizeitaktivitäten. 3.1.  Ausgangspunkt  jeder  Gesetzesauslegung  ist  der  Wortlaut  einer  Bestimmung  (vgl.  zu  diesem  auch  im  Verwaltungsrecht  geltenden 

B­7374/2010 Grundsatz Art. 1 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10.  Dezember  1907  [ZGB,  SR  210];  HEINZ  HAUSHEER/MANUEL  JAUN,  Die  Einleitungstitel  des  ZGB,  Bern  2003,  N.  6  zu  Art.  1).  Ist  der  Text  nicht  ohne Weiteres  klar  und  sind  verschiedene  Interpretationen  möglich,  so  muss  unter  Berücksichtigung  aller  Auslegungsmethoden  (grammatikalische,  systematische,  historische  und  teleologische)  nach  seiner wahren Tragweite gesucht werden; dabei kommt es namentlich auf  den Zweck der Regelung, die dem Text zu Grunde liegenden Wertungen  sowie auf den Sinnzusammenhang an,  in dem die Norm steht.  Im Sinne  eines  pragmatischen  Methodenpluralismus  ist  es  grundsätzlich  abzulehnen,  einzelne  Auslegungsmethoden  einer  hierarchischen  Prioritätenordnung zu unterstellen (vgl. BGE 131 III 33 E. 2 und BGE 130  II 202 E. 5.1). 3.2.  Nach  Art.  10  Abs.  1  Bst.  g  LBV  müssen  die  Mitglieder  der  Gemeinschaft  in  der  Betriebsgemeinschaft  tätig  sein  und  kein  Mitglied  darf  zu  mehr  als  75  Prozent  ausserhalb  der  Betriebsgemeinschaft  arbeiten.  Der  Begriff  "arbeiten"  deutet  in  erster  Linie  auf  entgeltliche  Erwerbstätigkeit hin.  Indessen  führt  das BLW  in  seiner Stellungnahme vom 12.  Januar  2011  aus, die Absicht des Gesetzgebers sei, dass jegliche auswärtige Tätigkeit  über  75  Prozent  als  mit  einer  Betriebsgemeinschaft  unvereinbar  angesehen werde. Die in Art. 10 Abs. 1 Bst. g LBV verwendeten Verben  "arbeiten"  und  "tätig  sein"  seien  als  Synonyme  zu  verstehen  und  man  habe lediglich aus redaktionellen Gründen nicht im gleichen Satz zweimal  das gleiche Verb verwenden wollen. 3.3. Betrachtet  man  Art.  10  Abs.  1  Bst.  g  LBV  im  Zusammenhang mit  dem  System  der  landwirtschaftlichen  Direktzahlungen,  so  wird  deutlich,  dass  mit  dieser  Bestimmung  ausgeschlossen  werden  soll,  dass  eine  Person  als  Bewirtschafter  eines  Betriebes  Direktzahlungen  bezieht,  welche nicht  tatsächlich  in bestimmtem Umfang auf dem Betrieb bzw.  in  der Betriebsgemeinschaft tätig ist und auch effektiv Verantwortung für die  Betriebsführung übernimmt. Sowohl  das  Landwirtschaftsgesetz  (Art.  70  Abs.  1)  als  auch  die  darauf  basierende  Direktzahlungsverordnung  gehen  davon  aus,  dass  Direktzahlungen  an  den  Bewirtschafter  eines  Betriebes  ausgezahlt  werden. 

B­7374/2010 Als  Bewirtschafter  gilt  nach  Art.  2  Abs.  1  LBV  und  gemäss  der  Rechtsprechung nur, wer einen Betrieb tatsächlich und unabhängig führt.  Demgemäss  ist  diejenige  Person  als  Bewirtschafterin  zu  betrachten,  welche  das  wirtschaftliche  Risiko  trägt,  im  Betrieb  eine  massgebende  Funktion  bei  der  Führung  und  Entscheidfällung  einnimmt,  sowie  eine  aktive Rolle im täglichen Geschehen ausübt und selber Hand anlegt. Eine  bloss gelegentliche Mithilfe genügt nicht, um als Bewirtschafter bzw. als  anspruchsberechtigte  Person  gelten  zu  können  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.237/1997  vom  13.  Februar  1998  E.  2a).  Durch  Direktzahlungen zu entschädigen ist derjenige, der die Hauptarbeit leistet  und  dabei  auch  das  geschäftliche  Risiko  trägt.  Die  Bewirtschaftung  umfasst  sowohl  die  geistige  Auseinandersetzung  mit  dem  betrieblichen  Geschehen  als  auch  die  praktische  Ausführung  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts B­2231/2006 vom 13. Juli 2007 E. 3.1 sowie  B­1055/2009 vom 30. April 2010 E. 3.4.1).  Durch  eine  lang  andauernde  oder  gar  dauernde  Abwesenheit  vom  Betrieb  ist  eine  Person  daher  grundsätzlich  nicht  mehr  Bewirtschafter  seines Betriebs und daher auch nicht mehr Mitglied der entsprechenden  Betriebsgemeinschaft  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­ 7481/2009 vom 8. März 2010 E. 3.6).  Worin  die  Ursachen  für  die  lang  andauernde  Abwesenheit  vom Betrieb  liegen,  kann dabei  grundsätzlich  keine Rolle  spielen,  kommt es doch  in  betriebswirtschaftlicher  bzw.  praktischer  Hinsicht  nicht  darauf  an,  ob  jemand aus Gründen der Erwerbsarbeit, der Weiterbildung oder anderer  Aktivitäten nicht disponibel ist.  Somit  muss  im  Rahmen  von  Art.  10  Abs.  1  Bst.  g  LBV  auch  die  unbezahlte  Abwesenheit  bei  der Berechnung  einbezogen werden,  denn  auch diese führt – wie das BLW richtig sagt – dazu, dass ein Mitglied der  Gesellschaft  seinen  Anteil  an  der  Betriebsführung  nicht  zu  erfüllen  vermag.  In  diesem  Sinn  entschied  auch  das  Bundesgericht,  welches –  freilich in etwas anderem Sach­ und Rechtszusammenhang – die Mithilfe  in der Freizeit zweier auswärtig Studierender  im elterlichen Betrieb nicht  als Betriebsführung bewertete (unveröffentlichtes Urteil 2A.237/1997 vom  13. Februar 1998). 3.4.  Die  lang  dauernde  Abwesenheit  aufgrund  einer  Weiterbildung  ist  somit  hinsichtlich  der  Anrechenbarkeit  nach  Art.  10  Abs.  1  Bst.  g  LBV  gleich  zu  behandeln  wie  die  auswärtige  Erwerbsarbeit.  Dies  gilt  umso 

B­7374/2010 mehr,  wenn  es  sich  dabei  um  eine  Weiterbildung  handelt,  während  welcher der Betroffene – aufgrund der Distanz zum Wohnort oder anderer  Umstände  –  nicht  zu Hause,  d.h.  am Betriebsstandort  wohnt.  Damit  ist  zugleich auch gesagt, dass etwa der Besuch von Abendkursen oder die  Pflege  eines  Hobbys  in  der  Freizeit  nicht  unter  den  Begriff  einer  lang  andauernden  Abwesenheit  im  Sinne  der  vorstehenden  Ausführungen  fallen.  Wie  es  sich  damit  im  Einzelnen  verhält,  braucht  vorliegend  indessen nicht abschliessend behandelt zu werden.   4.  Der Beschwerdeführer  2  ging demnach ab dem 22. September bis  und  mit 19. Dezember 2008 im Rahmen seiner Weiterbildung in Biel während  insgesamt 504 Stunden einer auswärtigen Tätigkeit nach und wohnte  in  dieser Zeit nur am Wochenende auf dem Betrieb.  Zudem  arbeitete  der  Beschwerdeführer  2  vom  Februar  bis  Mitte  September  2008  unbestrittenermassen  während  1'449,25  Stunden  bei  der Firma Y. AG. Insgesamt  lag das Total seiner auswärtigen Tätigkeit somit bei 1'953,25  Stunden.  4.1. Das BLW geht  – wie  vorne  erwähnt  –  in  seinen Weisungen  zu  10  Abs.  1  Bst.  g  LBV  davon  aus,  dass  das  Ausmass  der  auswärtigen  Beschäftigung an der  zeitlichen Arbeitsleistung gemessen werde, wobei  eine wöchentliche Arbeitsleistung von 42 Stunden als 100 Prozent gelte,  was  einer  jährlichen  Normalarbeitszeit  von  2'016  Stunden  entspreche.  Demnach  dürfe  die  auswärtige  Tätigkeit  eines  Gesellschafters  1'512  Stunden pro Jahr nicht überschreiten. Bei  diesen  Weisungen  handelt  es  sich  dem  Inhalt  nach,  wie  bei  Merkblättern  oder  Kreisschreiben,  um  eine  Verwaltungsverordnung.  Verwaltungsverordnungen sind  für die Durchführungsorgane verbindlich,  begründen indessen im Gegensatz zu Rechtsverordnungen keine Rechte  und Pflichten für Private.  Ihre Hauptfunktion besteht vielmehr darin, eine  einheitliche  und  rechtsgleiche  Verwaltungspraxis  –  vor  allem  im  Ermessensbereich  –  zu  gewährleisten.  Auch  sind  sie  in  der  Regel  Ausdruck  des  Wissens  und  der  Erfahrung  einer  Fachstelle.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  als  verwaltungsunabhängige  Gerichtsinstanz  (Art.  2  VGG)  nicht  an  Verwaltungsverordnungen  gebunden,  sondern  bei  deren  Überprüfung  frei.  In  der  Rechtspraxis 

B­7374/2010 werden Verwaltungsverordnungen vom Richter bei der Entscheidfindung  mitberücksichtigt, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht  werdende  Auslegung  der  anwendbaren  gesetzlichen  Bestimmungen  zulassen (BGE 132 V 200 E. 5.1.2, BGE 130 V 163 E. 4.3.1). 4.2.  Die  Beschwerdeführer  kritisieren  die  in  den  Weisungen  des  BLW  genannte  Prämisse,  wonach  eine  wöchentliche  Arbeitsleistung  von  42  Stunden  als  100 Prozent  gilt.  Sie machen  sinngemäss  geltend,  wenn –  wie  bei  den  Landwirten  üblich  –  von  einer  höheren  Wochenarbeitszeit  ausgegangen würde, würde der prozentuale Anteil der Abwesenheit des  Beschwerdeführers auf weniger als 75 % fallen.   Zwar trifft es zu, dass selbständige Landwirte häufig mehr arbeiten als 42  Stunden  pro  Woche.  Die  Arbeitszeit  von  Landwirten  schwankt  jedoch  auch  je  nach  Saison  sowie  Betriebs­  und  Bewirtschaftungsart.  Die  Hauptfunktion  einer  Weisung  besteht  –  wie  oben  gesagt  –  darin,  eine  einheitliche  und  rechtsgleiche  Verwaltungspraxis  –  vor  allem  im  Ermessensbereich – zu gewährleisten. Hierzu ist es unumgänglich, dass  gewisse Schematisierungen vorgenommen werden. Da die zulässige Abwesenheit eines Mitglieds einer Betriebsgemeinschaft  mit bis zu 75 Prozent relativ grosszügig bemessen ist, erscheint auch das  Abstellen  des  BLW  auf  die  42­Std.­Woche,  welches  der  Arbeitsleistung  von Landwirten ev. nicht in jedem Fall und bezüglich jeder Saison gerecht  wird, als zulässig. Entschiede man anders (z.B. durch Abstellen auf eine  56­Std.­Woche, was einer zulässigen Abwesenheit von 42 Std. [75 % von  56  Std.]  entspräche),  würde  dies  zu  dem  Ergebnis  führen,  dass  auch  derjenige  als  Mitglied  der  Betriebsgemeinschaft  gälte,  der  die  ganze  Woche  einer  auswärtigen  Erwerbsarbeit  nachgeht  und  nur  an  Wochenenden bzw.  freien Tagen auf dem Betrieb mithilft, was  indessen  mit der einem Bewirtschafter zugedachten Funktion nicht zu vereinbaren  wäre (vgl. E. 3.3). Den  Beschwerdeführern  ist  jedoch  insofern  zuzustimmen,  dass  bei  der  Berechnung  der  noch  zulässigen  Dauer  der  auswärtigen  Tätigkeit  von  allzu  grossem  Schematismus  abzusehen  ist  und,  insbesondere  bei  Fällen, die sich im Grenzbereich bewegen, die Umstände des Einzelfalles  zu berücksichtigen sind.  4.3. Vorliegend ist  jedoch – bei einer auswärtigen Tätigkeit von 1'953,25  Stunden – nicht von einem Grenzfall auszugehen. Vielmehr  ist die nach 

B­7374/2010 den  Weisungen  des  BLW  noch  zulässige  Dauer  der  Abwesenheit  von  1'512 Stunden, wie die Erstinstanz und die Vorinstanz zu Recht geltend  machen, bei Weitem überschritten. Weiteres kommt hinzu. 5.  Betrachtet  man  die  Abwesenheiten  des  Beschwerdeführers  2  in  einem  Gesamtzusammenhang, ergibt sich folgendes Bild. 5.1.  Die  Arbeitszeiten  des  Beschwerdeführers  2  bei  der  Firma  Y.  AG  verteilten sich wie folgt auf die Monate Februar bis Mitte September 2008:  – Februar:  43,25 Std.  – März:  218,8 Std.  – April:  255 Std.  – Mai:  195,05 Std.  – Juni: 200,5 Std.  – Juli:  234,25 Std.  – August:  205,15 Std.  – September:  97,25 Std.  Aus dieser Aufstellung ergibt  sich,  dass der Beschwerdeführer  2  in den  Monaten April  bis August  2008 während einer höheren Anzahl Stunden  bei  der  Y.  AG  arbeitete,  als  einem  Vollzeitpensum  eines  Angestellten  (184  Std.,  ausgehend  von  22  Arbeitstagen  à  8,4  Std.  pro  Monat)  entsprechen würde.  Trotz mehrmaligem Nachfragen von Seiten des Gerichts vermochten die  Beschwerdeführer  nicht  präzise  darzulegen,  an  welchen  Tagen  der  Beschwerdeführer  2  arbeitete  und  wie  viele  Stunden  pro  Tag.  In  den  eingereichten  Monatserfassungen  wird  lediglich  jeweils  ein  Wochentag  aufgeführt, unter welchem die ganze Wochenarbeitszeit vermerkt ist. Für  den Juni  2008 werden z.B.  unter  dem Datum 07.  Juni  18,50 und 34,00  Stunden  sowie  unter  dem Datum  14.  Juni  27,75,  12,00,  3,25  und  6,00  Stunden erfasst. Das Gericht ist demnach befugt, auf Durchschnittswerte  abzustellen:  Geht man davon aus, dass die Arbeitstage bei der Y. AG wie üblich 8,4  Stunden  umfassen,  so  resultiert  z.B.  für  den  Monat  April  eine  Arbeitsbelastung  von  30,3  Tagen  (255  geteilt  durch  8,4).  Der  Beschwerdeführer  2  wäre  demnach  an  jedem  Tag  des Monats  April  in  einem Vollpensum auswärtig tätig gewesen. Insofern ist nicht klar, wie er 

B­7374/2010 in diesem Monat auch noch – wie behauptet – an zwei Tagen pro Woche  zu je 10 Stunden auf dem Landwirtschaftsbetrieb hätte tätig sein können.  Im  März  2008  arbeitete  der  Beschwerdeführer  2  gemäss  dieser  Berechnung an 26 Tagen  (218,8 geteilt durch 8,4),  im Juli an knapp 28  Tagen (234,25 geteilt durch 8,4), was ihm in diesen beiden Monaten eine  Mithilfe  im  Landwirtschaftsbetrieb  im  Umfang  von  maximal  5  bzw.  3  Tagen ermöglichte. In den Monaten Mai, Juni und August 2008 war der Beschwerdeführer an  je 23 bis 24 Tagen vollzeitlich bei der Y. AG tätig. Denkbar  ist  in diesen  Monaten  daher  eine  7  bis  8  Tage  umfassende  Mitarbeit  auf  dem  Landwirtschaftsbetrieb,  was  einer  Mithilfe  an  den  Wochenenden  entspricht.  5.2. Es fällt auf, dass der Beschwerdeführer 2 gerade während der in der  Landwirtschaft  arbeitsintensivsten  Zeit  von  Frühjahr  und  Sommer  in  vollem  Umfang  bei  der  Y.  AG  tätig  war  und  in  diesen  Monaten  sogar  zahlreiche Überstunden absolvierte.  Insgesamt,  also  auch  unter  Einbezug  seiner  Weiterbildung  (vgl.  E.  3),  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  2  lediglich  im  Januar,  weiter  in  der  ersten  Hälfte  Februar  und  im  letzten  Drittel  Dezember  2008  vollumfänglich  für  die  Arbeit  auf  dem  Betrieb  zur  Verfügung  stand.  In  diesem  Zusammenhang  ist  nicht  zu  übersehen,  dass  während  der  Winterzeit  auf  einem  landwirtschaftlichen  Betrieb  erfahrungsgemäss  weniger Arbeit als in der übrigen Zeit anfällt. In den anderen Monaten des Jahres 2008 war der Beschwerdeführer 2 in  vollem Umfang und zum Teil wohl auch mit Überzeiten bei der Y. AG und  in  der  Holzfachschule  Biel  tätig,  so  dass  eine  Mithilfe  im  Landwirtschaftsbetrieb höchstens aushilfsweise und über weite Teile nur  an den Wochenenden möglich war. Auch  im  Rahmen  einer  gesamtheitlichen  Betrachtungsweise  ergibt  sich  demnach,  dass  der  Beschwerdeführer  2  nicht  weniger  als  75  %  vom  Betrieb abwesend gewesen ist.  5.3.  Hierbei  fällt  ins  Gewicht,  dass  –  wie  dargelegt  (E.  3.3)  –  als  Bewirtschafter  nur  jene  Person  gilt,  die  im  Betrieb  eine  massgebende  Funktion  bei  der  Führung  und  Entscheidfällung  einnimmt  sowie  eine 

B­7374/2010 aktive Rolle im täglichen Geschehen ausübt und selber Hand anlegt. Eine  bloss gelegentliche oder saisonale Mithilfe genügt nicht.  Aus  den  obigen  Ausführungen  wird  demnach  ersichtlich,  dass  es  dem  Beschwerdeführer 2 im Jahr 2008 aufgrund seiner intensiven auswärtigen  Tätigkeit  und  teilweisen  Ortsabwesenheit  nicht  möglich  war,  auf  dem  Betrieb im täglichen Geschehen eine aktive Rolle zu übernehmen oder an  der Betriebsführung  teilzuhaben. Vielmehr war es der Beschwerdeführer  1,  der  die  normalerweise  anfallende  tägliche  Arbeit  verrichtete  und  welcher  die  alltäglichen  Entscheide  traf  sowie  umsetzte.  Zwar  ist  durchaus  vorstellbar,  dass  wichtige  Angelegenheiten,  wie  die  Beschwerdeführer  geltend  machen,  telefonisch  besprochen  und  entschieden  wurden.  Indessen  sind  auf  einem  Landwirtschaftsbetrieb  erfahrungsgemäss  auch  viele  alltägliche  Entscheide  zu  treffen,  wobei  kurzfristig  auftretende  oder  plötzlich  sich  ändernde  Umstände  zu  berücksichtigen sind, was zum Teil  rasches Handeln erforderlich macht.  Es  ist bereits aus praktischen Gründen kaum anzunehmen, dass solche  alltäglichen  bzw.  kurzfristig  sich  ergebenden Konstellationen  jeweils  am  Telefon besprochen wurden. Doch selbst wenn es sich anders verhielte,  vermöchte  dies  die  nach  dem Gesagten  zutreffende Betrachtungsweise  der Vorinstanzen nicht zu widerlegen. Demnach  lag  die  Verantwortung  für  die  Betriebsführung  beim  Beschwerdeführer  1,  welcher  auch  für  die  alltägliche  praktische  Arbeit  zuständig war.  5.4.  Der  Beschwerdeführer  2  ist  somit  sowohl  aus  zeitlichen  Gründen  (lange  andauernde  Abwesenheit)  wie  auch  in  qualitativer  Hinsicht  (Funktion  als  gelegentlicher  Mitarbeiter)  nicht  als  Mitglied  der  Betriebsgemeinschaft zu betrachten. 6.  Die Beschwerdeführer machen geltend, nicht die Dauer der Abwesenheit  sei  massgebend,  sondern  der  Umfang  der  Arbeitsleistung  auf  dem  Betrieb;  es werde  verlangt,  dass  jedes Mitglied  einer Gemeinschaft  auf  dem  Landwirtschaftsbetrieb  arbeite.  Der  Beschwerdeführer  2  arbeite  neben  seiner  auswärtigen  Tätigkeit  noch  ca.  1'500  Stunden  in  der  Betriebsgemeinschaft  (wird  anhand  einer  Aufstellung  der  Stunden  pro  Monat und nach Tätigkeitsgebieten präzisiert). In der landwirtschaftlichen  Betriebsplanung  werde  pro  Arbeitskraft  mit  2'800,  auf  intensiven 

B­7374/2010 Tierhaltungsbetrieben  wie  dem  vorliegenden  mit  3'000  Jahresarbeitsstunden gerechnet. Gemäss der Verordnungsbestimmung von Art. 10 Abs. 1 Bst. g LBV  ist  sowohl  die  Dauer  der  Abwesenheit  massgebend  als  auch  die  Tätigkeit  auf dem Betrieb.  Wie das BLW zu Recht geltend machte, würde das alleinige Abstellen auf  das  Kriterium  der  Anwesenheit  bzw.  die  Dauer  der  Tätigkeit  auf  dem  Betrieb zu einer Umkehr der Beweislast führen und Art. 10 Abs. 1 Bst. g  LBV seiner Wirkung entäussern. Denn in diesem Fall wäre bereits mit der  – in  der  Regel  nicht  überprüfbaren  –  Behauptung  eines  Mitglieds  der  Betriebsgemeinschaft,  es habe eine bestimmte Anzahl  von Stunden auf  dem  Betrieb  gearbeitet  und  sei  somit  zu  mindestens  25  Prozent  anwesend  gewesen,  die  Voraussetzung  für  die  Anerkennung  der  Betriebsgemeinschaft nach Art. 10 Abs. 1 Bst. g LBV erfüllt.  Die  Dauer  der  Abwesenheit  vom  Betrieb  als  gesetzlich  vorgesehenes  Kriterium ist dagegen einer Beweisführung oder einer Überprüfung ohne  Weiteres zugänglich. Aus diesem Grund ist zwingend auch auf die Dauer  der  auswärtigen  Tätigkeit  abzustellen  und  nicht  nur  auf  die  Anzahl  der  geltend gemachten Arbeitsstunden auf dem Betrieb.  7.  Ein  weiteres  Indiz,  welches  gegen  die  Bewirtschaftereigenschaft  des  Beschwerdeführers  2  spricht,  ist,  wie  die  Vorinstanz  zu  Recht  geltend  macht,  die  von  den  Beschwerdeführern  vorgelegte  Betriebsabrechnung  2008.  In dieser wurden die Einlagen des Beschwerdeführers 2 nicht als  Betriebskapital,  sondern  als  Fremdkapital  ausgewiesen.  Für  die Mithilfe  im  Betrieb  wurde  ihm  eine  Entschädigung  von  Fr.  16'000.−  ausbezahlt  und unter "Löhne Angestellte" verbucht. Das aus der ausserbetrieblichen  Tätigkeit des Beschwerdeführers 2 stammende Lohneinkommen von Fr.  …  wurde  nicht  der  Betriebsgemeinschaft  zugerechnet.  Eine  Aufteilung  des  Gesamteinkommens  nach  geleisteten  Arbeitstagen  wurde  ebenso  wenig vorgenommen. Gemäss der Steuerveranlagung für das Jahr 2008  wies  der  Beschwerdeführer  2  Einkünfte  aus  unselbständigem  Haupterwerb von Fr. … und Einkünfte aus selbständigem Nebenerwerb  von Fr. 16'000.− aus. Die  Buchhaltung  der  Betriebsgemeinschaft  legt  demnach  die  Annahme  nahe,  dass  der  Beschwerdeführer  2  auch  nach  Meinung  der  beiden 

B­7374/2010 Beschwerdeführer  in  der  Betriebsgemeinschaft  arbeitet  und  für  seine  Arbeit einen Lohn erhält, also eigentlich die Funktion eines Angestellten  hat. Seine auswärtige Tätigkeit, die gemäss der Steuerveranlagung sein  Haupterwerb  ist,  wird  nicht  als  "Arbeiten  für  Dritte"  (anders  als  der  Nebenerwerb  des  Beschwerdeführers  1)  in  die  Betriebsrechnung  einbezogen.  Auch  die  Kosten  für  die  Weiterbildung  des  Beschwerdeführers  2  finden,  soweit  ersichtlich,  keinen  Eingang  in  die  Buchhaltung.  Die  Feststellung  der  Vorinstanz,  wonach  die  Buchhaltung  aus Sicht des Beschwerdeführers 1 – für einen Betrieb – geführt wurde,  ist demnach ohne Weiteres nachvollziehbar.  Im  Übrigen  ist  festzuhalten,  dass  eine  Betriebsgemeinschaft  eine  Buchhaltung  führen  muss,  aus  der  das  Betriebsergebnis  sowie  dessen  Aufteilung  auf  die  Mitglieder  der  Gemeinschaft  ersichtlich  sind  (Art.  10  Abs.  1 Bst.  h  LBV). Vorliegend  fehlt  in  der Buchhaltung  eine Aufteilung  des  Betriebsergebnisses  auf  die  Mitglieder  der  Gemeinschaft  unter  Berücksichtigung  der  Anzahl  geleisteter  Arbeitstage,  womit  auch  die  Bestimmung  von  Art.  10  Abs.  1  Bst.  h  LBV  als  Voraussetzung  für  die  Anerkennung der Betriebsgemeinschaft nicht erfüllt ist.  Auch  unter  diesem  Blickwinkel  ist  die  Schlussfolgerung  der  Vorinstanz,  die Voraussetzungen für das Vorliegen einer Betriebsgemeinschaft seien  im Jahr 2008 nicht erfüllt gewesen, nicht zu beanstanden. 8.  Die  Beschwerdeführer  machen  in  ihrer  Stellungnahme  vom  24.  März  2011  geltend,  der  Beschwerdeführer  2  habe  sich,  bevor  er  seine  Ausbildung  begonnen  habe,  telefonisch  beim  BLW  erkundigt,  was  diesbezüglich in Bezug auf die Betriebsgemeinschaft zu beachten sei. Ein  Mitarbeiter  des  BLW  habe  ihm  erklärt,  wenn  er  seinen  Wohnsitz  in  Z.  beibehalte und während der Ausbildung am Samstag und am Sonntag in  der Betriebsgemeinschaft mitarbeite, seien keine Probleme zu erwarten.  Die Ausbildungszeit zähle nicht als Arbeitszeit  im Sinne von Art. 10 Abs.  1 Bst. g LBV.  8.1. Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 BV, SR  101),  welcher  den  Bürger  in  seinem  berechtigten  Vertrauen  auf  behördliches  Verhalten  schützt,  können  falsche  Auskünfte  von  Verwaltungsbehörden  unter  bestimmten  Voraussetzungen  eine  vom  materiellen  Recht  abweichende  Behandlung  des  Rechtsuchenden  gebieten. Gemäss Rechtsprechung und Doktrin ist dies der Fall,

B­7374/2010 1. wenn die Behörde  in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte  Personen gehandelt hat; 2. wenn sie  für die Erteilung der betreffenden Auskunft  zuständig war oder  wenn die rechtsuchende Person die Behörde aus zureichenden Gründen als  zuständig betrachten durfte; 3.  wenn  die  Person  die  Unrichtigkeit  der  Auskunft  nicht  ohne  weiteres  erkennen konnte; 4.  wenn  sie  im  Vertrauen  auf  die  Richtigkeit  der  Auskunft  Dispositionen  getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, und 5. wenn die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung  erfahren hat (BGE 131 V 472 E. 5, mit Verweis auf BGE 127 I 36 E. 3a und  BGE  126  II  387  E.  3a;  vgl.  auch  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. A., Zürich 2006, N. 626 ff.). Was  die  erste  Voraussetzung  betrifft,  so  taugt  nicht  jede  behördliche  Auskunft als Vertrauensbasis. Die Auskunft muss an sich geeignet sein,  schutzwürdiges  Vertrauen  zu  begründen.  Notwendig  ist  eine  gewisse  inhaltliche  Bestimmtheit;  eine  lediglich  vage Absichtskundgabe  oder  ein  Hinweis auf eine bisherige Praxis genügt nicht. Sodann wird in Lehre und  Rechtssprechung  mehrheitlich  die  Auffassung  vertreten,  nur  eine  auf  einen  konkreten,  die  auskunftserheischende  Person  direkt  betreffenden  Sachverhalt  bezogene Auskunft  könne die Behörden  binden,  nicht  aber  eine allgemeine Auskunft  (vgl. BGE 125 I 267 E. 4c, BGE 122 II 113 E.  3b/cc  mit  Hinweisen;  RENÉ  A.  RHINOW/BEAT  KRÄHENMANN,  Schweizerische  Verwaltungsrechtsprechung,  Ergänzungsband,  Basel  und  Frankfurt  am  Main  1990,  Nr.  75  B  IIIa,  S.  241;  anderer  Meinung:  BEATRICE WEBER­DÜRLER, Vertrauensschutz im öffentlichen Recht, Basel  und  Frankfurt  am Main  1983,  S.  84,  S.  207; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  670).  Zudem  begründet  eine  Auskunft  schutzwürdiges  Vertrauen  nur,  wenn  sie  vorbehaltlos  erteilt  worden  ist  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts 2A.454/2002 vom 20. März 2003 E. 2.2 und 2A.251/2000  vom 19. Dezember 2000 E. 2b/cc; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz.  680).  Die Auskunft ist nur in Bezug auf den Sachverhalt, wie er der Behörde zur  Kenntnis  gebracht  wird,  verbindlich.  Ändert  sich  die  Situation  massgeblich,  so  hat  die  Behörde  den  neuen  Sachverhalt  zu  beurteilen 

B­7374/2010 und  ist  an  ihre  früheren  Aussagen  nicht  mehr  gebunden  (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N. 692). 8.2.  Das  BLW  hielt  fest,  bei  der  telefonischen  Anfrage  sei  die  Rede  gewesen  von  einzelnen Kurstagen  verteilt  auf  die  ganze Winterperiode,  nicht von einer vier Semester dauernden Ausbildung. Zwar kann grundsätzlich auch eine mündliche Auskunft verbindlich sein,  wenn sie auf Grund der Umstände geeignet  ist, den guten Glauben des  Betroffenen zu erwecken (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 669;  RHINOW/BEAT KRÄHENMANN, a.a.O., Nr. 75 B IIIa, S. 241; BGE 106 V 139  E. 4c mit Verweis auf BGE 91 I 133 E. 4b, BGE 114 Ia 105 E. 2d/cc). Indessen  vermögen  die  Beschwerdeführer  vorliegend  nicht  zu  belegen,  dass  ihre  Anfrage  in  genügend  konkreter  Form  erfolgte  und  der  Sachverhalt  am  Telefon  in  der  Art  dargelegt  wurde,  wie  er  sich  dann  tatsächlich  abspielte  (länger  dauernde  Ausbildung,  Ortsabwesenheit  während  der  Ausbildung,  zusätzliche  Erwerbsarbeit  in  nicht  geringem  Umfang).  Über  die  telefonische  Anfrage  ist  weder  eine  Gesprächsnotiz  erstellt  worden  noch  liess  der  Beschwerdeführer  2  sich  den  Inhalt  des  Gesprächs schriftlich bestätigen, weshalb die genauen Umstände letztlich  umstritten bleiben. Die  Folgen  der  Beweislosigkeit  treffen  diejenige  Partei,  welche  die  Beweislast  trägt.  Sofern  das  massgebliche  Recht  keine  spezifische  Beweisregel  enthält,  kommt  die  Beweislastregel  von  Art.  8  ZGB  zum  Tragen. Danach hat derjenige die Folgen der Beweislosigkeit zu  tragen,  der aus einer unbewiesen gebliebenen Tatsache ein Recht  ableiten will  (vgl.  hierzu  auch  BVGE  2008/23  E.  4.2  mit  weiteren  Hinweisen).  Die  Beschwerdeführer  wollen,  dass  –  aufgrund  der  nach  ihrer  Darstellung  falschen Auskunft – die Weiterbildung des Beschwerdeführers 2 nicht als  auswärtige Tätigkeit angerechnet wird.  Insofern sind sie es, die aus der  behaupteten  und  beweislos  gebliebenen  Tatsache,  dass  das BLW eine  entsprechende  Auskunft  konkret  und  vorbehaltlos  erteilt  habe,  Vorteile  ableiten wollen. Deshalb  tragen  auch  sie  die  diesbezügliche Beweislast  und die Folgen der Beweislosigkeit gehen zu ihren Lasten. Aus diesem Grund kann der Berufung auf Treu und Glauben nicht  statt  gegeben werden.  9.  Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen.

B­7374/2010 Bei  diesem  Verfahrensausgang  sind  die  Verfahrenskosten  den  Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sie werden auf  je  Fr. 1'000.−  festgesetzt  und  mit  dem  von  ihnen  geleisteten  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  je  Fr.  700.−  verrechnet.  Die  Restbeträge von je Fr. 300.− sind nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils  zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Den  Beschwerdeführern  1  und  2  werden  Verfahrenskosten  von  je  Fr.  1'000.− auferlegt. Sie werden mit den geleisteten Kostenvorschüssen von  je  Fr.  700.−  verrechnet.  Die  Restbeträge  von  je  Fr.  300.−  sind  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  des  Urteils  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  zu  überweisen. Die Einzahlungsscheine folgen mit separater Post. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Erstinstanz (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Gerichtsurkunde) – das  Eidgenössische  Volkswirtschaftsdepartement  EVD  (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Frank Seethaler Marion Spori Fedail Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen 

B­7374/2010 Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 8. August 2011

B-7374/2010 — Bundesverwaltungsgericht 14.07.2011 B-7374/2010 — Swissrulings