Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 08.12.2011 B-6123/2011

8 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,250 parole·~11 min·3

Riassunto

Öffentliches Beschaffungswesen | Beschaffungswesen - Projekt Nr. 80279; N01/36, Grünau, LS-Massnahmen Gebäude (Zuschlagsverfügung vom 19. Oktober 2011 sowie Ausschlussverfügung vom 21. Oktober 2011)

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II Postfach CH­3000 Bern 14 Telefon +41 (0)58 705 25 60 Fax +41 (0)58 705 29 80 www.bundesverwaltungsgericht.ch Geschäfts­Nr. B­6123/2011 stm/bau/gys Zw i s ch enen t s ch e i d vom   8 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Marc Steiner (Vorsitz), Richter Francesco Brentani, Richter David Aschmann, Gerichtsschreiberin Laura Melusine Baudenbacher. Parteien A. _____ AG, Thunstrasse 101a, 3006 Bern,  vertreten durch Rechtsanwältin Andrea Kaiser,  Advokatur Notariat Lemann, Walz & Partner,  Speichergasse 5, Postfach 484, 3000 Bern 7 Bärenplatz, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Strassen ASTRA, Filiale Winterthur,  Grüzefeldstrasse 41, 8404 Winterthur,  Vergabestelle,  Gegenstand Beschaffungswesen ­ Projekt Nr. 80279; N01/36, Grünau,  Lärmschutzmassnahmen Gebäude (Zuschlag SIMAP  Nr. 700349 sowie Ausschlussverfügung vom 21. Oktober  2011). http://www.bundesverwaltungsgericht.ch

B­6123/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest: A.  Am 10. Juni 2011 schrieb das Bundesamt für Strassen ASTRA, Abteilung  Strasseninfrastruktur,  Filiale  Winterthur  (im  Folgenden:  Vergabestelle),  auf  der  Internetplattform  SIMAP  unter  dem  Projekttitel  "Ingenieur  für  Planung  und  Bauleitung  von  Lärmschutzmassnahmen"  als  Baudienstleistungsauftrag  ("Dienstleistungskategorie CPC:  [27] Sonstige  Dienstleistungen")  bezeichnete  Arbeiten  im  offenen  Verfahren  aus  (Meldungsnummer  637095).  Gemäss  Punkt  2.5  der  Ausschreibung  umfasst die gestellte Aufgabe die Planung und Bauleitung für die aus der  Auflage  N01/36,  Grünau,  anfallenden  Lärmschutzmassnahmen  an  Gebäuden.  Als Offerteingabetermin wurde  der  22.  Juli  2011  festgesetzt  (Punkt 1.4 der Ausschreibung). B.  Nachdem die Anbieter von der Gelegenheit, Fragen zu stellen, Gebrauch  gemacht hatten, und diese am 30. Juni 2011 beantwortet worden waren,  gingen fristgerecht sieben Angebote ein, darunter dasjenige der A. _____  AG, Bern, sowie dasjenige der B. _____ AG, Zürich.  C.  Der  Zuschlag  an  die  B.  _____  AG,  Zürich  (im  Folgenden:  Zuschlagsempfängerin),  wurde  am  21. Oktober  2011  unter  der  SIMAP­ Meldungsnummer 700349 veröffentlicht. Mit Schreiben vom gleichen Tag  wurde  die  A.  _____  AG,  Bern,  über  den  Zuschlag  sowie  über  den  Ausschluss ihres Angebots von der Bewertung orientiert. Zur Begründung  des Ausschlusses wurde angeführt, die Anbieterin habe fälschlicherweise  einen Zeitmitteltarif offeriert. D.  Gegen  die  Ausschluss­  sowie  die  Zuschlagsverfügung  erhob  die  A.  _____  AG  (im  Folgenden:  Beschwerdeführerin)  mit  Eingabe  vom  9.  November  2011  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragt  in  der  Hauptsache  die  Aufhebung  der  Ausschluss­  und  der  Zuschlagsverfügung  sowie  die  Rückweisung  an  die  Vergabestelle  zur  Neubeurteilung.  In  prozessualer  Hinsicht  ersucht  sie  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung.  Im  Rahmen  der  Begründung  macht  die 

B­6123/2011 Beschwerdeführerin  insbesondere geltend,  es  sei  kein Ausschlussgrund  erfüllt,  namentlich nicht  derjenige des Formfehlers  im Sinne von Art.  19  Abs.  3  BöB.  Sie  habe  ausserdem  aufgrund  der  Antworten  auf  die  Anbieterfragen  darauf  vertrauen  dürfen,  dass  ihr  Angebot  den  Anforderungen entspricht. E.  Mit  superprovisorischer Anordnung  vom 10. November  2011 untersagte  der  Instruktionsrichter bis zum Entscheid über den Antrag betreffend die  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  alle  Vollzugsvorkehrungen,  namentlich  den  Vertragsschluss  mit  der  Zuschlagsempfängerin.  Zudem  wurde die Vergabestelle aufgefordert, dem Bundesverwaltungsgericht bis  zum 23. November 2011 die vollständigen Akten betreffend das in Frage  stehende Vergabeverfahren einzureichen und innerhalb der gleichen Frist  zu  den  prozessualen  Anträgen  der  Beschwerdeführerin  Stellung  zu  nehmen. F.  Die Vergabestelle beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 23. November  2011 die Abweisung der Beschwerde sowie des Antrags um Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung.  Betreffend  die  Akteneinsicht  ersucht  die  Vergabestelle  das  Bundesverwaltungsgericht  um  Beschränkung  der  Einsicht, soweit es sich um die Offerten der Konkurrenten handle. Auch  der Evaluationsbericht  inkl. Beilagen sei von der Einsicht auszunehmen,  da  auch  diese  Unterlagen  Geschäftsgeheimnisse  enthalten  würden.  Materiell  stellt  sich  die  Vergabestelle  auf  den  Standpunkt,  die  Beschwerde  erweise  sich  als  aussichtslos,  da  für  verschiedene  Honorarkategorien  Stundenansätze  zu  offerieren  gewesen  seien,  wogegen die Beschwerdeführerin  für sämtliche Honorarkategorien einen  gemittelten Stundenansatz offeriert habe. Demnach habe die Offerte der  Beschwerdeführerin  ausgeschlossen  werden  müssen.  Angesichts  der  klaren  Prozessprognose  erübrige  sich  die  Frage,  ob  überwiegende  öffentliche  Interessen wie Dringlichkeit der Erteilung der aufschiebenden  Wirkung entgegenstünden. G.  Die  Zuschlagsempfängerin,  welcher  mit  Verfügung  vom  10.  November  2011 Frist bis zum 23. November 2011 zur  freigestellten Stellungnahme  angesetzt worden war, verzichtete stillschweigend auf die Teilnahme am  Verfahren.

B­6123/2011 H.  Am  25.  November  2011  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  der  Beschwerdeführerin diejenigen Aktenstücke zu,  in Bezug auf welche die  Vergabestelle  keine  Vorbehalte  angebracht  hatte.  Zugleich  wurde  der  Vergabestelle  ein  Abdeckungsvorschlag  betreffend  den  Evaluationsbericht und der dazugehörigen Beilage 1 ("Evaluationstabelle:  Prüfung  auf  Vollständigkeit  und  Eignungskriterien")  zur  umgehenden  Stellungnahme  zugestellt.  Zudem  wurde  die  Vergabestelle  ersucht,  die  fehlende Seite 8 des Evaluationsberichts nachzureichen. Mit Faxeingabe  vom 28. November 2011 reichte die Vergabestelle die fehlende Seite des  Evaluationsberichtes  nach  und  machte  zunächst  geltend,  der  Evaluationsbericht  sei  vertraulich  zu  behandeln,  weil  er  zu  den  in  der  Beschwerde  gerügten  Punkten  nichts  beitrage.  Mit  zweiter  Faxeingabe  vom  gleichen  Tage  unterbreitete  die  Vergabestelle  indessen  eigene  Abdeckungsvorschläge.  Entsprechend  wurde  der  Evaluationsbericht  nebst  der  Beilage  1  der  Beschwerdeführerin  in  dieser  Form  zugestellt,  wobei  erwägungsweise  festgehalten  wurde,  dass  damit  der  Schriftenwechsel  mit  Blick  auf  den  Entscheid  betreffend  die  aufschiebende  Wirkung  prima  facie  als  geschlossen  betrachtet  werden  könne.

B­6123/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gegen die Erteilung des Zuschlages durch die Vergabestelle  ist  im  Anwendungsbereich  des  Bundesgesetzes  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen  vom  16.  Dezember  1994  (BöB,  SR  172.056.1)  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  zulässig  (Art.  29  Bst.  a  i.V.m.  Art.  27  Abs.  1  BöB).  Dabei  ist  es  im  offenen  Verfahren  nach  ständiger Rechtsprechung zulässig, den Ausschluss von Anbietern – wie  im  vorliegenden  Fall  –  erst  mit  dem  Zuschlag  zu  eröffnen  (Zwischenentscheid B­504/2009 vom 3. März 2009 E. 3 mit Hinweisen).  Die  Anfechtung  des  mit  dem  Zuschlag  erfolgten  Ausschlusses  ist  ausserdem  fristgerecht  erfolgt.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  auch  über  Gesuche  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung (Art. 28 Abs. 2 BöB).  1.2.  Das  BöB  erfasst  nur  Beschaffungen,  welche  dem  GATT/WTO­ Übereinkommen  vom  15.  April  1994  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen  (Government  Procurement  Agreement  [GPA,  SR  0.632.231.422]) unterstellt sind (BVGE 2004/48 E. 2.1 mit Hinweisen). Als  Teil  der  Bundesverwaltung  untersteht  die  Vergabestelle  jedenfalls  dem  BöB (Art. 2 Abs. 1 Bst. a BöB). Die Vergabestelle geht zunächst in Ziffer  1.8 der Ausschreibung vom 10. Juni 2011 von einer Dienstleistung aus.  Nach Art. 5 Abs. 1 Bst. b BöB bedeutet der Begriff "Dienstleistung" einen  Vertrag über die Erbringung einer Dienstleistung nach Anhang 1 Annex 4  GPA  (BVGE  2008/48  E.  2.3).  Für  die  Zuordnung  massgebend  ist  die  provisorische  Zentrale  Produkteklassifikation  der  Vereinten  Nationen  (CPCprov;  vgl.  dazu  das Urteil  B­1773/2006  vom  25.  September  2011,  auszugsweise  publiziert  in  BVGE  2008/48,  nicht  publizierte  E.  3.1). Die  Angabe  "CPV  71541000  –  Projektmanagement  im  Bauwesen"  in  Ziffer  2.4 der Ausschreibung entspricht der Sache nach einer Dienstleistung der  CPC­Referenznummer  867,  welche  im  Anhang  1  Annex  4  GPA  aufgeführt  ist.  Aufgrund  der  Offertpreise,  welche  gemäss  dem  Evaluationsbericht  für  die Zuschlagsempfängerin mit  rund Fr.  500'000.­­  zugrunde gelegt worden sind, sind die gemäss Art. 6 Abs. 1 Bst. b BöB  bzw. Art. 6 Abs. 2 BöB i.V.m. Art. 1 Bst. b Verordnung des EVD über die  Anpassung  der  Schwellenwerte  im  öffentlichen  Beschaffungswesen  für  das  zweite  Semester  des  Jahres  2010  und  das  Jahr  2011  (SR  172.056.12)  geltenden  Schwellenwerte  zweifelsfrei  überschritten.  Demnach  fällt  die  in  Frage  stehende  Beschaffung  –  wovon  im Übrigen  auch die Vergabestelle ausgeht – prima facie in den Anwendungsbereich  des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen.

B­6123/2011 1.3.  Das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  bestimmt  sich  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  BöB  und  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) nichts  anderes bestimmen (Art. 26 Abs. 1 BöB und Art. 37 VGG). Gemäss Art.  31 BöB kann die Unangemessenheit vor Bundesverwaltungsgericht nicht  gerügt werden. 1.4. Über  das  Begehren  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  im  Rahmen  der  Anfechtung  eines  Zuschlags  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  gemäss  ständiger  Praxis  in  Dreierbesetzung  (Zwischenentscheid  des  BVGer  B­3402/2009  vom  2.  Juli  2009,  auszugsweise publiziert in BVGE 2009/19, E. 1.2 mit Hinweisen). 2.  Gegenstand  des  vorliegenden  Zwischenentscheides  bildet  allein  der  Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung. Im Unterschied zu Art.  55 Abs. 1 VwVG sieht Art. 28 Abs. 1 BöB vor, dass der Beschwerde von  Gesetzes wegen keine aufschiebende Wirkung zukommt. Demnach kann  diese  vom Bundesverwaltungsgericht  nur  auf Gesuch  hin  erteilt werden  (Art.  28  Abs.  2  BöB).  Vorliegend  enthält  die  Beschwerde  ein  entsprechendes Begehren. 2.1. Das BöB nennt keine Kriterien, welche für die Frage der Gewährung  oder Verweigerung der aufschiebenden Wirkung zu berücksichtigen sind.  Es  können  indes  die  Grundsätze  übernommen  werden,  die  Rechtsprechung und Lehre zur Anwendung von Art. 55 VwVG entwickelt  haben. Danach  ist  anhand einer  Interessenabwägung  zu prüfen,  ob die  Gründe, die für eine sofortige Vollstreckbarkeit sprechen, gewichtiger sind  als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt werden können (BGE  129  II  286  E.  3;  Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­ 6837/  2010  vom  16.  November  2010  E.  2.1  mit  Hinweisen).  Dass  der  Gesetzgeber  im  BöB  den  Suspensiveffekt  in  Abweichung  zum  VwVG  nicht von Gesetzes wegen gewährte,  zeigt, dass er sich der Bedeutung  dieser Anordnung im Submissionsrecht bewusst war und eine individuelle  Prüfung dieser Frage als notwendig erachtete, nicht aber, dass er diesen  nur  ausnahmsweise  gewährt  haben  wollte  (vgl.  zum  Ganzen  den  Zwischenentscheid des Bundesverwaltungsgerichts B­3402/2009 vom 2.  Juli  2009,  auszugsweise  publiziert  in  BVGE  2009/19,  E.  2.1  mit  Hinweisen).

B­6123/2011 2.2. Liegt ein Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung vor, so  ist  im  Sinne  einer  prima­facie­Würdigung  der  materiellen  Rechtslage  in  einem  ersten  Schritt  zu  prüfen,  ob  aufgrund  der  vorliegenden  Akten  davon auszugehen  ist,  dass  die Beschwerde offensichtlich  unbegründet  ist.  Ist dies der Fall,  ist die aufschiebende Wirkung von vornherein nicht  zu  gewähren.  Werden  der  Beschwerde  hingegen  Erfolgschancen  zuerkannt oder bestehen darüber Zweifel, so  ist über das Begehren um  aufschiebende Wirkung aufgrund der erwähnten Interessenabwägung zu  befinden. In die Abwägung einzubeziehen sind nach der ständigen Praxis  der  Eidgenössischen  Rekurskommission  für  das  öffentliche  Beschaffungswesen  (BRK),  die  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  dem Entscheid BVGE 2007/13  (E. 2.2)  im Grundsatz zu eigen gemacht  hat,  einerseits  die  Interessen  der  Beschwerdeführerin  an  der  Aufrechterhaltung  der  Möglichkeit,  den  Zuschlag  zu  erhalten,  wobei  zugleich  ein  gewichtiges  öffentliches  Interesse  an  der  Gewährung  effektiven  Rechtsschutzes  besteht  (Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­6177/2008  vom  20. Oktober  2008  E. 2).  Diesen  gegenüber  stehen  die  öffentlichen  Interessen,  die  die  Auftraggeberin wahrzunehmen hat. So wird in der GATT­Botschaft 2 vom  19. September 1994 namentlich  festgehalten, gegen den automatischen  Suspensiveffekt spreche die Gefahr von Verzögerungen und erheblichen  Mehrkosten (BBl 1994 IV 950 ff., insbes. S. 1197; vgl. auch S. 1199; vgl.  zum Ganzen den Zwischenentscheid des Bundesverwaltungsgerichts B­ 3402/2009 vom 2. Juli  2009, auszugsweise publiziert  in BVGE 2009/19,  E. 2.1). Entsprechend hält das Bundesgericht im Rahmen der Auslegung  von Art. 17 Abs. 2 der Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche  Beschaffungswesen vom 15. März 2001 (IVöB; SR 172.056.4) fest, dass  dem  öffentlichen  Interesse  an  einer  möglichst  raschen  Umsetzung  des  Vergabeentscheides  von  vornherein  ein  erhebliches  Gewicht  zukommt  (Urteil  des Bundesgerichts  2P.103/2006  vom 29. Mai  2006 E.  4.2.1 mit  Hinweisen;  in  diesem  Sinne  auch  BVGE  2008/7  E. 3.3).  Auch  allfällige  Interessen  Dritter,  namentlich  der  übrigen  an  einem  Beschaffungsgeschäft  Beteiligten,  sind  nach  der  ständigen  Praxis  zu  berücksichtigen.  Ausgangspunkt  muss  dabei  –  insbesondere  auch  in  Anbetracht  der  Zielsetzung  von Art.  XX  Ziff.  2  und  7  Bst.  a GPA  –  die  Gewährung  eines  effektiven  Rechtsschutzes  und  die  Verhinderung  von  Zuständen  sein,  welche  das  Rechtsmittel  illusorisch  werden  lassen  (BVGE 2007/13 E. 2.2 mit Hinweisen). 3.  3.1.  Die  Vergabestelle  beruft  sich  im  vorliegenden  Fall  auf  den  Ausschlussgrund  des  wesentlichen  Formfehlers  im  Sinne  von  Art.  19 

B­6123/2011 Abs.  3  BöB.  Die  Beschwerdeführerin  macht  dazu  geltend,  ihre  vollständige Offerte könne in diesem Sinne nicht als fehlerhaft und schon  gar nicht als mit einem wesentlichen Formfehler behaftet gelten. Dazu ist  zunächst  losgelöst vom zu beurteilenden Sachverhalt  festzuhalten, dass  der  Beschwerdeführerin  zuzustimmen  ist,  wenn  sie  ausführt,  dass  sich  Art. 19 Abs. 3 BöB auf Art. 19 Abs. 1 BöB bezieht, wonach die Anbieter  ihre  Anträge  auf  Teilnahme  und  ihr  Angebot  schriftlich,  vollständig  und  fristgerecht zureichen haben. Dieser Regel  liegt der Gedanke zugrunde,  dass  die  Vergabestelle  aufgrund  der  eingereichten  Offerten  direkt  zur  Vergabe  des  Auftrags  schreiten  können  soll  (Zwischenentscheid  B­ 1774/2006  vom  13. März  2007,  publiziert  in  BVGE  2007/13,  E.  3.1  mit  Hinweisen). Die Rechtsprechung hat indessen stets betont, dass auch die  Entgegennahme  eines  Angebots,  das  den  Vorschriften  der  Ausschreibung  und  der Unterlagen  nicht  entspricht,  im Hinblick  auf  das  Gebot  der  Gleichbehandlung  der  Anbieter  wie  auch  dasjenige  der  Transparenz problematisch ist (BVGE 2007/13 E. 3.1; Entscheid der BRK  vom  23.  Dezember  2005,  veröffentlicht  in  VPB  70.33,  E.  2a/aa).  Ein  Ausschluss aus formellen Gründen ist namentlich wegen eigenmächtiger  Änderung der Angebotsbedingungen vorgesehen. Dies auch dann, wenn  in  der  Folge  das  wirtschaftlich  günstigste  Angebot  nicht  berücksichtigt  werden kann (BVGE 2007/13 E. 3.3; Urteil B­5084/2007 vom 28. Januar  2008 E. 2.1).  3.2.  Gemäss  Art.  29  Abs.  1  BV  liegt  ein  verpönter  überspitzter  Formalismus  vor,  wenn  für  ein  Verfahren  rigorose  Formvorschriften  aufgestellt  werden,  ohne  dass  die  Strenge  sachlich  gerechtfertigt  wäre,  oder  wenn  die  Behörde  formelle  Vorschriften mit  übertriebener  Schärfe  handhabt.  Durch  ein  derartiges  Vorgehen  wird  die  Formstrenge  zum  blossen Selbstzweck, womit die Verwirklichung des materiellen Rechts in  unhaltbarer Weise erschwert oder gar verhindert wird (BGE 132 I 249 E.  5). Aus dem Verbot des überspitzten Formalismus wie auch aus Art. 9 BV  kann  die  Verpflichtung  der  Behörde  abgeleitet  werden,  den  Privaten  in  gewissen  Situationen  von  Amtes  wegen  auf  Verfahrensfehler  hinzuweisen,  die er  begangen hat  oder  im Begriffe  ist  zu begehen  (vgl.  zum  Ganzen  BVGE  2007/13  E.  3.2  mit  Hinweisen).  Der  Offerent  darf  nicht  schon  wegen  unbedeutender  Mängel  der  Offerte  oder  eines  Verhaltens  mit  Bagetellcharakter  ausgeschlossen  werden  (BVGE  2007/13  E.  3.3;  PETER  GALLI/ANDRÉ  MOSER/ELISABETH  LANG/EVELYNE  CLERC,  Praxis  des  öffentlichen  Beschaffungsrechts,  1.  Band,  2.  Aufl.,  Zürich  2007, Rz.  281 mit Hinweisen). Demgegenüber  sind Offerten,  die  unvollständig  sind  in  Bezug  auf  Angaben,  die  sich  auf  das  Preis­ Leistungs­Verhältnis  auswirken,  grundsätzlich  auszuschliessen  (vgl.  zu 

B­6123/2011 den Grenzen der Offertbereinigung insbesondere BVGE 2007/13 E. 3.4).  Zusammenfassend  lässt  sich  sagen,  dass  drei  Kategorien  von  den  Anforderungen  nicht  entsprechenden  Offerten  zu  unterscheiden  sind:  Eine  erste  Kategorie  umfasst  Angebote,  welche  die  Vergabestelle  aufgrund  ihrer  Mängel  nicht  ohne  Verletzung  des  Transparenz­  und  Gleichbehandlungsgebots  in  die  Bewertung  einbeziehen  kann,  also  ausschliessen  muss.  Eine  zweite  Kategorie  von  Offerten  ist  dadurch  gekennzeichnet,  dass  die  Vergabestelle  sie  durch  Rückfragen  auf  den  verlangten Stand bringen darf, aber nicht muss; die Vergabestelle verfügt  demnach  in diesem Rahmen über einen gewissen Ermessensspielraum  (BVGE  2007/13  E.  6.2).  Die  dritte  und  letzte  Kategorie  lässt  sich  so  umschreiben,  dass  die  Mängel  des  Angebots  derart  geringfügig  sind,  dass die Vergabestelle zur Bereinigung derselben Hand bieten muss (vgl.  zum  Ganzen  BVGE  2007/13  E.  3.3  sowie  den  Zwischenentscheid  B­ 7393/2008 vom 14. Januar 2009 E. 3.1 und das Urteil B­8061/2010 vom  18. April 2011 E. 6.1). 4.  4.1.  Zum  vorliegend  relevanten  Sachverhalt  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  der  Vertragsentwurf  gemäss  den  Ausschreibungsunterlagen  in  Bezug auf die Vergütung  in Punkt 4.1.2 die Vorgabe enthält, dass nach  erbrachtem  Zeitaufwand  vergütet  wird,  wobei  Stundenansätze  exkl.  MWST  für  verschiedene Kategorien  von Mitarbeitern  zu  offerieren  sind.  Entsprechend  sind  als  Anhang  1  des  Vertragsentwurfs  Mitarbeiterlisten  vorgesehen,  welche  diese  den  Kategorien  im  Sinne  von  Punkt  4.1.2  zuordnen. Dies ergibt sich aus dem Originaldokument wie folgt:

B­6123/2011 In  Punkt  4.1.2  des  Vertragsentwurfs  wird  ausserdem  auf  die  Leistungstabelle  gemäss  Beilage  2.3.1  verwiesen,  welche  ihrerseits  folgende Struktur aufweist: Aus den entsprechenden Erläuterungen geht einerseits hervor, dass die  zu  offerierende  Gesamtstundenzahl  nicht  variabel,  sondern  auf  4500  festgesetzt  ist.  In  diesem  Punkt  entspricht  die  Offerte  der  Beschwerdeführerin  zwar  den  Vorgaben,  indessen  hat  sie  prima  facie  entgegen  den  Vorgaben  der  Vergabestelle  für  alle  Kategorien  den  gleichen  Stundenansatz  offeriert.  Die  Leistungstabelle  stellt  ausserdem  klar,  dass  die  offerierte  Honorarsumme  für  die  fix  zu  offerierenden  Stundenzahlen als Grundlage dient  für die Bewertung der Angebote mit  Blick auf das Zuschlagskriterium Preis. Aus der Ausschreibung vom 10.  Juni  2011  ergibt  sich  wiederum,  dass  die  Referenzen  der  Schlüsselpersonen mit 10 Prozent und der Preis mit 70 Prozent gewichtet  werden (Punkt 3.9). Ausserdem wird als Subkriterium des mit 20 Prozent  veranschlagten  Kriteriums  "Auftragsanalyse"  die  "Beurteilung  und  Analyse der Stundenvorgaben der Bauherrschaft" mit 6 Prozent gewichtet  (ebenfalls Punkt 3.9). Auch aus dieser Umschreibung wird das Konzept  der  Vergabestelle  erkennbar  bestätigt,  wonach  von  der  vorgegebenen  Stundenzahl nicht abgewichen werden soll. Die Ausschreibung wiederum 

B­6123/2011 ist  unangefochten  in  Rechtskraft  erwachsen.  Die  Beschwerdeführerin  bestreitet  trotz der hohen Gewichtung des Preises mit  70 Prozent denn  auch  nicht  die  Vergaberechtskonformität  der  Vorgabe  in  Bezug  den  Stundenaufwand (vgl. dazu das Urteil B­8061/2010 vom 18. April 2011 E.  6.5 f.), nachdem sie diesen entsprechend den Ausschreibungsunterlagen  offeriert  und  den  vorgegebenen  Stundenaufwand  von  insgesamt  4500  Stunden  unter  Punkt  2.3.2.4  (statt  wie  vorgesehen  unter  Punkt  2.3.2.1)  als  plausibel  bezeichnet  hat.  Vielmehr  macht  sie  geltend,  ihre  Offerte,  welche  auf  einem  einheitlichen  gemittelten  Honorar  für  sämtliche  Honorarkategorien beruht, hätte nicht ausgeschlossen werden dürfen. 4.2.  Die  Beschwerdeführerin  wirft  der  Vergabestelle  zunächst  vor,  sie  habe  ihre  Honorarofferte  zu  Unrecht  als  finanzielle  Variante  beurteilt.  Gemäss Art.  22a Abs.  2  der Verordnung  vom 11. Dezember  1995 über  das  öffentliche  Beschaffungswesen  (VöB,  SR  172.056.11)  sei  nämlich  klar,  dass  unterschiedliche  Preisarten  nicht  als  Varianten  gelten  (Beschwerde,  S.  6).  Tatsächlich  wird  im  seit  dem  1.  Januar  2010  geltenden  Art.  22a  Abs. 2  VöB  festgehalten,  dass  als  Variante  ein  Angebot  gilt,  mit  welchem  das  Ziel  der  Beschaffung  auf  andere  Art  als  von der Auftraggeberin vorgesehen erreicht werden kann. Damit wird an  die  Rechtsauffassung  angeknüpft,  wonach  nur  eine  "leistungsbezogene  Abweichung"  den  Begriff  der  Variante  erfüllt  (vgl.  dazu  etwa  das  Urteil  des  Verwaltungsgerichts  des  Kantons  Aargau  vom  20.  Oktober  2003,  publiziert  in:  Aargauische Gerichts­  und  Verwaltungsentscheide  [AGVE]  2003 S. 278  ff. E. 3 mit Hinweisen). Nicht als Variante gelten demnach  gemäss neuem Verordnungsrecht unterschiedliche Preisarten. Damit hat  der  Verordnungsgeber  auf  den  über  die  Fachkreise  hinaus  bekannt  gewordenen Entscheid BRK 2005­016 vom 13. Februar 2006 betreffend  das  NEAT­Los  151,  Tunnel  Erstfeld,  reagiert,  mit  welchem  die  Eidgenössische  Rekurskommission  für  das  öffentliche  Beschaffungswesen  festgehalten  hat,  ein  von  den  Ausschreibungsunterlagen  abweichender  Vergütungsmodus  könne  ebenfalls  eine  Variante  darstellen  (E.  4b).  Im Erläuternden Bericht  vom  18. November 2009 zur Änderung der VöB wird dazu festgehalten, dass  es  den  Auftraggeberinnen  immerhin  unbenommen  bleibe,  im  Einzelfall  den  "Amtsvorschlag"  hinsichtlich  der  Preisart  derart  offen  zu  umschreiben,  dass  auch  unterschiedliche  Preisarten  zulässig  sind  (a.a.O., S. 16; vgl. zum Ganzen auch MARTIN BEYELER, Die revidierte VöB  – ein Kurzkommentar, in: Baurecht 2010, S. 106 ff., insb. S. 109). Weiter  heisst es  im Erläuternden Bericht, dass für den Fall, dass die Anbieterin  eine andere Preisart wählt, gemäss dem vorliegenden Verständnis keine  Variante,  sondern  ein  ausschreibungswidriges  Angebot  vorliegt.  Der 

B­6123/2011 Verordnungsgeber  geht  demnach  davon  aus,  dass  Preisvarianten  grundsätzlich  nicht  zulässig  sind,  wobei  eine  Ausnahme  gelten  soll  für  den  Fall,  dass  die  Vergabestelle  ausdrücklich  signalisiert,  sie  nehme  unterschiedliche Preisarten entgegen (a.a.O., S. 16). Damit ist die Lage in  diesem  Fall  faktisch  nicht  sehr  viel  anders  als  nach  altem  Verordnungsrecht in der Interpretation durch die Rekurskommission. Eine  solche  Situation  liegt  hier  aber  gerade  nicht  vor.  In  den  Ausschreibungsunterlagen heisst es  im Gegenteil ausdrücklich, es seien  nicht nur technische, sondern auch finanzielle Varianten nicht zugelassen  (Punkt  2.8  der  Ausschreibung).  Damit  kommt  es  im  vorliegenden  Zusammenhang gar nicht darauf an, ob das Offerieren unterschiedlicher  Preisarten nach dem anwendbaren Recht als Variante in Betracht kommt  oder  nicht.  Vielmehr musste  die Beschwerdeführerin  die Ausschreibung  so  oder  anders  dahingehend  verstehen,  dass  keine  abweichenden  Vergütungsarten offeriert werden dürfen. Selbst wenn der Begriff Variante  von der Vergabestelle nicht im Sinne der Terminologie von Art. 22a VöB,  sondern  altrechtlich  unter  sinngemässer  Bezugnahme  auf  die  Rechtsprechung der BRK gebraucht wird – die Beschwerdeführerin  rügt  hier  fälschlicherweise  eine  unrichtige  Sachverhaltsfeststellung  im  Sinne  von  Art.  49  Bst.  b  VwVG,  obwohl  der  Sachverhalt  unstrittig  ist  (Beschwerde,  S.  7)  –,  ist  ohne  weiteres  ersichtlich,  was  die  Auftraggeberin damit meint. Sie  trifft demnach die  in der Lehre nach bis  Ende 2009 geltendem Verordnungsrecht angemahnte Klarstellung, dass  sie  keine  Offerten  mit  abweichenden  Preisarten  entgegennehmen  will  (vgl.  dazu  PETER  RECHSTEINER,  Der  Angebotspreis,  in:  Baurecht,  Sonderheft Vergaberecht 2004, S. 17 ff., insb. S. 19). Ansonsten wäre die  Aussage,  finanzielle  Varianten  sind  nicht  zugelassen,  so  wie  sie  die  Beschwerdeführerin  verstanden wissen will,  nämlich  dahingehend,  dass  das Offerieren abweichender Preisarten nicht ausgeschlossen ist, eine in  sich  widersprüchliche  Leerformel,  was  bei  der  Auslegung  von  Erklärungen nicht  leichthin angenommen werden darf. Dazu passt denn  auch Punkt 4.1.2 des Vertragsentwurfs, mit welchem die Möglichkeit der  Offerte  "gemäss  gemitteltem  Stundenansatz",  der  "für  alle  seitens  des  Beauftragten eingesetzten Mitarbeiter gilt", klar nicht gewählt worden ist.  Damit  bleibt  im  Folgenden  zu  prüfen,  ob  nicht  durch  Äusserungen  im  Rahmen  der  Fragerunde  entgegen  der  Ausschreibung  auf  die  Zulässigkeit  von  abweichenden  Vergütungsarten  geschlossen  werden  durfte, was die Beschwerdeführerin geltend macht (Beschwerde, S. 7). 4.3.  Gemäss  Punkt  1.3  der  Ausschreibung  vom  10.  Juni  2011  waren  Fragen in deutscher Sprache via SIMAP im "Forum" Projekt einzureichen.  Des  Weiteren  wurde  deren  Beantwortung  bis  am  29.  Juni  2011 

B­6123/2011 gegenüber  allen  Bezügern  der  Ausschreibungsunterlagen  gleichlautend  ebenfalls  via  SIMAP  in  Aussicht  gestellt.  Dabei  sind  im  vorliegenden  Zusammenhang zwei Fragen von Interesse, nämlich die Frage 1 und die  Frage 12: Aus  der  Antwort  auf  die  Frage  1  ergibt  sich  noch  einmal  der  Zusammenhang  zwischen  der  Stundenvorgabe  im  Rahmen  der  Vergütung einerseits und der Beurteilung der Stundenvorgabe durch die  Anbieter  im  Rahmen  des  Zuschlagskriteriums  Auftragsanalyse  andererseits (vgl. E. 4.1 hiervor). Vorliegend entscheidend ist die Antwort  auf  die  Frage  12.  Die  Vergabestelle  sagt  dazu,  die  Stundenansätze  unterliegen der unternehmerischen Freiheit und werden nicht als solche  (bezogen  auf  Ausbildung  und  Erfahrung)  bewertet.  Die  Beschwerdeführerin macht nun geltend, damit habe sie annehmen dürfen  und  müssen,  dass  die  Festlegung  der  Stundenansätze  im  freien  Ermessen  der  Anbieter  liege  (Beschwerde,  S.  7).  Dazu  ist  erstens  festzuhalten,  dass  eine  Erklärung  der  Vergabestelle  im  Rahmen  der  Beantwortung von Fragen, welche mehreren Auslegungen zugänglich ist,  nicht  ohne  weiteres  so  verstanden  werden  darf,  dass  damit  die  in  der  Ausschreibung  und  den  Ausschreibungsunterlagen  kommunizierten  Rahmenbedingungen  aufgegeben  werden.  Zweitens  ist  das  naheliegendere  Verständnis  der  Antwort  in  einer  Aussage  zu  sehen,  wonach  die  Stundenansätze  einerseits  im  Rahmen  der  Preisbewertung  nicht daraufhin geprüft werden, ob sie den Gepflogenheiten der Branche  entsprechen  oder  für  Fachkräfte  wie  die  in  Frage  stehenden  allenfalls  nicht kostendeckend sind. Andererseits spielen sie auch im Rahmen der  Bewertung  der Offerten  gestützt  auf  das Kriterium  "Auftragsanalyse"  im 

B­6123/2011 Unterschied zur Beurteilung der vorgegebenen Stundenzahl keine Rolle.  Damit  durfte  die  Antwort  entgegen  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  nicht  so  verstanden  werden,  dass  damit  die  Vorgaben  gemäss  Ausschreibung  und  Ausschreibungsunterlagen  aufgegeben  worden  sind.  Folglich  kann  offen  bleiben,  ob  es  in  diesem  Zusammenhang  darüber  hinaus  eine  Rolle  spielt,  dass  die  Honorarberechnung nach Qualifikationskategorien gemäss Art. 6 der SIA­ Norm  103  für  Leistungen  und  Honorare  der  Bauingenieure  und  –ingenieurinnen  nach  den  Angaben  der  Vergabestelle  gängig  und  von  der KBOB übernommen worden sind (Vernehmlassung, S. 4). 4.4.  Nach  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  vorliegend  ein  ausschreibungswidriges Angebot in Frage steht. Die Beschwerdeführerin  macht  auch  zu  Recht  nicht  geltend,  dass  es  nicht  im  Ermessen  der  Vergabestelle  liege  zu  bestimmen,  ob  sie  die  Vergütung  in  Form  von  Stundenansätzen  nach  Honorarkategorien  oder  im  Sinne  eines  gemittelten Stundenansatzes offeriert wissen will. Die Vergabestelle führt  dazu  aus,  mittels  einer  Vergütung  nach  Honorarkategorien  sichere  sie  sich die benötigte Qualität der zu erbringenden Leistung, indem nicht der  Anreiz  geschaffen  werde,  die  Arbeiten  durch  weniger  qualifiziertes  Personal ausführen zu lassen (Vernehmlassung, S. 4). Somit erweist sich  auch der Ausschluss gestützt auf Art. 19 Abs. 3 BöB als rechtmässig, da  es sich um eine das Preis­Leistungs­Verhältnis betreffende Abweichung  der  Offerte  nicht  bagatellarischer  Natur  handelt.  Es  kann  hier  offen  bleiben,  ob  die  Vergabestelle  die  Offerte  trotz  dieses  Mangels  hätte  zulassen  und  gegebenenfalls  bereinigen  dürfen  (vgl.  E.  3.2  hiervor  in  fine).  Fest  steht  jedenfalls,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  Vergabestelle  im  vorliegenden  Fall  nicht  zwingen  kann,  ihre  Offerte  soweit erforderlich vergleichbar zu machen und zu bewerten (vgl. mutatis  mutandis BVGE 2007/13 E. 6.3). Daran ändert auch der Umstand nichts,  dass  die  Mitarbeiter  der  Beschwerdeführerin  im  Rahmen  der  Projektorganisation (Punkt 2.3.2.3 des Vertragsentwurfs bzw. der Offerte)  den in Frage stehenden Honorarkategorien (von A­G) zugeordnet worden  sind.  Aus  dem  Evaluationsbericht  ergibt  sich  denn  auch,  dass  die  Vergabestelle  die  Offerte  tatsächlich  im  Rahmen  der  formellen  Prüfung  bereits ausgeschlossen hat mit der Begründung, die Beschwerdeführerin  habe  einen  Zeitmitteltarif  (ZMT)  angeboten,  wogegen  eine  Offerte  mit  Kategorien nach KBOB zu offerieren gewesen sei (Evaluationsbericht, S.  6  Punkt  3.1;  vgl.  dazu  auch  die  Beilage  1  zum Evaluationsbericht,  aus  welcher ersichtlich ist, dass die in Frage stehende Offerte bereits an der  formellen  Prüfung  gescheitert  ist  und  auf  Rückfragen  wie  auch  auf  die  Eignungsprüfung  verzichtet  worden  ist).  Zusammenfassend  ergibt  sich, 

B­6123/2011 dass  sich  die  Beschwerde  als  offensichtlich  unbegründet  erweist,  weshalb  das  Ersuchen  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  abzuweisen ist, ohne dass eine Interessenabwägung vorzunehmen wäre  (vgl. E. 2.2 hiervor). 5.  Die Beschwerdeführerin hat kein Akteneinsichtsgesuch gestellt. In Bezug  auf  die  Konkurrenzofferten  besteht  ohnehin  grundsätzlich  kein  Akteneinsichtsrecht  (vgl.  Zwischenverfügung  B­1172/2011  vom  6.  Mai  2011 E. 3.3 mit Hinweisen). Indessen ist der Beschwerdeführerin gestützt  auf Art. 28 VwVG mit Verfügung vom 28. November 2011 eine teilweise  abgedeckte  Version  des  Evaluationsberichts  und  der  Beilage  1  dazu  ("Evaluationstabelle:  Prüfung  auf  Vollständigkeit  und  Eignungskriterien")  zugestellt  worden.  Die  Vergabestelle  hatte  zuvor  aufgrund  der  Instruktionsverfügung  vom  25.  November  2011  einen  Abdeckungsvorschlag  unterbreitet.  Demnach  ist  in  Bezug  auf  die  Akteneinsicht  lediglich  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführerin  der  Evaluationsbericht in dieser Form zugestellt worden ist. Da ihr zudem die  Fragen  und  Antworten  zur  Ausschreibung  bekannt  sind  (Beschwerdebeilage  5;  Vernehmlassungsbeilage  4),  ist  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  der  ihr  zur  Verfügung  stehenden  Unterlagen  in  der  Lage,  sich  ein  hinreichendes  Bild  zur  Ausgangslage  namentlich mit Blick auf die Anfechtung des vorliegenden Entscheids zu  machen  (Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­ 6177/2008 vom 20. Oktober 2008 E. 6). 6.  Über  die  Feststellung  und  Verlegung  der  Kosten  des  vorliegenden  Zwischenentscheides  ist mit dem Endentscheid zu befinden. Die weitere  Instruktion des Hauptverfahrens erfolgt mit separater Verfügung. Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das  Gesuch  der  Beschwerdeführerin  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung wird abgewiesen. 2.  In  Bezug  auf  die  Akteneinsicht  wird  festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom  28.  November  2011  eine 

B­6123/2011 teilweise  abgedeckte  Version  des  Evaluationsberichts  inkl.  Beilage  1  zugestellt worden ist. 3.  Die  Instruktion  des  Schriftenwechsels  im  Hauptverfahren  erfolgt  mit  separater Verfügung. 4.  Über  die  Kostenfolgen  des  vorliegenden  Zwischenentscheides  wird  mit  dem Endentscheid befunden. 5.  Dieser Entscheid geht an: – die  Beschwerdeführerin  (Rechtsvertreterin;  Gerichtsurkunde,  vorab  per Fax) – die Vergabestelle (Gerichtsurkunde; vorab per Fax) – die Zuschlagsempfängerin (A­Post, vorab per Fax) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Marc Steiner Laura Melusine Baudenbacher Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Zwischenentscheid  kann  innert  30 Tagen nach Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­ rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]),  soweit  er  einen  nicht  wieder  gutzumachenden  Nachteil  bewirken  kann  (Art.  93  Abs.  1  Bst.  a  BGG)  und  sich  eine  Rechtsfrage  von  grundsätzlicher  Bedeutung  stellt  (Art.  83  Bst.  f  Ziff.  2  BGG).  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in  Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

B­6123/2011 Versand: 8. Dezember 2011

B-6123/2011 — Bundesverwaltungsgericht 08.12.2011 B-6123/2011 — Swissrulings