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Bundesverwaltungsgericht 14.10.2011 B-5845/2010

14 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·4,083 parole·~20 min·1

Riassunto

Glücksspiele und Spielbanken | Qualifikation von Pokerturnieren, Widerruf

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II B­5845/2010 Urteil   v om   1 4 .   O k t ob e r   2011   Besetzung Richterin Eva Schneeberger (Vorsitz), Richter Philippe Weissenberger, Richter Ronald Flury,    Gerichtsschreiberin Beatrice Grubenmann. Parteien Z._______,   vertreten durch Dr. iur. Jascha Schneider­Marfels,  Rechtsanwalt, 4001 Basel, Beschwerdeführer,  gegen Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK,  Eigerplatz 1, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Qualifikation von Pokerturnieren, Widerruf.

B­5845/2010 Sachverhalt: A.  A.a  Z._______  (nachfolgend:  Beschwerdeführer)  ist  Veranstalter  von  Pokerturnieren. Mit Gesuch vom 3. Dezember 2007 beantragte er bei der  Eidgenössischen  Spielbankenkommission  ESBK  (nachfolgend:  Vorinstanz oder ESBK), dass seine Pokerturnierformate "Texas Hold'em  Unlimited (Freeze Out)" als Geschicklichkeitsspiele zu qualifizieren seien.  A.b  Mit  Verfügung  Nr.  (…)/01  vom  23.  April  2008  entsprach  die  Vorinstanz diesem Gesuch.  A.c  Am  12.  Juni  2008  erhob  der  Schweizer  Casino  Verband  dagegen  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragte  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Qualifikationsverfügung  sowie  die  Feststellung,  dass  es  sich  bei  den  von  der  Vorinstanz  beurteilten  Pokerturnieren  um  Glücksspiele  im  Sinne  des  Spielbankengesetzes  handle,  die  nur  in  konzessionierten  Spielbanken  angeboten  werden  dürften  (Beschwerdeverfahren  B­3995/2008).  A.d  Mit  Verfügung  vom  26.  Juni  2008  sistierte  das  Bundesverwaltungsgericht das Verfahren B­3995/2008 bis zum Vorliegen  eines Entscheids in einem der Parallelverfahren.  A.e Mit Urteil vom 30. Juni 2009 wies das Bundesverwaltungsgericht  im  Parallelverfahren  B­517/2008  die  vom  Schweizer  Casino  Verband  und  der  Casino  Zürichsee  AG  gegen  eine  Qualifikationsverfügung  der  Erstinstanz vom 6. Dezember 2007 erhobene Beschwerde ab.  A.f  Gegen  diesen  Entscheid  erhob  der  Schweizer  Casino  Verband  Beschwerde  beim  Bundesgericht.  Das  Bundesgericht  hiess  mit  Urteil  BGE 136 II 291 vom 20. Mai 2010 die Beschwerde des Schweizer Casino  Verbandes  gut,  soweit  es  darauf  eintrat,  hob  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  30.  Juni  2009  auf  und  wies  das  dem  Verfahren zu Grunde liegende Qualifikationsgesuch ab.  B.  Gestützt auf dieses Urteil des Bundesgerichts widerrief die Vorinstanz mit  Verfügung Nr. (…)/02 vom 9. Juni 2010 (Zustellung mit Schreiben vom 6.  Juli 2010) wiedererwägungsweise ihre Qualifikationsverfügung Nr. (…)/01 

B­5845/2010 vom 23. April 2008 gegenüber dem Beschwerdeführer. Zur Begründung  hielt  sie  im  Wesentlichen  fest,  angesichts  des  Entscheides  des  Bundesgerichts, wonach Pokerturniere Glücksspiele darstellten, erwiesen  sich  sämtliche  von  ihr  erlassenen  Qualifikationsverfügungen  betreffend  Pokerturniere als mit Bundesrecht nicht vereinbar.  C.  Der  Beschwerdeführer  erhebt  am  16. August  2010  gegen  diese  Verfügung  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragt  die  Aufhebung  der  Widerrufsverfügung  sowie  die  Qualifikation  der  von  ihm  beantragten  Pokerturnierformate  als  Geschicklichkeitsspiele,  unter  gleichzeitiger Feststellung,  dass die Durchführung  solcher Pokerturniere  zulässig  sei.  Eventualiter  sei  die  Widerrufsverfügung  vollumfänglich  aufzuheben  und  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  mit  der  Auflage,  den  Sachverhalt  neu  abzuklären  und  dem  Beschwerdeführer Gelegenheit  zur Überarbeitung seines ursprünglichen  Gesuchs  zu  erteilen  sowie  eine  Übergangsfrist  von  sechs  Monaten  zu  gewähren,  um  seinen  Pokerturnierbetrieb  umzustellen  oder  zu  schliessen. Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung von Bundesrecht,  eine  falsche  bzw.  unvollständige  Feststellung  des  Sachverhalts,  sowie  Unangemessenheit  bzw.  eine  Verletzung  des  Verhältnismässigkeitsprinzips. D.  Mit  Eingabe  vom 15.  September  2010  verzichtet  der  Schweizer Casino  Verband auf die Geltendmachung von Parteirechten. E.  Am 15. Oktober  2010  lässt  sich  die Vorinstanz  vernehmen. Sie  hält  an  ihren  Anträgen  fest  und  bringt  vor,  der  Einwand  der  Verletzung  des  rechtlichen Gehörs, insbesondere der Verletzung der Begründungspflicht,  sei unbegründet. Der Beschwerdeführer habe zuverlässige Kenntnis von  den Entscheidgründen gehabt und sei gestützt auf die Ausführungen und  den  Verweis  auf  das  Bundesgerichtsurteil  in  der  angefochtenen  Verfügung in der Lage gewesen, sich mit diesen Gründen auseinander zu  setzen und sie gegebenenfalls anzufechten.  F.  Mit Replik  vom  16. Dezember  2010  verweist  der  Beschwerdeführer  auf  eine  inzwischen  angepasste Version  seines Turnierkonzepts,  die  er  der  Vorinstanz  zur  Überprüfung  im  Hinblick  auf  die  Qualifikation  als 

B­5845/2010 Geschicklichkeitsspiel  zugestellt  habe.  Daher  stelle  er  den  Verfahrensantrag,  das  vorliegende  Verfahren  so  lange  zu  sistieren,  bis  die Vorinstanz diesbezüglich entschieden habe.  G.  Die Vorinstanz beantragt mit Duplik vom 13. Januar 2011 die Abweisung  der  Beschwerde  sowie  des  Verfahrensantrags  des  Beschwerdeführers  auf Sistierung des vorliegenden Verfahrens bis zum Entscheid über das  neuerliche  Qualifikationsgesuch.  Für  die  Vorinstanz  bestehe  vor  dem  Hintergrund  des  Urteils  des  Bundesgerichts  BGE  136  II  291  keine  Möglichkeit,  Pokerturniere  als  Geschicklichkeitsspiele  zu  qualifizieren,  und  das  vom Beschwerdeführer  unterbreitete  Pokerturnierkonzept  gebe  keinen Anlass, von dieser Rechtsauffassung abzurücken.  H.  Mit Eingabe vom 20. Mai 2011 reicht der Beschwerdeführer eine weitere  Studie  als  Beweismittel  ein  und  beantragt  die  Erstellung  eines  Gutachtens,  welches  aus  rechtlicher  und  statistischer  Sicht  darüber  Aufschluss  gebe,  ob  bzw.  unter  welchen  Voraussetzungen  beim  Poker  die Geschicklichkeitskomponente überwiege.  I.  Mit  Stellungnahme  der  Vorinstanz  vom  23.  Juni  2011  beantragt  die  Vorinstanz,  der  Antrag  des  Beschwerdeführers  auf  Ausarbeitung  eines  derartigen Gutachtens sei abzuweisen.  J.  Am  8.  Juli  2011  reicht  der  Beschwerdeführer  ein  von  Prof.  L._______,  Universität  Basel,  verfasstes  Kurzgutachten  ein  und  macht  geltend,  daraus ergebe sich, dass sich die Vorinstanz nur in ungenügender Weise  mit  dem  Sachverhalt  auseinandergesetzt  und  die  Rechtslage  falsch  interpretiert  habe. Aus dem Bundesgerichtsentscheid gehe hervor,  dass  es  einer  Einzelfallüberprüfung  bedürfe  um  festzustellen,  ob  eine  Form  des  Pokerspiels  unter  der  Gattung  der  Glücks­  oder  Geschicklichkeitsspiele einzuordnen sei.  K.  Die Vorinstanz beantragt in ihrer Stellungnahme vom 5. August 2011, das  Kurzgutachten  sei  aus  den  Akten  zu  weisen.  Es  stelle  keine  materiell­ wissenschaftliche  Auseinandersetzung  mit  der  Frage,  ob  bei  Pokerturnieren  die  Glücks­  oder  Geschicklichkeitskomponente 

B­5845/2010 überwiege,  dar,  sondern  beinhalte  lediglich  eine  Würdigung  des  einschlägigen Bundesgerichtsentscheids.  L.  Mit Zwischenverfügung vom 8. August 2011 wies die Instruktionsrichterin  sowohl den Antrag der Vorinstanz, das Kurzgutachten sei aus dem Recht  zu  weisen,  als  auch  den  Antrag  des  Beschwerdeführers  vom  16.  Dezember  2010,  das  Verfahren  sei  bis  zum  Entscheid  der  Vorinstanz  über ein weiteres, angepasstes Gesuch von ihm zu sistieren, ab.  M.  Auf  die  Begründung  der  Anträge  des  Beschwerdeführers  und  der  Vorinstanz wird, soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:  1.  Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsgericht  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5  des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember  1968  (VwVG,  SR 172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  und  34 VGG  genannten  Behörden, zu denen auch die Vorinstanz zählt  (Art. 33 Bst.  f VGG). Die  Widerrufsverfügung  der  Vorinstanz  vom  9.  Juni  2010  stellt  eine  Verfügung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  1  VwVG  dar  und  kann  daher  im  Rahmen  der  allgemeinen  Bestimmungen  der  Bundesverwaltungsrechtspflege  beim  Bundesverwaltungsgericht  angefochten werden (Art. 44 VwVG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).  Der  Beschwerdeführer  ist  als  Adressat  der  angefochtenen  Verfügung  durch diese berührt und hat daher ein schutzwürdiges Interesse an ihrer  Aufhebung  (Art.  48 Abs.  1 VwVG). Er  ist  somit  zur Beschwerdeführung  legitimiert.  Er  ist  im  vorliegenden  Verfahren  rechtsgültig  vertreten  (vgl.  Vollmacht vom 15. Juli 2010; Art. 11 Abs. 1 und 2 VwVG).  Die Beschwerde wurde frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1  i.V.m.  Art.  22  a  Abs.  1  Bst.  b  VwVG  und  Art.  52  Abs.  1  VwVG),  der  Kostenvorschuss wurde rechtzeitig bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG) und die  übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor.  Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 

B­5845/2010 2.  Das  Spielbankengesetz  regelt  das  Glücksspiel  um  Geld  oder  andere  geldwerte  Vorteile  sowie  die  Konzessionierung,  den  Betrieb  und  die  Besteuerung der Spielbanken  (Art.  1 des Spielbankengesetzes  vom 18.  Dezember  1998  [SBG,  SR  935.52]).  Glücksspiele  dürfen  nur  in  konzessionierten  Spielbanken  angeboten  werden  (Art.  4  Abs.  1  SBG).  Die Eidgenössische Spielbankenkommission hat die Einhaltung des SBG  zu überwachen und die zu dessen Vollzug erforderlichen Verfügungen zu  treffen  (Art.  48  Abs.  1  SBG).  Bestehen  Zweifel,  ob  ein  nicht  automatisiertes Spiel als Geschicklichkeitsspiel zu qualifizieren ist und in  den Zuständigkeitsbereich der Kantone (Art. 3 der Bundesverfassung der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  [BV,  SR  101])  fällt  oder  als  Glücksspiel  den  spielbankenrechtlichen  Regeln  unterliegt,  kann sie um einen Entscheid hierüber angegangen werden oder von sich  aus  einen  solchen  fällen  (Art.  60  Abs.  1  der  Verordnung  vom  24.  September  2004  über  Glücksspiele  und  Spielbanken  [VSBG,  SR  935.521]).  Die Qualifikationsverfügung Nr. (…)/01 vom 23. April 2008, welche durch  die  angefochtene  Verfügung widerrufen wurde,  sowie  die  angefochtene  Widerrufsverfügung stellen derartige Feststellungsverfügungen dar. 3.  In  formeller  Hinsicht  rügt  der  Beschwerdeführer  eine  Verletzung  seines  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör.  Die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Zur  Begründung  bringt der Beschwerdeführer  vor,  er habe vor Erlass der angefochtenen  Verfügung  keinerlei  Gelegenheit  erhalten,  seine  Sicht  der  Dinge  darzulegen  oder  am  Beweisverfahren  mitzuwirken,  was  insbesondere  deshalb von Bedeutung sei, weil er sich auch im Verfahren B­3995/2008  bislang  nicht  zu  den  Argumenten  der  in  jenem  Verfahren  beschwerdeführenden Gegenseite habe äussern können. Er müsse sich  den  Ausgang  des  Musterfalles  in  formaler  Hinsicht  keineswegs  anrechnen  zu  lassen.  Die  Vorinstanz  hätte  ihm  vielmehr  Gelegenheit  geben müssen,  sich  zum  Ausgang  des Musterfalls  zu  äussern.  Da  ein  Teil der zahlreichen gleichlautenden Allgemeinverfügungen in Rechtskraft  erwachsen seien, habe er angesichts der erheblichen Rechtsunsicherheit  darauf  vertrauen  dürfen,  im  Anschluss  an  den  Entscheid  des  Bundesgerichts mindestens einmal Gelegenheit  zu erhalten,  seine Sicht  der Dinge darzulegen. Dieser formale Mangel lasse sich im vorliegenden  Verfahren  nicht  heilen.  Das  Bundesgericht  habe  die  Gutheissung  der 

B­5845/2010 Beschwerde im Musterfall BGE 2C_694/2009 damit begründet, dass das  Überwiegen  der  Geschicklichkeitskomponente  aufgrund  der  zur  Verfügung  stehenden  Unterlagen  nicht  wissenschaftlich  nachgewiesen  sei und darauf hingewiesen, dass die Testserien der Vorinstanz und ihre  Hypothesen nicht aussagekräftig genug gewesen seien. Demnach habe  das  Bundesgericht  die  Qualifikation  der  vorliegend  strittigen  Pokerturnierformate  als  Geschicklichkeitsspiele  nicht  per  se  ausgeschlossen, sondern die Auffassung vertreten, dass die Abklärungen  der  Vorinstanz  einer  rechtlichen  Überprüfung  nicht  standhielten.  Es  sei  somit  nicht  auszuschliessen,  dass  neue  Testreihen  sowie  neue  wissenschaftliche Erkenntnisse den Beweis  liefern könnten, die strittigen  Pokerformate doch als Geschicklichkeitsspiele zu qualifizieren. Es könne  nicht  die  Aufgabe  des  Bundesverwaltungsgerichts  sein,  die  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  zu  heilen.  Die  Vorinstanz  verfüge  über  ausserordentliches  Fachwissen  im  zur  Diskussion  stehenden  Bereich,  und  es  sei  ihre  Aufgabe,  allenfalls  aufgrund  der  neuen  bundesgerichtlichen  Kriterien  neue  Testreihen  durchzuführen  und  sich  zumindest damit zu beschäftigen. Es gehe nicht an, dass diese Aufgabe  dem  Bundesverwaltungsgericht  übertragen  werde,  da  dieses  auf  kein  gleichwertiges  Fachwissen  zurückgreifen  könne.  Angesichts  dieser  Ausgangslage hätte die Vorinstanz ihm Gelegenheit geben müssen, sich  zumindest  zum  Ausgang  des  Musterfalls  zu  äussern  und  Beweise  für  seine Hypothese beizubringen.  Die  Vorinstanz  bestreitet,  dass  eine  Verletzung  des  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  vorliege,  und  macht  im  Wesentlichen  geltend,  die  verfügende Behörde brauche die Parteien nicht vor Verfügungen in einem  erstinstanzlichen Verfahren vorgängig anzuhören, wenn – wie vorliegend  – Gefahr  im Verzug sei.  Indem das Bundesgericht  in  seinem Urteil  vom  20. Mai  2010  festgestellt  habe,  dass  Pokerturniere  Glücksspiele  darstellten,  habe  es  auch  festgestellt,  dass  die  Organisation  solcher  Pokerturniere gegen die Strafbestimmung von Art. 56 Abs. 1 Bst. a SBG  verstosse. Diese Qualifikation der Pokerturniere als Glücksspiele sei mit  der  Urteilseröffnung  am  1.  Juni  2010  in  Rechtskraft  erwachsen.  Die  Vorinstanz  hätte  daher  ohne  weitere  Vorwarnung  gegen  jeden  Organisator  von  Pokerturnieren  ein  Strafverfahren  eröffnen  müssen.  Unter  dem  Gesichtspunkt  des  Vertrauensschutzes  sei  dies  nicht  vertretbar  gewesen.  Angesichts  unzähliger  Anfragen  seitens  der  Veranstalter  und  Spieler  nach  der  Eröffnung  des  Bundesgerichtsurteils  und mit Blick  auf  die  erhebliche Gefahr,  dass die Veranstalter  aufgrund  einer  unzutreffenden  Interpretation  der  Tragweite  des 

B­5845/2010 Bundesgerichtsurteils  oder  in  dessen  Unkenntnis  weiterhin  gestützt  auf  die  fehlerhafte  Qualifikationsverfügung  Pokerturniere  durchführen  würden, habe sie sich daher entschieden, die 183 Betroffenen direkt mit  einer  Widerrufsverfügung  über  die  geltende  Rechtslage  in  Kenntnis  zu  setzen.   3.1.  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  richtet  sich  nach  Art.  26  ff.  VwVG  sowie  nach  Art.  29  Abs.  2  BV.  Das  rechtliche  Gehör  dient  einerseits  der  Sachaufklärung,  andererseits  stellt  es  ein  persönlichkeitsbezogenes  Mitwirkungsrecht  beim  Erlass  eines  Entscheides  dar,  welcher  in  die  Rechtsstellung  des  Einzelnen  eingreift.  Dazu  gehört  insbesondere  auch  das  Recht  des  Betroffenen,  sich  vor  Erlass  eines  solchen  Entscheides  zur  Sache  zu  äussern,  erhebliche  Beweise beizubringen, Einsicht  in die Akten zu nehmen, mit erheblichen  Beweisanträgen  gehört  zu  werden  und  an  der  Erhebung  wesentlicher  Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis  zu  äussern,  sofern  dieses  geeignet  ist,  den  Entscheid  zu  beeinflussen.  Der Anspruch auf  rechtliches Gehör umfasst  als Mitwirkungsrecht  somit  alle  Befugnisse,  die  einer  Partei  einzuräumen  sind,  damit  sie  in  einem  Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 132  II 485 E. 3.2). 3.2.  Die  erstinstanzlich  verfügende  Behörde  braucht  eine  Partei  nicht  vorgängig  anzuhören, wenn Gefahr  im Verzug  ist,  der Partei  gegen die  Verfügung die Beschwerde zusteht und ihr keine andere Bestimmung des  Bundesrechts  einen  Anspruch  auf  vorgängige  Anhörung  gewährleistet  (Art. 30  Abs.  2  Bst.  e  VwVG).  Wann  Gefahr  im  Verzug  ist,  hat  die  Behörde  ex  ante  zu  beurteilen  (vgl.  PATRICK  SUTTER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008 [Kommentar VwVG], N. 27  zu  Art.  30  VwVG).  Angesprochen  sind  Fälle,  in  denen  die  Betroffenen  aufgrund  wichtiger  Anliegen  und  zeitlicher  Dringlichkeit  nicht  vorgängig  angehört werden können. Das schutzwürdige Interesse an der sofortigen  Verfügung ohne Anhörung kann öffentlicher oder privater Natur sein. Der  befürchtete  Nachteil  muss  indes  aufgrund  objektiver  Anhaltspunkte  wahrscheinlich  sein,  ohne  dass  eine  Fehleinschätzung  jedoch  völlig  auszuschliessen  wäre.  Die  Voraussetzungen  von  Art.  30  Abs.  2  Bst.  e  VwVG  sind  restriktiv  zu  handhaben  und  die  Behörde  darf  sich  nur  auf  diese  Bestimmung  berufen,  wenn  sie  unverzüglich  nach  Kenntnis  der  Gefahrensituation  verfügt  (vgl.  BGE  126  II  111  E.  6b/aa;  BERNHARD  WALDMANN/JÜRG  BICKEL,  in:  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.], 

B­5845/2010 Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/Basel/Genf  2009  [Praxiskommentar  VwVG],  N.  68  ff.  zu  Art.  30  VwVG;  MICHELE  ALBERTINI,  Der  verfassungsmässige  Anspruch  auf  rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern  2000, S. 309). Auf die vorgängige Anhörung darf nur gänzlich verzichtet  werden, wenn der besonderen Gefahrensituation nicht durch eine mildere  Massnahme  gleichermassen  Rechnung  getragen  werden  kann,  insbesondere  durch  Ansetzung  einer  kurzen  Vernehmlassungsfrist  von  wenigen Tagen. Falls  die  vorgängige  schriftliche Äusserungsmöglichkeit  wegen  zeitlicher  Dringlichkeit  ausser  Betracht  fällt,  ist  sodann  u.U.  geboten,  bei  einschneidenden  Eingriffen  die  Betroffenen  wenigstens  mündlich  anzuhören.  Schliesslich  fällt  auch  eine  zeitlich  befristete  vorsorgliche  Massnahme  in  Betracht  (WALDMANN/  BICKEL,  Praxiskommentar VwVG, a.a.O., N. 76 zu Art. 30 VwVG).  3.3.  Im vorliegenden Fall sind diese Voraussetzungen für einen Verzicht  auf  eine  vorgängige  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  offensichtlich  nicht gegeben. Nachdem unbestrittenermassen seit Jahren von diversen  Veranstaltern  Pokerturniere  durchgeführt  wurden,  ist  nicht  nachvollziehbar,  warum  die  Notwendigkeit  des  vom  Bundesgericht  geforderten  Rückbaus  dieser  illegalen  Strukturen  eine  derart  akute  Gefahrensituation  darstellen  sollte,  dass  jede  noch  so  kurze  Vernehmlassungsfrist  ausgeschlossen  gewesen  wäre.  Richtig  ist  zwar,  dass  die  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  gegenüber  allen  183  Adressaten  einen  erheblichen  Arbeitsaufwand  für  die  Vorinstanz  verursacht  hätte,  beinhaltet  das  rechtliche Gehör  doch  eine  individuelle  Prüfung  jeder Stellungnahme und entsprechende Berücksichtigung beim  anschliessenden Entscheid und dessen Begründung. Insofern wäre es für  die Vorinstanz  offensichtlich  sehr  schwierig  gewesen,  gegenüber  jedem  einzelnen  dieser  Adressaten  das  rechtliche  Gehör  zu  gewähren  und  dennoch innert kurzer Zeit zu verfügen.  Derartige praktische Durchführungsprobleme sind indessen grundsätzlich  nicht geeignet, eine akute Gefahrensituation im Sinne von Art. 30 Abs. 2  Bst. e VwVG zu begründen. Der Begründung der Vorinstanz, warum sie  auf  eine  vorgängige  Anhörung  des  Beschwerdeführers  verzichtet  hat,  kann daher nicht gefolgt werden.   3.4.  Die  Rüge  des  Beschwerdeführers,  er  habe  vor  Erlass  der  angefochtenen Verfügung keinerlei Gelegenheit erhalten, seine Sicht der 

B­5845/2010 Dinge darzulegen oder am Beweisverfahren mitzuwirken, ist indessen nur  teilweise begründet.  Zu  berücksichtigen  ist  nämlich,  dass  es  sich  um  einen  Widerruf  lite  pendente,  d.h. während eines hängigen Beschwerdeverfahrens handelt.  Das  Verfahren,  das  letztlich  zur  angefochtenen  Widerrufsverfügung  führte,  wurde  am  3.  Dezember  2007  durch  ein  Gesuch  des  Beschwerdeführers  eingeleitet,  in  dem  er  die  Vorinstanz  um  die  Feststellung  ersuchte,  dass  die  von  ihm  veranstalteten  Pokerturniere  keine Glücksspiele  im Sinne  von Art.  3 Abs.  1 SBG darstellten. Die  für  den Entscheid über dieses Gesuch und damit auch für den Widerruf der  ersten Qualifikationsverfügung relevanten Sach­ und Rechtsfragen haben  sich  im  Verlauf  des  Verfahrens  nicht  geändert.  Es  trifft  somit  nicht  zu,  dass der Beschwerdeführer bisher keine Gelegenheit gehabt hätte, seine  Sicht  der  Dinge  darzulegen  oder  am  Beweisverfahren  mitzuwirken.  Vielmehr  hätte  er  bereits  mit  seinem  Gesuch  seine  Argumente  in  das  Verfahren  einbringen  und  Beweismittel  einreichen  können.  Lediglich  zu  den Vorbringen in der Beschwerde im Verfahren B­3995/2008 sowie zum  Urteil des Bundesgerichts vom 20. Mai 2010 konnte er vor dem Widerruf  der Qualifikationsverfügung noch keine Stellung nehmen.  3.5.  Zu  prüfen  ist  in  daher  in  der  Folge,  ob  diese  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  im  Beschwerdeverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht geheilt werden kann.  3.5.1.  Nach  der  Rechtsprechung  kann  eine  nicht  besonders  schwerwiegende  Verletzung  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  ausnahmsweise  geheilt  werden,  wenn  die  betroffene  Person  die  Möglichkeit  erhält,  sich  vor  einer  Beschwerdeinstanz  zu  äussern,  die  sowohl  den  Sachverhalt  wie  die  Rechtslage  frei  überprüfen  kann  (BGE  133 I 201 E. 2.2 m.H.).  In der Lehre wird zwar teilweise die Auffassung vertreten, Heilungen von  Gehörsverletzungen  seien  grundsätzlich  abzulehnen  bzw.  wesentlich  zurückhaltender  zuzulassen,  als  dies  in  der  Praxis  effektiv  geschieht.  Begründet wird diese Auffassung einerseits damit, dass der Instanzenzug  dadurch  verkürzt  werde  und  der  Betroffene  sich  gegenüber  einem  negativen Entscheid  einer Behörde  durchsetzen müsse. Vor  allem aber  mache  ihn  die  Behörde  durch  die  Gehörsverweigerung  zum  Verfahrensobjekt,  statt  ihn  als  Partner  zu  behandeln.  Dies  könne  nicht  geheilt  werden,  sondern  müsse  sanktioniert  werden  (vgl.  ULRICH  http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201

B­5845/2010 HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2010, Rz. 1711, m.H.).  Diese Auffassung wird von der Praxis nicht geteilt,  jedenfalls dann nicht,  wenn  eine  Rückweisung  offensichtlich  nur  zu  einem  formalistischen  Leerlauf führen würde. Davon insbesondere dann auszugehen, wenn der  Beschwerdeführer  seinen  Standpunkt  im  Rechtsmittelverfahren  bereits  eingebracht  hat,  die  Vorinstanz  dazu  Stellung  genommen  und  ihre  Begründung ergänzt hat, der Beschwerdeführer  sich dazu seinerseits  in  einem zweiten Schriftenwechsel äussern konnte und die Vorinstanz auch  in  der Duplik  zum Ausdruck bringt,  dass  sie  in  der Sache nach wie  vor  gleich entscheiden würde. Bei einer solchen Konstellation hätte es wenig  Sinn,  die  Vorinstanz  zu  verpflichten,  einen  neuen  Entscheid  unter  Beachtung  des  rechtlichen Gehörs  des  Betroffenen  zu  fällen  (vgl.  BGE  100  Ib 1 E. 2, ALBERTINI,  a.a.O., S. 459). Nach der bundesgerichtlichen  Praxis  ist daher selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung von einer  Rückweisung der Sache an die Verwaltung abzusehen, wenn und soweit  die Rückweisung lediglich zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu  unnötigen  Verzögerungen  führen  würde,  die  mit  dem  (der  Anhörung  gleichgestellten)  Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen  Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 133 I 201 E. 2.2  m.H.). 3.5.2.  Massgebend  für  die  Zulässigkeit  einer  derartigen  Heilung  im  vorliegenden  Verfahren  ist,  dass  das  ursprüngliche  Verfahren,  das  die  Rechtmässigkeit  der  Qualifikationsverfügung  Nr.  (…)/01  vom  23.  April  2008  zum Gegenstand hatte, im Zeitpunkt des Widerrufs bereits vor dem  Bundesverwaltungsgericht  hängig  war.  Hätte  die  Vorinstanz  ihre  Qualifikationsverfügung  nicht  widerrufen,  so  hätte  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Verfahren  B­3995/2008  den  heutigen  Beschwerdeführer  und  damaligen  Beschwerdegegner  zur  Beschwerdeantwort  und die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen  und  dann  über  diese  Frage  geurteilt.  Durch  den  Erlass  der  Widerrufsverfügung  wurde  der  Beschwerdeführer  zwar  neu  in  die  Beschwerdeführerrolle  gedrängt;  an  der  Instanz,  vor  der  er  seine  Argumente  vorbringen  kann,  und  an  deren  Kognition  änderte  sich  indessen nichts.  Die  Beschwerdeschrift  im  Verfahren  B­3995/2008  wurde  dem  Beschwerdeführer  bereits  in  jenem  ersten  Verfahren  zur  Kenntnis  zugestellt und das Urteil des Bundesgerichts ist publiziert (vgl. BGE 136 II  http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=verletzung+geh%F6r+ausnahmsweise+kognition&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-I-201%3Ade&number_of_ranks=0#page201

B­5845/2010 291).  Anlässlich  seiner  Beschwerde  und  seiner  Replik  im  vorliegenden  Verfahren  hatte  der  Beschwerdeführer  daher  Gelegenheit,  dazu  sowie  zur  Begründung  des  Widerrufs  Stellung  zu  nehmen  und  eigene  Beweismittel einzureichen.  3.5.3.  Die  geltend  gemachte  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  kann  daher  ohne  Weiteres  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht geheilt werden.  4.  In  formeller  Hinsicht  rügt  der  Beschwerdeführer  weiter  einen  Verstoss  gegen  die  Begründungspflicht.  Die  Vorinstanz  habe  nicht  begründet,  weshalb  sie  auf  neue  Testreihen  verzichte,  obwohl  das  Bundesgericht  nicht  ausgeschlossen  habe,  dass  Pokerturniere  als  Geschicklichkeitsspiele  qualifiziert  werden  könnten.  Zudem  sei  in  der  angefochtenen Verfügung keine eigentliche Interessenabwägung erfolgt.  Die Vorinstanz bestreitet,  ihre Begründungspflicht verletzt zu haben. Sie  habe keinen nennenswerten Entscheidungsspielraum gehabt. Ausserdem  habe  es  sich  um  ein Massenverfahren  gehandelt.  Aus  diesen Gründen  habe die Begründung kurz ausfallen dürfen. Die angefochtene Verfügung  enthalte  zudem  die  entscheidwesentlichen  Überlegungen,  welche  sie  bewogen habe, sämtliche Qualifikationsverfügungen zu widerrufen.  4.1.  Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs folgt die grundsätzliche  Pflicht  der  Behörden,  ihren  Entscheid  zu  begründen  (Art.  35  Abs.  1  VwVG).  An  die  Begründung  werden  höhere  Anforderungen  gestellt,  je  weiter  der  den  Behörden  durch  die  anwendbaren  Normen  eröffnete  Entscheidungsspielraum und je komplexer die Sach­ und Rechtslage ist.  Weiter  ist die verfassungsmässige Begründungsdichte abhängig von der  Eingriffsintensität  des  Entscheides.  Je  stärker  ein  Entscheid  in  die  individuellen  Rechte  eingreift,  desto  höhere  Anforderungen  sind  an  die  Begründung  eines  Entscheides  zu  stellen.  Grundsätzlich  muss  die  Behörde nach der Praxis  des Bundesgerichts  nur  jene Gründe nennen,  die für ihren Entscheid von tragender Bedeutung sind (vgl. BGE 134 I 83  E. 4.1 m.w.H.; JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHEFER, Grundrechte  in der  Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 888). Die Behörde  ist nicht verpflichtet,  sich zu allen Rechtsvorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr genügt  es,  wenn  ersichtlich  ist,  von  welchen  Überlegungen  sich  die  Behörde  leiten  liess.  Die  Begründung  einer  Verfügung  entspricht  den  Anforderungen  nach  Art.  29  Abs.  2  BV  und  Art.  35  VwVG,  wenn  die 

B­5845/2010 Betroffenen  dadurch  in  die  Lage  versetzt  werden,  die  Tragweite  der  Entscheidung zu beurteilen und sie  in  voller Kenntnis der Umstände an  eine höhere Instanz weiterzuziehen (vgl. BGE 135 III 513 E. 3.6.5 m. H.;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1705 f.).  4.2.  Im  vorliegenden  Fall  sind  diese  Voraussetzungen  erfüllt.  Die  Vorinstanz  legte  in  ihrer Begründung dar, dass und warum sie aufgrund  des  Urteils  des  Bundesgerichts  vom  20.  Mai  2010  ihre  Qualifikationsverfügung  in  Wiedererwägung  gezogen  hat.  Dieses  Bundesgerichtsurteil  ist  publiziert  (BGE 136  II  291).  Eine  allfällige  Verletzung der Begründungspflicht ist daher nicht ersichtlich.  Ob  die  Vorinstanz  vor  einer  allfälligen  Wiedererwägung  ihrer  Qualifikationsverfügungen  neue  Testreihen  durchführen  und  eine  eigentliche  Abwägung  der  in  Frage  stehenden  öffentlichen  Interessen  gegen die  privaten  Interessen des Beschwerdeführers  hätte  vornehmen  sollen,  sind Fragen,  die  nicht  die Begründungspflicht  betreffen,  sondern  im Kontext der materiellen Prüfung zu beantworten sein werden.  5.  Der  Beschwerdeführer  rügt  weiter  eine  unzulässige  Anwendung  von  Art. 58  VwVG.  Die  Vorinstanz  habe  sich  zum  strittigen  Sachverhalt  bereits  verbindlich  im Musterverfahren  (BGE 136  II  291)  geäussert. Die  Vernehmlassung  im  Musterfall  sei  ihr  im  vorliegenden  Verfahren  "anzurechnen".  5.1. Nach  dem Prinzip  des Devolutiveffekts  geht  die  Zuständigkeit  zum  Entscheid  über  eine  angefochtene  Verfügung  grundsätzlich  an  die  Beschwerdeinstanz  über; mit  der Rechtshängigkeit  wird  der  Verwaltung  mit  andern  Worten  die  Herrschaft  über  den  Streitgegenstand,  insbesondere  auch  in  Bezug  auf  die  tatsächlichen  Verfügungs­  und  Entscheidungsgrundlagen,  grundsätzlich  entzogen.  Mit  der  Einreichung  der  Beschwerde  geht  die  Behandlung  der  Sache,  die  Gegenstand  der  angefochtenen  Verfügung  bildet,  grundsätzlich  auf  das  Bundesverwaltungsgericht  als  funktionell  übergeordnete  Rechtsmittelinstanz  über  (vgl.  Art.  54  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wird  damit  zuständig,  sich  mit  der  Angelegenheit  zu  befassen,  und  die  Vorinstanz  verliert  die  Herrschaft  über  den  Streitgegenstand  (Prinzip  des  Devolutiveffekts).  Der  Devolutiveffekt  erleidet  indessen  durch  Art.  58  Abs.  1  VwVG  einen  teilweisen Aufschub: Diese Bestimmung sieht ausdrücklich vor, dass die 

B­5845/2010 Vorinstanz  bis  zu  ihrer Vernehmlassung  die  angefochtene Verfügung  in  Wiedererwägung ziehen kann.  Der  Zweck  von  Art.  58  VwVG  ist  ein  prozessökonomischer:  Mit  dieser  Bestimmung soll der Behörde erlaubt werden, eine erkannte Fehlleistung  durch eine neue Verfügung zu beheben, bevor die Beschwerdebehörde  entsprechend  entscheidet  (vgl.  PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  3.  Aufl.,  Bern  2009, § 31 N. 22 f). In der Praxis werden Wiedererwägungen daher auch  nach der Vernehmlassung noch zugelassen, wobei die genaue zeitliche  Grenze  möglicherweise  nicht  ganz  einheitlich  gehandhabt  wird  (vgl.  AUGUST MÄCHLER,  in:  Kommentar  VwVG,  a.a.O.,  Art.  58,  N.  12;  FRITZ  GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege,  2. Aufl.,  Bern  1983,  S. 189;  ANDREA PFLEIDERER, in: Praxiskommentar VwVG, a.a.O., N. 36 zu Art. 58  VwVG).  Nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  ist  eine  Wiedererwägung  durch  die  Vorinstanz  nach  Abschluss  des  Schriftenwechsels  nichtig  (vgl.  BGE  130  V  138  E.  4.2).  Das  Bundesverwaltungsgericht  erachtet  Wiederwägungen  nach  der  ersten  Vernehmlassung, aber noch  innerhalb eines weiteren Schriftenwechsels  daher  als  zulässig  (vgl.  Abschreibungsverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­4718/2010  vom  27.  Oktober  2010;  vgl.  auch PFLEIDERER,  in:  Praxiskommentar  VwVG,  a.a.O.,  N.  24  zu Art.  58  VwVG).  Auf  diese  allenfalls  unterschiedlichen  Nuancen  in  Lehre  und  Rechtsprechung  braucht  indessen  im  vorliegenden  Fall  nicht  näher  eingegangen zu werden, denn sie betreffen  lediglich die Frage, ob bzw.  bis  wie  lange  nach  der  ersten  Vernehmlassung  eine  Vorinstanz  ihre  Verfügung  lite  pendente  in  Wiedererwägung  ziehen  kann.  Dass  die  Vorinstanz  aber  jedenfalls  bis  zum  Einreichen  ihrer  ersten  Vernehmlassung  ihre  Verfügung  zu Gunsten  des  Beschwerdeführers  in  Wiedererwägung ziehen kann, ergibt sich aus dem eindeutigen Wortlaut  von Art. 58 Abs. 1 VwVG und ist in Lehre und Praxis völlig unumstritten. 5.2. Es ist nicht ersichtlich, warum der Umstand, dass die Vorinstanz  im  Parallelverfahren  B­517/2008  eine  Vernehmlassung  eingereicht  hatte,  einen Einfluss auf den Devolutiveffekt  im vorliegenden Verfahren haben  und diesen – in Abweichung vom  Art. 58 Abs. 1 VwVG – früher eintreten  lassen sollte. Die Argumentation des Beschwerdeführers, die Vorinstanz  habe sich zum strittigen Sachverhalt bereits verbindlich im Pilotverfahren  B­517/2008  geäussert,  weshalb  ihr  die  Vernehmlassung  in  jenem  Verfahren "anzurechnen" sei, ist daher unbehelflich.

B­5845/2010 6.  In  materieller  Hinsicht  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  die  Vorinstanz  habe  das  von  ihm  durchgeführte  Turnierformat  in  ihrer  Widerrufsverfügung zu Unrecht als Glücksspiel qualifiziert. Sie habe den  Sachverhalt  diesbezüglich  nur  ungenügend  festgestellt.  Das  Bundesgericht  habe  seinen  Entscheid  im  Pilotverfahren  explizit  damit  begründet,  dass  die  anhand  der  Rechtsprechung  zum  Glücksspielautomaten  entwickelten  Hypothesen  und  Testreihen  nicht  aussagekräftig  seien.  Daher  hätte  die  Vorinstanz  abklären  müssen,  ob  neue  wissenschaftliche  Methoden  oder  Testreihen  bekannt  seien,  die  Aufschluss darüber geben, ob Pokerturniere mit der Bezeichnung "Texas  Hold'em  No­Limit  (Freeze  Out)"  Geschicklichkeits­  oder  Glücksspiele  seien.  Auf  jeden  Fall  sei  abzuklären,  ob  es  sich  bei  der  vom  Beschwerdeführer geltend gemachten Turnierform um dieselbe Variante  handle, wie sie das Bundesgericht als Glücksspiel eingestuft habe.  Die Vorinstanz wendet ein, die vom Beschwerdeführer ins Recht gelegten  Beilagen  und  beantragten  Beweiserhebungen  würden  keine  Änderung  des  Qualifikationsentscheids  herbeiführen.  Selbst  wenn  sie  weitere  Testserien durchführen würde, sich auf fremde Testreihen abstützen oder  neue Studien vorlegen würde, ändere dies nichts am Umstand, dass sich  diese  Pokerturniere  zum  Glücksspiel  eigneten  bzw.  leicht  zum  Glücksspiel verwenden liessen. Der Umstand, dass es das Bundesgericht  in  seinem  Entscheid  bewusst  unterlassen  habe,  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen,  sondern  die  Beschwerde  reformatorisch  gutgeheissen  habe,  belege,  dass  eine  Neubeurteilung durch die Vorinstanz nicht angezeigt sei.  6.1.  Als  Glücksspiele  im  Sinne  des  Spielbankengesetzes,  die  nur  in  konzessionierten  Spielbanken  angeboten  werden  dürfen,  gelten  Spiele,  "bei  denen  gegen  Leistungen  eines Einsatzes  ein Geldgewinn  oder  ein  anderer geldwerter Vorteil  in Aussicht steht, der ganz oder überwiegend  vom Zufall abhängt" (Art. 3 Abs. 1 SBG). 6.2. Gemäss Art. 12 VwVG hat die Behörde den Sachverhalt von Amtes  wegen  festzustellen.  Sie  muss  die  für  das  Verfahren  notwendigen  Sachverhaltsunterlagen  beschaffen  und  die  rechtlich  relevanten  Umstände  abklären.  Dieses  Untersuchungsprinzip  wird  allerdings  durch  die Mitwirkungspflicht der Parteien relativiert  (Art. 13 Abs. 1 VwVG). Die  Parteien  sind  gehalten,  sich  an  der  Feststellung  des  Sachverhalts  zu 

B­5845/2010 beteiligen,  wenn  sie  das  Verfahren,  wie  vorliegend,  durch  eigenes  Begehren eingeleitet haben (Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG).  6.3.  In  seinem Urteil  BGE 136  II  291  führte  das Bundesgericht  aus,  die  Abgrenzungskriterien,  auf  die  sich  die  ESBK  und  das  Bundesverwaltungsgericht  gestützt  hätten,  entsprächen  zwar  der  bundesgerichtlichen Praxis zu den automatisierten Spielen, eigneten sich  indessen  nur  beschränkt  für  die  Abgrenzung  von  Tischspielen.  Die  Testserien  der  ESBK  wiesen  daher  nur  darauf  hin,  dass  bei  "Texas  Hold'em Freeze Out"­Pokerturnieren nicht ausschliesslich Glück im Spiel  sei,  sondern  auch  der  Eignung  und  Fähigkeit  sowie  der  Erfahrung  der  einzelnen  Spieler  eine  gewisse  Bedeutung  zukomme.  Sie  vermöchten  jedoch  nicht  zu  belegen,  dass  diese  Umstände  das  Zufallselement  überwögen.  Der  Gesetzgeber  sei  vom  klassischen  Verständnis  ausgegangen, dass Pokerspiele Glückspiele seien, als er den Bundesrat  beauftragte,  bei  der  Bestimmung  der  in  den  Casinos  zulässigen  Glücksspiele,  die  diesbezüglich  "international  gebräuchlichen  Angebote  zu berücksichtigen". Dies schliesse für gewisse Spielformen eine andere  Einschätzung durch die ESBK zwar nicht zwingend aus, doch müsse sich  diese auf eine sichere Datenbasis stützen können, die es nahelege, dass  mit  dem  entsprechenden  Qualifikationsentscheid  die  vom  Gesetzgeber  mit der Spielbankenregelung bezweckten Ziele nicht oder zumindest nicht  grundlegend  in Frage gestellt würden. Nur soweit diese nicht oder nicht  wesentlich  gefährdet  erscheinen,  so  dass  die  subsidiären  kantonalen  Polizeikompetenzen  zum  Schutz  der  öffentlichen  Interessen  genügten,  könne  –  in  Abweichung  von  einer  historischen  bzw.  teleologisch­ systematischen  –  eine  den  neuen  Umständen  angepasste  geltungszeitliche  Auslegung  der  massgebenden  Gesetzesbestimmung  überhaupt  in  Betracht  fallen.  Die  Spielbankenregelung  bezwecke,  das  Glücksspiel  um  Geld  im  Rahmen  der  Bundeskompetenz  insgesamt  zu  erfassen  und  auf  die  konzessionierten  Spielbanken  zu  konzentrieren.  Damit  solle  ein  sicherer,  überwachter  Spielbetrieb  gewährleistet,  die  organisierte  Kriminalität  und  die  Geldwäscherei  im  Umfeld  von  Geldspielen  verhindert  und  sozial  schädlichen  Auswirkungen  des  Spielbetriebs nach Möglichkeit  vorgebeugt werden. Mit  der Übertragung  der  Kompetenzen  einer  bestimmten  Form  von  Poker  auf  die  Kantone  würden diese Vorgaben praktisch vereitelt und die Kantone verpflichtet, in  Abweichung  vom  Spielbankengesetz  eigene  fachkundige  Bewilligungs­  und Überwachungsstrukturen  aufzubauen  oder  das  öffentliche Anbieten  entsprechender Geldturniere ausserhalb von Casinos ganz zu verbieten.  Die  angestrebte  Vereinheitlichung  und  Bereinigung  der 

B­5845/2010 Glücksspiellandschaft auf Ebene des Bundes würde dadurch zugunsten  der  kantonalen  Regelungen  rückgängig  gemacht.  Die  von  der  ESBK  vorgenommene Öffnung sei mit diesem Ziel unvereinbar. Die Einstufung  von  gewissen  Pokerformen  als  Geschicklichkeitsspiel  ohne  klare  wissenschaftliche Grundlage bzw. ohne einen (neuen) gesetzgeberischen  Entscheid führe zu einer unkontrollierten Öffnung des Marktes für private  Anbieter  von  öffentlichen  Geldspielen  und  zu  einer  Zunahme  der  Spielanreize  ausserhalb  des  kontrollierten  und  bundesrechtlich  regulierten Rahmens. Zwar lasse sich die Frage, wann der Gewinn ganz  oder überwiegend vom Zufall und wann er  in hinreichendem Masse von  der  Geschicklichkeit  eines  Spielers  abhänge,  nicht  aufgrund  eines  einzigen  Kriteriums  entscheiden  und  die  Einschätzung müsse  auf  einer  Gesamtwürdigung  beruhen.  Die  ESBK  und  das  Bundesverwaltungsgericht hätten diesbezüglich zwar zahlreiche Aspekte  geprüft,  indessen gerade das gesetzlich vorgegebene Hauptkriterium zu  wenig gewichtet, nämlich ob sich das Spiel  zum Glücksspiel eigne oder  leicht  zum  Glücksspiel  verwenden  lasse.  Dies  sei  aber  im  Lichte  der  Schutzzwecke des Spielbankengesetzes beim öffentlichen Anbieten von  "Texas Hold'em"­Turnieren der Fall, auch wenn bei der Turnierform ohne  "Rebuy" der Geschicklichkeit eine grössere Bedeutung zukommen möge  als  bei  den  "Cash  Games".  In  der  Literatur  werde  angenommen,  dass  Poker  auch  in  der  Turnierform  als  ein  Glücksspiel  mit  Geschicklichkeitsanteilen  anzusehen  sei.  Die  verfügbaren  Befunde  wiesen zudem darauf hin, dass vom Pokerspiel grundsätzlich erhebliche  Suchtgefahren  ausgingen.  Auch wenn  das  Suchtpotential  von  öffentlich  zugänglichen Pokerturnieren mit Einsatz­ und Gewinnbeschränkungen für  sich  genommen  als  gering  eingestuft  werden  könne,  führe  es  doch  gewisse  Zielgruppen  unter  dem  Deckmantel  eines  harmlosen  Freizeitvergnügens an das (unkontrollierte) Pokerspiel heran, weshalb die  Erkenntnisse  für die Notwendigkeit einer  transparenten Regulierung des  Pokermarktes sprächen (vgl. BGE 136 II 291 E. 5.2 – 5.3).  6.4. Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe nicht geprüft, ob es  sich bei seinem Turnierformat um dieselbe Variante handle wie diejenige,  die  das  Bundesgericht  als  Glücksspiel  eingestuft  habe.  Er  rügt  auch  diesbezüglich eine unvollständige Sachverhaltsabklärung. Warum  weitere  Sachverhaltsabklärungen  notwendig  sein  sollten  bezüglich der Frage, ob es sich bei der Turnierform, die Gegenstand des  Gesuchs  des  Beschwerdeführers  ist,  um  dieselbe  Variante  handle  wie  diejenige  im  Pilotverfahren,  die  das  Bundesgericht  als  Glücksspiel 

B­5845/2010 eingestuft  hat,  ist  unerfindlich,  denn  die  relevanten  Eckdaten  beider  Turniere  wurden  durch  die  Vorinstanz  bereits  anlässlich  der  ursprünglichen Qualifikationsverfügungen abgeklärt.  Die  verschiedenen  Turniere  unterscheiden  sich  zwar  in  einzelnen  Punkten.  Aus  dem  Urteil  des  Bundesgerichts  geht  indessen  unmissverständlich  hervor,  dass  die  konkreten  Details  des  von  der  Vorinstanz  bewilligten  Spielrahmens  für  den  Entscheid  nicht  relevant  waren,  weil  die  genaue  Einhaltung  dieser  Auflagen  oder  Bedingungen  ausserhalb der Casinos ohnehin nicht sinnvoll kontrolliert werden können.  Bereits  anlässlich  des  ersten  Abschreibungsentscheids  vertrat  das  Bundesverwaltungsgericht denn auch die Auffassung, das Bundesgericht  habe  in  seinem  Urteil  BGE  136  II  291  in  genereller  Weise  die  Frage  untersucht,  ob  es  sich  bei  Pokerturnieren  des  Formats  "Texas Hold'em  Freeze  Out"  um  Glücks­  oder  Geschicklichkeitsspiele  handele.  Dieses  Urteil  habe  daher  nicht  nur  Auswirkungen  auf  die  darin  behandelte  Qualifikationsverfügung,  sondern  auf  alle  gleichgelagerten  Verfügungen  (vgl.  den  Abschreibungsentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­ 1770/2008 vom 25. Januar 2011, S. 4).  Was  die  Vorinstanz  daher  in  Bezug  auf  den  Vergleich  zwischen  der  Turnierform,  die  Gegenstand  des  Pilotverfahrens  war,  und  der  Turnierform,  die  Gegenstand  des  vorliegenden  Verfahrens  ist,  weiter  hätte abklären müssen, hat der Beschwerdeführer nicht substantiiert und  ist auch nicht ersichtlich. 6.5. Der Beschwerdeführer beantragt, die Vorinstanz habe verschiedene  Anfragen  zu  tätigen  und  verschiedene  Expertisen  einzuholen.  Diese  Beweisanträge  stellt  er  indessen  erstmals  im  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht.  Der  Vorwurf,  sie  habe  den  Sachverhalt  unvollständig  abgeklärt,  könnte  der  Vorinstanz  daher  nur  gemacht  werden, wenn es sich um Beweise handeln würde, die sie aufgrund des  Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen hätte erheben müssen. Der  Beschwerdeführer  weist  zwar  zutreffend  darauf  hin,  dass  das  Bundesgericht in seinem Urteil BGE 136 II 291 nicht ausgeschlossen hat,  dass  Poker­Turnieren  allenfalls  dann  als  Geschicklichkeitsspiele  qualifiziert werden könnten, wenn entsprechende neue wissenschaftliche  Erkenntnisse  vorliegen  würden.  Das  Bundesgericht  erachtete  eine  derartige  Qualifikation  als  möglich,  sobald  eine  gesicherte  Datenbasis  vorhanden  sei,  die  annehmen  lasse,  dass  durch  eine  derartige 

B­5845/2010 Qualifikation  die  vom  Gesetzgeber  mit  der  bundesrechtlichen  Spielbankenregelung  bezweckten  Ziele  nicht  grundlegend  in  Frage  gestellt  würden.  Das  Bundesgericht  ging  indessen  offensichtlich  nicht  davon  aus,  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  sei  nicht  genügend  abgeklärt,  solange  zu  diesen  Fragen  keine  repräsentativen  Studien  durchgeführt  worden  seien,  denn  es  hat  in  jenem  Pilotverfahren  die  Sache nicht nur kassiert und zu weiteren Abklärungen an die Erstinstanz  zurückgewiesen, sondern direkt reformatorisch entschieden. Da,  wie  die  Vorinstanz  darlegt,  sämtliche  Qualifikationsverfügungen  Pokerturniere  der  Variante  "Texas  Hold'em"  betreffen  und  auf  den  gleichen  Entscheidungsgrundlagen  basierten,  ist  auch  im  vorliegenden  Fall von dieser Beurteilung auszugehen.  Vor diesem Hintergrund erweist sich die Rüge, die Vorinstanz habe den  Sachverhalt nur ungenügend ermittelt, als nicht begründet. 6.6.  Zum  Nachweis  seines  Standpunkts,  das  von  ihm  durchgeführte  Turnierformat sei nicht als Glücks­, sondern als Geschicklichkeitsspiel zu  qualifizieren,  hat  der  Beschwerdeführer  –  neben  einem  ausländischen  Urteil, verschiedenen Aufsätzen und einem Rechtsgutachten, denen kein  Beweischarakter  zukommt  –  auch  drei  wissenschaftliche  Studien  eingereicht.  Dabei  handelt  es  sich  um  statistische  Untersuchungen  zur  quantitativen Auswirkung von Geschicklichkeits­ und Zufallskomponenten  auf  die  Gewinnaussichten  bei  Pokerspielen  im  Allgemeinen  und  bei  "Texas Hold'em"­Turnieren im Besonderen.  6.6.1. Der Beschwerdeführer weist zwar zutreffend darauf hin, dass das  Bundesgericht in seinem Urteil BGE 136 II 291 nicht ausgeschlossen hat,  dass  Poker­Turnieren  allenfalls  dann  als  Geschicklichkeitsspiele  qualifiziert werden könnten, wenn entsprechende neue wissenschaftliche  Erkenntnisse  vorliegen würden. Wie  die  Vorinstanz  indessen  zutreffend  ausführt,  ist  aufgrund  der  dargelegten  höchstrichterlichen  Rechtsprechung davon auszugehen, dass wissenschaftliche Studien zur  Frage  der  quantitativen  Auswirkung  von  Geschicklichkeits­  und  Zufallskomponenten  auf  die  Gewinnaussichten  bei  "Texas  Hold'em"­ Turnieren  für  sich  allein  keine  genügende  Basis  für  eine  Qualifikation  dieser  Turniere  als  Geschicklichkeitsspiele  darstellen  können.  Nach  Meinung des Bundesgerichts stellt diese Frage nur eines unter mehreren  Kriterien dar, auf die für die Qualifikation abzustellen ist. Vor allem müsse  eine  gesicherte  Datenbasis  vorhanden  sein,  die  annehmen  lasse,  dass 

B­5845/2010 durch  die  Qualifikation  als  Geschicklichkeitsspiel  die  vom  Gesetzgeber  mit  der  bundesrechtlichen  Spielbankenregelung  bezweckten  Ziele  nicht  grundlegend in Frage gestellt würden.  Die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Studien  beziehen  sich  aber  ausschliesslich auf die Frage der Auswirkung von Geschicklichkeits­ und  Zufallskomponenten  auf  die  Gewinnaussichten.  Mit  der  Vorinstanz  ist  daher  davon  auszugehen,  dass  diese  Beweismittel  nicht  ausreichend  sind, um zu einem anderen Ergebnis zu führen.   6.6.2.  Im Übrigen erscheinen die Studien  auch  im Bezug auf  die Frage  der  Auswirkung  von Geschicklichkeits­  und  Zufallskomponenten  auf  die  Gewinnaussichten nicht als schlüssig:  Es  ist  unbestritten  und  wird  auch  vom  Bundesgericht  anerkannt,  dass  "Texas  Hold'em"  eine  Geschicklichkeitskomponente  aufweist  in  dem  Sinn,  dass  ein  Spieler  mit  Taktik,  mathematischen  Fähigkeiten,  einem  guten  Gedächtnis,  Konzentrationsfähigkeit,  Lernfähigkeit,  schauspielerischem Talent, psychologischem Geschick und einer klugen  Risikoeinschätzung  das  Spiel  in  einem  gewissen  Mass  zu  seinen  Gunsten beeinflussen kann (BGE 136 II 291 E. 5.2.1). Wenn sich bei der  statistischen  Auswertung  der  Ergebnisse  von  Pokerspielen  herausstellt,  dass bessere oder erfahrenere Spieler ein signifikant besseres Ergebnis  erzielen als  schlechtere bzw. unerfahrenere Spieler,  so beweist  dies an  sich  lediglich  das  Vorhandensein  einer  derartigen  Geschicklichkeitskomponente.  Darüber,  ob  diese  Geschicklichkeitskomponente  gegenüber  der  Zufallskomponente  überwiegt oder nicht, sagt diese statistische Feststellung aber noch nichts  aus. Einzig die Studie Hope/McCulloch versucht, den kausalen Einfluss dieser  Geschicklichkeitskomponenten mit  dem Einfluss  von Zufallsfaktoren wie  insbesondere  der Kartenverteilung  zu  vergleichen. Die Studie  kam  zum  Resultat,  dass  in  den  untersuchten  Internet­Pokerspielen  nur  in  einer  extrem  knappen  Mehrzahl  (aber  immerhin  in  der  Mehrzahl)  der  Showdowns der Spieler mit den besten Karten gewann (vgl. Studie PACO  HOPE/SEAN MCCULLOCH,  Statistical  Analysis  of  Texas Hold'Em,  4. März  2009, S. 12). Die Studie weist indessen zwei wesentliche Mängel auf: So  konnte  sie  aus  methodischen  Gründen  nur  die  Daten  derjenigen  Pokerhände  erfassen,  die  nach  vier  Setzrunden  in  einem  Showdown  endeten (24,3 %). Um für die relevante Frage repräsentativ zu sein, hätte 

B­5845/2010 aber das Ergebnis sämtlicher Hände berücksichtigt werden müssen, denn  auch  die  übrigen  Hände  sind  für  das  Ergebnis  eines  Turniers  relevant.  Hinzu kommt, dass  in der Studie das Setzverhalten der anderen Spieler  unter  die  Geschicklichkeitskomponenten  subsumiert  wird,  während  das  Bundesgericht  diesen  Faktor  als  nicht  selbst  kontrollierbar  und  daher  zufallsabhängig einstuft  (vgl. BGE 136 II 291 E. 5.2.1). Zwar kann diese  Einstufung wohl nicht absolut verstanden werden, gehört es doch gerade  zu  den  typischen  Charakteristika  des  Pokerspiels,  das  jeder  Spieler  versucht,  das Setzverhalten  seiner Mitspieler  subtil  zu beeinflussen. Mit  dem  Bundesgericht  ist  aber  jedenfalls  davon  auszugehen,  dass  die  diesbezüglichen Einflussmöglichkeiten begrenzt sind und daher jedenfalls  nicht ausschliesslich unter die Geschicklichkeitskomponenten subsumiert  werden dürfen.  Auch  diese  Studie  ist  somit  nicht  geeignet,  einen  klaren  Nachweis  zu  erbringen,  dass  die  Geschicklichkeitskomponente  gegenüber  der  Zufallskomponente überwiegt.   6.7.  Die  Rüge  des  Beschwerdeführers,  die  Vorinstanz  habe  den  Sachverhalt  ungenügend  abgeklärt  und  das  von  ihm  durchgeführte  Turnierformat  zu  Unrecht  als  Glücksspiel  im  Sinn  von  Art.  3  SBG  qualifiziert,  erweist  sich  daher  als  nicht  begründet.  Vielmehr  ist  die  Vorinstanz  zu  Recht  davon  ausgegangen,  dass  die  Qualifikationsverfügung vom 23. April 2008 materiell unrichtig sei. 7.  Der Beschwerdeführer rügt weiter eine Verletzung seines Anspruchs auf  Vertrauensschutz. Die Vorinstanz habe versäumt abzuklären, in welchem  Umfang  er  Pokerturniere  durchführe  und  welche  finanziellen  Dispositionen er getroffen habe. Angesichts der finanziellen Investitionen  und der zur Diskussion stehenden Arbeitsplätze überwiege sein privates  Interesse  an  der  Rechtssicherheit  bzw.  dem  Vertrauensschutz.  Die  Qualifikationsverfügungen  stellten  Allgemeinverfügungen  dar,  welche  in  verschiedenen Parallelverfahren  rechtskräftig  geworden  seien. Aufgrund  der Rechtsgleichheit  sowie der Rechtssicherheit  sei  ihm daher gestattet  gewesen, wie seine Marktkonkurrenten Pokerturniere durchzuführen. Der  Widerruf  verletzte  die  in  der  Verfassung  garantierte  Wirtschaftsfreiheit,  denn sie untersage ihm per sofort, seiner Erwerbstätigkeit nachzugehen.  Eine derart  drastische Massnahme  liege nicht  im öffentlichen  Interesse,  da Arbeitsplätze und Steuersubstrat vernichtet und Sozialkassen belastet  würden.  Der  Widerruf  sämtlicher  Qualifikationsverfügungen  per  sofort 

B­5845/2010 verletzte  auch  das  Verhältnismässigkeitsprinzip.  Bereits  aus  dem  Vertrauensgrundsatz ergebe sich, dass  im Minimum eine Übergangsfrist  hätte  erteilt  werden müssen.  Diese  Übergangsfrist  könnte mit  Auflagen  verbunden werden  (z. B. Limitierung der Startgebühren, Anpassung der  Preisgeldstruktur,  Höhe  der  Blinds).  Eventualiter  sei  ihm  als  milderes  Mittel  eine  angemessene  Übergangsregelung  von  sechs  Monaten  zuzugestehen, um seinen Spielbetrieb umzustellen oder zu schliessen.  Die  Vorinstanz  stellt  sich  auf  den  Standpunkt,  sie  sei  nicht  verpflichtet  gewesen abzuklären, in welchem Ausmass der Beschwerdeführer in den  vergangenen zwei Jahren Pokerturniere durchgeführt habe. Selbst wenn  eine  Vertrauensgrundlage  und  gestützt  darauf  getätigte,  nicht  ohne  Nachteil  rückgängig zu machende Dispositionen des Beschwerdeführers  bejaht  würden,  könne  sich  der  Beschwerdeführer  nicht  auf  den  Vertrauensschutz  berufen,  da  vorliegend  überwiegende  öffentliche  Interessen entgegen stünden. Diese bestünden in der Beseitigung der im  Zusammenhang  mit  dem  Bundesgerichtsurteil  entstandenen  Rechtsunsicherheit.  Das  objektive  Recht  solle  rasch  durchgesetzt  werden. Die verfolgten öffentlichen Interessen überwögen den Anspruch  des  Beschwerdeführers  in  den  Schutz  seines  Vertrauens  in  die  blosse  Feststellung,  dass  es  sich  bei  den  geprüften  Turnierformaten  um  Geschicklichkeitsspiele  handle.  Der  sofortige  Widerruf  aller  Qualifikationsverfügungen  sei  erforderlich  gewesen,  nachdem  das  Bundesgericht  die  fraglichen  Pokerturniere  generell  als  Glücksspiele  beurteilt  habe.  Die  Organisation  von  Glücksspielen  stelle  eine  Widerhandlung  gegen  das  Spielbankengesetz  dar.  Aus  strafrechtlicher  Sicht  bestehe  kein Spielraum  für  das Aussetzen  der  Strafverfolgung  im  Rahmen einer Übergangsfrist. Überdies habe auch das Bundesgericht in  seinem Urteil  keine Übergangsfrist  statuiert,  sondern  festgehalten,  dass  die öffentlichen Spielstrukturen rückgängig gemacht werden müssten. 7.1. Nach  Lehre  und  Rechtsprechung  kann  eine  formell  rechtskräftige,  aber  materiell  unrichtige  Verfügung  nur  unter  bestimmten  Voraussetzungen zurückgenommen werden. Danach sind das  Interesse  an  der  richtigen  Durchführung  des  objektiven  Rechts  und  dasjenige  an  der  Wahrung  der  Rechtssicherheit  gegeneinander  abzuwägen.  In  der  Regel  geht  das  Postulat  der  Rechtssicherheit  dem  Interesse  an  der  Durchsetzung  des  objektiven  Rechts  vor  und  ist  ein  Widerruf  nicht  zulässig,  wenn  durch  die  Verwaltungsverfügung  ein  subjektives  Recht  begründet worden oder die Verfügung in einem Verfahren ergangen ist, in  dem  die  sich  gegenüberstehenden  Interessen  allseitig  zu  prüfen  und 

B­5845/2010 gegeneinander abzuwägen waren, oder wenn der Private von einer  ihm  durch  die  Verfügung  eingeräumten Befugnis  bereits Gebrauch  gemacht  hat. Diese Regel gilt  allerdings nicht absolut; auch  in diesen drei Fällen  kann  ein  Widerruf  in  Frage  kommen,  wenn  er  durch  ein  besonders  gewichtiges  öffentliches  Interesse  geboten  ist.  Einzubeziehen  sind  alle  Aspekte  des  Einzelfalls.  Für  den  Ausgang  der  Güterabwägung  kann  insbesondere  eine  Rolle  spielen,  wie  lange  ein  gesetzwidriger  Zustand  schon dauert oder noch andauern würde (vgl. BGE 134 V 257 E. 2.2 mit  Hinweisen;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  994,  997  f.,  TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 31 Rz. 21).  7.2.  Diese  Grundsätze  gelten  in  erster  Linie  für  den  Widerruf  von  Gestaltungs­ oder Leistungsverfügungen. Ob bzw.  inwieweit  sie auch  in  Bezug  auf  den  Widerruf  einer  Feststellungsverfügung  zur  Anwendung  kommen,  ist  zuerst  aufgrund  der  spezifischen  Eigenschaften  einer  Feststellungsverfügung zu untersuchen:  Art.  25  Abs.  3  VwVG  bestimmt,  dass  keiner  Partei  daraus  Nachteile  erwachsen  dürfen,  dass  sie  im  berechtigten  Vertrauen  auf  eine  Feststellungsverfügung  gehandelt  hat.  Eine  Feststellungsverfügung  ist  somit eine qualifizierte Vertrauensgrundlage, die besonders geeignet  ist,  Vertrauen  zu  begründen.  Art.  25  Abs.  3  VwVG  verweist  insofern  im  wesentlichen  auf  die  Rechtsprechung  zum  Vertrauensschutz,  die  sich  ihrerseits  auf  Art.  5  Abs.  3  und  9  BV  abstützt  (ANDREAS  KLEY,  Die  Feststellungsverfügung,  in:  Ehrenzeller/Mastronardi/Schaffhauser/Schweizer/Vallender  [Hrsg.],  Der  Verfassungsstaat  vor  neuen  Herausforderungen,  Festschrift  für  Yvo  Hangartner, St. Gallen/Lachen 1998, S. 244 f., BEATRICE WEBER­DÜRLER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  a.a.O.,  N.  28  f.  zu  Art.  25  VwVG,  ISABELLE  HÄNER,  in:  Praxiskommentar  VwVG,  a.a.O.,  N.  23  zu  Art.  25  VwVG). Die Feststellung, ein bestimmtes Rechtsgeschäft unterliege nicht  der  Bewilligungspflicht,  stellt  daher  –  formell  gesehen  –  zwar  keine  Bewilligung  dar.  Sie  kann  aber  insoweit  eine  geschützte  Vertrauensposition  schaffen,  als  sie  die  Behörden  in  nachfolgenden  Verfahren  bindet,  sobald  und  soweit  die  Feststellungsverfügung  in  Rechtskraft  erwachsen  ist,  und  die  Partei,  die  insofern  im  berechtigten  Vertrauen auf  die Verfügung gehandelt  hat,  vor Nachteilen  schützt  (vgl.  Urteil des Bundesgerichts 5A.19/2003 vom 17. Oktober 2003 E. 3; BGE  83 I 317 E. 4). http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=4A_447%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-257%3Ade&number_of_ranks=0#page257 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=4A_447%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-257%3Ade&number_of_ranks=0#page257 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=4A_447%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-257%3Ade&number_of_ranks=0#page257 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=4A_447%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-257%3Ade&number_of_ranks=0#page257 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=4A_447%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-257%3Ade&number_of_ranks=0#page257 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=4A_447%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-257%3Ade&number_of_ranks=0#page257 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=4A_447%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-257%3Ade&number_of_ranks=0#page257

B­5845/2010 7.3.  Es  ergibt  sich  somit,  dass  bei  Feststellungsverfügungen  wie  bei  Leistungs­  oder  Gestaltungsverfügungen  der  Grundsatz  gilt,  dass  Wiedererwägungen  von  formell  noch  nicht  rechtskräftigen  Verfügungen  nicht denselben (strengen) Voraussetzungen unterworfen sind, wie sie für  den  Widerruf  formell  rechtskräftiger  Verfügungen  gelten.  Massgebend  hierfür  ist die Überlegung, dass das Gebot der Rechtssicherheit und der  Vertrauensgrundsatz  bis  zum  Eintritt  der  formellen  Rechtskraft  der  Verfügung nicht  die gleiche Bedeutung haben können wie nach diesem  Zeitpunkt.  In  der  Regel  darf  die  Behörde  daher,  ohne  dass  besondere  Voraussetzungen  erfüllt  sein  müssen,  auf  eine  unangefochtene  Verfügung zurückkommen, solange die Rechtsmittelfrist nicht abgelaufen  ist.  In  gleicher  Weise  darf  sie  gestützt  auf  Art.  58  Abs.  1  VwVG  ihre  angefochtene  und  daher  ebenfalls  formell  noch  nicht  rechtskräftige  Verfügung  während  eines  hängigen  Beschwerdeverfahrens  zurücknehmen und durch eine neue ersetzen (vgl. BGE 134 V 257 E. 2.2;  BGE 129 V  110 E.  1.2.1;  BGE 121  II  273 E.  1a/aa mit Hinweisen;  vgl.  ANNETTE  GUCKELBERGER,  Der  Widerruf  von  Verfügungen  im  schweizerischen  Verwaltungsrecht,  Schweizerisches  Zentralblatt  für  Staats­  und  Verwaltungsrecht  [ZBl]  2007  S.  309  f.;  MÄCHLER,  in:  Kommentar  VwVG,  a.a.O.,  Art.  58,  N.  12;  ANDREA  PFLEIDERER,  in:  Praxiskommentar VwVG, a.a.O., N. 16 zu Art. 58 VwVG). 7.4.  Im  vorliegenden  Fall  erfolgte  der Widerruf  der materiell  unrichtigen  Verfügung  während  eines  hängigen  Beschwerdeverfahrens,  und  damit,  bevor sie  in  formelle Rechtskraft erwachsen war. Der Beschwerdeführer  kann sich daher auf keine hinreichende Grundlage berufen, um darauf zu  vertraut zu haben, dass die ursprüngliche Qualifikationsverfügung richtig  sei.  Ein  allfälliges  diesbezügliches  Vertrauen  seinerseits  ist  daher  nicht  schutzwürdig,  weshalb  sich  eine  Abwägung  zwischen  dem  öffentlichen  Interesse  am  Widerruf  der  materiell  unrichtigen  Verfügung  und  den  privaten  Interessen  des Beschwerdeführers  erübrigt.  Für  die  Vorinstanz  bestand  daher  kein  Anlass,  irgendwelche  Sachverhaltsabklärungen  zu  diesen privaten Interessen des Beschwerdeführers zu tätigen oder diese  Interessen in der Begründung ihrer Widerrufsverfügung zu thematisieren.  Die diesbezüglichen Rügen des Beschwerdeführers erweisen sich daher  als unbegründet. 7.5.  Auch  das  Argument  des  Beschwerdeführers,  die  Qualifikationsverfügungen  in  verschiedenen  Parallelverfahren  seien  http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=4A_447%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-257%3Ade&number_of_ranks=0#page257 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B­5845/2010 formell  rechtskräftig  geworden,  weshalb  er  sich  diesbezüglich  auf  den  Anspruch auf Rechtsgleichheit berufe, ist unbehelflich:  Der  Gleichheitsgrundsatz  von  Art.  8  BV  sichert  den  Betroffenen  grundsätzlich nur den Anspruch auf eine Gleichbehandlung im Recht zu.  Der  Umstand,  dass  in  einigen  Fällen  das  Gesetz  nicht  oder  unrichtig  angewandt  worden  ist,  lässt  in  der  Regel  keinen  Anspruch  darauf  entstehen, ebenfalls abweichend vom Gesetz behandelt zu werden. Nach  herrschender  Lehre  und  ständiger  Praxis  besteht  daher  grundsätzlich  kein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht, denn der Grundsatz der  Gesetzmässigkeit  der  Verwaltung  geht  dem Rechtsgleichheitsprinzip  im  Konfliktfall  in  der  Regel  vor.  Besteht  allerdings  eine  ständige  gesetzeswidrige  Praxis  der  Behörde  und  ist  keine  Bereitschaft  der  Behörde  zu  erkennen,  von  dieser  Praxis  abzuweichen,  so  haben  die  Betroffenen einen Anspruch darauf, ebenfalls in Abweichung vom Gesetz  behandelt  zu  werden  (vgl.  BGE  127  I  1  E.  3  mit  Hinweisen,  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  518.),  TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 23 Rz. 18 ff). Die  ersten  169  Qualifikationsverfügungen  der  Vorinstanz  wurden  beim  Bundesverwaltungsgericht angefochten und wurden nie rechtskräftig. Erst  einige  spätere  Verfügungen  erwuchsen  in  formelle  Rechtskraft.  Nach  dem  Entscheid  des  Bundesgerichts  im  Pilotverfahren  widerrief  die  Vorinstanz  sämtliche  Verfügungen,  darunter  auch  diejenigen,  die  in  formelle Rechtskraft erwachsen waren. Damit hat die Vorinstanz klar zu  erkennen  gegeben,  dass  sie  nicht  beabsichtigt,  an  ihrer  vom  Bundesgericht als rechtswidrig eingestuften Praxis festzuhalten. Aus dem  Umstand,  dass  ein  Teil  der  Qualifikationsverfügungen  in  formelle  Rechtskraft  erwachsen waren,  kann der Beschwerdeführer  daher  nichts  ableiten.  8.  Insgesamt erweist sich die Beschwerde somit als unbegründet, weshalb  sie abzuweisen ist.  9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  hat  der  Beschwerdeführer  die  Verfahrenskosten  zu  tragen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG,  Art.  1  ff.  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.3]).  Diese  werden auf Fr. 3'000.− festgesetzt und mit dem am 13. September 2010  http://links.weblaw.ch/BGE-127-I-1 http://links.weblaw.ch/BGE-127-I-1 http://links.weblaw.ch/BGE-127-I-1 http://links.weblaw.ch/BGE-127-I-1 http://links.weblaw.ch/BGE-127-I-1

B­5845/2010 geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 3'000.− verrechnet. Eine  Parteientschädigung wird nicht zugesprochen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  3'000.−  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  des  vorliegenden  Urteils mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 3'000.− verrechnet. 3.  Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Gerichtsurkunde) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Eva Schneeberger Beatrice Grubenmann Rechtsmittelbelehrung:

B­5845/2010 Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30  Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art.  82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 17. Oktober 2011

B-5845/2010 — Bundesverwaltungsgericht 14.10.2011 B-5845/2010 — Swissrulings